Felix Zwayer

deutscher Fußballschiedsrichter

Felix Zwayer (* 19. Mai 1981 in West-Berlin) ist ein deutscher Fußballschiedsrichter.

Felix Zwayer
Felix Zwayer
Persönliches
Name Felix Zwayer
Geburtstag 19. Mai 1981
Geburtsort West-Berlin, Deutschland
Beruf Immobilienkaufmann
Vereinsinformationen
Verein SC Charlottenburg
Spiele nach Spielklasse
Jahre Spielklasse Spiele
seit 2007
seit 2009
seit 2012
seit 2012
2. Bundesliga
1. Bundesliga
Länderspiele
Europapokal
95
191
20
57
Turniere
Endspiele
Stand: 5. Dezember 2021

WerdegangBearbeiten

Felix Zwayer ist seit 2004 DFB-Schiedsrichter. Er war Beteiligter im Fußball-Wettskandal 2005 um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer. Ab dem Jahr 2007 wurde er als Schiedsrichter in der 2. Fußball-Bundesliga und auch als Schiedsrichter-Assistent in der 1. Bundesliga eingesetzt. Vor Beginn der Saison 2009/10 wurde Zwayer als Schiedsrichter für die Fußball-Bundesliga nominiert.[1] Er debütierte am 15. August 2009 beim Heimspiel von Hannover 96 gegen den 1. FSV Mainz 05.

Zwayer wird neben Marco Fritz seit 2012 als FIFA-Schiedsrichter eingesetzt. Babak Rafati und Peter Sippel wurden im Gegenzug von der Liste genommen.[2] Sein Debüt auf internationalem Parkett gab Zwayer am 25. Mai 2012 bei der Qualifikation zur U-19-EM 2012. Er leitete in Prag die Partie zwischen Tschechien und Frankreich. Bei einem A-Länderspiel kam er erstmals am 1. Juni 2012 zum Einsatz. Er war beim Freundschaftsspiel Österreich gegen die Ukraine in Innsbruck im Einsatz.

Im Mai 2012 trat Zwayer aus seinem bisherigen Verein Hertha BSC aus und kehrte zu seinem Heimatverein SC Charlottenburg zurück.[3]

Im Jahr 2015 wurde Zwayer von der FIFA für sein erstes FIFA-Turnier nominiert, die U-20-Fußball-Weltmeisterschaft 2015 in Neuseeland. Zwei Jahre später nahm er ebenfalls an der U-20-Fußball-Weltmeisterschaft 2017 in Südkorea teil, diesmal allerdings als Video-Assistent. Im Anschluss wurde er von der UEFA in die höchste Schiedsrichter-Kategorie („Elite“) eingestuft und kommt dadurch theoretisch für die Leitung entscheidender Partien in den UEFA-Klubwettbewerben in Frage.[4]

Ende April 2018 wurde Zwayer von der FIFA als einer von 13 Video-Assistenten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland berufen.[5] Ein Jahr später fungierte er auch bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich als Video-Assistent.

Am 11. Mai 2019 leitete Zwayer das griechische Pokalfinale zwischen AEK Athen und PAOK Thessaloniki.[6] Die im Athener Olympiastadion ausgetragene Partie endete 1:0 für PAOK.

Zwayer ist Immobilienkaufmann und lebt in Berlin.

Besondere VorkommnisseBearbeiten

Fußball-Wettskandal 2005Bearbeiten

Zwayer war einer von vier Berliner Schiedsrichtern, die den Fußball-Wettskandal 2005 um den damaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer ins Rollen brachten. Gleichwohl wurde auch Zwayer im Zuge dieses Skandals für sechs Monate gesperrt, weil er die ihm bekannten Spielmanipulationen Hoyzers zunächst nicht gemeldet hatte. Zudem soll er – ausweislich der erst 2014 bekannt gewordenen Entscheidung des DFB-Sportgerichts – vor einem Spiel des Wuppertaler SV Borussia gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen 300 Euro von Hoyzer angenommen haben, um als Linienrichter dabei zu helfen, kritische Situationen für Wuppertaler zu vermeiden.[7] Im Jahr 2021 geriet der Sachverhalt erneut in die Öffentlichkeit, als der ehemalige Berliner Schiedsrichterkollege Manuel Gräfe die vom DFB ermöglichte Karrierefortsetzung Zwayers scharf kritisierte.[8] Zwayer selbst bestritt – zuletzt am 2. April 2022 im aktuellen Sportstudio – mehrfach, jemals Geld von Hoyzer angenommen zu haben, viel mehr habe er die kurze Sperre akzeptiert, um sich ein weiteres Verfahren zu ersparen.[9][10] Da die Zeit, in der er wegen des Hoyzer-Prozesses hatte pausieren müssen, auf die sechsmonatige Sperre angerechnet wurde, hatte Zwayer seinerzeit nach dem Urteil sofort wieder pfeifen dürfen.[11]

