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Friedrich Wilhelm III. (Preußen)

König von Preußen (1797–1840); Kurfürst von Brandenburg (1797–1806); Markgraf von Brandenburg (1797–1815)
Friedrich Wilhelm III.
Friedrich Wilhelm III. um 1830
(Lithographie von Wilhelm Devrient, nach Franz Krüger)
Monogramm von Friedrich Wilhelm III.

Friedrich Wilhelm III. (* 3. August 1770 in Potsdam; † 7. Juni 1840 in Berlin) war seit 1797 König von Preußen und als Markgraf von Brandenburg zudem Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Auflösung im Jahre 1806. Er entstammte dem deutschen Fürstenhaus Hohenzollern.

Inhaltsverzeichnis

Leben bis zum HerrschaftsantrittBearbeiten

HerkunftBearbeiten

Friedrich Wilhelm wurde am 3. August 1770 in Potsdam als ältester Sohn des damaligen Thronfolgers und späteren preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. und Friederike von Hessen-Darmstadt geboren. Friedrich II., die zentrale Gestalt der preußischen Geschichte, war sein Großonkel. Der junge Friedrich Wilhelm hatte König Friedrich noch gekannt.[1]

Friedrich Wilhelm galt als verschlossenes, schüchternes und zurückhaltendes Kind. Die Eigenart des Kronprinzen erklärt sich nicht zuletzt daraus, dass der königliche Vater sich wenig um ihn kümmerte. Wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmete er seinem „Lieblingssohn“ Alexander von der Mark, der allerdings in jungen Jahren verstarb. Diesen Sohn hatte der König mit seiner Mätresse Wilhelmine Encke gezeugt, die er schließlich zur Gräfin Wilhelmine von Lichtenau erhob. Das Verhältnis Friedrich Wilhelms zu seinem Vater war auch deswegen gespannt.

Auch als Erwachsener hatte Friedrich Wilhelm III. ein eher trockenes und nüchternes Wesen. Legendär wurde die charakteristische Kürze seiner Redeweise. Besonders das Weglassen der Personalpronomina wurde Vorbild für die knappe preußische Militärsprache.[2]

 
Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise im Park von Schloss Charlottenburg, Ölgemälde von Friedrich Georg Weitsch, 1799

HeiratBearbeiten

Am 24. Dezember 1793 heiratete Friedrich Wilhelm Luise zu Mecklenburg-[Strelitz]. Die Zuneigung dieser Frau wurde dem Kronprinzen, der bisher wenig Liebe erfahren hatte, zu einer glücklichen Erfahrung. Im Kronprinzenpalais Unter den Linden in Berlin, wo er auch als König wohnen blieb, und im bescheidenen Sommersitz von Paretz bei Potsdam führte Friedrich Wilhelm ein fast schon bürgerliches Leben und eine vorbildhafte Ehe.

Das befriedigende Eheleben führte zu zehn Kindern, von denen sieben erwachsen wurden. Prinz Friedrich Wilhelm IV., der älteste Sohn, folgte seinem Vater als preußischer König nach. Prinz Wilhelm I., der zweitgeborene Sohn, wurde 1861 preußischer König und ab 1871 der erste Kaiser des Deutschen Kaiserreiches. Die älteste Tochter, Prinzessin Charlotte von Preußen, bestieg als Alexandra Fjodorowna den russischen Zarenthron. Luise von Preußen, die jüngste Tochter aus der Ehe mit Luise, wurde Prinzessin der Niederlande. Tochter Alexandrine von Preußen wurde Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin.

Friedrich Wilhelm III. als KönigBearbeiten

Herrschaftsantritt (1797)Bearbeiten

Am 9. November 1797 überließ König Friedrich Wilhelm II. seinem Sohn die Regierungsgeschäfte, da er dazu aufgrund von Atemnot und Bewegungsunfähigkeit nicht mehr in der Lage war.[3] Während eines Krampfanfalls starb Friedrich Wilhelm II. am 16. November 1797, morgens um 8:58 Uhr, im Alter von 53 Jahren im Marmorpalais. Am frühen Morgen des 16. November 1797 erfuhr Friedrich Wilhelm in Berlin von Boten, dass König Friedrich Wilhelm II. im Sterben lag.[4] Auf dem Weg zum Marmorpalais in Potsdam begegnete dem Kronprinzen der königliche Kabinettsrat von Bischoffwerder, der die Nachricht vom Tod des Königs nach Berlin tragen sollte. Der Kronprinz Friedrich Wilhelm wurde zu König Friedrich Wilhelm III.

Als offizielle Zeremonie des Amtsantrittes diente die Huldigung von Ständen und Untertanen. Im Kern war die Huldigung ein Eidschwur, welchen Vertreter im Namen des ganzen Volkes vor ihrem Monarchen sprachen.[4] Den Aufwand seiner festlichen Huldigung versuchte Friedrich Wilhelm III. zu begrenzen. Dies geschah aus zwei Gründen. Friedrich Wilhelm II. hatte seinem Nachfolger 48 Millionen Taler Staatsschulden hinterlassen. Außerdem wollte Friedrich Wilhelm III. sich von seinem Vorgänger, der eine sehr prachtvolle höfische Repräsentation pflegte, bewusst abgrenzen. Die Huldigungsfeste in den einzelnen Provinzhauptstädten ersetzte der König durch Feste lediglich in Berlin und Königsberg. In Königsberg begann die Festlichkeit mit einer Predigt und dem Eidschwur der Bischöfe und Minister an den neuen König. Der König seinerseits ließ zwei Reden, eine in deutsch und eine in polnisch, an die versammelten Stände verlesen. Zu den folgenden Festtagen in Königsberg waren 3000 Personen eingeladen. Die Berliner Huldigung fand am 6. Juli 1798 statt. Nach dem Gottesdienst im Berliner Dom zogen die königliche Familie und die Vertreter von Adel und Klerus ins Berliner Stadtschloss. Im Rittersaal schworen zunächst die Prinzen des Königshauses ihren Treueid auf König und Gesetze, dann im Weißen Saal die oberen Stände. Der König versprach den Ständen im Gegenzug „mit Gnade und Gerechtigkeit zu regieren“. Im Anschluss trat der König auf den Balkon des Stadtschlosses, um auch von den im Lustgarten versammelten Vertretern den Eid entgegenzunehmen. Angesichts der Französischen Revolution boten die Huldigungsfestlichkeiten die Gelegenheit, einen Beweis für die lebendige Beziehung zwischen Monarch und Volk zu liefern.

Höfische SittenpolitikBearbeiten

 
Die Mätresse seines Vaters: Wilhelmine von Lichtenau

Angewidert vom moralischen Zerfall am Hofe seines Vaters (Intrigen einer kleinen Hofclique, Affären des königlichen Vaters, der am Ende mit drei Frauen zugleich verheiratet war), war er bemüht, die Sittlichkeit im Königshaus wiederherzustellen. Bereits kurz vor dem Tod seines Vaters hatte er diese Maßnahme in der Schrift Gedanken über die Regierungskunst begründet:

„Ein fürstlicher Hof ist gewöhnlich mit trotzigen, eingebildeten, hochmüthigen und impertinenten Subjekten versehen. Eben daher kömmt es denn, dass die meisten Höfe gewöhnlich als Sitze des Lasters und der Üppigkeit von dem Land verabscheut werden.“

Friedrich Wilhelm III.

Der Eifer Friedrich Wilhelms ging so weit, dass er die Mätresse seines Vaters, die Gräfin von Lichtenau, unter Arrest stellte, ihre Wohnung durchsuchen und deren Besitz beschlagnahmen ließ. Der König warf ihr in einer Kabinettsorder vom 13. März 1798 vor, „die wichtigsten wie die geringsten Regierungsangelegenheiten von ihren landesverderblichen Einfluss abhängig gemacht (zu) haben“. Allerdings fanden die königlichen Untersuchungen keinen einzigen Beweis dafür, dass Encke in die Politik Friedrich Wilhelms II. eingegriffen habe.

Die Prinzessinnengruppe, eine Skulptur des Bildhauers Johann Gottfried Schadow, entzog der König der Öffentlichkeit, da das Kunstwerk ihm zu leger erschien. Es stellte neben seiner Frau Luise seine Schwägerin Friederike dar, die wegen leichtfertiger Lebensweise bei ihm in Ungnade gefallen und vom Hof verbannt worden war.

Auch noch als König hielt sich Friedrich Wilhelm III. im Kronprinzenpalais auf. Das Berliner Stadtschloss war ihm viel zu imposant und wurde nur zu seltenen, repräsentativen Staatsakten wie der Huldigungsfestlichkeit genutzt. Anders als seine Vorgänger zog er eine klare Trennlinie zwischen Privatleben und öffentlicher Funktion.[5] Sein relativ schlichter, fast bürgerlicher Lebensstil fand in der Öffentlichkeit positiven Anklang. So pries der Theaterdichter Karl Alexander Herklots in einem Lobgedicht aus dem Jahr 1798 seinen König mit den Versen:

Nicht dem Purpur, nicht der Krone
räumt er eitlen Vorrang ein.
Er ist der Bürger auf dem Throne,
und sein Stolz ist’s Mensch zu sein.

Ein Zitat Friedrich Wilhelms III. beschreibt die Pflichtauffassung und kann als Beispiel seiner knappen Sprache gelten:

„Jeder Staatsdiener hat doppelte Pflicht: Gegen den Landesherrn und gegen das Land. Kann wohl vorkommen, daß die nicht vereinbar sind, dann aber ist die gegen das Land die höhere.“

Innenpolitische Reformbemühungen bis 1806Bearbeiten

 
Der Agrarreformer des Königs: Albrecht Daniel Thaer

Schon vor 1806 hatte Friedrich Wilhelm III. Interesse an innenpolitischen Reformen gezeigt, die jedoch nur zögerlich verliefen, da sie auf den Widerstand der Landstände, seiner Kamarilla und Teilen der Bürokratie trafen.

In einem Edikt vom 13. Oktober 1798 wies der König die Finanzkommission an,[6] „auf die Heranziehung des Adels zur Grundsteuer Bedacht zu nehmen“. Friedrich Wilhelm III. ging es in dem Edikt um eine Erhöhung der Grundsteuer, die der Adel an den Staat zahlte. Das Vorhaben scheiterte jedoch, da ein hoher Beamter die königliche Order veröffentlichte und daraufhin die preußischen Landstände protestierten.

1799 erteilte der König den Befehl, die Leibeigenschaft auf den königlichen Landgütern abzuschaffen.[7] Doch die Bemühungen des Königs trafen auf zähen Widerstand aus dem Generaldirektorium, da die adeligen Gutsherren fürchteten, die Bauern ihrer Landgüter könnten rebellieren. Erst nach 1803 ignorierte Friedrich Wilhelm III. diese Bedenken und ließ die Frondienste der Bauern auf seinen Landgütern nach und nach abbauen. Im Jahr 1804 wurde Friedrich Wilhelm III. auf den Agrarreformer Albrecht Daniel Thaer aufmerksam. Die bisherigen Methoden der preußischen Landwirtschaft waren uneffektiv. Thaer ersetzte die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft durch die Fruchtfolge. Der König förderte die von Thaer gegründete Lehranstalt, die 1819 den offiziellen Titel „Königlich Preußische Lehranstalt des Landbaus“ erhielt.

Ein weiteres wichtiges Feld der frühen Reformen war die medizinische Versorgung. Auf persönliche Einladung des Königs kam im Jahr 1800 der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland nach Berlin.[8] Der König bestimmte ihn zum Leibarzt des Königshauses und zum ersten Arzt der Berliner Charité.

Am 11. August 1806 verfügte Friedrich Wilhelm III. die Gründung der ersten preußischen Blindenanstalt.

Außenpolitik bis 1807Bearbeiten

NeutralitätspolitikBearbeiten

Der Friede von Basel von 1795 hatte zum Ausscheiden Preußens aus den Koalitionskriegen gegen das revolutionäre Frankreich geführt. Zumindest auf dem Papier vereinbarten Preußen und Frankreich darin, die Neutralität Norddeutschlands zu achten.[9] Durch die Bildung dieser Neutralitätszone konnte Preußen seinen Einflussgebiet im Heiligen Römischen Reich auf Kosten der Habsburger, die weiterhin Krieg führten, ausbauen. Diplomatisch führte diese Politik dazu, dass Preußen keinen verlässlichen Bündnispartner hatte, um die Neutralitätszone zu verteidigen. Der kriegsführende Süden des Heiligen Römischen Reiches wurde gegenüber Frankreich so weit geschwächt, dass die französischen Truppen tief ins Heilige Römische Reich vordringen konnten.[9]

Aus der Sicht Friedrich Wilhelm III. und seiner Kamarilla gab es viele Gründe für die Fortführung der Neutralität. Eine neutrale Haltung bot die Möglichkeit sich alle Handlungsoptionen offen zu halten und später Krieg zu führen.[10] Darüber hinaus ermöglichte der Frieden die Finanzen des Landes so weit zu sanieren, um es auf einen späteren militärischen Konflikt vorzubereiten. Friedrich Wilhelm III. strebte im Gegensatz zu Friedrich II. nicht zwangsläufig militärischen Ruhm an. Seinem Onkel teilte er mit: „Alle Welt weiß, dass ich den Krieg verabscheue und dass ich nichts Größeres auf Erden kenne als die Bewahrung des Friedens und der Ruhe als einziges System, das sich für das Glück der Menschheit eignet.“

So blieb Preußen den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich auch weiterhin fern. Da Frankreich versuchte, Großbritanniens Position im Mittelmeer durch die Eroberung Ägyptens zu erschüttern, hatte sich um Großbritannien eine Zweite Koalition aus Russland und Österreich gebildet, die am 1. März 1799 einen weiteren Krieg gegen die Franzosen begann. Die Briten blieben in der Folge der Hauptfeind Napoleons.

