Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Georg I. (Großbritannien)

König von Großbritannien und Irland, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg
Georg I. Unterschrift von König Georg I.

Georg I. – geboren als Herzog Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg – (28. Maijul./ 7. Juni 1660greg. im Leineschloss, Hannover, Fürstentum Calenberg; † 11. Junijul./ 22. Juni 1727greg. in Schloss Osnabrück, Hochstift Osnabrück) war ein Monarch aus der Dynastie der Welfen.

Ab 1698 regierte er als Kurfürst Georg Ludwig das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“ oder „Kurfürstentum Hannover“) und bekleidete das Amt des Erzbannerträgers des Heiligen Römischen Reiches. Aufgrund der Bestimmungen des Act of Settlement, welche die Grundlage der protestantischen Thronfolge schuf, wurde er 1714 als Georg I. König von Großbritannien.[1] Damit begründete er das in Großbritannien bis 1901 regierende Haus Hannover sowie die bis 1837 bestehende Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover.

Während der Herrschaft Georgs I. verschoben sich die politischen Machtverhältnisse in Großbritannien endgültig von der Monarchie zugunsten der Regierung und des Parlaments.

Inhaltsverzeichnis

Frühe JahreBearbeiten

 
Georg Ludwig als Offizier (um 1680)

Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg wurde am 28. Mai 1660 im Leineschloss zu Hannover geboren. Er war der älteste Sohn des Welfen Ernst August von Braunschweig-Calenberg und dessen Gemahlin Sophie von der Pfalz, einer Enkelin des schottisch-englischen Königs Jakob I. (1566–1625) aus dem Haus Stuart.

Gemeinsam mit seinen sechs jüngeren Geschwistern wuchs Georg Ludwig in den Residenzen Schloss Iburg und Osnabrück auf, wo sein Vater seit 1662 als Fürstbischof regierte. Durch seinen Erzieher Franz Ernst von Platen und den Hofmeister Johann von dem Bussche erhielt er eine zeitgemäße Fürstenausbildung. Neben evangelisch-lutherischem Religionsunterricht, Geschichts- und Geografieunterricht wurde er im Reiten und der Jagd unterwiesen. Einen Schwerpunkt in der Erziehung bildeten die militärische Ausbildung sowie der Erwerb von Fremdsprachen (Latein, Französisch, Italienisch und Niederländisch). Die hoch gebildete Sophie zeigte reges Interesse an der Erziehung ihrer Kinder und beschrieb „Görgen“, wie Georg Ludwig im engsten Familienkreis genannt wurde, in Briefen als verantwortungsvoll und gewissenhaft, der seinen Geschwistern als Vorbild diene.[2]

Aufgrund des Bündnisses seines politisch ambitionierten Vaters mit Kaiser Leopold I. kämpfte Georg Ludwig bereits im Alter von 14 Jahren mit den braunschweigischen Truppen im Holländischen Krieg gegen Frankreich. 1675 nahm er am Feldzug an der Mosel teil und kämpfte in der Schlacht an der Konzer Brücke (11. August 1675). Mit seinem jüngeren Bruder Friedrich August kämpfte er als Offizier während des Großen Türkenkriegs in der Schlacht am Kahlenberg (12. September 1683) sowie dem anschließenden Feldzug gegen die Türken in Ungarn (1684/85). In den Jahren 1690–1693 zog Georg Ludwig erneut mit den väterlichen Einheiten auf dem niederländischen Kriegsschauplatz gegen Frankreich ins Feld (Pfälzischer Erbfolgekrieg).

Auf Betreiben seiner Mutter weilte Georg Ludwig 1680/81 einige Monate zu einem Verwandtschaftsbesuch am englischen Königshof, um vergeblich eine mögliche Ehe mit einer der Töchter des späteren Königs Jakob II. einzugehen.

