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Russische Streitkräfte

Streitkräfte der Russischen Föderation.

Die russischen Streitkräfte – genauer[5] die Streitkräfte Russlands (russisch Вооружённые силы России) – sind offiziell als Streitkräfte der Russischen Föderation benannt (Вооружённые силы Российской Федерации, inoffizielle Abkürzung ВС РФ) und bestehen aus den drei Teilstreitkräften:

  • Landstreitkräfte (Heer) – ru. Сухопутные войска (СВ);
  • Luft-Kosmos Streitkräfte (Luft- und Weltraumkräfte) – ru. Воздушно-космические силы (ВКС) und
  • Seestreitkräfte / Seekriegsflotte (Marine) – ru. Военно-морские силы (ВМС) / Военно-морской флот (ВМФ).
Flagge Streitkräfte Russlands
Вооружённые си́лы Росси́йской Федера́ции [Woorushjonnyje sily Rossijskoj federazii]
Medium emblem of the Armed Forces of the Russian Federation (27.01.1997-present).svg
Führung
Oberbefehlshaber: Präsident Wladimir Putin
Verteidigungsminister: Armeegeneral Sergej Schojgu
Militärischer Befehlshaber: Chef des Generalstabs Armeegeneral Walerij Gerassimow
Militärische Führung: Generalstab
Sitz des Hauptquartiers: Moskau
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 1.013.628 (Stand: 2018)[1]
Reservisten: 2.572.500 (Stand: 2017)[1]
Wehrpflicht: ja
Wehrtaugliche Bevölkerung: insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 21.500.000 Männer und 28.800.000 Frauen
Wehrtauglichkeitsalter: vollendetes 18. Lebensjahr
Haushalt
Militärbudget: 69,2 Milliarden US-Dollar (2016)[2][3]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 4,7 % (2016)[4]
Geschichte
Gründung: 1992
Flagge, Vorderseite
Flagge, Rückseite

sowie den selbstständigen (strategischen) Truppengattungen (ru. Рода войск)

Die Streitkräfte der Russischen Föderation stehen in der direkter Nachfolge zu den Streitkräfte der Sowjetunion (UdSSR).[7] Sie übernahmen den zahlenmäßig größten Anteil an Personal, Waffensystemen, Ausrüstung und Institutionen und die Tradition der Sowjetarmee und der Seekriegsflotte.

Der Präsident der Russischen Föderation ist Oberster Befehlshaber der Streitkräfte Russlands (ru. Верховный Главнокомандующий Вооружённых сил).

Russland ergänzt seine Streitkräfte unter anderem durch ein Wehrpflichtsystem, unterhält Militärbasen im Ausland und das derzeit weltweit größte Kernwaffenarsenal. Russland belegte 2018 den 6. Rang unter 155 Ländern im Globalen Militarisierungsindex (GMI).[8]

Inhaltsverzeichnis

Historische RahmenbedingungenBearbeiten

Herkunft der Streitkräfte Russlands – 1991/92Bearbeiten

Infolge der Unabhängigkeitserklärungen verschiedener Sowjetrepubliken im Laufe des Jahres 1991 wurde vom 21. bis zum 25. Dezember 1991 die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR, russisch СССР) offiziell aufgelöst.

Die gesamte Struktur der sowjetischen Streitkräfte bis hin zur Zusammensetzung der einzelnen Truppen wurde zunächst nicht nach den neuen nationalen Kriterien getrennt. So unterstanden die Streitkräfte der ehemaligen UdSSR mit ihrem Militärpotenzial anfangs der Kontrolle durch die Militärbefehlshaber der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

 
Das Siegesbanner – unter anderem von der Russischen Armee bei Paraden verwendetes offizielles „Symbol des Sieges[9]

Nach diesem Zerfall der Sowjetunion unterzeichnete am 7. Mai 1992 der Präsident Russlands, Boris Jelzin ein Dekret über die Schaffung des Verteidigungsministeriums Russlands und stellte zugleich alle ehemaligen sowjetischen Streitkräfte auf dem Territorium der RSFSR unter die Kontrolle der Russischen Föderation.

Im Mai 1992 schuf Russland jedoch seine eigene Militärstruktur. Dies geschah als Antwort auf die Bildung eigener Streitkräfte in verschiedenen GUS-Staaten, im Besonderen in der Ukraine.

Das militärische Kommando der GUS blieb noch für ein weiteres Jahr aktiv, obwohl seine Macht schon stark eingeschränkt war. Im Juni 1993 wurde das Kommando abgeschafft; die meisten seiner Funktionen wurden auf die Streitkräfte Russlands übertragen. Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Tradition der Sowjetarmee und Seekriegsflotte, sondern auch das militärische Zeremoniell aus den vor-sowjetischen Perioden (z. B. Namensgebung, Gedenktage, Paradeuniformen), die dementsprechende Erziehung an den militärischen Lehranstalten und der Einfluss der orthodoxen Kirche Russlands wiederbelebt wurden.

Streitkräfte Russlands in der Verfassungskrise – 1993Bearbeiten

 
Russische Soldaten auf Schützenpanzerwagen BTR-80 im Rahmen des IFOR-Einsatzes, November 1996

Während der Jelzin-Ära (1992 bis 1999) erlebten die russischen Streitkräfte ihre bislang schwierigste Phase. Im Oktober 1993 wurden im Zuge der Verfassungskrise Teile der Streitkräfte in den Konflikt zwischen Präsident Jelzin und dem Obersten Sowjet hineingezogen. Russland befand sich am Rande eines Bürgerkrieges. Die höheren Kommandoebenen der Sicherheitsdienste und des Militärs unterstützten Jelzin. Soldaten beendeten die Krise gewaltsam, indem sie das Parlamentsgebäude belagerten und beschossen. Um den Preis von fast 200 Toten und mehreren hundert Verletzten brach der bewaffnete Widerstand gegen Jelzin zusammen. Es handelte sich um die schwersten Unruhen in Moskau seit dem Revolutionsjahr 1917.

Aufgrund „bilateraler Vereinbarungen“ verblieben seit dem Jahr 1992 Truppenkontingente der Russischen Föderation in Transnistrien und in Südossetien. In beiden Fällen stützt deren Anwesenheit die dortigen „stabilisierten De-facto-Regime“.

Sicherheitspolitische Konzepte in Russland – ab 1993Bearbeiten

Konzeptionen zur Außen- und MilitärpolitikBearbeiten

In den ersten 22 Monaten der staatlichen Existenz hat es keine eigenständige sicherheitspolitische Konzeption Russlands oder nationale Militärdoktrin gegeben. Stattdessen wurde nahezu dieselbe Doktrin wie zur Zeit des Kalten Krieges aufrechterhalten. Seit dem Anfang der 1990er-Jahre wurde jedoch eine Vielzahl solcher Konzeptionen ausgearbeitet und öffentlich diskutiert. Die beschlossenen Konzeptionen zur Außen- und Militärpolitik wie auch zur nationalen Sicherheit geben einen Einblick in das strategische Denken der russischen Führung.

Nach dem russischen Verfassungskonflikt von 1993 wurden auf dem Gebiet der Militärpolitik die Grundsätze der Militärdoktrin (vom 2. November 1993) vom Präsidenten erlassen.[10][11]

Diese Grundsätze bekannten, dass die Gefahr eines weltweiten Konfliktes nicht aufgehoben sei, aber innere und lokale Konflikte die größte Gefahr für die Aufrechterhaltung des Friedens darstelle. Die Doktrin stand dabei noch in der Tradition des Kalten Krieges.[12] So enthielt die Doktrin eine Anzahl von Gründen, die dem russischen Staat die eigene Legitimität gab, in benachbarte Länder und Republiken militärisch zu intervenieren. Das Fehlen einer klaren Vision und Linie führte in den Folgejahren zu verschiedenen Fehlannahmen. So gingen die Ersteller dieser Doktrin von den Verhältnissen vor 1987 aus, in denen die Streitkräfte der UdSSR nahezu unbegrenzt über Ressourcen verfügen konnten.

Die Militärdoktrin der Russischen Föderation durchlief in den Folgejahren weitere drei Fassungen:[13]den Entwurf vom Oktober 1999, die Erlasse vom April 2000 und vom Februar 2010 sowie zuletzt im Dezember 2014.

Die militärpolitischen Richtlinien auf dem Gebiet der militärisch-maritimen Tätigkeit Russlands wurden, kurz nach der jeweiligen Militärdoktrin, in die Form einer separaten Marinedoktrin gefasst: Als Vorläufer die Grundlagen der Politik der RF auf dem Gebiet der militärisch-maritimen Tätigkeit in der Periode bis zum Jahre 2010 (März 2000),[14] sowie die Marinedoktrin der RF (Juli 2001)[15] und die Marinedoktrin der RF (Juli 2015).[16]

Daneben wurden drei Dokumente Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation veröffentlicht, erstmals[17] im Juni 2000 (Präsident W. Putin), danach im Juli 2008 (Präsident D. Medwedjew)[18] sowie jüngst[19] im Dezember 2016 (Präsident W. Putin).

Konzeptionen zur nationalen SicherheitBearbeiten

Ein überwölbendes, staatliches strategisches Konzept, das im Interesse der nationalen Sicherheit die innen-, außen- und militärpolitischen Bereiche zusammenführt, ist in Russland wohl erst im Jahr 1996/97 entstanden. Die Konzeption der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation war im Mai 1997 vom Sicherheitsrat der RF, ohne vorherige Veröffentlichung, verabschiedet und anders als bisher „Nur für den Dienstgebrauch“ klassifiziert worden.

Erst am 17. Dezember 1997 bestätigte der Präsident der Russischen Föderation, Boris N. Jelzin (im Amt von 1991 bis 1999) die überarbeitete Konzeption,[20] also nach Unterzeichnung der Grundsatzdokumente zwischen Russland und der NATO sowie des 1997 mit der Ukraine abgeschlossenen Vertrages über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft.

Angepasst an veränderte Lagebedingungen wurde im Sicherheitsrat der RF eine weitere, gleichnamige Konzeption der nationalen Sicherheit (Oktober 1999) bestätigt.[21]

Infolge der Amtsübernahme und während Wladimir Putins erster Amtszeit als Präsident Russlands (ab dem 31. Dezember 1999) wurden daraus ein nochmals verändertes Sicherheitskonzept und eine neue Militärdoktrin abgeleitet. Hintergrund war die Absicht Putins, die Fähigkeiten der Landesverteidigung angesichts des immer größer gewordenen Abstands zur Waffentechnik und -technologie der US-Streitkräfte wiederherzustellen und das Militär zu modernisieren. Damit wollte er auch die frühere militärische Reputation wiederherstellen, die in den 1990er-Jahren verloren gegangen war.[22]

Durch Erlass des neuen Präsidenten Wladimir W. Putin trat die Konzeption der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (Januar 2000) in Kraft.[23]

Danach folgte die Militärdoktrin der Russischen Föderation (April 2000).[24]

Unter der Präsidentschaft von Dmitrij Medwedjew wurden auf vorgenannter Basis eine Konzeption der Außenpolitik der Russischen Föderation (Juli 2008)[25] veröffentlicht.

Im Folgejahr erschien das inhaltlich völlig umgestaltete nationale Sicherheitskonzept, nun betitelt als Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation bis zum Jahr 2020 (vom Mai 2009).[26]

Dieser Neufassung der Sicherheitsstrategie folgte eine veränderte Militärdoktrin der Russischen Föderation (vom Februar 2010).[27] Seit dem Jahreswechsel 2014/15 sind auch diese Militärdoktrin und ab Ende Dezember 2015 die nationale Sicherheitsstrategie durch Folgedokumente ersetzt.

Strategie der nationalen Sicherheit (2015)Bearbeiten

Den bisherigen Kulminationspunkt bildet die nationale Sicherheitsstrategie von 2015, welche die langfristigen nationalen Interessen und strategischen Prioritäten hinsichtlich der Außen-, Sicherheits- und Innenpolitik zusammenfasst. Nach öffentlichen Debatten und Beratungen in den politischen Gremien ist die Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2015)[28] durch Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir W. Putin, am 31. Dezember 2015 in Kraft getreten. Verglichen mit dem Vorgängerdokument von 2009 ist die Strategie-2015 zwar analog gegliedert, wurde jedoch inhaltlich erweitert und schlüssiger geordnet.

Das Dokument lässt erkennen, dass das aktuelle strategische Denken der herrschenden politischen Elite Russlands von einem erweiterten Sicherheitsbegriff bestimmt wird. Er umfasst neun „strategische nationale Prioritäten“. Die Landesverteidigung wird zuerst genannt.[29]

Bedrohungswahrnehmungen in RusslandBearbeiten

Bedrohungen für die nationale Sicherheit werden in Russland an Faktoren und Bedingungen gemessen, „die direkt oder indirekt eine Möglichkeit bieten, den nationalen Interessen Schaden zuzufügen.“[30]

Mit der Unterschrift Präsident Putins trat am 25. Dezember 2014 mit Erlass Nr. 805 eine veränderte Militärdoktrin der Russischen Föderation (Präzisierte Redaktion 12/2014) in Kraft, die vorgenanntes Bedrohungsverständnis widerspiegelt.

Obwohl in der Strategie-2015 die langfristigen nationalen Interessen und strategischen nationalen Prioritäten für die russische Außen-, Sicherheits- wie auch Innenpolitik zum Schutz vor inneren und äußeren Bedrohungen ausführlich benannt werden, fand der Gesamtinhalt in westlichen Medien ein geringes und geteiltes Echo. Die deutschsprachigen Medien übernahmen im Wesentlichen nur die verkürzte Aussage einer britischen Nachrichtenagentur, dass angeblich Russland in den vorgenannten neuen strategischen Dokumenten erstmals die USA sowie deren Alliierte, die NATO und die EU als Bedrohung für Russland und seine Nachbarn benannte.[31][32]

Die Militärdoktrin (12/2014) wie auch die Strategie (2015) unterscheiden zwischen militärischen Gefahren und Bedrohungen. Sie benennen keine Staaten an sich als Feind oder Bedrohung Russlands. Jedoch werden aus dem Handeln nichtstaatlicher und staatlicher Akteure neue Bedrohungen für die nationale Sicherheit abgeleitet.

Eingeschätzt wird darin, dass die USA und deren Bündnispartner die globale Dominanz anstreben und mittels politischen, ökonomischen, militärischen und informationellen Drucks eine Politik der Eindämmung Russlands betreiben. Das fände seinen Ausdruck in der Zuweisung globaler Funktionen an die NATO unter Verletzung von Völkerrechtsnormen, in dem Anwachsen des Kräftepotenzials und in der weiteren Ausdehnung der Allianz sowie in der Annäherung ihrer militärischen Infrastruktur an die russischen Grenzen. Die Stationierung von Komponenten der Raketenabwehr der USA in Europa, im Nahen Osten und in der asiatisch-pazifischen Region mindern aus russischer Sicht wesentlich die Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung der globalen und regionalen Stabilität.[33]

Auftrag für die Streitkräfte RusslandsBearbeiten

Sicherheitspolitischer RahmenBearbeiten

Die strategischen Ziele der Landesverteidigung sieht Russland in der Schaffung von Bedingungen für eine friedliche und dynamische sozial-ökonomische Entwicklung des Landes und die Gewährleistung seiner militärischen Sicherheit. Das soll im Rahmen der Realisierung der Militärpolitik auf dem Wege der strategischen Zügelung (Abschreckung) und der Verhütung militärischer Konflikte erreicht werden.[34] Russland will seine Militärpolitik darauf ausrichten, ein Wettrüsten zu unterbinden, militärischen Konflikten vorzubeugen und diese zu verhindern, die Militärorganisation sowie die Streitkräfte im Interesse der Gewährleistung der Verteidigung und Sicherheit Russlands und der Interessen ihrer Verbündeten zu entwickeln.[35]

Die Verhinderung eines nuklearen militärischen Konfliktes, ebenso wie auch eines beliebigen anderen militärischen Konfliktes, bilde für Russland den Leitsatz der Militärpolitik.[36]

Die Strategie (2015) bestimmt, dass „die Festlegungen der Strategie […] pflichtgemäß durch alle Organe der Staatsmacht und Organe der örtlichen Selbstverwaltung zu erfüllen [sind].“ Bedeutsam erscheint, dass zugleich die Militärdoktrin (12/2014) eine eindeutige staatsrechtliche Einordnung erfuhr.[37]

Militärisch-politischer StreitkräfteauftragBearbeiten

Die Russische Föderation hält laut Militärdoktrin (12/2014) den Einsatz der Streitkräfte zur Abwehr einer gegen sie und (oder) ihre Verbündeten gerichteten Aggression sowie zur Erhaltung (Wiederherstellung) des Friedens auf Beschluss des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen oder anderer Strukturen der kollektiven Sicherheit für rechtmäßig.

Ebenso rechtmäßig sei der Einsatz der Streitkräfte für die Gewährleistung des Schutzes ihrer Bürger, die sich außerhalb der Grenzen der RF aufhalten, in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Prinzipien und Normen des Völkerrechtes und den internationalen Verträgen Russlands.

Der Einsatz der Streitkräfte erfolge in Friedenszeiten auf Entschluss des Präsidenten der Russischen Föderation gemäß der in den föderalen Gesetzgebungen festgelegten Ordnung. Dabei soll sich der Streitkräfteeinsatz entschlossen, zielgerichtet und komplex auf der Grundlage der rechtzeitigen und ständigen Analyse der sich entwickelnden militärpolitischen und militärstrategischen Lage vollziehen.[38]

Führung, Leitung (Stand August 2019)Bearbeiten

Politische Führung durch den PräsidentenBearbeiten

In Friedenszeit übernimmt das Staatsoberhaupt die allgemeine politische Führung über die Streitkräfte.

Der Präsident der Russischen Föderation ist Oberster Befehlshaber der Streitkräfte Russlands (russisch Верховный Главнокомандующий Вооружённых сил).[39]

Im Falle einer Aggression gegen Russland oder bei unmittelbarer drohender Aggression verhängt der Präsident der RF den Kriegszustand für das Gesamtterritorium oder einzelne Gebiete Russlands, um Bedingungen zur Verhinderung oder Abwehr der Aggression zu schaffen. Darüber benachrichtigt er unverzüglich den Föderationsrat und die Staatsduma zur Bestätigung eines entsprechenden Erlasses.

Im Kriegszustand leitet er die Verteidigung des Staates und führt die Streitkräfte zur Abwehr der Aggression.

Zum möglichen Einsatz der Streitkräfte Russlands jenseits der Grenzen ist ein entsprechender Beschluss des Föderationsrates erforderlich.

Der Präsident Russlands ernennt, entbindet und leitet den Sicherheitsrat der RF; er ernennt und entbindet das Oberkommando der Streitkräfte.

Als Oberster Befehlshaber bestätigt der Präsident die Strategie der nationalen Sicherheit der RF[40] und die Militärdoktrin der RF,[41] die Konzeption zum Aufbau der Streitkräfte, die Mobilmachungspläne für die Streitkräfte und die Wirtschaft, den Plan der Zivilverteidigung und andere Dokumente zum militärischen Aufbau.

Das Staatsoberhaupt bestätigt auch die allgemeinen militärischen Vorschriften, die Bestimmungen über das Verteidigungsministerium und den Generalstab.

Der Präsident verfügt jährlich über die Einberufung zum Wehrdienst sowie über die Versetzung aus den Streitkräften in die Reserve entsprechend den Altersgrenzen.

Als Staatsoberhaupt unterzeichnet er internationale Verträge zur gemeinsamen Verteidigung und militärischen Zusammenarbeit.

Politische Leitung durch das VerteidigungsministeriumBearbeiten

Das Ministerium der Verteidigung der Russischen Föderation (russisch Министерство обороны Российской Федерации), kurz das Verteidigungsministerium (russisch Министерство обороны, Минобороны), ist das Führungsorgan für die Streitkräfte Russlands.

Zu den wichtigsten übertragenen Aufgaben gehören:

  • die Ausarbeitung und Realisierung der Staatspolitik auf dem Verteidigungsgebiet und deren normativ-rechtliche Umsetzung;
  • die Organisation des Einsatzes der Streitkräfte in Übereinstimmung mit dem föderalen Verfassungsrecht, dem föderalen Recht und den internationalen Verträgen Russlands;
  • die Aufrechterhaltung der erforderlichen Bereitschaft und die Realisierung des Aufbaus der Streitkräfte;
  • die Gewährleistung der sozialen Sicherheit der Militärangehörigen (Uniformträger, Zivilbeschäftigte, Reservisten) und ihrer Familienmitglieder;
  • die Ausarbeitung und Realisierung der staatlichen Politik zur internationalen militärischen Zusammenarbeit.

Das Verteidigungsministerium ist für die Versorgung der Streitkräfte, die Personalverwaltung und die allgemeine Aufrechterhaltung der Kampffähigkeit zuständig.

Das Verteidigungsministerium führt unmittelbar und über die Führungsorgane der Militärbezirke, über die territorialen Organe und die Militärkommissariate.[42]

Das Ministerium leitet der Verteidigungsminister der Russischen Föderation (russisch Министр обороны Российской Федерации) der auf Vorschlag des Ministerpräsidenten vom Präsidenten der RF ernannt und abberufen wird. Der Minister ist dem Präsidenten direkt unterstellt; jedoch in Fragen des Verfassungsrechts, der föderalen Gesetze und präsidialer Regierungserlasse – dem Ministerpräsidenten.

Der Minister trägt die persönliche Verantwortung für die Erfüllung der dem Ministerium und den Streitkräften übertragenen Aufgaben. Er verwirklicht das Prinzip der Einzelleitung. In Friedenszeiten ist der Verteidigungsminister zugleich der oberste militärische Befehlshaber.

Er arbeitet mit dem Kollegium des Ministeriums (russisch коллегия) im Bestand: der Minister, dessen Erste Stellvertreter und Stellvertreter, die Chefs der Dienste des Ministeriums und die Oberkommandierenden der Teilstreitkräfte.

Amtierender Verteidigungsminister ist der Held Russlands (russisch Герой Российской Федерации) Armeegeneral Sergej Schojgu. Traditionell handelte es sich bei den russischen (sowjetischen) Verteidigungsministern nicht um einen Zivilisten, sondern um einen hochrangigen General. Als eine Ausnahme war Sergei Iwanow von 2001 bis 2007 der erste Zivilist auf diesem Posten.

Zur geordneten Funktionserfüllung sind die Fachabteilungen im Verteidigungsministerium strukturell in Hauptverwaltungen, Verwaltungen, Departements (ministeriale Abteilungen), Abteilungen, Zentren und selbstständige Dienste (Dienstbereiche) gegliedert.

Aus diesen fachbezogenen Strukturelementen sind den Ersten Stellvertretern und den Stellvertretern des Verteidigungsministers im Zuge der Ressortbildung die nachfolgend aufgeführten, jeweiligen funktionsbezogenen Führungsorgane zugeordnet worden.[43]

Generalstab der Streitkräfte RusslandsBearbeiten

Stellung des GeneralstabesBearbeiten

Der Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation (russisch Генеральный штаб Вооружённых сил Российской Федерации) ist das zentrale Organ der Militärführung des Ministeriums und das grundlegende operative Führungsorgan der Streitkräfte.[44]

Die Tätigkeit des Generalstabes wird vom Verteidigungsminister angeleitet. Der Generalstab ist Bestandteil der Struktur des Verteidigungsministeriums.

Der Generalstab koordiniert die Tätigkeit der Grenztruppen (russisch пограничные войска), der Organe des Föderalen Sicherheitsdienstes der RF, der Truppen der Nationalgarde, der Eisenbahntruppen, der föderalen Organe für Spezialnachrichtenverbindungen und Information, der Truppen der Zivilverteidigung, der ingenieur-technischen und Militärformationen für den Straßenbau, die Dienste der Auslandsaufklärung der RF (SWR), die föderalen Organe des Staatsschutzes, die föderalen Organe der Mobilmachungsvorbereitung der Staatsorgane, den Aufbau und die Entwicklung der Streitkräfte sowie deren Einsatz.

 
Gebäude des Generalstabs in Moskau

Hauptfunktionen des GeneralstabesBearbeiten

Zu den Hauptfunktionen des Generalstabes laut Statut (2014) gehören:[45]

  • die Organisation der Führung der Streitkräfte;
  • die Gewährleistung der strategischen Planung des Einsatzes der Streitkräfte und anderen Truppen und Organe;
  • die Ausarbeitung von Vorschlägen zur staatlichen Verteidigungspolitik;
  • die Koordinierung der Handlungen der Streitkräfte mit den anderen militärischen Formationen in Friedenszeit zu Maßnahmen der strategischen Zügelung (Abschreckung);
  • Planung und Organisation der Maßnahmen zum Aufbau der Streitkräfte;
  • die Überführung der Streitkräfte auf die Organisation und den Bestand im Kriegszustand;
  • die Führung und Koordinierung der operativen und Mobilmachungsvorbereitung der Streitkräfte;
  • die Organisation und Durchführung der Maßnahmen zur strategischen (operativen) Sicherstellung der Streitkräfte (darunter der topographisch-geodätischen, navigatorisch-hydrographische, hydrometeorologischen).
  • die Organisation der Aufklärungstätigkeit im Interesse der Verteidigung und Sicherheit der Russlands;
  • die Entwicklung des Systems der Nachrichtenverbindungen und des automatisierten Führungssystems der Streitkräfte;
  • die Organisation personellen Auffüllung der Streitkräfte, der strategischen und Mobilmachungsentfaltung der Streitkräfte, anderen Truppen und Organe;
  • die Planung der Sicherstellung der Streitkräfte mit den wichtigsten Arten der Waffensysteme, Ausrüstung und materiellen Mitteln sowie deren Einführung und Reservebildung;
  • die Ausarbeitung einer einheitlichen militärtechnischen Politik;
  • die Organisation des staatlichen Geheimnisschutzes in den Streitkräften und in den ministeriellen Behörden.

Führung des GeneralstabesBearbeiten

Den Generalstab führt der Chef des Generalstabes der Streitkräfte der RF (rusisch начальник Генерального штаба Вооружённых сил Российской Федерации); er ist zugleich Erster Stellvertreter des Verteidigungsministers der RF (russisch первый заместителъ Министра обороны РФ) und vertritt den Minister bei dessen Abwesenheit.

Der Generalstabschef untersteht unmittelbar dem Verteidigungsminister; er trägt die persönliche Verantwortung für die Erfüllung der dem Generalstab übertragenen Aufgaben. Der Generalstabschef legt die Verteilung der Ressortaufgaben für die Stellvertreter des Generalstabschefs fest.

Amtierender Generalstabschef ist der Held Russlands (russisch Герой Российской Федерации) Armeegeneral Walerij Gerassimow (seit 9. November 2012).[46]

Führungsorgane des GeneralstabschefsBearbeiten

Der Generalstab (Генеральный штаб Вооружённых Сил Российской Федерации) umfasst folgende dem Generalstabschef direkt unterstellte militärische Führungsorgane (Stand August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung Operativ des Generalstabes (ru. Главное оперативное управление); Aufgabengebiet ist die Einsatz- und Operationsplanung.
  • Hauptverwaltung des Generalstabes (ru. Главное управление Гш); ehemalige Zweite Hauptverwaltung des Generalstabes (ru. Второе Главное управление); – Organ der Auslandsaufklärung und der Aufklärung der Streitkräfte.
  • Hauptverwaltung Organisation und Mobilmachung des Generalstabes (ru. Главное организационно-мобилизационное управление Гш); – Personelle Auffüllung und Mobilmachungsfragen.
  • Hauptverwaltung Nachrichten(verbindungen) der Streitkräfte (ru. Главное управление связи ВС); – Nachrichtentechnische Sicherstellung der Streitkräfte.
  • Nationales Führungszentrum zur Verteidigung der Russischen Föderation (ru. Национальный центр управления обороной Российской Федерации); – Koordinierung der Truppen, Kräfte und Organe; Organisation des Zusammenwirkens.
  • Verwaltung des Chefs der Truppen des Funkelektronischen Kampfes (ru. Управление начальника войск радиоэлектронной борьбы ВС); – Planung, Organisation und Führung des Funkelektronischen Kampfes der Streitkräfte.
  • Verwaltung Militärtopographie des Generalstabes (ru. Военно-топографическое управление Гш);– Planung, Organisation und Führung der topographisch-geodätischen und navigatorischen Sicherstellung der Streitkräfte.
  • Achte Verwaltung des Generalstabes (ru. Восьмое управление Гш); – Sicherstellung der internen Information und Kommunikation des Verteidigungsministeriums sowie des staatlichen Geheimnisschutzes und der Informationssicherheit.
  • Verwaltung Operative Ausbildung der Streitkräfte (ru. Управление оперативной подготовки ВС); – Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen der operativen Ausbildung unter Leitung des Verteidigungsministers und des Generalstabschefs.
  • Verwaltung des Generalstabes (für den Bau und die Entwicklung von unbemannten Flugkörpern).[48] (ru. Управление строительства и развития системы беспилотных летательных аппаратов Гш).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für geistiges Eigentum, militärtechnische Zusammenarbeit und Lieferexpertise für Bewaffnung und Militärtechnik. (ru. Управление интеллектуальной собственности, военно-технического сотрудничества и экспертизы поставок вооружения и военной техники Минобороны России);
  • Archivdienst der Streitkräfte der Russische Föderation (ru. Архивная служба ВС РФ).
  • Hauptverwaltung Militärpolizei des Verteidigungsministeriums (ru. Главное управление военной полиции Минобороны России).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für die Kontrolle der nuklearen und Strahlungssicherheit (ru. Управление государственного надзора за ядерной и радиационной безопасностью Минобороны России).
  • Militärorchester-Dienst der Streitkräfte der Russischen Föderation (ru. Военно-оркестровая служба ВС РФ).

Führungsorgane des Ersten Stellvertreters des VerteidigungsministersBearbeiten

Ein Erster Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. Первый заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Justiz- und Rechtsangelegenheiten sowie die Finanzkontrolle. Er koordiniert Fragen der Informationspolitik und das Zusammenwirken mit den Organen der Rechtssicherheit.

Unterstellt sind diesem Ersten Stellvertreter des Verteidigungsministers folgende militärische Führungsorgane (Stand: August 2019):[47]

  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Kontrolle und Audit der Finanzverwaltung (ru. Департамент ведомственного финансового контроля и аудита Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Information und Massenkommunikation. (ru. Департамент информации и массовых коммуникаций Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Rechtsfragen. (ru. Правовой департамент Минобороны России).
  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für Kontroll- und Inspektionstätigkeit (ru. Главное управление контрольной и надзорной деятельности МО РФ).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für militärökonomische Analyse (ru. Департамент военно-экономического анализа Министерства обороны РФ).

Führungsorgane weiterer Stellvertreter des VerteidigungsministersBearbeiten

Führungsorgane des StaatssekretärsBearbeiten

Ein Staatssekretär und Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. Статс-секратарь – заместитель Министра обороны РФ) organisiert die Gesetzgebungsangelegenheiten im Zusammenwirken mit den Kammern der Föderalen Versammlung. Er verantwortet die Sicherstellung des Kader-, Zeit- und Zivil-Personalbedarfes sowie die Finanzkontrolle. Er koordiniert Fragen der staatsbürgerlichen Arbeit mit dem Personalbestand und das System der militärischen Ausbildung. Außerdem organisiert er das Zusammenwirken mit den Streitkräften der GUS-Staaten.

Unterstellt sind diesem Staatssekretär und Stellvertreter des Verteidigungsministers folgende militärische Führungsorgane (Stand: August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für Kader (ru. Главное управление кадров Минобороны России).
  • Verwaltung der Streitkräfte für Physische Ausbildung und Sport. (ru. Управление физической подготовки и спорта ВС РФ).

Führungsorgane zur Militärpolitischen ArbeitBearbeiten

Dem Stellvertreter des Verteidigungsministers und Chef der Militärpolitischen Hauptverwaltung (ru. начальник Главного военно-политического управления Вооруженных Сил Российской Федерации) sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Militärpolitische Hauptverwaltung der Streitkräfte der RF. (ru. Главное военно-политическое управление Вооруженных Сил Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Kultur. (ru. Департамент культуры Минобороны России).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für die Arbeit mit Bürgeranliegen [Bürgerbüro des Verteidigungsministers] (ru. Управление Минобороны России по работе с обращениями граждан [общественная приёмная Министра обороны Российской Федерации]).
  • Heraldischer Dienst der Streitkräfte der RF. (ru. Военно-геральдическая служба ВС РФ).

Führungsorgane zur Materiell-technischen SicherstellungBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der materiell-technischen Sicherstellung (ru. материально-техническоe обеспечениe, МТО).