 
Preußen, der Rheinbund und Österreich im Jahr 1806

Zwar ging Frankreich aus diesem Krieg geschwächt hervor, aber sein Einfluss auf Deutschland wuchs. Der Bericht des Reichsdeputationshauptschlusses, der am 27. April 1803 in Regensburg veröffentlicht wurde, kam einer geopolitischen Revolution gleich, die den Untergang des Heiligen Römischen Reiches vorzeichnete: Die Reichsstädte wurden bis auf sechs abgeschafft; von den unzähligen kirchlichen Fürstentümern blieben nur drei übrig. Staaten wie Bayern, Württemberg und Baden, die aufgrund ihrer geographischen Lage zwischen Frankreich und Österreich nützliche Bündnispartner werden konnten, profitierten besonders von Gebietsgewinnen und Rangerhöhungen (z. B. wurden später Bayern, Sachsen und Württemberg zu Königreichen erhoben). Im Rahmen des Rheinbundes machte Napoleon die entstandenen deutschen Mittelstaaten zu seinen Vasallen, die ihm für seine Kriege Kontributionen und Soldaten zu stellen hatten.

Auch Preußen profitierte zunächst von den durch Säkularisierung und Mediatisierung erzielten Gebietsgewinnen. Die Bistümer Münster, Paderborn, Hildesheim und Erfurt, die Stifte Essen, Herford, Quedlinburg, Werden und Elten fielen an Preußen. Aber auch die Reichsstädte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen wurden preußisch.[11]

Nach der französischen Besetzung der preußischen Markgrafschaft Ansbach, zeigte Friedrich Wilhelm III. Interesse an einem Bündnis mit dem russischen Zaren Alexander I. Der König schickte daraufhin seinen Außenminister Christian von Haugwitz mit einem Ultimatum zu Kaiser Napoleon, das mit einem preußischen Kriegseintritt in den Dritten Koalitionskrieg drohte. Als Friedrich Wilhelm III. von der österreichischen und russischen Niederlage bei Austerlitz hörte, zog er die Drohung zurück. Preußen galt damit weiterhin als Verbündeter des wenig zuverlässigen Französischen Kaiserreiches. Auf Druck von Napoleon besetzte Preußen Hannover, das in Personalunion mit Großbritannien regiert wurde. Mit diesem Schachzug trieb Napoleon einen Keil zwischen Friedrich Wilhelm III. und Georg III. von Großbritannien. Eine besondere Demütigung erfuhr Preußen, als Napoleon das Kurfürstentum Hannover wenig später in Friedensverhandlungen über Friedrich Wilhelms Kopf hinweg Großbritannien anbot.

Zusammenbruch PreußensBearbeiten

 
Preußen, der Rheinbund und Österreich im Jahr 1808

Nachdem sich solche französische Provokationen häuften, befahl Friedrich Wilhelm III. am 9. August 1806 die Mobilmachung seiner Armee.[12] Am 26. September schrieb der preußische König einen Brief an Napoleon. Er forderte den französischen Kaiser darin auf, die preußische Neutralitätszone anzuerkennen und preußische Territorien am Niederrhein zurückzugeben.

Dem Brief ließ er am 27. September 1806 ein Ultimatum folgen. Der französische Kaiser solle bis zum 8. Oktober 1806 mit dem Rückzug seiner Truppen hinter den Rhein beginnen. Die Rheinbundakte bzw. die Schaffung des Rheinbundes, so lässt das Ultimatum erkennen, habe den Frieden von Basel bzw. die preußische Neutralitätszone in Norddeutschland ad absurdum geführt. Der König bezichtigt Napoleon also des Vertragsbruches. Im Ultimatum heißt es wörtlich:

„Der König erwartet von der Rechtschaffenheit Seiner Kaiserlichen Majestät: 1. dass die französischen Truppen, die kein begründeter Anspruch nach Deutschland ruft, unverzüglich wieder den Rhein überschreiten […]“

Napoleon reagierte nicht auf das Ultimatum, antwortete jedoch dem Brief Friedrich Wilhelms III. Er gab darin Friedrich Wilhelm III. zu verstehen, dass Frankreich Preußen militärisch überlegen sei:

„Glauben Sie mir, ich habe so mächtige Streitkräfte, daß alle die Ihrigen den Sieg nicht lange schwankend machen können! Warum aber so viel Blut vergießen? Zu welchem Zweck? Ich spreche zu Eurer Majestät, genau so wie ich zum Kaiser Alexander vor der Schlacht von Austerlitz gesprochen habe (…) Aber Sire, Eure Majestät wird besiegt werden! Sie werden die Ruhe ihrer Tage, das Leben Ihrer Untertanen preisgeben, ohne auch nur den kleinsten Grund zu Ihrer Entschuldigung vorbringen zu können! Heute stehen Sie noch unbescholten da und können mit mir auf eines Ihres Ranges würdige Weise unterhandeln, aber noch ehe ein Monat vergeht, wird ihre Lage eine andere sein.“

Napoleon: Brief an Friedrich Wilhelm III.
 
Geographische Übersicht zum Schlachtfeld von Jena und Auerstedt

Am 9. Oktober 1806, ein Tag nach Ablaufen des preußischen Ultimatums, erklärte Napoleon Preußen den Krieg. Zwar übertrug Friedrich Wilhelm III. dem Herzog von Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand, den Oberbefehl über die preußischen Truppen, doch riss weder dieser noch der König die Leitung des Feldzuges an sich.[13] Napoleon dagegen konnte schneller reagieren. Er ließ seine Truppen von Würzburg aus nach Thüringen marschieren. In der Schlacht bei Saalfeld am 10. Oktober 1806 fiel der bei Hofe einflussreiche Prinz Louis Ferdinand, ein Neffe Friedrichs II. Bei der darauffolgenden Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde das Heer des Königs vernichtend geschlagen. Friedrich Wilhelm gelang es kaum noch, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Er fand Weimar, wohin er sich zuerst wenden wollte, schon von den Franzosen besetzt. Immer wieder musste er – geführt von ortskundigen Bewohnern der Gegend – die Richtung wechseln, um den vorrückenden Truppen Napoleons zu entkommen. Als er schließlich in Sömmerda ankam, hatte er 26 Stunden ununterbrochen ohne Verpflegung im Sattel gesessen. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde die Quadriga des Brandenburger Tors auf Weisung von Napoleon als Kriegsbeute nach Paris gebracht. In Paris wurde geplant, die Quadriga des Brandenburger Tors entweder auf den späteren Arc de Triomphe oder Porte Saint-Denis zu platzieren.[14]

Friedrich Wilhelm musste mit Frau und Kindern bis nach Memel in Ostpreußen fliehen, in den nordöstlichsten Zipfel des Landes. Am 7. und 8. Februar 1807 wurde die französische Armee von russischen Streitkräften in der Schlacht bei Preußisch-Eylau zurückgeschlagen. Von diesem Rückschlag ernüchtert, bot Napoleon Friedrich Wilhelm III. einen Waffenstillstand an, demzufolge Preußen lediglich auf seine Gebiete westlich der Elbe verzichten musste. Friedrich Wilhelm III. lehnte jedoch ab, da er hoffte, dass weitere russische Angriffe die Waagschale zugunsten Preußens neigen würden. Eine weitere russische Verstärkung blieb jedoch aus und Napoleon schlug die russische Armee in der Schlacht bei Friedland vernichtend.

Nach dem Ende des Alten Reiches am 6. August 1806 führte Friedrich Wilhelm seine Reichstitel Kurfürst und Erzkämmerer des Reiches zunächst weiter. Erst 1809 legte er sie ab.[15]

Frieden von TilsitBearbeiten

 
Das Königspaar Friedrich Wilhelm und Luise residierte 1807/1808 im Palais des dänischen Konsuls Consentius-Lorck in Memel[16]

Am 14. Juni 1807 musste Zar Alexander I. um Waffenstillstand bitten. Damit brach er sein Versprechen gegenüber Friedrich Wilhelm III., nicht mit Frankreich zu verhandeln. Zum Treffen Napoleons mit dem Zaren in Tilsit wurde der preußische König nicht eingeladen. Napoleon legte es auf die völlige Demütigung des Königs an. Friedrich Wilhelm III. musste stundenlang am Ufer der Memel, umgeben von russischen Offizieren und eingewickelt in einen russischen Mantel, auf die Ergebnisse des Vertrages warten. Erst am nächsten Tag lud Napoleon Friedrich Wilhelm III. zu sich. Zunächst ließ Napoleon den König im Vorzimmer warten, dann weigerte er sich, dem König seine Pläne für Preußen mitzuteilen. Stattdessen wurde der König von Napoleon über dessen militärische Fehler belehrt.

Am 9. Juli 1807 diktierte Napoleon im Frieden von Tilsit die Bedingungen für Preußen. Preußen verlor alle Gebiete westlich der Elbe und aus der Zweiten und Dritten Polnischen Teilung. Teilweise aus den von Preußen abgetrennten Territorien entstanden das Herzogtum Warschau und das Königreich Westphalen, die zu französischen Vasallen wurden und Preußens Einfluss weiter eindämmten. Preußen hatte die Hälfte seines Territoriums verloren und war zu einer hoch verschuldeten Mittelmacht abgestiegen.

Preußische ReformenBearbeiten

 
Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise in Ostpreußen bei den Verwaltungsreformen von 1807/08 mit den Reformern Stein, Hardenberg, Scharnhorst und Gneisenau und Mitgliedern der königlichen Familie (z. B. Bruder Prinz Wilhelm und dessen Gattin, Prinzessin Marianne). Relief am Denkmal für den Freiherrn vom Stein von Hermann Schievelbein und Hugo Hagen in Berlin vor dem Abgeordnetenhaus.

Auch Friedrich Wilhelm III. war gezwungen zu erkennen, dass der militärische, politische und wirtschaftliche Zusammenbruch Preußens nur durch radikale Reformen überwunden werden konnte.[17] So ließ er es zu, dass ein Führungskader aus Ministern und Beamten eine Reihe von Regierungsedikten erließen, die Preußen zu einem modernen Staat machen sollten. Hier spricht man von den sogenannten „Preußischen Reformen“. Die Reformen wurden vom Freiherrn vom Stein, von Karl August von Hardenberg, Wilhelm von Humboldt und Militärs wie Gerhard von Scharnhorst und August Graf Neidhardt von Gneisenau vorangetrieben. Die Lage des Landes und auch die Beziehung zwischen Volk und König besserten sich infolge der Reformen.

Bei der Arbeit an den Reformen trat Preußen in die Frühmoderne ein. Der König regierte nicht mehr im Stil eines absolutistischen Herrschers, vielmehr delegierte er Verantwortung an Spitzenbeamte, die ihre Gebiete mit einer gewissen Eigenständigkeit bearbeiteten. Dabei ging es sowohl um die Fachressorts als auch um die Leitung neu gebildeter Provinzen. Dem König oblagen die grundlegenden Entscheidungen, die Umsetzung ins Detail war den Ressorts überlassen. Die Fachleute berieten den König, der zwischen ihnen moderierte und Entscheidungen traf.

Beziehung zum Freiherrn vom und zu SteinBearbeiten

Dennoch leitete der König die Reformen mit Vorsicht ein. Die Staatsreformer wurden vom König in einigen Punkten ausgebremst, da Friedrich Wilhelm III. eine Balance zwischen Adel und aufstrebendem Bürgertum wahren wollte. Der preußische Finanz- und Handelsminister Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein wollte Preußen dagegen nach dem Vorbild des napoleonischen Code civil umformen: Bauernbefreiung, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz von Eigentum und Religionsfreiheit. Auf dieser Grundlage könne der Staat loyale Bürger für sich gewinnen und revolutionäre Kräfte, wie sie die Französische Revolution demonstriert hatte, bändigen. Als Heinrich Friedrich Karl vom und zu Stein vorschlug, die aus Günstlingen des Königs bestehende Kabinettregierung durch ein Ministerium zu ersetzen, schrieb ihm Friedrich Wilhelm III.:

„Aus allem diesem habe ich mit großem Leidwesen ersehen müssen, daß Sie als widerspenstiger, trotziger, hartnäckiger und ungehorsamer Staatsdiener anzusehen (sind), der auf sein Genie und Talent pochend, weit entfernt (davon ist), das Beste des Staates im Auge zu haben, nur durch Kapricien geleitet, aus Leidenschaft und aus persönlichem Hass und Erbitterung handelt.“

Friedrich Wilhelm III.: Brief an den Freiherrn vom Stein

Friedrich Wilhelm III. warf Stein in diesem Brief vor, nur aus Vorurteilen heraus zu handeln. Am 3. Januar 1807 zwang der König den Freiherr vom Stein zum Rücktritt und behinderte damit vorerst die preußischen Reformen.[18] Erst nach der Entlassung Karl August von Hardenbergs im Juli 1807 wurde der Freiherr vom Stein durch Friedrich Wilhelm III. in den Staatsdienst zurückgeholt.