Zentrales Ziel seines Vaters, seit 1679 zusätzlich Herrscher im Fürstentum Calenberg, war der Erwerb der Kurfürstenwürde für sein calenbergisches Haus. Daher proklamierte er 1683 für seine Erblande das Recht der Primogenitur, das eine Voraussetzung für die Erlangung der Kurwürde war. Gemäß dieser Regelung sollte Georg Ludwig alleiniger Erbe der welfischen Fürstentümer Calenberg und Grubenhagen werden, durch einen Erbschaftsvertrag mit seinem Bruder Georg Wilhelm war zudem sichergestellt, dass nach dessen Tod das Fürstentum Lüneburg ebenfalls an die Hannover residierenden Welfen fallen sollte. Die seit 1689 zwischen Ernst August und dem Kaiser geführten Verhandlungen mündeten 1692 schließlich in die Schaffung einer neuen, neunten Kurwürde des Heiligen Römischen Reiches, mit welcher Ernst August belehnt wurde.

Ehe und NachkommenBearbeiten

 
Sophie Dorothea mit ihren Kindern Georg August und Sophie Dorothea
 
Melusine von der Schulenburg

Zur Absicherung des vertraglich vereinbarten Erbanspruchs der calenberger Linie auf das Fürstentum Lüneburg wurde Georg Ludwig am 18. November 1682 auf Schloss Celle mit seiner Cousine Sophie Dorothea von Celle vermählt. Sie war die einzige Tochter seines Onkels Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg und dessen Gemahlin Eleonore d’Olbreuse.

Aus der Verbindung gingen zwei Nachkommen hervor:

Die unter rein dynastischen Gesichtspunkten geschlossene Ehe galt infolge der charakterlichen Unvereinbarkeit der Partner als zerrüttet, nach der Geburt der Kinder entfremdete sich das Paar endgültig. Ab 1691 nahm sich Georg Ludwig Melusine von der Schulenburg zur Mätresse, Sophie Dorothea ging 1692 eine außereheliche Beziehung mit dem Offizier Philipp Christoph von Königsmarck ein,[3] der am Hof ihres Vaters als Page aufgewachsen war. Durch die Hofdame Clara Elisabeth von Platen wurde die Affäre zwischen Sophie Dorothea und Graf Königsmarck im Jahr 1694 am hannoverschen Hof publik, was sich zu einer Staatsaffäre entwickelte. Königsmarck verschwand am 1. Juli 1694 spurlos und die Vermutung liegt nahe, dass er auf Veranlassung des Kurfürsten Ernst August oder Georg Ludwigs ermordet worden war. Offiziell gilt er bis heute als vermisst, der wahre Sachverhalt blieb unklar. Zur Wiederherstellung seiner persönlichen Ehre verlangte Georg Ludwig die Scheidung von seiner Frau, welche am 28. Dezember 1694 vollzogen wurde. Sophie Dorothea wurde wegen böswilligen Verlassens ihres Ehemannes zum allein schuldigen Teil erklärt. Auf Befehl Georg Ludwigs wurde sie auf Schloss Ahlden verbannt, eine neue Ehe wurde ihr untersagt, ebenso durfte sie ihre Kinder nicht mehr wiedersehen. Sie erhielt eine regelmäßige Apanage und einen kleinen Hofstaat, durfte das Schloss aber nur zu überwachten Ausritten verlassen. Die Bedingungen waren wohl nicht allzu streng, zumal sie auf politischen Überlegungen, nicht auf Rachsucht Georg Ludwigs beruhten.[4] Sophie Dorothea verstarb am 13. November 1726 an ihrem Verbannungsort. Als Georg Ludwig von ihrem Tod erfuhr, untersagte er ausdrücklich jegliche Trauerbekundung in Hannover.

Georg Ludwig strebte keine weitere Vermählung mehr an und lebte stattdessen mit seiner Mätresse Melusine von der Schulenburg.

