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Die Verteidigungskräfte Osttimors (portugiesisch Forças de Defesa de Timor-Leste, tetum Forcas Defensa Timor Lorosae FDTL), seit Mai 2002 „FALINTIL-FDTL (F-FDTL)“ bestehen aus Landstreitkräften und einer kleinen Marine. Ein Flugzeug dient zur Luftüberwachung.

Inhaltsverzeichnis

AufgabeBearbeiten

 
Soldat bei einer Übung mit einem Raketenwerfer

Laut Verfassung ist die F-FDTL für die Verteidigung gegen Angriffe von außen verantwortlich. Sie „garantiert die nationale Unabhängigkeit, die territoriale Integrität und die Freiheit und Sicherheit der Bevölkerung gegen jeden Aggressor oder externe Bedrohung im Einklang mit der Verfassung.“ Die F-FDTL ist den Verfassungsorganen untergeordnet und darf sich nicht in die Politik einmischen. Für die innere Sicherheit ist die Nationalpolizei Osttimors (PNTL) zuständig.[1]

Allerdings gab es in der Vergangenheit Streitigkeiten zwischen F-FDTL und PNTL über die jeweilige Verantwortung. So übernahm die F-FDTL Polizeiaufgaben bei einem Zwischenfall im Subdistrikt Atsabe (Distrikt Ermera) im Januar 2003.[1][2] Andererseits wurde die PNTL mehrfach bei der Grenzsicherung im Westen eingesetzt.[1] Seit 2009 ist wieder die F-FDTL für die Landesgrenze zuständig. Die Übergabe der Verantwortung gestaltet sich aber als schwierig.

GeschichteBearbeiten

 
Moradores (2017)
 
FALINTIL-Veteranen
 
Parade der Infanterie zum
Proklamationstag in Oe-Cusse Ambeno (2014)

In der Kolonialzeit bildeten die Portugiesen einheimische Hilfstruppen, die Moradores. Heute sind diese Verbände folkloristische Gruppen, die bei Feierlichkeiten auftreten, vergleichbar mit den bayerischen Gebirgsschützen. Sie werden als traditioneller Ursprung der professionellen timoresischen Armee angesehen.

Der Grundstock der Truppe mit 650 Mann wurde am 1. Februar 2001 aus 1.736 Kämpfern der ehemaligen Guerillaarmee FALINTIL rekrutiert. Es blieben nur wenige aufgrund der geringen Altersversorgung. Das erste Bataillon wurde am 29. Juni 2001 aufgestellt. Die meisten Angehörigen der Einheit stammten aus dem östlichen Landesteil Loro Sae.[3] Die Marineeinheit wurde im Dezember 2001 gebildet.[4] Das zweite Bataillon wurde 2002 aus einem Grundstock aus dem ersten Bataillon und neu rekrutierten Soldaten, die meist unter 21 Jahre alt waren, gegründet.[1] Da Osttimor keine Bedrohung durch einen äußeren Feind zu befürchten hat, gab es einige Kritiker betreffs der Gründung eigener Streitkräfte. Sie bevorzugten eine stärker ausgerüstete Polizei. Die Regierung entschied sich aber für die Armee, um möglichen künftigen Bedrohungen begegnen zu können.[5] Mit der Unabhängigkeit im Mai 2002 übernahmen die Verteidigungskräfte die Bezeichnung FALINTIL-FDTL (F-FDTL) von der Guerillaarmee. Im Juli 2002 übernahm die F-FDTL die Verantwortung für den östlichsten Distrikt des Landes Lautém. Ab dem 20. Mai 2004 war sie für die gesamte Landesverteidigung zuständig. Die ausländischen Truppen blieben noch bis Mitte 2005.[4]

Im Dezember 2003 wurden 42 Soldaten aus dem Dienst entlassen, zumeist aus dem westlichen Landesteil Loro Munu stammend, unter ihnen der Freiheitsheld Vicente da Conceicão (Comandante Railos). Sie klagten über unfaire Behandlung und schlechte Lebensbedingungen.[6]

