Hedgefonds

geringer regulierte Investmentfonds

Hedgefonds (englisch hedge fund, von to hedge [hɛdʒ] für „absichern“; in der Schweiz: Hedge-Funds) sind im Finanzwesen aktiv verwaltete Investmentfonds, deren Geschäftszweck in alternativen Investments besteht und die deshalb höhere Finanzrisiken eingehen als klassische Investmentfonds.

AllgemeinesBearbeiten

Innerhalb der Investmentfonds bilden die Hedgefonds eine sehr heterogene Gruppe. Sie verfolgen unterschiedliche Anlagestrategien und können diese mit einer breiten Palette von Finanzinstrumenten umsetzen. Darunter befinden sich Finanzinstrumente, deren Verwendung anderen Investmentfonds gesetzlich verboten ist: Arbitragetechniken, Derivate, Leerverkäufe und Hebelungen durch Aufnahme von Fremdkapital.

Ungeachtet ihrer Bezeichnung, die eigentlich auf Risikoabsicherungsstrategien hindeutet (ein Hedgegeschäft dient der Risikoabsicherung), sind Hedgefonds für Anleger hochriskant. Manche Hedgefonds versuchen über Fremdfinanzierung eine höhere Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften (Hebelwirkung oder Leverage-Effekt). Sie gehören zur riskantesten Anlageklasse (Totalverlust möglich) und sollten lediglich von risikofreudigen Anlegern (Risikoklasse E) erworben werden. Hedgefonds sind besonders risikofreudige Investmentfonds, die einem kleinen Kreis vermögender Investoren angeboten werden.[1] Sie wollen mit ihrer Bezeichnung jedoch nicht irreführen, sondern betreiben fondsintern beim Portfoliomanagement ihres Fondsvermögens eine Art Hedging, in dem sie etwa die Hälfte ihres Fondsvermögens als Long-Position (Potenzial zur Wertsteigerung) und ungefähr die andere Hälfte als Short-Position (Potenzial zur Wertminderung; Short Selling) anlegen. Dieses Hedging gab ihnen ihren Namen. Sie betreiben damit eine Art Risikokompensation, setzen jedoch einen Teil ihres Fondsvermögens einem hohen Finanzrisiko durch die nicht vorhersehbare künftige Marktentwicklung aus.

GeschichteBearbeiten

Alfred Winslow Jones galt als der erste Fondsmanager, der im März 1949 ein „abgesichertes Portfolio“ (englisch hedged portfolio) zusammenstellte. Die „Private Partnership A. W. Jones & Co.“ nannte sich „Hedged Fund“ – und nicht „Hedgefund“. Er kaufte Aktien mit Aussicht auf Hausse und verkaufte (als Leerverkauf) Aktien mit einer Baisse-Tendenz,[2] was theoretisch das Marktrisiko ausschaltet und gegen Schocks jeder Art wappnen müsste. Jones fügte dem klassischen Fonds-Konzept zwei weitere Elemente hinzu, nämlich die Fremdkapitalaufnahme und Leerverkäufe.

George Soros gründete im Jahre 1969 den „Double Eagle Fund“, einem Vorläufer des im selben Jahr entstandenen Quantum Funds. Dieser spekulierte im September 1992 gegen das britische Pfund auf Basis der Global-Macro-Strategie, indem der Fonds 10 Mrd. US $ per Devisenswap auf eine Abwertung des Pfunds setzte. Innerhalb einer Woche machte der Fonds hieraus einen Gewinn von 1 Mrd. US $.[3] Diese Spekulation führte letztlich zum Ausscheiden des Pfundes aus dem Europäischen Währungssystem am 16. September 1992 (Schwarzer Mittwoch).