Das Paar hatte drei uneheliche Töchter:

Kurfürst in HannoverBearbeiten

 
Kurfürst Georg Ludwig (um 1706)
 
Der Große Garten des Schlosses Herrenhausen (ca. 1708)

Zu Lebzeiten Ernst Augusts, beteiligte dieser seinen ältesten Sohn in keiner Weise an den Regierungsgeschäften. Erst als der Kurfürst ab 1694 krankheitsbedingt bis zur völligen Regierungsunfähigkeit abnahm, wurde Kurprinz Georg Ludwig vermehrt in die Staatsgeschäfte eingebunden. Mit dem Tod Ernst Augusts am 23. Januar 1698 erbte Georg Ludwig das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (auch „Kurfürstentum Hannover“ oder „Kurhannover“ genannt), mit Ausnahme des Hochstifts Osnabrück, sowie die Titel eines Kurfürsten, Herzogs und Erzbannerträgers des Heiligen Römischen Reiches. Durch das Primogeniturgesetz von 1683 war er gegen den heftigen Widerstand seiner jüngeren Brüder zum alleinigen Nachfolger bestimmt worden, weshalb bei der Thronübernahme die Streitigkeiten nochmals aufkamen.

Der als sparsam, bis zum Geiz, geltende Georg Ludwig begann seine Herrschaft mit einschneidenden Sparmaßnahmen und schaffte dadurch die Grundlage für die finanzielle Konsolidierung des hannoverschen Staates. Er sorgte für eine geordnete und straffe Verwaltung, die bedeutende Geldmittel für politische Zwecke freistellte, wie etwa die Anerkennung der umstrittenen Kurwürde Hannovers im Jahr 1710 durch den Reichstag. Unter seiner Regierung erreichte Georg Ludwig die territoriale Abrundung seines Herrschaftsgebietes durch den Erbanfall des Fürstentums Lüneburg-Celle (1705), die pfandweise Übernahme der Grafschaft Delmenhorst (1711) sowie den Erwerb der Herzogtümer Bremen und Verden (1715). Hinter Brandenburg-Preußen erreichte Kurhannover eine regionale Vormachtstellung im nordwestdeutschen Raum.

Entgegen der Bestimmungen des Friedens von Rijswijk rüstete Georg Ludwig sein Heer bis zum Jahr 1705 auf fast 13.000 Soldaten auf. Als die hannoverschen Truppen um die Regimenter des Fürstentums Lüneburg-Celle erweitert wurden, wuchs dieses auf eine Stärke von 22.000 Mann an und war eines der größten stehenden Heere des Reiches. Diese militärische Stärke erlaubte es Georg Ludwig, sich außenpolitisch an der Seite des Kaisers, der Republik der Vereinigten Niederlande und England am Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) gegen Frankreich zu beteiligen. Im Rang eines Reichsmarschalls übernahm der Kurfürst im September 1707 persönlich den Oberbefehl über die Reichsarmee und konnte die französischen Truppen vollständig hinter den Rhein zurückwerfen, verhielt sich in der Folge jedoch rein defensiv ehe er 1709 aus dem aktiven Dienst austrat.

Durch den französischen Architekten Louis Remy de la Fosse ließ Georg Ludwig den Großen Garten seiner Hauptresidenz Schloss Herrenhausen in Hannover zu repräsentativen Zwecken großzügig ausbauen. An seinem Hof verkehrten zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft, wie der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz oder die Komponisten Georg Friedrich Händel und Agostino Steffani.

Thronfolge in GroßbritannienBearbeiten

 
Georg Ludwig als Ritter des Hosenbandordens (1701)

