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Rudolf Voderholzer

deutscher Theologe und Dogmatiker, Bischof von Regensburg
Bischof Voderholzer an Weihnachten 2014 im Regensburger Dom
Bischofswappen

Rudolf Voderholzer (* 9. Oktober 1959 in München) ist ein deutscher Theologe, Dogmatiker und römisch-katholischer Bischof von Regensburg.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Er wuchs in München-Sendling (Pfarrei St. Margaret) auf. Bereits Anfang der 1970er Jahre veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Mutter, der Lehrerin und Kinderbuchautorin Maria Voderholzer, autobiographisch geprägte Bücher, wie z. B. Wir sind vier Geschwister oder Eine lustige Familie.[1] Nach dem Abitur am Münchner Dante-Gymnasium studierte Voderholzer an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München Philosophie (M.A. 1985) und an der Ludwig-Maximilians-Universität München katholische Theologie (Dipl.-Theol. 1986). Am 27. Juni 1987 empfing er für das Erzbistum München und Freising durch Friedrich Kardinal Wetter im Freisinger Dom die Priesterweihe und war anschließend als Kaplan in Traunreut, Haar und Zorneding tätig. 1992 wurde er Wissenschaftlicher Assistent bei Gerhard Ludwig Müller am Lehrstuhl für Dogmatik der Universität München. 1997 wurde er in München mit einer Dissertationsschrift mit dem Titel Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn. Der Beitrag Henri de Lubacs zur Erforschung von Geschichte und Systematik christlicher Bibelhermeneutik zum Dr. theol. promoviert. 2004 habilitierte er sich an der Katholisch-Theologischen Fakultät München. Im gleichen Jahr wechselte er an das Departement für Glaubens- und Religionswissenschaft und Philosophie an die Schweizer Universität Fribourg; er war von 2004 bis 2005 Präsident des Departements.

Von 2005 bis zum Jahresbeginn 2013 war Rudolf Voderholzer ordentlicher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Trier. In dieser Zeit lebte er in Kasel an der Ruwer, wo er sich zeitgleich als Seelsorger der Pfarrgemeinde St. Nikolaus engagierte und im Juni 2012 sein Silbernes Priesterjubiläum feierte.[2]

Am 6. Dezember 2012 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Regensburg.[3] Die Bischofsweihe durch Reinhard Kardinal Marx fand am 26. Januar 2013 im Regensburger Dom statt; Mitkonsekratoren waren sein Vorgänger Gerhard Ludwig Kardinal Müller und František Radkovský, Bischof von Pilsen. Sein bischöflicher Wahlspruch lautet Christus in vobis spes gloriae („Christus ist unter Euch – die Hoffnung auf Herrlichkeit“) (Kol 1,27 EU). Am 11. Januar 2013 legte Voderholzer den nach Bayerischem Konkordat und Reichskonkordat abzulegenden Treueeid in Gegenwart von Ministerpräsident Horst Seehofer ab.[4][5]

WirkenBearbeiten

Voderholzer gilt als Experte für Henri de Lubac. Durch seine Übersetzung von « L’Ecriture dans la Tradition » (deutsch: „Die heilige Schrift in der Tradition der Kirche“) und weiterer Aufsätze hat er wesentliche Teile des vierbändigen Werks de Lubacs « Exégèse médiévale » (deutsch: „Exegese des Mittelalters“) in deutscher Sprache mit dem Titel „Typologie. Allegorie. Geistiger Sinn. Studien zur Geschichte der christlichen Schriftauslegung“ (Freiburg, 3. Auflage 2014) veröffentlicht.

Er ist Gründungsdirektor des 2008 gegründeten Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg[6] und Herausgeber der gesammelten theologischen Schriften von Papst Benedikt XVI.

Seit 30. Oktober 2010 ist Voderholzer Ordentliches Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste (Geisteswissenschaftliche Klasse).

Papst Franziskus ernannte Voderholzer am 28. Mai 2014 erstmals und am 8. Mai 2019 für weitere fünf Jahre zum Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre.[7]

In der Deutschen Bischofskonferenz gehört er der Glaubenskommission, deren stellvertretender Vorsitzender er ist, und der Kommission für Wissenschaft und Kultur an.[8]

2016 wurde er von Kardinal-Großmeister Edwin Frederick Kardinal O’Brien zum Großoffizier des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ernannt und am 21. Mai 2016 im St.-Paulus-Dom in Münster durch Reinhard Kardinal Marx, Großprior der deutschen Statthalterei, investiert. Er gehört der Komturei Regensburg des Päpstlichen Laienordens an.[9] Er ist zudem Mitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. Am 3. Februar 2019 wurde er in Regensburg zum Ehrenritter des Deutschen Ordens investiert.[10]

Am 1. September 2014 gründete er im Bistum Regensburg das Akademische Forum Albertus Magnus, welches den Dialog zwischen Wissenschaft und Theologie und zwischen Gesellschaft und Kirche nach dem Vorbild des hl. Albert fördern und die Arbeit der wissenschaftlichen Institute des Bistums Regensburgs (Institutum Marianum, Ostkirchliches Institut Regensburg, Institut Papst Benedikt XVI.) koordinieren soll.[11]

Mit Wirkung vom 13. September 2016 errichtete er das neue Ostkircheninstitut der Diözese Regensburg, das Beiträge zur besseren wechselseitigen Kenntnis östlicher und westlicher Tradition sowie zum Auftrag einer Wiederherstellung kirchlicher Einheit in Vielfalt (vgl. Ut unum sint 57) leisten soll. Die Einrichtung soll an das bisherige Ostkirchliche Institut Regensburg anknüpfen und dessen Arbeit unter veränderten Bedingungen fortführen.[12]

Als viertes wissenschaftliches Institut des Bistums errichtete Bischof Voderholzer am 6. Juli 2017 das Institutum Liturgicum Ratisbonense, das die Geschichte der Liturgie auf der Grundlage mittelalterlicher Handschriften erforscht. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Erschließung der Fragmentesammlung aus der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg und der Erforschung lokaler liturgischer Traditionen.[13]

Im Juli 2017 ließ er in den Gemeinden des Bistums ein Hirtenwort verlesen. Darin bat er die 500 Opfer körperlicher Gewalt sowie die Opfer sexueller Gewalt bei den Regensburger Domspatzen „in Demut“ „anstelle der Täter, von denen die meisten verstorben sind, um Vergebung“ und bitte, „dass diese Entschuldigung von den Betroffenen angenommen werde.“[14][15] Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie zum "Sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz"[16] wandte er sich erneut mit einem Hirtenwort an die Gläubigen der Diözese Regensburg.[17] Darin rezipiert er die Ergebnisse der Studie, drückt sein Bedauern aus und nennt Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention sexuellen Missbrauchs. Vor allem fordert er eine Kultur der Achtsamkeit. Allen Opfern von sexuellem Missbrauch bietet er ein Gespräch an, in dem er als oberster Repräsentant der Ortskirche von Regensburg persönlich um Vergebung bitten will.

Mit der Regensburger Sonntagsbibel gab er im Jahr 2017 ein christliches Hausbuch heraus, welches die Lesungs- und Evangelientexte der drei Lesejahre mit Betrachtungen von Papst Benedikt XVI. und Abbildungen von Kunstwerken aus dem Bistum Regensburg kombiniert.[18]

Am 27. Juni 2018 erhielt Voderholzer den Bayerischen Verdienstorden.

SchriftenBearbeiten

  • Die Einheit der Schrift und ihr geistiger Sinn, Johannes Freiburg 1998, 3-89411-344-8
  • Henri de Lubac begegnen, Sankt-Ulrich-Verlag Augsburg 1999, ISBN 3-929246-44-9
  • Fundamentaltheologie, Ökumenische Theologie, 2001, ISBN 3-89710-186-6
  • Die göttliche Offenbarung: Kommentar zum Vorwort und zum ersten Kapitel der dogmatischen Konstitution „Dei verbum“ des Zweiten Vatikanischen Konzils, Johannes Freiburg 2001, ISBN 3-89411-369-3 (Von Henri de Lubac; aus dem Französischen übertragen)
  • Hermeneutik : Von der Schrift bis Schleiermacher (Handbuch der Dogmengeschichte), Herder Freiburg 2003, ISBN 3-451-00701-0
  • Incontro con Henri de Lubac, Eupress 2004, ISBN 88-88446-21-4 (italienisch)
  • (Zusammen mit Ernst Kögler) Er führte mich hinaus ins Weite. Pater Victricius Berndt OFMCap (1915–2003). Lebensbild eines sudetendeutschen Priesters. Aufzeichnungen. Predigten. Erinnerungen (= Für Kirche und Volksgruppe. Kleine Reihe des Sudetendeutschen Priesterwerkes, Band 11), Reimlingen 2006.
  • Christian Schaller, Michael Schulz, Rudolf Voderholzer (Hersg.): Mittler und Befreier: Die christologische Dimension der Theologie, Herder Freiburg 2008, ISBN 3-451-29804-X (Festschrift für Gerhard Ludwig Müller)
  • Meet Henri de Lubac, his life and work, Ignatius Press San Francisco 2008, ISBN 978-1-58617-128-5 (Übersetzung Michael J. Miller)
  • Offenbarung, Tradition und Schriftauslegung. Bausteine zu einer christlichen Bibelhermeneutik. Friedrich Pustet, Regensburg 2013, 208 S., ISBN 978-3-7917-2519-2.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Münchner wird Bayerns jüngster Bischof (Abendzeitung München vom 25. Januar 2013)
  2. Katholische Kirche im Ruwertal: Silbernes Priesterjubiläum Voderholzer
  3. Nomina del Vescovo di Regensburg (Germania), in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Dezember 2012.
  4. Treueeid auf die Verfassung (Memento vom 13. Mai 2013 im Internet Archive)
  5. Bischof legt Eid auf Verfassung ab
  6. „Benedikt-Institut“, Radio Vatikan, 13. September 2008.
  7. Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Mai 2014, abgerufen am 28. Mai 2014 (italienisch).
    bistum-regensburg.de, 10. Mai 2019.
  8. Pressemeldung vom 20. September 2016 - Nr. 175
  9. Live Übertragungen aus dem St.-Paulus-Dom Münster: Pontifikalamt mit Investitur des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Bistum Münster, 21. Mai 2016.
  10. „Nimm dieses Kreuz, Zeichen der Liebe Gottes und des Ordens“ – Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wird Ehrenritter des Deutschen Ordens. Bistum Regensburg, 4. Februar 2019, abgerufen am 26. Juni 2019 (dt).
  11. Eröffnung „Akademisches Forum Albertus Magnus“. Abgerufen am 15. Oktober 2018.
  12. Diözese Regensburg gründet Ostkircheninstitut. Abgerufen am 15. Oktober 2018.
  13. Interdisziplinäre Tagung "Gottesdienst in Regensburger Institutionen". Abgerufen am 15. Oktober 2018.
  14. Hirtenwort vom Juli 2017
  15. Ulrich Weber / Johannes Baumeister: Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen. 18. Juli 2017.
  16. Deutsche Bischofskonferenz: MHG-Studie. 24. September 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  17. Rudolf Voderholzer: Hirtenbrief des Bischofs von Regensburg anlässlich der Veröffentlichung der MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz. In: Bistum-Regensburg.de. 29. September 2018, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  18. Elisabeth Lehner: Bischof verschenkt 11.000 handsignierte Bibeln. In: idowa.de, 24. September 2017.