Spielunterbrechung in Leverkusen 2016Bearbeiten

Am 21. Februar 2016 sorgte Zwayer bei der Partie Bayer 04 Leverkusen gegen Borussia Dortmund mit einer Spielunterbrechung für ein Novum in der Bundesligageschichte. Der BVB erzielte das 1:0, das auch den Endstand der Partie markierte, nach einem schnell ausgeführten Freistoß aus der eigenen Hälfte, wobei der Ball knapp sechs Meter zu weit vor gelegt wurde.[12][13] Daraufhin wurde Leverkusens damaliger Trainer Roger Schmidt infolge seiner lautstarken Proteste von Zwayer des Innenraumes verwiesen, weigerte sich jedoch, auf die Tribüne zu gehen.[14] Sodann unterbrach Zwayer das Spiel und schickte beide Mannschaften vorerst in die Kabine, was regeltechnisch ein korrektes Vorgehen darstellte.[15][16] Nach etwa neun Minuten verließ Schmidt den Innenraum und die Partie konnte wieder angepfiffen werden.

Im weiteren Verlauf des Spiels wurde Leverkusen nach einem Handspiel vom Dortmunder Innenverteidiger Sokratis noch ein klarer Elfmeter verweigert, was insbesondere Leverkusens Sportchef Rudi Völler im Interview bei Sky als Konzessionsentscheidung kritisierte.[16] Roger Schmidt wurde anschließend vom DFB zu fünf Spielen Sperre verurteilt, wovon zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Er entschuldigte sich später für sein Verhalten.[17][16]

DFB-Pokalfinale 2018Bearbeiten

Zwayer leitete am 19. Mai 2018 das Endspiel des DFB-Pokals 2017/18 zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt im Berliner Olympiastadion.[18] In der Nachspielzeit dieses Spiels lag die Eintracht mit 2:1 in Führung und musste die Schlussoffensive der Münchener überstehen. Im eigenen Strafraum trat Kevin-Prince Boateng dem Münchener Javi Martinez in der Luft gegen den Fuß. Martinez setzte den Fuß zunächst auf dem Boden ab, fiel dann jedoch hin. Trotz eines Hinweises vom Video-Assistenten und einer Ansicht der Bilder an der Seitenlinie gab Zwayer keinen Elfmeter, sondern entschied auf Eckball.[19] Insbesondere von Seiten der Bayern wurde diese Entscheidung als spielentscheidend kritisiert.[20] Auch in der Frankfurter Mannschaft und der deutschen Fußball-Öffentlichkeit bestand eine überwiegende Meinungstendenz Richtung Elfmeter.[21][22] Zwayer selbst verteidigte seine Entscheidung damit, dass „Treffer und Wirkung für ihn nicht zusammengepasst hätten“.[23]

Bundesliga-Gipfel zwischen Dortmund und Bayern in der Saison 2021/22Bearbeiten

Am 4. Dezember 2021 traf Borussia Dortmund im Bundesliga-Topspiel auf den FC Bayern München. Während der Partie, die Bayern mit 3:2 gewann, hatte Zwayer aus der Sicht einiger Experten – u. a. Lothar Matthäus, Babak Rafati, Manuel Gräfe und Rudi Völler – zumindest fragwürdige Entscheidungen getroffen und die Balance insgesamt vermissen lassen.[24][25] So hatte er etwa bei einem möglichen Foul an Marco Reus im Strafraum der Münchner keinen Elfmeter gegeben. Zu einem Review der Szene kam es nicht, weil zuvor eine Abseitsposition von Dortmunder Seite vorgelegen hatte. Umgekehrt sprach Zwayer den Münchenern einen Strafstoß nach einem zweifelhaften Handspiel von Mats Hummels im eigenen Strafraum zu. Zwayer hatte zunächst weiterspielen lassen, revidierte seine Entscheidung aber dann auf den Hinweis des Videoschiedsrichters.