Anfang 2006 desertierten im Laufe weniger Wochen 600 der 1.600 Soldaten der Verteidigungskräfte Osttimors aus Protest gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und Beförderungsregelungen. Die meisten von ihnen sind ehemalige Kämpfer der Rebellengruppe FALINTIL, die Widerstand gegen die Indonesier geleistet hatten. Ende April protestierten 3.000 Menschen auf einer Demonstration in Dili, die von den ehemaligen Soldaten organisiert wurde. Dabei drohten deren Sprecher mit einem neuen Guerillakrieg, sollten keine Verbesserungen erzielt werden. Es kam zu den schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit von Indonesien, bei denen bis Ende Juni mindestens 37 Menschen ihr Leben verloren. Wiederholt kam es auch zu Gefechten zwischen den Rebellen, der Polizei und der F-FDTL. Schließlich musste Premierminister Marí Alkatiri zurücktreten. Neuer Premier wurde der bisherige Außenminister José Ramos-Horta. Er hatte bereits vor den Unruhen kritisiert, dass die Truppen, da sie ohne echte Aufgaben seien, Probleme bereiten könnten. Er schlug eine Aufteilung des Heeres in zwei Bataillone mit je 500 Mann vor. Ein Bataillon sollte dann für UN-Friedensmissionen ausgebildet werden, das zweite Bataillon für Aufgaben im Land dienen. Am 16. Juni erklärten sich die Rebellen nach einer Woche Verhandlungen bereit, ihre Waffen abzugeben, wenn die internationalen Truppen für ihre Sicherheit garantieren würden. In Lagern bei Gleno und Maubisse übergaben die Rebellen M16-Gewehre und ihre anderen Waffen, unter ihnen Alfredo Reinado, der bisherige Chef der Militärpolizei.

Im Juni 2007 berichtete die australische Zeitung The Australian über einen geheimen Aufrüstungsplan Osttimors namens „Forças 2020“, der aus den zukünftigen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft finanziert werden sollte. Nach dem 171-seitigen Entwurf sollte bis 2010 die Marine ausgebaut und mit Korvetten mit Lenkwaffen ausgestattet werden. Außerdem war eine Marinelandeeinheit geplant und Armeehubschrauber sollten angeschafft werden. Ebenfalls in Planung war eine Luftwaffe, deren Personal in Polen ausgebildet werden sollte. Die Streitkräfte sollten dann aus 3000 aktiven Mitgliedern bestehen. Die jetzt schon bestehenden Einheiten sollten mit Scharfschützengewehren, Anti-Panzer-Waffen, schweren Maschinengewehren, leichten Patrouillenfahrzeugen und leichten Angriffsfahrzeugen ausgerüstet werden. Ziel sei es, die osttimoresischen Interessen im Erdölfeld in der Timorsee zu sichern und Schmuggel und illegale Fischerei zu unterbinden. Neben der Finanzierung wurde auch die Fähigkeit Osttimors, die Technologie zu handhaben, angezweifelt. Es wurde darüber spekuliert, dass Osttimor sich mit diesen Plänen vom australischen Einfluss und von einer möglichen indonesischen Bedrohung befreien möchte.[7] Der australische Verteidigungsminister Alexander Downer nannte die Aufrüstungspläne unrealistisch.[8]

Am 26. Juni 2007, fünf Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes, übergab Premierminister Estanislau da Silva 720 neue Uniformen in einer Zeremonie an die F-FDTL. Bisher wurden Uniformen aus Portugal, China und Mosambik verwendet. Die neuen Uniformen sind braun, gelb, schwarz und dunkelgrün und sind ein Abbild der Landschaft von Osttimor.

Am 20. August 2011 wurden die letzten Kämpfer der FALINTIL in den Ruhestand verabschiedet.[9] Ihr ehemaliger Kommandant und Chef der Verteidigungskräfte Taur Matan Ruak folgte ihnen am 2. September.

AufbauBearbeiten

OrganisationBearbeiten

 
Struktur der Verteidigungskräfte Osttimors

Laut Verfassung ist der Staatspräsident Osttimors der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er kann den Kommandeur der F-FDTL ernennen. Der Ministerrat und das Nationalparlament entscheiden über die finanziellen Mittel und bestimmen die nationale Sicherheitspolitik.[1] Der Staatsrat, ein den Präsidenten beratendes Gremium, ist laut Verfassung in Fragen zu Kriegserklärungen und Friedensschlüssen zu hören. Der Oberste Sicherheitsrat berät seit 2005 den Präsidenten in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen sowie bei der Besetzung der Posten der kommandierenden Offiziere. Ihm gehören der Präsident, der Premierminister, die Minister für Verteidigung, Justiz, Inneres und Außenpolitik, der Kommandeur der F-FDTL, der Kommandant der PNTL, ein Offizier der nationalen Staatssicherheit und drei Vertreter des Nationalparlaments an.[10] Das Ministerium für Verteidigung hat die zivile Kontrolle über die F-FDTL.

Die F-FDTL teilt sich in zwei Infanteriebataillone, eine Marine und Unterstützungseinheiten. Zu Letzteren gehören das Hauptquartier der Streitkräfte, die Logistikabteilung, die Fernmeldeeinheit und die Militärpolizei. Jeder Truppenteil wird seit 2010 von einem Oberst (Coronel, bei der Marine: Capitão) geführt.

Die Planstärke beträgt 1.500 aktive Soldaten und 1.500 Angehörige der Reserve. War die F-FDTL 2005 noch 1.450 Mann stark, schrumpfte sie aufgrund der Meuterei 2006 und aus normalen Gründen auf nur 715 im September 2006, stieg aber 2007, laut International Institute for Strategic Studies, wieder auf 1.286 Mann. 2008 wollte die F-FDTL 600 neue Soldaten rekrutieren und 2009 nochmals 600.[11] Im August 2008 hatte sie ihre alte Truppenstärke von vor der Krise von 2006 wieder erreicht.[12] Im Dezember 2009 legten 572 neue Rekruten nach ihrer Ausbildung ihren Eid ab, am 16. Dezember 2011 folgten 645 weitere Mann, davon 93 Offiziere und 203 Unteroffiziere. Aufgrund ihrer Vergangenheit als Untergrundarmee kann die F-FDTL auf ein großes Netzwerk von Informanten in der Bevölkerung zurückgreifen (Human Intelligence).[1]

Der Wehrdienst ist freiwillig ab dem 18. Lebensjahr möglich. Auch Frauen können in Osttimor Soldaten werden.[13]

FührungsebeneBearbeiten

Generalstabschef
(portugiesisch Chefe do Estado-Maior General das Forças Armadas, CEMGFA)
Kommandant Informationen
Taur Matan Ruak 2001 – 2011
Lere Anan Timor seit 2011
 
Soldaten bei Feierlichkeiten am Proklamationstag (28. November)
Stabschef (CEMFA)
Kommandant Informationen
Filomeno Paixão 2010 – 2011
Pedro Klamar Fuik 2011 – 2018
Calisto dos Santos seit 2018[14]

Der erste Generalstabschef (portugiesisch Chefe do Estado-Maior General das Forças Armadas, CEMGFA) und damit militärischer Oberbefehlshaber der F-FDTL war Generalmajor Taur Matan Ruak, der zuvor Kommandeur der FALINTIL war. Taur Matan Ruak reichte am 2. September 2011 seinen Abschied ein, um später für das Präsidentenamt zu kandidieren.[15] Er gewann die Präsidentschaftswahlen in Osttimor 2012.

Am 6. Oktober 2011 wurde der bisherige stellvertretende Kommandeur und frisch zum Generalmajor beförderte Lere Anan Timor neuer Generalstabschef. Coronel Filomeno Paixão, seit 2010 Stabschef (CEMFA), wurde Brigadegeneral und stellvertretender Kommandeur der F-FDTL und Falur Rate Laek zum neuen Stabschef ernannt. Capitão Pedro Klamar Fuik wurde 2012 Kommandeur des Instituto de Defesa Nacional (IDN).[16]

Am 9. Februar 2015 kündigte Präsident Taur Matan Ruak die Entlassung Lere Anan Timors und seine gleichzeitige Beförderung zum Generalleutnant ehrenhalber an. Neuer Oberbefehlshaber sollte Filomeno Paixão werden, mit gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor.[17] Zwar wird der Generalstabschef vom Präsidenten ernannt, aber Regierung und Parlament haben ein Vorschlagsrecht und diese hatten sich für eine Verlängerung der Amtszeit Lere Anan Timors ausgesprochen. Nach mehreren Wochen Blockade wurde als Lösung am 15. April veröffentlicht, dass Pedro Klamar Fuik neuer Generalstabschef werden sollte. Sein Stellvertreter sollte Calisto dos Santos (Coliati) werden. Verbunden mit den Ämtern war eine Beförderung zum Generalmajor, beziehungsweise Brigadegeneral. In die Reserve sollten Lere Anan Timor als Generalleutnant, Paixão als Generalmajor, Falur Rate Laek als Brigadegeneral und drei weitere führende Offiziere verabschiedet werden. Der genaue Ablauf stand aber nicht fest, zumal nach den Statuten ein Oberst nicht direkt zum Generalmajor befördert werden darf. Lere Anan Timor kritisierte den Plan, mit dem die Generation der Guerillakämpfer aus der Führung der Streitkräfte ausscheiden würde.[16][18][19] Am 3. Dezember 2016 erklärte Lere Anan Timor, dass die Kommandoübergabe an Capitão Pedro Klamar Fuik, Oberst Calisto dos Santos und Fregattenkapitän Higino da Neves nun vorbereitet werden würde.[20] Sie fand aber innerhalb der Amtszeit von Präsident Taur Matan Ruak bis zum 20. Mai 2017 nicht mehr statt. Die Regierung hatte im Oktober 2015 die Verlängerung der Amtszeit von Lere Anan Timor und Filomeno Paixão empfohlen.[21] Damit bekamen Lere Anan Timor, Paixão und auch Falur Rate Laek eine dritte Amtszeit, die eigentlich nach geltendem Recht nicht vorgesehen war. Nach Antritt der VII.Regierung folgte Präsident Francisco Guterres dem Vorschlag von Premierminister Alkatiri und verlängerte am 5. Oktober 2017 die Amtszeit der bestehenden FDTL-Führung für ein weiteres Jahr, was eine erneute Änderung des Militärgesetzes bedeutete.[22][23]

Am 7. Juni 2018 wurden Falur Rate Laek[24] Américo Ximenes (Sabika Bessi Kulit)[25] Cornélio Ximenes[26] und João Miranda (Aluc Descartes) zu Brigadegenerälen befördert.[27] Filomeno Paixão reichte seinen Rücktritt ein, um in der VIII. konstitutionelle Regierung Verteidigungsminister werden zu können.[28] Falur Rate Laek wurde am 1. Oktober zum stellvertretenden Oberbefehlshaber der F-FDTL ernannt.[29]

HeerBearbeiten

Kommandante Komponente Terreste
Kommandant Informationen
Coronel Falur Rate Laek ab 14. Januar 2009
Oberstleutnant Marcelino Ximenes „Rizzai“ Stand 2016,[30]
bis 2019
Oberstleutnant Renilde Corte-Real da Silva ab 2019 (nominiert)[31]
 
Landstreitkräfte

Die Landstreitkräfte bestanden ursprünglich aus zwei leichten Infanteriebataillonen mit jeweils 600 bis 650 Angehörigen. Sie wurden hauptsächlich durch Australier und Portugiesen ausgebildet. Jedes Bataillon hat drei Kampfkompanien, eine Unterstützungskompanie und eine Führungskompanie. Das 1. Bataillon wurde aus Veteranen der Guerillabewegung gebildet und hat seinen Stützpunkt in Laga (Gemeinde Baucau). Das 2. Bataillon besteht hauptsächlich aus neuen Rekruten und ist im Nicolau Lobato Trainingszentrum nahe Metinaro stationiert. Nahezu alle Soldaten des 2. Bataillons desertierten im Laufe der Unruhen von 2006.[32] Logistik und Unterstützung sind im Hauptquartier der F-FDTL an der Avenida Nicolau Lobato in Dili. In Metinaro wird derzeit mit chinesischer Hilfe das neue Hauptquartier der F-FDTL gebaut. Die Hauptbewaffnung der Landstreitkräfte Osttimors besteht aus 1560 Gewehren des Typs M16A2 und 75 FN Minimi sowie aus 50 Pistolen des Typs Colt M1911. Verwendet wird 5,56 mm-NATO-Munition, die durch Operationen leichter zu entfernen ist, weil die Kugeln im Körper des Opfers nicht zersplittern.[33] Außerdem sind in Verwendung 75 M203-Granatwerfer und acht Scharfschützengewehre.[4]

MarineBearbeiten

Kommandante Komponente Naval
Kommandant Informationen
Alfredo Alves Reinado bis 2004
Filomeno Paixão 2004–2009
Kapitän Pedro Klamar Fuik ab 14. Januar 2009 – 2012
João Miranda
Higino da Neves [34]
Fregattenkapitän Adão de Brito „Jacky“ Stand 2014,[30]
bis 2019
Kapitän João Silva ab 2019 (nominiert)[31]
 
Symbol der Marine

Das offizielle Gründungsdatum der Marine (Armada) Osttimors ist der 12. Januar 2002.[35] Eine Hauptaufgabe der Marine ist die Eindämmung der illegalen Fischerei im Hoheitsgebiet Osttimors.

Ihre Basis befindet sich in Hera, östlich von Dili. Ein zweiter Stützpunkt an der Südküste ist geplant. Als möglicher Standort ist Betano im Gespräch.

Zwei Schnellboote der Albatroz-Klasse erhielt Osttimor im Dezember 2001 von der portugiesischen Marine. Die beiden 22 Meter langen Boote wurden NRTL Oecusse (P101) und NRTL Atauro (P102) getauft und in Hera stationiert.[36] Die Offiziere wurden von Portugal in Metinaro ausgebildet. 2008 wurden die beiden Boote in Indonesien überholt, doch 2019 waren die beiden Boote in einem so schlechtem Zustand, dass sie an Land gelegt werden mussten.[37]

Die Boote NRTL Jaco (P211) und NRTL Betano (P212) wurden offiziell am 11. Juni getauft und als Jaco-Klasse in Dienst gestellt.[38][39] Die beiden Patrouillenboote der Shanghai-III-Klasse (Type 062-I class gunboat) wurden von der Volksrepublik China gekauft, können schneller als 25 Knoten fahren und haben eine Reichweite von 750 Seemeilen. Präsident José Ramos-Horta beschwerte sich aber bei der Regierung, dass die Boote nicht für den Einsatz in der stürmischen Timorsee geeignet seien.[40] 36 timoresische Seeleute fuhren zu einem dreimonatigen Training nach China.

Drei weitere Patrouillenboote wurden im September 2011 von Südkorea übernommen. Sie gehören zur südkoreanischen Chamsuri-Klasse und erhielten die Namen Kamenassa, Díli und Hera.[41] Die Hera und die Dili wurden 2012 an die Nationalpolizei Osttimors (PNTL) abgegeben.[42][43]

Zwei Boote aus dem Pacific Patrol Boat Program sollen 2023 aus Australien geliefert werden.[44]

Weitere TruppenteileBearbeiten

Kommandante Komponente Sentru Formasaun no Treinu
(Centro Formacão e Treino CFT)
Kommandant Informationen
Oberst Celestino Pinto „Daileba“ Stand 2016,[30]
bis 2019
Oberstleutnant Césario Ximenes Belo „Haksolok“ ab 2019 (nominiert)[31]
 
Trainingszentrum in Metinaro
Kommandante Komponente Apoiu Servisu
(Componente Apoio Serviço CAS)
Kommandant Informationen
Oberst Cornélio Ximenes (Maunana) ab 14. Januar 2009
Oberstleutnant Benedito Dias Quintas „Punu Woke“ Stand 2016,[30]
bis 2019
Leutnant Armindo Nunes dos Santos ab 2019 (nominiert)[31]

Neben Heer und Marine gibt es die Ausbildungseinheit im Trainingszentrum (tetum Komponente Sentru Formasaun no Treinu, portugiesisch Centro Formacão e Treino CFT) und die Unterstützungseinheit (tetum Komponente Apoiu Servisu, portugiesisch Componente Apoio Serviço CAS).

Die Militärpolizei besteht aus einer Kompanie. Unter ihrem damaligen Kommandeur Major Alfredo Reinado stand sie im Zentrum der Unruhen vom Mai 2006 stand. Am 16. August 2007 wurde Leutnant Abel Ximenes als Nachfolger von Alfredo Reinado zum neuen Chef der Militärpolizei ernannt. Die Militärpolizei hatte zu diesem Zeitpunkt 74 Mitglieder. 2018 war Major Abel da Costa Xavier Niki Kommandant der Militärpolizei.[45]

Seit Februar 2007 ist die Militärpolizei für die Sicherheit des Staatspräsidenten verantwortlich,[32] so auch am Tag des Attentats am 11. Februar 2008, als Präsident José Ramos-Horta niedergeschossen und schwer verletzt wurde. Zwei der Attentäter kamen dabei ums Leben, ein Leibwächter wurde schwer verletzt. einer der beiden getöteten Attentäter war der ehemalige Chef der Militärpolizei, Alfredo Reinado.

2012 erhielten Captain Fredelino Ole aus Oe-Cusse Ambeno und Captain Pedro Ximenes Belo aus Baucau als erste osttimoresische Offiziere den Hubschrauberpilotenschein. Entsprechendes Fluggerät wurde aber nicht angeschafft. Seit 2018 verfügt die F-FDTL über eine Cessna 172P. Das Luftfahrzeugkennzeichen lautet 4W-FAT. Die Maschine, die von der Inlandsfluglinie Aero Dili übernommen wurde, soll das Seegebiet überwachen, um illegale Fischerei zu bekämpfen.[46]

Der Sistema de Informações Militares (SIM) ist einer von drei Nachrichtendiensten des Landes. Er ist den FDTL unterstellt.[47]

EinrichtungenBearbeiten

 
Eingang zur Marinebasis der F-FDTL
  • Militärstützpunkt in Laga (1. Bataillon)
  • Marinebasis in Hera
  • Nicolau Lobato Trainingszentrum in Metinaro (2. Bataillon)
  • Instituto de Defesa Nacional (IDN)

Zusammenarbeit mit anderen NationenBearbeiten

 
Ausbildung

Im Mai 2008 unterschrieb Osttimor mit den sieben anderen Staaten der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder CPLP eine Vereinbarung über ein Militärbündnis. Unter anderem sollten osttimoresische Soldaten in Brasilien und Portugal ausgebildet werden.[48] Die Militärpolizei wurde bereits von Brasilien trainiert. Daneben werden Soldaten der F-FDTL von Australien, den USA, Malaysia, Polen, Kanada, Indien und Japan bei der Ausbildung unterstützt. Die Volksrepublik China lieferte Ausrüstungsgegenstände und Uniformen.

2012 begannen zehn Mitglieder der F-FDTL mit einer Ausbildung zum Helikopterpiloten auf den Philippinen.[49]

MilitärausgabenBearbeiten

Im Haushalt von 2008 waren 20,1 Millionen US-Dollar für die Verteidigungsausgaben veranschlagt.[50] Im Staatshaushalt 2019 plante man 21,912 Millionen US-Dollar ein.[51]

Wappen und FlaggeBearbeiten

 
Das Wappen der F-FDTL
 
Flagge der F-FDTL

Die Flagge und das in ihrenthaltene Wappen wurden ursprünglich für die FALINTIL in der Basis Ai-Dila-Okir im heutigen Nationalpark Kay Rala Xanana Gusmão entworfen.[52] Der CNRT führte eine ähnliche Flagge, die aber ein etwas verändertes Wappen führte und den Schriftzug „CNRT“. Die FALINTIL übernahm relativ bald diese Wappenversion für ihre Flagge, die auch heute noch die Flagge der Verteidigungskräfte Osttimors ist.

Blau symbolisiert die Insel Timor zwischen Meer und Himmel, die Identität der Osttimoresen auf der spirituellen Ebene als Volk, mit allen Sehnsüchten. Weiß steht für die Sehnsucht nach einem dauerhaften Frieden, dem Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit und für allgemeine Toleranz. Grün symbolisiert Osttimor als Land der Bauern, die Notwendigkeit des Fortschritts, stets aber mit Rücksicht auf die Umwelt und die ewige Hoffnung. Gelb, Rot und Schwarz sind die traditionellen Farben des Unabhängigkeitskampfes.[53]

Der goldene Stern, das eigentliche Symbol des Unabhängigkeitskrieges, steigt aus dem Rot des vergossenen Blutes. Er ist die Hoffnung auf einen glorreichen neuen Tag, so wie der Morgenstern den Tagesanbruch symbolisiert.[53]

Die Griffe der beiden Suriks (Schwerter) sind vierfach unterteilt, was die Zahl Acht ergibt. An jedem Griff hängen zehn Ziegenhaare, was insgesamt 20 ergibt. Am 20. August 1975 wurde die FALINTIL gegründet.[53]

„Patria Povo“ (deutsch Vaterland Volk) ist das Motto der FALINTIL.[53]

DienstgradeBearbeiten

Die Bezeichnungen der Dienstgrade folgen jener der ehemaligen Kolonialmacht Portugal. In Klammern stehen die vergleichbaren deutschen Bezeichnungen.[54][55][56]

ArmeeBearbeiten

 
Generalmajor Lere Anan Timor (2012)
 
Brigadegeneral Filomeno Paixão (2014)
 
Coronel José da Costa Soares Trix (2017)
 
Primeiro-marinheiro
 
Soldado beim sozialen Einsatz in einer Klinik
 
Grumete in der NRTL Kamenassa

Offiziere

Unteroffiziere

Mannschaftsdienstgrade

MarineBearbeiten

Offiziere

Unteroffiziere

Mannschaftsdienstgrade

  • Cabo (Hauptgefreiter)
  • Primeiro-marinheiro (Obergefreiter)
  • Segundo-marinheiro (Gefreiter)
  • Grumete (Matrose)

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Edward Rees: „Under Pressure – Forças de Defesa de Timor Leste. Three Decades of Defence Force Development in Timor Leste 1975–2004.“ Geneva Centre for the Democratic Control of Armed Forces, April 2004
  2. Amnesty International: Timor Leste: Briefing to Security Council Members on policing and security in Timor-Leste, 2003 (Memento vom 11. September 2014 im Internet Archive)
  3. Desmond Ball: „The Defence of East Timor: A Recipe For Disaster?“ im Pacifica Review, S. 175–189, 3. Ausgabe, 14. Teil, 2002
  4. a b c Jane's Sentinel Security Assessment – Southeast Asia, 20. Ausgabe, Coulsdon 2007.
  5. Anthony L. Smith: „Constraints and Choices: East Timor as a Foreign Policy Actor“ im New Zealand Journal of Asian Studies, 7. Ausgabe, S. 15–36, 2005. (PDF; 465 kB)
  6. Asian Pacific Action, Resolving Timor-Leste’s crisis (Memento vom 20. Juli 2007 im Internet Archive)
  7. The Australian, 8. Juni 2007, Mark Dodd: Secret missile plan for East Timor@1@2Vorlage:Toter Link/theaustralian.news.com.au (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. 8. Juni 2007, E Timor military blueprint unrealistic: Downer@1@2Vorlage:Toter Link/theaustralian.news.com.au (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Yahoo News, 20. August 2011, East Timor disbands pro-independence armed unit
  10. Cynthia Burton Damien Kingsbury, Michael Leach: East Timor: beyond independence. Monash University Press, 2007, ISBN 978-1-876924-49-2.
  11. ETAN, 16. August 2007, F-FDTL to recruit 600 soldiers
  12. Radio Australia, 24. August 2008, ETimor armed forces young at 33
  13. The Diplomat: Timor-Leste’s Forgotten Female Rebels, 16. Mai 2018, abgerufen am 17. Mai 2018.
  14. Facebook-Auftritt des Staatspräsidenten: PREZIDENTE-da-REPÚBLIKA NOMEIA KORONÉL COLIATI BA XEFE ESTADU-MAIÓR F-FDTL, 27. Oktober 2018, abgerufen 27. Oktober 2018.
  15. Timor Leste army chief resigns ahead of polls. Auf: Channel News Asia. 2. September 2011.
  16. a b SAPO: Pedro Klamar Fuik será novo comandante das forças de Defesa timorenses, 15. April 2016, abgerufen am 17. April 2016.
  17. SAPO Notícias: PR timorense exonera chefe das Forças de Defesa, nomeia novo comandante, 9. Februar 2016, abgerufen am 9. Februar 2016.
  18. Timor Hau Nian Doben: LERE LA KONKORDA PR TAUR NIA DESIZAUN , 19. April 2016, abgerufen am 19. April 2016.
  19. Timor Agora: Estatutu Militar La Fo Dalan Promove Korenel Ba Major General , 23. April 2016, abgerufen am 24. April 2016.
  20. Timor Hau Nian Doben: Jerasaun Foun Na’in Tolu Ne’e Mak Sei Lidera F-FDTL , 3. Dezember 2016, abgerufen am 4. Dezember 2016.
  21. Timor Agora: Governu rekomenda atu halo renovasaun ba mandatu hosi xefe forsa defeza nian sira, 13. Oktober 2015, abgerufen am 21. Mai 2017.
  22. SAPO: 26. September 2017, 26. September 2017, abgerufen am 26. September 2017.
  23. Diário de Notícias: PR timorense renova mandato de chefia das forças de defesa de Timor-Leste (F-FDTL), 5. Oktober 2017, abgerufen am 5. Oktober 2017.
  24. Präsidentendekret 14/2018 vom 30. Mai 2018.
  25. Präsidentendekret 15/2018 vom 30. Mai 2018.
  26. Präsidentendekret 16/2018 vom 30. Mai 2018.
  27. Präsidentendekret 17/2018 vom 30. Mai 2018.
  28. SAPO: Líder das Forças de Defesa espera novo ministro da Defesa em julho, 26. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
  29. Facebook-Auftritt des Staatspräsidenten: Brigadeiru-Jenerál Falur Rate Laek, 1. Oktober 2018, abgerufen am 1. Oktober 2018.
  30. a b c d Timor Agora: Governu Propoin Falur Rate Laek Kontinua Ba Xefe Estadu-Maior F-FDTL, 2. August 2016, abgerufen am 21. Juli 2017.
  31. a b c d Staatspräsident Osttimors: [1], abgerufen am 9. Juli 2019.
  32. a b International Crisis Group: Resolving Timor-Leste’s Crisis, 2006 (Memento vom 10. Oktober 2006 im Internet Archive)
  33. Guard's gun didn't kill Alfredo Reinado. (Memento2des Originals vom 15. September 2012 im Webarchiv archive.is)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.theaustralian.news.com.au In: The Australian. 20. Juli 2009.
  34. The Falintil’s Victory Transformed into Peace and Tolerance# (Memento des Originals vom 5. Dezember 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tls.mofa.go.kr, abgerufen am 4. Dezember 2016.
  35. Facebook-Auftritt des Präsidenten: Speech by His Excellency the President of the Republic, Dr. Francisco Guterres Lú Olo at the commemoration of the 17th anniversary of the Naval Component of the FALINTIL-FDTL, abgerufen am 12. Januar 2019.
  36. Stephen Saunders: „Jane's Fighting Ships 2007–2008“, Vol. 110, Coulsdon 2007
  37. Staatspräsident Osttimors: MAJOR-GENERAL LERE CALLS ON LEADERS TO CONTRIBUTE TO NATIONAL STABILITY, 15. Mai 2019, abgerufen am 16. Mai 2019.
  38. Government of Timor-Leste: Ceremony for the Delivery of New Patrols Vessels, Jaco Class, to the F-FDTL Naval Force
  39. Tempo Semanal: Chinese navy Trains F-FDTL Navy on Chinese built Patrol Boats
  40. Independente: F-FDTL demands new boats to police south coast, 23. April 2012
  41. Government of Timor-Leste: Timor-Leste receives three patrol vessels from the South Korean Government, 27. September 2011
  42. Diario Nacional: F-FDTL agrees to hand over two boats to PNTL, 8. Mai 2012.
  43. PNTL: Maritima, abgerufen am 16. Mai 2018.
  44. Delivery of Pacific Patrol Boats for Timor-Leste set for 2023, 18. April 2018, abgerufen am 19. April 2018.
  45. Fundasaun Mahein, abgerufen am 22. Januar 2018.
  46. Timor News: Dili aero oferse aviaun ida ba F-FDTL, 25. Mai 2018, abgerufen am 25. Mai 2018.
  47. Jornal da República: Lei do parlamento 02/2010, Artigo 39.º, abgerufen am 2. Mai 2017.
  48. Herald Sun, 18. Mai 2008, East Timor signs military pact (Memento vom 16. Januar 2009 im Internet Archive)
  49. Independente: F-FDTL officers follow Helicopter training in Philippines, 17. Oktober 2012
  50. La’o Hamutuk, 1. November 2008, RDTL doubles budget in mid-year
  51. La’o Hamutuk,: Staatshaushalt 2019, abgerufen am 11. Juli 2019.
  52. Government of Timor-Leste: Timor-Leste builds National Park Kay Rala Xanana Gusmão, 26. Oktober 2015, abgerufen am 11. November 2015.
  53. a b c d Arquivo & Museu da Resistência Timorense: Explicação das cores da bandeira das FALINTIL por Sabalae, etwa 1994, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  54. Verteidigungsministerium Osttimors: Dienstgrade des Heeres (Memento vom 29. Oktober 2008 im Internet Archive)
  55. Verteidigungsministerium Osttimors: Dienstgrade der Marine (Memento vom 27. August 2008 im Internet Archive)
  56. @1@2Vorlage:Toter Link/www.timor-leste.gov.tl(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Decree Law no 18. „Regime of Military Ranks“) (englisch)