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Mysłakowice [mɨswakɔˈvʲitsɛ] (dt. Zillerthal-Erdmannsdorf) ist ein Ort im südwestlichen Polen und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde. Er liegt im Landkreis Jeleniogórski der Woiwodschaft Niederschlesien zwischen Riesengebirge und Landeshuter Kamm, gehört der Euroregion Neiße an und verfügt über zahlreiche Gästebetten.

Mysłakowice
Wappen von Mysłakowice
Mysłakowice (Polen)
Mysłakowice
Mysłakowice
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Jelenia Góra
Geographische Lage: 50° 51′ N, 15° 47′ OKoordinaten: 50° 51′ 0″ N, 15° 47′ 0″ O
Höhe: 280 m n.p.m.
Einwohner: 4500
Postleitzahl: 58-533
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DJE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Jelenia GóraKowary
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 8 Schulzenämter
Fläche: 88,75 km²
Einwohner: 10.293
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 116 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0206072
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Zdzisław Pietrowski
Adresse: ul. Szkolna 5
58-533 Mysłakowice
Webpräsenz: www.myslakowice.pl



Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Blick von der Stabkirche Wang in Richtung Norden über Erdmannsdorf-Zillertal (im Vordergrund)

Mysłakowice liegt im östlichen Teil des Hirschberger Tals an den Flüssen Lomnitz (polnisch Łomnica) und Bober (Bóbr), etwa 8 km südöstlich von Hirschberg und 7 km nördlich von Krummhübel entfernt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich größtenteils entlang dieser Fließgewässer und auf dem Gebiet des sich östlich anschließenden Landeshuter Kamms, zu dem auch die Falkenberge (Sokole Góry) gehören. Zu Füßen der Falkenberge und des Landeshuter Kamms liegen die Teilorte Karpniki (Fischbach) und Bukowiec (Buchwald), von denen sich einige der schönsten Aussichten auf das nahegelegene Riesengebirge anbieten.

Das Riesengebirge beginnt unmittelbar südlich von Erdmannsdorf (Mysłakowice) in der Nachbargemeinde Giersdorf (Podgórzyn). Nach Hirschberg (Jelenia Góra), Krummhübel (Karpacz) und in die umliegenden Ortschaften bestehen regelmäßige Busverbindungen.

GeschichteBearbeiten

 
Erdmannsdorf, Gemälde von Wilhelm Schirmer

Erdmannsdorf wurde 1305 erstmals urkundlich erwähnt. Während der frühen Neuzeit befand es sich im Besitz der Familie von Reibnitz.

Ab 1838 ließen sich in Erdmannsdorf protestantische Exulanten aus Tirol (Zillertaler Inklinanten) nieder, denen der preußische König Friedrich Wilhelm III., auf Fürsprache der Gräfin Friederike von Reden hin, Zuflucht gewährte. Da es sich um Gebirgsbewohner handelte, siedelten sie sich im Riesengebirge, dem höchsten Gebirge Preußens, an. Viele der Zuwanderer stammten aus dem Zillertal, was im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer Änderung des Ortsnamens in Zillerthal-Erdmannsdorf führte.[2]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen gestellt, erlebte der Ort 1945 die Umbenennung in Turońsk und im Dezember 1946 in Mysłakowice[3] sowie bis 1946 die Vertreibung der Einwohner und die Neubesiedlung durch Polen.

1975 bis 1998 gehörte Mysłakowice der Woiwodschaft Jelenia Góra an, die 1999 in der neuen Woiwodschaft Niederschlesien aufging.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Pfarrkirche Herz Jesu
 
Schloss Erdmannsdorf
 
Tiroler Hof
 
Schloss Buchwald in Bukowiec

Sehenswert sind Kirchen, Landsitze und Schlösser in allen Ortsteilen sowie die durch zahlreiche Wanderwege erschlossene Landschaft, dazu zählen:

Pfarrkirche Herz JesuBearbeiten

Die katholische Pfarrkirche Herz Jesu (Kościół pw. Najświętszego Serca Pana Jezusa, auch Kościół Królów Pruskich = „Kirche der preußischen Könige“ genannt) am Rande des Schlossgartens, entworfen von Karl Friedrich Schinkel, erbaut 1836 bis 1838 als evangelische Kirche. Beim Umbau 1858 wurde dem Eingang ein Portikus mit ausgegrabenen altrömischen Säulen aus Pompeji hinzugefügt. Die Orgel wurde 1840 vom Hirschberger Orgelbauer Carl Friedrich Ferdinand Buckow gefertigt.