Nach dem Spiel wurde der Dortmunder Mittelfeldspieler Jude Bellingham in einem Fernsehinterview zur Leistung des Schiedsrichters befragt und antwortete übersetzt: "Du gibst einem Schiedsrichter, der schonmal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?".[26] Die Aussage wurde von Funktionären überwiegend als grob unsportlich gewertet, insbesondere aus Dortmunder Fan-Kreisen erntete er jedoch viel Unterstützung.[27][28] Vom DFB wurde Bellingham später zu einer Geldstrafe von 40.000 Euro verurteilt.[29] Der Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase stellte außerdem einen Strafantrag wegen Beleidigung.[26] Über den Ausgang dieses Verfahrens ist nichts bekannt, eine Verfahrenseröffnung ist juristisch jedoch unwahrscheinlich, da letztlich nur Zwayer persönlich einen Strafantrag hätte stellen können.[30]

Zwayer selbst erhielt nach dem Spiel Morddrohungen.[31] Die Aussagen von Bellingham bezeichnete er als „verunglimpfend und respektlos“.[32] Im Dezember 2021 wurde entschieden, dass Zwayer bis auf Weiteres keine Spiele des BVB pfeifen wird.[33] Im Januar wurde bekanntgegeben, dass Zwayer aufgrund der anhaltenden Kritik vorerst nicht mehr als Schiedsrichter aktiv sein wird.[34] Am 9. Februar 2022 gab der DFB wiederum bekannt, dass Zwayer ab dem 22. Spieltag am darauffolgenden Wochenende wieder einsatzbereit ist. Er selbst gab an: „Ich fühle mich wieder gut, neu orientiert, gestärkt und sicher.“[35] Vorausgegangen war dem unter anderem ein Gespräch mit den Verantwortlichen von Borussia Dortmund, nach dem die Angelegenheit für beide Seiten als geklärt angesehen wurde.[36] Zu einer persönlichen Aussprache zwischen Bellingham und Zwayer kam es derweil nicht.[37]

