HelloFresh

deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin, das sogenannte „Kochboxen“ für Verbraucher anbietet

Die HelloFresh SE ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin. Es wurde im Jahr 2011 gegründet. HelloFresh bietet sogenannte „Kochboxen“ für Verbraucher an: Pakete mit vorbereiteten Zutaten und einem Rezept, die im Abonnement erhältlich sind.

HelloFresh SE
Rechtsform Europäische Gesellschaft (SE)
ISIN DE000A161408
Gründung 2011
Sitz Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland[1]
Leitung
  • Dominik Richter[2]
  • Thomas Griesel
  • Christian Gärtner
  • Edward Boyes
Mitarbeiterzahl 6.432 (2020)[3]
Umsatz 3,7 Mrd. EUR (2020)[3]
Branche Lebensmitteleinzelhandel
Website www.hellofresh.de
Stand: 31. Dezember 2020

GeschichteBearbeiten

HelloFresh wurde im Jahr 2011 von Dominik Richter, Jessica Nilsson und Thomas Griesel sowie unter finanzieller Beteiligung von Rocket Internet in Berlin gegründet.[1] Ende 2012 beteiligte sich zudem die Vorwerk-Gruppe an dem Start-up-Unternehmen.[4] Mitte 2014 erhielt HelloFresh erneut Venture Capital in Höhe von 50 Mio. US-Dollar[5] und konnte somit seine Gesamtfinanzierung auf 70 Mio. US-Dollar erhöhen.[1] Anfang 2015 erwarb Rocket Internet weitere Unternehmensanteile in Höhe von rund 130 Mio. Euro und ist seither Mehrheitsgesellschafter von HelloFresh.[6] Im Jahr 2014 verzeichnete das Unternehmen nach Informationen der Berliner Morgenpost einen Umsatzzuwachs um 380 % auf 70,1 Mio. Euro, bei einem Verlust von 11,9 Mio. Euro.[7] Laut eigenen Angaben des Unternehmens waren es 69,6 Mio. Euro Umsatz und 15,4 Mio. Euro Verlust.[8]

 
Logo von 2016 bis 2020.

Nach einer weiteren Kapitalerhöhung im September 2015 stieg der geschätzte Wert des Unternehmens auf 2,6 Mrd. Euro.[9] Der ursprünglich noch für 2015 geplante Börsengang von HelloFresh wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.[10]

Im Geschäftsjahr 2015 stieg der Unternehmensumsatz um 338 % auf 305 Mio. Euro so wie der Verlust um 660 % auf 117 Mio. Euro. Dabei lieferte HelloFresh monatlich mehrere Millionen Mahlzeiten in sieben Ländern (Deutschland, USA, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Österreich, Australien) und beschäftigte rund 800 Mitarbeiter.[8][11]

Seit April 2016 sind die Kochboxen auch in der Schweiz verfügbar.[12]

Nachdem der für 2015 geplante Börsengang nicht zu Stande gekommen war,[13] gelang der Schritt auf den Kapitalmarkt zwei Jahre darauf: Seit dem 2. November 2017 wird die HelloFresh-Aktie im Frankfurter Prime Standard gehandelt und ist seit März 2020 im Aktienindex MDAX enthalten. Bei einem Ausgabepreis von 10,25 Euro je Aktie wurde das Unternehmen mit rund 1,7 Milliarden Euro bewertet.[14]

Im Frühjahr 2018 verkaufte Vorwerk sämtliche an HelloFresh gehaltenen Anteile.[15] Hauptaktionär wurde das Beteiligungsunternehmen Rocket Internet.[16]

Im Januar 2019 hatte Rocket Internet seine Beteiligung an HelloFresh von 48 % auf unter 30 % gesenkt. Im Mai 2019 gab Rocket Internet bekannt, seine Anteile an HelloFresh zu verkaufen.[17] Im gleichen Monat verkaufte Rocket Internet seine gesamten Anteile im Wert von 373 Millionen Euro.[18]

Im zweiten Quartal 2019 konnte erstmals ein bereinigter Vorsteuer-Gewinn von 18,3 Mio. € erwirtschaftet werden[19] und auch das dritte Quartal 2019 verlief positiv.[20]

Zum 20. September 2021 wurde das Unternehmen, im Zuge einer Indexreform[21], in den DAX aufgenommen.[22]

UnternehmensprofilBearbeiten

 
Firmensitz von HelloFresh in Berlin

FührungBearbeiten

Vorstand[23]

  • Dominik Richter, CEO
  • Thomas Griesel, CEO
  • Christian Gärtner, CFO
  • Edward Boyes, Chief Commercial Officer

Aufsichtsrat[24]

  • Jeffrey Lieberman (Vorsitzender), Managing Director von Insight Venture Partners
  • Ursula Radeke-Pietsch (stv. Vorsitzende), Global Head of Strategic Projects bei Siemens
  • John H. Rittenhouse, Vorsitzender und CEO von Cavallino Capital
  • Derek Zissman, Direktor bei Crossroads Partners Ltd.
  • Ugo Arzani, globaler Leiter Einzelhandel und Konsumgüter der Qatar Investment Authority

GeschäftszahlenBearbeiten

 
HelloFresh Box
Jahr Umsatz
(Mio. €)
Mitarbeiter[3]
(Jahresende)
2014[25] 67 118
2015[25] 305 525
2016[25] 597 1.331
2017[26] 905 2.715
2018[27] 1.300 4.276
2019[28] 1.809 4.477
2020[3] 3.750 6.432

ProdukteBearbeiten

 
Ein mit HelloFresh Zutaten zubereitetes Gericht

HelloFresh ist in Deutschland, nach Unternehmensangaben auch weltweit, der größte Lieferdienst für Lebensmittel nach Rezept.[29] Das Unternehmen entwickelt Kochrezepte und stellt dazu passende Lebensmittel zusammen, mit denen sich die Rezepte nachkochen lassen. Diese Pakete nennt das Unternehmen Kochbox. Verbraucher können die Kochbox im Abonnement bestellen und erhalten einmal wöchentlich die aktuelle Lieferung. Viele Rezepte zurückliegender Lieferungen stellt HelloFresh auf der eigenen Internetseite kostenlos zur Verfügung; sie können also auch mit anderweitig erworbenen Zutaten gekocht oder als Inspiration genutzt werden.

In Deutschland kann der Abonnent bei der Registrierung zwischen sechs Vorlieben wählen: Fleisch und Gemüse, Familienfreundlich, Balance, Vegetarisch, Zeit sparen, Veggie und Fisch. Die Anzahl der Gerichte pro Woche kann zwischen 2 und 5, die Anzahl der Portionen pro Gericht zwischen 2 und 4 gewählt werden. Er legt zudem einen Liefertag und -Zeitfenster fest. Alle diese Entscheidungen können später geändert werden, doch sie bestimmen ohnehin lediglich, was der Kunde geliefert bekommt, wenn er bis zum Annahmeschluss (4 bis 6 Tage vor Lieferung, um Weihnachten mehr) nicht selbst tätig wird. Er kann nämlich seine Box aus dem jeweils gültigen Wochenmenü, das etwa gut 30 Rezepte enthält[30], auch manuell zusammenstellen.[31] Im Wochenmenü sind die Rezepte mit zusätzlichen Tags (z. B. Zeit sparen (früher gegen Aufpreis), Wenig Aufwand, Vegan, max 20% Carbs, -20% Kalorien, Ohne Weizen, Ohne Milchprodukte, Premium (gegen Aufpreis), Meisterstück (gegen Aufpreis)) versehen.[30] Auch Vorspeisen und Nachtisch können bei der manuellen Zusammenstellung der Kochbox dazugekauft werden. Anders als die Hauptgerichte, die aus den fertig portionierten Zutaten in den Kochboxen zubereitet werden müssen, werden Vor- und Nachspeisen teilweise verzehrfertig und mit einer festen Portionenzahl geliefert. Die Lieferung kann pausiert werden. Ein unabhängiger Produkttest der Verbraucherzentrale Berlin hat ein positives Qualitätsurteil zu den Rezepten und gelieferten Lebensmitteln ergeben.[32]

HelloFresh bewarb seine Produkte mit dem britischen Fernsehkoch Jamie Oliver.[33] Laut Unternehmensdarstellung wurde jeweils ein Rezept jeder Kochbox von Jamie Oliver entworfen. Inzwischen gibt es allerdings keine festen Kochboxen mehr.

Daneben werden mit HelloFresh Go auch fertig zubereitete Gerichte und Snacks am Automaten angeboten.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Felicitas Hackmann: Was HelloFresh mit 50 Millionen Dollar vorhat. In: gruenderszene.de. Vertical Media GmbH, 23. Juni 2014, abgerufen am 1. Februar 2016.
  2. hellofreshgroup.com: Imprint
  3. a b c d Geschäftsbericht 2020. (PDF) HelloFresh SE, abgerufen am 6. März 2021.
  4. WirtschaftsNews. In: Berliner Morgenpost. Nr. 340, 2012, S. 5.
  5. Jens Koenen, Robert Landgraf: Samwer-Brüder planen Großes. In: Handelsblatt. Nr. 117, 2014, S. 18.
  6. 500 Millionen Euro für Lieferdienst. In: Hamburger Abendblatt. Nr. 32, 2015, S. 33.
  7. Björn Hartmann: Gewaltiges Wachstum bei roten Zahlen. In: Berliner Morgenpost. Nr. 122, 2015, S. 6.
  8. a b Stephan Dörner, Nina Trentmann: Auf der Suche nach Einhörnern. In: Die Welt. Nr. 27, 2016, S. 14.
  9. Finanzen Kompakt. In: Die Welt. Nr. 218, 2015, S. 13.
  10. Robert Landgraf, Peter Köhler: Edag und die Suche nach frischem Geld. In: Handelsblatt. Nr. 217, 2015, S. 32.
  11. Peter Köhler, Miriam Schröder: Anspruchsvoll, aber faul. In: Handelsblatt. 28. Oktober 2015, abgerufen am 3. Februar 2016.
  12. Vinzenz Greiner: HelloFresh kommt in die Schweiz: Zalando-Schwester liefert Rösti. In: Blick. 14. April 2016, abgerufen am 5. Oktober 2017.
  13. Hello Fresh will bei Börsengang rund 360 Millionen Euro einsammeln. In: spiegel.de. 22. Oktober 2017, abgerufen am 23. Oktober 2017.
  14. Hello Fresh gelingt der Börsengang In: Wirtschaftswoche, 1. November 2017.
  15. Hello Fresh: Thermomix-Hersteller Vorwerk verkauft alle Anteile. In: Handelsblatt. 4. Mai 2018, abgerufen am 12. April 2019.
  16. Katrin Terpitz: Kochboxen-Versender : Vorwerk verkauft alle Anteile an Hello Fresh. In: Wirtschaftswoche. Abgerufen am 12. April 2019.
  17. Rocket Internet verkauft alle Anteile an Hello Fresh. In: finance-magazin.de. 14. Mai 2019, abgerufen am 5. November 2019.
  18. Lieferdienst: Rocket Internet steigt bei Hello Fresh aus. In: Handelsblatt. 13. Mai 2019, abgerufen am 21. Juni 2020.
  19. Florian Kolf: Hellofresh ist erstmals profitabel. Handelsblatt, 13. August 2019.
  20. HelloFresh SE weiter mit hervorragenden Ergebnissen. Meldung bei wallstreet-online.de vom 5. November 2019.
  21. tagesschau.de: Leitindex wächst auf 40 Titel - So sieht der neue DAX aus. Abgerufen am 6. September 2021.
  22. Gruppe Deutsche Börse - DAX mit zehn neuen Mitgliedern. Abgerufen am 6. September 2021.
  23. HelloFresh - Management Board. Abgerufen am 19. Juni 2020.
  24. HelloFresh - Supervisory Board. Abgerufen am 19. Juni 2020.
  25. a b c Wertpapierverkaufsprospekt der HelloFresh SE, 23. Oktober 2017 (englisch).
  26. Statista: Umsatz von HelloFresh in den Jahren 2012 bis 2017
  27. Hellofresh reduziert Verluste. In: n-tv. Abgerufen am 12. April 2019.
  28. HelloFresh KGV | BILANZ | GuV | Fundamentaldaten. Abgerufen am 16. Mai 2020.
  29. Ann-Kathrin Nezik: Der Superliefermarkt. In: Der Spiegel. 19. September 2015, abgerufen am 26. Februar 2018.
  30. a b Wochenplan Essen. HelloFresh, abgerufen am 6. September 2021.
  31. Unsere Kochboxen. HelloFresh, abgerufen am 6. September 2021.
  32. Marie Rövekamp: Was taugt das Essen aus der Box? In: Der Tagesspiegel. 25. Januar 2016, abgerufen am 3. Februar 2016.
  33. Miriam Schröder, Carsten Herz: Der Star und das Start-up. In: Handelsblatt. Nr. 18, 2016, S. 46.