Schloss ErdmannsdorfBearbeiten

Das Schloss von Erdmannsdorf war von 1832 bis 1909 eine Sommerresidenz der Hohenzollern. Dessen aus dem frühen 18. Jahrhundert stammender Vorgängerbau wurde 1751 von Maximilian Leopold von Reibnitz zu einer zweigeschossigen Barockresidenz von dreiflügeligem Grundriss umgebaut. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel erwarb Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau das Anwesen 1816 im Tausch gegen ein anderes seiner Güter. Nach dem Tod Gneisenaus 1831 kaufte Preußens König Friedrich Wilhelm III. das Schloss für 136.000 Taler. In den Folgejahren wurde es von Karl Friedrich Schinkel umgebaut, während der Königliche Hofgärtner Peter Joseph Lenné Bepflanzungspläne für den Schlosspark entwarf. Seine heutige Gestalt verdankt es im Wesentlichen den Umbauten im Stil der englischen Gotik unter König Friedrich Wilhelm IV., dessen Vorstellungen ab 1840 von Friedrich August Stüler verwirklicht wurden. Heute dient das Schloss als Schule. Neben dem Schloss Erdmannsdorf steht die „Villa Liegnitz“, die 1842 für die Fürstin von Liegnitz erbaut wurde.[4]

Tiroler HofBearbeiten

Bei dem Wohnhaus in der ul. Starowiejska 14, handelt es sich um den sogenannten Tiroler Hof. Es ist eines von mehreren Häusern, die im 19. Jahrhundert von Glaubensflüchtlingen im Tiroler Stil erbaut wurden und sich bis heute in Mysłakowice erhalten haben. Das Gebäude wurde nach Sanierungsmaßnahmen 1998 als Tiroler Gaststube neu eröffnet. Seine neuen Besitzer sind das Bundesland Tirol (Österreich) und die sechs Tiroler Herkunftsgemeinden der Exulanten.

Schloss BuchwaldBearbeiten

Schloss Buchwald (Bukowiec) gehörte einst dem preußischen Bergbauminister Friedrich Wilhelm Graf von Reden (1752–1815) und ging dann im Erbgang an die Freiherren von Rotenhan, die es bis 1945 besaßen.

GemeindeBearbeiten

Die Landgemeinde Mysłakowice besteht außer dem namengebenden Hauptort noch aus den folgenden Ortsteilen:

PartnerschaftenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Theodor Donat, Erdmannsdorf. Seine Sehenswürdigkeiten und Geschichte, Hirschberg 1887
  • Das Tal der Schlösser und Gärten. Das Hirschberger Tal in Schlesien – ein gemeinsames Kulturerbe, Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch e. V., Berlin und Jelenia Góra 2002
  • Arne Franke, Erdmannsdorf. Schloss, Park, Kirche, Tiroler Häuser, Schweizer Haus | Mysłakowice. Zamek, Park Kośiół, Domy tyrolskie, Dom szwajcarski. Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V., 2005, 66 S. zweisprachig deutsch-polnisch, ISBN 978-3-936168-32-7
  • Helga und Horst Bast: Die Familien der 1837 ausgewanderten Protestanten aus dem Zillertal – Ihre Vor- und Nachfahren, die Auswanderung, der Weg, die Ansiedlung, ihre Häuser und ihr Leben im Hirschberger Tal. Cardamina Verlag, Mai 2012, ISBN 978-3-86424-044-7

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mysłakowice – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa/Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Die Riesengebirgs-Älpler - Die Umsiedlung der Tiroler Protestanten nach Niederschlesien, 10. November 2009
  3. Cykl Gminy polskie - gmina Mysłakowice - historia gminy w latach
  4. Schloss Erdmannsdorf (abgerufen am 2. November 2017)