Der Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM) des John Meriwether entstand im März 1994 und spekulierte auf eine Verringerung des Spreads zwischen Swapzins und US-Treasury Bonds, was jedoch fehlschlug. Eine Rettungsaktion von internationalen Großbanken im September 1998 konnte die Liquidation des LTCM zwischen Dezember 1999 und Januar 2000 nicht verhindern. Erst seit Januar 2004 gab es für Hedgefonds in Deutschland eine Regelung im Investmentgesetz, ab Juli 2013 hat das KAGB die Normen der Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds übernommen und ist nunmehr die einzige Rechtsgrundlage für Hedgefonds.

RechtsfragenBearbeiten

Nach der Legaldefinition in § 283 Abs. 1 KAGB handelt es sich bei Hedgefonds um allgemeine offene inländische Spezial-AIF gemäß §  282 KAGB, deren Anlagebedingungen zusätzlich mindestens den Einsatz von Leverage in beträchtlichem Umfang oder den Verkauf von Vermögensgegenständen für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger, die im Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses nicht zum AIF gehören (Leerverkauf), vorsehen. Von einem „beträchtlichen Umfang“ des Leverage ist nach Art. 111 der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 231/2013 auszugehen, wenn das Engagement eines AIF seinen Nettoinventarwert dreifach übersteigt. Geschlossene Hedgefonds sind unzulässig.

Die Anlagebedingungen von Hedgefonds müssen zudem Angaben darüber enthalten, ob die Vermögensgegenstände bei einer Verwahrstelle oder bei einem Primebroker verwahrt werden. Primebroker ist ein Kreditinstitut, eine Wertpapierfirma oder ein anderes Wirtschaftssubjekt, das einer Regulierungsaufsicht und ständigen Überwachung unterliegt und professionellen Anlegern Dienstleistungen anbietet, vor allem um als Gegenpartei Geschäfte mit Finanzinstrumenten zu finanzieren oder durchzuführen, und die möglicherweise auch andere Dienstleistungen wie Clearing und Abwicklung von Geschäften, Verwahrungsdienstleistungen, Wertpapierleihe und individuell angepasste Technologien und Einrichtungen zur betrieblichen Unterstützung anbietet (§ 1 Abs. 19 Nr. 30 KAGB). Außerdem gilt für die Rücknahme von Anteilen oder Aktien § 227 KAGB entsprechend mit der Maßgabe, dass abweichend von § 227 Abs. 2 KAGB Anteil- oder Aktienrückgaben bei Hedgefonds bis zu 40 Kalendertage vor dem jeweiligen Rücknahmetermin, zu dem auch der Anteil- oder Aktienpreis ermittelt wird, durch eine unwiderrufliche Rückgabeerklärung gegenüber der AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft zu erklären sind.

Da Hedgefonds zu den so genannten „Spezial-AIF“ gehören, dürfen die Anteile gemäß § 1 Abs. 6 KAGB nicht von Privatanlegern erworben werden; sie stehen lediglich für semiprofessionelle und professionelle Anleger zur Verfügung.

DachhedgefondsBearbeiten

Ein Dachhedgefonds (auch englisch Funds-of-Fund) setzt sich aus mehreren Subfonds zusammen, die ihrerseits Strategien eines Hedgefonds verfolgen. Dachhedgefonds investieren ausschließlich in andere Single-Hedgefonds (Subfonds).[4] Dachhedgefonds sind gemäß § 225 Abs. 1 KAGB Hedgefonds, die in Anteile oder Aktien von Zielfonds (Subfonds) anlegen. Zielfonds sind Hedgefonds nach Maßgabe des § 283 KAGB oder EU-AIF oder ausländische AIF, deren Anlagepolitik den Anforderungen des § 283 Abs. 1 KAGB für Hedgefonds vergleichbar ist. Leverages mit Ausnahme von Kreditaufnahmen nach Maßgabe des § 199 KAGB und Leerverkäufe dürfen bei Dachhedgefonds nicht durchgeführt werden. Sie dürfen nach § 225 Abs. 4 KAGB nicht mehr als 20 % des Wertes eines Dachhedgefonds in einem einzelnen Zielfonds anlegen. Auf Ebene des Dachhedgefonds werden keine weiteren Kapitalanlagen getätigt, das operative Geschäft läuft nur auf Ebene der Subfonds. Er gehört zu den offenen Fonds, Kauf und Verkauf sind für Anleger allerdings zeitlich nur eingeschränkt möglich – meist einmal monatlich.