OktoberediktBearbeiten

Die bedeutendste Leistung von Stein war das sogenannte Oktoberedikt, welches am 9. Oktober 1807 verkündet wurde. Mit dem Oktoberedikt wurde die Leibeigenschaft der Bauern und Frondienste aufgehoben. Berufsfreiheit und freier Eigentumserwerb wurden staatlich garantiert. Damit konnten Bauern in die Städte ziehen, Stadtbewohner Landbesitz erwerben und Adelige bürgerliche Berufe ergreifen.

Abschaffung der KabinettregierungBearbeiten

Stein gelang es, Friedrich Wilhelm III. davon zu überzeugen, sein Kabinett aus persönlichen Beratern aufzulösen und an dessen Stelle Ministerien zu setzen. Im November 1808 entstanden ein Justizministerium, ein Kriegsministerium, ein Finanzministerium, ein Außenministerium und Innenministerium. Mit der Abschaffung einer doppelten Beratung des Königs (d. h. durch Minister und Räte) sollten Rivalitäten zwischen Ministern und Beratern vermieden werden.[19] Die Bürokratisierung schränkte jedoch auch die Macht Friedrich Wilhelms ein. So versuchte Stein den König sogar davon zu überreden, dass Dekrete nur dann gültig seien, wenn sie die Unterschriften der fünf Minister trügen.

StädteordnungBearbeiten

Am 19. November 1808 setzte der König eine Order, die sogenannte Städteordnung in Kraft. Die preußischen Städte wurden darin, als vom Staat zu unterscheidende, eigenständige Korporationen angesehen. Örtliche Angelegenheiten sollten durch die kommunale Selbstverwaltung der Bürger selbstverantwortlich organisiert werden. Auch hier beugte sich der König letztlich dem Drängen des Freiherrn vom Stein.[20]

BildungsreformenBearbeiten

Der König leitete auch umfassende Bildungsreformen ein. 1809 übertrug er Wilhelm von Humboldt die Gründung der Alma Mater Berolinensis, die Universität Berlin (1828–1949 Friedrich-Wilhelms-Universität, danach Humboldt-Universität zu Berlin). 1811 wurde die Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität (Universität Breslau) eingerichtet und zuletzt unter Altensteins Leitung die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mindestens ebenso wichtig waren die Reformen des Schulwesens in seinen verschiedenen Stufen. Außerdem wurde die Berufsausbildung verbessert sowie die Ausbildung von Fachleuten und Unternehmern der gerade entstehenden Industrie.

Reform der Staatsfinanzen unter HardenbergBearbeiten

Im Jahr 1810 erneuerte Napoleon die Forderung nach Zahlung einer Kriegsentschädigung. Friedrich Wilhelm III. ernannte Hardenberg am 27. Oktober 1810 zum Staatskanzler, der versprach, die französische Rechnung durch eine radikale Reform der Staatsfinanzen zu begleichen.[21] Die Staatsschulden betrugen 66 Millionen Taler, fast doppelt so viel wie vor 1806. Papiergeld, Kreditaufnahmen und Wertminderungen der Münzen hatten die wirtschaftliche Krise Preußens weiter verschärft. Die Steuerlast wurde von Hardenberg durch eine Verbrauchssteuer gleichmäßig verteilt. Gewerbefreiheit wurde eingeführt und Zünfte abgeschafft.

JudenediktBearbeiten

Am 11. März 1812 wurden auf Initiative des Königs, der selbst kein Philosemit war, 30.000 Juden durch das Judenedikt der christlichen Bevölkerung rechtlich weitgehend gleichgestellt.

 
Friedrich Wilhelm III. mit Zopf (Taler von 1801, links) und mit kurzer Biedermeierfrisur (Taler von 1814)

Neue SelbstdarstellungBearbeiten

Äußerlich passte sich Friedrich Wilhelm den Moden der neuen Zeit durchaus an. Während sein Porträt auf Münzen bis zum Jahr 1809 noch mit friderizianischen Zopf dargestellt wurde, trug er auf späteren Prägungen die moderne Frisur des Biedermeiers (siehe Foto der beiden Taler rechts). Mit der Abbildung auf Münzen wurde die Darstellung des Königs mit der neuen Frisur hoheitlich legitimiert.

Außenpolitik ab 1809Bearbeiten

Die Ausplünderung des Landes durch die Franzosen und die endlose Verlängerung der Besatzung nach dem Friedensschluss führten zu einer immer mehr von Hass gegen die Besatzer erfüllten Stimmung.

Neutralität im Fünften KoalitionskriegBearbeiten

Im Jahr 1809 verweigerte sich Friedrich Wilhelm dem Drängen der Reformer und des romantischen Dichters Heinrich von Kleist, sich dem neuen Feldzug des österreichischen Kaisers Franz I. gegen Napoleon anzuschließen, obwohl die Österreicher bei der Schlacht bei Aspern Napoleon seine erste große Niederlage beibrachten. Weil dieser Anfangserfolg jedoch nicht ausgenutzt wurde, wurde der König in seinem Glauben bestärkt, dass die Österreicher nicht dazu fähig waren, Napoleon wirklich zu besiegen. Friedrich Wilhelms Strategie bestand darin, jeden Schritt zu vermeiden, der die völlige Auflösung des Königreiches nach sich ziehen könnte. Friedrich Wilhelm III. äußerte sich dazu:

„Eine politische Existenz, sie sey noch so klein, ist dennoch immer beßer als keine und dann, so ändert die Zeit vieles in der Welt, mithin bleibt auch in diesem Fall Hoffnung für die Zukunft: nicht so aber, wenn Preußen aus der Reihe der Staaten gänzlich ausscheiden müsste, welches sehr wahrscheinlich der Fall seyn möchte, wenn es zu früh alles aufs Spiel setzen wollte.“[22]

Den Aufstand Ferdinand von Schills verurteilte der König scharf. Der preußische König stand unter den Ostmächten, die (wegen des gegenseitigem Misstrauens) noch nicht koordiniert gegen Napoleon zusammenarbeiteten, in dieser Lage als einziger in Gefahr, sein ohnehin geschwächtes Land zu verlieren.

Rückkehr nach BerlinBearbeiten

Da Berlin in Reichweite der französischen Armeen lag, hielt sich Friedrich Wilhelm III. zwischen 1807 und 1809 in Königsberg auf.[23] Nachdem Napoleon den Fünften Koalitionskrieg siegreich beendet hatte, genehmigte er dem preußischen König die Rückkehr nach Berlin. Napoleon glaubte, dass Friedrich Wilhelm III. in Berlin weniger dem russischen als vielmehr dem französischen Einfluss ausgesetzt sei.

Am 15. Dezember 1809 verließ der König mit 36 Kutschen seine ostpreußische Residenz, um am 23. Dezember 1809 feierlich an der Spitze seiner Truppen in Berlin einzureiten.[24] Am Bernauer Tor wurde Friedrich Wilhelm vom Berliner Oberbürgermeister begrüßt (zum Gedenken an dieses Ereignis wurde das Bernauer Tor im April 1810 in „Königstor“ umbenannt). Der Jubel in Berlin blieb jedoch angesichts der österreichischen Niederlage im Fünften Koalitionskrieg verhalten. Friedrich Wilhelm III. schrieb über die Stimmung während seines Einzuges: „Die Innigkeit und Ruhe, welche bei meiner Rückkehr Mich hier empfangen haben, gereichen den Bewohnern Berlins und den Polizei-Einrichtungen zur größten Ehre.“

Russlandfeldzug (1812)Bearbeiten

 
Karte von Preußen, Rheinbund und Österreich im Jahr 1812
Hauptartikel: Russlandfeldzug 1812

Im Dezember 1810 annektierte Napoleon das Herzogtum Oldenburg. Der Herzog von Oldenburg war jedoch der Onkel von Zar Alexander I. Der Zar schloss daraufhin die Häfen und Märkte für französische Produkte (mit Ausnahme von Wein und Seide). 1811 trat Russland schließlich aus der Kontinentalsperre gegen Großbritannien aus.[25] Der sich abzeichnende Krieg zwischen Russland und Frankreich bedrohte das zwischen den beiden Machtblöcken liegende Preußen existenziell. Im Sommer 1811 hatte Preußen militärisch aufgerüstet und damit gegen den Frieden von Tilsit verstoßen. Der darüber verärgerte Napoleon forderte am 14. September 1811 einen sofortigen Stopp der preußischen Rekrutierungen und Ausbesserungen der Festungen. Friedrich Wilhelm III. setzte sich gegen die Meinung seiner Militärs durch und gab Napoleons Drängen nach. Gebhard Leberecht von Blücher, der vom König verlangte Berlin zu verlassen und sich Napoleon zu widersetzen, wurde von seinem Kommando abberufen.

Am 24. Februar 1812 zwang Napoleon den preußischen König in ein offensives Militärbündnis gegen Russland: Preußen musste ein Truppenkontingent von 12 000 Mann für die Grande Armée stellen. Auf dem Weg nach Russland marschierte die Grande Armee durch das Königreich. Die ostpreußische Bevölkerung hatte Einquartierungen zu erleiden und musste ohne Gegenleistung die 300 000 Soldaten Napoleons versorgen. Gegenüber der Zivilbevölkerung kam es zu Plünderungen, Prügel und Erpressungen. Selbst die preußischen Festungen und Munitionsdepots öffneten sich dem französischen Oberbefehl.

Zar Alexander I. zog seine Truppen zurück und zwang die Grande Armee zu einem Gewaltmarsch, bei der der französische Nachschub nicht mehr hinterher kam. Mit dem Brand von Moskau (1812) brach die Versorgung der Armee vollends zusammen. Napoleon befahl den Rückzug aus Moskau. Geschwächt durch den russischen Winter und Partisanenangriffen kehrten von ursprünglich 600 000 Soldaten nur 40 000 zurück. In Berlin sahen Offiziere und Minister nun die Möglichkeit, Napoleons Herrschaft abzuschütteln. Doch Friedrich Wilhelm III. hielt zunächst noch am Bündnis mit Frankreich fest. Als Napoleon am 15. Dezember 1812 eine Aufstockung des Hilfskontingent forderte, gab der König dem Befehl nach.[26]

Nach Napoleons Flucht nach Paris verhandelte General Ludwig Yorck von Wartenburg, Kommandeur des aus 14 000 Mann bestehenden Preußischen Korps, das noch unter dem Befehl der Franzosen stand, und wenig ins Gefecht gekommen war, eigenmächtig mit den Russen. Ergebnis war die Konvention von Tauroggen, in der sich Yorck für neutral erklärte. Die Reaktion des Königs auf diese riskante Eigenmächtigkeit des Generals fiel nicht eindeutig aus: Zwar ließ Friedrich Wilhelm III. in Zeitungen verkünden, dass Yorck seines Amtes enthoben sei, ein entsprechender Befehl erging jedoch nicht an die Armee.[27] Einige Historiker vermuten daher, dass Friedrich Wilhelm einerseits Frankreich beschwichtigen bzw. von einem Angriff auf Berlin abhalten wollte und andererseits den Zaren nicht gegen sich aufbringen wollte. Es bestand für Preußen immerhin weiterhin die Gefahr, zwischen Frankreich und Russland aufgerieben zu werden. Da Yorck, anders als von Napoleon ursprünglich geplant, nicht den Flankenschutz der Franzosen übernommen hatte, öffnete er Ostpreußen für die russischen Truppen. Ihren Plan an der Weichsel die Reste ihrer Armee zu reorganisieren und auf Verstärkung zu hoffen, mussten die Franzosen wegen des russischen Vorstoßes fallen lassen. Später rehabilitierte der König Yorck, wenn auch mit inneren Vorbehalten.

Befreiungskriege (1813–1814)Bearbeiten

Hauptartikel: Befreiungskriege

Den Franzosen gelang es an Oder und Weichsel mehrere Festungen zu halten. In dieser Situation war Berlin, der Aufenthaltsort des Königs, von den Franzosen bedroht. Am 25. Januar 1813 traf Friedrich Wilhelm III. mit seinem 70 Personen umfassenden Gefolge im schlesischen Breslau ein und entging so der französischen Kriegsgefangenschaft.[28] In Breslau berief Friedrich Wilhelm III. am 28. Januar 1813 eine Rüstungskommission ein, der führende Generäle wie Gerhard von Scharnhorst, Karl Georg Albrecht Ernst von Hake, August Neidhardt von Gneisenau und Gebhard Leberecht von Blücher angehörten.[29]

Unter Beeinflussung der Rüstungskommission stimmte der König einem Kernstück der Militärreform zu, der er sich jahrelang verweigert hatte: Am 9. Februar 1813 wurde für die Dauer des Krieges eine allgemeine Wehrpflicht eingeführt, von der sich keine Gesellschaftsschicht freikaufen konnte.[30] Somit war Preußen relativ schnell in der Lage, ein Heer von 300 000 Soldaten aufzustellen. Die Wehrpflicht wurde entgegen der ursprünglichen Absicht des Königs auch nach den Befreiungskriegen nicht wieder abgeschafft.

Der König zögerte jedoch zunächst ein Bündnis mit dem Zarenreich zu schließen, da er fürchtete, dass Russland Preußen ebenso wie Frankreich zu einem Satellitenstaat degradieren könnte. Auf Druck des Zaren und seiner eigenen Untertanen wechselte Friedrich Wilhelm III. erst vom 27. auf den 28. Februar 1813 die Fronten. Zwar verzichtete der König im Vertrag von Kalisch auf weitergehende polnische Gebietsansprüche, doch garantierte ihm Zar Alexander I. im Gegenzug, dass Preußen die geographischen und finanziellen Bedingungen von vor 1806 wieder erlangen würde.[31] Der Vertrag von Kalisch bedeutete ein offizielles Militärbündnis zwischen Preußen und Russland. Am 16. März 1813 erklärte der König Frankreich den Krieg.[32]

Am 10. März 1813, dem Geburtstag der 1810 verstorbenen Königin Luise, stiftete Friedrich Wilhelm III. erstmals den Orden des Eisernen Kreuzes.[33] Das Kreuz, entworfen von Karl Friedrich Schinkel, schuf erstmals eine Auszeichnung für alle Ränge, auch für die einfachen Soldaten.

 
Der Aufruf „An Mein Volk

Historische Bedeutung erlangte der von Friedrich-Wilhelm III. herausgegebene Aufruf „An Mein Volk“ in der Breslauer Schlesischen privilegierten Zeitung vom 20. März 1813. In dem Aufruf rechtfertigte ein preußischer Regent erstmals vor seinen Untertanen seine Politik. Zugleich rief er sein Volk dazu auf, sich gegen die französische „Fremdherrschaft“ zu erheben, jede einzelne Provinz:

„Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Litthauer! Ihr wisst was Ihr seit sieben Jahren zu erdulden habt, Ihr wisst was euer trauriges Loos ist, wenn wir den beginnenden Kampf nicht ehrenvoll enden. Erinnert Euch an die Vorzeit, an den großen Kurfürsten, den großen Friedrich. Bleibt eingedenk der Güter die unter ihnen unsere Vorfahren blutig erkämpften […]“

Der Aufruf zog Parallelen zu konservativ motivierten Rebellionen wie dem Tiroler Volksaufstand von 1808. Viele deutsche Fürsten, darunter auch Friedrich Wilhelm III., fürchteten, dass Volksaufstände einen revolutionären Charakter entwickeln könnten.[34] Aus diesem Grund versuchte Friedrich Wilhelm III. die monarchische Führung eines möglichen Volksaufstandes zur Geltung zu bringen.

Abgesehen von den Herzogtümern Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin standen zu Beginn des Befreiungskrieges noch alle Rheinbundstaaten auf französischer Seite. Napoleon verfügte damit noch immer über eine relativ stabile Vormachtstellung in Mitteleuropa. An der folgenden Schlacht bei Großgörschen vom 2. Mai 1813 nahm der auf einem weißen Araberhengst reitende Friedrich Wilhelm III. persönlich teil.[35] Er musste sich jedoch zurückziehen, da es Napoleon gelang, die russischen und preußischen Linien zu durchbrechen. Die Schlacht bei Großgörschen endete nicht zuletzt wegen der mit Frankreich weiterhin verbündeten Rheinbundstaaten mit einem Sieg Napoleons. Nach der Schlacht bei Bautzen musste sich die preußische Armee sogar von Sachsen nach Schlesien zurückziehen.

Am 4. Juni 1813 schloss Napoleon mit Friedrich Wilhelm III. und Zar Alexander I. den auf sechs Wochen befristeten Waffenstillstand von Pläswitz.[36] Der Entourage Friedrich Wilhelms III. wurde bewusst, dass das russisch-preußisch Militärbündnis ohne Österreich, nicht in der Lage sein würde, Napoleon zu besiegen.

In der geheimen Konvention von Reichenbach vom 27. Juni 1813, vereinbart mit Friedrich Wilhelm III. und Alexander I., verpflichtete sich Österreich schließlich, der Koalition dann beizutreten, wenn Napoleon nicht die ihm vorgelegten Bedingungen akzeptierte.[37] Friedrich Wilhelm III. stimmte sogar Gesprächen zwischen Napoleon und dem österreichischen Diplomaten Klemens Wenzel Lothar von Metternich zu. Sollte Napoleon sich hinter den Rhein zurückziehen und den Rheinbund auflösen, so die Formulierung des preußischen Königs, werde er Napoleons Herrschaft anerkennen.

In Dresden führte Metternich ein neunstündiges Gespräch mit Napoleon. Dieser erklärte jedoch „keine Handbreit Boden“ abzutreten. So lief der Waffenstillstand von Pläswitz am 10. August 1813 aus, ohne eine friedliche Lösung des Konfliktes erreicht zu haben. Wegen Protesten in Frankreich gegen weitere Rekrutierungen, war es Napoleon im Zeitraum des Waffenstillstandes nicht möglich, seine Truppenstärke wesentlich zu vergrößern. Preußens Truppenstärke entsprach dagegen 6 % der Bevölkerung.

 
Zeichen des Sieges: Die Quadriga des Brandenburger Tors in Berlin

Am 11. August 1813 erklärte Österreich Frankreich den Krieg. Das Kräfteverhältnis verschob sich damit deutlich zu Ungunsten Frankreichs. In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 wurden Napoleon und seine Verbündeten schließlich vernichtend geschlagen. Friedrich Wilhelm III., Alexander I. und Franz I. von Österreich beobachteten vom 158 m hohen Monarchenhügel bei Meusdorf aus das Schlachtfeld von Leipzig. Bis auf den König von Sachsen traten nun alle deutschen Fürsten aus dem Rheinbund aus. In der Folge musste sich Napoleon hinter den Rhein zurückziehen. Im Verbund mit den Russen, Österreichern und Schweden waren die Preußen, die unter Blücher die Russen mit sich zogen, die treibende Kraft bei der Verfolgung Napoleons bis nach Paris. Am 31. März 1814 zog der preußische König durch den Porte Saint-Denis in Paris ein.[38]

In Paris befahl Friedrich Wilhelm III. die Quadriga des Brandenburger Tors unverzüglich nach Berlin zurückzuführen. Die Fahrt der mit insgesamt 32 Pferden bespannten sechs Wagen, die 15 schwere Kisten trugen, dauerte über zwei Monate; seit der Ankunft auf rechtsrheinischen Gebiet in Düsseldorf glich sie einem Triumphzug.[39] Auf Wunsch des Königs, der als Symbol des Sieges das Eiserne Kreuz berücksichtigt wissen wollte, entwarf Schinkel ein neues Emblem für die Siegesgöttin. Sie trug jetzt ein Eisernes Kreuz in einem Eichenkranz mit auffliegendem preußischen Adler darüber. Als der König am 7. August 1814 in Berlin einritt, fiel wie von Geisterhand die Verhüllung der Quadriga.

Nach den Befreiungskriegen wurde Friedrich Wilhelm III. in Preußen als „Vater des Vaterlandes“ gefeiert, zum Beispiel wenn er in Berlin fast täglich im Theater erschien.

Der Wiener Kongress (1814–1815)Bearbeiten

 
Preußen und der Deutsche Bund im Jahr 1815

Durch die auf dem Wiener Kongress vereinbarten territorialen Veränderungen entstand ein neues Europa. Das System der Pentarchie bzw. fünf europäischen Großmächte (Preußen, Österreich, Großbritannien, Russland und Frankreich) sollte ein machtpolitisches Gleichgewicht etablieren und Kriege in Europa zukünftig verhindern. Friedrich Wilhelm III. wollte ursprünglich das ganze Königreich Sachsen seinem Staat einverleiben und damit ein zusammenhängendes preußisches Territorium im Osten schaffen.[40]

Aus britischen Überlegungen heraus, musste Preußen jedoch vor allem die Verteidigung der Westgrenze Deutschlands gegen ein wiedererstarkendes Frankreich gewährleisten. Zuvor hatten die Habsburger als Stammhalter der Österreichischen Niederlande diese Aufgabe übernommen, konnten aber nicht verhindern, dass das Rheinland zum Spielball französischer Interessen wurde (vgl. die Reunionen unter Ludwig XIV.). Im Wiener Kongress erhielt Preußen daher Westfalen und die Rheinprovinz. In seiner Proklamation an die neuen Westprovinzen stilisierte sich Friedrich Wilhelm III. in Abgrenzung zu Frankreich zum Verteidiger nationaler Interessen.

 
Festung Ehrenbreitstein, Hauptwerk des zweitgrößten Festungssystems in Europa

„Und so, ihr Einwohner dieser Länder, trete ich jetzt mit Vertrauen unter Euch, gebe euch eurem deutschen Vaterlande, einem alten deutschen Fürstenstamme wieder und nenne euch Preußen.“

Friedrich Wilhelm III.: Proklamation

In diesem Zusammenhang erließ der König am 11. März 1815 die „Order zur Neubefestigung der Stadt Coblenz und der Festung Ehrenbreitstein“. Gemeinsam mit der Festung Köln sollte die Festung Koblenz den Mittelrhein sichern. Die Städte Koblenz und Ehrenbreitstein wurden bis 1832 befestigt und mit einem Gürtel von selbstständigen vorgeschobenen Festungswerken umgeben, gebaut nach modernsten Erkenntnissen, der so genannten „Neupreußischen“ oder „Neudeutschen Befestigungsmanier“. Die Festung Ehrenbreitstein (1817–1828) war das Hauptwerk.

Friedrich Wilhelm III. garantierte der Rheinprovinz die Beibehaltung des französischen Code Civil. Er verzichtete damit auf die Einführung des Algemeinen Landrechts für die Preußischen Staaten in der neuen Provinz.[41]

Im Wiener Kongress erhielt Preußen im Osten die nördliche Hälfte Sachsens (mit der Festungsstadt Torgau und Lutherstadt Wittenberg), den schwedischen Teil Vorpommerns (mit der Insel Rügen) und das Großherzogtum Posen.

Konsolidierung im FriedenBearbeiten

„Restauration“Bearbeiten

Der Begriff der Restauration (lateinisch restaurare ‚wiederherstellen‘) kann auf das Preußen der langen Friedensperiode vom 19. Juni 1815 bis zum 7. Juni 1840 (vom Tag nach dem Sieg bei Waterloo bis zum Tod des Königs) nur eingeschränkt verwendet werden. Die Preußischen Reformen wurden nach 1815 zwar nicht rückgängig gemacht, aber auch nicht weitergeführt. Auch die Grenzen von vor 1806 bzw. der Niederlage gegen Napoleon wurden nicht wiederhergestellt.

Eine stark konservative Entwicklung begann schon nach dem Tod von Friedrich Wilhelms erster Ehefrau Luise im Jahr 1810.[42] Nach ihrem Tod gewann eine reaktionäre Kamarilla Einfluss auf den König. De facto bedeutete dieser politisch einflussreiche Zirkel um den König die Rückkehr zu einer Kabinettsregierung, wie sie der Freiherr vom Stein 1807 abschaffen wollte. Die Kamarilla setzte sich aus dem früheren Prediger Jean Pierre Frédéric Ancillon, Sophie Marie Gräfin von Voß und Wilhelm Ludwig Georg Graf zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein zusammen.

AußenpolitikBearbeiten

Am 26. September 1815 unterzeichneten Friedrich Wilhelm III., der österreichische Kaiser und der russische Zar die Gründungserklärung der Heiligen Allianz.[43] Mit der Heiligen Allianz versprachen die drei Ostmächte sich Beistand bzw. Interventionen im Falle revolutionärer Ereignisse. Die Allianz wurde ein wirkungsvolles Instrument zur Unterdrückung liberaler Bestrebungen. Die Politik der Heiligen Allianz war zwar reaktionär und restaurativ, aber sie verschaffte Kerneuropa, das seit der Französischen Revolution bis zur Schlacht von Waterloo immer wieder von Kriegen überzogen worden war, eine lange Friedensperiode.

Außenpolitisch verfolgte Friedrich Wilhelm weiter jene Ideen, mit denen er schon als junger König angetreten war, Neutralität und Frieden. Die Beibehaltung der Landwehr nach den Befreiungskriegen wurde in Österreich und Russland argwöhnisch als Verstetigung der „Volksbewaffung“ beäugt, die neu geschaffene Armee kam aber nach den Befreiungskriegen praktisch nie ins Feuer. Oft war der König in europäischen Konflikten vermittelnd tätig.

