Ludwig Güttler

deutscher Trompeter

Ludwig Güttler, OBE (* 13. Juni 1943 in Sosa im Erzgebirge) ist ein deutscher Trompeter und Dirigent. Er gilt als einer der weltweit führenden Trompeten-Virtuosen.

Ludwig Güttler 2015 nach einem Konzert in der Christuskirche in Koblenz
Ludwig Güttler 2015 in Koblenz
Ludwig Güttler zusammen mit Volker Stegmann (Mitte) und Friedrich Kircheis 2016 nach einem Konzert in der Mettinger Pfarrkirche St. Agatha.
Güttler mit seinem Corno da caccia.

LebenBearbeiten

Nach seinem Studium bei Armin Männel an der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig waren die Stationen seiner Laufbahn zwischen 1965 und 1990 das Händelfestspielorchester in Halle (Saale) (1965–1969), die Dresdner Philharmonie (1969–1980) und die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden, wo er eine ordentliche Professur für Trompete innehatte. Daneben unterrichtete er beim jährlich stattfindenden Internationalen Musikseminar in Weimar.

Seit Mitte der 1970er Jahre ist Güttler überwiegend als Solist und später auch Dirigent im In- und Ausland tätig, wobei er sich hauptsächlich der Trompetenliteratur des 18. Jahrhunderts widmet: sein besonderer Arbeitsschwerpunkt ist die hochgestimmte Piccolotrompete für die Wiedergabe von Partien für die eigentliche Barocktrompete. Ferner war er an der Entwicklung eines modernen Blechblasinstrumentes beteiligt, das zur Wiedergabe von Partien für das historische Corno da caccia dienen sollte. Hergestellt wurde das Instrument durch den Blechblasinstrumentenbaumeister Friedbert Syhre in Leipzig.

Güttler spielte zusammen mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum unter Max Pommer zahlreiche Trompetenkonzerte ein, auch mit seinem langjährigen Orgel- und Cembalopartner Friedrich Kircheis verbindet ihn eine erfolgreiche Zusammenarbeit und Konzerttätigkeit. Eine große Zahl von Schallplatteneinspielungen Güttlers entstanden bei Eterna, viele in Koproduktion mit „Capriccio“, nach 1990 dann bei Berlin Classics und neuerdings auch bei Carus.

Güttler gründete 1976 das Leipziger Bach-Collegium, 1978 das Blechbläserensemble Ludwig Güttler und 1985 das Kammerorchester Virtuosi Saxoniae, dessen Leiter er ist. Außerdem ist er musikalischer Leiter der Festivals „Sandstein und Musik“ in der Sächsischen Schweiz und der „Musikwoche Hitzacker“.

Güttler ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.

AuszeichnungenBearbeiten

Stasi-VorwurfBearbeiten

1992 sah sich Güttler in der Presse mit Vorwürfen konfrontiert, er sei Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit gewesen. Demnach soll er im September 1979 als IM „Friedrich“ angeworben und bis Januar 1983 für die Staatssicherheit aktiv gewesen sein.[5] Den Inhalt der aufgefundenen Akte bezeichnete Güttler damals als gefälscht, da die dort protokollierten Treffen gemäß seinen eigenen handschriftlichen Unterlagen und auch aus dem Grund, dass er zu den in den Akten genannten Zeiten öffentlich zugängliche Konzerte gab, zeitlich und auch geographisch nicht möglich gewesen seien. Außerdem waren Personenangaben in den Akten fehlerhaft. Eine von ihm erstattete Strafanzeige stellte die Staatsanwaltschaft ein. Es wurde festgestellt, dass die Akten von der Stasi angelegt waren. („Das Papier war echt.“) Zum Wahrheitsgehalt der in den Akten beschriebenen Vorgänge konnte die Staatsanwaltschaft Leipzig kein Urteil abgeben.[6] Nach Einschätzung der BStU handelt es sich bei der insgesamt 266-seitigen Akte „eindeutig um Unterlagen zu einem Inoffiziellen Mitarbeiter“. Güttler wurde von 1969 bis 1989 dauerhaft durch Operative Vorgänge (OV) von der Staatssicherheit überwacht – inkl. Operativer Personenkontrolle (OPK). Nach Einschätzung der BStU handelt es sich bei der insgesamt 5000-seitigen Akte „eindeutig um eine Opferakte“.