Sitz und RechtsformBearbeiten

Viele Hedgefonds sind an Offshore-Finanzplätzen registriert; in der AIFM-Richtlinie ist jedoch geregelt, dass das Fondsdomizil für in der Europäischen Union ansässige Fondsmanager keine Rolle spielt. Einer Regulierung unterliegt der Hedgefonds in diesem Falle trotzdem. Die Gründe für die Wahl eines Offshore-Finanzplatzes sind zum einen steuerlicher Natur (Niedrigsteuerland), liegen andererseits aber auch in den geringeren Einschränkungen durch die jeweiligen Kapitalmarkt-Gesetzgebungen, was die in den Fonds erlaubten Finanzinstrumente betrifft. Die britische Finanzmarktaufsicht FCA berichtete in ihrem Hedge Fund Survey June 2015, dass 69 Prozent der Hedgefonds auf den Kaimaninseln, 10 Prozent in Irland, 8 Prozent in den USA, 5 Prozent auf den Britischen Jungferninseln und die restlichen 9 Prozent auf den Bahamas, auf Guernsey und in Luxemburg beheimatet sind.[5]

Angelsächsische Hedgefonds entsprechen in mancher Hinsicht eher einem geschlossenen Fonds. Investoren erwerben Anteile an diesen Unternehmen. Die Rechtsform entspricht als englisch limited partnership (LP) oder englisch limited liability partnership (LLP) einer deutschen KG oder als englisch limited liability company einer GmbH. Es gibt in der LLP einen oder mehrere Hedgefondsmanager, die mit ihrem privaten und geschäftlichen Vermögen haften, und Investoren, die Anteile an diesen Unternehmen kaufen. Oft ist der offizielle Sitz eines solchen Hedgefonds eine Steueroase (75 Prozent auf den Kaimaninseln[6]), und der Fondsmanager sitzt in einem Finanzzentrum (etwa London, New York).

FondsmanagerBearbeiten

Der Erfolg eines Hedgefonds ist in hohem Maße abhängig vom Geschick des Fondsmanagers und der Qualität der von ihm verwendeten finanzmathematischen/ökonometrischen Modelle, die beispielsweise auf dem Black-Scholes-Modell aufbauen. Die Vorgehensweise des Fondsmanagers gleicht durch das hohe Maß an Risiko bzw. Spekulation einer Wette. Die Aufnahme von Fremdkapital bis zu einem Mehrfachen des Eigenkapitals ist üblich, um die Rendite noch mehr zu steigern (Leverage-Effekt). Von Fondsmanagern wird erwartet, dass sie sich an dem Fonds beteiligen und gegebenenfalls persönlich haften. Im Gegenzug werden die Manager sehr gut bezahlt, es wird oft von der 2/20 Regel gesprochen. Hierunter werden 2 Prozent Verwaltungsgebühr (vom Fondsvolumen) und 20 Prozent Gewinnbeteiligung verstanden.[7]

Hedgefonds-StrategienBearbeiten

Die Anlagestrategien der Hedgefonds können im Hinblick auf das Marktrisiko wie folgt unterschieden werden.[8]

Relative Value Event Driven Directional
Convertible Arbitrage Risk Arbitrage Global Macro
Fixed Income Arbitrage Distressed Securities Emerging Markets
Equity Market Neutral

Bei der Strategie „Relative Value“ (deutsch relative Bewertung) ist das Marktrisiko vergleichsweise gering, es steigt bei „Event Driven“ (deutsch ereignisgetrieben) und ist am höchsten bei „Directional“ (deutsch eine bestimmte Richtung verfolgend).

Die erste Hedgefonds-Strategie (marktneutrale Strategie) stammt von Alfred Winslow Jones und sollte ein Instrument zum Schutz vor Widrigkeiten bei Zins- und Währungsänderungsrisiken sein. Jones Idee war es, nicht nur in Boomphasen auf Zins- und Währungsmärkten zu profitieren, sondern auch bei fallenden Zins- und Wechselkursen Gewinne zu erzielen. Damit begründete Jones eine der ersten Hedgefonds-Strategien, nämlich die, Fremdkapital (Leverage-Effekt, Margin Trading) und Leerverkauf für den Kauf und Verkauf von Währungen aufzunehmen. Er verkaufte geliehene Aktien und spekulierte, diese vor Ende der Leihfrist billiger zurückkaufen zu können.

Eine Gruppe von neuen Strategien (Global-Macro-Strategie) wurden von George Soros und Jim Rogers mit ihren Hedgefonds der Serie Quantum Funds entwickelt. Durch neue Finanzinstrumente spekulierten sie in neuen Bereichen wie dem Devisenmarkt, Zinsniveaus, Rohstoff- und Aktienmärkten. Seit der ersten Hedgefonds-Strategie von Jones sind Hedgefonds-Strategien ständig weiterentwickelt worden und haben markant zugenommen. Hedgefonds gehören zu den „alternativen Anlageformen“. Hedgefonds nutzen die Vielzahl an Handelsobjekten und Handelsstrategien. Fremdkapital wird aufgenommen, weil erwartet wird, eine die Kapitalkosten übersteigende Rendite zu erzielen. Das Funktionieren der Hebelung basiert auf einem niedrigeren Zinssatz des Fremdkapitals als der Gewinn der zu erwartenden Rendite. Der Leverage-Effekt kann, außer durch Hinterlegen eines Bruchteils des Exposure bei börsengehandelten Termingeschäften (Futures), bei anderen Hedgefonds-Strategien nur durch die Aufnahme von Fremdkapital aufgebaut werden. Einem geringen Fremdkapitaleinsatz steht ein hohes Volumen des gehandelten Basiswertes gegenüber. Ein hoher Einsatz von Fremdkapital mit hohem Leverage-Effekt ist bei der Strategie der marktneutralen Arbitrage und bei Global-Macro-Strategien üblich.

Hedgefonds sind heute eigenständige Anlageinstrumente mit sehr unterschiedlichen Strategien und Risikoprofilen. Allen gemeinsam ist der Anspruch, sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten Gewinne zu erzielen.

Als Offshore-Projekte sind Hedgefonds nur wenig reguliert und ihre Investitionsentscheidungen von geringer Markttransparenz, was dazu verleiten kann, dass Fondsmanager die angegebenen Rentabilitäten manipulieren. Bollen und Pool (2009) haben diese Hypothese statistisch untersucht und gezeigt, dass die Fondsmanager Verluste insbesondere im Rahmen der Bewertung von illiquiden Anlagen reduzieren können, selbst wenn die Gewinne nur sehr schwach sind. Das stimmt mit der von Kahnemann und Tversky behaupteten stärkeren Risikoaversion von Anlegern überein.[9][10][11]

Wirtschaftliche AspekteBearbeiten

Das Fondsmanagement eines Hedgefonds muss auch in den EU-Mitgliedstaaten kaum gesetzliche Restriktionen beachten. Erlaubt sind – anders als bei den üblichen Investmentfonds – auch Arbitrage und Spekulation, Derivate ohne Grundgeschäft, Leerverkäufe, als Basiswerte auch Devisen, Immobilien oder Commodities. Zudem dürfen sie in Unternehmensübernahmen und notleidende Vermögenswerte investieren. Bei der „Global Macro-Strategie“ werden internationale makroökonomische Konjunkturzyklen und die hiermit korrelierenden Marktpreise und Marktentwicklungen auf Finanzmärkten ausgenutzt. Wegen dieser hochriskanten Geschäfte dürfen in den EU-Mitgliedstaaten Privatanleger keine Hedgefonds erwerben; sie gehören deshalb zur schlechtesten Anlageklasse und – wegen der erforderlichen besonderen Risikofreude ihrer professionellen oder semiprofessionellen Anleger – zur höchsten Risikoklasse.

Hedgefonds streben keine relative – an einem Benchmark (beispielsweise Aktienindex) ausgerichteten – Rendite an, sondern eine absolute Rendite (englisch absolute Return). Dazu sollen unabhängig von der Marktentwicklung Erträge erzielt oder zumindest das Kapital erhalten werden.[12] Hedgefonds weisen sehr unterschiedliche Risiko-Ertrags-Verhältnisse auf, sie reichen von denen eines Aktien- oder Rentenfonds bis zu extrem hohen Werten.[13] In der Vergangenheit lagen die risikoadjustierten Renditen – ausgedrückt im Sharpe-Quotienten – höher als bei traditionellen Fonds. Die Verlustgefahren des Totalverlustes von Hedgefonds-Zertifikaten ist deshalb sehr hoch.

Das Fondsvermögen von Hedgefonds oder Dachhedgefonds ist weder gebundenes Sondervermögen (gemäß § 1 Abs. 10 KAGB) noch gebundenes Investmentvermögen (gemäß § 1 Abs. 1 KAGB) wie bei den klassischen Investmentfonds. Vielmehr stellt es freies Vermögen des Hedgefonds dar, dem als Refinanzierung Zertifikate gegenüberstehen, die aber als Hedgefonds-Zertifikate keine Investmentzertifikate sind, sondern zu den Schuldverschreibungen gehören.[14] Emittent der Hedgefonds-Zertifikate können die Hedgefonds selbst sein, aber auch Dritte können die Zertifikate emittieren und über einen Total Return Swap das Zertifikat mit dem Basiswert wirtschaftlich verknüpfen. Die Anleger sind deshalb keine Miteigentümer, sondern ungesicherte Gläubiger des Hedgefonds, Dachhedgefonds oder eines dritten Emittenten. Im Falle der Insolvenz stehen den Anlegern keine Absonderungsrechte wie bei klassischen Investmentfonds zu.

StatistikBearbeiten

Zum Jahresende 2018 hatten Hedgefonds weltweit ein Volumen von rund 3,1 Billionen US-Dollar:[15]

Jahr Verwaltetes Vermögen
in Mrd. US $
2006 1.696
2007 2.295
2008 1.450
2009 1.367
2010 1.403
2011 1.408
2012 1.482
2013 1.884
2014 2.025
2015 2.219
2016 2.367
2017 2.906
2018 3.065

Im Jahre 2000 waren Hedgefonds mit einem verwalteten Vermögen von 263 Milliarden US $ noch relativ unbedeutend, seitdem wuchs es kontinuierlich. Der Sektor der Hedgefonds gehörte nach der Jahrtausendwende zu den am stärksten wachsenden Anlageprodukten. Die Zahl der weltweit aktiven Hedgefonds kann allerdings nur geschätzt werden, ebenso wie das in ihnen veranlagte Vermögen. Im März 2009 teilte der Datendienstleister Hedge Fund Research (HFR) mit, dass durch die Finanzkrise im Jahr 2008 insgesamt 1.471 Hedgefonds weltweit aufgelöst wurden und rund 15 Prozent des gesamten Hedgefonds-Markts sowie auch einige Dachfonds betroffen waren.[16] Namentlich bekannt sind hierbei Drake Management, eine Vermögensverwaltung ehemaliger Blackrock-Mitarbeiter und Peloton Partners, ein Unternehmen von ehemaligen Goldman-Sachs-Bankern. Das verwaltete Vermögen soll nach Angaben von Morgan Stanley 2008 um 37 Prozent auf 1,2 Billionen USD gesunken sein. Auffällig ist die signifikante Vermögensminderung während der Finanzkrise ab 2007, als 2008 ihr Vermögen lediglich noch 63 % des Wertes des Jahres 2007 ausmachte und die Behauptung der Krisenfestigkeit widerlegte. Nachfolgend trat eine Erholung ein, seit 2013 sind wieder hohe Wachstumsraten zu verzeichnen.

