Oldenswort

Gemeinde in Deutschland

Oldenswort (dänisch Oldensvort) im schleswig-holsteinischen Kreis Nordfriesland ist eine Gemeinde des Amtes Eiderstedt.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oldenswort
Oldenswort
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oldenswort hervorgehoben

Koordinaten: 54° 22′ N, 8° 56′ O

Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Eiderstedt
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 45,84 km2
Einwohner: 1262 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25870
Vorwahl: 04864
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 095
Adresse der Amtsverwaltung: Welter Straße 1
25836 Garding
Website: www.amt-eiderstedt.de
Bürgermeister: Frank-Michael Tranzer (SPD)
Lage der Gemeinde Oldenswort im Kreis Nordfriesland
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Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Das Gemeindegebiet von Oldenswort erstreckt sich nordwestlich des letzten Eider­bogens vor dessen Mündungstrichter bei Tönning im Landschaftsbereich der Eiderstedter Marsch.

NachbargemeindenBearbeiten

An Oldenswort direkt angrenzende Gemeindegebiete sind:

Norderfriedrichskoog Uelvesbüll Witzwort
Tetenbüll   Lehe (Kreis Dithmarschen)
Kotzenbüll Karolinenkoog (Kreis Dithmarschen),
Tönning
Groven (Kreis Dithmarschen)

GeologieBearbeiten

Das Gemeindegebiet ist größtenteils Bestandteil des Lanschaftsraums der Eiderstedter Marsch. Dieser Bereich wurde bereits im 12. Jahrhundert mit einem 1,5 Meter hohen Sommerdeich umgeben. Jüngere angrenzende Bedeichungen im Gemeindegebiet sind der Süderfriedrichskoog, welcher 1613 bedeicht wurde, sowie der Harbleker Koog von 1612, respektive der zwischen 1766 und 1805 von letztgenanntem durch einen Sommerdeich abgetrennte Tetenskoog.

GeschichteBearbeiten

Der Name Oldenswort leitet sich möglicherweise vom Namen Olde Warft (auf Hochdeutsch: alte Warft) ab. Eine ausgeprägte Siedlungstätigkeit begann erst etwa um das Jahr 1000. Oldenswort war schon lange bekannt und erhielt schon früh die Fleckengerechtigkeit, die der Ort 1800 wieder verloren hat. Im Jahr 1205 wurde der Ort erstmals erwähnt. 1252 landete König Abel von Dänemark bei der Kapelle, um gegen die Eiderstedter, die ihm nicht huldigen wollten, Krieg zu führen. Der Krieg endete für König Abel mit einer Katastrophe, wie Helmold von Bosau in seiner Chronik beschreibt: „Er fiel mit einem Großteil seines Heeres“.[2]

In der Zweiten Marcellusflut erlitt Oldenswort schwere Schäden. Als 1415 und 1416 die Dithmarscher einfielen, wurde der Ort verwüstet und brannte nieder. Als die Kaiserlichen während des Dreißigjährigen Kriegs das Land verwüsteten, war auch Oldenswort betroffen. Im Laufe der Nordischen Kriege wurde die Stadt Tönning 1713 belagert, was auch negative Folgen für den Ort hatte. In dem gleichen Jahr gab es eine Konvention zwischen Peter dem Großen und Friedrich IV. von Dänemark und Norwegen. Im Jahre 1784 brannte ein großer Teil des Fleckens nieder, wurde aber bald wieder aufgebaut. Später verloren viele Einwohner ihr Hab und Gut durch den dänischen Staatsbankrott 1815, in dessen Folge das Gemeindegebiet um fast die Hälfte schrumpfte.

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Bei den Kommunalwahlen am 6. Mai 2018 erhielt die SPD 45,3 % der abgegebenen Stimmen und sechs Sitze (+1), die CDU errang mit 31,2 % vier Sitze (±0). Auf die WVO entfielen 23,5 % und damit drei Sitze (−1). Die Wahlbeteiligung betrug 64,3 Prozent.

BürgermeisterBearbeiten

Für die Wahlperiode 2013–2018 wurde Frank-Michael Tranzer (SPD) erneut zum Bürgermeister gewählt.[3] Seine dritte Amtsperiode begann im Juni 2018.[4]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Von einer goldenen Ähre mit nach außen gebogenen Hüllblättern in Blau und Rot geviert. In 1 eine goldene Kirche, in 4 ein goldener Dreimaster.“[5]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Oldensworter KircheBearbeiten

 
St. Pankratius

Die aus Backstein erbaute Oldensworter Kirche St. Pankratius geht auf einen romanischen Bau zurück, der wohl im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Sie hat eine hölzerne Kassettendecke. Die Ausstattung stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert. Rechts von ihr steht unterhalb des Kirchhofs die Wilhelmseiche, gepflanzt 1897 zur Erinnerung an den 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I.

Herrenhaus HoyerswortBearbeiten

 
Herrenhaus Hoyerswort

In Oldenswort befindet sich Eiderstedts einziges Herrenhaus, Hoyerswort. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau der Renaissance mit einem Treppenturm, der von einem doppelten Wassergraben umgeben ist. Im 16. Jahrhundert wurde es vom königlich dänischen Staller (Statthalter) Caspar Hoyer gebaut, von dem es auch seinen Namen hat.[6] Seine Schwiegertochter Anna Ovena Hoyer versammelte dort eine von den Ortsgeistlichen als häretisch angesehene Gemeinde. 1632 verkaufte sie das Herrenhaus an Augusta von Dänemark, die Witwe des Herzogs Johann Adolf. In der Folgezeit wechselte das Haus mehrfach den Besitzer, so gehörte es 1656–1679 dem herzoglichen Kammerrat Andreas Cramer. 1713 nahm dort der dänische König Friedrich IV. die Kapitulation der in der Festung Tönning stationierten schwedischen Truppen unter Magnus Stenbock im Großen Nordischen Krieg entgegen, womit der Krieg faktisch entschieden war. Das Gut gelangte nach wechselnden Eigentümern im Jahr 1771 in das Eigentum der Familie Hamkens, in dem es bis zum Jahr 2013 verblieb.

Tönnies-DenkmalBearbeiten

In Oldenswort steht seit 1990 ein Bronzedenkmal von Raimund Kittl des dort – auf dem mittlerweile untergegangenen Haubarg De Riep – geborenen Ferdinand Tönnies, des Begründers der deutschen Soziologie.[7]

 
Holländermühle Catharina (2015)

Mühle CatharinaBearbeiten

Die unter Denkmalschutz stehende Holländerwindmühle wurde 1786 als Erdholländer-Mühle erbaut. 1886 wurde der Aufbau an Flaschenzügen hochgezogen, um darunter einen Mauerwerksockel zu errichten. Die Mühle Catharine ist damit eine Bergholländermühle. Erst in den 1970er Jahren wurde der Mahlbetrieb eingestellt.[8] Nach der Restaurierung wird sie als Ferienhaus genutzt. Durch das Sturmtief Herwart wurden in der Nacht zum 29. Oktober 2017 Dach und Flügel abgerissen.[9] Im Juni 2018 wurde die wiederhergestellte Haube mit den Flügeln wieder aufgesetzt.[10]

VerkehrBearbeiten

Das Gemeindegebiet wird im Motorisierten Individualverkehr von der Bundesstraße 5 nördlich von Tönning durchquert. Die gemeindliche Dorflage liegt jedoch von der Bundesstraße westlich abzweigend an der Landesstraße 36.

Im Öffentlichen Personennahverkehr wird das Gemeindegebiet durch die Bahnstrecke Husum–Bad St. Peter-Ording durchkreuzt. Der in der Gemeinde gelegene Haltepunkt lautet Harblek und befindet sich bei der gleichnamigen Siedlung im bauplanungsrechtlichen Außenbereich. Es ist ein Bedarfshalt. Die Distanz vom Bahnhof ins Dorf beträgt gut 2 Kilometer. Die genannte Bahnstrecke wird von der Regionalbahn 64 im Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein bedient.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Weitere PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hasso Reschenberg: Oldenswort. Ein Dorf mit Geschichte. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1996, ISBN 978-3-88042-788-4.

WeblinksBearbeiten

Commons: Oldenswort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2018 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gedenkstein an die Schlacht bei Oldenswort (Memento vom 16. Februar 2015 im Internet Archive) Helmold von Bosau berichtete nur bis in die 1170er Jahre.
  3. Applaus für den Gemeinde-Chef Husumer Nachrichten vom 27. Juni 2013, abgerufen am 21. Dezember 2015
  4. Frank Tranzer bleibt Bürgermeister
  5. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  6. Deert Lafrenz: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2015, ISBN 978-3-86568-971-9, S. 263.
  7. Uwe Carstens: Ferdinand Tönnies. Friesen und Weltbürger, Norderstedt 2005, S. 316 (m. Abb.), ISBN 3-8334-2966-6.
  8. Mühle Catharina Wissenswertes
  9. Sturmtief „Herwart“ tobt sich über SH aus. In: ndr.de. 29. Oktober 2017.
  10. Mühle Catharina in Oldenswort: Das Wahrzeichen hat wieder einen Kopf – Quelle: https://www.shz.de/20069847 ©2019