Hauptmenü öffnen

FDP-Bundesparteitag 1952

4. ordentlicher Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland

Koordinaten: 50° 19′ 50″ N, 7° 43′ 43″ O

Freie Demokratische Partei (Logo, 1952-1968).png
Titel 4. ordentlicher Bundesparteitag
Ordnungsnummer 4
Ort Bad Ems
Bundesland Rheinland-Pfalz
Halle Kurhaus
Beginn 18. November 1952
Dauer (in Tagen) 5
Kurhaus in Bad Ems an der Lahn

Den Bundesparteitag der FDP 1952 hielt die Freie Demokratische Partei vom 18. bis 22. November 1952 im Kurhaus Bad Ems ab. Es handelte sich um den 4. ordentlichen Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland.[1]

Der FlügelstreitBearbeiten

Der Parteitag wurde durch den Konflikt zwischen dem linksliberalen und dem nationalliberalen Flügel der Partei geprägt. Die Partei stand an der Schwelle zur Spaltung, denn die deutliche Mehrheit der Delegierten wurde von den Landesverbänden gestellt, die nationalliberale Positionen vertraten. Dies waren vor allem Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen. Die linksliberalen Landesverbände, die sich in der Minderheit befanden, waren vor allem Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.

Die Nationalliberalen wurden daneben durch hohe Gewinne bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen 1952 gestützt. Landesweit hatte die explizit rechtsliberal auftretende FDP 12,6 % der Stimmen erhalten und ihr Wahlergebnis damit nahezu verdoppelt. In Bielefeld stellte sie nun sogar den Oberbürgermeister. Bereits vorher hatte die nationalliberale FDP Hessen bei der Landtagswahl 1950 31,81 % der Stimmen erhalten und die CDU überdeutlich auf den dritten Platz verwiesen.

Am Vorabend des Parteitags trat der Bundesvorstand zusammen. Bereits hier trafen die Positionen unversöhnlich aufeinander. Die Linksliberalen stellten die Delegiertenzahlen und die satzungsmäßige Wahl der rechtsliberalen Landesverbände in Frage und forderten, die Vorstandswahlen von der Tagesordnung zu nehmen und den Bundesvorstand auf einem Sonderparteitag zu wählen. Eine Einigung gelang nicht.

Der Bundesvorsitzende Franz Blücher hielt sich in seiner Eröffnungsrede zum Parteitag bewusst zurück und vermied Aussagen über den künftigen Kurs der Partei.[2] Für die Linksliberalen sprach danach der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Reinhold Maier (der mit einer sozial-liberalen Koalition regierte). Er warnte im Hinblick auf die Nationalliberalen vor einer „Gefahr von Rechts“ und erklärte, mit diesen Positionen dürfe es keinen Kompromiss geben. Die Gegenrede hielt August-Martin Euler aus Hessen. Er reklamierte „eine Pflicht nach rechts“ für die FDP und nannte Maiers Aussagen „gefährlich“ und „haarstäubend“ und verwies auf die Zustimmung Reinhold Maiers zum Ermächtigungsgesetz 1933.

Am Abend des ersten Parteitages wurden die Verhandlungen zwischen beiden Parteiflügeln bis spät in die Nacht fortgesetzt. Es gelang zuletzt, einen Kompromiss zu finden: Die inhaltlichen Anträge beider Seiten sollten nicht beschlossen, sondern an eine Programmkommission überwiesen werden. Der Vorstand sollte weitgehend bestätigt werden. Friedrich Middelhauve, der Autor des Deutschen Programmes, sollte als zweiter stellvertretender Vorsitzender gewählt werden. Eine Spaltung der Partei war vermieden worden. Der innerparteiliche Konflikt blieb jedoch ungelöst.[3]

PersonaliaBearbeiten

Der Bundesvorsitzende Franz Blücher wurde ebenso wie sein Stellvertreter Hermann Schäfer im Amt bestätigt. Middelhauve wurde als stellvertretender Vorsitzender gewählt. Auch die Mitglieder des engeren Parteivorstandes Carl-Hubert Schwennicke, Erich Mende, Hans Wolfgang Rubin, Artur Stegner, August-Martin Euler, Reinhold Maier und Herta Ilk wurden gemäß dem gefundenen Kompromiss mit breiten Mehrheiten gewählt.

Einen Eklat gab es bei den Beisitzerwahlen. Eduard Leuze trat hier gegen Walter Erbe an. Erbe zog daraufhin seine Kandidatur zurück. Thomas Dehler wurde vorgeworfen, geheimgehalten zu haben, dass diese Kandidatur Teil des in der Nacht vereinbarten Paketes gewesen sei.

BundesvorstandBearbeiten

Inhaltliche EntscheidungenBearbeiten

Middelhauve hatte über den Landesverband NRW einen Entwurf für ein sogenanntes „Deutsches Programm“ vorgelegt, das eine dezidiert rechte Politik vorsah.[4] Die Landesverbände Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg legten als Gegenentwurf das „Liberale Manifest“ vor. Letztlich wurde keines der beiden Programme verabschiedet. Als Teil des Kompromisspaketes wurden beide Entwürfe einer Programmkommission überwiesen.

Das „Deutsche Programm“ zielte darauf ab, die FDP als Partei rechts von der Union im deutschen Parteiensystem zu etablieren. Ziel war, die Wählerbasis der FDP zu erweitern. Insbesondere sollten ehemalige Soldaten und frühere NSDAP-Anhänger angesprochen werden. Entsprechend richtete sich das Programm gegen die Entnazifizierung und betonte nationalistische Aspekte. Das Wort „liberal“ und der Name FDP waren bewusst im Programm nicht erwähnt worden. Das „Liberale Manifest“ forderte, die FDP als starke liberale Mitte im Parteienspektrum zu präsentieren, gegen die keine Entscheidungen möglich seien. Dies ermöglichte Koalitionen wahlweise mit CDU oder SPD.[5] Die Deutschlandpolitik, die in den 1960er Jahren den Hauptkonflikt darstellen sollte, war 1952 noch kein Thema: Beide Entwürfe forderten die Einheit in Freiheit und als Voraussetzung eine Politik der Westbindung.[6]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Franz Blücher: Der politische Standort und die Ziele der FDP. Rede vor dem IV. ordentlichen Bundesparteitag am 20. November 1952 in Bad Ems, Röger–Druck, Bonn 1952.
  • FDP Bundesparteitag 1952 – Ein Volk das sich nicht selbst bejaht wird nicht bestehen! Vierter Bundesparteitag, 20. bis 22. Nov. 1952 zu Bad Ems. Vorworte von Franz Blücher und Anton Eberhard, hrsg. von der FDP–Bundesgeschäftsstelle, Röger–Druck, Bonn 1952.

LiteraturBearbeiten

  • Christof Brauers: Die FDP in Hamburg 1945–1953. Start als bürgerliche Linkspartei, München 2007, ISBN 978-3-89975-569-5, S. 605–615.
  • Jürgen Dittberner: Die FDP. Geschichte, Personen, Organisation, Perspektiven. Eine Einführung, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2. Aufl., Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17494-5.
  • Peter Juling: Programmatische Entwicklung der FDP 1946 bis 1969. Einführung und Dokumente. Anton Hain Verlag, Meisenheim 1977, ISBN 3-445-01529-5.
  • Heino Kaack: Zur Geschichte und Programmatik der Freien Demokratischen Partei. Grundriß und Materialien, Anton Hain Verlag, Meisenheim 1976, ISBN 3-445-01380-2.
  • Holger Löttel (Bearb.): Adenauer und die FDP. Ferdinand Schöningh, Paderborn usw. 2013 (= Adenauer. Rhöndorfer Ausgabe), ISBN 978-3-506-77874-1.
  • Volker Stalmann (Bearb.): Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1949–1969, 2 Halb–Bde., Droste, Düsseldorf 2017, ISBN 978-3-7700-5338-4.
  • Udo Wengst (Bearb.): FDP-Bundesvorstand. Die Liberalen unter dem Vorsitz von Theodor Heuss und Franz Blücher. Sitzungsprotokolle 1949–1954. Erster Halbband: 1949–1952, Droste, Düsseldorf 1990, ISBN 3-7700-5159-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Informationen aus: Archiv des Liberalismus (www.freiheit.org/content/archiv-des-liberalismus)(ADL), Bestand FDP-Bundesparteitage, A1-1.
  2. Franz Blücher: Der politische Standort und die Ziele der FDP, Bonn 1952.
  3. Informationsbericht über den FDP-Parteitag in Bad Ems. In: Holger Löttel (Bearb.): Adenauer und die FDP. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013, S. 289–294.
  4. Das „Deutsche Programm“ ist abgedruckt in: Peter Juling: Programmatische Entwicklung der FDP 1946 bis 1969. Einführung und Dokumente. Meisenheim 1977, S. 120.
  5. Marco Michel: Die Bundestagswahlkämpfe der FDP. 1949–2002, Wiesbaden 2005, ISBN 9783531141800, S. 50 f., online.
  6. Michael Schmidt: Die FDP und die deutsche Frage 1949–1990, Hamburg 1995, ISBN 3-8258-2631-7, S. 27 f.