Mit dem Act of Settlement verabschiedete das englische Parlament 1701 ein neues Thronfolgegesetz. Dies Gesetz schloss Katholiken von der englischen Thronfolge aus und schrieb fest, sollten der regierende Wilhelm III. und dessen Schwägerin Anne, letzte protestantische Thronfolgerin des Hauses Stuart, ohne Nachkommen sterben, das Recht der Thronfolge - unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie - auf ihre Cousine ersten Grades Sophie von der Pfalz und deren protestantische Nachkommen übergehen sollte. Sophie war eine Tochter Elisabeth Stuarts und die nächste lebende protestantische Verwandte des englischen Königshauses. Nach dem Tod des kinderlosen Wilhelm III. im Jahr 1702, folgte ihm Königin Anne auf den Thron, die selbst ohne Nachkommen war, weshalb Sophie von der Pfalz designierte Thronanwärterin (heiress presumptive) wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war Schottland ein unabhängiges Königreich, jedoch durch Personalunion mit England verbunden. Das englische Parlament hatte ohne Zustimmung der Estates of Scotland die Thronfolge geändert, worauf das schottische Parlament 1704 den Act of Security verabschiedete: Sollte Anne ohne Nachkommen sterben, würde das schottische Parlament aus den Abkömmlingen der schottischen Könige einen protestantischen Nachfolger wählen. Nur wenn bestimmte wirtschaftliche, politische und religiöse Bedingungen erfüllt wurden, würde es auch den englischen Nachfolger akzeptieren. Nach der Zurückweisung der Vorlage durch den Generalgouverneur drohten die Schotten, keine Steuern mehr zu erheben und die schottischen Heeresteile aus dem Spanischen Erbfolgekrieg abzuziehen. Das englische Parlament antwortete 1705 mit dem Alien Act, der zahlreiche Beschränkungen der schottischen Wirtschaft vorsah. Schließlich stimmte das schottische Parlament 1707 dem Act of Union zu, wodurch sich England und Schottland zum Königreich Großbritannien zusammenschlossen.

Georgs Mutter Sophie von der Pfalz starb wenige Wochen vor der britischen Königin Anne von Großbritannien. Gemäß dem Act of Settlement wurde nach Annes Tod am 1. August 1714 Georg König von Großbritannien und Irland. Bis zu Georgs Ankunft in Großbritannien am 18. September herrschte der Lord Chief Justice Thomas Parker in seinem Namen. Die Krönung erfolgte am 20. Oktober in der Westminster Abbey.[5]

Georg zog mit seinem gesamten hannoverschen Hof um, samt Anhang wie seiner Mätresse Melusine, die sehr bald zur Herzogin von Kendal erhoben wurde. Außerdem auch Gräfin Kielmannsegg, jene Tochter der Gräfin Platen, die wahrscheinlich die Tochter von Kurfürst Ernst August war und seitens ihrer Mutter dem Grafen Königsmarck als Gemahlin angeboten wurde.

Der neue König lebte hauptsächlich in Großbritannien, kehrte jedoch zu wiederholten Besuchen nach Hannover zurück. Während seiner Abwesenheit wurde die königliche Macht entweder seinem Sohn Georg August, dem Prince of Wales, übertragen oder einem „Komitee der Wächter und Richter des Königreiches“ (Committee of Guardians and Justices of the Kingdom). Auch wenn er in Großbritannien weilte, verlor der König nie aus den Augen, dass er weiterhin zugleich Kurfürst zu Hannover blieb.

Der Lutheraner Georg I. wurde als britischer König Oberhaupt der englischen Staatskirche (der anglikanischen Kirche). Diese Praxis wurde bis zum letzten Hannoveraner am britischen Thron, Wilhelm IV., beibehalten.[6]

Obwohl erwiesen ist, dass Georg I. neben Deutsch vier Fremdsprachen beherrschte (Latein, Französisch, Italienisch und auch leidlich Englisch), hält sich bis heute hartnäckig die Behauptung, er habe nur Deutsch gesprochen und kaum ein Wort Englisch verstanden. In der Tat verwandte Georg das Englische sparsam, was unter anderem mit einer gewissen Schüchternheit erklärt wird. Die wichtigste Korrespondenz, auch mit seinen kurfürstlichen Beamten, führte er auf Französisch.[7]

1715, nicht einmal ein Jahr nach der Thronbesteigung, brach der erste Aufstand der Jakobiten aus. Das Ziel der Aufständischen war es, Georg zu stürzen und stattdessen Annes katholischen Bruder James Francis Edward Stuart als König „Jakob III.“ einzusetzen. Der „Alte Prätendent“ (Old Pretender), wie er von den Engländern genannt wurde, zettelte in Schottland einen Aufstand an, wo die Unterstützung für die Jakobiten weitaus größer war als in England. John Erskine, ein schottischer Adliger, der einst die Glorious Revolution unterstützt hatte, führte die Rebellen an. Nach mehreren verlorenen Schlachten flohen Erskine und Stuart im Februar 1716 nach Frankreich. Die britische Regierung ging hart gegen die Rebellen vor; die Gefangenen wurden exekutiert oder als Sklaven in die Kolonien gebracht. Zahlreiche schottische Adelsfamilien büßten ihre Ländereien ein.

Viele Mitglieder der Tory-Partei hatten mit den Jakobiten sympathisiert. Georg misstraute den Tories und stellte sicher, dass die Whigs an Einfluss gewannen. Die Dominanz der Whigs im Parlament war danach derart groß, dass es über ein halbes Jahrhundert dauern sollte, bis die Tories wieder an die Macht gelangten.

Krieg und AufstandBearbeiten

 
Der König um 1715

Nach der Thronbesteigung verschlechterte sich das Verhältnis des Königs zu seinem Sohn Georg August zusehends. Der Prince of Wales war stets darauf bedacht, die Opposition zu seinem Vater zu unterstützen. Leicester House, die Residenz des Prinzen in London, wurde zu einem Treffpunkt der politischen Gegner des Königs, darunter Robert Walpole und Viscount Townshend. Nachdem Schwiegertochter Caroline von Ansbach im Jahr 1717 Enkel Georg Wilhelm zur Welt gebracht hatte, brach bei der Taufe ein Familienstreit aus. Der Prince of Wales bestand auf den Taufpaten seiner Wahl, doch der König wählte einen anderen aus. Nachdem der König in aller Öffentlichkeit von seinem Sohn wüst beschimpft worden war, stellte er ihn für kurze Zeit unter Arrest, verbannte ihn aus dem St James’s Palace, der königlichen Residenz und schloss ihn von allen öffentlichen Zeremonien aus. Robert Walpole erreichte zwar 1720, dass sich Vater und Sohn aussöhnten, doch das Verhältnis zueinander war nie mehr freundschaftlich.

Während seiner ersten Herrschaftsjahre spielte Georg I. eine aktive Rolle in der britischen Außenpolitik. 1717 war er maßgeblich an der Bildung der Dreierallianz beteiligt, einem antispanischen Bund bestehend aus Großbritannien, Frankreich und der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande. 1718 trat auch das Heilige Römische Reich dem Bündnis bei, das zur Quadrupelallianz wurde. Der nachfolgende Krieg der Quadrupelallianz begann, als Philipp von Anjou nach dem Tod Ludwigs XIV. erneut Anspruch auf den französischen Thron erhob, womit er den Frieden von Utrecht missachtete. Doch als selbst die Franzosen gegen die Truppen des spanischen Königs kämpften, nahm der Krieg ein rasches Ende und beide Königshäuser blieben getrennt.

Im Jahr 1719 wurde Georg I. mit einem zweiten Aufstand der Jakobiten konfrontiert. James Francis Edward Stuart wollte mit spanischer Unterstützung wieder auf den britischen Thron gelangen. Doch wegen stürmischer See gelangten nur gerade dreihundert spanische Soldaten nach Schottland. Der Prätendent richtete im Eilean Donan Castle an der Westküste eine Gegenregierung ein, doch das Schloss wurde wenig später von britischen Fregatten zerstört. Danach konnte der Prätendent nur etwa tausend schottische Soldaten anwerben, die aber schlecht ausgerüstet und gegen die britische Artillerie chancenlos waren. Die Schotten flüchteten in die Highlands und die Spanier ergaben sich. Letztlich stellte dieser Aufstand keine ernsthafte Bedrohung für den König dar.

Zunehmender MachtverlustBearbeiten

Als im Jahr 1717 die Whigs an die Macht gelangten, waren Robert Walpole, Viscount Townshend, Earl Stanhope und der Earl of Sunderland Georgs wichtigste Minister. Im selben Jahr traten Townshend und Walpole zurück; Stanhope übernahm eine führende Rolle in der Außenpolitik, Sunderland hingegen in der Innenpolitik.

1719 begann Sunderlands Macht zurückzugehen. Er legte einen Gesetzesentwurf vor, mit dem die Größe des House of Lords (mehrheitlich aus Tory-Aristokraten bestehend) reduziert werden sollte; das Gesetz wurde aber abgelehnt. Ein noch größeres Problem war die Südseeblase. Die South Sea Company bot an, knapp 31 Millionen Pfund der britischen Staatsschulden umzuwandeln. Damals war es aufgrund unrealistischer Einschränkungen extrem schwierig, mit Staatsanleihen zu handeln. Beispielsweise war es nicht möglich, bestimmte Anleihen abzuzahlen, solange der Schuldner noch lebte. Jede Anleihe repräsentierte eine sehr große Summe und konnte nicht aufgeteilt und verkauft werden. Aus diesem Grund machte die South Sea Company den Vorschlag, hochverzinsliche und nicht einlösbare Anleihen in tiefverzinsliche und leicht handelbare Anleihen umzuwandeln. Die Gesellschaft bestach Stanhope, damit dieser ihren Plan unterstützte; auch durch Sutherland wurde sie unterstützt. Der Wert der Gesellschaft stieg rasant an. Betrug der Preis einer Aktie im Januar 1720 noch 128 Pfund, so waren sie im August bereits 1000 Pfund wert. Unkontrollierte Verkäufe führten jedoch zu einem Kurssturz auf 150 Pfund Ende September. Viele Anleger, darunter auch Aristokraten, waren völlig ruiniert.

Die Südseeblase führte dazu, dass Georg I. und seine Minister äußerst unbeliebt wurden. Lord Stanhope starb und Lord Sunderland trat 1721 zurück; dadurch ermöglichte er den Aufstieg von Robert Walpole. Dieser war zuerst faktisch erster Premierminister Großbritanniens. Dieser Titel wurde 1730 auch formell anerkannt; zuvor war Walpole offiziell Erster Schatzkanzler. Walpoles Bewältigung der Krise war so wirkungsvoll, dass ein offener Konflikt zwischen dem König und dem House of Commons abgewendet werden konnte.

Mittels Bestechung stärkte Walpole seinen Einfluss im House of Commons. Er bat Georg darum, einen neuen Ritterorden zu gründen, den Order of the Bath. Walpole belohnte seine politischen Freunde, indem er ihnen die Mitgliedschaft in dieser prestigeträchtigen Organisation anbot. Walpole erlangte dadurch eine große Macht. Er kontrollierte die Regierung, nicht etwa der König. Walpole konnte Minister nach Belieben einsetzen oder entlassen. Georg nahm nicht einmal an den Sitzungen des Kabinetts teil, nur in der Außenpolitik übte er einen gewissen Einfluss aus. Einige von Georgs Nachfahren, insbesondere sein Urenkel Georg III., waren bestrebt, die Machtbalance wieder zugunsten des Königshauses zu verschieben, letztlich jedoch ohne Erfolg.

1727 wollte Georg zum sechsten (und letzten) Mal seine Heimat Hannover besuchen, doch auf dem Weg dorthin starb er am 11. Junijul./ 22. Juni 1727greg. in Osnabrück. Er wurde in der Kapelle des Leineschlosses in Hannover beigesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sein Sarkophag in das Welfenmausoleum im Berggarten in Herrenhausen überführt.[8]

Georgs Sohn trat als Georg II. die Nachfolge an.

TitelBearbeiten

  • 28. Mai 1660 – 18. Dezember 1679: Seine Hoheit Herzog Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg
  • 18. Dezember 1679 – Oktober 1692: Seine Hoheit Erbprinz Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg
  • Oktober 1692 – 23. Januar 1698: Seine Durchlaucht Kurprinz Georg Ludwig von Hannover
  • 23. Januar 1698 – 1. August 1714: Seine Durchlaucht Georg Ludwig, Erzbannerträger des Heiligen Römischen Reiches und Kurfürst, Herzog von Braunschweig-Lüneburg
  • 1. August 1714 – 11. Juni 1727: Seine Majestät Georg I., von Gottes Gnaden König von Großbritannien, Frankreich und Irland, Fidei Defensor etc., Herzog von Braunschweig-Lüneburg, Erzbannerträger und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches

AhnentafelBearbeiten

Ahnentafel König Georg I.
Urgroßeltern

Herzog
Wilhelm d. J. von Braunschweig-Lüneburg
(1535–1592)
∞ 1561
Dorothea von Dänemark
(1546–1617)

Landgraf
Ludwig V. von Hessen-Darmstadt
(1577–1626)
∞ 1598
Madgalena von Brandenburg
(1582–1616)

Kurfürst
Friedrich IV. von der Pfalz
(1574–1610)
∞ 1593
Luise Juliana von Oranien-Nassau
(1576–1644)

 
König
Jakob I. von England
(1566–1625)
∞ 1589
Anna von Dänemark
(1574–1619)

Großeltern

Herzog
Georg von Braunschweig-Calenberg (1582–1641)
∞ 1617
Anna Eleonore von Hessen-Darmstadt (1601–1659)

Kurfürst
Friedrich V. von der Pfalz (1596–1632) „Winterkönig“
∞ 1612
Elisabeth Stuart (1596–1662)

Eltern

Herzog/Kurfürst
Ernst August von Braunschweig-Calenberg (1629–1698)
∞ 1658
Sophie von der Pfalz (1630–1714)

 
König Georg I. (1660–1714)

EhrungenBearbeiten

Nach ihm ist King George County in Virginia benannt.

LiteraturBearbeiten

  • Ronald G. Asch (Hrsg.): Hannover, Großbritannien und Europa. Erfahrungsraum Personalunion 1714–1837 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 277). Wallstein-Verlag, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1584-6.
  • John M. Beattie: The English Court in the Reign of George I. Cambridge 1967.
  • Jeremy Black: The Hanoverians. The History of a Dynasty. Hambledon Continuum, London 2004.
  • Ragnhild Marie Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. Societäts Verlag, Frankfurt a.M. 1982, 1985 (2. Auflage), ISBN 3-7973-0398-X. [engl. Originalausgabe 1978; Standardwerk, in der deutschen Übersetzung aber ohne Anmerkungen und Bibliographie]
  • Adolf Schaumann: Georg Ludwig (Kurfürst von Hannover). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 638–642.
  • Georg Schnath: Georg Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 210 f. (Digitalisat).
  • Christian Schnee: Georg I. Ein Welfensohn zwischen London und Hannover. Verlag Ludwig, Kiel 2013.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Georg I. von Großbritannien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikisource: Georg I. (Großbritannien) – Quellen und Volltexte

AnmerkungenBearbeiten

  1. Die Könige von Großbritannien führten traditionell auch den Titel eines Königs von Frankreich, so auch Georg in seiner Königsproklamation von 1714, vgl. Ragnhild Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1985, S. 117.
  2. Ragnhild Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1985, S. 29.
  3. Ragnhild Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1985, S. 55 ff.
  4. Vgl. Ragnhild Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1985, S. 62 f.
  5. Die Proklamation lautete: Wir, die geistlichen und weltlichen Lords des Oberhauses, tun hiermit mit Hilfe der Lords des Geheimen Staatsrates Ihrer verblichenen Majestät, zahlreicher anderer namhafter und hochgestellter Herren, des Oberbürgermeisters, des Stadtrates und der Bürger von London einstimmig und im Einklang von Mund und Herzen kund und zu wissen, daß der erhabene und mächtige Fürst Georg, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, nun durch den Tod unserer Monarchin seligen Angedenkens unser gesetz- und rechtmäßiger Lehnsherr, Georg von Gottes Gnaden König von Großbritannien, Frankreich und Irland geworden ist. zit. nach Ragnhild Hatton: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron. 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1985, S. 117.
  6. E. Geo. Pearce: The Story of the Lutheran Church in Britain. Through Four Centuries of History. London 1969. S. 14.
  7. name="km156"
  8. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Mausoleum. in: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon. S. 92.
Vorgänger Amt Nachfolger
Ernst August Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg
1698–1727
Georg II.
Anne König von Großbritannien
1714–1727
Georg II.
Anne König von Irland
1714–1727
Georg II.