Neukirchen (Nordfriesland)

Gemeinde im deutschen Kreis Nordfriesland

Neukirchen (dänisch: Nykirke, friesisch: Naischöspel, plattdeutsch Niekarken) ist eine Gemeinde im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Neukirchen
Neukirchen (Nordfriesland)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neukirchen hervorgehoben

Koordinaten: 54° 52′ N, 8° 44′ O

Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Nordfriesland
Amt: Südtondern
Höhe: 0 m ü. NHN
Fläche: 31,58 km2
Einwohner: 1134 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25927
Vorwahl: 04664
Kfz-Kennzeichen: NF
Gemeindeschlüssel: 01 0 54 086
Adresse der Amtsverwaltung: Marktstraße 12
25899 Niebüll
Website: www.neukirchen-nordfriesland.de
Bürgermeister: Peter Ewaldsen (AWG)
Lage der Gemeinde Neukirchen im Kreis Nordfriesland
AchtrupAhrenshöftAhrenviölAhrenviölfeldAlkersumAlmdorfArlewattAventoftBargumBehrendorfBohmstedtBondelumBordelumBorgsumBosbüllBraderupBramstedtlundBredstedtBreklumDagebüllDrageDrelsdorfDunsumElisabeth-Sophien-KoogEllhöftEmmelsbüll-HorsbüllEnge-SandeFresendelfFriedrich-Wilhelm-Lübke-KoogFriedrichstadtGalmsbüllGardingGarding  KirchspielGoldebekGoldelundGrödeGrothusenkoogHallig HoogeHaselundHattstedtHattstedtermarschHögelHolmHörnum (Sylt)HorstedtHudeHumptrupHumptrupHusumImmenstedtJoldelundKampen (Sylt)KarlumKatharinenheerdKlanxbüllKlixbüllKoldenbüttelKolkerheideKotzenbüllLadelundLangeneßLangenhornLeckLexgaardList auf SyltLöwenstedtLütjenholmMidlumMildstedtNebelNeukirchenNieblumNiebüllNorddorf auf AmrumNorderfriedrichskoogNordstrandNordstrandNorstedtOckholmOevenumOldenswortOldersbekOlderupOldsumOldsumOstenfeld (Husum)Oster-OhrstedtOsterheverPellwormPellwormPellwormPoppenbüllRamstedtRantrumReußenkögeRisum-LindholmRodenäsSankt Peter-OrdingSchwabstedtSchwabstedtSchwesingSeethSimonsbergSollwittSönnebüllSprakebüllStadumStedesandStruckumSüderendeSüderhöftSüderlügumSüdermarschSyltTatingTetenbüllTinningstedtTönningTümlauer-KoogUelvesbüllUphusumUtersumViölVollerwiekVollstedtWeltWenningstedt-Braderup (Sylt)Wester-OhrstedtWesterheverWestreWinnertWischWitsumWittbekWittdün auf AmrumWitzwortWobbenbüllWrixumWyk auf FöhrKarte
Über dieses Bild
Neukirchen von oben

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

 
Historische Karte der Tondernschen Marsch am Rande der Horsbüllharde nach Joan Blaeu aus dem Atlas Maior.

Die Gemeinde Neukirchen erstreckt sich im Norden des Landschaftsraums Schleswig-Holsteinische Marschen und Nordseeinseln (D21) im Hinterland der Nordsee­küste vom Kreis Nordfriesland. Sie befindet sich heute in Nähe der Deutsch-dänischen Grenze im historischen Landschaftsbereich der Horsbüllharde (zu späterer Zeit: Wiedingharde).

GemeindegliederungBearbeiten

Neben Seebüll – ehemals Wohnort des Malers Emil Nolde – sind Hesbüll, Siel, Nordosterdeich und Süderdeich weitere Ortsteile von Neukirchen.[2]

NachbargemeindenBearbeiten

Benachbarte Gemeindegebiete von Neukirchen sind:[3]

Rodenäs Aventoft
Klanxbüll   Humptrup,
Uphusum
Emmelsbüll-HorsbüllNiebüll

GeschichteBearbeiten

Neukirchen wurde erstmals 1231 im Waldemar-Erdbuch als Kirchdorf erwähnt. Die St.-Johannes-Kirche wurde kurz vorher auf einer alten Warft als spätromanischer Backsteinbau errichtet. Nach dem Vorbild des Riber Doms erhielt sie wenig später ein frühgotisches Gewölbe. Neben Resten verschiedener mittelalterlicher Wandmalereien besitzt die Kirche einen Taufstein, der vielleicht noch älter ist als die Kirche, eine Darstellung des thronenden Christi inmitten der Apostel aus dem 14. Jahrhundert, einen spätgotischen Schnitzaltar aus dem 16. Jahrhundert und eine Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Der hölzerne Glockenturm stammt von 1731.[4]

Bei der Eindeichung der Wiedingharde 1436, dem Bau des sogenannten Goldenen Rings, blieb das auf Warften liegende Dorf außen vor. Erst die Eindeichung des Gotteskooges 1566 brachte dauernden Schutz vor dem Meer.

In der Zeit der Zugehörigkeit zum dänischen Gesamtstaat war Neukirchen Hauptort des gleichnamigen Kirchspiels und administrativ Teil der Wiedingharde innerhalb des Tønder Amt. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg im Jahr 1864 kam der Ort 1867 zu Preußen. Neukirchen war ab 1889 bis 1967 Verwaltungssitz des Amtsbezirks bzw. Amtes Neukirchen und danach bis zum 30. September 2005 des Amtes Wiedingharde.

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein 2018 erzielte die CDU 33,6 Prozent der Simmen und erhielt 4 von diesmal insgesamt nur noch 11 Sitzen in der Gemeindevertretung. Die neue Wählergruppe AN vereinigte 27,9 Prozent der Stimmen auf sich und erhielt 3 Sitze, die Wählergemeinschaft AWG 23 Prozent und der SSW 15,6 Prozent (jeweils 2 Sitze). Die Wahlbeteiligung betrug diesmal 52,6 Prozent.[5]

Von 13 Sitzen der Gemeindevertretung hatte die Wählergemeinschaft AWG seit der Kommunalwahl 2008 sechs, die CDU und die SPD je drei und der SSW einen. Bei den Wahlen am 26. Mai 2013 erhielten die AWG 39,6 Prozent, die CDU 25,0 Prozent, die SPD 22,4 Prozent, der SSW 10,0 Prozent und die Wählergruppe NfWGN 3,0 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Sitzverteilung blieb unverändert. Die Wahlbeteiligung betrug zuletzt 50,3 Prozent.[6]

Von 13 Sitzen der Gemeindevertretung hatte die Wählergemeinschaft AWG seit der Kommunalwahl 2008 sechs, die CDU und die SPD je drei und der SSW einen. Bei den Wahlen am 26. Mai 2013 erhielten die AWG 39,6 Prozent, die CDU 25,0 Prozent, die SPD 22,4 Prozent, der SSW 10,0 Prozent und die Wählergruppe NfWGN 3,0 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die Sitzverteilung blieb unverändert. Die Wahlbeteiligung betrug zuletzt 50,3 Prozent.[7]

BürgermeisterBearbeiten

Nachdem der zu Beginn der Wahlperiode erstmals gewählte Bürgermeister Thomas Dose zum 1. September 2019 unter anderem vom Bürgermeisteramt zurückgetreten war,[8] wurde am 17. September 2019 Jörg Hansen als vorheriger Stellvertreter zum neuen Bürgermeister bis 2023 gewählt.[9]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Unter rotem, mit einem goldenen Balken nach unten abschließendem Schildhaupt, darin ein rechtsgewendeter goldener Mond zwischen zwei sechsstrahligen goldenen Sternen in Blau ein einmastiges goldenes Segelschiff mit viereckigem Segel, dessen Kiel, Steuerruder und seitliches Schwert teilweise unter der Wasserlinie verschwinden.“[10]

Die Sterne und die Mondsichel sind dem Wappen der Wiedingharde entnommen. Der goldene Balken steht für den „Goldenen Ring“, den Deich des Wiedingharder Alten Kooges, der das Gemeindegebiet teilt. Das Segelschiff stellt ein stilisiertes „Hemsenboot“, lange Zeit das Hauptverkehrsmittel im Gotteskoog, dar. Die Farbgebung ist mit Gold, Rot und Blau traditionell nordfriesisch.

VerkehrBearbeiten

Durch Neukirchen verläuft die schleswig-holsteinische Landesstraße 6 von der dänischen Grenze nach Ost-Bordelum zur Bundesstraße 5.

KulturBearbeiten

Emil NoldeBearbeiten

 
Haus Seebüll und Garten

Auf einer Warft errichtete Emil Nolde ein Wohngebäude mit Atelier und Ausstellungsräumen, das er – wie den Garten – selbst entworfen hatte und das er „Seebüll“ nannte. In diesem Gebäude lebte und arbeitete er von 1927 bis zu seinem Tod 1956. Nach seinem Tod wurde Seebüll in die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde umgewandelt und – wie in Noldes Testament verfügt – als Museum genutzt. Haus und Garten sind weitgehend unverändert.

Skandaløs-FestivalBearbeiten

Am Badesee Hülltoft-Tief findet seit 2011 jedes zweite Jahr im August das Skandaløs, ein Musik- und Kunstfestival, statt.

TriviaBearbeiten

Neukirchen ist medial auch dafür bekannt, dass seine Vorwahl der Nummer der Telefonanlage der Berliner Polizei entspricht, was dazu führt, dass regelmäßig Polizeikommunikation inklusive Notrufe aus Berlin im Ort ankommt.[11]

WeblinksBearbeiten

Commons: Neukirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2019 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Schleswig-Holstein-Topographie. Bd. 7: Munkbrarup - Pohnsdorf. 1. Aufl. Flying-Kiwi-Verl. Junge, Flensburg 2006, ISBN 978-3-926055-88-0, S. 71 (dnb.de [abgerufen am 21. Juli 2020]).
  3. Relation:Neukirchen (1418943) bei OpenStreetMap. Abgerufen am 25. August 2020.
  4. Beschreibung der Kirche@1@2Vorlage:Toter Link/www.kirchengemeinde-neukirchen.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (mit Glockengeläut)
  5. Ergebnis Kommunalwahl Neukirchen 2018. Abgerufen am 5. Juni 2020.
  6. http://regisafe.amt-suedtondern.de/KW2013/Neukirchen.html
  7. http://regisafe.amt-suedtondern.de/KW2013/Neukirchen.html
  8. Hans-Werner Christiansen: Neukirchen braucht einen neuen Bürgermeister : Thomas Dose tritt von allen Ämtern zurück. (pdf) In: Nordfriesland Tageblatt. 11. August 2019, abgerufen am 28. August 2020.
  9. Niederschrift zur 8. Sitzung der Gemeindevertretung Neukirchen am 17.09.2019. (pdf) Abgerufen am 28. August 2020.
  10. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  11. https://m.kn-online.de/Nachrichten/Hamburg/Anrufe-fuer-Polizei-Berlin-landen-in-Neukirchen-in-Nordfriesland