Streitkräfte Armeniens

Militär der Republik Armenien

Die Streitkräfte Armeniens (armenisch:Հայկական Բանակ) ist das Militär der Republik Armenien. Die armenischen Streitkräfte gliedern sich in Heer (arm.: Հայկական Բանակ), Luftstreitkräfte (arm.: Հայաստանի Ռազմաօդային Ուժեր), Luftverteidigung (arm.: Հայաստանի Ռազմաօդային Ուժեր) und Grenzschutz (arm.:Հայաստանի Սահմանի Պահակություն). Armenien hat keine Marine, da es ein Binnenstaat ist. Der Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der armenische Premierminister, zurzeit Nikol Paschinjan.[7] Die Streitkräfte wurden kurz nach der Unabhängigkeit Armeniens am 28. Januar 1992 aufgestellt. Heute besteht eine enge Kooperation mit den russischen Streitkräften.[8] Armenien ist Mitglied der Partnerschaft für den Frieden und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit.

Flag of Armenia.svg Streitkräfte Armeniens
Հայկական Բանակ
Armmil zinanshan.jpg
Führung
Oberbefehlshaber: Nikol Paschinjan
Verteidigungsminister: Wagharschak Harutjunjan[1]
Militärischer Befehlshaber: Generalleutnant Artak Dawtjan[2]
Sitz des Hauptquartiers: Jerewan
Teilstreitkräfte: Army Armenia.jpg Armenisches Heer

Roundel of Armenia.svg Armenische Luftstreitkräfte
Symbol of Armenian Border Guard.jpg Armenischer Grenzschutz

Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 44.000 (2020)[3]
Reservisten: 200.000 (2020)
Wehrpflicht: 24 Monate (verpflichtend) 9 Jahre (freiwillig)[4]
Wehrtauglichkeitsalter: 18
Haushalt
Militärbudget: 626.3 Mio. $ (2019)[5]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 3,85 % (2017)[6]
Geschichte
Gründung: 28. Januar 1992

EinsätzeBearbeiten

Erstmals wurden die armenischen Streitkräfte während des Bergkarabach-Konflikts im Jahr 1993 eingesetzt. Damals griffen die armenische Streitkräfte auf Seiten der Republik Bergkarabach ein. Im Verlauf des Krieges konnten die Truppen der Republik Bergkarabach gemeinsam mit der armenischen Armee große Teile der mehrheitlich von Armeniern bewohnten Region Bergkarabach in Aserbaidschan unter ihre Kontrolle bringen. Außerdem besetzten sie die aserbaidschanischen Bezirke Ağdam, Cəbrayıl, Füzuli, Kəlbəcər, Laçın, Qubadlı und Zəngilan, die außerhalb von Bergkarabach liegen. Heute kommt es ab und zu vereinzelt zu Gefechten mit der aserbaidschanische Armee an der Waffenstillstandslinie. Im April 2016 kam es zu einer Eskalation der Lage an der Waffenstillstandslinie rund um Bergkarabach mit etwa 200 Toten. Im Juli 2020 kam es entlang der Grenze zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut zu Gefechten.[9]

Im Bergkarabachkrieg 2020 mussten die armenischen Streitkräfte nach nur 44 Tagen Krieg die militärische Niederlage gegenüber Aserbaidschan erklären. Die armenischen Truppen waren offenbar auf einen größeren Konflikt mit Aserbaidschan nur unzureichend vorbereitet. Die Niederlage hatte große Gebietsverluste der Armenier zur Folge.[10]

Internationale FriedensmissionenBearbeiten

Armenien entsandte zudem 46 Soldaten in den Irakkrieg, wo sie als Mitglied der Koalition der Willigen polnischem Kommando unterstellt waren. Außerdem ist Armenien im Moment mit 70 Soldaten an der KFOR-Mission in Kosovo beteiligt, sowie mit 120 Soldaten an der Resolute Support-Mission der NATO in Nordafghanistan unter deutschem Kommando.

AusrüstungBearbeiten

Die in den armenischen Streitkräften eingesetzten Waffen bzw. Waffensysteme sind sowjetischen bzw. russischen Ursprungs.[11]

Stand: 2016[12]

HeerBearbeiten

 
Die Krunk Drohne ist Armeniens erste Drohne aus eigener Produktion
Typ Produktionsland Waffensystem Anzahl
T-90 Russland  Russland Kampfpanzer 30
T-72 Sowjetunion  Sowjetunion Kampfpanzer 110
T-80 Sowjetunion  Sowjetunion Kampfpanzer 20[13]
BMP-1 Sowjetunion  Sowjetunion Schützenpanzer 106
BMP-2 Sowjetunion  Sowjetunion Schützenpanzer 100
BTR-60 Sowjetunion  Sowjetunion Schützenpanzer 108
BTR-70 Sowjetunion  Sowjetunion Schützenpanzer 18
BTR-80 Sowjetunion  Sowjetunion Schützenpanzer 50
MT-LB Sowjetunion  Sowjetunion Transportpanzer 145
GAZ-2975 Tigr Russland  Russland Transportpanzer 5

LuftwaffeBearbeiten

Typ Produktionsland Anzahl[14]
Kampfflugzeuge
Su-25 Russland  Russland 9
Su-30SM Russland  Russland 4
Transportflugzeuge
Iljuschin Il-76 Russland  Russland 3
Hubschrauber
Mil Mi-8 Sowjetunion  Sowjetunion 11
Mil Mi-24 Sowjetunion  Sowjetunion 15
Schulflugzeuge/hubschrauber
Aero L-39 Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 6
Mil Mi-2 Sowjetunion  Sowjetunion 6
Su-25 Russland  Russland 1

Die Flugabwehr nutzt die Systeme Tor-M2KM,[15] 2K11 Krug, S-75, S-125, 9K32 Strela-2, 9K33 Osa S-300P, 9K35 Strela-10, 9K310 Igla-1 und 9K38 Igla.

Gemessen an seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) und der Gesamtbevölkerung wies Armenien laut dem Globalen Militarisierungsindex (GMI) des Bonn International Center for Conversion (BICC) im Jahre 2015 den höchsten Militarisierungsgrad in Europa auf. Im weltweiten Maßstab lag das Land im gleichen Jahr auf Platz 3 hinter Israel und Singapur.[16]

GeneralstabschefsBearbeiten

Nr. Name Bild Beginn der Berufung Ende der Berufung
10 Generalleutnant Artak Dawtjan   22. März 2021 ---
9 Generaloberst Onik Gasparjan   8. Juni 2020 10. März 2021
8 Generalleutnant Artak Dawtjan   24. Mai 2018 8. Juni 2020
7 Generalleutnant Movses Hakobjan   3. September 2016 24. Mai 2018
6 Generaloberst Jurij Chatschaturow   14. April 2008 3. September 2016
5 Generaloberst Sejran Ohanjan   11. Mai 2007 14. April 2008
4 Generaloberst Mikael Harutunjan 12. Mai 1994 24. April 2007
3 Generalleutnant Hratschja Andreasjan 1993 12. Mai 1994
2 Generalleutnant Norat Ter-Grigorjanz 10. August 1992 1993
1 Generaloberst Gurgen Dalibaltajan   1991 1992

ÖffentlichkeitsarbeitBearbeiten

Teil der Öffentlichkeitsarbeit der "Streitkräfte Armeniens" ist das TV-Programm "Streitkräfte" ("Zinuzh" / "Զինուժ"), das Samstagabend im armenischen öffentlichen Fernsehen ausgestrahlt wird. Daneben betreiben die Streitkräfte einen eigenen YouTube-Kanal namens "Zinuzh MEDIA" ("Զինուժ ՄԵԴԻԱ"). Dieser gehört zum "Zinuzh"-Programm des Verteidigungsministeriums und hat nach eigenen Angaben das Ziel, das Leben der Streitkräfte nachvollziehbar zu machen, den militärischen Tagesablauf und Militärdienst an der Grenze zu Aserbaidschan, sowie in der Region Bergkarabach ("Arzach") zu zeigen. Daneben sollen "Porträts bekannter Offiziere, Soldaten, Berichte über die Bewaffnung, Ausrüstung im Arsenal der armenischen Armee, Expertenmeinungen, Analysen zu regionalen Entwicklungen, Informationen über die Situation an der Front usw." vermittelt werden. Das Logo zeigt einen nach links gewandten stilisierten Adlerkopf mit Flügelansätzen.[17] Unter dem Titel "«Streitkräfte» Fernsehprogramm" («Զինուժ» հեռուստածրագիր) betreibt die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Verteidigungsministeriums auch einen Facebook-Kanal.[18]

GalerieBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Armenian president dismisses defense minister. In: tass.com. TASS Russian News Agency, 20. November 2020, abgerufen am 20. November 2020 (englisch).
  2. Pashinyan: Artak Davtyan is the appointed Chief of General Staff of Armed Forces of Armenia by virtue of law. In: arka.am. 22. März 2021, abgerufen am 4. April 2021 (englisch).
  3. Global Defence Website. Abgerufen am 29. September 2020.
  4. Armenian Military statistics Aufgerufen am 20. April 2013
  5. [1]
  6. Statistik Militärausgaben Armeniens in Prozent des BIP Aufgerufen am 1. Februar 2020.
  7. Rede des Premierministers als Oberbefehlshaber der armenischen Streitkräfte am 27. September 2020, abgerufen am 4. Oktober 2020
  8. Russland verlängert Militärpräsenz in Armenien; zuletzt abgerufen am 15. März 2012.
  9. Markus Ackeret: Gefechte im Kaukasus: Armenien und Aserbaidschan beschuldigen sich gegenseitig. In: Neue Zürcher Zeitung. NZZ.ch, 18. Juli 2020, abgerufen am 15. November 2020.
  10. Markus Ackeret: Armenien hat den Krieg um Karabach verloren. In: Neue Zürcher Zeitung. NZZ.ch, 18. Juli 2020, abgerufen am 15. November 2020.
  11. Streitkräfteübersicht / Armed Forces (Memento des Originals vom 26. Dezember 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.globaldefence.net Aufgerufen am 20. April 2013.
  12. [2], The Military Balance 2016, Abruf 18. Juli 2020.
  13. Nagorno-Karabakh and the military balance – Published in Analytical Articles
  14. World Air Forces 2021. flightglobal.com, abgerufen am 18. März 2021.
  15. https://www.armyrecognition.com/december_2019_global_defense_security_army_news_industry/armenia_armed_forces_have_received_russian_tor-m2km_air_defense_missile_systems.html (Abruf 2. Februar 2020)
  16. Max M.Mutschler/BICC: Global Militarization Index 2016. 2016, abgerufen am 14. November 2017 (englisch).
  17. YouTube-Kanal der Streitkräfte Armeniens, abgerufen am 7. Oktober 2020
  18. Facebook-Kanal der Streitkräfte Armeniens, abgerufen am 7. Oktober 2020

WeblinksBearbeiten

Commons: Military of Armenia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien