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RS-24 (Rakete)

moderne russische Interkontinentalrakete

Die RS-24 „Jars“ (russisch РС-24 Ярс) ist eine Interkontinentalrakete aus russischer Produktion. Der NATO-Codename lautet SS-27 Mod. 2 Sickle-B[1] und im GRAU-Index wird sie 15Sch67 bezeichnet. Die Truppenbezeichnung des Systems lautet 15P171.[2] Es handelt sich um die Topol-M SS-27 Mod 1, aber mit schätzungsweise 4 MIRVs.[3]

RS-24 (Rakete)

RS-24 auf MZKT-79221
RS-24 auf MZKT-79221

Allgemeine Angaben
Typ: Interkontinentalrakete
Heimische Bezeichnung: RS-24 Jars, 15P171, 15Sch67
NATO-Bezeichnung: SS-27 Mod. 2 Sickle-B
Herkunftsland: RusslandRussland Russland
Hersteller: Moskauer Institut für Wärmetechnik
Entwicklung: 1998
Indienststellung: 2010
Einsatzzeit: Im Dienst
Technische Daten
Länge: 22,90 m
Durchmesser: 1.860 mm
Gefechtsgewicht: 47.000–49.600 kg
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:
Dritte Stufe:

Feststoff
Feststoff
Feststoff & PBV (Post Boost Vehicle)
Reichweite: 12.000 km
Ausstattung
Lenkung: INS und GLONASS
Gefechtskopf: 4 MIRV Nukleargefechtsköpfe mit je 100–300 kt
Zünder: Programmierter Zünder
Waffenplattformen: MZKT-79221 LKW oder Raketensilo
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Inhaltsverzeichnis

EntwicklungBearbeiten

Die RS-24 wurde vom Westen weitgehend unbeobachtet entwickelt. Sie basiert auf dem Entwurf der Interkontinentalrakete RS-12PM-OS Universal. Bei dieser Rakete handelte es sich um eine abgeänderte RS-12M Topol (SS-25 Sickle), die mit einer neuen Gefechtskopfsektion für bis zu sechs MIRV-Sprengköpfe bestückt war. Dieses Projekt wurde anfangs der 1990er-Jahre abgebrochen und nicht weiterverfolgt. Mitte der 2000er-Jahre wurde die Gefechtskopfsektion der RS-12PM-OS Universal so modifiziert, dass sie auf eine RS-12M2 Topol-M aufgesetzt werden konnte. Die so entstandene Rakete wird als RS-24 „Jars“ bezeichnet.[4][5][6]

Obwohl eine MIRV-Version der Topol-M bereits im Dezember 2006 offiziell von Nikolai Solowzow, Oberbefehlshaber der strategischen Raketentruppen Russlands, angekündigt wurde[7] und es noch länger Spekulationen über einen solchen Schritt gab, wurde der erste Test im Jahr 2007 unter Journalisten als Überraschung aufgenommen. Die auch für westliche Militärkreise überraschende Demonstration, von der weltweit TV-Aufnahmen verbreitet wurden, wird von Beobachtern als Antwort von Russlands Vize-Ministerpräsidenten und Rüstungsverantwortlichen Sergei Iwanow auf die angekündigten US-amerikanischen Raketenabwehrstationen in Polen und Tschechien gedeutet (vgl. Active Layered Theatre Ballistic Missile Defence). Politisch wird der Überraschungscoup auch als russische Mahnung zur Ratifizierung des Abrüstungsvertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) gesehen, der allerdings nach ergebnislosen Verhandlungen in Wien vom russischen Präsidenten Wladimir Putin am 14. Juli 2007 ausgesetzt worden war.[8]

Die Rakete startete vom Plessezk-Weltraumzentrum im Nordwesten Russlands um 10:20 Uhr UTC und erreichte weniger als eine halbe Stunde später ihr Ziel auf der Halbinsel Kamtschatka, 5300 km weiter östlich, mit der erwarteten Treffergenauigkeit. Zwei weitere erfolgreiche Testflüge von Plessezk gab es am 25. Dezember 2007 sowie am 26. November 2008.[9] Im Juli 2010 gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, dass die ersten drei Raketen auf der Raketenbasis Teikowo stationiert wurden.[10] Des Weiteren berichtete der Befehlshaber der Strategischen Raketentruppen (RWSN), Generalleutnant Sergej Karakajew, am 1. Dezember 2010, dass die mobilen Topol- bzw. Topol-M-Raketen mit Einfachsprengkopf (MARV) schrittweise durch die neuen Interkontinentalraketen RS-24 „Jars“ mit Mehrfachsprengköpfen (MIRV) ersetzt werden sollen.[11] Der jüngste Raketenstart fand am 6. Februar 2019 vom Kosmodrom Plessezk aus einer mobilen Startposition statt. Die Sprengköpfe trafen planmäßig die Ziele auf dem Raketentestgelände Kura, auf der Halbinsel Kamtschatka.[12]

TechnikBearbeiten

Die RS-24 benutzt die Antriebstechnik der ab 1991 entwickelten RS-12M1 Topol-M (NATO-Codename: SS-27 Sickle-B). Dieses System, eine Kombination von Feststoffantrieb mit einer mobilen Raketenstartrampe auf einem geländegängigen 16×16-LKW des Typs MZKT-79221, ist eine autarke, mobile ICBM, die bei einem gegnerischen Erstschlag hohe Überlebenschancen hat. Die russischen Streitkräfte gaben bekannt, dass es neben der mobilen auch eine silogestützte Version geben wird.[13] Im Unterschied zur Topol-M verfügt die RS-24 jedoch über MIRV-Technik, kann also mehrere Sprengköpfe freisetzen, die unabhängig voneinander Ziele ansteuern, während die Topol-M einen einzelnen MARV-Sprengkopf besitzt. Die RS-24 soll vier MIRV-Sprengköpfe mit einer Sprengleistung von jeweils 100 bis 300 kt tragen. Die Steuerung erfolgt mittels einer Trägheitsnavigationsplattform sowie dem GLONASS-Satellitennavigationssystem. Mit diesen beiden Systemen soll eine Treffgenauigkeit (CEP) unter 250 m erreichbar sein.

VersionenBearbeiten

  • RS-24 Jars:-M (SS-27 Mod. 2 Sickle-B) mobile Version, installiert auf einem 16×16-LKW 15U175M
  • RS-24 Jars-M: (SS-27 Mod. 3 Sickle-B) silogestützte Version[2]

StatusBearbeiten

Ab dem 27. Juli 2019 befinden sich mindestens 120 RS-24 Raketen in der mobilen und 20 RS-24 Raketen in der stationären Version im Dienst der russischen Raketentruppen.[14] Die mobilen Raketen sind in Teikowo, Nischni Tagil, Joschkar-Ola, Irkutsk und Nowosibirsk stationiert, während die silogestützten Raketen in Koselsk stationiert sind.

WeblinksBearbeiten

  Commons: RS-24 Jars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://fas.org/blogs/security/2014/05/russianmodernization/
  2. a b militaryrussia.ru, Zugriff: 25. November 2014 (russisch)
  3. https://fas.org/blogs/security/2014/05/russianmodernization/
  4. Landgestützte sowjetische/russische ballistische Lenkwaffen. DTIG – Defense Threat Informations Group, Februar 2011, S. 34+36.
  5. IHS Jane's Weapons: Strategic 2012–2013 (Jane's Weapon Systems Strategic). Duncan Lennox, Janes Information Group; 56th edition edition, März 2012, ISBN 0-7106-3021-2.
  6. A.B. Karpenko, A.D. Popow, Ju.S. Solomonow, A.F. Utkin: Sowjetisch-russische strategische Raketenkomplexe. Elbe-Dnjepr-Verlag, Mai 2006, ISBN 3-933395-79-8.
  7. Spekulation um Start-1 – Topol-M-Raketen erhalten Mehrfachgefechtsköpfe. RIA Novosti, 19. Dezember 2006, abgerufen am 16. April 2014.
  8. Jonathan Marcus: Russia sends warning to the West. BBC, 14. Juli 2007, abgerufen am 16. April 2014 (englisch).
  9. Flight test of RS-24 missile
  10. Russianforces.org – Le RS-24 est arrivé!
  11. Russland plant Aufrüstung mit neuer Superrakete RS-24. RIA Novosti, 1. Dezember 2010, abgerufen am 16. April 2014.
  12. С космодрома Плесецк проведён пуск ракеты РС-24 «Ярс». In: Красная звезда. redstar.ru, 8. Februar 2019, abgerufen am 2. August 2019 (russisch).
  13. Russianforces.org: Silo-based RS-24
  14. Крамник, Илья: 85 процентов новизны: как меняются ядерные силы России. In: ИЗВЕСТИЯ. iz.ru, 27. Juli 2019, abgerufen am 2. August 2019 (russisch, u. a. befinden sich mindestens 120 RS-24 Raketen in mobiler und 20 RS-24 Raketen in stationärer Version).