Schloss Tegel

Schloss in Deutschland

Das Schloss Tegel (auch Humboldt-Schloss genannt) liegt im Berliner Ortsteil Tegel des Bezirks Reinickendorf. Es ist das bedeutendste Baudenkmal des Bezirks und steht wie auch Wirtschaftsgebäude und Mauer, Gärtnerhaus, Familiengrabstätte mit Statue der Hoffnung und Grabstätte Kunth unter Denkmalschutz.[1] Die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt verbrachten im vorherigen Schlösschen und auf Gut Tegel im Sommer viele Jahre ihrer Kindheit. Der Schlosspark erstreckt sich bis fast an den Tegeler See.

Schloss Tegel, 2005

Das heutige Schloss Tegel wurde zwischen 1820 und 1824 errichtet; Bauherr war Wilhelm von Humboldt, sein Architekt Karl Friedrich Schinkel. Es gehört heute immer noch den Nachfahren Wilhelm von Humboldts, der Familie von Heinz, die auch hier wohnt. Das private Humboldt-Museum im Gebäude ist im Sommerhalbjahr montags während der Führungen zugänglich.[2]

GeschichteBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Schloss Tegel zwischen 1857 und 1858
 
Lage um 1835
 
Meilenstein am Schloss Tegel

Ursprünglich 1558 als Renaissance-Herrenhaus erbaut, erfolgte auf Veranlassung von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg der Umbau zu einem Jagdschloss.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde an der Zufahrt zum Schloss ein Meilenstein in Form eines Obelisken aus Sandstein aufgestellt, der zwei preußische Meilen vom zentralen Poststein am Dönhoffplatz in Berlin-Mitte entfernt ist. Der Meilenstein wurde 1992 restauriert und befindet sich heute südöstlich vom Schloss an der Adelheidallee.

BewohnerBearbeiten

Als Teil des Gutes Tegel ging das Schloss 1766 durch Heirat an die Familie von Humboldt über. Schloss Tegel wurde zum Familiensitz der Humboldts. Auch Alexander und Wilhelm von Humboldt lebten hier viele Jahre. Nach dem Tod seiner Mutter Marie-Elisabeth von Humboldt übernahm Wilhelm von Humboldt im Jahr 1797 das Anwesen. Er ließ das Schloss von 1820 bis 1824 durch Karl Friedrich Schinkel im Stil des Klassizismus umgestalten und verstarb hier 1835.[3] Später erbte Wilhelm von Humboldts Tochter Gabriele das Anwesen. Sie war mit dem preußischen Außenminister Heinrich von Bülow verheiratet. Nach Gabriele von Bülows Tod ging der Tegeler Besitz[4] in die Hände von Tochter Constanze und damit an die Familie von Heinz über.[5] Einer der Nachfahren ist Reinhold von Heinz (1861–1939), Geheimer Rat a. D.[6] und Ehrenritter des Johanniterordens. Da der älteste Sohn Karl Egon als Offizier 1914 starb erbte Hans Rüdiger von Heinz (1894–1941) Schloss Tegel. Er war Zögling[7] auf der Ritterakademie Brandenburg und studierte in Oxford, war Reserveleutnant und Gesandtschaftsrat.[8] Sein Rittergut Tegel hatte 1929 eine Fläche von 103 Hektar.[9] Die Nachkommen bewohnen das Haus noch heute. Am 30. Mai 2017 verstarb Ulrich Vincenz von Heinz (geb. 6. Juli 1941) und wurde im Familien- und Freundeskreis in der Familiengruft des Schlosses beigesetzt.

SchlossparkBearbeiten

Der Park wurde in den Jahren 1777–1789 vom Verwalter und Hauslehrer der Humboldts, Gottlob Johann Christian Kunth, angelegt. Ab 1802 gestaltete Wilhelm von Humboldt den Park neu. Die oft verbreitete Urheberschaft Peter Joseph Lennés hat sich als falsche Zuschreibung herausgestellt. Im Jahr 1824 hat auch Karl Friedrich Schinkel an der Umgestaltung des Schlossparks mitgewirkt.[10]

Im Jahr 1983 wurde der Schlosspark unter Denkmalschutz gestellt. An seiner Westseite nahe am Tegeler See steht eine angeblich 800 Jahre alte Eiche, die Dicke Marie, wie sie von den Gebrüdern Humboldt nach ihrer Köchin genannt wurde. In der Nähe des Schlosses steht die monumentale Humboldteiche mit einem Brusthöhenumfang von 7,80 m (Stand: 2018).[11]

Die FamiliengrabstätteBearbeiten

Im Schlosspark befindet sich auch die 1829 von Schinkel gestaltete Grabstätte für Caroline von Humboldt, die Ehefrau von Wilhelm von Humboldt. Wilhelm ließ ihr keinen Grabstein, sondern ein Denkmal mit einer von Bertel Thorwaldsen in Marmor geschaffenen römischen Göttin Spes auf einer hohen Granitsäule errichten. Das von Caroline seit ihren römischen Tagen geliebte Kunstwerk erwarb Wilhelm nach ihrem Tod. In der Grabstätte findet sich kein Hinweis auf den auferstandenen Christus, wie Theodor Fontane irrtümlich meinte. Auch Wilhelm und Alexander von Humboldt ließen sich hier beerdigen, ebenso die Nachfahren Carolines und Wilhelms von Humboldt bis heute.[12] Die einheitlich gestalteten Grabsteine ohne Verzierung und die flachen Grabhügel sind in Reih und Glied angeordnet und wirken schlicht. Eine für Schinkels Verhältnisse sehr einfach gehaltene halbrunde Steinbank („Exedra“) rahmt die „Hoffnungssäule“ von hinten ein.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Andreas W. Daum: Alexander von Humboldt. C.H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-73435-9.
  • Christine und Ulrich von Heinz: Wilhelm von Humboldt in Tegel. Ein Bildprogramm als Bildungsprogramm. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2001, ISBN 3-422-06353-6.
  • Marcel Piethe: Wilhelm von Humboldt und Schloss Tegel. In: Die Mark Brandenburg, Heft 63, 2006. Marika Großer Verlag, Berlin, ISBN 978-3-910134-22-5.
  • Vinzenz Czech und Stephan Reinert. Tegel. In: Peter Michael Hahn und Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. S. 597–600; gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883); Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann 2000; 2 Bde., 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.; ISBN 978-3-875-84024-7
  • Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam; ed. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Abt. III – Gartendenkmalpflege. 3. Aufl. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1989, ISBN 3-87584-267-7, S. 55–58.
  • Paul Ortwin Rave: Wilhelm von Humboldt und das Schloss zu Tegel. Koehler & Amelang, Leipzig 1950.
  • August Wietholz: Das Rittergut und Schloß Tegel. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, 48, 1931, S. 74–84.

WeblinksBearbeiten

Commons: Schloss Tegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. stadtentwicklung.berlin.de
  2. Humboldt-Museum im Schloss Tegel
  3. Andreas W. Daum: Alexander von Humboldt. C.H. Beck, München, ISBN 978-3-406-73435-9, S. 11–13, 87, 103.
  4. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 246–247, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 6. November 2021]).
  5. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser 1911. Fünfter Jahrgang Auflage. Briefadelige Häuser nach alphabetischer Ordnung, H. Justus Perthes, Gotha 11. November 1910, S. 393–394 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 8. November 2021]).
  6. Walter v. Hueck: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser / B (Briefadel) 1986. In: Deutsches Adelsarchiv e. V. (Hrsg.): GHdA. XVII der Reihe B, Nr. 89. C. A. Starke, 1986, ISSN 0435-2408, S. 152–155 (d-nb.info [abgerufen am 6. November 2021]).
  7. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913. Hrsg.: Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. I von IV, Hans Rüdiger v. Heinz-Zögling-RA-No. 1760. Selbstverlag. Buchdruckerei P. Niemann, Belzig, Ludwigslust 1913, S. 396 (d-nb.info [abgerufen am 6. November 2021]).
  8. Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. Fortsetzung und Ergänzungen 1913-1929. Hrsg.: Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. Selbstverlag, Belzig, Ludwigslust 1929, S. 78 (kit.edu [abgerufen am 6. November 2021]).
  9. Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbücher. Band VII. Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts. In: Mit Unterstützung von Staats-und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. 4. Auflage. Letzte Ausgabe-Niekammer-Reihe. Verlag Niekammer’s Adreßbücher G.m.b.H., Leipzig 1929, S. 4 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 6. November 2021]).
  10. Grüne Oasen in der Stadt – Parks haben Geburtstag. In: Berlin-Kalender 1997, Hrsg. Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 110/111.
  11. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017.
  12. Die Mutter der Brüder hatte für sich und ihre Ehemänner bereits eine Familiengruft in der Dorfkirche Falkenberg eingerichtet.

Koordinaten: 52° 35′ 42″ N, 13° 16′ 35″ O