WeblinksBearbeiten

Commons: Felix Zwayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fritz und Zwayer pfeifen in der Bundesliga. In: Der Tagesspiegel, 3. Juli 2009.
  2. FIFA: Zwayer und Fritz ersetzen Rafati und Sippel. In: SPOX.com, 16. September 2012.
  3. Schiedsrichter Zwayer verlässt Hertha BSC. In: SPOX.com, 16. September 2012.
  4. UEFA Referee Categories - 2017/18: Makkelie and Zwayer promoted to Elite, Moen and Nijhuis demoted. In: The 3rd Team, 13. Juni 2017.
  5. Fifa names 13 video assistant referees for 2018 World Cup. In: The Irish Times, vom 30. April 2018. Abgerufen am 7. Mai 2018.
  6. Bericht auf Griechenland.net
  7. Oliver Fritsch: Die Akte Zwayer. In: Die Zeit, 9. Dezember 2014.
  8. Oliver Fritsch: Manuel Gräfe : "Ich verklage den DFB wegen Altersdiskriminierung". In: Die Zeit. 1. Juli 2021, abgerufen am 4. Juli 2021.
  9. Peter Ahrens: (S+) Schiedsrichter Felix Zwayer verteidigt sich im ZDF-»Sportstudio«: »So was macht doch keiner«. In: Der Spiegel. 3. April 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. August 2022]).
  10. Sebastian Schmitt: Schiri Zwayer bricht sein Schweigen: Nie Geld angenommen, Morddrohungen nach BVB-Spiel. Abgerufen am 12. August 2022 (deutsch).
  11. n-tv NACHRICHTEN: Zwayer steht schon wieder im Zentrum des Ärgers. Abgerufen am 12. August 2022.
  12. Westdeutsche Zeitung: Bundesliga: BVB in Leverkusen: Eine Unterbrechung als letzte Pointe. 21. Februar 2016, abgerufen am 12. August 2022.
  13. Bundesliga: Dortmund gewinnt gegen Leverkusen, Hannover taumelt Richtung Abstieg. In: Die Zeit. 21. Februar 2016, abgerufen am 12. August 2022.
  14. „Herr Schmidt hat sich derart unsportlich verhalten“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Februar 2016 (Interview).
  15. Bundesliga: Dortmund gewinnt gegen Leverkusen, Hannover taumelt Richtung Abstieg. In: Die Zeit. 21. Februar 2016, abgerufen am 12. August 2022.
  16. a b c Rudi Völler rastet nach 0:1-Niederlage aus. In: Der Tagesspiegel Online. 21. Februar 2016, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 12. August 2022]).
  17. WELT: Spielunterbrechung: Nach Eklat - Schmidts gescheiterte Entschuldigung. In: DIE WELT. 21. Februar 2016 (welt.de [abgerufen am 12. August 2022]).
  18. DFB-Pokalendspiele: Zwayer pfeift Finale in Berlin, Stolz in Köln
  19. zeit.de: Erbarme, die Hesse waren da
  20. Frankfurt nach Pokal-Coup: „Haben die Bayern aus dem Stadion geschossen“. Abgerufen am 12. August 2022.
  21. FC Bayern gegen Frankfurt: Elfmeter-Szene in der Nachspielzeit erzürnt Bayern. 19. Mai 2018, abgerufen am 12. August 2022.
  22. Videobeweis-Wirbel: FC Bayern um Elfmeter gebracht? So reagiert das Netz. Abgerufen am 12. August 2022.
  23. n-tv NACHRICHTEN: Zwayer verteidigt Elfmeter-Entscheidung. Abgerufen am 12. August 2022.
  24. Bundesliga - Nach Dortmund vs. FC Bayern: Die Reaktionen zur Leistung von Schiedsrichter Zwayer. 5. Dezember 2021, abgerufen am 12. August 2022.
  25. n-tv NACHRICHTEN: Zwayer steht schon wieder im Zentrum des Ärgers. Abgerufen am 12. August 2022.
  26. a b Freddie Röckenhaus: Aussagen zu Zwayer: BVB-Profi Bellingham hat jetzt einen Anwalt. Abgerufen am 12. August 2022.
  27. Bellingham-Aussage zu Zwayer: Bayern-Boss Kahn rüffelt BVB-Star. Abgerufen am 12. August 2022.
  28. Dirk Adam: Bellinghams Aussage ist unverschämt. In: Focus online. Focus, 6. Dezember 2021, abgerufen am 12. August 2022 (deutsch).
  29. [1]
  30. LTO: Jude Bellingham kritisiert Schiedsrichter Zwayer. Abgerufen am 12. August 2022.
  31. Sebastian Schmitt: Schiri Zwayer bricht sein Schweigen: Nie Geld angenommen, Morddrohungen nach BVB-Spiel. Abgerufen am 12. August 2022 (deutsch).
  32. Felix Zwayer über Aussage von Jude Bellingham: »Verunglimpfend und respektlos«. In: Der Spiegel. 7. Dezember 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 12. August 2022]).
  33. Aufregung um Bayern-Elfmeter: Zwayer pfeift vorerst keine Dortmunder Spiele mehr. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Januar 2022]).
  34. WDR: Bundesliga-Schiedsrichter Zwayer "bis auf Weiteres" nicht mehr aktiv. 9. Januar 2022, abgerufen am 12. Januar 2022.
  35. Fußball: Felix Zwayer setzt Karriere als Schiedsrichter fort. In: Der Spiegel. 9. Februar 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Februar 2022]).
  36. Perform Media Deutschland GmbH: Nach Gesprächen mit BVB: Schiri Zwayer vor Comeback in der Bundesliga. 14. Februar 2022, abgerufen am 12. August 2022.
  37. Perform Media Deutschland GmbH: Zwayer: Kein Gespräch mit BVB-Star Bellingham - Hätte gerne verstanden, warum er das macht. 3. April 2022, abgerufen am 12. August 2022.