Streitkräfte Katars

Militär des Emirates Katar

Die Streitkräfte Katars (arabisch القوات المسلحة القطرية, englisch Qatar Armed Forces) stellen das 16.500 Soldaten starke Militär des Emirates Katar dar. Diese gliedern sich in Heer (12.000), Luftwaffe (2.000) und Marine (inklusive Seepolizei) (2.500).[5]

Flagge Katars Streitkräfte Katars
Qatar Armed Forces
القوات المسلحة القطرية
Führung
Oberbefehlshaber: Scheich Tamim bin Hamad Al Thani
Verteidigungsminister: Dr. Khalid bin Mohammed Al Attiyah[1]
Militärischer Befehlshaber: Generalleutnant Salem bin Hamad bin Mohamed bin Aqeel al-Nabit[2]
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 16.500
Wehrpflicht: 4 – 12 Monate (für Männer je nach Bildungsstand)[3]
Wehrtauglichkeitsalter: 18. – 35. Lebensjahr[3]
Paramilitärische Kräfte: 5.000
Haushalt
Militärbudget: 6,0 Mrd. US-$ (2021)[4]
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: ca. 4,0 % (2020)[3]
Geschichte

Die katarischen Streitkräfte beteiligen sich mit einem Angehörigen an der UNIFIL-Mission im Libanon.[6]

Großbritannien hat vier C-130 der Royal Air Force in Katar stationiert. Des Weiteren betreiben die USA in Katar ein gemeinsames HBCT-Ausrüstungslager (APS) der Army, der Air Force, der Navy und der Marines mit 430 Angehörigen.

LandstreitkräfteBearbeiten

Das katarische Heer (engl.: Qatar Emiri Land Forces, abgekürzt QELF) ist mit 12.000 Soldaten die größte Teilstreitkraft. So sind lediglich 30 % der Soldaten Einheimische, während die restlichen aus 20 Nationen stammen. Die anfänglich britische Ausrüstung wurde in den 1980er-Jahren mit französischer wie AMX-30-Kampfpanzern, VAB, AMX-10, Milan und Crotale-FlaRak ergänzt. Als das katarische Heer die Überprüfung der von den USA gelieferten FIM-92 „Stinger“ 1988 verweigerte, verhängten die USA ein Waffenembargo bis zur Operation Desert Storm 1990.

Im Mai 2009 stimmte der Bundessicherheitsrat Deutschlands einer Lieferung von 36 Leopard-2-Kampfpanzern und im Sommer 2009 einer Lieferung von 24 Stück der Panzerhaubitze 2000 aus Deutschland an Katar zu. Am 18. April 2013 schloss das Emirat einen Vertrag über 24 Panzerhaubitzen PzH 2000 und 62 Kampfpanzer Leopard 2 zur Modernisierung des Heeres mit der Firma Krauss-Maffei Wegmann ab.[7][8] Des Weiteren stimmte im September 2014 der Bundessicherheitsrat dem Export von 13 Dingo-Radpanzern und 32 Spähpanzern des Typ Fennek zu.[9]

GliederungBearbeiten

Das Heer ist wie folgt gegliedert:[5]

AusrüstungBearbeiten

Fahrzeug Bild Herkunft Version Anzahl[5] Anmerkungen
Kampfpanzer
Leopard 2   Deutschland  Deutschland Leopard 2A7+ 62
Schützenpanzer
AMX-10P   Frankreich  Frankreich 40
AMX-VCI   Frankreich  Frankreich 30
Spähfahrzeuge
Fennek   Deutschland  Deutschland 32
VBL   Frankreich  Frankreich 16
AMX-10 RC   Frankreich  Frankreich AMX-10RC/105 12
Ferret   Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 12 wird durch den Fennek ersetzt
gepanzerte Transportfahrzeuge
Mowag Piranha   Schweiz  Schweiz/
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich
Piranha II 36 gebaut in Lizenz vom britischen Unternehmen Alvis plc
VAB   Frankreich  Frankreich 188 4 Exemplare sind mit Mörsern ausgerüstet und 24 Fahrzeuge mit HOT Lenkwaffen
ATF Dingo   Deutschland  Deutschland Dingo 2 14 13 geplant in drei Versionen
M706 Commando   Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten LAV-150 8
Nurol Ejder   Turkei  Türkei Yalcin 150 Weitere Fahrzeuge sind mit 9K135 Kornet ausgerüstet
BMC Kirpi   Turkei  Türkei Kirpi-2
RG-31   Sudafrika  Südafrika
NMS Turkei  Türkei Einige Exemplare sind mit 9K38 Igla und 9K135 Kornet ausgerüstet
Pionier- und Bergepanzer
Bergepanzer 2   Deutschland  Deutschland Wisent-2 6
AMX-30   Frankreich  Frankreich AMX-30D 1
Mowag Piranha Schweiz  Schweiz 2
Artillerie
PzH 2000   Deutschland  Deutschland 24 155-mm Panzerhaubitze
G5   Sudafrika  Südafrika 12 155-mm Feldhaubitze
ASTROS II   Brasilien  Brasilien 6 Raketenwerfer
SY-400 China Volksrepublik  Volksrepublik China 2 Kurzstreckenrakete[10]
L16   Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 26 Mörser
Thomson-Brandt   Frankreich  Frankreich 15
Panzerabwehrwaffen
FGM-148 Javelin   Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten Panzerabwehrlenkwaffe
MILAN   Frankreich  Frankreich
Deutschland  Deutschland
Panzerabwehrlenkwaffe
9K135 Kornet   Sowjetunion  Sowjetunion Kornet-EM Panzerabwehrlenkwaffe
FFV Carl Gustaf   Schweden  Schweden Reaktive Panzerbüchse

Ehemalige Fahrzeuge: EE-9 Cascavel, AMX F3

SeestreitkräfteBearbeiten

Die Marine Katars (engl.: Qatar Emiri Navy, abgekürzt QEN) umfasst eine Personalstärke von 2.500 Mann und operiert von den Häfen in Doha und der Insel Halul. Die Seestreitkraft begann ihren Einsatz in den 1980er Jahren mit drei Schnellbooten der Combattante-III-Klasse und wuchs in den 90ern von ursprünglich 700 Soldaten auf 1800 an. Geleitet wird die Marine vom Generalmajor Abdullah Hassan Al-Sulaiti.[11]

AusrüstungBearbeiten

(Daten aus:[5][12])

 
Schnellboot Al Udeid der Marine von Katar
 
Schnellboot Al Ghariyah
Klasse Herkunft Funktion Anzahl Schiffe Anmerkungen
Name Kennung
Al Zubarah Italien  Italien Korvette 4 Al Zubarah
Damsah
Al Khor
Sumaysimah
F101
F102
F103
F104
drei Schiffe befinden sich noch im Bau. Bis 2024 sind alle Schiffe zu liefern[11][13][14]
Vita Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich Schnellboot 4 Barzan
Huwar
Al Udeid
Al Deebeel
Q04
Q05
Q06
Q07
Italien  Italien Schnellboot 2 Musherib
Sheraouh
Q61
Q62
Basiert auf der Falaj-2-Klasse.[15] Das letzte Schiff wurde Anfang Juli 2022 ausgeliefert.[16]
Combattante III Frankreich  Frankreich Schnellboot 3 Damsah
Al Ghariyah
Rbigah
Q01
Q02
Q03
MRTP 16 Turkei  Türkei Patrouillenboot 3 Q42
Q43
Q44
MRTP 20 Turkei  Türkei Patrouillenboot [17]
MRTP 34 Turkei  Türkei Patrouillenboot 3 Q31
Q32
Q33
[18]
Italien  Italien Amphibious Transport Dock 1 basiert auf der San-Giorgio-Klasse. Schiff noch nicht ausgeliefert[11]
Turkei  Türkei Panzerlandungsschiff 1 Fuwairit QL80 Indienststellung 2022[19]
Turkei  Türkei Landungsschiff 2 [19]
Turkei  Türkei Landungsschiff 1 [19]
Turkei  Türkei Schulschiff 2 Al Doha
Al Shamal
QTS91
QTS92
Das erste Schiff wurde im August 2021 geliefert. Das zweite Schiff soll 2022 folgen[20]

LuftstreitkräfteBearbeiten

Die katarischen Luftstreitkräfte wurden 1974 drei Jahre nach der Unabhängigkeit von Großbritannien gegründet und waren in der Anfangszeit hauptsächlich mit Material britischer Herkunft ausgerüstet, wie beispielsweise dem Hawker Hunter.

 
Eine Mirage während des internationalen Militäreinsatzes in Libyen 2011

Die Luftstreitkräfte erwarben später in Frankreich Flugzeuge des Typs Mirage 2000. Im Jahr 2009 erhielt das Emirat zwei strategische C-17-Globemaster-III-Transporter und 2011 folgten vier taktische Transportflugzeuge vom Typ C-130J Hercules. Im November 2009 erhielt das Land den ersten von 18 bestellten AgustaWestland-AW139-Helikoptern. Bisher wurden lediglich zwölf leichte SA-342L-Gazelle-Kampf- und acht mittlere Westland-WS.61-Commando-Transporthubschrauber betrieben. Im Juni 2012 wurde die Kaufabsicht von zwölf UH-60M Black Hawk und im Juli 2012 der Kauf von 24 Pilatus PC-21 inklusive Simulatoren bekanntgegeben. Die ersten beiden PC-21 wurden Anfang Oktober 2014 an die QEAF ausgeliefert.

Seit Anfang 2011 lief eine Evaluierung, um die veralteten Mirage 2000-5 zu ersetzen. Am 4. Mai 2015 wurde der Vertrag über die Lieferung von 24 Maschinen der französischem Dassault Rafale für 6,3 Mrd. Euro unterzeichnet.[21] Des Weiteren bestellte Katar Mitte 2017 bei Boeing 36 Kampfflugzeuge des Typs Boeing F-15 Eagle für 12 Mrd. Dollar.[22] und im Dezember 2017 bei BAE Systems (Eurofighter Jagdflugzeug GmbH) 24 Eurofighter Typhoon für rund 5 Mrd. Pfund. Stand 2021 sind 6 Alpha Jets, 4 F-15 Eagle, 27 Rafale, 1 Eurofighter sowie 9 Mirage 2000 im Einsatz.[23]

EinsätzeBearbeiten

Die Luftwaffe Katars beteiligte sich am Internationalen Militäreinsatz in Libyen 2011. Im Syrischen Bürgerkrieg unterstützte die Luftwaffe Katars die USA bei Bombardierungen von Stellungen der Terrororganisation "Islamischer Staat".[24] Unter anderem lieferte Katar das deutsch-französische Panzerabwehrsystem MILAN an die Syrische Oppositionsarmee.

WeblinksBearbeiten

Commons: Streitkräfte Katars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. December 18 is a turning point in Qatar’s history: Al Attiyah. The Peninsula, 18. Dezember 2021, abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch).
  2. Naval Forces Celebrate Graduation of Several Course for 2021 Training Year. Gulf Times, 26. Dezember 2021, abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch).
  3. a b c The World Factbook–Qatar. Central Intelligence Agency, abgerufen am 10. Januar 2022.
  4. 2021 Qatar Military Strength. Abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch).
  5. a b c d International Institute for Strategic Studies (Hrsg.): The Military Balance 2021. 121. Auflage. Taylor & Francis, 2021, ISBN 978-1-03-201227-8, S. 361–363.
  6. UNIFIL Troop-Contributing Countries. Vereinte Nationen, abgerufen am 10. Januar 2022 (englisch).
  7. Deutsche Kampfpanzer für das Emirat Katar. Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 17. Mai 2010.
  8. Hauke Friedrichs: Feuer frei! Die Zeit, 16. Mai 2013, abgerufen am 16. Mai 2013.
  9. Thomas Wiegold: Rüstungsexport: Die jüngsten Entscheidungen. Augen geradeaus!, 3. Oktober 2014, abgerufen am 3. Oktober 2014.
  10. Qatar Parades New Chinese Short-Range Ballistic Missile System. www.thediplomat.com, 19. Dezember 2017, abgerufen am 21. Mai 2018 (englisch).
  11. a b c Xavier Vavasseur: Fincantieri Delivers Qatar’s First Air Defense Corvette “Al Zubarah”. Naval News, 28. Oktober 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  12. Navypedia–Qatar. Navypedia.org, abgerufen am 11. Januar 2022.
  13. Fincantieri launches Qatar’s third Al Zubarah-class corvette Al Khor. Naval Technology, 1. Oktober 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  14. Fincantieri delivers first corvette for Qatar. Shephard Media, 29. Oktober 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  15. Xavier Vavasseur: Fincantieri Launches Second OPV, Cuts Steel on Air-Defense LPD for Qatar. Naval News, 5. Juni 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  16. Fincantieri Delivers Second Musherib-Class OPV To Qatar. Naval News, 8. Juli 2022, abgerufen am 10. Juli 2022 (englisch).
  17. Yonca-Onuk JV Proves Itself Once Again to be the Designer of the World’s Fastest Mission Craft. In: savunmahaber.com. 18. November 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  18. The State of Qatarand Qatar Armed Forces. (PDF) In: defenceturkey.com. Abgerufen am 11. Januar 2022.
  19. a b c Tayfun Ozberk: Anadolu Shipyard launches new LCT for Qatari Navy. Naval News, 25. September 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  20. Martin Manaranche: Turkey’s ADIK Shipyard Delivers First Training Ship For Qatar. Naval News, 26. August 2021, abgerufen am 11. Januar 2022 (englisch).
  21. Katar kauft französische Kampfjets. In: Spiegel-Online. AFP, 4. Mai 2015, abgerufen am 8. Februar 2019.
  22. Greg Waldron: Qatar orders 36 F-15QA fighters. In: Flightglobal. Flight International, 16. Juni 2017, abgerufen am 8. Februar 2019 (englisch).
  23. World Air Forces 2022. (PDF) Flight International, abgerufen am 9. Januar 2022.
  24. Ansgar Graw: Obama attackiert IS in Syrien mit arabischer Allianz. Die Welt, 23. September 2014, abgerufen am 3. Oktober 2014.