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Stab der materiell-technischen Sicherstellung der Streitkräfte der RF. (ru. Штаб материально-технического обеспечения Вооруженных Сил Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Transportsicherstellung. (ru. Департамент транспортного обеспечения Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für die Resourcenbeschaffung. (ru. Департамент ресурсного обеспечения Минобороны России). – Beschaffung von Arbeits- und Dienstleistungs- und materiellen Ressourcen, Verfahren als staatlicher Bedarfsträger.
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für die Nutzung und Gewährleistung kommunaler Dienstleistungen durch die Truppenteile und Organisationen. (ru. Департамент эксплуатационного содержания и обеспечения коммунальными услугами воинских частей и организаций Минобороны России).
  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für Kfz.- und Panzertechnische Sicherstellung. (ru. Главное автобронетанковое управление Минобороны России).
  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für Raketen und Artillerie. (ru. Главное ракетно-артиллерийское управление Минобороны России) – Organisation der Raketentechnischen und Artillerietechnischen Sicherstellung.
  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für die Eisenbahntruppen. (ru. Главное управление начальника Железнодорожных войск Минобороны России).
  • Verwaltung der Streitkräfte der RF für das Messwesen. (ru. Управление метрологии ВС РФ). – Organisation der Einheitlichkeit und Genauigkeit im militärischen Messwesen.
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für das ewige Andenken an die bei der Verteidigung des Vaterlandes Gefallenen. (ru. Управление Минобороны России по увековечению памяти погибших при защите Отечества).

Führungsorgane zur GefechtsausbildungBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der (Gefechts-) Ausbildung (ru. боевая подготовка) in den Streitkräften.

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung Gefechtsausbildung der Streitkräfte der RF. (ru. Главное управление боевой подготовки ВС РФ).
  • Flugsicherungsdienst der Streitkräfte der RF. (ru. Служба безопасности полетов авиации ВС РФ).

Führungsorgane zur Unterbringung und Medizinischen SicherstellungBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der Verwaltung des Streitkräfteeigentums und der Unterbringung der Truppen / Kräfte. Zu seinem Ressort gehören die Sicherstellung mit Wohnraum und die medizinische Sicherstellung der Streitkräfte der RF.

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Bauwesen. (ru. Департамент строительства Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Planung und Koordinierung der Umstrukturierung der Streitkräfte. (ru. Департамент планирования и координации обустройства войск (сил) Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Sicherstellung mit Wohnraum. (ru. Департамент жилищного обеспечения Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Eigentumsangelegenheiten. (ru. Департамент имущественных отношений Минобороны России)
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für staatliche Begutachtung / Zertifizierung. (ru. Государственная экспертиза Минобороны России).
  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für Militärmedizin. (ru. Главное военно-медицинское управление Минобороны России).
  • Föderale Verwaltung für das Wohnungsbauspar-System der Militärangehörigen. (ru. Федеральное управление накопительно- ипотечной системы жилищного обеспечения военнослужащих).

Führungsorgane zur Sicherstellung mit Technik und BewaffnungBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der Militärtechnischen Sicherstellung der Streitkräfte der RF mit Militär- und Spezialtechnik. Zu seinem Ressort gehören die Festlegung einer einheitlichen militärtechnischen Politik, die staatlichen Aufträge/Bestellungen sowie die Erfinder- und Rationalisierungsvorhaben.

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung der Streitkräfte der RF für Bewaffnung. (ru. Главное управление вооружения Вооруженных Сил Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für die staatliche Beschaffung des Verteidigungsbedarfs. (ru. Департамент Минобороны России по обеспечению государственного оборонного заказа).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für staatlichen Einkauf. (ru. Департамент государственных закупок Минобороны России).
  • Verwaltung der Streitkräfte der RF für Beschaffung zur Vervollkommnung der technischen Basis des Führungssystems. (ru. Управление заказов по совершенствованию технической основы системы управления ВС РФ).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für perspektive teilstreitkraftübergreifende Forschung und spezielle Projekte. (ru. Управление перспективных межвидовых исследований и специальных проектов Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für Vertragsaudit. (ru. Департамент аудита государственных контрактов Министерства обороны Российской Федерации).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums der RF für Militärvertreter. (ru. Управление военных представительств Минобороны России). – Qualitätskontrolle und Empfang der Militär- und Spezialtechnik für den Export sowie ziviler Luftfahrzeuge und Weltraumsysteme.
  • Zentrales wissenschaftliches Forschungsinstitut des Verteidigungsministeriums der RF. (ru. Центральный научно- исследовательский институт Министерства обороны Российской Федерации).
  • Zentrum des Verteidigungsministeriums der RF für spezielle Entwicklungsarbeiten. (ru. Центр специальных разработок Министерства обороны Российской Федерации). – Entwicklungsarbeiten zur Sicherheit von Kommunikations- und Informationssystemen des Verteidigungsministeriums.

Führungsorgane zur wissenschaftlichen und ForschungstätigkeitBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der wissenschaftlichen und Forschungstätigkeit auf den Gebieten der Spitzentechnologien sowie der Informations- und Robotertechnik.

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums für wissenschaftliche und Forschungstätigkeit und technologische Begleitung der Spitzentechnologien (Innovationsforschung). (ru. Главное управление научно-исследовательской деятельности и технологического сопровождения передовых технологий (инновационных исследований) Министерства обороны Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums für IT-Systeme. (ru. Департамент информационных систем Министерства обороны Российской Федерации).
  • Hauptzentrum des Verteidigungsministeriums für Forschung und Erprobung von Robotertechnik. (ru. Главный научно-исследовательский испытательный центр робототехники Министерства обороны Российской Федерации).

Führungsorgane für das Büro des VerteidigungsministersBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der administrativen Tätigkeit des ministeriellen Büros (Apparates).

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums der RF für Allgemeine Angelegenheiten. (ru. Управление делами Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums der RF für protokollarische Koordinierung. (ru. Протокольно-координационный департамент Минобороны России).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums der RF für Organisation. (ru. Организационное управление Минобороны России). – Allseitige Sicherstellung für die Dienstausübung des Ministers und der Führungskräfte.
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums der RF für Kontrolle. (ru. Контрольное управление Минобороны России). – Innenrevision und Kontrolle im Ministerium und in den nachgeordneten Bereichen.

Führungsorgane zur internationalen ZusammenarbeitBearbeiten

Ein Stellvertreter des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der internationalen militärischen Zusammenarbeit, einschließlich der Erfüllung der internationalen Verträge der Russischen Föderation und des Verteidigungsministeriums.

Diesem Stellvertreter des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums der RF für internationale militärische Zusammenarbeit. (ru. Главное управление международного военного сотрудничества Минобороны России).
  • Verwaltung des Verteidigungsministeriums für die Kontrolle der Vertragserfüllung. [Nationales Zentrum zur Verringerung der nuklearen Gefahren]. (ru. Управление Минобороны России по контролю за выполнением договоров [Национальный центр по уменьшению ядерной опасности]).

Führungsorgane zur finanzwirtschaftlichen SicherstellungBearbeiten

Ein(e) Stellvertreter(in) des Verteidigungsministers (ru. заместитель Министра обороны РФ) verantwortet die Organisation der finanzwirtschaftlichen Sicherstellung der Streitkräfte der RF.

Dieser Stellvertreterin des Verteidigungsministers sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums der RF für finanzwirtschaftliche Sicherstellung. (ru. Департамент финансового обеспечения Минобороны России).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums der RF für Finanzplanung. (ru. Департамент финансового планирования Министерства обороны Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums der RF für Sozialgarantien. (ru. Департамент социальных гарантий Министерства обороны Российской Федерации).
  • Departement (Abteilung) des Verteidigungsministeriums der RF für Finanzmonitoring des staatlichen Verteidigungsbedarfs. (ru. Департамент финансового мониторинга государственного оборонного заказа Минобороны России).
  • Abteilung der Streitkräfte der RF zur Planung der Finanzwirtschaftlichen Sicherstellung der Mobilmachungsentfaltung. (ru. Отдел планирования финансового обеспечения мобилизационного развертывания Вооруженных Сил Российской Федерации).

Führungsorgane der Dienste im VerteidigungsministeriumBearbeiten

Den Chefs der Dienste im Verteidigungsministerium (ru. начальники службы Министерство обороны РФ) sind folgende militärische Führungsorgane unterstellt (Stand: August 2019):[47]

  • Verwaltung des Chefs der Truppen des KCB-Schutzes (Kernstrahlungs-, chemischen und biologischen Schutzes; dt. ABC-Abwehrtruppen) der Streitkräfte der RF. (ru. Управление начальника войск радиационной, химической и биологической защиты ВС РФ).
  • Verwaltung des Chefs der Pioniertruppen der Streitkräfte der RF (ru. Управление начальника инженерных войск ВС РФ).

Außerdem gehören folgende Organe zur Führungsstruktur des Verteidigungsministeriums – in unbekannter Zuordnung (Stand August 2019):[47]

  • Pressesekretär (-in) des Verteidigungsministers der RF. (ru. Пресс-секретарь Министра обороны Российской Федерации).
  • Hydrometeorlogischer Dienst der Streitkräfte der RF. (ru. Гидрометеорологическая служба ВС РФ).
  • Militärwissenschaftliches Komitee der Streitkräfte der RF. (ru. Военно-научный комитет ВС РФ).

Oberkommandos der Teilstreitkräfte und Kommandos der strategischen TruppenBearbeiten

Dem Verteidigungsminister der RF sind die Oberbefehlshaber der drei Teilstreitkräfte und die Befehlshaber der selbstständigen (strategischen) Truppen direkt unterstellt, die über die folgenden funktionalen Führungsorgane verfügen:[49]

  • Oberkommando der Landstreitkräfte (des Heeres). (ru. Главное командование Сухопутных войск).
  • Oberkommando der Luft- und Kosmos-Streitkräfte. (ru. Главное командование Воздушно-космических сил).
  • Oberkommando der Seekriegsflotte (Seestreitkräfte, Marine). (ru. Главное командование Военно-Морского Флота).
  • Kommando der Strategischen Raketentruppen (Raketentruppen strategischer Bestimmung). (ru. Командование Ракетных войск стратегического назначения).
  • Kommando der Luftlandetruppen. (ru. Командование Воздушно-десантных войск).

Bestand und Struktur der Streitkräfte (Stand August 2019)Bearbeiten

Bestand der Streitkräfte RusslandsBearbeiten

Die Streitkräfte der Russischen Föderation bestehen aus den drei Teilstreitkräften

  • Landstreitkräfte (Heer) – ru. Сухопутные войска (СВ);
  • Luft-Kosmos Streitkräfte (Luft- und Weltraumkräfte) – ru. Воздушно-космические силы (ВКС) und
  • Seekriegsflotte / Seestreitkräfte (Marine) – ru. Военно-морские силы (ВМС) / Военно-морской флот (ВМФ);

sowie den selbstständigen (strategischen) Truppengattungen (ru. Рода войск)

  • Luftlandetruppen – ru. Воздушно-десантные войска (ВДВ) und
  • Strategische Raketentruppen – ru. Ракетные войска стратегического назначения (РВСН).[50]

Die Streitkräfte Russlands verfügen über weitere Spezialtruppen, die nicht zum Bestand der Teilstreitkräfte und selbstständigen Truppengattungen gehören. Dazu zählen:

  • die Eisenbahntruppen (ru. железнодорожные войска), die Rohrleitungsbautruppen (ru. трубопроводные войска), die Straßenbautruppen (ru. дорожные войска),
  • die Truppen für Informationsoperationen (ru. войска информационных операций),
  • der Medizinische Dienst (ru. медицинская служба),
  • die Materiell-technische Sicherstellung der Streitkräfte der RF (ru. Материально-техническое обеспечение Вооружённых сил, МТО);
  • der Militärtopographische Dienst (ru. топографическая служба),
  • die Truppenteile spezieller Bestimmmung (ru. части специального назначения).[51]


Landstreitkräfte RusslandsBearbeiten

Die Landstreitkräfte (ru. Сухопутные войска) sind die zahlenmäßig stärkste Teilstreitkraft und für Handlungen zu Lande / am Boden / auf dem Festland / auf kontinentalen Kriegsschauplätzen bestimmt.

Oberbefehlshaber der Landstreitkräfte ist seit Mai 2014 Armeegeneral Oleg L. Saljukow (ru. Салюков Олег Леонидович, Главнокомандующий Сухопутными войсками, генерал армии).

Die Landstreitkräfte Russlands haben folgende Waffengattungen im Bestand (Stand August 2019):[52]

  • Motorisierte Schützentruppen (ru. Мотострелковые войска, МСВ);
  • Panzertruppen (ru. Танковые войска, ТВ);
  • Raketentruppen und Artillerie (ru. Ракетные войска и артиллерия, РВиА);
  • Truppenluftabwehr (ru. Войска противовоздушной обороны Сухопутных войск, ПВО СВ);

Zu den Spezialtruppen in den Landstreitkräfte (ru. Специальные войска СВ) zählen:

  • Truppenaufklärung (ru. Разведывательные соединения и воинские части),
  • Pioniertruppen (ru. инженерные войска),
  • Truppen der (ABC-) KCB-Abwehr (ru. Войска радиационной, химической и биологической защиты, войска РХБ защиты),
  • (Fernmelde-) Nachrichtentruppen (ru. войска связи),
  • Truppen des (Eloka) Funkelektronischen Kampfes (ru. войска РЭБ),
  • Truppen des Kommandantendienstes (ru. Коммандантские войска).

Luft-Kosmos-Streitkräfte RusslandsBearbeiten

Die Luft-Kosmos-Streitkräfte (ru. Воздушно-космические силы) sind für Handlungen in der Luft / im Luftraum / im Kosmos (Weltraum) / auf kontinentalen und ozeanischen (See-) Kriegsschauplätzen bestimmt.

Sie wurden im Jahr 2015 als Teilstreitkraft in Russland aus der Zusammenführung der folgenden Kräftegattungen (ru. Родa сил) neu strukturiert (Stand August 2019):[53] . Luftstreitkräfte (ru. Военно-воздушные силы); . Truppen der Luftverteidigung und Raketenabwehr (ru. Войска противовоздушной и противоракетной обороны); . Kosmos-Truppen (ru. Космические войска).

Luftstreitkräfte RusslandsBearbeiten

Die Luftstreitkräfte Russlands haben folgende Fliegergattungen (ru. род авиации) im Bestand (Stand August 2019):[53]

  • Fernfliegerkräfte (ru. дальней авиации);
  • Frontfliegerkräfte (ru. дальней авиации);
  • Transportfliegerkräfte (ru. военно-транспортной авиации).

Außerdem gehören zum Bestand:

  • Spezialfliegerkräfte (ru. 8-я авиационная дивизия особого назначения)
  • Fliegerausbildungszentren (ru. Авиационные центры) und Offiziershochschulen (ru. Высшие военно-учебные заведения).

Die Luftstreitkräfte der Russischen Föderation gingen 1991 aus den Luftstreitkräften der Sowjetunion (UdSSR) hervor. Die zuvor als unabhängige Teilstreitkraft neben Landstreitkräften, Seekriegsflotte, Luftstreitkräften und Strategischen Raketentruppen bestehenden Truppen der Luftverteidigung das Landes (Woiska PWO/Protiwowosduschnoj oborony strany), in deren Kampfbestand sich die Masse der Abfangjäger und bodengestützten Flugabwehrsysteme befand, wurden im Jahr 1998 in die Luftstreitkräfte eingegliedert.

Im Jahr 2003 wurden die zuvor den Landstreitkräften zugeordneten Armeefliegerkräfte (Heeresflieger) dem Kommando der Luftstreitkräfte unterstellt. Nicht zu den Luftstreitkräften gehören die Marinefliegereinheiten (Awiazija Wojenno Morskowo Flota, AWMF), die sich unter dem Kommando der Marine Russlands befinden.

(Aktualität ungeprüft)

  • Kommando Fernfliegerkräfte (Командование дальней авиации, КДА) (Moskau). Das Kommando umfasst schwere Bomberkräfte und Luftbetankungsflugzeuge; Luftwaffenarmee mit zwei Luftstützpunkten (divisionsäquivalent) und vorgeschobenen Luftstützpunkten.
    • 6950. Luftstützpunkt (6950-я Авиабаза) (Engels, Gebiet Saratow),
    • 6952. Luftstützpunkt (6952-я Авиабаза) (Ukrainka, Gebiet Amur).
  • Kommando Militärtransportluftfahrt (Командование военно-транспортной авиации, КВТА) (Moskau). Das Kommando umfasst schwere Lufttransportkräfte und Luftraumüberwachungsflugzeuge;
  • Luftwaffenarmee mit einer Lufttransportdivision und einem Luftraumüberwachungsregiment.
    • 12. Lufttransportdivision (12-я ВТАД) (Twer),
    • 144. Luftraumüberwachungsregiment (144-й ап ДРЛО) (Iwanowo).

