Hauptmenü öffnen

FDP-Bundesparteitag 1954

5. ordentlicher Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland

Koordinaten: 50° 5′ 5″ N, 8° 14′ 51″ O

Freie Demokratische Partei (Logo, 1952-1968).png
Titel 5. ordentlicher Bundesparteitag
Ordnungsnummer 5
Ort Wiesbaden
Bundesland Hessen
Halle Kurhaus Wiesbaden
Beginn 5. März 1954
Dauer (in Tagen) 3
Delegierte 228
Kurhaus Wiesbaden
Einladung von Franz Blücher und Blanko Delegiertenausweis zum Parteitag
Tagungsablauf vom 6. und 7. März 1954

Den Bundesparteitag der FDP 1954 hielt die Freie Demokratische Partei vom 5. bis 7. März 1954 in Wiesbaden ab. Es handelte sich um den 5. ordentlichen Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland. Der Parteitag fand im Kurhaus Wiesbaden statt.[1]

VerlaufBearbeiten

 
Thomas Dehler (1964)

Die personell wichtigste Entscheidung auf dem Bundesparteitag war die Wahl des einstigen Bundesjustizministers Thomas Dehler gegen den Widerstand des bisherigen Amtsinhabers Franz Blücher zum neuen Parteivorsitzenden der FDP. Dehler wurde hierin unterstützt von Friedrich Middelhauve und Reinhold Maier.

Zum Jahreswechsel 1953/54 belasteten einerseits innerparteiliche Flügelkämpfe zwischen „Nationalliberalen“ und sogenannten „Alt-Liberalen“ die FDP, andererseits blickte sie zufrieden auf ihre gemeinsam mit der CDU betriebene Regierungspolitik zurück. Vorzuweisen hatten sie wirtschaftspolitische Erfolge, wovon bei der Bundestagswahl vom September 1953 jedoch insbesondere der größere Regierungspartner profitierte. Für den Stimmenrückgang von 11,9 auf 9,5 Prozent wurde innerparteilich vornehmlich der Vorsitzende und Vizekanzler, Franz Blücher, verantwortlich gemacht, dem mangelndes Profil und zu große Nähe zu Bundeskanzler Konrad Adenauer vorgeworfen wurde. Als liberaler Hoffnungsträger galt dagegen der nicht mehr ins Kabinett zurückgekehrte vorherige Justizminister Thomas Dehler, ein Vertreter des „altliberalen“ Flügels, der in den 1920er Jahren in der bayerischen DDP aktiv gewesen war. Er übernahm zunächst den Vorsitz der Bundestagsfraktion und wurde mit fast 95 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden gewählt.[2] Mit Dehler hatte sich die FDP für eine Strategie des Konfliktes mit dem größeren Koalitionspartner entschieden. Eine Definition des Begriffes „liberal sein“ findet sich in seiner Grundsatzrede „Auftrag und Verantwortung der freien Demokratie“, die er zum Schluss des Bundesparteitags hielt.[3]

DelegiertenschlüsselBearbeiten

Der Delegiertenschlüssel wurde gemäß § 13 Ziff. 2b der Satzung ausschließlich auf Grund der Ergebnisse der letzten Bundestagswahl vom 6. September 1953 (Berlin: Wahl zum Abgeordnetenhaus vom 3. Dezember 1950) berechnet. Die Mitgliederzahlen blieben unberücksichtigt. Je 15.000 Wählerstimmen stand den Landesverbänden ein Delegierter zu; ab 7.501 wurde aufgerundet. Den Landesverbänden stand darüber hinaus eine Grundzahl von vier Mandaten zu.

Nach den Wählerstimmen ergab sich folgender Delegiertenschlüssel:

Delegiertenrechte zum Bundesparteitag
Landesverband Delegierte nach Wählerstimmen Grundmandate Summe
Baden-Württemberg 455.535 30 4 34
Bayern 315.494 21 4 25
Berlin 196845 13 4 17
Bremen 26.777 2 4 6
Hamburg 108.722 7 4 11
Hessen 502.548 34 4 38
Niedersachsen 260.900 17 4 21
Nordrhein-Westfalen 682.902 46 4 50
Rheinland-Pfalz 214.805 14 4 18
Schleswig-Holstein 61.486 4 4 8
Bundesgebiet mit Berlin 2.629.169 188 40 228

BundesvorstandBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: FDP-Bundesparteitag 1954 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bundesparteitag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 
Dehler-Rede 1954

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Dittberner: Die FDP. Geschichte, Personen, Organisation, Perspektiven. Eine Einführung, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2. Aufl., Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17494-5.
  • Peter Juling: Programmatische Entwicklung der FDP 1946 bis 1969. Einführung und Dokumente. Anton Hain Verlag, Meisenheim 1977, ISBN 3-445-01529-5.
  • Heino Kaack: Zur Geschichte und Programmatik der Freien Demokratischen Partei. Grundriß und Materialien, Anton Hain Verlag, Meisenheim 1976, ISBN 3-445-01380-2.
  • Holger Löttel (Bearb.): Adenauer und die FDP. Ferdinand Schöningh, Paderborn usw. 2013 (= Adenauer. Rhöndorfer Ausgabe), ISBN 978-3-506-77874-1.
  • Volker Stalmann (Bearb.): Die FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1949–1969, 2 Halb–Bde., Droste, Düsseldorf 2017, ISBN 978-3-7700-5338-4.
  • Udo Wengst (Bearb.): FDP-Bundesvorstand. Die Liberalen unter dem Vorsitz von Theodor Heuss und Franz Blücher. Sitzungsprotokolle 1949–1954. Zweiter Halbband: 1953/54, Droste, Düsseldorf 1990, ISBN 3-7700-5159-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Informationen aus: Archiv des Liberalismus (www.freiheit.org/content/archiv-des-liberalismus)(ADL), Bestand FDP-Bundesparteitage, A1–1.
  2. Juling, Programmatische Entwicklung der FDP 1946 bis 1969, Meisenheim 1977, S. 25 f.; Kaack, Zur Geschichte und Programmatik der Freien Demokratischen Partei, Meisenheim 1976, S. 18 f.
  3. Was bedeutet „liberal sein“?, Auszüge aus der Rede von Thomas Dehler auf den Seiten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Sie ist im Bonner Verlag Rüger gedruckt erschienen: Thomas Dehler: Auftrag und Verantwortung der freien Demokratie. Rede gehalten am 6. März, vor dem Bundesparteitag in Wiesbaden 1954, Bonn 1954.