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FDP-Bundesparteitag 1977

28. ordentlicher Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland

Koordinaten: 54° 19′ 14″ N, 10° 7′ 50″ O

FdpLogoalt.jpg
Titel 28. ordentlicher Bundesparteitag
Ordnungsnummer 28
Ort Kiel
Bundesland Schleswig-Holstein
Halle Ostseehalle
Beginn 6. November 1977
Dauer (in Tagen) 3
Blick auf das Podium in der Ostseehalle
Die Bundesminister Werner Maihofer und Hans Friderichs
Broschüre: Kieler Thesen

Den Bundesparteitag der FDP 1977 hielt die Freie Demokratische Partei vom 6. bis 8. November 1977 in Kiel ab. Es handelte sich um den 28. ordentlichen Bundesparteitag der FDP in der Bundesrepublik Deutschland.[1]

Inhaltsverzeichnis

Verlauf und BeschlüsseBearbeiten

Die FDP war die erste Partei, die mit den „Kieler Thesen“ auf das Ende des Wirtschaftswunders programmatisch reagierte: Waren die berühmten „Freiburger Thesen“ von einer optimistischen Wirtschaftsentwicklung ausgegangen, die gesellschaftliche Reformen begünstige, so hatten die Folgen der ersten Ölkrise nach 1973 gezeigt, dass es kein automatisches Wirtschaftswachstum geben würde.

In der FDP wurde deshalb über eine „Ergänzung von Freiburg“ nachgedacht. Zwei Programm-Kommissionen wurden dafür eingesetzt. Als die Vorlage auf dem Bundesparteitag in Kiel eingebracht wurde, handelte es sich formal um ein Kompromisspapier zwischen dem sozial-liberalen und dem marktwirtschaftlichen Parteiflügel. Faktisch sprach sich das Papier jedoch klar für einen Vorrang von Marktmechanismen gegenüber staatlicher Reformpolitik aus. In seiner Einbringungsrede fasste der scheidende Wirtschaftsminister Hans Friderichs die Leitgedanken der „Kieler Thesen“ zusammen: Ziel sei es nach wie vor, „Freiheitsräume zu erweitern, Chancengleichheit auszubauen und den Wettbewerb der Ideen auszubauen“. Grundlegend für eine solche Politik seien „Markt und Wettbewerb“. Der anschließenden Debatte lagen zwei unterschiedliche Papiere zugrunde: Aktuelle Perspektiven des sozialen Liberalismus von der Perspektivkommission um Gerhart R. Baum und Grundzüge liberaler Wirtschaftspolitik von der Wirtschaftskommission um Hans Friderichs.[2]

Insgesamt verstanden sich die mit großer Mehrheit verabschiedeten „Kieler Thesen“ als eine „Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft“. Sie stellen somit ein wichtiges Bindeglied zwischen der in den „Freiburger Thesen“ komprimierten reformerischen Aufbruchstimmung der Zeit um 1970 und der Wende zu einer „neoliberalen“ Gesellschaftspolitik der 1980er Jahre dar.

Siehe auchBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Gerhart Rudolf Baum: Liberale Perspektiven. Einbringungsrede zum Entwurf der Kieler Thesen auf dem 28. ordentl. Bundesparteitag der FDP am 7. November 1977 in Kiel. In: ders.: Deutsche Innenpolitik. Der Staat auf dem Weg zum Bürger, Econ Verlag, Düsseldorf, Wien 1977, ISBN 3-430-11227-7, S. 13–28.
  • Beschluß zur Energiepolitik. Verabschiedet auf dem 28. Ordentlichen Bundesparteitag der FDP in Kiel vom 6. bis 8. November 1977, Rheindorff-Druck, Köln 1977.
  • Freie Demokratische Partei (Hrsg.): Kieler Thesen zur Wirtschaft im sozialen Rechtsstaat, zu Bürger, Staat, Demokratie, zu Bildung und Beschäftigung der jungen Generation, beschlossen auf dem 28. Ordentlichen Bundesparteitag der F.D.P. vom 6. bis 8. November 1977 in Kiel. Bonn 1977.
  • Hans-Dietrich Genscher: Rede des Bundesvorsitzenden der Freien Demokratischen Partei Hans-Dietrich Genscher vor dem Bundesparteitag der Freien Demokratischen Partei am 6. November 1977 in Kiel, Köln 1977.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: S – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wiktionary: Bundesparteitag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Informationen aus: Archiv des Liberalismus (www.freiheit.org/content/archiv-des-liberalismus)(ADL), Bestand FDP-Bundesparteitage, A1-1.
  2. Rolf Zundel: FDP-Parteitag: Man trägt wieder Mitte. Von Freiburg nach Kiel: die Rückkehr der Liberalen zu Markt und Ordnung. In: Die Zeit, Nr. 47 vom 18. November 1977; Kaack: Die F.D.P. Grundriß und Materialien, 3. Aufl., 1979, S. 63 f.