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Ströer Media

Unternehmen zur Vermarktung von Außenwerbung
Ströer SE & Co. KGaA

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Rechtsform SE & Co. KGaA
ISIN DE0007493991
Gründung 1990
Sitz Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Vorstand: Udo Müller, Christian Schmalzl, Bernd Metzner
Mitarbeiterzahl 12.514[1]
Umsatz 1,583 Mrd. EUR (2018)[1]
Branche Medien
Website www.stroeer.com
Stand: 31. Dezember 2018

City-Light-Poster. Moderne Version einer Litfaßsäule von Ströer: hinterleuchtet, rotierend.

Die Ströer SE & Co. KGaA ist ein börsennotiertes deutsches, international tätiges Unternehmen mit Sitz in Köln, das in der Vermarktung von Online- und Außenwerbung tätig ist und in Deutschland einer der größten Anbieter von Out-of-Home-Medien ist. Darüber hinaus betreibt Ströer Media die Internetportale giga.de, Spieletipps.de (übernommen von der ECONA AG), t-online.de, wetter.info, zuhause.de, wanted.de, desired.de, feelgreen.de sowie betabuzz.de (alle übernommen von der Deutschen Telekom), erdbeerlounge.de und kino.de. Im Januar 2016 übernahm sie die European Web Video Academy GmbH, die den Webvideopreis veranstaltet.[2]

Inhaltsverzeichnis

KonzeptBearbeiten

Das Unternehmen organisiert Aufstellung, Pflege, Instandhaltung und teilweise Beleuchtung von Werbeflächen, z. B. Plakatwände an Hauswänden (Billboard), in Bahnhöfen usw., die es von privaten Eigentümer bzw. Kommunen anmietet. Auch Verkehrsmedien wie Straßenbahnen oder Busse werden als Werbeflächen angemietet.

Für die kostenlose Aufstellung von Wartehäuschen und anderen Elementen der Stadtmöblierung, z. B. an Straßenbahn- und Bushaltestellen, beansprucht das Unternehmen die dort erzielten Werbeeinnahmen. Nach dem gleichen Prinzip betreibt es Mega-Lights, verglaste und von innen beleuchteten Werbeträger an Straßenkreuzungen, in denen Plakate innerhalb weniger Sekunden automatisch rotieren, City-Light-Säulen, City-Light-Poster, städtische WCs, Großuhren usw.

Seit den Übernahmen von und Mehrheitsbeteiligungen an Ströer Interactiv, FreeXMedia, Business Ad und Adscale 2012 von der Media Ventures GmbH, gehört Ströer zu den größten Vermarktern von Onlinewerbung in Deutschland und verdoppelte den Umsatz in dem neuen Geschäftsbereich auf 122,9 Mio. € 2014.

GeschichteBearbeiten

Ab 1963 baute Heinz W. (Heiner) Ströer (1938–2004) das Unternehmen Aussenwerbung Heinz W. Ströer GmbH & Co. KG,[3] mit den altbekannten Plakatwänden in Köln auf.

Sein späterer Partner Udo Müller (* 1962 in Rüdesheim als Sohn eines Beamten, aufgewachsen in Bad Godesberg)[4][5] studierte zunächst in Berlin Medizin und begann als Handballprofi bei den Reinickendorfer Füchsen. Nebenher war er Mitbetreiber einer Werbeagentur. In den 1980er Jahren hatte er die Idee, auch im Ostteil der Stadt nach Plakatierungsorten zu suchen, die im Westen gut zu sehen waren. Wider Erwarten konnte Müller sich mit der DDR geschäftlich einigen, auch wenn er schon einmal Plakatwände selbst anbringen musste. Als Ströer einige Flächen an Müller verlor, kontaktierte er ihn und schlug eine Kooperation vor. 1990 gründeten sie das gemeinsame Unternehmen Ströer City Marketing GmbH, an dem beide 50 % hielten. Unter Einbezug inzwischen aufgekaufter Wettbewerber wurde daraus 2002 die Ströer Out-of-Home Media AG, deren Aktionäre Dirk Ströer (Sohn des Gründers * 1969) und Udo Müller waren.

Mit Hilfe des New Yorker Private Equity Fonds Cerberus gelang Ströer 2004 für gut 400 Mio. Euro die Übernahme der 1922 als Deutsche Städte-Reklame GmbH gegründeten Deutsche Städte-Medien GmbH (DSM) und 2005 der Deutschen Eisenbahn-Reklame (DERG, mittlerweile Ströer DERG Media GmbH). Bis dahin hatten dort 28 Großstädte die Anteile des Marktführers gehalten.[6] Im Gegenzug erhielt Cerberus 15 % der Anteile von Ströer Media. Seitdem ist Ströer in einer Vielzahl von Bahnhöfen vertreten und verfügt über rund 250.000 Werbeflächen. Auch der Uhrenaufsteller Zeit und Werbung GmbH (ZuW, mittlerweile Tochtergesellschaft der DSM unter der Bezeichnung DSM Zeit und Werbung GmbH) gehört zur Ströer Out-of-Home Media AG. Darüber hinaus ist Ströer in sechs weiteren Ländern aktiv: der Türkei,[7] Polen,[8] Großbritannien, Spanien, den Niederlanden und Belgien.[9] Als er erkannte, dass er sich in Frankreich gegen seinen Konkurrenten JCDecaux nicht durchsetzen konnte, verkaufte er 2005 sein dortiges Tochterunternehmen an den örtlichen Marktführer.