Aus machtpolitischen Gründen weigerte sich Friedrich Wilhelm III., beim Ausbruch der französischen Julirevolution von 1830 militärisch einzugreifen. Der revolutionäre Funke sprang von Paris aus auch auf Teile des Deutschen Bundes über. In Berlin kam es zur sogenannten Schneiderrevolution, einer Auseinandersetzung zwischen Handwerkern und Polizeikräften.[44] Obwohl Friedrich Wilhelm III. maßgeblich an der folgenden Verhaftungswelle beteiligt war, lasteten die Berliner diese Geschehnisse nur den königlichen Beratern und Ministern an. Den König titulierten sie weiterhin mit den Beinamen "der Gerechte" und "der Gutmütige".[45] Dennoch kann die Schneiderrevolution nicht darüber hinwegtäuschen, dass Regierung und Bevölkerung sich zunehmend zu entfremden begannen.

VerfassungsfrageBearbeiten

 
Staatskanzler Hardenberg am Reiterdenkmal für Friedrich Wilhelm III. am Heumarkt in Köln

Der König spielte mehrfach durchaus mit dem Gedanken, Preußen in eine Konstitutionelle Monarchie umzuwandeln bzw. eine Verfassung einzuführen. Dies war auch in Frankreich unter Ludwigs XVIII. mit der relativ liberalen Charte constitutionnelle geschehen. Bis zu seinem Tod am 26. November 1822 drängte vor allem Staatskanzler Hardenberg den König zu einem ähnlichen Schritt. Allerdings redete der einflussreichste Berater des Königs, Jean Pierre Frederic Ancillon, dem König ein, dass eine preußische Verfassung Parallelen zur französischen Nationalversammlung von 1789 haben würde. Jedes liberale Zugeständnis des Königs würde nach Ansicht von Ancillon die Gefahr eines Sturzes der Monarchie heraufbeschwören. Friedrich Wilhelm III. versprach in den Jahren 1810, 1812, 1813, 1815, 1820 und 1821 die Einführung einer Verfassung.[46] So ließ der König am 22. Mai 1815 verlauten "eine Verordnung über die zu bildende Repräsentation des Volkes" ausarbeiten zu lassen. Doch es blieb bei leeren Versprechen des Königs. Die vom späteren Friedrich Wilhelm IV. geführte Adelspartei wollte Preußen zu ständischen Formen mit starker Dominanz des Adels zurückführen.

1823 wurden nur Provinzialstände eingeführt, immerhin die ersten Regionalparlamente, aber eben keine „Reichsstände“. Durch Quoten in jedem Stand konnte der einheimische Adel jeden Vorschlag blockieren. Konstitutionelle Formen sollten in Preußen erst ab 1848 möglich werden.

 
Thalermünze von 1819 mit Konterfei Friedrich Wilhelms III.

Teplitzer Punktation und Karlsbader Beschlüsse (1819)Bearbeiten

Im Deutschen Bund, einem losen Zusammenschluss von 34 Fürstentümern und 4 Freien Städten, waren es vor allem die studentischen Burschenschaften, die ihre Forderung nach nationaler Einheit Deutschlands, nach Verfassungsstaat und bürgerlichen Rechten und Freiheiten formulierten.[47] Nationale und liberale Ideen bedrohten die Macht Friedrich Wilhelms III., der weiterhin am Absolutismus festhielt. Die Ermordung des Dichters August Kotzebue am 23. März 1819 durch den Jenaer Burschenschafter und Theologiestudenten Karl Ludwig Sand bot sich Metternich und Friedrich Wilhelm III. als Vorwand für die Karlsbader Beschlüsse an. Am 1. August 1819 traf sich Friedrich Wilhelm III. mit Metternich in Teplitz, um in Vorbereitung zu den Karlsbader Beschlüssen eine gemeinsame Bundespolitik zwischen Preußen und Österreich abzustimmen. In Teplitz stimmte der preußische König mit Metternich darin überein, Presse, Universitäten und Landtage schärfer überwachen zu wollen.[48]

Mit den Karlsbader Beschlüssen vom 20. August 1819 ließ es Friedrich Wilhelm zu, dass mißliebige Professoren entlassen, Burschenschaften verboten wurden sowie alle Bücher, Zeitschriften und Zeitungen unter 320 Seiten zensiert wurden. So konnte der staatstreue Bonner Professor Ernst Moritz Arndt erst nach dem Tod Friedrich Wilhelms III. in seine Tätigkeit zurückkehren. Er wurde erst unter Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert. Selbst herausragende Persönlichkeiten wie Wilhelm von Humboldt und Carl Friedrich von Beyme, welche gegen die Karlsbader Beschlüsse protestierten, wurden am 31. Dezember 1819 durch den König entlassen.[49] Historiker sprechen hier von der sogenannten Demagogenverfolgung.

ReligionspolitikBearbeiten

Mit dem Wiener Kongress bzw. dem territorialen Gewinn der preußischen Westprovinzen (Provinz Westfalen und Rheinprovinz) wuchs die Zahl der Katholiken in Preußen auf 4 Millionen an.[50] Dieser Umstand bereitete im mehrheitlich protestantischen Preußen ein Integrationsproblem. Die katholische Bewegung des Ultramontanismus betrachtete die Kirche als Gebilde, in dessen Belange sich Staaten wie Preußen nicht einzumischen hatten.

Mit dem Kölner Mischehenstreit, der sich auf katholisch-protestantische Ehen bezog, gerieten katholische Lehre und preußisches Recht in Konflikt. Während preußisches Recht vorschrieb, dass Kinder die Religion ihres Vaters anzunehmen hatten, forderte die römisch-katholische Lehre, dass der protestantische Partner zu unterschreiben hatte, die Kinder als Katholiken zu erziehen.[51] Als Clemens August Freiherr Droste zu Vischering, ein Anhänger des Ultramontanismus, Erzbischof wurde und auf der katholischen Mischehenregelung bestand, war der Konflikt mit Friedrich Wilhelm III. nicht mehr aufzuhalten. Den Widerstand des Kölner Erzbischofs wertete der preußische König als direkten Angriff auf seine Autorität. Ohne gerichtliche Anklage befahl der König im November 1837 die Verhaftung und Amtsenthebung des Kölner Erzbischofs. Heimlich wurden sogar Soldaten nach Köln verlegt, um lokalen Protesten zuvorzukommen. Bis 1839 wurde Droste zu Vischering in der Festung Minden in Haft gehalten.[52] Erst König Friedrich Wilhelm IV., der Nachfolger Friedrich Wilhelms III., sollte versuchen den Konflikt zu schlichten.

In den Gebieten mit polnischer Bevölkerung war die konfessionelle Frage auch mit dem Wunsch der Polen nach nationaler Selbstbestimmung verknüpft. Hier führte Martin von Dunin, Erzbischof von Posen und Gnesen, wie in Köln den traditionellen katholischen Ehevertrag wieder ein. Auch er wurde, trotz anfänglichen Verhandlungsversuchen des Königs, verhaftet und in die Festung Kolberg gebracht.

Durch die 1817 neu gegründete Union suchte Friedrich Wilhelm zugleich den religiösen Sinn zu heben und die Einheit der protestantischen Konfessionen in der Evangelischen Kirche in Preußen zu erzielen, wobei er es zunächst friedlich versuchte. Hartnäckiger Widerstand, vor allem in den neuen sächsischen Landesteilen, führte ihn zu Zwangsmaßregeln, etwa zur Inhaftierung von Pfarrern, zur Beschlagnahme lutherischer Kirchen, Enteignung von Grundbesitz, wie die Entstehung der evangelisch-lutherischen (altlutherischen) Kirche und der Agendenstreit belegen.

WirtschaftspolitikBearbeiten

 
Deutscher Zollverein in den Grenzen des Deutschen Bundes 1834

In Preußen wurde die Friedensperiode dazu genutzt, Landwirtschaft, Gewerbe und Handel wieder in Gang zu bringen. Friedrich Wilhelm ging davon aus, dass eine florierende Wirtschaft die Stimmung der Bevölkerung stabilisiert.[53] Mit dem Preußischen Zollgesetz von 1818 fielen in Preußen alle Binnenzölle. Die einheitlich festgelegten Importzölle auf Waren des Deutschen Bundes blieben relativ moderat, sodass sich Preußen nicht nach außen abschottete. Der König förderte auch die Gründung des Deutschen Zollvereins (1834).

Dank Friedrich Wilhelm III. kam der Prozess der wirtschaftlichen Modernisierung in Preußen zügiger voran als in Russland und Österreich. Bei der beginnenden Industrialisierung spielte das vom König 1821 unter der Leitung von Christian Peter Wilhelm Beuth gegründete Gewerbeinstitut Berlin eine Schlüsselrolle. Das Institut vermittelte vor allem die für den praktischen Gewerbebetrieb nötigen technischen Kenntnisse.[54] Es machte neue Technologien zugänglich, indem es aus England, Frankreich und Belgien technologisches Wissen beschaffte und Maschinen nachbaute.

Für das Gewerbe und die junge Industrie wurde der aus Cleve stammende, preußische Rheinländer Beuth ein einflussreicher Förderer. Das sehr vergrößerte, aber territorial ungünstig verteilte neue Preußen konnte seine wirtschaftliche Vernetzung, z. B. durch den Bau von Straßen und Chausseen vorantreiben. Allerdings stimmte der König Planungen für den Ausbau der Eisenbahn zunächst nur widerstrebend zu. Anlässlich der Eröffnung der Berlin-Potsdamer Eisenbahnstrecke 1838 soll er angeblich geäußert haben[55]:

„alles soll Karriere gehen, die Ruhe und Gemütlichkeit leiden darunter. Kann mir keine große Seligkeit davon versprechen, ein paar Stunden früher von Berlin in Potsdam zu sein. Zeit wird’s lehren.“

Friedrich Wilhelm III.

Trotz dieser Bedenken nutzte der stark gealterte König 1839 die Eisenbahnlinie auf seinen letzten Reisen nach Potsdam und bewilligte in seinem Testament eine Million Taler für eine preußische Ost-West-Eisenbahn.[56] August Borsig in Berlin begann zur gleichen Zeit mit dem Bau seiner ersten Lokomotive.

TodBearbeiten

Nach einer langanhaltenden Fiebererkrankung starb Friedrich Wilhelm am 7. Juni 1840.[57] Seine letzte Ruhestätte fand er im Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg, an der Seite seiner ersten Gemahlin Luise. Christian Daniel Rauch, der ihn so oft porträtiert hatte, stellte ihn in einem Marmorbild auf dem Sarkophag liegend neben dem Sarkophag seiner Frau dar. Auch dieses Bildwerk der Berliner Klassik kann besichtigt werden.

Kultur und WissenschaftBearbeiten

 
Entwurf von Schloss Paretz (1797) von David Gilly

Trotz seiner legendären Sparsamkeit ging Friedrich Wilhelm auch als Mäzen von Architektur und Kunst in die Geschichte ein.

Residenz in ParetzBearbeiten

Die Ländlichkeit wurde Ende des 18. Jahrhunderts an vielen europäischen Fürstenhöfen idealisiert. Als typisch zeitgenössisches Beispiel hierfür kann das Dorf von Marie Antoinette in Versailles gelten.

Friedrich Wilhelm III. ließ sich in Paretz, einem Dorf 30 km westlich von Potsdam, eine Gegenwelt zum Berliner Hofleben schaffen.[58] Paretz wurde ab 1797 von den Architekten David Gilly und Friedrich Gilly zu einer preußischen Sommerresidenz umgebaut. Der König ermahnte David Gilly bei der Auftragsvergabe zur Sparsamkeit: „Nur immer denken, daß Sie für einen armen Gutsherren bauen.“[59] Die Architektur des Dorfes war funktional und kostensparend, sie wurde jedoch auch den ästhetischen Ansprüchen des Königspaares gerecht. Die klassizistischen Bauwerke fügten sich harmonisch in einen englischen Landschaftsgarten ein. Dorfkirche und Schloss bildeten das herrschaftliche Zentrum.

In Paretz war das höfische Zeremoniell gelockerter. Mit der bäuerlichen Dorfbevölkerung wurde so zum Beispiel das Erntedankfest gefeiert. Die Standesgrenzen blieben trotzdem gewahrt. Das Leben des Königs in Paretz ähnelte dem Leben eines adeligen Gutsherrn.