PersönlichesBearbeiten

Ludwig Güttler hat fünf Kinder, drei Söhne, u. a. den Dirigenten Michael Güttler und den Tonmeister und Produzenten Bernhard Güttler, aus erster und zwei Töchter aus zweiter Ehe. Er ist in dritter Ehe verheiratet.[7][8]

EngagementBearbeiten

Dresdner FrauenkircheBearbeiten

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Ludwig Güttler Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden e. V. und Kurator der Stiftung Frauenkirche Dresden. Für sein Engagement beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche wurde er im September 2007 von Bundespräsident Horst Köhler mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Am 26. Mai 2005 wurde ihm von Landtagspräsident Erich Iltgen die Sächsische Verfassungsmedaille verliehen.[9] Queen Elisabeth II. hat ihm im November 2007 „in Anerkennung seiner Verdienste um den Wiederaufbau der Frauenkirche und seinen bedeutsamen Beitrag“ für die Versöhnung beider Völker bei diesem Projekt den Orden „Officer of the Order of the British Empire (OBE)“ des britischen Ritterordens Order of the British Empire verliehen.[10] In der Dresdner Frauenkirche gab Güttler an seinem 70. Geburtstag ein Festkonzert.[11]

Weltkulturerbe in DresdenBearbeiten

2006 und in den Folgejahren meldete sich Güttler im Dresdner Brückenstreit um die Waldschlößchenbrücke zu Wort, indem er den unbedingten Erhalt des Titels Welterbe Dresdner Elbtal forderte.[12][13]

Kinderhospiz BethelBearbeiten

Ludwig Güttler ist seit Januar 2010 offizieller Pate des Kinderhospizes Bethel für sterbende Kinder.[14]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhold Andert: Unsere Besten. Die VIPs der Wendezeit. Berlin 1993, S. 46.
  2. Matthias Hockmann: Verein „Alte Kesselschmiede“ holt Ludwig Güttler und „Virtuosi Saxoniae“ ins Forum: Festkonzert mit Startrompeter zwischen Gold und Bronze. Neue Osnabrücker Zeitung vom 13. Oktober 2010, abgerufen am 25. September 2016
  3. Liste der Preisträger des Deutschen Stifterpreises
  4. Hohe Landesauszeichnung für Prof. Ludwig Güttler, Pressemitteilung des Landes Niederösterreich vom 6. Juli 2015, abgerufen am 8. Juli 2015.
  5. Uwe Müller/ Grit Hartmann: Vorwärts und vergessen! Kader, Spitzel und Komplizen – Das gefährliche Erbe der SED-Diktatur. Berlin 2009, S. 173–176.
  6. Leipziger Volkszeitung: Stasi-Papier war echt/ IM-Akte über den Trompeter Güttler. 16. September 1993
  7. Ludwig Güttler: Porträt und Konzert. musik-heute.de, abgerufen am 2. Dezember 2018
  8. Konstanze Kobel-Höller: Der perfekte Sound von Anne-Sophie Mutter. In: Märkische Allgemeine Zeitung. 7. Juni 2017, abgerufen am 14. Juli 2020.
  9. Pressemitteilung vom 26. Mai 2006: Ehrung für Verdienste um Freistaat – Landtagspräsident Erich Iltgen ehrt sieben Bürger mit Sächsischer Verfassungsmedaille 2005 (Memento vom 3. August 2012 im Webarchiv archive.today)
  10. Königin Elizabeth II. verleiht dem Dresdner Trompeter den Ritterorden: Trompeter Ludwig Güttler wird zum Ritter ernannt. In: Klassik.com. 29. August 2007, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  11. Jan Brachmann: Trompeter für die Frauenkirche. faz.net, 13. Juni 2013, abgerufen am 16. Juni 2013
  12. Güttler für das Dresdner Welterbe und den Elbtunnel (YouTube, 1:19 Minuten)
  13. Jeanette Tandel: Waldschlößchenbrücke: Ringen um Unesco-Welterbetitel. In: Der Tagesspiegel. 9. August 2006, abgerufen am 1. Oktober 2020.
  14. Kinderhospiz Bethel: Ludwig Güttler setzt sich ein für kranke Kinder.

LiteraturBearbeiten

Besondere Zeitungsbeiträge
  • Haig Latchinian: Trompeter Ludwig Güttler gibt Nachwuchs auf Schloss Colditz einen Meisterkurs – Wenn Star-Trompeter Ludwig Güttler (73) in Colditz seine Meisterkurse gibt, dann sind das Sternstunden in der noch jungen Geschichte der Landesmusikakademie Sachsens: Montag durfte die LVZ hinter die Kulissen des einstigen Marstalls auf Schloss Colditz blicken, in den Freistaat und Musikrat seit 2010 fast vier Millionen Euro investierten. Der Maestro plaudert über Queen und Putin, Frauenkirche und Fluchtmuseum, Ausbildung und Einbildung, Harmonie und Glücksgefühle. Online-Beitrag auf lvz.de sowie unter der Überschrift „Der große Trompeter“ in: Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, 25. April 2017, Seite 27 (ganzseitiger Zeitungsbeitrag, Thema des Tages)

WeblinksBearbeiten

Commons: Ludwig Güttler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien