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Historisches Bedarfhaltestellenschild der Straßenbahn Wien
Historisches Trolleybus-Bedarfshaltestellenschild aus London
Historisches Omnibus-Bedarfshaltestellenschild aus England
Historisches Omnibus-Bedarfshaltestellenschild aus Genf

Ein Bedarfshalt, auch Halt(en) auf Verlangen, Halt(en) auf Wunsch oder fakultative(r) Halt(estelle) genannt, ist eine Haltestelle beziehungsweise ein Haltepunkt, an der beziehungsweise an dem ein Fahrzeug des öffentlichen Personennahverkehrs nur nach Anmeldung eines Haltewunsches durch einen Fahrgast anhält. Bedarfshaltestellen werden meist dann eingerichtet, wenn entweder ein nur geringes Reisendenpotenzial vorhanden ist oder die Haltestelle nur saisonal genutzt wird. Von Vorteil ist die kürzere Reisezeit durch Entfall der Fahrgastwechselzeit, sofern niemand ein- oder aussteigen möchte, ferner der geringere Energieverbrauch, bedingt durch den entfallenden Brems- und Anfahrvorgang. Insbesondere die – vergleichsweise langsam fahrenden – früheren Pferdebahnen kamen dabei häufig ganz ohne feste Zwischenhaltestellen aus. Bedarfshaltestellen steigern auch den Fahrkomfort, da ein Wegfall von Verzögerung und Beschleunigung an Haltestellen, wo nicht gebremst werden muss, zu einem gleichmäßigeren und angenehmeren Reisegefühl führt.

Inhaltsverzeichnis

AbgrenzungBearbeiten

Das Gegenteil eines Bedarfshalts ist die sogenannte Zwangshaltestelle[1], auch Pflichthaltestelle[2], ständige Haltestelle, feste Haltestelle, Haupthaltestelle[3] oder – zum Beispiel vor Kreuzungen – Sicherheitshaltestelle[3] genannt.

Auch Haltestellen, die nur zu besonderen Anlässen (z. B. Sportveranstaltungen, vergleiche Haltepunkt Watford Stadium) oder zeitweilig (z. B. nur in den Hauptverkehrszeiten, nur am Wochenende oder nur während der Schulferien), dann aber mit obligatorischem Halt wenigstens einzelner Fahrten, bedient werden, sind keine Bedarfshalte im Sinne der obigen Definition. Einen Sonderfall stellte früher die an der Landesgedächtnisstätte Tummelplatz gelegene Haltestelle Tummelplatz der Innsbrucker Mittelgebirgsbahn dar, die bis 1985 nur im Allerheiligenverkehr am 1. November bedient wurde. Eine ähnliche Regelung gilt für die Haltestelle Rüttenscheider Markt der Straßenbahn Essen, die nur zu den Marktzeiten bedient wird, das heißt nur Mittwochs und Samstags und auch an diesen Tagen nur vormittags.

Bedarfshalte für ReisegruppenBearbeiten

Eine Besonderheit sind Bedarfshaltepunkte für Reisegruppen. In diesem Fall hält das Verkehrsmittel dort nur, wenn eine vorher definierte Mindestanzahl von Reisenden ein- oder aussteigen möchte, die diesen Wunsch vorab beim Verkehrsunternehmen angemeldet hat. Ein Beispiel ist der Haltepunkt Willingen-Stryck, der nahe der Mühlenkopfschanze liegt.

Kennzeichnung in FahrplänenBearbeiten

 
Fahrplan von Brig nach Disentis/Muster mit zehn ständigen sowie zwei zeitweisen Bedarfshalten

In gedruckten Fahrplänen wird der Bedarfshalt meist entsprechend dem mittlerweile aufgehobenen UIC-Merkblatt 411 „Gestaltung, Inhalt und Aufbau der Kursbücher“[4] durch ein „X“ vor der betreffenden Station angegeben. Wenn dies nur einen bestimmten Zughalt betrifft, steht in der Fahrplantabelle das X vor der Abfahrtszeit.

Varianten der SignalisierungBearbeiten

Zur Signalisierung des Haltewunschs gibt es verschiedene Varianten, die von zwei Faktoren abhängen: zum einen davon, ob der Fahrgast einsteigen oder aussteigen möchte, zum anderen vom Fahrzeugtyp.

Möglichkeiten zur Kennzeichnung des Einstiegswunschs:

  • Halt auf Sicht: Fahrer sieht den einstiegswilligen Reisenden an der Haltestelle warten. Dies wird meist im Omnibus-, Oberleitungsbus- und Straßenbahnverkehr angewandt. Auch bei langsam befahrenen Eisenbahnstrecken wird diese Methode verwendet.
  • Halt auf Signal: Bei vielen Eisenbahn-Bedarfshaltestellen schaltet der Fahrgast ein Signal (im Geltungsbereich der Ril 301 zumeist ein blinkendes Ne 5) ein, das dem Fahrzeugführer den Haltewunsch übermittelt. Dieses Signal kann auch elektronisch übermittelt werden, zum Beispiel von mobilen oder stationären Endgeräten über Mobiltelefonnetzwerke (TCP/IP oder SMS). Die Übertragung von der Bedarfshaltestelle[5] kann direkt an das Fahrzeug oder an einen Server erfolgen, wobei der Server die Weiterleitung an das von der Bestellung betroffene Fahrzeug erfüllen muss.

Von Nachteil können Bedarfshalte sein, an denen mehrere Linien halten. Hierbei muss der Wagenführer in jedem Fall anhalten, wenn Fahrgäste an der Haltestelle stehen, auch wenn diese eigentlich auf den Wagen einer anderen Linie warten. Gleiches gilt wenn sich an der Haltestelle Passanten aufhalten, die gar keine Reiseabsicht haben, sondern lediglich auf jemanden warten oder Schutz vor Regen suchen. Aus den genannten Gründen müssen beispielsweise bei der flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn einsteigewillige Fahrgäste ihre Hand heben, damit das einfahrende Fahrzeug auch tatsächlich anhält.[6]

Möglichkeiten zur Kennzeichnung des Ausstiegswunschs:

  • Halt auf Knopfdruck: In den meisten Straßenbahnwagen, Oberleitungsbussen, Omnibussen und modernen Eisenbahn-Triebwagen kann der Fahrgast dem Fahrzeugführer durch das Drücken eines Signalknopfs seinen Ausstiegswunsch übermitteln. Meist leuchtet nach dem Drücken des Knopfes ein Signalschild „Wagen hält“ oder ähnlich, durch das angezeigt wird, dass das Drücken erfolgreich war beziehungsweise weitere Fahrgäste nicht ebenfalls drücken müssen. Teilweise reicht auch das rechtzeitige Drücken der Türöffnungstaste um den Haltewunsch anzumelden.
  • Halt auf mündliche Anfrage: Insbesondere auf Bahnstrecken, die von älteren Triebwagen oder Zügen befahren werden, muss der Fahrgast seinen Ausstiegswunsch dem Schaffner oder dem Triebfahrzeugführer mündlich übermitteln. Während Stadt- und Regionalbusse heute praktisch immer über eine Haltewunschanlage (Stopp-Knöpfe) verfügen, fehlen diese oft in Kombibussen, die für Kurzreisen und weitere Überlandstrecken gleichzeitig tauglich sind sowie in sehr alten Überlandbussen.

Ausstieg zwischen zwei HaltestellenBearbeiten

Verschiedene Verkehrsunternehmen bieten ihren Fahrgästen an, auf Wunsch auch zwischen zwei regulären Haltestellen aussteigen zu können – sofern das Fahrpersonal die zusätzliche Haltesposition als verkehrssicher einstuft. In neuerer Zeit wurde dies im Außenbereich von Großstädten eingeführt, so zum Beispiel 1990 bei der Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) ab 19:00 Uhr und ganztags an den Wochenenden. Dies wird heute so bei den Buslinien außerhalb der Innenstadtgebiete im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) angeboten. Bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) ist dies erst ab 21 Uhr auf allen Buslinien außerhalb der Innenstadt möglich.[7] Schon bei der Stuttgarter Pferdebahn galt eine ähnliche Regelung. Diese führte zwar 1878 feste Stationen ein, hielt aber auf Wunsch der Fahrgäste auch weiterhin an jedem Punkt der Strecke an.[8]

GalerieBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Bedarfshalt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Bedarfshaltestellen im deutschsprachigen Raum

EinzelnachweiseBearbeiten