ArchitekturBearbeiten

 
Der Architekt des Königs: Karl Friedrich Schinkel

Karl Friedrich Schinkel wurde 1810 durch Friedrich Wilhelm III. zum Oberbauassessor der Berliner Oberbaudeputation ernannt.[60] In dieser Position war Schinkel für alle öffentlichen Bauwerke Preußens verantwortlich, deren Kostenvoranschlag über 500 Taler betrug.[61] Als Schüler bei David Gilly hatte Schinkel gelernt, dass eingehaltene Kostenpläne unabdingbar waren, um das Vertrauen des Königs zu behalten. Wegen der königlichen Sparmaßnahmen konnte Schinkel seine zuweilen ausgreifenden Projekte oft nicht realisieren. In einer Order vom 20. Juni 1836 schrieb ihm der König, „der Architekt (solle) von dem Gesichtspunkt ausgehen, dass nur von Erhaltung des Bestehenden und nicht von Ausbauungen und Erweiterungen die Rede sein könne“.[62] So sind zahlreiche Klageschriften an den König erhalten, in denen Schinkel sich über Arbeitsüberhäufung und Sparmaßnahmen beschwerte. Der König plante daher kurzzeitig sogar die Abberufung von Schinkel aus der Oberbaubaudeputation, wozu es aber aufgrund von Protesten innerhalb der Deputation nicht kam. Backstein und Terrakotta wurde als relativ kostengünstiges Baumaterial durch Schinkel wiederentdeckt.

Trotz des angespannten Verhältnis zum Bauherrn Friedrich Wilhelm III. lassen sich einschließlich seiner Entwürfe 50 Arbeiten Schinkels in der preußischen Hauptstadt Berlin nachweisen.[63] Berlin wurde besonders zwischen 1809 und 1840, der Hauptschaffenszeit von Karl Friedrich Schinkel, repräsentativ umgestaltet.[64] Zu den in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms III. errichteten Schinkel-Hauptwerke zählen die Wache unter den Linden, das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, die Friedrichswerdersche Kirche, das Alte Museum und die Bauakademie.

Eine wichtige Gelegenheit, den König für sich zu gewinnen, bot sich den preußischen Architekten, als Königin Luise, die erste Ehefrau Friedrich Wilhelms III., am 19. Juli 1810 verstarb. Der König persönlich entwarf ein Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg.[65] Von Schinkel, der sogar selbst schon Entwürfe fertiggestellt hatte, ließ der König nur die Fassade zeichnen. Heinrich Gentz vollendete das Werk. Später wurde Friedrich Wilhelm III. im Mausoleum neben seiner Frau Luise beigesetzt.

Eine Idee der Reformzeit und eine Reaktion auf die Verschleppung zahlreicher Kunstwerke durch Napoleon und deren Rückkehr (darunter Schadows Quadriga vom Brandenburger Tor) war die Zusammenfassung der bisher in den königlichen Schlössern verstreut gezeigten Kunstschätze in einem eigens dafür errichteten Museum. Im Jahr 1810 beauftragte Friedrich Wilhelm III. Wilhelm von Humboldt mit der Zusammenstellung einer „gut gewählten Kunstsammlung“. Dem neuen Verständnis der Kunst gemäß entstand mit dem Königlichen Museum eine Kultur- und Bildungseinrichtung, die sich an den Staatsbürger richtete. Karl Friedrich Schinkel errichtete das Gebäude, eines der schönsten Bauwerke des Klassizismus, in den Jahren 1824 bis 1830 am Lustgarten in Berlin. Durch weitere Museen, die Friedrich Wilhelms Nachfolger hinzufügten, wurde es als Altes Museum der Auftakt der Berliner Museumsinsel.

Zwischen 1826 und 1834 ließ Friedrich Wilhelm III. den Magdeburger Dom umfangreich restaurieren.

Denkmäler der BefreiungskriegeBearbeiten

In enger Zusammenarbeit mit der Stadtplanung Schinkels schmückten Christian Daniel Rauch und dessen Bildhauerschule Berlin mit Statuen aus, die das Andenken der Befreiungskriege festhielten. Gerhard von Scharnhorst, Bülow von Dennewitz und Blücher erhielten als erste ihre Denkmale. Yorck und Gneisenau folgten später unter Friedrich Wilhelm IV. Die Reliefs am Berliner Denkmal von Blücher zeichnen sich durch große Volkstümlichkeit aus (der von der Reaktion am meisten angefeindete Reformer Gneisenau ist mehrfach zu sehen). Kurz vor seinem Tode ließ der König noch den Grundstein für das Denkmal Friedrichs des Großen legen, das mehr als zehn Jahre später durch Rauch und seine Schüler fertiggestellt wurde.

MalereiBearbeiten

Als Mäzen gab der König wichtige Impulse für die Malerei. 1827 ernannte der König Karl Wilhelm Wach zu seinem Hofmaler und stattete ihn mit einem Lagerhaus aus, das sich in der Folge zu einer bedeutenden Malerschule entwickelte.[66] Besondere Förderung durch den König erfuhr auch Friedrich Wilhelm von Schadow, der Sohn des Bildhauers Johann Gottfried Schadow. Als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie trat er seinen Dienst als Nachfolger von Peter von Cornelius an, der nach Schinkels Entwürfen die Vorhalle des Alten Museums ausmalte. Bald folgten ihm seine begabtesten Schüler, und es entstand nach kurzer Zeit die berühmte Düsseldorfer Malerschule. Sein Kronprinz, der spätere Friedrich Wilhelm IV., drängte Friedrich Wilhelm III. zum Kauf der Ölgemälde "Der Mönch am Meer" und die "Ruine von Eldena".[67]

TheaterBearbeiten

Der König mischte sich gerne unter das Volk und ließ sich allabendlich im Theater sehen. Dabei ging er sowohl in das Berliner Schauspielhaus als auch in das Königsstädtische Theater, die er beide in Auftrag gegeben hatte. Die Theaterbesuche verschafften ihm auch Gelegenheit, sich anhand der bürgerlichen Volksstücke in die Mentalität seiner Bürger und ihre Stimmungen einzufühlen.

MusikBearbeiten

Friedrich Wilhelm III. war nicht so musisch begabt wie andere preußische Könige vor ihm ( z. B. Friedrich II. und Friedrich Wilhelm II.).[68] Er konnte mäßig Orgel spielen und komponierte als zehnjähriger Prinz einen heute noch sehr bekannten Marsch. Aufgeführt wurde dieser Marsch erstmals 1835 bei der Revue von Kalisch. Der Marsch wurde später von den meisten Regimentern der Armee als Präsentiermarsch genutzt und auch so benannt. Die Bundeswehr spielt ihn noch heute.

WissenschaftBearbeiten

Einfluss bei Hofe und große Popularität in Preußen erlangte der Weltreisende Alexander von Humboldt, dessen Werke dem naturwissenschaftlichen Denken einen weiteren Aufschwung brachten. Die Berufung von Georg Wilhelm Friedrich Hegel auf den philosophischen Lehrstuhl der Berliner Universität machte diese zum Mittelpunkt der Philosophie in Deutschland.

PersönlichkeitBearbeiten

 
Friedrich Wilhelm III., Kopf der Reiterstatue vom Heumarkt in Köln (kriegsbeschädigt)
 
Friedrich Wilhelm III., dargestellt von Christian Daniel Rauch (Römische Bäder im Park Sanssouci)

In einer absolutistischen Monarchie beeinflusst der jeweilige Charakter des Herrschers die geschichtlichen Abläufe in höherem Maße als in anderen Herrschaftssystemen.[69][70] Friedrich Wilhelm III. war ein verständiger, prinzipientreuer und rücksichtsvoller Mensch.[71] Mit „genialen“ Menschen kam er jedoch nicht gut zurecht. Er vertiefte sich gewissenhaft in die Dinge, aber seine Neigung, sie bis ins Letzte zu durchgrübeln und abzuwägen, lähmte oft seine Entschlusskraft.[72] Er versuchte das Land so lange wie möglich aus dem großen europäischen Krieg gegen Napoleon herauszuhalten.[73]

Sein Vater Friedrich Wilhelm II. hatte den jungen Thronfolger wenig beachtet, der sich zu einem schüchternen, ernsten und wenig selbstbewussten Charakter entwickelte. In seiner Jugend kam er kaum aus den Hofkreisen von Berlin und Potsdam heraus. Die Liebesheirat mit Luise, ihr aufmunterndes Wesen, die kinderreiche Ehe und das volksnahe Leben mit der Familie im ländlichen Paretz („Schloss Still-im-Land“) brachten eine Wandlung hin zu einer gewissen Umgänglichkeit. Das junge Paar war bei der Bevölkerung beliebt, auch weil es oft ohne Begleitung in Berlin Unter den Linden oder im Tiergarten spazierte.

Der Zusammenbruch Preußens (1806) und der frühe Tod seiner geliebten Frau Luise (1810) lösten eine Wende im Leben Friedrich Wilhelms aus. Dem staatlichen und persönlichen Abgrund nahe, entschloss er sich, die Reformen, über die er bisher nur nachgedacht hatte, auch umzusetzen. Die Reformzeit und die Friedenszeit nach dem Befreiungskrieg wurde die Phase seiner besten Wirksamkeit.

Dank seiner Ruhe und Besonnenheit sowie seiner Fähigkeit, Verantwortung an seine Spitzenbeamten zu delegieren, trug der König maßgeblich zum Gelingen der preußischen Reformen bei. Zuweilen konnte er auch in Zorn geraten und harte Entscheidungen treffen, zum Beispiel in seiner Rolle als Schutzherr der Protestanten oder wenn es um die Grundfesten der preußischen Monarchie ging. Inhalt und Stil des Liberalismus, später des Sozialismus, stießen schroff auf die preußische Tradition und den Charakter des Königs. Als legitimen Spross einer Dynastie beunruhigte ihn der Angriff auf alles Bestehende.

Nach dem Tod seiner ersten Frau blieb Friedrich Wilhelm lange Witwer. Erst 1824 heiratete er die Gräfin Auguste von Harrach in morganatischer Ehe.

DenkmälerBearbeiten

BerlinBearbeiten

 
Standbild von Friedrich Drake in Berlin
 
Statue, heute auf der Burg Hohenzollern
  • Im südlichen Großen Tiergarten steht ganz in der Nähe des Denkmals der Königin Luise ein 6,50 Meter hohes Standbild des Königs, das der Bildhauer Friedrich Drake geschaffen hat. Es stellt Friedrich Wilhelm in einfacher Kleidung dar, die Inschrift lautet: Ihrem Könige Friedrich Wilhelm III. Die dankbaren Einwohner Berlins 1849. Das Denkmal entstand als Dank für die Verschönerung des Tiergartens, die vom König veranlasst worden war. Finanziert wurde es durch Spenden aus allen Teilen der Bevölkerung. Termin der Aufstellung war der 3. August 1849. Die Reliefs am Sockel versinnbildlichen einen Lobgesang auf den Tiergarten. Das Denkmal ist eine Kopie, das geschützte Original befindet sich seit Mai 2009 in der Zitadelle Spandau.
  • In der Mitte des Lustgartens stand ein Reiterstandbild des Königs von Albert Wolff, enthüllt am 16. Juni 1871, dem Tag der Heimkehr der siegreichen Truppen aus dem Deutsch-Französischen Krieg. Es gehörte zu einem Ensemble der Reiterstandbilder von schließlich fünf Hohenzollern, die auf das Berliner Stadtschloss zu ritten. Das bei der Umgestaltung des Platzes 1936 an den westlichen Platzrand gerückte und im Zweiten Weltkrieg beschädigte Denkmal wurde nach 1945 als Buntmetallschrott eingeschmolzen.[74]
  • Im Jahre 1886 wurde in der Herrscherhalle des Zeughauses ein 2,8 Meter hohes Bronzestandbild Friedrich Wilhelms von Emil Hundrieser aufgestellt. Zuerst 1944 auf die Plassenburg bei Kulmbach ausgelagert, befindet es sich seit 1960 mit den anderen Herrscherstatuen auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen.[75]
  • Für die Siegesallee schuf der Bildhauer Gustav Eberlein in der Denkmalgruppe 30 ein Marmorstandbild Friedrich Wilhelms III., enthüllt am 30. März 1901. Auf Wunsch Kaiser Wilhelms II., dem Auftraggeber der Monumentalallee, zeigte Eberlein den König nicht als den unglücklichen alten Mann, dessen Politik eher ungünstig in Erinnerung blieb, sondern in schlanker Offiziersgestalt als jungen König, der sich gerne in das fast bürgerliche Familienleben im Sommersitz Paretz zurückgezogen hatte.
    Die politisch-militärische Dimension seiner Regierungszeit repräsentierten in der Denkmalgruppe die Nebenbüsten zu Gebhard Leberecht von Blücher und Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein. Das Standbild Friedrich Wilhelms ist erhalten (die rechte Hand und der Stock fehlen) und ruht seit Mai 2009 gleichfalls in der Zitadelle Spandau.[76]
  • Zugleich hatte Eberlein ein überlebensgroßes Marmorstandbild Friedrich Wilhelms für den zwischen 1892 und 1903 von Ernst von Ihne zum Hauptrepräsentationraum des preußischen Staates umgestalteten Weißen Saal des Berliner Schlosses geschaffen.[77] Zusammen mit den anderen acht Statuen fiel sie im Dezember 1950 der Sprengung des Schlosses zum Opfer.[78]
  • Die Berliner Bürger ließen ihn durch Rauchs Schüler Friedrich Drake als Marmorskulptur im Tiergarten darstellen, wo er heute noch zu sehen ist.

Denkmäler an weiteren OrtenBearbeiten

Breslau

1861 wurde in der Nähe des Neuen Rathauses ein Reiterstandbild zu Ehren Friedrich Wilhelm III. aufgestellt. Das Denkmal wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Potsdam

1845 wurde in Potsdam auf dem Wilhelmsplatz (dem heutigen Platz der Einheit) ein aus Spenden von Potsdamer Bürgern finanziertes Bronzedenkmal des Berliner Bildhauers August Kiß eingeweiht. Es zeigte König Friedrich Wilhelm III. zu Fuß in Generalsuniform mit Mantel und unbedecktem Haupt. Wegen einer Fundamentabsenkung musste es 1928 aus der Mitte an die Südseite des Platzes verlegt werden. Das unbeschädigte Denkmal wurde 1945 nach Kriegsende demontiert und 1950 auf Anordnung der Brandenburgischen Landesregierung als Buntmetallschrott zusammen mit anderen Potsdamer Bronzestandbildern eingeschmolzen.[79]

Kolberg

Die Bürger Kolbergs errichteten Friedrich Wilhelm, der die Stadt wegen ihres erfolgreichen Widerstands gegen die französische Belagerung im Jahre 1807 besonders gefördert hatte, 1860 vor dem Rathaus ein von Friedrich Drake geschaffenes Standbild. Es zeigte auf hohem Podest den barhäuptigen König, mit der Rechten seinen Hermelinmantel raffend, die Linke gestützt auf ein Schwert, in angedeuteter Schrittstellung. Das Denkmal wurde 1945 nach der Inbesitznahme Kolbergs durch Polen beseitigt.[80]

 
Reiterstandbild in Köln
 
Waterloo-Gedenktafel in Merseburg

Köln

Gustav Blaeser führte ein aus Bürgerspenden finanziertes Kolossaldenkmal für den Heumarkt in Köln aus, das 1878 eingeweiht wurde. Nachdem das Denkmal im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, blieb der Platz bis 1990 ohne Preußenkönig. Ein Teil-Nachguss mit Originalstücken schmückte anschließend den innerstädtischen Platz bis 2007. Durchgerostete Stellen mussten bearbeitet werden, um die Standfestigkeit zu sichern. Am 6. Oktober 2009 wurde das Reiterstandbild wieder auf den unverkleideten Sockel gehoben. Die Kosten von rund 200.000 Euro wurden hälftig von der Stadt und Spendern aufgebracht.

Königsberg

Als Friedrich Wilhelm IV. mit Friedrich August Stüler ein Zentrum für Kunst und Wissenschaft in Königsberg plante, errichteten die dankbaren Preußen, die Stände der Provinz Preußen, im Jahre 1851 Friedrich Wilhelm III. bereits vor dem Neubau der Universität (1857–1862) ein bronzenes Reiterstandbild. Modelliert von August Kiß und gegossen aus erbeuteten französischen Geschützen, zeigte die fünf Meter hohe Figur den lorbeerbekränzten König im Purpurmantel. Sie erhob sich auf einem sechs Meter hohen Sockel, geschmückt mit sechs Frauenfiguren die Glauben, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Liebe, Friede und Weisheit darstellten. Das Denkmal galt als das repräsentativste der Stadt. Im nunmehr sowjetischen Kaliningrad wurde es in den 1950er Jahren beseitigt und eingeschmolzen.

Merseburg

Reiterdenkmal im Schlosspark, Bronzeguss 1918, aufgestellt 1935, letztes Werk von Louis Tuaillon.

NachkommenBearbeiten

 
Kinder von König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen (ca. 1803).
In der Mitte Friedrich Wilhelm IV. (1840–1861 König), rechts daneben Wilhelm I. (1861–1888 König und 1871–1888 Kaiser)

Alle Kinder stammen aus der ersten Ehe mit Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810).

∞ 1823 Prinzessin Elisabeth von Bayern
∞ 1829 Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
∞ 1817 Zar Nikolaus I.
  • Friederike Auguste Caroline Amalie (1799–1800)
  • Carl (1801–1883)
∞ 1827 Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar-Eisenach
∞ 1822 Großherzog Paul Friedrich zu Mecklenburg-Schwerin
  • Ferdinand (1804–1806)
  • Luise (1808–1870)
∞ 1825 Prinz Friedrich, Prinz der Niederlande
∞ 1830–1849 Prinzessin Marianne der Niederlande (1810–1883), eine Schwester von Friedrich, Prinz der Niederlande
∞ 1853 Rosalie von Rauch, eine Tochter des Generals Gustav von Rauch, spätere Gräfin von Hohenau (1820–1879)

Die zweite Ehe mit Gräfin Auguste von Harrach (1800–1873), spätere Fürstin von Liegnitz, blieb kinderlos.

AhnentafelBearbeiten

Ahnentafel Friedrich Wilhelm III. (Preußen)
Ururgroßeltern König Friedrich I. (Preußen) (1657–1713)
∞ 1684
Sophie Charlotte von Hannover (1668–1705)
Herzog Ernst August (Hannover) (1629–1698)
∞ 1658
Prinzessin Sophie von der Pfalz (1630–1714)
Herzog Ferdinand Albrecht I. (Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern) (1636–1687)
∞ 1667
Landgräfin Christine von Hessen-Eschwege (1648–1702)
Herzog Ludwig Rudolf (Braunschweig-Wolfenbüttel) (–1735)
∞ 1690
Prinzessin Christine Luise von Oettingen-Oettingen (1671–1747)
Landgraf Ernst Ludwig (Hessen-Darmstadt, Landgraf) (1667–1739)
∞ 1687
Prinzessin Dorothea Charlotte von Brandenburg-Ansbach (1661–1705)
Landgraf Johann Reinhard III. (Hanau) (1665–1736)
∞ 1699
Prinzessin Dorothea Friederike von Brandenburg-Ansbach (1676–1731)
Pfalzgraf Christian II. (Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld) (1637–1717)
∞ 1667
Gräfin Katharina Agathe von Rappoltstein (1648–1683)
Graf Ludwig Kraft (Nassau-Saarbrücken) (1663–1713)
∞ 1699
Gräfin Philippine Henriette zu Hohenlohe-Langenburg (1679–1751)
Urgroßeltern König Friedrich Wilhelm I. (Preußen) (1688–1740)
∞ 1706
Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (1687–1757)
Herzog Ferdinand Albrecht II. (Braunschweig-Wolfenbüttel)
(1680–1735)
∞ 1712
Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel
(1696–1762)
Landgraf Ludwig VIII. (Hessen-Darmstadt) (1691–1768)
∞ 1717
Charlotte Christine Magdalene Johanna von Hanau-Lichtenberg (1700–1726)
Herzog Christian III. (Pfalz-Zweibrücken) (1674–1735)
∞ 1719
Karoline von Nassau-Saarbrücken (1704–1774)
Großeltern Prinz August Wilhelm von Preußen (1722–1758)
∞ 1742
Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722–1780)
Landgraf Ludwig IX. (Hessen-Darmstadt) (1719–1790)
∞ 1741
Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken (1721–1774)
Eltern König Friedrich Wilhelm II. (Preußen) (1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt (1751–1805)
König Friedrich Wilhelm III. (Preußen) (1770–1840)

SchriftenBearbeiten

  • Grundsteuer-Gesetz für die westlichen Provinzen vom 21. Januar 1839, nebst den bezüglichen gesetzlichen Bestimmungen. Regensberg, Münster 1839 Digitalisat

SonstigesBearbeiten

  • Friedrich Wilhelm III. stiftete am 10. März (Geburtstag seiner Frau Luise) 1813 das Eiserne Kreuz, den ersten Orden, den nicht nur Offiziere erhalten konnten. Obwohl die auf den Geburtstag Königin Luises (rück)datierte Stiftungsurkunde ausdrücklich die einmalige und ausschließliche Verleihung für die Befreiungskriege vorsieht, wurde es in späteren Kriegen immer wieder neu aufgelegt.
  • Er führte das „Eichenlaub“ zum Orden Pour le Mérite ein. Das L auf der Blattader steht für seine verstorbene Frau Luise, die Blattenden stehen für seine zu dieser Zeit nur noch sieben lebenden Kinder.
  • Ihm ist die 9. Sinfonie Beethovens gewidmet.
  • Für ein Te deum des Münsteraner Komponisten Maximilian-Friedrich von Droste zu Hülshoff, das 1815 anlässlich einer Huldigungsfeier aufgeführt worden war, bedankte er sich mit einem handschriftlichen Brief und einer Medaille.
  • Er komponierte in seiner Freizeit viel Militärmusik, darunter den noch heute häufig gespielten Präsentiermarsch sowie den Marsch Bataillon Garde.