Seit Juli 2010 ist die Aktie im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert, am 20. September 2010 ist sie in den SDAX und am 21. Dezember 2015 in den MDAX aufgenommen worden, zum 24. September 2018 wechselt sie wieder in den SDAX.[10][11][12] Im November 2011 hat Ströer die ECE flatmedia GmbH, eine Tochtergesellschaft der ECE und führender Anbieter für digitale Markenkommunikation und Verkaufsförderung in Einkaufszentren, erworben.[13] Das Angebot des Unternehmens umfasst damit neben digitalen Bewegtbildnetzen in den 200 größten deutschen Bahnhöfen, in U- und S-Bahnen sowie am Flughafen nun auch in den größten deutschen Einkaufszentren. Im Geschäftsjahr 2011 verbuchte Ströer einen Verlust von 3,6 Millionen Euro und hatte über 330 Millionen Euro Fremdkapital in der Bilanz.[14] Im Juli 2012 verkaufte der Unternehmenserbe Dirk Ströer einen Teil seiner Beteiligung für 10,4 Millionen Euro. Hiermit reduzierte sich sein Anteil um 3,1 Prozentpunkte und der Streubesitz stieg durch die Transaktion auf 46,5 Prozent.[15]

Im September 2012 wurde bekannt, dass der damalige COO der WPP-Tochter Mediacom Christian Schmalzl (* 1973 in Passau)[16] zur Jahreswende in gleicher Funktion in den Ströer-Vorstand wechselt.[17]

Am 17. Dezember 2012 wurde bekannt, dass Ströer mit der Übernahme des Marktplatzes Adscale in den Bereich der Online-Werbung einsteigt. Des Weiteren übernahm Ströer dazu noch drei Tochterunternehmen von Media Ventures.[18] Mit Wirkung zum 1. April 2015 erwarb Ströer die Mehrheit an der Hamburger Content Fleet GmbH, die sich auf Owned Media spezialisierte.[19]

Am 13. August 2015 gab die Deutsche Telekom bekannt, dass ein Verkauf der Online-Plattform t-online.de und des Digitalvermarkters InteractiveMedia CCSP GmbH an Ströer Media vereinbart sei. Die Telekom sollte den Kaufpreis in Form von neu herausgegebenen Aktien der Ströer SE im Wert von 300 Mio. Euro erhalten.[20] Das Bundeskartellamt gab am 18. September 2015 grünes Licht für die Übernahme.[21]

Am 21. April 2016 wurde von Muddy Waters, einer amerikanischen Hedgefonds-Gesellschaft, ein Research-Report veröffentlicht, welcher die Geschäfte von Ströer Media heftig kritisierte.[22] In der Folge stürzte der Kurs der im MDAX notierten Aktie um gut 30 % ab. Muddy Waters erklärte wiederum, selbst Leerverkäufe der Ströer-Aktie getätigt und so von dem Einbruch profitiert zu haben, weshalb die Staatsanwaltschaft Frankfurt 2017 ein Ermittlungsverfahren gegen den Hedgefonds eröffnete.[23] Eine Stellungnahme seitens Ströer bestritt die Vorwürfe und kritisierte das Vorgehen von Muddy Waters scharf.

Im September 2016 übernahm Ströer für 4,5 Mio Euro die niederländische Versandapotheke Vitalsana und den dazugehörigen – in Baden-Württemberg ansässigen – Pharmagroßhändler ApDG, beides ehemalige Schlecker-Töchter. Das Unternehmen verfolgte damit unter anderem das Ziel, seine Kosmetik-Eigenmarken direkter vertreiben zu können.[24] 2017 wurde Vitalsana an die Zur Rose-Gruppe, der Mutter der DocMorris-Versandapotheke, veräußert.[25]

KennzahlenBearbeiten

Das Unternehmen erwirtschaftete 2005 (2004) mit 1.350 Mitarbeitern einen Umsatz von 385 Mio. Euro (548 Mio. Euro), wovon fast 90 % auf den deutschen Markt entfielen.[26] 2008 (2007) belief sich der Umsatz auf 493 Mio. Euro (509 Mio. Euro).[27] Im Jahr 2009 ging der Umsatz auf rund 470 Mio. Euro zurück, die Profitabilität (bereinigte operative EBITDA-Marge) konnte dennoch gesteigert werden. Ende 2009 trennte sich die Ströer-Gruppe von ihrer Tochter Megaposter.[28] Im Geschäftsjahr 2013 erreichte das Unternehmen mit einem Umsatz von 634 Millionen Euro ein Rekordergebnis.

Weitere Geschäftszahlen in folgender Auflistung:

Konzernumsatz:[29]

  • 2018: EUR 1.582,5 Mio.
  • 2017: EUR 1.331,0 Mio.
  • 2016: EUR 1.123,3 Mio.
  • 2015: EUR 823,70 Mio.
  • 2014: EUR 721,10 Mio.
  • 2013: EUR 622,0 Mio.
  • 2012: EUR 560,60 Mio.
  • 2011: EUR 577,10 Mio.
  • 2010: EUR 531,30 Mio.
  • 2009: EUR 469,80 Mio.

Ergebnis nach Steuern:[29]

  • 2018: EUR −5,8 Mio.
  • 2017: EUR 98,5 Mio.
  • 2016: EUR 36,5 Mio.
  • 2015: EUR 47,1 Mio.
  • 2014: EUR 24,0 Mio.
  • 2013: EUR 05,1 Mio.
  • 2012: EUR −1,8 Mio.
  • 2011: EUR −3,6 Mio.
  • 2010: EUR 55,8 Mio.
  • 2009: EUR 01,2 Mio.

Konzernbeschäftigte:

  • 2018: 12.415[1]
  • 2017: 7.536[30]
  • 2016: 4.577
  • 2015: 3.270
  • 2014: 2.380
  • 2013: 2.223
  • 2012: 1.750
  • 2011: 1.730
  • 2010: 1.731
  • 2009: 1.587

Ströer-GruppeBearbeiten

 
Das Logo von DSM

Zur Ströer-Gruppe gehören unter anderem:

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ströer Out-of-Home Media – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Geschäftsbericht 2018, abgerufen am 10. Dezember 2018
  2. http://www.internetworld.de/onlinemarketing/stroeer/stroeer-uebernimmt-european-web-video-academy-1072160.html
  3. Ströer AG trauert um Heiner Ströer Nachruf vom 8. März 2004, abgerufen am 6. November 2011
  4. Porträt Udo Müller – Der Ströer-Gründer wagt den Gang an die Börse, Handelsblatt vom 14. Juli 2010, abgerufen am 6. November 2011
  5. Udo Müller: Der Stadtmöblierer, Die Zeit, 28. Juli 2011
  6. Deutsche Städte Medien GmbH bereitet ihren Verkauf vor. FAZ vom 2. Juni 2003
  7. Website Ströer Kentvizyon.
  8. Website Ströer Polen.
  9. Website blowUP media.
  10. Pressemitteilung, Deutsche Börse vom 6. September 2010
  11. http://dax-indices.com/DE/index.aspx?pageID=21&NewsID=1724
  12. Changes in the indices (Englisch, PDF) Deutsche Börse. 5. September 2018. Abgerufen am 5. September 2018.
  13. Pressemitteilung, Ströer Out-of-Home Media AG vom 2. November 2011.
  14. Ströer kommt nicht aus den roten Zahlen, Handelsblatt vom 16. Mai 2012.
  15. Ströer-Erbe macht mit Anteilsverkauf Kasse, Wall Street Journal vom 4. Juni 2012.
  16. Christian Schmalzl Kurzbiografie, Konferenzprogramm der dmexco
  17. Mediacom-COO Christian Schmalzl wird Ströer-Vorstand, W&V, 24. September 2012.
  18. Ströer übernimmt Adscale, Golem.de vom 17. Dezember 2012.
  19. Unternehmenseigene Pressemitteilung Strategischer Ausbau: Ströer erwirbt führenden Content- und Technologie-Spezialisten „Content Fleet“, 30. März 2015
  20. Deutsche Telekom veräußert t-online.de und InteractiveMedia an Ströer. Mitteilung der Deutschen Telekom, 13. August 2015.
  21. Ströer Digital wird Nummer 1 in der Reichweite nach neuer AGOF-Währung Mitteilung der Ströer SE, 22. September 2015.
  22. FAZ.net: Zweifelhafte Studien bewegen Kurse, 21. April 2016, abgerufen 16. Januar 2018.
  23. Capital.de: Ströer-Leerverkäufe: Staatsanwälte ermitteln, 22. Juni 2017, abgerufen 16. Januar 2018.
  24. Medienkonzern Ströer kauft Vitalsana, deutsche-apotheker-zeitung.de vom 19. September 2016.
  25. Ströer fokussiert sich stärker auf das Kerngeschäft und veräußert erfolgreich Onlineapotheke Vitalsana In: stroeer.com, 23. November 2017, abgerufen am 25. November 2017.
  26. Die drei von der Werbestelle, Handelsblatt vom 10. Oktober 2006
  27. Ströer: Leichtes Minus im Geschäftsjahr 2008, Horizont.net vom 18. Juni 2009
  28. Ströer trennt sich von Megaposter, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. August 2009
  29. a b Geschäftszahlen der Ströer SE & Co. KGaA
  30. Geschäftsbericht 2017, abgerufen am 10. Dezember 2018