Kosmos-Truppen RusslandsBearbeiten

Die Kosmos-Truppen Russlands (Weltraum-Truppen) haben folgenden Bestand (Stand August 2019):[53]

  • 15. Armee der Luft-Kosmos-Streitkräfte, besonderer Bestimmung (ru. 15-я армия Воздушно-космических сил – особого назначения) mit
    • Hauptzentrum für Erprobung im Kosmos (ru. Главный испытательный космический центр им. Г.С. Титова),
    • Hauptzentrum zur Frühwarnung vor Raketenüberfall (ru. Главный центр предупреждения о ракетном нападении),
    • Hauptzentrum zur Lageaufklärung im Kosmos / Weltraum (ru. Главный центр разведки космической обстановки).
  • 1. Staatliches Erprobungskosmodrom des Verteidigungsministeriums „Plessezk“ (ru. 1-й Государственный испытательный космодром Министерства обороны Российской Федерации (Космодром «Плесецк»).
  • Kosmos-Militärakademie „A. F. Moshajskij“ (ru. Военно-космическая академия им. А.Ф. Можайского).

Aktualität der folgenden Angaben ungeprüft.

Die Weltraumtruppen Russlands (Kosmitscheskije woiska Rossii) bestehen aus Einheiten, Truppenteilen und Verbänden, die für die strategische Raketenabwehr, die Ausführung von Nuklearschlägen, die Aufklärung eines potentiellen Gegners und die Informationsversorgung anderer TSK und Bedarfsträger zuständig sind.[54]

Neben Russland sind Einrichtungen der russischen Weltraumtruppen auch in Aserbaidschan, Kasachstan, Tadschikistan und Weißrussland stationiert. Sie können auch die Raketenstartplätze in Baikonur, Plessezk und Swobodny nutzen.

Das Arsenal der Weltraum-Streitkräfte stellt dabei hauptsächlich die Satellitenflotte Russlands dar. Diese besteht aus mindestens 95 Satelliten; nach Quellenangaben sollte Ende 2007 eine Anzahl von 102 Satelliten erreicht werden, von denen die meisten als Spionagesatelliten militärischer Natur sind.[55] Ursprünglich war dieser Sektor ein Teil der Luftverteidigungskräfte (PWO). Erst 1992 wurde daraus ein eigenständiger Zweig und 1997 wurden sie den Strategischen Raketentruppen unterstellt. Die eigentliche Geburtsstunde als selbstständiger Teil der russischen Streitkräfte war der 1. Juni 2001.

Am 4. Oktober wird in Russland jährlich der Tag der Weltraumtruppen begangen.

Truppen der Luftverteidigung und Raketenabwehr RusslandsBearbeiten

Die Truppen der Luftverteidigung und Raketenabwehr Russlands haben folgenden Bestand (Stand August 2019):[53]

  • 1. Armee der Luftverteidigung und Raketenabwehr (LV–RA) – besonderer Bestimmung (ru. 1-я армия ПВО-ПРО – особого назначения) mit
  • 4. und 5. Luftverteidigungsdivision (ru. 4-я, 5-я дивизия противовоздушной обороны);
  • 9. Division der Raketenabwehr (ru. 9-я дивизия противоракетной обороны);
  • Militärakademie der Luft-Kosmos-Verteidigung „G. K. Shukow“ in Twer (ru. Военная академия воздушно-космической обороны им. Маршала Советского Союза Г.К.Жукова г. Тверь);
  • Offiziershochschule der Luftverteidigung der 1. Armee LV–RA in Jaroslawl (ru. Ярославское высшее военное училище противовоздушной обороны1-я армия ПВО-ПРО (особого назначения).

(Aktualität ungeprüft)

Angaben zur 1. Armee LV-RA: mit der Aufgabe, die Hauptstadt Moskau vor massiven ballistischen Angriffen zu schützen.

  • 1. Armee der Luftverteidigung und Raketenabwehr (LV–RA) (1-я армия ПВО и ПРО) (Moskau) mit
    • 4. Luftverteidigungsdivision (4-я Д ПВО) (Petrowskoje, Gebiet Moskau),
    • 5. Luftverteidigungsdivision(5-я Д ПВО) (Dolgoprudny, Gebiet Moskau),
    • 9. Raketenabwehrdivision (9-я Д ПРО) (Sofrino, Gebiet Moskau).

Seekriegsflotte RusslandsBearbeiten

Die Seekriegsflotte Russlands (ru. russisch Военно-морской флот, ВМФ), als Russlands Marine auch Seestreitkräfte (ru. Военно-морские силы) genannt, ist für Handlungen zu Wasser / zur See / auf (ozeanischen) Seekriegsschauplätzen bestimmt.

Oberbefehlshaber der Seekriegsflotte Russlands ist seit Mai 2019 Admiral Nikolaj A. Ewmenow (ru. Евменов Николай Анатольевич, Главнокомандующий Военно-Морским Флотом, адмирал).

Die Seekriegsflotte Russlands hat folgende (Waffen-, Kräfte-)Gattungen im Bestand (Stand August 2019):[56]

  • Küstentruppen (ru. Береговые войска) mit den zwei Waffengattungen
  • Überwasserkräfte (ru. Надводные силы),
  • Unterwasserkräfte (ru. Подводные силы),
  • Seefliegerkräfte (ru. Морская авиация),
  • Operative Flottenvereinigung (ru. Объединение флота) im Bestand mit

Die Marine Russlands hat nach dem Jahr 1991 den größten Teil der ehemaligen Sowjetischen Flotte übernommen.

Im Jahr 2008 operierte die russische Marine mehrmals in den Weltmeeren. So nahm sie in der Karibik an einer gemeinsamen Übung mit der venezolanischen Marine teil und passierte erstmals seit 1944 wieder den Panamakanal. Weitere Flottenbesuche fanden in Nicaragua und Kuba statt.

Die internationale Bezeichnung für ein Schiff der russischen Marine ist „RFS“-„Russian Federation Ship“ (Schiff der Russischen Föderation).

Selbstständige (strategische) TruppengattungenBearbeiten

Strategische Raketentruppen RusslandsBearbeiten

Die Strategischen Raketentruppen Russlands / Raketentruppen strategischer Bestimmung (ru. Ракетные войска стратегического назначения, РВСН [Raketnyje wojska strategitscheskowo nasnatschenija Rossijskoj Federazii]) sind die bodengestützte Hauptkomponente der Strategischen Kernwaffenkräfte Russlands. Sie sind, wie auch die seegestützte Komponente der Marine Russlands, zur nuklearen Zügelung (Abschreckung) eines möglichen Aggressors bestimmt.

Sie sind in der Lage, im Bestand der Strategischen Kernwaffenkräfte oder selbstständig massierte, Gruppen- oder Einzelschläge auf strategische Objekte zu führen. In der Bewaffnung stehen bodengestützte interkontinentale ballistische Raketen mit Kernladung.

Befehlshaber der Strategischen Raketentruppen Russlands ist seit Juni 2010 Generaloberst Sergej W. Karakajew (ru. Каракаев Сергей Викторович, Командующий Ракетными войсками стратегического назначения, Генерал-полковник).

Die Strategischen Raketentruppen Russlands haben drei Armeen und folgende Formationen in ihrem Bestand (Stand August 2019):[57]

  • drei operative Raketenvereinigungen (Raketenarmeen):
    • Wladimirer operative Raketenvereinigung (ru. Владимирское ракетное объединение) / Wiitebsker Garde-Rotbanner-Raketenarmee (ru. гвардейская ракетная Витебская Краснознамённая армия) mit Stab in Wladimir;
    • Orenburger operative Raketenvereinigung (ru. Омское ракетное объединение) / Orenburger Raketenarmee (ru. Оренбургская ракетная армия) mit Stab in Rostoschi, Gebiet Orenburg;
    • Omsker operative Raketenvereinigung (ru. Омское ракетное объединение) / Berislawa-Chinganer, zweifach mit Rotbannerorden und Suworoworden ausgezeichnete Garde-Raketenarmee (ru гвардейская ракетная Бериславско-Хинганская дважды Краснознамённая, ордена Суворова армия) mit Stab in Omsk.
  • Raketenverbände:
    • Bologojer Raketenverband (ru. Бологоевское ракетное соединение / гвардейская Краснознаменная Режицкая ракетная дивизия);
    • Barnauler Raketenverband (ru. Барнаульское ракетное соединение / ракетная Краснознаменная орденов Кутузова и Александра Невского дивизия);
    • Irkutsker Raketenverband (ru. Иркутское ракетное соединение / гвардейская ракетная Витебская ордена Ленина Краснознаменная дивизия);
    • Jopschkar-Oliner Raketenverband (ru. Йошкар-Олинское ракетное соединение / Киевско-Житомирская ордена Кутузова III степени ракетная дивизия);
    • Koseler Raketenverband (ru. Козельское ракетное соединение / гвардейская Краснознаменная дивизия);
    • Nowosibirsker Raketenverband (ru. Новосибирское ракетное соединение / гвардейская Глуховская ордена Ленина, Краснознаменная орденов Суворова, Кутузова и Б.Хмельницкого ракетная дивизия);
    • Tatischtschewоer Raketenverband (ru. Татищевское ракетное соединение / Таманская ракетная ордена Октябрьской революции Краснознаменная дивизия);
    • Tagiler Raketenverband (ru. Тагильское ракетное соединение /Тагильская ракетная дивизия);
    • Tejkowоer Raketenverband (ru. Тейковское ракетное соединение / гвардейская ракетная ордена Кутузова дивизия);
    • Ushurer Raketenverband (ru. Ужурское ракетное соединение / Краснознаменная ракетная дивизия);
    • Jurjaer Raketenverband (ru. Юрьянское ракетное соединение / Мелитопольская Краснознаменная ракетная дивизия);
    • Jasnyjer Raketenverband (ru. Ясненское ракетное соединение / Ракетная Краснознаменная дивизия).
  • Weitere militärische Einrichtungen :
    • Staatliches zentrales Mehrzweck-Polygon des Verteidigungsministeriums der RF (ru. Государственный центральный межвидовой полигон Министерства обороны Российской Федерации);
  • Schulungszentren und Technikerschulen (ru. Учебные центры и школы техников)
    • 161. Technikerschule, Gebiet Astrachan (ru. 161-я школа техников РВСН, Астраханская область);
    • 90. Regionales Mehrzweck-Schulungszentrum der Strategischen Raketentruppen, Gebiet Jaroslawl (ru. 90-й Межвидовый региональный учебный центр Ракетных войск стратегического назначения, Ярославская область).
    • Regionales Mehrzweck-Schulungszentrum der Strategischen Raketentruppen, Gebiet Pskow (ru. Межвидовой региональный учебный центр Ракетных войск стратегического назначения, Псковская область).
  • Akademische Lehreinrichtung (ru. Высшие военно-учебные заведения):
    • Militärakademie der Strategischen Raketentruppen „Peter der Große“ (ru. Военная академия Ракетных войск стратегического назначения им. Петра Великого).

Aktualität der nachfolgenden Angaben ungeprüft:

Die Strategischen Raketentruppen wurden am 24. März 2001 durch ein Dekret des russischen Präsidenten gegründet und stehen historisch gesehen in Zusammenhang mit der 1959 gegründeten Teilstreitkraft der sowjetischen Streitkräfte (in der offiziellen Rangfolge der Teilstreitkräfte der Sowjetarmee hatten die Raketentruppen nach den Landstreitkräften den zweiten Rang eingenommen). Im Juni 2001 wurden die Weltraumtruppen aus den Strategischen Raketentruppen ausgegliedert und in eine separate Unterabteilung der Gesamtstreitkräfte zusammengefasst.

  • Zentralkommandostelle in Wlassicha bei Moskau
    • 27. Raketenarmee in Wladimir mit fünf Raketendivisionen, ihr unterstellt sind 196 Raketen
    • 31. Raketenarmee in Orenburg mit zwei Raketendivisionen, 36 Raketen
    • 33. Raketenarmee in Omsk mit vier Raketendivisionen, 73 Raketen

Eine vierte, die 53. Raketenarmee in Tschita, wurde 2002 aufgelöst.

Die Mannschaftsstärke beträgt derzeit 120.000 Mann, zwei Drittel davon Militärangehörige, der Rest zivile Angestellte.

Anzahl der Systeme und Sprengköpfe[58]

 
Die Topol-M-Trägerrakete für den Tag des Sieges in Moskau. 2015 Jahr.

Luftlandetruppen RusslandsBearbeiten

Die Luftlandetruppen Russlands (ru. russisch Воздушно-десантные войска, ВДВ; [Wosduschno-Dessantnyje Wojska]) gehören zur Reserve des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte Russlands (ru. Резерв Верховного главнокомандоющего Вооружёнными силами Российской федерации, РВГК РФ). Sie wurden während des Zweiten Weltkrieges als Teilstreitkraft der sowjetischen Streitkräfte gegründet.

Sie verfügen über luftbewegliche Luftlande- und Luftsturm-Verbände und sind bestimmt für operative Luftlandungen und zur Führung von Gefechtshandlungen im Hinterland des Gegners.

Befehlshaber der Luftlandetruppen ist seit Oktober 2016 Generaloberst Andrej N. Serdjukow (ru. Сердюков Андрей Николаевич Командующий Воздушно-десантными войсками, генерал-полковник).

Die Luftlandetruppen Russlands haben folgende Waffengattungen im Bestand (Stand August 2019):[59]

  • Luftlande- und Luftsturm-Divisionen (ru. Воздушно-десантные и десантно-штурмовые дивизии):
    • 7. Rotbanner-, Suworow-, Kutusow-Orden II.-tragende Garde-Luftsturm-Division – Gebirgskampf (ru. 7-я гвардейская десантно-штурмовая (горная) Краснознаменная орденов Суворова и Кутузова 2-й степени дивизия) – Stab in Noworossijsk;
    • 76. Tschernigower Rotbanner-Orden-tragende Garde-Luftsturm-Division (ru. 76-я гвардейская десантно-штурмовая Черниговская Краснознамённая дивизия) – Stab in Pskow;
    • 98. Swirer Rotbanner-, Kutusow-Orden-II.-tragende Luftlandedivision (ru. 98-я гвардейская воздушно-десантная Свирская Краснознамённая ордена Кутузова 2-й степени дивизия) – Stab in Iwanowo;
    • 106. Tulaer Rotbanner-Orden-tragende Garde-Luftlande-Division (ru. 106-я гвардейская воздушно-десантная Тульская Краснознамённая ордена Кутузова дивизия) – Stab in Tula.
  • Luftsturmbrigaden (ru. Десантно-штурмовые бригады):
    • 11. selbstständige Garde-Luftsturm-Brigade (ru. 11-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая бригада) – Stab in Ulan-Ude;
    • 31. selbstständige Kutusow-Orden-II.-tragende Garde-Luftsturm Brigade (ru. 31-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая Ордена Кутузова 2-й степени бригада) – Stab in Uljanowsk;
    • 56. selbstständige Garde-Luftsturm-Brigade (ru. 56-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая ордена Отечественной войны бригада) – Stab in Kamyschin;
    • 83. selbstständige Garde-Luftsturm-Brigade (ru. 83-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая бригада) – Stab in Ussurijsk.
  • Truppenteil spezieller Bestimmung (ru. Воинская часть специального назначения):
    • 45. selbstständige Kutusow-, Alexander-Newski-Orden-tragende Garde-Speznas-Brigade (ru. 45-я отдельная гвардейская орденов Кутузова и Александра Невского бригада специального назначения) – Stab in Kubinka, Moskau.
  • Ausbildungseinrichtungen (ru. Образовательные учреждения):
    • Rjasaner Offizierschule für Kommandeure der Luftlandetruppen / Militärinstitut „Armeegeneral W. F. Margelow“ (ru. Рязанское высшее воздушно-десантное командное училище /военный институт имени генерала армии В.Ф. Маргелова);
    • Omsker Militärkadetten-Korps (ru. Омский кадетский военный корпус);
    • Uljanowsker Suworow-Garde-Militärschule (ru. Ульяновское гвардейское суворовское военное училище);
    • Tulaer Suworow-Militärschule (ru. Тульское суворовское военное училище);
    • 242. Schulzentrum zur Ausbildung Junger Spezialisten (ru. 242-й учебный центр (подготовки младших специалистов Воздушно-десантных войск) – in Omsk.
  • Sicherstellungstruppenteile (ru. Воинские части обеспечения):
    • 38. Garde-Brigade der Luftlandetruppen-Führung (ru. 38-я гвардейская бригада управления Воздушно-десантных войск);
    • 150. selbstständiges Instandsetzungsbataillon der Luftlandetruppen (ru. 150-й отдельный ремонтно-восстановительный батальон Воздушно-десантных войск).