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron. Siedler, Berlin 1992, ISBN 3-88680-327-9.
  • Hans Haussherr: Friedrich Wilhelm III.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 560–563 (Digitalisat).
  • Julius von HartmannFriedrich Wilhelm III., König von Preußen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 700–729.
  • Birgit Aschmann: Preußens Ruhm und Deutschlands Ehre. Zum nationalen Ehrdiskurs im Vorfeld der preußisch-französischen Kriege des 19. Jahrhunderts. (= Beiträge zur Militärgeschichte. Band 72). München 2013, ISBN 978-3-486-71296-4.
  • Carsten Peter Thiede, Eckhart G. Franz: Jahre mit Luise von Mecklenburg-Strelitz. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde. Band 43, Darmstadt 1985, S. 79–160.
  • Claudia von Gélieu, Christian von Gélieu: Die Erzieherin von Königin Luise. Salomé de Gélieu. Regensburg 2007, ISBN 978-3-7917-2043-2.
  • Dagmar von Gersdorff: Königin Luise und Friedrich Wilhelm III. Eine Liebe in Preußen. Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-499-22615-4.
  • Heinrich von Treitschke: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert. verschiedene Ausgaben, zum Beispiel: F. W. Hendel Verlag Leipzig 1928, vor allem Band 1 (zuerst 1879).
  • Otto Hintze: Die Hohenzollern und ihr Werk. Fünfhundert Jahre vaterländischer Geschichte. 6. Auflage. Berlin 1915.
  • Rudolf Ibbeken: Preußen 1807–1813. Staat und Volk als Idee und in Wirklichkeit. (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz. Band 5). Köln/ Berlin 1970.
  • Rulemann Friedrich Eylert: Charakterzüge und historische Fragmente aus dem Leben des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III., gesammelt nach eigenen Beobachtungen und selbst gemachten Erfahrungen. 4 Bände. Heinrichshofensche Buchhandlung, Magdeburg 1843. Digitalisat
  • Thomas Stamm-Kuhlmann: Friedrich Wilhelm III. (1797–1840). In: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Preußens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. (= Beck’sche Reihe). München 2006, S. 197–218.
  • Friedrich Vormbaum: Friedrich Wilhelm der Dritte, König von Preußen, der Gerechte unde Weise. Ein Erinnerungsbuch für alle Preußen, insbes. f.d. preuß. Bürger u. Landmann. Crayen, Leipzig 1841. Digitalisat
  • Lobrede auf Seine hochselige Majestät Friedrich Wilhelm den Dritten, König von Preußen. Mit einem Anhang. Logier, Berlin 1840. Digitalisat
  • Heinrich Menu von Minutoli: Beiträge zu einer künftigen Biographie Friedrich Wilhelms III. so wie einiger Staatsdiener und Beamten seiner nächsten Umgebung: Aus eigener Erfahrung und mündlich verbürgten Mittheilungen zusammengetragen. Mittler, Berlin u. a. 1843. Digitalisat
  • Das Testament Friedrich Wilhelm III. und die Thronreden Friedrich Wilhelm IV. bei der Huldigung zu Königsberg und Berlin. Sechs Staatsurkunden f. d. Preuss. Volk, angefügt die beiden Eröffnungsreden d. Herrn v. Rochow u. d. Huldigungseid. G. Eichler, Berlin 1840. Digitalisat
  • Friedrich Thimme: Friedrich Wilhelm III. und sein Anteil an der Konvention von Tauroggen und an der Heeresreform. In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. 18, 1905, S. 1–59.
  • Paul Haake: König Friedrich Wilhelm III., Hardenberg und die preußische Verfassungsfrage (Zweiter Teil). In: Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte. 28, 1915, S. 175–220.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Charakteristisch die fast schon prophetischen Ratschläge des Großonkels an den Jungen bei einem Spaziergang in Sanssouci: „Nun Fritz werde etwas Tüchtiges … Es wartet Großes auf dich … Ich bin am Ende meiner Karriere und mein Tagwerk ist bald absolviert … Überall liegen Gärungsstoffe und leider nähren sie die regierenden Herren, vorzüglich in Frankreich … Die Massen fangen schon an, von unten auf zu drängen, und wenn es zum Ausbruche kommt, ist der Teufel los. Ich fürchte, du wirst einmal einen schweren, bösen Stand haben … rüste dich, sei firm, denke an mich … Wache über unsere Ehre und unsern Ruhm. Begehe keine Ungerechtigkeit; dulde aber auch keine … Unter solchen Äußerungen war er in Sanssouci bis zum Ausgang gekommen, wo der Obelisk steht … Sieh ihn an … schlank aufstrebend und hoch und doch fest im Sturm und Ungewitter … der Kulminationspunkt, die höchste Spitze, überschauet und krönet das Ganze; aber trägt nicht, sondern wird getragen von Allem, was unter ihr liegt, vorzüglich vom unsichtbaren, tief unterbauten Fundament. Das tragende Fundament ist das Volk in seiner Einheit. Halte es stets mit ihm, dass es dich liebe und dir vertraue; darin nur allein kannst du stark und glücklich sein. Er maß mich mit einem festen Blick von Fußsohle bis zum Scheitel, reichte mir die Hand und entließ mich mit den Worten: Vergiss diese Stunde nicht! Ich habe sie nicht vergessen und eben jetzt steht sie lebhaft vor meiner Seele.“ (siehe in der Literaturliste: Eylert, Friedrich Wilhelm III., S. 455–456)
  2. Franz Blei: Königin Luise von Preußen. In: Gefährtinnen. Berlin 1931, S. 68 f.
  3. Linda Brüggemann: Herrschaft und Tod in der Frühen Neuzeit. 2002, S. 334.
  4. a b Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. 2010, S. 133.
  5. Preußen: Aufstieg und Fall. S. 368.
  6. Die Verwaltung, Band 19, S. 294.
  7. Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 372.
  8. Ernst Peter Fischer: Die Charité: Ein Krankenhaus in Berlin - 1710 bis heute. Siedler Verlag, 2009, ISBN 978-3-88680-880-9, S. 53.
  9. a b Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 343.
  10. Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 349.
  11. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 346.
  12. Johannes Willms: Nationalismus ohne Nation. Deutsche Geschichte von 1789–1914.
  13. Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. 2010, S. 208.
  14. Frank Bauer: Napoleon in Berlin: Preussens Hauptstadt unter französischer Besatzung 1806–1808. 2006, S. 114.
  15. Tobias Schenk: Der Reichshofrat als oberster Lehnshof. Dynastie- und adelsgeschichtliche Implikationen am Beispiel Brandenburg-Preußens. In: Anette Baumann und Alexander Jendorff (Hrsg.): Adel, Recht und Gerichtsbarkeit im frühneuzeitlichen Europa. Oldenbourg, München 2014, ISBN 978-3-11-034713-5 S. 292 (abgerufen über De Gruyter Online).
  16. Wolfgang Stribrny in einem Vortrag zur Geschichte Memels 1252–1945: annaberger-annalen.de (PDF; 1,0 MB), S. 16.
  17. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947.
  18. Erich Donnert: Mittel-, Nord- und Osteuropa. S. 801.
  19. Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 374.
  20. Martin Will: Selbstverwaltung der Wirtschaft: Recht und Geschichte der Selbstverwaltung. S. 32.
  21. Gunter Heinickel: Adelsreformideen in Preußen. S. 88.
  22. Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron.
  23. Daniel Schönpflug: Luise von Preußen: Königin der Herzen. 2010, S. 248.
  24. Wolfgang Ribbe: Geschichte Berlins. S. 453.
  25. Preußen. Aufstieg und Niedergang einer Großmacht. S. 409.
  26. Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 413.
  27. Gerhard P. Groß, Ernst Willi Hansen, Karl-Volker: Die Zeit bis 1914: Vom Kriegshaufen zum Massenheer. S. 198.
  28. Daniel Hitzing: Quellenkritik zu "An mein Volk" von Friedrich Wilhelm III. S. 4.
  29. Heinz G. Nitschke: Die Preußischen Militärreformen 1807–1813. Die Tätigkeit der Militärreorganisationskommission und ihre Auswirkungen auf die preußische Armee. S. 169.
  30. Michael Sikora: Preußen 1813. S. 14.
  31. Andreas Klinger, Hans-Werner Hahn: Das Jahr 1806 im europäischen Kontext: Balance, Hegemonie. S. 63.
  32. Klaus Wiegrefe: Die gute Revolution. In: Der Spiegel. Nr. 33, 2007, S. 37 (online).
  33. Winfried Heinemann: Das Eiserne Kreuz: Die Geschichte eines Symbols im Wandel der Zeit. S. 14.
  34. Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 421.
  35. Martin Wrede: Die Inszenierung der heroischen Monarchie: Frühneuzeitliches Königtum. S. 448.
  36. Martin Hofbauer, Martin Rink: Die Völkerschlacht bei Leipzig: Verläufe, Folgen, Bedeutungen 1813–1913 – 2013.
  37. Wolfram Siemann: Metternich: Staatsmann zwischen Restauration und Moderne. S. 46.
  38. Jörg Meiner (Hrsg.), Jan Werquet (Hrsg.): Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Politik – Kunst – Ideal. Beiträge einer Tagung vom 22. und 23. März 2012 am Kulturforum in Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2014, S. 66.
  39. Wolfgang Ribbe: Geschichte Berlins. Band 1: Von der Frühgeschichte bis zur Industrialisierung. Berlin 2002, S. 473.
  40. Preußen. Aufstieg und Niedergang. S. 449.
  41. Ernst Dietrich Baron von Mirbach: Prinz Friedrich von Preussen: ein Wegbereiter der Romantik am Rhein. S. 118.
  42. Christopher Clark Preußen: Aufstieg und Niedergang. S. 463.
  43. David King: Wien 1814: Von Kaisern, Königen und dem Kongress, der Europa neu erfand. 1. Auflage. 2014, ISBN 978-3-492-96820-1.
  44. Axel Weipert: Das Rote Berlin: Eine Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung 1830-1934. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2013, ISBN 978-3-8305-3242-2, S. 12.
  45. Wolfgang Ribbe: Geschichte Berlins: Von der Frühgeschichte bis zur Industrialisierung. 3. Auflage. Band 1. Berliner Wissenschafts-Verlag, ISBN 978-3-8305-0166-4, S. 589.
  46. Über Frankreich 1831–1837. Berichte über Kunst und Politik. S. 76.
  47. Uwe Birnstein: Neue Chronik der Weltgeschichte. Hrsg.: Brigitte Beier. Band 1. Wissen Media Verlag, München 2007, S. 487.
  48. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. C.H. Beck, S. 220.
  49. Christopher Clark: Preußen: Aufstieg und Niedergang. 10. Auflage. C.H. Beck, 2008, S. 464.
  50. Karlheinz Schuh: Die Losung der Mischenfrage. 1980, S. 11.
  51. Christopher Clark: Preußen: Aufstieg und Niedergang. C.H. Beck, 2008, S. 483.
  52. Wolfram Siemann: Vom Staatenbund zum Nationalstaat: Deutschland 1806–1871. S. 284.
  53. Aus den Aufzeichnungen der Königin Luise ist bekannt, dass auch sie bereits solchen Ideen angehangen hatte: „…denn jeder weiß so gut wie ich, dass nur der Handel einen Staat zur Blüte bringt, das nur er das Volk reich macht, und wem kommt der Reichtum mehr zugute als dem König? Wenn also diese alte Wahrheit wahr bleibt, dann musste der Handel für den König ein politischer Gesichtspunkt, und zwar einer der allerwesentlichen sein.“ Karl Griewank (Hrsg.): Königin Luise. Ein Leben in Briefen. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2003, S. 355.
  54. Winfried Scharlau: Mathematische Institute in Deutschland 1800–1945. Band 5. Fachmedien Wiesbaden GmbH, 1989, S. 16.
  55. Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1800–1866: Bürgerwelt und starker Staat, Band 1. C.H. Beck Verlag, München 1994, S. 192.
  56. Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Zwischen Ehrenpforte und Inkognito: Preußische Könige auf Reisen: Quellen. 2. Auflage. Berlin, ISBN 978-3-11-040915-4, S. 678.
  57. Frank-Lothar Kroll: Preussens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II. C.H. Beck, 2006, ISBN 3-406-54129-1, S. 218 (online)
  58. Luise: Königin der Herzen. S. 115.
  59. Anweisungsschreiben Friedrich Wilhelms III. an David Gilly. Zitiert nach Mario Zadow: Karl Friedrich Schinkel. Ein Sohn der Spätaufklärung. S. 123.
  60. Brigitte Beier: Die Chronik der Deutschen. S. 213. Media Verlag GmbH München/Gütersloh 2007.
  61. Ernst Dietrich Baron von Mirbach: Prinz Friedrich von Preussen: ein Wegbereiter der Romantik am Rhein. Böhlau Verlag, Köln, S. 176.
  62. Jörg Meiner (Hrsg.), Jan Werquet (Hrsg.): Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Politik – Kunst – Ideal. Beiträge einer Tagung vom 22. und 23. März 2012 am Kulturforum in Berlin. Lukas Verlag, Berlin 2014, S. 116.
  63. Wolfgang Radtke: Brandenburg im 19. Jahrhundert (1815-1914/18). 1. Auflage. Band 1. Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016, ISBN 978-3-8305-3646-8, S. 734.
  64. Eva Börsch-Supan: Arbeiten für König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.). S. 1.
  65. Wolfgang Ribbe: Geschichte Berlins. 3. Auflage. Band 1. Berliner Wissenschafts-Verlag, ISBN 978-3-8305-0166-4, S. 454.
  66. Margret Dorothea Minkels: Stifter des Neuen Museums: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Elisabeth von Bayern. Books on Demand GmbH, Berlin 2011, ISBN 978-3-8448-0212-2, S. 181.
  67. Margret Dorothea Minkels: Die Stifter des Neuen Museums: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Elisabeth von Bayern. S. 38.
  68. Hans-Dieter Otto: Für Einigkeit und Recht und Freiheit: Die deutschen Befreiungskriege gegen Napoleon. Auflage: 1. Thorbecke, 2013, ISBN 978-3-7995-0749-3, S. 17.
  69. Eine wichtige Quelle aus erster Hand zur Biografie und zur Persönlichkeit Friedrich Wilhelms III. stellt das Werk seines Hofpredigers dar, des Bischofs Rulemann Friedrich Eylert: Charakterzüge und historische Fragmente aus dem Leben des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III., gesammelt nach eigenen Beobachtungen und selbst gemachten Erfahrungen, Heinrichshofensche Buchhandlung, Magdeburg 1843.
  70. Eine weitere Quelle zur Persönlichkeit des Königs ist F. R. Paulig: Friedrich Wilhelm III. König von Preussen (1770 bis 1840). Sein Privatleben und seine Regierung im Lichte neuerer Forschungen. Verlag Friedrich Paulig, Frankfurt an der Oder, 1904. Dieses Werk stützt sich zum Teil auf Eylert.
  71. Heinrich von Treitschke charakterisierte ihn als „ernst und pflichtgetreu, fromm und rechtschaffen, gerecht und wahrhaft“. Vgl. Treitschke (1928, zuerst 1879), S. 141–143.
  72. In den Worten von Treitschke: „Unsäglich schwer fiel ihm jeder große Entschluss; er zauderte und überlegte, ließ die Dinge gehen, duldete lange, was ihm missfiel, weil er sich mit seinem Urteil nicht heraustraute; doch wenn entschieden werden musste, dann folgte er immer und überall seinem Gewissen.“ Vgl. Treitschke (1928, zuerst 1879), S. 141–143.
  73. Treitschke urteilte: „Er trägt die Hauptschuld an der schlaffen Friedenspolitik, welche dem alten Staate den Untergang bereitete“. Vgl. Treitschke (1928, zuerst 1879), S. 141–143.
  74. Peter Bloch, Waldemar Grzimek: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert. Propyläen, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1978, S. 154, Abbildung der Trümmer im Eosanderhof des Berliner Schlosses S. 249.
  75. Regina Müller: Das Berliner Zeughaus. Die Baugeschichte. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1994, S. 248.
  76. Uta Lehnert: Der Kaiser und die Siegesallee. Réclame Royale. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-496-01189-0, S. 210 f.
  77. Zum Raumprogramm und den anderen Statuen siehe Goerd Peschken, Hans-Werner Klünner: Das Berliner Schloß. Das klassische Berlin. Propyläen, Berlin 1982, ISBN 3-549-06652-X, S. 491 f.
  78. Dazu mit Foto des wiederhergestellten Saales vor der Sprengung siehe Renate Petras: Das Schloß in Berlin. Von der Revolution 1918 bis zur Vernichtung 1950. Verlag für Bauwesen, Berlin 1992, ISBN 3-345-00538-7, S. 99.
  79. Frank Bauer, Hartmut Knitter, Heinz Ruppert: Vernichtet.Vergessen.Verdrängt. Militärbauten und militärische Denkmäler in Potsdam. E. S. Mittler & Sohn, Berlin, Bonn, Herford 1993, S. 139f., Dokumente des behördlichen Schriftverkehrs zur Denkmalvernichtung 1945–1950, S. 186–196.
  80. Otto Schmitt: Ostpommern. Pommern östlich der Rega. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1927, S. 21, Abb. Tafel 78
VorgängerAmtNachfolger
Friedrich Wilhelm II.König von Preußen
1797–1840
Friedrich Wilhelm IV.
Friedrich Wilhelm II.Kurfürst von Brandenburg
1797–1806