Internationale RegulierungBearbeiten

G8- und G-20-StaatenBearbeiten

Auf dem Treffen der G7-Finanzminister in Essen im Februar 2007 einigte man sich auf eine gemeinsame Erklärung, nach der man Hedgefonds in Zukunft genauer kontrollieren will. Ziel der G-7 ist es, mögliche Risiken aus den Hedgefonds-Aktivitäten auszumachen und so weltweite Finanzkrisen und Dominoeffekte bei Fondspleiten zu verhindern. Im Gespräch sind laut Agenturangaben auch ein freiwilliger Verhaltenskodex und eine Art Gütesiegel für die Fonds durch unabhängige Ratingagenturen.

Auf dem G8-Gipfel (G7-Länder und Russland) im Juni 2007 in Heiligendamm wurden allerdings keine Vorschläge hinsichtlich einer angestrebten Selbstverpflichtung der Branche gemacht. Der Widerstand hiergegen kam aus den USA und Großbritannien, den Ländern, von denen aus die Mehrzahl der Fonds agiert. Die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs ermahnten die Hedgefonds-Industrie jedoch, die Verhaltensregeln für Manager selbst zu verbessern und bekräftigten gleichzeitig noch einmal die bereits von den Finanzministern angesprochenen Themenkomplexe.

Auf dem Treffen der Spitzenvertreter der G-20-Staaten (zuzüglich der Niederlande und Spanien) in Washington am 15. November 2008 wurde eine stärkere Reglementierung von spekulativen Hedgefonds beschlossen.

Am 14. März 2009 einigten sich die Finanzminister der G-20-Staaten in Horsham darauf, eine Registrierungspflicht für die Fonds einzuführen und geplant ist, die 100 weltweit größten Hedgefonds zu kontrollieren. Die Investoren sollen hierbei der US-Aufsicht United States Security and Exchange Commission (SEC) oder der britischen Financial Services Authority (FSA) Einblick in ihre Bilanzen gewähren.

Europäische UnionBearbeiten

Im Oktober 2010 einigten sich die EU-Finanzminister auf strengere Regulierungsvorschriften für Hedgefonds und private Beteiligungsgesellschaften.[17] Seit Juli 2011 gibt es in Europa mit der Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds einen einheitlichen Regulierungsrahmen für alternative Investmentfonds.

DeutschlandBearbeiten

 
Renditen in Deutschland aufgelegter Hedgefonds nach Kosten

In Deutschland waren Hedgefonds bis zum Jahr 2004 generell nicht zum öffentlichen Handel zugelassen. Eine Lockerung erfolgte mit dem Investment-Modernisierungsgesetz, das am 1. Januar 2004 in Kraft trat und den Vertrieb von Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken unter bestimmten Auflagen zuließ. Sie durften die Instrumente des Leerverkaufs und des Einsatzes von Fremdkapital (Leverage-Effekt) nutzen. Die Auflagen schlossen große internationale Hedgefonds aus. Anteile an Einzel-Hedgefonds durften in Deutschland nicht im Publikumsverkehr, sondern nur an (semi-)professionelle Anleger vertrieben werden. Die Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds, die den Fondsmanager reguliert, wurde in Deutschland durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) umgesetzt. Unter diese Richtlinie fallen alle alternativen Investmentfonds, soweit sie nicht unter die europäische Fonds-Richtlinie, die so genannten OGAW-Richtlinie, fallen.

Per Ende des Jahres 2013 waren in Deutschland nach den einschlägigen Vorschriften 36 Hedgefonds zugelassen.[18] Deutsche Hedgefonds unterliegen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), ihr Fremdkapitaleinsatz ist begrenzt. Es handelt sich hierbei also um eine „zahmere“ Variante der Hedgefonds; viele internationale Hedgefonds wurden nicht zugelassen.