Aktualität der folgenden Angaben ungeprüft:

Darüber hinaus gibt es noch eine Luftlandedivision und ein Luftlanderegiment, die jeweils direkt dem betreffenden Militärbezirk, in dem sie gerade stationiert sind, unterstehen. Neben leichter Infanteriewaffen sind die WDW auch mit Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen wie dem BMD Panzer ausgerüstet.[60]

Streitkräftegruppierungen Russlands im EinsatzBearbeiten

GUS-FriedensmissionenBearbeiten

Russland beteiligt sich an den GUS-Friedensmissionen in Tadschikistan (1993 zusammen mit kasachischen Einheiten), Südossetien und Abchasien (als einzige Beteiligte seit 1994).

Erster TschetschenienkriegBearbeiten

Die russischen Streitkräfte wurden im Ersten Tschetschenienkrieg (1994–1996) in den größten inneren Konflikt seit dem Russischen Bürgerkrieg (1918–1920) gezogen. Die Streitkräfte waren für diesen Krieg nicht vorbereitet, aufgrund der schwierigen Transformationsphase zwischen dem Ende des Kalten Krieges und der Errichtung der nationalen Streitkräfte.

Die Situation der Streitkräfte um 1994 stellte sich so dar, dass 37 Divisionen aus Mitteleuropa und dem Baltikum abgezogen wurden und 57 Divisionen an Weißrussland und die Ukraine abgegeben wurden. Weiterhin garantierten neue Bestimmungen tausenden Studenten die Befreiung vom Wehrdienst. Eine Anzahl von Divisionen wurden zu dem Zeitpunkt in unabhängige Brigaden umorganisiert oder aufgelöst. Gemäß dem Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa von 1990 wurden zudem tausende Panzer, Schützenpanzer und Artilleriewaffen abgerüstet. So waren die Einheiten der Streitkräfte weit von ihrer Sollstärke entfernt. Die Lebensbedingungen waren ebenfalls sehr schwierig und die Moral sehr niedrig.

Nach eineinhalb Jahren Krieg verhandelten die russische Zentralregierung und die tschetschenischen Rebellen einen Waffenstillstand, der den Rückzug der russischen Streitkräfte vom Territorium der Tschetschenischen Republik vorsah. Verbunden mit diesem Debakel verloren die Streitkräfte erheblich an Reputation und Rückhalt in der eigenen Bevölkerung. Die Probleme lagen vor allem in der unzureichenden Personalausstattung und dem schlechten Ausbildungsstand der Wehrpflichtigen.[61] Der Krieg wirkte negativ auf die Reformbemühungen der Streitkräfte. Erstens wurden alle Anstrengungen auf den Konflikt gelenkt, zweitens zog der Krieg in Tschetschenien zusätzliche finanzielle Aufwendungen auf eine bereits unterfinanzierte Armee nach sich, womit teure Reformvorhaben nicht möglich waren. Zudem wurde die Moral der Streitkräfteangehörigen durch den Ausgang des Konfliktes weiter untergraben.

Zweiter TschetschenienkriegBearbeiten

Nach den Vorfällen in Dagestan und den Sprengstoffanschlägen auf Wohnhäuser in Russland, bei denen 228 Zivilisten starben, erhöhte sich die Bereitschaft in der russischen Bevölkerung für einen neuen Waffengang in der abtrünnigen Republik. Nach Artillerie- und Luftschlägen auf tschetschenische Stellungen marschierte eine etwa 100.000 Mann starke russische Streitkraft im Oktober 1999 nach Tschetschenien ein. Der zweite Krieg unterschied sich erheblich vom Ersten Tschetschenienkrieg. Dieses Mal verwendeten die russischen Streitkräfte eine andere Taktik. Anstatt schlecht ausgebildete, leicht motorisierte Einheiten in den Häuserkampf zu schicken, wendeten die russischen Streitkräfte starke Artillerie- und Luftschläge an, bevor die Infanterie die zerstörten Dörfer und Städte einnahmen.[62] Bis März 2000 wurden alle größeren Besiedlungen eingenommen, einschließlich Grosny. Die Rebellen wurden in den gebirgigen Süden zurückgetrieben, aber blieben dennoch für die Guerillakriegsführung fähig, so dass sich jahrelange Attacken auf die russischen Streitkräfte anschlossen. Im Frühjahr 2001 kamen groß angelegte russische Militäroperationen zu einem Ende. Der Krieg trat damit in eine neue Phase ein, in denen die russischen Streitkräfte sich auf das Bekämpfen von Guerillaaktivitäten konzentrierten.

Der Zweite Tschetschenienkrieg ab 1999 erhöhte die Moral innerhalb der Armee. Durch den erfolgreichen Feldzug sicherte sich Präsident Wladimir Putin die russischen Streitkräfte als verlässliches Machtinstrument und in der sich anschließenden Präsidentenwahl seine eigene Machtposition. Die Streitkräfte beklagten in der Zeit vom September 1999 bis Dezember 2002, als die groß angelegten Operationen endeten, nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums 4572 gefallene und 15.549 verletzte Soldaten.[63]

Kaukasuskrieg 2008Bearbeiten

Im August 2008 wehrten Einheiten der russischen Streitkräfte im Kaukasuskrieg 2008 zusammen mit südossetischen Milizen innerhalb weniger Tage die georgische Invasion ab, die mit einem Überfall auf russische Friedenstruppen begonnen hatte. Dies war der erste Kampfeinsatz russischer Truppen außerhalb der russischen Landesgrenzen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der Kaukasuskrieg endete mit der de-facto-Unabhängigkeit Südossetiens von Georgien.

Der militärische Erfolg der russischen Streitkräfte war auf die große zahlenmäßige Überlegenheit von mindestens 3:1 zurückzuführen. Das Vorgehen der russischen Streitkräfte entsprach der Einsatzdoktrin aus der Sowjetzeit: Ein rascher und tiefer Vorstoss mit mechanisierten Verbänden um möglichst schnell eine übermächtige Konzentration aufzubauen. Der tiefe Vorstoss erfolgte sehr rasch und ohne große Feuerunterstützung oder Flankenschutz.[64]

Die angewandte Taktik, die Truppen und das verwendete Material brachte aber erhebliche Mängel zum Vorschein. Westliche Analysten bezeichneten die russischen Leistungen gar als blamabel. Laut dem russischen Generalstabschef Nikolai Jegorowitsch Makarow waren zu Beginn der Feindseligkeiten nur rund 17 % der Bodentruppen, 5 der 150 Regimenter der Luftstreitkräfte und rund die Hälfte der Kriegsschiffe kampfbereit.[64]

Während dem Krieg gab es eklatante Mängel im Bereich der Führung und den Verbindungen zu den eingesetzten Armeeeinheiten. So war es aus verschiedensten Gründen dem Generalstab in Moskau nicht möglich, mit den in Georgien eingesetzten Verbänden eine sichere Verbindung aufzubauen. Daher wurden die Verbände z. T. mittels Mobiltelefonen über Netze georgischer Telefongesellschaften befehligt. Weiter standen weder das Satellitennavigationssystem GLONASS, Unbemannte Luftfahrzeuge oder Präzisionswaffen zur Verfügung. Ebenso standen keine Satellitenbilder zur Verfügung, so dass die Russen einen Tu-22M3 Backfire zur Aufklärung über Georgien einsetzten, welcher von einer georgischen 9K37 Buk abgeschossen wurde. Da die russischen Kampfhubschrauber über kein aktuelles Freund-Feind-Erkennungssystem verfügten und weil ihr Bordfunksystem nicht interoperabel mit dem der Bodentruppen war, konnten keine Kampfhubschrauber zur Luftnahunterstützung eingesetzt werden. Außerdem konnten die russischen Kampfflugzeuge keine Nachteinsätze fliegen und verfügten nur über limitierte Fähigkeiten zur Elektronischen Kampfführung. Von den sechs während den Kriegshandlungen verloren russischen Kampfflugzeugen wurden vier von den eigenen Truppen abgeschossen. Bei knapp 75 % der eingesetzten Kampfpanzer handelte es sich um ältere Modelle wie T-62M, T-72M und T-72BM. Diese Kampfpanzer verfügten über keine moderne Reaktivpanzerung, keine Nachtsichtgeräte und waren ohne moderne Feuerkontroll- und Funksysteme ausgerüstet.[64]

Die nach sowjetischer Einsatzdoktrin operierenden russischen Verbände erlitten bei Gefechten mit nach westlichen Maßstäben trainierten und mit modernen Waffen ausgerüsteten georgischen Verbänden z. T. schwere Verluste. So wurden bei einem Gefecht nahezu alle 30 Fahrzeuge der Kommandogruppe der 58. Armee vernichtet und dabei viele der Stabsoffiziere getötet oder verwundet.[64]

Gemäß westlichen Analysen zeigte lediglich der Einsatz der Luftlande- und Logistiktruppen keine Mängel auf.[64]

Krim 2014Bearbeiten

 
Soldaten ohne Hoheitszeichen am Flughafen Simferopol am 28. Februar 2014

Eine Auszeichnung des russischen Verteidigungsministeriums nannte als Operationsbeginn den 20. Februar 2014. Sie wurde ab 25. März 2014 nicht nur an beteiligte Einheiten, sondern auch an das tschetschenische Oberhaupt Kadyrow sowie dem Gouverneur von Krasnodar, Tkatschow, und dem Chef der Nachtwölfe dafür verliehen, dass sie die Krim „bei ihrer Selbstbestimmung unterstützt“ hatten.[65]

Am gleichen 27. Februar 2014, als „Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung der Krim“ das Parlament besetzten, wurden zusätzliche russische Soldaten auf die Krim geflogen. Am 28. Februar bat das ukrainische Parlament angesichts unmarkierter Soldaten auf der Krim den UN-Sicherheitsrat um Hilfe, um die „Aggression der Russischen Föderation“ zu stoppen.[66]

Dementis und Bestätigung des offiziellen RusslandBearbeiten

Noch am 4. März behauptete Präsident Putin in einem TV-Interview, nicht russische Truppen, sondern „örtliche Selbstverteidigungskräfte“ hätten die Kontrolle auf der Krim übernommen. Ein Einsatz russischer Truppen in der Ukraine sei bisher nicht notwendig.[67] Verteidigungsminister Sergei Schoigu sprach auch noch am 5. März von einer Provokation, als ihm Bilder russischen Kriegsgerätes der „unbekannten“ Soldaten vorgehaltenen wurden. Auf ein Video angesprochen, auf dem sich Uniformierte als Russen bezeichnen, äußerte er „Das ist reiner Quatsch“,[68] und auf die Frage, woher die Panzerwagen „Tiger“ und „Luchs“ kämen, entgegnete er: „Ich habe keine Ahnung“.[69][70]

Am 16. April 2014 räumte Russlands Präsident Putin in einer Fernsehfragestunde ein, dass es sich bei den freundlichen „grünen Männchen“ um russische Truppen gehandelt hatte.[71]

UkraineBearbeiten

Neben russischen Truppenkonzentrationen und Manövern nahe der Grenze zur Ukraine als Drohkulisse waren im August Angehörige regulärer russischer Truppen als „Freiwillige auf Urlaub“ in der Ukraine getötet worden.[72][73] Den Komitees der Soldatenmütter Russlands wurden Indizien bekannt, dass Einsätze möglicherweise gegen den Willen von Soldaten durchgesetzt wurden und nicht auf freiwilliger Basis stattfanden.[74][75] Auch zwei Soldaten, welche im Mai 2015 in der Ukraine gefangen genommen worden waren, hatten angegeben, auf Befehl ihrer Einheit dort gewesen zu sein.[76]

Waffensysteme der Russischen Streitkräfte in der UkraineBearbeiten

Schon seit August 2014 waren T-72-Panzer einer von den russischen Streitkräften benutzten Version in der Ukraine gesehen worden.[77] Ebenso früh war von ausschließlich russischen Raketenwerfer-Systemen „Tornado“ die Rede, dieses System wird sogar im Memorandum zu den aus den Kampfgebieten zurückzuziehenden schweren Waffen gemäß dem Protokoll von Minsk im September 2014 erwähnt.[78] Im Mai 2015 wurde eine russische IAI-Searcher-Feuerleit-Drohne über der Ukraine abgeschossen.[79] Kurz darauf veröffentlichte Bellingcat eine (weitere) Lokalisierung eines Panzir-S1-Systems in Luhansk.[80]

UN-FriedensmissionenBearbeiten

Beteiligung Russlands 2008
Mission S MB P
MINURSO (Westsahara) 18
MINUSTAH (Haiti) 7
MONUC (Dem. Rep. Kongo) 29 4
UNIOSIL (Sierra Leone) 1
UNMEE (Äthiopien, Eritrea) 3
UNMIK (Kosovo) 1 39
UNMIL (Liberia) 3 8
UNMIN (Nepal) 8
UNMIS (Sudan) 122 13 11
UNMIT (Osttimor) 5
UNOCI (Elfenbeinküste) 11
UNOMIG (Georgien) 4 2
UNTSO (Israel, Palästina) 4
P=Polizisten MB=Militärbeobachter
S=Soldaten

Russland beteiligte sich mehrfach in kleinerem Rahmen an UN-Friedensmissionen. So an der von der NATO geführten und durch UN-Mandat legitimierten Implementation Force (IFOR) und Stabilization Force (SFOR) in Bosnien-Herzegowina und an der Kosovo Force (KFOR) im Kosovo (ehemals Serbien). Einen weiteren Einsatz bildete die im Dezember 2005 beendete United Nations Mission in Sierra Leone (UNAMSIL), an der sich Russland mit 113 Soldaten beteiligte. Darüber hinaus beteiligt sich Russland an den GUS-Friedensmissionen in Tadschikistan (1993 zusammen mit kasachischen Einheiten) und in Abchasien (seit 1994).

SyrienBearbeiten

Am 30. September 2015 gab der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums bekannt, dass Russland der Bitte der syrischen Regierung um militärische Unterstützung entsprochen habe. Russische Kampfflugzeuge bombardierten nicht nur vorrangig Stellungen des IS, sondern alle irregulären bewaffneten Kampfgruppen, welche nicht dem politischen System gemäß der syrischen Verfassung angehören.[81] Am 10. Oktober 2015 wurden als Reaktion auf die russischen Luftangriffe die Demokratischen Kräfte Syrien gegründet. Zu diesem Zusammenschluss der separaten oppositionellen Kampfgruppen der YPG/YPJ, MFS und Armee der Revolutionäre wurde ein Gründungsmanifest erstellt, das die politische Definition und die politischen Ziele beinhaltet. Die Demokratischen Kräfte Syriens wurden somit konform zur syrischen Verfassung von 2012 als politische Partei legitimiert. Am selben Tag wurde eine zu Medienzwecken verwertbare Pressekonferenz[82] abgehalten. Nach einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters lagen 80 Prozent der Ziele von russischen Luftangriffen in Nicht-IS-Gebieten.[83] Vorausgegangen war eine Verlegung von Flugzeugen, Personal und anderer Militärtechnik aus Russland auf die Luftwaffenbasis Ḫumaymīm bei Latakia und die russische Marinebasis Tartus in Syrien.[84] Am 30. September 2015 hatte der Föderationsrat, das russische Oberhaus, Präsident Putin ermächtigt, russische Truppen in Syrien einzusetzen.[85] Das Ziel des Militäreinsatzes ist die Unterstützung der syrischen Regierungstruppen, ein Einsatz von Bodentruppen wurde ausgeschlossen.[86] Die USA wurden vorab über den Angriffsbeginn informiert.[87] Die Verluste von russischen Soldaten wurden im August 2016 offiziell mit 20 angegeben, die Hauptverluste russischer Bürger in Syrien trugen jedoch Private Söldnerfirmen, erwähnt wurde die Gruppe Wagner; Russia Beyond the Headlines übersetzte einen Artikel von RBK mit: „Russia’s main losses in Syria were sustained by PMCs.“[88] Im Dezember 2016 wurde die russische Beteiligung an der Bombardierung Aleppos kritisiert[89] und unter den russischen Bombardements sollen sich mehrere befinden, welche Kriegsverbrechen darstellten.[90][91]

LibyenBearbeiten

Im Februar und März 2017 nutzten russische Spezialkräfte ägyptische Flughäfen, was mit der Unterstützung Russlands für Chalifa Haftar in Zusammenhang gebracht wurde.[92] Russland setzt sich für eine Machtbeteiligung Haftars ein.[93]

ReformenBearbeiten

 
Ein russischer Marineinfanteriesoldat während eines Manövers in Polen im Juni 2003

Nach Ende des Kalten Krieges hatten viele Staaten die Notwendigkeit ihr Militär zu reformieren. Durch den Zusammenbruch des Warschauer Paktes und der Sowjetunion, hatte sich die internationale Sicherheitsagenda erheblich gewandelt. Gleichzeitig gab es erhebliche Neuerungen im technologischen Bereich, welche die Kriegsführung veränderten.[94] Ein weiterer Anstoß für die Reformierung des Militärs in Russland boten die dramatischen gesellschaftlichen Änderungen, die sich Anfang der 1990er-Jahre in Russland vollzogen.

1995 wurde unter Jelzin eine Militärreform beschlossen, die in ihrem Kern den Übergang von der Wehrpflichtarmee mit über einer Million Soldaten zu einer Berufsarmee vorsah. In der Realität wurde aber die Verwirklichung dieser Kernaufgaben der Militärreform immer wieder aufgeschoben und bereits umgesetzte Reformschritte wieder aufgehoben. So legte Präsident Jelzin im Mai 1996 in einem Erlass fest, dass bis 2000 eine Berufsarmee zu schaffen sei. Bereits 1998 wurde dieser Termin auf 2005 verschoben. Ende 2001 verkündete Präsident Putin als neuen Termin das Jahr 2010. Auch die Zielzahlen zur Reduzierung der Personalstärke unterlagen permanenten Veränderungen. Nach ursprünglichen Plänen sollte die Sollstärke der russischen Streitkräfte, einschließlich der Zivilangestellten bis 2005 um 600.000 Stellen auf 835.000 Mann reduziert werden. Im Juni 2002 veränderte der Sicherheitsrat der Russischen Föderation den Zeitpunkt der Reduzierung auf 2010 und die Zielgröße, die nun eine Sollstärke zwischen 850.000 und 1 Million für 2010 vorsieht. Die terminlichen und zahlenmäßigen Änderungen sind neben einer Reformunwilligkeit von Teilen der Armeeführung auch den gesellschaftlichen Belastungen geschuldet, die mit einer groß angelegten Reduzierung der Streitkräfte zusammen mit der Schaffung einer Berufsarmee entstanden wären.[95]

Die bereits in den 1990er-Jahren unternommenen Strukturreformversuche hatten bis Mitte der 2000er-Jahre zu keinen substantiellen Veränderungen geführt, womit die grundlegende Erneuerung des gesamten russischen Militärwesens – von den Streitkräften und ihren Ausrüstungen bis zu den Führungsstrukturen – eine ungelöste Aufgabe geblieben war. Dies zeigte sich insbesondere bei dem tragischen Unglück der K-141 Kursk. Die Umstände und Ursachen des Unglücks sorgten in der Regierung für ein Umdenken in der Form, dass die Probleme der Armee nicht durch Erhöhung des Verteidigungsbudgets zu lösen waren.[22] Zudem führten der Umgang und die Informationspolitik der Armeebehörden mit der Katastrophe des gesunkenen U-Bootes K-141 Kursk zu Kritik aus der russischen Bevölkerung. Am Ende der ersten Amtszeit Putins waren die Fortschritte daher eher gering. Die Situation der Streitkräfte hatte sich weiter verschlechtert und die Sicherheitsproblematik blieb ungelöst.

Daher wurde 2008 eine umfassende Militärreform begonnen, die zur Reduzierung der Armee auf eine Million Soldaten führen soll. Weiterhin ist eine Reduzierung der Anzahl der Generäle (2008: 1100) geplant. Statt der Regimenter und Divisionen soll eine Brigadenstruktur eingeführt und sollen mobile Truppenteile mit ständiger Gefechtsbereitschaft aufgestellt werden. Der Dienstgrad des Praporschtschiks (de: Fähnrich) ist in der Reform nicht mehr vorgesehen. Die Planvorstellungen sind allerdings keine Neukonzeptionen, sondern lehnen sich stark an die Reformpläne unter Jelzin an.

Allgemeiner ZustandBearbeiten

  Teile dieses Artikels scheinen seit 2006 nicht mehr aktuell zu sein
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

TruppenstärkeBearbeiten

Die numerische Größe und die Budgetzuteilungen sanken Anfang der 1990er-Jahre deutlich. Von 2,8 Millionen zur Zeit der Gründung der russischen Streitkräfte im Juni 1992 sank die Truppenstärke auf unter 2 Millionen bis 1994. Zum 1. Januar 2005 betrug die Stärke der Streitkräfte rund 1.207.000 Mann, nebst 876.000 Zivilangestellten.[96] Für 2006 wird die Stärke mit 1.037.000 Mann angegeben.[97] (2006)

Entwicklung der Mannstärke der russischen Streitkräfte von 1992 bis 2003:[98]
Jahr 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003
in Millionen 2,72 2,03 1,71 1,52 1,27 1,24 1,16 1,00 1,00 0,98 0,98 0,96

Truppenstärke und Führungsstruktur 2008[99]

Truppenstärke 1.130.000
Offiziere 355.000
Generäle 1.107
Oberste 25.665
Majore 99.550
Hauptleute 90.000
Leutnante 50.000
Fähnriche 140.000
Offiziere in Führungsorganen
des Verteidigungsministeriums
und des Generalstabs
27.873
Unteroffiziere unbekannt

BudgetBearbeiten

Ein großes Problem der russischen Streitkräfte war die chronische Finanzknappheit aufgrund der anhaltenden Wirtschaftsschwäche. Der prozentuale Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt sank von 10 % zur Zeit der letzten Jahre der Sowjetunion auf rund 5 % in den ersten Jahren des neuen russischen Staates.[100] Nach dem Regierungsantritt von Präsident Putin begann dieser das Budget wieder zu erhöhen und beendete damit die Kürzungspolitik seines Vorgängers Boris Jelzin. Die Budgetsituation für die Armee war bei der Amtsübernahme Präsident Putins katastrophal. Die Verteidigungsausgaben waren von 142 Milliarden US-Dollar auf 4 Milliarden US-Dollar zurückgegangen – ein Rückgang um 98 %.[101] Die nun folgenden Budgeterhöhungen waren nicht hoch genug, um die Krise der Armee zu mindern. Trotz der Budgetzuwächse ging Putin nicht auf die Forderungen der Armeegeneräle nach noch höheren Budgets ein. Diese bezogen sich auf einen 1998 von Jelzin erlassenen Präsidentenerlass, der eine Budgetzuteilung für die Streitkräfte von 3,5 % am BSP vorsah.[102]

Entwicklung des prozentualen Anteils des Verteidigungsbudget am russischen BSP:[103]
Jahr 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006
Prozent vom BSP 2,34 2,63 2,66 2,60 2,65 2,69 2,8 2,74

Das Militärbudget vervierfachte sich von 2000 bis etwa 2006; Beobachter äußerten die Vermutung, dass die tatsächlichen Militärausgaben weit höher als offiziell angegeben waren.[104] Während dieser Zeit stieg der Ölpreis stark an und Russland hatte durch Öl- und Gasexporte weit höhere Deviseneinnahmen als in den 1990er Jahren.

Die Regierung Russlands hat angegeben, die Militärausgaben hätten im Jahr 2011 etwa 72 Milliarden US-Dollar betragen. In der Liste der höchsten Rüstungsetats belegte Russland damit Platz drei.[105] Im Jahr 2016 wurden Budgetkürzungen für alle Staatsbereiche angekündigt; Das Militär solle im Budget 2017–2019 eine Billion Rubel weniger erhalten als zuvor geplant.[2]

Innere VerfassungBearbeiten

Laut der russischen Militärstaatsanwaltschaft wurden im Jahre 2005 insgesamt 139.000 Straftaten innerhalb der Armee registriert. Darunter wurden 6000 Soldaten wegen Misshandlung durch Kameraden verletzt, 2600 Soldaten wurden für derartige Straftaten verurteilt. Im Jahr 2006 wurden 6700 Rekruten von Vorgesetzten misshandelt, 33 starben an den Folgen der Misshandlungen. Der Generalstaatsanwalt Juri Tschaika teilte mit, von den insgesamt 766 durch Unfälle und Verbrechen in der russischen Armee Gestorbenen seien einige auch bei privaten Arbeiten für ihre Vorgesetzten gestorben.[106]

Die Zahl der Suizide in der Armee erhöhte sich von 224 Soldaten im Jahr 2007 auf 231 Suizide von Militärangehörigen im Jahr 2008. Im Jahr 2011 wurden 119 Suizide registriert. Als einer der Gründe für die hohe Zahl an Suiziden galt die brutale Drangsalierung von Rekruten durch Dienstältere.[107] Diese systematische Drangsalierung wird auch Dedowschtschina (übersetzt Herrschaft der Großväter) genannt. Ältere Jahrgänge haben uneingeschränkt Macht über die nachrückenden Rekruten. Zum Beispiel konfiszieren Ältere, häufig auch Offiziere, privaten Besitz von Jüngeren. Weitere Ausprägungen sind Vermietungen zu Arbeitseinsätzen an fremde Firmen und der Zwang zur Ausübung erniedrigender Tätigkeiten. Eine offizielle Instanz, an die sich die Gepeinigten wenden könnten, gibt es (Stand 2005) in der russischen Armee nicht.[108] Einschlägige Verletzungen der Bürger- und Menschenrechte waren und sind innerhalb der russischen Streitkräfte immer noch ein bisweilen aufsehenerregendes Thema.

Ferner gab es in den 1990er Jahren immer wieder Probleme bei den Zahlungen des ohnehin geringen Soldes. Mehr als 100.000 Offiziere und Unteroffiziere hatten keine Wohnung. Diese Umstände führten dazu, dass 70 % der Armeeangehörigen damals unzufrieden mit ihren Lebensumständen waren.

Im Januar 2015 unterschrieb Präsident Putin ein Dekret, das es Ausländern zwischen 18 und 30 Jahren erlaubt, eine fünfjährige Dienstzeit in den russischen Streitkräften zu absolvieren. Das Ziel sind junge Männer aus ehemaligen Sowjetrepubliken, welche in Russland auf Arbeitssuche sind. Die Bewerber müssen ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis haben. Im selben Dekret wurde die Anerkennung von Dienstzeiten jetzt russischer Staatsbürger in den Streitkräften der Ukraine geregelt. Dies betrifft Bewohner der Krim, deren Dienstzeiten anerkannt werden, so sie die Originaldokumente vorlegen können.[109][110]

OrganisationBearbeiten

Oberkommandierender der russischen Landstreitkräfte ist seit Anfang 2010 Armeegeneral Alexander Postnikov.[111] Der Oberbefehlshaber der Strategischen Raketentruppen war zeitweilig Generaloberst Nikolai Solowzow; Generaloberst[112] Oleg Ostapenko befehligt seit Juli 2008 die russischen Weltraumtruppen.[113]

  • Dienste (Службы)
    • Flugsicherungsdienst (Служба безопасности полетов авиации ВС РФ)
    • Militär-Orchester Dienst (Военно-оркестровая служба ВС РФ)
    • Militär-Heraldischer Dienst (Военно-геральдическая служба ВС РФ)
    • Waffenhandel- und Waffentransferüberwachungsdienst (Служба по надзору за оборотом оружия в ВС РФ)
    • Hydrometeorologischer Dienst (Гидрометеорологическая служба ВС РФ)
  • Hauptkommandos (Главные командования)
    • Hauptkommando des Heeres (Главное командование Сухопутных войск)
    • Hauptkommando der Luft- und Weltraumkräfte(Главное командование Воздушно-космических сил)
    • Hauptkommando der Militärische Seekriegsflotte (Главное командование Военно-Морского Флота)
  • Kommandos (Командования)
    • Kommando der Raketentruppen Strategisches Auftrages (Командование Ракетных войск стратегического назначения)
    • Kommando der Luftlandetruppen (Командование Воздушно-десантных войск)

Dem Generalstab direkt unterstellte KräfteBearbeiten

Raketentruppen Strategischer BestimmungBearbeiten

Die Raketentruppen Strategischer Bestimmung (Ракетные войска стратегического назначения, РВСН) sind zusammen mit den strategischen U-Booten der Marine die Hauptangriffskräfte Russlands. Die Einsatzverbände sind in drei Raketenarmeen organisiert:

  • 27. Witebsker Garde-Rotbanner-Raketenarmee (27-я гвардейская ракетная Витебская Краснознамённая армия) (Wladimir)
  • 31. Raketenarmee (31-я ракетная армия) (Rostoschi, Oblast Orenburg)
  • 33. Berislaw-Hingan-, zweimal mit Rotbannerorden und Suworoworden ausgezeichnete Garde-Raketenarmee (33-я гвардейская ракетная Бериславско-Хинганская дважды Краснознамённая, ордена Суворова армия) (Omsk)

LuftlandetruppenBearbeiten

Die Luftlandetruppen (Воздушно-десантные войска, ВДВ) sind in ihrer Gesamtheit die letzte verbliebene Reserve des Obersten Kommandos (Резерв Главного Командования, РГК). Ihre Großverbände stehen außerhalb der Militärbezirkkontrolle. Ihre Divisionen und Brigaden sind in drei verschiedene Kräftetypen unterteilt: Fallschirm-Luftlande-, Luftlande-Sturm- und Luftlande-Sturm-Gebirgskampf-Truppen. Bis zum 21. Oktober 2013 waren die 11., 56. und 83. Luftlande-Sturmbrigaden gemäß Luftlandetruppen-Vorschriften organisiert, jedoch als Verbände höchster Bereitschaft und Mobilität der Militärbezirke Teil des Heeres. An diesem Tag wurden sie direkt in die Luftlandetruppen integriert.

  • 7. Garde Rotbannertragende, Suworowordentragende, Kutusowordentragende Luftlande-Sturmdivision (Gebirgskampf) (7-я гвардейская десантно-штурмовая (горная) Краснознамённая, орденов Суворова и Кутузова дивизия) (Noworossijsk)
  • 76. Tschernigower Garde Rotbannertragende Suworowordentragende Luftlande-Sturmdivision (76-я гвардейская десантно-штурмовая Черниговская Краснознамённая, ордена Суворова дивизия) (Pskow)
  • 98. Garde Swirskaja, Rotbannertragende, Kutusowordentragende, Orden namens 70-Jahre von Großen Oktober Fallschirm-Luftlandedivision (98-я гвардейская воздушно-десантная Свирская Краснознамённая, ордена Кутузова дивизия имени 70-летия Великого Октября) (Iwanowo)
  • 106. Garde Tulskaja, Rotbannertragende Fallschirm-Luftlandedivision (106-я гвардейская воздушно-десантная Тульская Краснознамённая ордена Кутузова дивизия) (Tula)
  • 11. selbstständige Garde Fallschirm-Luftlandebrigade (11-я отдельная гвардейская воздушно-десантная бригада) (Ulan-Ude)
  • 31. selbstständige Garde Luftlande-Sturmbrigade (31-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая бригада) (Uljanowsk)
  • 56. selbstständige Garde Luftlande-Sturmbrigade (56-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая бригада) (Kamyschin)
  • 83. selbstständige Garde Luftlande-Sturmbrigade (83-я отдельная гвардейская десантно-штурмовая бригада) (Ussurijsk)
  • 45. selbstständige Garde Spetznasbrigade (45-я отдельная гвардейская бригада специального назначения) (Кубинка, Москва)

SpezialeinsatzkräfteBearbeiten

Die Spezialeinsatzkräfte (Силы специальных операций) sind im Jahr 2009 als eine hochwertige Spezialeinsatzangriffskomponente formiert, damit sich die Speznasbrigaden der GRU wieder auf ihre Hauptaufgaben als Aufklärungskomponente konzentrieren können. Das Kommando ist ungefähr das russische Äquivalent zum US-amerikanischen JSOC.

Luft- und WeltraumkräfteBearbeiten

Die taktischen Kräfte der Luft- und Weltraumkräfte sind durch die Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmeen den Militärbezirken unterstellt. Es gibt aber auch LWK-Truppen, die dem Generalstab direkt unterstellt sind:

  • Kommando Fernfliegerkräfte (Командование дальней авиации, КДА) (Moskau). Das Kommando umfasst schwere Bomberkräfte und Luftbetankungsflugzeuge; Luftwaffenarmee mit zwei Luftstützpunkten (divisionsäquivalent) und vorgeschobenen Luftstützpunkten.
    • 6950. Luftstützpunkt (6950-я Авиабаза) (Engels, Oblast Saratow)
    • 6952. Luftstützpunkt (6952-я Авиабаза) (Ukrainka, Oblast Amur)
  • Kommando Militärtransportluftfahrt (Командование военно-транспортной авиации, КВТА) (Moskau). Das Kommando umfasst schwere Lufttransportkräfte und Luftraumüberwachungsflugzeuge; Luftwaffenarmee mit einer Lufttransportdivision und einem Luftraumüberwachungsregiment.
    • 12. Lufttransportdivision (12-я ВТАД) (Twer)
    • 144. Luftraumüberwachungsregiment (144-й ап ДРЛО) (Iwanowo)
  • Flug- und Raketenabwehrtruppen (Войска противовоздушной и противоракетной обороны). In einer Armee organisiert, mit der Aufgabe, die Hauptstadt Moskau vor massiven ballistischen Angriffen zu schützen.
    • 1. Flug- und Raketenabwehrarmee (1-я армия ПВО и ПРО) (Moskau)
      • 4. Luftabwehrdivision (4-я Д ПВО) (Petrowskoje, Oblast Moskau)
      • 5. Luftabwehrdivision(5-я Д ПВО) (Dolgoprudny, Oblast Moskau)
      • 9. Raketenabwehrdivision (9-я Д ПРО) (Sofrino, Oblast Moskau)
  • Weltraumtruppen (Космические войска). Die Weltraumtruppen haben die Aufgaben, die russischen Militärsatelliten zu bedienen und vor massiven ballistischen Angriffen zu warnen. Sie sind auch in einer Armee organisiert, jedoch ohne Divisionen, Brigaden und Regimenter, sondern mit hochspezialisierten Einrichtungen.
    • 15. Armee der Luft- und Weltraumkräfte (besonderer Bestimmung) (15-я армия Воздушно-космических сил (особого назначения)) (Moskau)

MilitärbezirkeBearbeiten

 
Russland ist in 5 Militärbezirke aufgeteilt

Die konventionellen Kräfte des Heeres, der Luftstreitkräfte und der Marine sind in fünf Militärbezirke (Vereinigte Strategische Kommandos) organisiert: Die vier Militärbezirke sind im Laufe der Militärreform am 21. Oktober 2010 neu entstanden. Zuerst wurden sie als:

  • Vereinigtes Strategisches Kommando West mit Stab in Moskau
  • Vereinigtes Strategisches Kommando Süd mit Stab in Rostow am Don
  • Vereinigtes Strategisches Kommando Mitte mit Stab in Jekaterinburg
  • Vereinigtes Strategisches Kommando Ost mit Stab in Chabarowsk

formiert. Später wurden sie mehr traditionell in Militärbezirke umbenannt:

  • Westlicher Militärbezirk mit Stab in Sankt Peterburg
  • Südlicher Militärbezirk mit Stab in Rostow am Don
  • Zentraler Militärbezirk mit Stab in Jekaterinburg
  • Östlicher Militärbezirk mit Stab in Chabarowsk

Am 1. Dezember 2014 wurde auf Basis der Nordflotte ein fünftes:

  • Vereinigtes Strategisches Kommando Nord mit Stab in Seweromorsk

formiert. Es ist im Aufbau begriffen und soll bis 2020 vollständig in Operation sein. Wenn seine Führungsorgane und Kampf- und Unterstützungsverbände völlig einsatzbereit sind, wird es zum Nördlicher Militärbezirk umbenannt. Bis dahin werden die Gebiete östlich des Ural von den Militärbezirken Mitte und Ost unterstützt.

Konventionelle Kräfte

  • Westlicher Militärbezirk (Западный военный округ, Stab in Sankt Peterburg, Bundesstadt Sankt Peterburg)
    • Heer
      • 1. Garde- Rotbannertragende Panzerarmee (1-я гвардейская танковая Краснознамённая армия, Stab in Odintzowo, Moskau Oblast)
      • 6. Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (6-я общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Sankt Peterburg, Bundesstadt Sankt Peterburg)
      • 20. Garde- Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (20-я гвардейская общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Woronesch, Woronesch oblast)
    • Luftstreitkräfte
      • 6. Leningradskaja Rotbannertragende Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmee (6-я Ленинградская Краснознамённая армия ВВС и ПВО, Stab in Woronesch, Woronesch oblast)
    • Marine
      • Zweimal Rotbannertragende Baltische Flotte (Дважды Краснознамённый Балтиийский флот, Stab in Kaliningrad, Kaliningrad Oblast)
  • Südlicher Militärbezirk (Южный военный округ, Stab in Rostow am Don, Rostow Oblast)
    • Heer
      • 8. Garde- Leninordentragende Armee verbundenen Waffen (8-я гвардейская общевойсковая ордена Ленина армия, Stab in Nowotscherkassk, Rostow Oblast)
      • 49. Armee verbundenen Waffen (49-я общевойсковая армия, Stab in Stawropol, Stawropolski Kraj)
      • 58. Armee verbundenen Waffen (58-я общевойсковая армия, Stab in Wladikawkas, Republik Nord Ossetien — Alanien)
    • Luftstreitkräfte
      • 4. Rotbannertragende Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmee (4-я Краснознамённая армия ВВС и ПВО, Stab in Rostow am Don, Rostow Oblast)
    • Marine
      • Rotbannertragende Schwarzmeerflotte (Краснознамённый Черноморский флот, Stab in Sewastopol, Bundesstadt Sewastopol)
      • Rotbannertragende Kaspische Flottille (Краснознамённая Каспийская флотилия, Stab in Astrachan, Astrachan Oblast)
  • Zentraler Militärbezirk (Центральный военный округ, Stab in Jekaterinburg, Swerdlowsk Oblast)
    • Heer
      • 2. Garde- Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (2-я гвардейская общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Samara, Samara Oblast)
      • 41. Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (41-я общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Nowosibirsk, Nowosibirsk Oblast)
    • Luftstreitkräfte
    • 14. Rotbannertragende Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmee (14-я Краснознамённая армия ВВС и ПВО, Stab in Jekaterinburg, Swerdlowsk Oblast)
  • Östlicher Militärbezirk (Восточный военный округ, Stab in Chabarowsk, Chabarowsk krai)
    • Heer
      • 5. Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (5-я общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Ussurijsk, Ussurijsk Oblast)
      • 29. Armee verbundenen Waffen (29-я общевойсковая армия, Stab in Tschita, Tschita Oblast)
      • 35. Rotbannertragende Armee verbundenen Waffen (35-я общевойсковая Краснознамённая армия, Stab in Belogorsk, Amur Oblast)
      • 36. Armee verbundenen Waffen (36-я общевойсковая армия) (Ulan-Ude, Republik Burjatien)
      • 68. Armeekorps (68-й армейский корпус, Stab in Juschno-Sachalinsk, Sachalinsk Oblast)
    • Luftstreitkräfte
      • 11. Rotbannertragende Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmee (11-я Краснознамённая армия ВВС и ПВО, Stab in Chabarowsk, Chabarowsk krai)
    • Marine
      • Pazifische Flotte (Тихоокеанский флот, Stab in Wladiwostok, Primorskij Kraj)
  • Vereinigtes Strategisches Kommando Nord (Объединённое стратегическое командование «Север», Stab in Seweromorsk, Murmansk Oblast)
    • Heer
      • 14. Armeekorps (14-й армейский корпус, Stab in Murmansk, Murmansk Oblast)
    • Luftstreitkräfte
      • 45. Luftwaffen- und Luftverteidigungsarmee (45-я Армия ВВС и ПВО, Stab in Chabarowsk, Chabarowsk krai)
    • Marine
      • Rotbannertragende Nordflotte (Краснознамённый Северный флот, Stab in Seweromorsk, Murmansk Oblast)

TeilstreitkräfteBearbeiten

LandstreitkräfteBearbeiten

Die russischen Landstreitkräfte bestehen aus Bodenkampfeinheiten (motorisierte Schützen, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Transporter und Luftabwehreinheiten) und Hubschraubern, da die gesamte Heeres-Luftwaffe kürzlich in die Zuständigkeit der russischen Luftwaffe übergeben wurde.[114]

Oberbefehlshaber ist seit Januar 2010 Generaloberst Alexander Postnikow.

LuftstreitkräfteBearbeiten

Die Luftstreitkräfte der Russischen Föderation gingen 1991 aus den Luftstreitkräften der Sowjetunion hervor. Die zuvor als unabhängige Teilstreitkraft neben Armee, Flotte, Luftwaffe und Raketentruppen bestehenden Luftverteidigungsstreitkräfte (Woiska PWO/Protiwowosduschnaja oborona), in deren Inventar sich die Masse der Abfangjäger und bodengestützten Flugabwehrsysteme befand, wurde 1998 in die Luftstreitkräfte eingegliedert. Im Jahr 2003 wurden die zuvor den Landstreitkräften zugeordneten Heeresfliegereinheiten dem Kommando der Luftstreitkräfte unterstellt. Nicht zu den Luftstreitkräften gehören die Marinefliegereinheiten (Awiazija Wojenno Morskowo Flota, AWMF), die sich unter dem Kommando der russischen Marine befinden.

Die russischen Luftstreitkräfte verfügen derzeit über eine Gesamtstärke von etwa 185.000 Mann.

Oberbefehlshaber ist seit Mai 2007 Generaloberst Alexander Nikolajewitsch Selin.

SeekriegsflotteBearbeiten

Die russische Marine (russisch Военно-Морской Флот (ВМФ)/ Transkription Wojenno-Morskoi Flot (WMF) – wörtlich: Kriegs-See-Flotte) ist die Seestreitkraft der russischen Streitkräfte seit 1991. Die internationale Bezeichnung für ein Schiff der russischen Marine ist „RFS“-„Russian Federation Ship“ (Schiff der Russischen Föderation).

Die russische Marine hat den größten Teil der ehemaligen Sowjetischen Flotte übernommen und setzt sich aus den folgenden Flotten zusammen:

Dazu kommen noch die Einheiten der Marineinfanterie und die Küstenartillerie. Oberbefehlshaber ist seit Mai 2012 Admiral[112] Wiktor Wiktorowitsch Tschirkow. 2008 operierte die russische Marine mehrmals in den Weltmeeren. So nahm sie in der Karibik an einer gemeinsamen Übung mit der venezolanischen Marine teil und passierte erstmals seit 1944 wieder den Panamakanal. Weitere Flottenbesuche fanden in Nicaragua und Kuba statt.

LuftlandetruppenBearbeiten

Die russischen Luftlandetruppen oder WDW (Wosduschno-Dessantnyje Woiska russisch Воздушно-десантные войска = ВДВ, englisch VDV) sind eine während des Zweiten Weltkrieges gegründete Teilstreitkraft der russischen Streitkräfte.

Sie umfassen vier Divisionen, eine Brigade und ein Ausbildungszentrum in der Größe einer Brigade.[115]

Darüber hinaus gibt es noch eine Luftlandedivision und ein Luftlanderegiment, die jeweils direkt dem betreffenden Militärbezirk, in dem sie gerade stationiert sind, unterstehen. Neben leichter Infanteriewaffen sind die WDW auch mit Artillerie und gepanzerten Fahrzeugen wie dem BMD Panzer ausgerüstet.[116]

Seit dem 19. November 2007 werden sie von Generalleutnant Waleri Jewgenjewitsch Ewtuchowitsch geführt.

Strategische Raketentruppen (RWSN)Bearbeiten

Die RWSN (Raketnyje woiska strategitscheskowo nasnatschenija Rossijskoi Federazii) wurden am 24. März 2001 durch ein Dekret des russischen Präsidenten gegründet und stehen historisch gesehen in Zusammenhang mit der 1959 gegründeten Teilstreitkraft der sowjetischen Streitkräfte (in der offiziellen Rangfolge der Teilstreitkräfte der Sowjetarmee hatten die Raketentruppen nach den Landstreitkräften den zweiten Rang eingenommen). Im Juni 2001 wurden die Weltraumtruppen aus den Strategischen Raketentruppen ausgegliedert und in eine separate Unterabteilung der Gesamtstreitkräfte zusammengefasst.

Gliederung
  • Zentralkommandostelle in Wlassicha bei Moskau
    • 27. Raketenarmee in Wladimir mit fünf Raketendivisionen, ihr unterstellt sind 196 Raketen
    • 31. Raketenarmee in Orenburg mit zwei Raketendivisionen, 36 Raketen
    • 33. Raketenarmee in Omsk mit vier Raketendivisionen, 73 Raketen

Eine vierte, die 53. Raketenarmee in Tschita, wurde 2002 aufgelöst.

Die Mannschaftsstärke beträgt derzeit 120.000 Mann, zwei Drittel davon Militärangehörige, der Rest zivile Angestellte. Befehlshaber der RWSN ist seit Juni 2010 Generaloberst[112] Sergej Karakajew.

Anzahl der Systeme und Sprengköpfe[117]
 
Die Topol-M-Trägerrakete für den Tag des Sieges in Moskau. 2015 Jahr.


Rekrutierung und AusbildungBearbeiten

WehrpflichtBearbeiten

In Russland gilt gesetzlich eine allgemeine Wehrpflicht. Die Dienstdauer beträgt gegenwärtig 12 Monate, abzuleisten von wehrfähigen Männern zwischen 18 und 27 Jahren. Mit Gesetz vom 11. Februar 1993 war die aus der Sowjetzeit überkommene Dienstzeit von 24 Monaten auf 18 Monate reduziert worden, in der Marine betrug sie jedoch weiterhin 24 Monate. Am 9. Mai 1996 wurde die Dienstzeit für Wehrpflichtige in allen Truppenteilen wieder auf 24 Monate erhöht. Für Wehrpflichtige mit Hochschulbildung betrug sie 12 Monate.[118][119] 2007 war sie generell von 24 auf 18, 2008 dann auf 12 Monate verkürzt worden. Westliche Schätzungen gehen dahin, dass gegenwärtig ein Drittel der Angehörigen eines Rekrutenjahrgangs den Wehrdienst ableisten muss. Heute besteht noch knapp die Hälfte des Personalbestands der Streitkräfte aus Wehrpflichtigen. Früher wurden wehrpflichtige Soldaten (fast ausschließlich Heeresangehörige) auch in internen Kriegseinsätzen verwendet. So starben tausende von meist schlecht ausgebildeten und ineffektiv eingesetzten russischen Wehrpflichtigen in den beiden Tschetschenienkriegen. Wohl auch aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung – so auch das mittlerweile (Stand Januar 2017) als „gemeinnützige Organisation in der Funktion ausländischer Agenten“ eingestufte Soldatenmütter-Komitee – schickt die russische Armeeführung heute in Kriegs- und Krisengebiete wie den Kaukasus nur noch Berufs- und Zeitsoldaten. Wegen oft unerträglicher Dienstbedingungen für Rekruten steht die Wehrpflicht aber nach wie vor in der Kritik. Soweit möglich, sucht der Bürger die Einberufung zu umgehen, auch durch Korruption.

Die nachstehende Tabelle zeigt die gerundete Anzahl der aufgrund der Wehrpflicht einberufenen Rekruten in den jeweiligen Einberufungsjahrgängen:

Jahrgang Frühjahr Herbst Gesamtzahl
2003 175.050 175.806 350.856
2004 166.050 176.393 342.443
2005 157.700 140.900 298.600
2006 124.550 123.310 247.860
2007 133.500 132.500 266.000
2008 133.200 219.000 352.200
2009 305.560 271.020 576.580
2010 270.600 278.821 549.421
2011 218.720 135.850 354.570
2012 155.570 140.140 295.710
2013 153.200 150.030 303.230
2014 154.000 154.100 308.100

KadettenschulenBearbeiten

Die Tradition militärischer Jugendlehranstalten reicht bis zur Zeit Kaiser Peters I. zurück. In der Sowjetzeit teilweise aufgelöst, wurde nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die historische Tradition der zaristischen Kadettenanstalten und militärischer Gymnasien wiederbelebt. Im heutigen Russland gibt es nur noch wenige Traditionsanstalten wie die Kadettenanstalt von Omsk oder die Zweite Moskauer Kadettenanstalt.

Die Anstalten selbst setzen unterschiedlichste Ziele, Anforderungen und Möglichkeiten. Während einige nicht viel mehr als allgemeine Schulen mit militärischem oder militärnahem Hintergrund sind, bieten andere Eliteanstalten harte Aufnahmeprüfungen mit Möglichkeiten zu einer Offizierskarriere nach erfolgreichem Abschluss. Es gibt halb selbstständige Anstalten wie das Suworowskoje oder Nachimowskoje, daneben gibt es aber auch solche Anstalten, die dem Verteidigungsministerium, dem Innenministerium oder dem FSB angehören.[120]

Nach einer mehrjährigen Ausbildung gibt es für die Absolventen die Möglichkeit, ohne Eintrittsexamen in die höheren militärischen Lehranstalten einzutreten. Sie besitzen auch die Qualifikation, mit Eintrittsexamen in beliebige Hochschulen nichtmilitärischer Richtung aufgenommen zu werden.[121] Es gibt auch die Tradition, eine bedeutende Quote an Kindern aus schwierigen Lebensverhältnissen, wie Kinder schwerbehinderter Eltern oder aus Waisenhäusern, aufzunehmen.

Ausrüstung und militärische AnlagenBearbeiten

 
T-14-Kampfpanzer auf dem Roten Platz

Durch die Umbruchphase in den 1990er-Jahren verbunden mit einem dramatischen Einbruch der Wirtschaft und der Staatseinnahmen, erhielt die Armee kaum neue Ausrüstung. Daher befinden sich viele der Geräte, Schiffe, U-Boote, Flug- und Fahrzeuge in einem schlechten Zustand. Im Jahr 2000 waren über ein Drittel der wichtigsten Waffensysteme und der militärischen Ausrüstung, bei Kampfflugzeugen und Panzern weniger als die Hälfte und bei Hubschraubern sogar etwa 80 Prozent nicht einsatzfähig.[122] Zurzeit befinden sich nach wie vor mehr als 20.000[123] Kampfpanzer im Dienst. Von dieser großen Anzahl an Panzern befindet sich aber nur ein Teil, nämlich etwas mehr als 6000 Panzer im aktiven Dienst, während der Rest in Depots lagert.[124] Der T-90 ist der derzeit modernste im Dienst befindliche russische Kampfpanzer. Russland besitzt circa 241 T-90 und rund ein Dutzend T-90A-Panzer. Letzterer wird für die russische Armee in geringen Stückzahlen produziert.

Auch die Luftwaffe wird mit modernisierten Abfangjägern MiG-31BM, Su-27SM, neuen Jagdbombern Su-34 und modernisierten Erdkampfflugzeugen Su-25SM ausgerüstet. Die Zuführung an neuem Fluggerät kann allerdings nicht Schritt halten mit dem altersbedingten Ausscheiden von Fluggeräten, so dass die Gesamtzahl an Fluggeräten durch Außerdienststellung und Abstürze weiter abnimmt. So seien etwa ein Drittel der ungefähr 200 Maschinen starken Mig 29 Flotte im Jahr 2009 nicht mehr flug- und einsatzfähig.[125] Erhebliche Beträge werden in die Modernisierung der Atomwaffen investiert. So sollen neue Raketen-Schachtstartanlagen und mobile Raketenkomplexe Topol-M in Dienst gestellt werden. 2008 erhielten die russischen Streitkräfte 17 Interkontinentalraketen, 4 Iskander-Systeme, 52 T-90-Panzer, 210 Transportpanzer, 41 BMP-3-Schützenpanzer, 34 Raketen für die S-400-Luftverteidigungssysteme und 4500 Fahrzeuge.[126]

Individuelle Ausrüstung der InfanteristenBearbeiten

 
Russische Soldaten mit Ausrüstung

Die aktuelle Standardausrüstung eines russischen motorisierten Schützen trägt die Bezeichnung „Barmiza“ und besteht aus der kugelsicheren Weste 6B12 „Sabralo“, die einen direkten Treffer aus einer AK-74 ab einer Entfernung von mehr als zehn Metern abfangen soll[127][128], dem Helm 6B6 „Borit-M“, einem Wasseraufbereitungsfilter und Vorrichtungen zur individuellen Feldbeobachtung, sowie Kommunikations- und lebenserhaltende Einrichtungen.

Als Waffe wird neben der AK-74 auch der Nachfolger AN-94 geführt oder auch die AK-74u, die als leichte Sturmwaffe gedacht ist.[129] Als Nachfolgermodell wird jedoch bereits das verbesserte System Ratnik eingeführt. Es bietet dem Soldaten mehr Schutz und verfügt über moderne Kommunikationsgeräte sowie eine Anbindung an das Navigationssystem GLONASS.

Gepanzerte FahrzeugeBearbeiten

Seit dem Zerfall der Sowjetunion und etwa bis zum Zweiten Tschetschenienkrieg bestand ein Drittel der russischen Panzertruppen aus veralteten T-55 und T-62, die nach und nach ausgemustert wurden. Der Zulauf des T-80UM, die Modernisierung älterer T-80U und die Indienststellung des T-90 sind angelaufen und werden je nach Finanzlage beschleunigt. So befinden sich mittlerweile etwa 334 T-90A im Dienst. Wurden 2007 31 T-90 in den aktiven Dienst gestellt, erhöhte sich die Zahl auf 62 T-90 im Jahr 2008.[130] Dazu kommt noch etwa dieselbe Anzahl auf das Niveau des T-90 aufgerüsteter T-72. Jedoch stellt auch der T-90 nur eine Zwischenlösung dar, die Produktion wurde bereits wieder gestoppt. Der zukünftige Hauptkampfpanzer der russischen Streitkräfte wird der T-14, eine Version der Plattform Armata sein. Dieses vollständig neuentwickelte Fahrzeug soll ab 2017 in Serienproduktion gehen.

LuftfahrzeugeBearbeiten

In den Jahren des Verfalls bis etwa 2002 war die Luftwaffe der Zweig der Streitkräfte, der am stärksten gelitten hat, was im Zweiten Weltkrieg nicht der Fall war. Die meisten Projekte wurden eingestellt, die Piloten und die Flugzeuge blieben am Boden, da kein Kraftstoff für Flugübungen vorhanden war.

Mittlerweile sieht die Lage wieder anders aus, wobei die aktuelle Strategie weniger auf das Herstellen eines Flugzeuges der Fünften Generation (Suchoi Su-57) zielt, sondern auf das Maximieren von Fähigkeiten der Flugzeuge aus der Vierten Generation. So werden viele Flugzeuge entsprechend nachgerüstet und verbessert. Die Entwicklung eines Flugzeuges der Fünften Generation ist jedoch ebenfalls in Arbeit. Der erste Prototyp ist bereits 2010 geflogen, und wie die Gegenstücke der Fünften Generation besitzt dieser Stealth-Eigenschaften. Daneben wird die Entwicklung einer modernen Hubschrauberflotte vorangetrieben.

Die immer noch brauchbaren, aber in die Jahre kommenden Mil Mi-24 sollen durch Mil Mi-35M, Mi-28N und Kamow Ka-52 ersetzt oder ergänzt werden. So sollen bis zum Jahre 2015 300 Mi-28 in Dienst gestellt werden (50 bis 2010).[131] Dabei wird der Mi-28N vermutlich die Rolle des Hauptkampfhubschraubers übernehmen und der Ka-52 den Sondereinheiten vorbehalten sein.

SchiffeBearbeiten

 
Russland verfügt über elf Zerstörer der Udaloy-Klasse

Nach den Wirren und der katastrophalen Lage der 1990er-Jahre befindet sich die Flotte gerade in einer großangelegten Modernisierungphase. Dabei sollen bis zum Jahr 2015 etwa 45 % der Ausrüstung ersetzt werden.[132] 25 % der den Streitkräften zur Verfügung gestellten Summe sollen explizit in die Modernisierung der Flotte fließen.[133]

Schon die Sowjetische Marine maß Flugzeugträgern vergleichsweise geringe Bedeutung bei. Das kann hauptsächlich daran liegen, dass in der großen maritimen Aufrüstungsphase der 1960er- und 1970er-Jahre die sowjetische Führung zu der Meinung gelangt war, die Flugzeugträger seien an ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis gemessen zu verwundbar, als dass sich eine Aufholjagd auf die in diesem Bereich weitaus erfahreneren USA lohnen würde. Deswegen besitzt Russland nur noch einen von lediglich zwei Flugzeugträgern der Roten Flotte – die Admiral Kusnezow. Die meisten anderen flugzeug- bzw. hubschraubertragenden Schiffe wurden entweder verkauft oder verschrottet.[134] Neuanschaffungen sind erst nach 2015 geplant. Dagegen befindet sich eine größere Zahl strategischer und konventioneller U-Boote im Bau bzw. ist bereits im Einsatz (Stand: Januar 2017). Außerdem durchlaufen viele Schiffe größere Modernisierungsmaßnahmen.

RaketenBearbeiten

Aktuell ist nach mehreren erfolgreichen Testabschüssen die Umrüstung von alten SS-18 und SS-19 auf die entwickelte R-24 (SS-X-29) geplant.[135][136][137]

Militäranlagen im AuslandBearbeiten

Sowjetische Marinebasen gab es in Ägypten (Port Said, 1967–1972; Alexandria; Marsa Matruh), der DDR (Rostock), Polen (Swinemünde), Finnland (Porkkala, 1944–1956), Kuba (Cienfuegos), Somalia (Berbera, 1964–1978), Jemen (al-Hudaida) und Eritrea (Norka, eine der Inseln im Dahlak-Archipel, 1977–1991).

Wichtigste Stützpunkte für die Anwesenheit der sowjetischen Seekriegsflotte im Indischen Ozean und im Persischen Golf waren Cam Ranh (Vietnam, Provinz Khánh Hòa, mit der Provinzhauptstadt Nha Trang; 1979–2002) am Südchinesischen Meer sowie Tartus und Latakia im Mittelmeer. Als letzte Marinebasis war Cam Ranh 2002 aufgegeben worden, so dass nur noch die russische Marinebasis Tartus im „entfernten Ausland“ verblieben ist.

Die Sowjetunion hatte von 1956 (oder 1958?) eine Marinebasis für ihre U-Boote in Vlora (Albanien, die heutige albanische Marinebasis Pashaliman in der Bucht von Vlora). Nach dem Bruch mit Moskau wurde die Basis 1961 von den Albanern geschlossen. Damals war diese Basis der einzige sowjetische Militärstützpunkt im Mittelmeerraum.

Eine Besonderheit stellt Kirgisistan dar. Es erlaubte als einziges Land sowohl den USA als auch Russland das Betreiben von Militäreinrichtungen auf seinem Gebiet. In der Nähe der Hauptstadt Bischkek befand sich bis 2014 sowohl eine große US- als auch eine große russische Einrichtung, wobei Russland bei Kirgisien wiederholt Druck machte, die Amerikaner weg zu weisen.[138]

Heute befinden sich schätzungsweise 25 russische Militärstützpunkte in neun ehemaligen Sowjetrepubliken. Dabei geht es um das Aufrechterhalten des Einflusses in Zentralasien in Konkurrenz zu China und die Einflussnahme auf die südliche Region, insbesondere den Kaukasus. Die wichtigsten Stützpunkte im Ausland sind:

Land Militärbasis Truppenstärke, Einheit
Abchasien

(Georgien)

Gali und Gudauta Militärbasen, stationiert sind 1300 Soldaten der Grenztruppen Russlands
Armenien Jerewan 426. Luftwaffengruppe
Armenien Gjumri 127. motorisierten Schützendivision;
mit dem Standort Jerewan sind rund 3200 Soldaten in Armenien stationiert, siehe auch: Gruppe der russischen Streitkräfte in Transkaukasien
Kasachstan Sary-Schagan Raketenstartplatz und Übungsgelände
Baikonur Weltraumbahnhof
Kirgisistan Kant Militärflugplatz mit einer großen Zahl schnell luftverlegbarer Einheiten und der 5. Luftarmee sowie rund 700 Soldaten
Moldawien Tiraspol Operationsgruppe der russischen Streitkräfte, ehemals 5. motorisierte Gardeschützenbrigade. Insgesamt rund 1500 Soldaten für Friedensmaßnahmen in Transnistrien und zum Schutz eines Munitionsdepots
Südossetien (Georgien) Dschawa und Tschinwali Militärbasen, stationiert sind 1200 Soldaten der Grenztruppen
Syrien Tartus Logistikeinrichtung der Marine mit 150 Soldaten
Latakia Militärbasis[139]
Tadschikistan Okno Satellitenkontrollzentrum
Duschanbe, Kulob und Qurghonteppa 201. motorisierten Schützendivision und der 670. Luftwaffengruppe auf der Luftwaffenbasis Ayni. Insgesamt rund 5000 Soldaten.
de facto

Russland de jure

Ukraine 1

Sewastopol Basis der Schwarzmeerflotte mit rund 13.000 Soldaten
Weißrussland Baranawitschy Einrichtungen der Weltraumtruppen und der 37. Strategischen Luftarmee mit 800 Soldaten
Wilejka Längstwellensender Wilejka
1 Die Halbinsel Krim trat am 21. März 2014 der Russischen Föderation bei, wird aber von der Ukraine und dem Großteil der internationalen Staatengemeinschaft nach wie vor als ukrainisches Territorium betrachtet.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Schriftenreihe Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Russischen Föderation: Dokumente zur Außen-, Militär- und Sicherheitspolitik der Russischen Föderation. Übersetzungen aus dem Russischen. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) e. V. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Dresden 1991 bis 2016. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-209278.
  • Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages WD 2 – 3000 – 052/15: Die Militärdoktrinen der Sowjetunion und der Russischen Föderation seit den 1970er Jahren. Bedrohungsszenarien und Sprache im Vergleich. (PDF bundestag.de) Vorlage:AbrufDatum.
  • Zdzislaw Lachowski: Foreign Military Bases in Eurasia. SIPRI Policy Paper No. 18, Juni 2007 (PDF books.sipri.org).
  • Pavel Podvig (Hrsg.): Russian Strategic Nuclear Forces. MIT Press, Cambridge/Massachusetts, London 2004. ISBN 0-262-66181-0.
  • Ilja Schaidurow: Russische Schusswaffen – Typen. Technik. Daten. Motorbuch Verlag, 2010, ISBN 978-3-613-03187-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b 2018 Russia Military Strength. www.globalfirepower.com, abgerufen am 7. Juni 2018 (englisch).
  2. a b Verteidigungsbudget ist eine Belastung, Kommersant, 1. November 2016
  3. Trends in World Military Expenditure. (PDF) Stockholm International Peace Research Institute, 2016, abgerufen am 24. April 2017.
  4. regensburger-politikwissenschaftler.de
  5. In Russland führt die Verwendung der Wörter russisch – русский (in der Bedeutung: sprachliche Ethnie) gegenüber russländisch, Russland – российский, Россия (in der Bedeutung: Russland als Vielvölkerstaat) zu einer klaren semantischen Unterscheidung. Im Weiteren wird die umgangssprachliche Schreibweise vermieden.
  6. Siehe Verteidigungsministerium der Russischen Föderation: Struktur. In: website URL: structure.mil.ru  – Abgerufen am 15. August 2019.
  7. Brian D. Taylor: Politics and the Russian army. S. 259.
  8. GLOBALER MILITARISIERUNGSINDEX 2018. (PDF) Max M. Mutschler, Marius Bales \ BICC, abgerufen am 10. Februar 2019.
  9. Föderales Gesetz Nr. 68 vom 7. Mai 2007 (russisch).
  10. Grundsätze der Militärdoktrin der Russischen Föderation (Darstellung). In Kraft durch Präsidentenerlass Nr. 1833 vom 2. November 1993. Übersetzung aus dem Russischen von Harald Kießlich-Köcher und Erich Hocke. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik DSS e. V. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Heft 11.1, Dresden 1994, 27 S. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-350824.
  11. Siehe Wolfgang Scheler: Über die Militärdoktrin der Russischen Föderation (Darstellung). In Kraft durch Präsidentenerlass Nr. 1833 vom 2. November 1993. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik DSS e. V. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Heft 11.2, Dresden 1994, 27 S. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-350834.
  12. Kris D. Beasley, Lt Col, USAF: RUSSIAN MILITARY REFORM FROM PERESTROIKA TO PUTIN. IMPLICATIONS FOR U.S. POLICY, Alabama 2004, S. 23.
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  28. Siehe Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2015). Bestätigt durch Erlass № 68 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Dezember 2015. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) i. L. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Dresden 2016, Sonderausgabe Juni, 54 S. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78763. Russ. Original unter URL: kremlin.ru  – Abgerufen am 15. August 2019.
  29. Im Weiteren folgen die strategischen nationalen Prioritäten: staatliche und gesellschaftliche Sicherheit; Erhöhung der Lebensqualität der russischen Staatsbürger; Wirtschaftswachstum; Wissenschaft, Technologie und Bildung; Gesundheitsschutz; Kultur; Ökologie und vernünftige Nutzung der Natur; strategische Stabilität und gleichberechtigte strategische Partnerschaft.
  30. Siehe Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2015). Bestätigt durch Erlass № 68 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Dezember 2015. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) i. L. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Dresden 2016, Sonderausgabe Juni, Ziff. 6. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78763.
  31. Vgl. Der Kreml (PDF), 31. Dezember 2015
  32. Vgl. Putin names United States among threats in new Russian security strategy (englisch), Reuters am 2. Januar 2016
  33. Siehe Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2015). Bestätigt durch Erlass № 68 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Dezember 2015. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) i. L. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Dresden 2016, Sonderausgabe Juni, Ziff. 15 ff. urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-78763.
  34. Siehe Strategie der nationalen Sicherheit der Russischen Föderation (2015). Bestätigt durch Erlass № 68 des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Dezember 2015. Übersetzung aus dem Russischen von Rainer Böhme. In: Dresdener Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS) i. L. (Hrsg.), DSS-Arbeitspapiere, Dresden 2016, Sonderausgabe Juni, Ziff. 33 ff.
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