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Mujinga Kambundji Leichtathletik

Mujinga Kambundji Birmingham 2018.jpg
Mujinga Kambundji in Birmingham 2018

Nation SchweizSchweiz Schweiz
Geburtstag 17. Juni 1992 (27 Jahre)
Geburtsort Bern, Schweiz
Größe 168 cm
Gewicht 59 kg
Beruf Studentin (BWL)
Karriere
Disziplin 100 Meter; 200 Meter
Bestleistung 7,03 s Sport records icon NR.svg60 Meter
10,95 s Sport records icon NR.svg100 Meter
22,26 s 200 Meter
Verein ST Bern
Trainer Steve Fudge
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 0 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Weltmeisterschaften 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Hallenweltmeisterschaften 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Europameisterschaften 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
Logo der IAAF Hallenweltmeisterschaften
0Bronze0 Birmingham 2018 60 m
Logo der EAA Europameisterschaften
0Bronze0 Amsterdam 2016 100 m
Logo der IAAF Weltmeisterschaften
0Bronze0 Doha 2019 200 m
letzte Änderung: 10. Oktober 2019

Mujinga Kambundji (* 17. Juni 1992 in Bern) ist eine Schweizer Leichtathletin. Sie ist die aktuelle Inhaberin der Schweizer Rekorde im Sprint über 60, 100 und 200 Meter.

LebenBearbeiten

Kambundji ist ein Kind Schweizer Eltern; ihre Mutter stammt aus Bern, ihr Vater aus dem Kongo. Sie hat drei Schwestern. Seit Abschluss des Gymnasiums studiert sie Betriebswirtschaft an der Privaten Hochschule Wirtschaft PHW in Bern.[1][2] Sie wohnt in Liebefeld bei Bern.

Sportliche KarriereBearbeiten

Mujinga Kambundji startet für den Stadtturnverein Bern und wurde seit Herbst 2013 von Valerij Bauer trainiert. Im Herbst 2017 trennte sie sich von Bauer. Sie fand einen neuen Trainer in Henk Kraaijenhof, die Zusammenarbeit funktionierte aber nur bis Dezember 2017. Danach war sie ohne festen Coach, bekam aber von ihrem Jugendtrainer Jacques Cordey und Adrian Rothenbühler Hilfe bei der Trainingsgestaltung.[3] Ab April 2018 war Rana Reider ihr Trainer.[4] Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften 2019 nahm sie mit einem neuen Trainer, Steve Fudge, in Angriff und trainierte abwechselnd in der Schweiz und in London.[5]

Über die kurzen Laufstrecken zeigte sich Kambundjis Talent schon früh, später war sie auch in den Disziplinen Hoch- und Weitsprung erfolgreich. Nachdem sie 2009 beim Europäischen Olympischen Sommer-Jugendfestival in Tampere im 100-Meter-Lauf die Silbermedaille gewonnen hatte, holte sie an der Schweizer Meisterschaft der Aktiven das Kurzsprint-Double mit Goldmedaillen im 100- und 200-Meter-Lauf.

Am European Champion Clubs Cup 2010 unterbot Kambundji die Limiten im 100- und 200-Meter-Lauf für die U20-Weltmeisterschaften. Danach vertrat Kambundji die Schweiz in der Second League der European Team Championship in Belgrad über 100 und 200 Meter, wobei sie den 200-Meter-Lauf gewann. An den U20-Weltmeisterschaften gelangte sie in beiden Disziplinen in den Halbfinal, im 200-Meter-Lauf verpasste sie den Final nur knapp. Wegen der U20-Weltmeisterschaften, die um die gleiche Zeit stattfanden, konnte Kambundji ihre Schweizer Meistertitel aus dem Vorjahr nicht verteidigen.

Nachdem Kambundji mit der Schweizer 4-mal-100-Meter-Staffel am 30. Juni 2011 einen neuen Schweizer Rekord (43,90 s) aufgestellt hatte, lief sie an den Junioreneuropameisterschaften 2011 in Tallinn sowohl im 100-, als auch im 200-Meter-Lauf auf den fünften Rang. An den Schweizer Meisterschaften holte Kambundji sich den Titel im 100-Meter-Lauf, verletzte sich aber im 200-Meter-Lauf und konnte nicht für die Staffel an den Weltmeisterschaften 2011 in Daegu teilnehmen.

2012, 2013 und 2014 gewann Kambundji die Schweizer Meistertitel über 100 und 200 Meter. Mit der 4-mal-100-Meter-Staffel nahm sie 2012 an den Olympischen Spielen in London teil; im selben Jahr war sie Teilnehmerin der Europameisterschaften in Helsinki.

2013 qualifizierte sie sich über 60 Meter für die Halleneuropameisterschaften in Göteborg und nahm 2013 an den Weltmeisterschaften in Moskau teil.

Kambundji erreichte bei den Europameisterschaften 2014 in Zürich über 100 und 200 Meter sowie in der 4-mal-100-Meter-Staffel den Final. Als Startläuferin der Staffel verlor sie den Stab, was zur Disqualifizierung führte.

Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking erzielte Kambundji als Zwölfte ihre bisherige Bestleistung von 11,07 s über 100 Meter.

Mit dem Schweizer Frauenteam der 4-mal-100-Meter-Staffel qualifizierte sie sich bei der Staffel-WM in Nassau (Bahamas) zur Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Im März 2016 gab sie jedoch bekannt, in diesem Jahr nicht für die Staffelwettbewerbe zur Verfügung zu stehen.[6]

Bei den Europameisterschaften 2016 in Amsterdam gewann Kambundji Bronze über 100 Meter mit 11,25 s.[7]

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erreichte Kambundji mit 11,19 s in den Vorläufen das Halbfinal über 100 Meter, konnte sich jedoch am 13. August 2016 als Sechste ihrer Serie im Olympiastadion João Havelange mit 11,16 s nicht für das Final qualifizieren und verpasste auch ihre bei den Europameisterschaften in Amsterdam aufgestellte Saisonbestzeit von 11,14 s knapp. Über 200 Meter schaffte sie im Vorlauf am 15. August 2016 mit 22,78 s den dritten Platz und erreichte das Halbfinal, in dem sie sich dann am 17. August 2016 aber mit 22,83 s nicht für den Final qualifizieren konnte.

Die Hallensaison 2017 verlief für Kambundji durchwachsen, zum Höhepunkt, den Halleneuropameisterschaften in Belgrad, belegte sie mit 7,16 s den vierten Platz über 60 Meter.[8]

Bei der Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften 2018 in Birmingham gewann Kambundji Bronze in 7,05 s über 60 Meter und holte damit als erste Schweizer Athletin eine Medaille im Sprint bei weltweiten Titelkämpfen.[9]

Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha gewann sie hinter Dina Asher-Smith und Brittany Brown mit 22,51 Sekunden Bronze über 200 Meter.

AuszeichnungenBearbeiten

ErfolgeBearbeiten

  • 2009: Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf; 2. Rang European Youth Olympic Festival 100-Meter-Lauf und 1. Rang mit der 4-mal-100-Meter-Staffel; 6. Rang U18-Weltmeisterschaften 200-Meter-Lauf; 2. Rang Schweizer Hallenmeisterschaften 60-Meter-Lauf und 200-Meter-Lauf
  • 2010: 2. Rang Schweizer Hallenmeisterschaften 60- und 200-Meter-Lauf; 1. Rang European Team Championship Second League 200-Meter-Lauf; 9. Rang U20-Weltmeisterschaften 200-Meter-Lauf und 13. Rang 100-Meter-Lauf
  • 2011: 5. Rang Leichtathletik-Junioreneuropameisterschaften 100- und 200-Meter-Lauf; Schweizer Meisterin 100-Meter-Lauf; Schweizer Hallenmeisterin 200-Meter-Lauf und 2. Rang 60-Meter-Lauf
  • 2012: Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf
  • 2013: Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf, 21. Rang Leichtathletik-Halleneuropameisterschaften 60-Meter-Lauf
  • 2014: Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf, 4. Rang Europameisterschaften 100-Meter-Lauf, 5. Rang Europameisterschaften 200-Meter-Lauf
  • 2015: Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf
  • 2016: 3. Rang (Bronzemedaille) Europameisterschaften 100-Meter-Lauf
  • 2017: 4. Rang Halleneuropameisterschaften 60-Meter-Lauf
  • 2018: 3. Rang (Bronzemedaille) Hallenweltmeisterschaften 60-Meter-Lauf, Schweizer Meisterin 100-Lauf
  • 2019: 3. Rang (Bronzemedaille) Weltmeisterschaften 200-Meter-Lauf, Schweizer Meisterin 100- und 200-Meter-Lauf

Persönliche BestleistungenBearbeiten

  • 100-Meter-Lauf: 10,95, 13. Juli 2018 in Zofingen, Schweizer Rekord
    • 100-Meter-Lauf: 11,03, 5. Juli 2018 in Lausanne, Schweizer Rekord
    • 100-Meter-Lauf: 11,07 s, 24. August 2015 in Peking, Schweizer Rekord[10], egalisiert am 18. Juli 2017 in Bellinzona
    • 100-Meter-Lauf: 11,17 s, 23. August 2015 in Peking, Schweizer Rekord egalisiert
    • 100-Meter-Lauf: 11,17 s, 21. Juli 2015 in Bellinzona, Schweizer Rekord
    • 100-Meter-Lauf: 11,20 s, 13. August 2014 in Zürich, Schweizer Rekord
    • 100-Meter-Lauf: 11,32 s, 12. August 2014 in Zürich, Schweizer Rekord
    • 100-Meter-Lauf: 11,53 s, 22. Juli 2011 in Tallinn, Schweizer Junioren-Rekord
  • 200-Meter-Lauf: 22,26 s, 24. August 2019 in Basel, Schweizer Rekord
    • 200-Meter-Lauf: 22,64 s, 27. August 2015 in Peking, Schweizer Rekord[11] (am 17. Juli 2016 von Léa Sprunger gebrochen)
    • 200-Meter-Lauf: 22,80 s, 8. August 2015 in Zug, Schweizer Rekord
    • 200-Meter-Lauf: 22,83 s, 15. August 2014 in Zürich, Schweizer Rekord
    • 200-Meter-Lauf: 22,94 s, 14. August 2014 in Zürich, Schweizer U23-Rekord
    • 200-Meter-Lauf: 23,68 s, 22. Juli 2010 in Moncton, Schweizer Junioren-Rekord
  • 60-Meter-Lauf (Halle): 7,03 s, 17. Februar 2018 in Magglingen, Schweizer Rekord und Weltjahresbestleistung
    • 60-Meter-Lauf (Halle): 7,44 s, 21. Februar 2009 in Magglingen, Schweizer Junioren-Rekord
  • Hochsprung: 1,67 m, 30. August 2008 in Bern
  • Weitsprung: 5,50 m, 28. April 2007 in Bern

VariaBearbeiten

Mujinga Kambundji wurde zusammen mit fünf weiteren Personen als mögliche Preisträgerin der Arosa Humorschaufel 2014 nominiert, einem Jurypreis des Arosa Humor-Festivals.[12]

2015 wurde ihr der 5. Berner Kommunikationspreis zuerkannt. Die Berner Public Relations Gesellschaft BPRG zeichnete sie aus, weil sie neben ihren sportlichen Leistungen auch glaubwürdig und authentisch kommuniziere. Statt zu einer tragischen Heldin (nach dem Patzer bei dem EM-Staffelfinale 2014) wurde sie zur «Königin der Herzen» und zu einem Aushängeschild der Schweizer Leichtathletik.[13]

LiteraturBearbeiten

  • Christof Gertsch: Warte nur. Die Geschichte der schnellsten Frau der Schweiz. In: Das Magazin Nr. 26 vom 30. Juni 2018, S. 14–21 (online).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Mujinga Kambundji – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schweizer Radio und Fernsehen: Mujinga Kambundji: Die schnellste Schweizerin 3. August 2014.
  2. Eva Hirschi: Mujinga Kambundji – zu schnell für die Berner. (Memento vom 3. Juli 2014 im Internet Archive) NZZ Campus, abgerufen am 17. August 2014.
  3. Andreas Babst: Mujinga Kambundji sehnt sich nach der Superzeit. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. März 2018 (nzz.ch, abgerufen am 4. März 2018).
  4. Kambundjis Neustart mit dem «Schnellermacher». In: Tages-Anzeiger 6. April 2018 (tagesanzeiger.ch).
  5. Martin Neumann: Flash-News des Tages – Mujinga Kambundji wechselt zu Steve Fudge, Notizen, auf: leichtathletik.de, vom 4. November 2018, abgerufen 5. November 2018.
  6. Christian Brüngger.: Eklat um Kambundji. In: tagesanzeiger.ch. Abgerufen am 11. März 2016.
  7. Remo Geisser: Kambundjis Sprint ins Glück. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. Juli 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.
  8. Micha Jegge: Wichtige Erkenntnis für Kambundji. In: Berner Zeitung vom 8. März 2017.
  9. srf.ch/sport: Kambundji holt WM-Bronze! vom 2. März 2018. Abgerufen am 4. März 2018.
  10. Kambundji läuft Rekord, verpasst aber Final, vom 24. August 2015.
  11. Kambundji trotz Schweizer Rekord out, vom 27. August 2015.
  12. Nominierte für die Arosa Humorschaufel bekannt. In: Südostschweiz.ch. 5. November 2014, abgerufen am 16. November 2014.
  13. Berner Kommunikationspreis geht an Mujinga Kambundji. (PDF) In: BPRG. 11. Mai 2015, abgerufen am 14. Mai 2015.