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Kantorenpult in der Basilika St. Stephanus und St. Vitus in Corvey

Als Kantor (lateinisch cantare – singen; cantor – Sänger) bezeichnet man den Vorsänger, Chorleiter oder musikalisch tätigen Vorsteher in einem Gottesdienst. Im christlichen Kontext entwickelte sich diese liturgische Tätigkeit zum hauptberuflichen Kirchenmusiker, dessen bekanntester Vertreter Johann Sebastian Bach ist.

Inhaltsverzeichnis

Kantorenamt in den abrahamitischen ReligionenBearbeiten

Kantoren gibt es im Judentum (Chasan) wie auch im Christentum. Von großer Bedeutung ist die Rolle des Kantors oder der Kantorin in den orthodoxen Kirchen bzw. den mit Rom unierten Ostkirchen, die in byzantinischer Tradition stehen, da hier in der Liturgie viele Kontakien oder Litaneien gesungen werden. Im Islam kommt dem Imam als Vorbeter eine dem Kantor vergleichbare Rolle zu.

Kantor als christlicher KirchenmusikerBearbeiten

Über die liturgische Rolle als Vorsänger im Gottesdienst hinaus bezeichnet der Begriff Kantor oder Kantorin auch die in einer Gemeinde für die Kirchenmusik verantwortliche Person, wobei Kantoren zumindest bei der evangelischen und katholischen Kirche ein Kirchenmusikstudium absolviert haben müssen[1][2] und meist hauptamtlich oder nebenamtlich angestellt sind. Bei guten musikalischen Leistungen und entsprechender Tätigkeit kann der Titel auch Kirchenmusikern ohne absolviertes Kirchenmusikstudium verliehen werden.

Zu den Aufgaben des Kantors gehört in der Regel das liturgische und konzertante Orgelspiel und die Begleitung des Gemeindegesangs, ferner die Leitung von Chören und Musikgruppen, etwa einer Kantorei, zu der auch ein Kinderchor, Kirchenchor, Posaunenchor, eine Choralschola und ein Instrumentalensemble für die Aufführung von Kantaten oder Messvertonungen gehören können. Im Bereich des neuen geistlichen Liedes wuchs dem Kantor in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die Schulung und Leitung von Jugendscholen und Bands zu.

In Mitteldeutschland und zu früheren Zeiten war das Amt des Kantors oft mit dem Amt des örtlichen Lehrers verbunden, sodass der Begriff „Kantor“ (auch „Kanter“ ausgesprochen) mit dem Begriff des Lehrers identisch war (z. B. in der Magdeburger Börde). Viele Kantoren waren oder sind auch bekannte Komponisten. Zu den bekanntesten Beispielen zählt neben dem Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach auch Georg Philipp Telemann, der als Kantor am Johanneum und Musikdirektor der fünf Hauptkirchen in Hamburg wirkte.

Berufsbezeichnungen und TätigkeitsmerkmaleBearbeiten

Nachfolgende Bezeichnungen beschreiben Kantoren und ihre unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche:

  • ein Kantor als Chorleiter und Organist einer evangelischen oder katholischen Kirchengemeinde,
  • ein Stadtkantor als erster hauptamtlicher Kirchenmusiker einer Stadt mit Sitz an der Haupt- bzw. Stadtkirche,
  • ein Domkantor als hauptamtlicher Kirchenmusiker neben dem Domorganisten und Kapellmeister einer Dom- oder Kathedralkirche,
  • ein Vikariatskantor als Kirchenmusiker eines Vikariates der römisch-katholischen Kirche,
  • ein Seelsorgebereichskantor als leitender Kirchenmusiker, zumeist hauptamtlich, der die Kirchenmusik innerhalb eines Zusammenschlusses verschiedener Kirchen zu einem Pfarrverband koordiniert und gemeinsam mit den nebenamtlichen Kräften ausübt,
  • ein Bezirkskantor (Dekanatskantor) als überpfarrlich tätiger hauptamtlicher Kirchenmusiker in einem Dekanat, mit Dienstsitz an einer zentralen Kirche dieses Dekanats,
  • ein Regionalkantor als hauptamtlicher Kirchenmusiker der römisch-katholischen Kirche, dessen Zuständigkeitsbereich eine Region mit mehreren Dekanaten umfasst, bzw. ein Kreiskantor als hauptamtlicher Kirchenmusiker eines Kirchenkreises der evangelischen Kirche. Bezirks-, Kreis- oder Regionalkantoren haben häufig die fachliche Aufsicht über kirchenmusikalisch Tätige in den Kirchengemeinden ihrer Region.
  • Seit dem 21. Jahrhundert etabliert sich zudem die Bezeichnung Popkantor mit einem Arbeitsschwerpunkt im Bereich der christlichen Popularmusik.[3] Dieses für den Tätigkeitsschwerpunkt relevante Studienfach kann an einigen deutschen Musikhochschulen als Ergänzung zum Kirchenmusikstudium gewählt werden.

Bekannte Kantoren und Ihre Wirkungsorte (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Kantor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten