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Chalifa Haftar

libyscher General
Chalifa Haftar, 2011

Chalifa Haftar (arabisch خليفة بلقاسم حفتر, DMG Ḫalīfa Bilqāsim Ḥaftar) ist ein libyscher Militär. Während der Herrschaft Muammar al-Gaddafis war er in den 1980er Jahren militärischer Befehlshaber bei einer militärischen Intervention Libyens im Tschad. Er beteiligte sich am Sturz Gaddafis. Im Mai 2014 besetzten Anhänger Haftars das libysche Parlamentsgebäude. Seit Mai 2014 ist er eine der Schlüsselfiguren im Zweiten Libyschen Bürgerkrieg und seit 2015 Oberbefehlshaber der libyschen Armee.

LebenBearbeiten

1969 beteiligte sich Chalifa Haftar am erfolgreichen Putsch Gaddafis gegen König Idris von Libyen. Anschließend machte er Karriere in der libyschen Armee.[1] Haftar war Kommandeur von libyschen Interventionstruppen im Tschad.[2] Ab Anfang 1987 wurden die libyschen Truppen zurückgedrängt.[3] Haftar wurde nach dem Scheitern der Intervention im Bürgerkrieg des Tschad gefangen genommen. Er setzte sich dann 1987 in die Vereinigten Staaten ab und sagte sich von Gaddafi los.[2] 1996 beteiligte er sich an einem erfolglosen Umsturzversuch gegen Gaddafi.[1]

Nach dem Sturz Gaddafis im arabischen Frühling sollte Chalifa Haftar 2011 die Streitkräfte seines Landes neu organisieren. Diese Aufgabe wurde ihm aber nach kurzer Zeit entzogen.[4] Die von ihm kontrollierten Sintan-Brigaden (sie selbst nennen sich Libysche Nationalarmee) wenden sich gegen islamistische Tendenzen.[4] Am 18. Mai 2014 griffen Einheiten der Brigaden das Parlament an und besetzten es, zogen sich dann aber in von dieser Miliz kontrollierte Gebiete um den Flughafen von Tripolis zurück.[4] Zur gleichen Zeit lief eine zwei Tage zuvor gestartete Operation der Milizen Haftars gegen islamistische Gruppen in Bengasi.[5] Regierung, Parlament und Armee Libyens warfen Haftar in einer gemeinsamen Erklärung einen Putschversuch vor.[6] Der Kommandeur der Spezialkräfte der libyschen Armee und die Truppen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Tobruk schlossen sich Haftar am 19. Mai 2014 an.[7]

Am 2. März 2015 berief ihn das (ost-)libysche Repräsentantenhaus in Tobruk zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte Libyens.[8] Laut Artikel 8 der Zusatzbestimmungen zum Libyschen Politischen Abkommen, das am 17. Dezember 2015 in Skhirat (Marokko) unterzeichnet wurde und sofort in Kraft trat, ging der militärische Oberbefehl auf den durch das Abkommen geschaffenen Präsidialrat über; die Position des Oberbefehlshabers musste neu besetzt werden. Die Umsetzung dieser Bestimmung ist in Libyen weiterhin umstritten, nachdem das Repräsentantenhaus am 25. Januar 2016 dem Politischen Abkommen nur mit einem Vorbehalt gegen Artikel 8 zustimmte.[9] Im Juli 2017 gab Haftar bekannt, die islamistische Miliz Ansar al-Scharia besiegt und Bengasi erobert zu haben.[10]

Russland wünscht für Haftar eine führende Rolle in Libyen und will Waffen liefern, sobald die Sanktionen aufgehoben werden.[11][12]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Peter Steffe, Der General, der plötzlich wieder da war (Memento vom 23. Mai 2014 im Internet Archive), tagesschau.de vom 23. Mai 2014.
  2. a b Portrait Chalifa Haftar: Aus Virginia nach Bengasi, die tageszeitung vom 18. Mai 2014.
  3. Schwieriges Gelände, Der Spiegel Heft 14/1987 vom 30. März 1987.
  4. a b c Chaos in Libyen: Abtrünniger General lässt Parlament stürmen, Spiegel Online vom 19. Mai 2014.
  5. Abtrünniger Ex-Militär säubert Libyen auf eigene Faust, Focus vom 19. Mai 2014.
  6. Libysche Regierung wirft früherem General Haftar Putschversuch vor, Die Welt vom 19. Mai 2014.
  7. Revolte in Bengasi und Tripolis: Libyen steht vor neuem Bürgerkrieg, Spiegel Online vom 20. Mai 2014.
  8. International anerkanntes Parlament ernennt Armeechef, Neue Zürcher Zeitung, 2. März 2015
  9. UNSMIL Press Releases. In: unsmil.unmissions.org. Abgerufen am 19. Juni 2016.
  10. Ulrich Schmid: Haftar feiert Eroberung Benghasis. Der Warlord im Osten Libyens verkündet einen Sieg über die Islamisten. In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. Juli 2017, S. 7.
  11. Russia Urges Libya Leadership Role for UN-Defying Military Chief.
  12. Russland schickt offenbar Spezialkräfte Richtung Libyen, Die Zeit, 14. März 2017