GroßbritannienBearbeiten

In Großbritannien unterliegen die Manager der Hedgefonds der Autorität der Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA).

LiechtensteinBearbeiten

In Liechtenstein erfolgt die Regulierung von Hedgefonds durch die FMA Finanzmarktaufsicht Liechtenstein.

USABearbeiten

Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC reguliert Hedgefonds in den USA. Hierzu hat sie Regeln für die Aufnahme von Fremdkapital und den Leerverkauf erlassen. Aufgrund der Regulierungen lassen sich viele Hedgefonds nicht registrieren, wodurch sie nicht für den öffentlichen Vertrieb zugelassen sind. Der Zugang ist jedoch für bei der SEC registrierte „qualifizierte“ Investoren (Qualifikation zur Registrierung: mehr als 200.000 USD Jahreseinkommen und mehr als 1 Million USD Privatnettovermögen) möglich. Jeder Hedgefonds, der als „Limited Partnership LP“ firmiert, ist auf 499 „Partner“ beschränkt. Die SEC hat im Laufe des Jahres 2004 Regeln für Hedgefonds[19] erlassen, die mehr als 25 Millionen USD verwalten und offen für neue Investoren sind. Anwendung finden die Regeln seit 1. Februar 2006 (die Regeln sind unter Weblinks/Behörden verlinkt).

Nachdem bislang Publizitätspflichten fehlen, suchen unter dem Druck der Konkurrenz amerikanische Hedgefonds auf andere Weise Vertrauen zu bilden, beispielsweise mit einer Zertifizierung nach ISO 9000.

Am 13. November 2008 wurden Manager der fünf größten Hedgefonds vor einen Kongressausschuss zitiert; dieser soll herausfinden, ob Hedgefonds eine Gefahr für das Finanzsystem darstellen.[20] George Soros, Philip Falcone, John Paulson, James Simons und Kenneth Griffin wurden als Zeugen für die Hedgefonds-Industrie gehört. Sie haben einer stärkeren Kontrolle zugestimmt sowie der Schließung unverhältnismäßiger Steuerschlupflöcher.[21]

Die größten Hedgefonds und DachhedgefondsBearbeiten

Es existiert eine Reihe von Hedgefonds-Datenbanken von verschiedenen Anbietern, u. a. die öffentlich zugänglichen Datenbanken für Hedgefonds Barclayhedge (Barclays), Hedge Fund Research (HFR) und TASS (Lipper).

Hedgefonds und Dach-Hedgefonds 2019

Die größten Hedgefonds per 30. Juni 2019 waren:[22]

Rang Manager Kapital (Mrd. USD)
1. Bridgewater Associates (USA) 132,050
2. Renaissance Technologies (USA) 68,000
3. Man Group (GBR) 62,000
4. AQR Capital Management 60,840
5. Two Sigma Investments/Advisers 42,900

Die größten Dach-Hedgefonds per 30. Juni 2018 waren:[23]

Rang Manager Kapital (Mrd. USD)
1. UBS Hedge Fund Solutions 38,027
2. Goldman Sachs Asset Management (USA) 35,544
3. Grosvenor Capital Management (USA) 28,248
4. BlackRock (USA) 22,605
5. Morgan Stanley Investment Management (USA) 22,276

Siehe auchBearbeiten

LobbyorganisationenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Bernd Berg: Finanzkrisen und Hedgefonds - Finanzmagier oder Krisenauslöser?, Gabler, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8349-1551-1.
  • Michael Busack, Dieter G. Kaiser: Handbuch Alternative Investments Gabler (in zwei Bänden), Wiesbaden 2006, ISBN 3-8349-0151-2.
  • Ursula Fano-Leszczynski: Hedgefonds für Einsteiger. Springer, Berlin u. a. 2005, ISBN 3-540-22695-8.
  • Claus Hilpold, Dieter Kaiser: Alternative Investment-Strategien. Einblick in die Anlagetechniken der Hedgefonds-Manager. Wiley-VCH, Weinheim 2005, ISBN 3-527-50105-3.
  • Alexander M. Ineichen: Absolute Returns. Wiley, New Jersey 2003, ISBN 0-471-25120-8.
  • Dieter Kaiser: Hedgefonds. Gabler, Wiesbaden 2004, ISBN 3-409-15013-7.
  • Sebastian Mallaby: Mehr Geld als Gott. Hedgefonds und ihre Allmachtsfantasien. aus dem Englischen von Horst Fugger; FinanzBuchverlag, Wien 2011, ISBN 978-3-89879-629-3.
  • Werner G. Seifert, Hans Joachim Voth: Invasion der Heuschrecken. Intrigen – Machtkämpfe – Marktmanipulation. Econ, Berlin 2006, ISBN 3-430-18323-5.
  • Markus Sievers: Anlegen in Hedge-Fonds. Basiswissen für Privatanleger. Finanzbuch, München 2007, ISBN 978-3-89879-353-7.
  • Thomas Weber: Das Einmaleins der Hedge Funds. Campus, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37443-9.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Hedgefonds – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Guido Eilenberger, Lexikon der Finanzinnovationen, 1996, S. 213
  2. Roger Lowenstein, Der große Irrtum: Die spektakuläre Geschichte vom Aufstieg und Untergang des raffiniertesten Investmentfonds aller Zeiten, 2007, S. 45 f.
  3. Ursula Radel-Leszczynski, Hedgefonds für Einsteiger, 2005, S. 144
  4. Guenter Wierichs/Stefan Smets, Gabler Kompakt-Lexikon Bank und Börse, 2010, S. 116
  5. Hedge Fund Survey. (PDF) Financial Conduct Authority, Juni 2015, abgerufen am 29. Dezember 2016 (englisch).
  6. Dailyii.com: They Cayman, They Saw, They Conquered (Memento vom 10. März 2007 im Internet Archive). Mai 2006.
  7. Wall Street Journal. Juli 2005, diverse
  8. Bernd Berg, Finanzkrisen und Hedgefonds, 2009, S. 52
  9. Michel Verlaine, Les rentabilités sont-elles manipulés? d’Land, Beilage Placements. 20. November 2009, S. 20.
  10. Nicholas P. B. Bollen/Veronika K. Pool, Do Hedge Funds misreport returns? Evidence from the pooled distribution, in: The Journal of Finance, Bd. 64, Nr. 5, 2009
  11. Daniel Kahneman/Amos Tversky, Advances in Prospect Theory. Cumulative Representation of Uncertainty, in: Journal of Risk and Uncertainty, 1992, S. 297–323
  12. Siegfried G. Häberle (Hrsg.), Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 2008, S. 561
  13. Bernd Berg, Finanzkrisen und Hedgefonds, 2009, S. 51
  14. Markus Sievers, Anlegen in Hedge-Fonds, 2007, S. 51
  15. Statista vom 22. November 2018, Entwicklung des verwalteten Vermögens der Hedgefonds weltweit von 2000 bis zum 3. Quartal 2018
  16. Financial Times Deutschland: Tumult an den Märkten: Hedgefonds-Sterben beschleunigt sich (Memento vom 3. September 2013 im Webarchiv archive.today), vom 18. März 2009.
  17. Handelsblatt: Strengere Regulierung für Hedgefonds.
  18. BaFin, Jahresbericht 2013
  19. Registrierungsregeln der SEC für Hedgefonds in den USA
  20. Top Hedge Fund Managers Face Lawmakers. (by Reuters). In: New York Times. 13. November 2008.
  21. Lindsay Renick Mayer: Hedge Fund Managers Plead Their Case on Capitol Hill. auf opensecrets.org, 14. November 2008.
  22. Pensions & Investments: The largest managers of hedge funds. 16. September 2019, abgerufen am 13. November 2019 (englisch).
  23. Pensions & Investments: The largest hedge funds-of-funds managers. 16. September 2019, abgerufen am 13. November 2019 (englisch).