Großer Preis von Großbritannien 2003

Formel-1-Rennen

Der Große Preis von Großbritannien 2003 (offiziell LVI Foster’s British Grand Prix) fand am 20. Juli auf dem Silverstone Circuit in Silverstone statt und war das elfte Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 2003.

 Großer Preis von Großbritannien 2003
Renndaten
11. von 16 Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 2003
Streckenprofil
Name: LVI Foster’s British Grand Prix
Datum: 20. Juli 2003
Ort: Silverstone
Kurs: Silverstone Circuit
Länge: 308,46 km in 60 Runden à 5,141 km

Pole-Position
Fahrer: Brasilien Rubens Barrichello Italien Ferrari
Zeit: 1:21,209 min
Schnellste Runde
Fahrer: Brasilien Rubens Barrichello Italien Ferrari
Zeit: 1:22,236 min (Runde 38)
Podium
Erster: Brasilien Rubens Barrichello Italien Ferrari
Zweiter: Kolumbien Juan Pablo Montoya Vereinigtes Konigreich Williams-BMW
Dritter: Finnland Kimi Räikkönen Vereinigtes Konigreich McLaren-Mercedes

Berichte

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Hintergrund

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Nach dem Großen Preis von Frankreich führte Michael Schumacher in der Fahrerwertung mit acht Punkten vor Kimi Räikkönen und mit elf Punkten vor Ralf Schumacher. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit drei Punkten vor Williams-BMW und mit 18 Punkten vor McLaren-Mercedes.

Für Antonio Pizzonia sollte es das letzte Grand Prix-Wochenende werden.

Mit Michael Schumacher, David Coulthard und Jacques Villeneuve (jeweils zweimal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training

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Vor dem Sonntagsrennen fanden vier Trainingseinheiten statt – zwei am Freitag und zwei am Samstag. Die Sitzungen am Freitagvormittag und -nachmittag dauerten jeweils eine Stunde. Das dritte und letzte Training fand am Samstagmorgen statt und dauerte 45 Minuten.

Am Freitag war Coulthard mit einer Zeit von 1:20,039 Minuten der Schnellste vor Mark Webber und Fernando Alonso.

Am Samstag fuhr dann Juan Pablo Montoya mit 1:21,415 Minuten die schnellste Runde vor Rubens Barrichello und Michael Schumacher.

Qualifikation

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Im ersten Qualifikationsabschnitt am Freitag (Vor-Qualifikation) fuhr Michael Schumacher die schnellste Zeit vor den beiden Williams von Montoya und Ralf Schumacher.

Im zweiten Qualifikationsabschnitt am Samstag war dann Barrichello der Schnellste und sicherte sich so die Pole-Position. Jarno Trulli und Räikkönen folgten auf den Plätzen zwei und drei.[1]

Im Warm Up war Barrichello der Schnellste. Ihm folgten Räikkönen und Michael Schumacher.

Barrichello erwischte einen schlechten Start und ließ sowohl Trulli als auch Räikkönen in der ersten Runde vorbeiziehen. Ralf und Michael Schumacher behielten ihre Startplätze vier und fünf. In der sechsten Runde löste sich die Kopfstütze von Coulthard beim Durchqueren der ersten Kurve (Copse), was ihn dazu zwang, gemäß den Sicherheitsvorschriften, einen Ersatz an der Box zu holen. Er verursachte so eine Safety-Car-Phase, da die Streckenposten die Strecke räumen mussten. Bei der Wiederaufnahme des Rennens schloss Barrichello die Lücke zu Räikkönen, bevor er ihn in Runde 11 überholte. In der folgenden Runde rannte ein Mann über die Rennstrecke und löste so eine weitere Safety-Car-Phase aus (s. Zwischenfall während des Rennens). Da die Zeit, in der die Fahrer ihre geplanten Boxenstopps einlegten, kurz bevorstand, entschied sich die überwiegende Mehrheit der Autos für einen Boxenstopp unter dem Safety-Car. Die zweitplatzierten Autos der jeweiligen Teams mussten sich in der Boxengasse anstellen und warteten auf den Service, wodurch sie viele Plätze verloren. Michael Schumacher, Alonso und Montoya waren alle außerhalb der Top Ten.

Die Toyotas von Cristiano da Matta und Olivier Panis – die sich entschieden hatten, nicht an die Box zu gehen – führten, während Coulthard auf dem dritten Platz lag, da er nach seinem früheren außerplanmäßigen Austausch der Kopfstütze keinen Boxenstopp benötigt hatte. Räikkönen überholte Trulli unmittelbar nach dem Neustart, bevor er Teamkollege Coulthard in derselben Runde verdrängte. Barrichello überholte dann in der 17. Runde einen langsamer werdenden Ralf Schumacher, während Räikkönen auch Panis überholte, bevor er den führenden da Matta verfolgte. Ralf Schumacher musste nach Schwierigkeiten an die Box, während Michael Schumacher Alonso nicht überholen konnte. In der 26. Runde versuchte Barrichello immer noch, Trulli zu überholen, und die beiden Führenden bauten ihre Führung weiter aus. Barrichello und Montoya überholten schließlich Trulli am Ende der 27. Runde, bevor Panis in der 29. Runde beiden zum Opfer fiel. Da Matta übergab schließlich die Führung nach einem Boxenstopp in der 30. Runde an Räikkönen. Barrichello fuhr dann die schnellste Runde und übernahm die Führung, nachdem Räikkönen zum zweiten Mal an die Box kam. Barrichello baute den Vorsprung weiter aus, aber Räikkönen übernahm nach dem zweiten Stopp des Brasilianers mit einem reduzierten Vorsprung die Führung. Nachdem Barrichello aufgeholt hatte, überholte er Räikkönen, nachdem er ihn zu einem Fehler gedrängt hatte und gewann so das Rennen.[2]

Zwischenfall während des Rennens

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In der 11. Runde, als die Fahrzeuge die Becketts-Kurve auf die Hangar-Gerade verließen, überquerte Neil Horan den Zaun im Kilt, schwenkte Transparente mit den Worten „Lies die Bibel“ und „Die Bibel hat immer Recht“ und rannte auf die Strecke. Er zwang somit mehrere Autos, ihm auszuweichen, um ihn nicht zu überfahren. Nachdem die Autos die Runde passiert hatten, kehrte er schließlich zum Grasabflussbereich an der Seite der Strecke zurück und wurde von einem Streckenposten aufgegriffen. Später wurde er wegen schweren Hausfriedensbruchs angeklagt und bekannte sich vor einem Gericht in Northampton für schuldig. Er wurde für zwei Monate inhaftiert.

Der Vorfall erinnerte an die Ereignissen beim Großen Preis von Südafrika 1977, als der Streckenposten Frederick Jansen van Vuuren quer über die Strecke rannte und von Tom Pryce mit 270 km/h angefahren wurde. Sowohl Van Vuuren als auch Pryce wurden durch den Aufprall getötet. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich auch beim Großen Preis von Deutschland 2000, als ein verärgerter ehemaliger Mercedes-Mitarbeiter aus Protest einen Teil der Rennstrecke entlangging, bevor er festgenommen wurde. Im Gegensatz zu dem deutschen Demonstranten rannte Horan direkt in der Mitte der Strecke und absichtlich auf entgegenkommende Autos zu.

Das Rennen führte zu Befürchtungen, dass die Formel-1-Bosse Max Mosley und Bernie Ecclestone, die den Medien und den Unternehmenseinrichtungen von Silverstone sehr kritisch gegenüberstanden, den Vorfall nutzen würden, um das Rennen aus dem Formel-1-Kalender zu streichen, wobei Ecclestone sagte: „Es war nicht nötig – das Rennen war auch ohne spannend genug. Aber die Sicherheit war nicht gut genug.“ Fahrer und Teamverantwortliche verteidigten jedoch die Strecke, wobei Montoya feststellte: „Das war eines der besten Rennen des Jahres, selbst mit den Zuschauern. Es hat heute so viel Spaß gemacht“. McLaren-Mercedes-Chef Ron Dennis sagte: „Es gibt keine Möglichkeit, das zu verhindern.“

Stephen Green, der Marschall, der Horan aufgriff, wurde später mit der BARC Browning Medal für „herausragenden Mut bei der Bekämpfung eines Streckeneindringlings während des britischen Grand Prix 2003 in Silverstone“ ausgezeichnet, der zweite Empfänger nach David Purley 31 Jahre zuvor.[3]

Meldeliste

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Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen
Italien  Scuderia Ferrari Marlboro 01 Deutschland  Michael Schumacher Ferrari F2002 Ferrari 3.0 V10 B
02 Brasilien  Rubens Barrichello
Vereinigtes Konigreich  BMW.WilliamsF1 Team 03 Kolumbien  Juan Pablo Montoya Williams FW25 BMW 3.0 V10 M
04 Deutschland  Ralf Schumacher
Vereinigtes Konigreich  West McLaren Mercedes 05 Vereinigtes Konigreich  David Coulthard McLaren MP4-17D Mercedes-Benz 3.0 V10 M
06 Finnland  Kimi Räikkönen
Frankreich  Mild Seven Renault F1 Team 07 Italien  Jarno Trulli Renault R23 Renault 3.0 V10 M
08 Spanien  Fernando Alonso
Schweiz  Sauber Petronas 09 Deutschland  Nick Heidfeld Sauber C22 Petronas 3.0 V10 B
10 Deutschland  Heinz-Harald Frentzen
Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 11 Italien  Giancarlo Fisichella Jordan EJ13 Ford RS 3.0 V10 B
12 Irland  Ralph Firman
Vereinigtes Konigreich  Jaguar Racing 14 Australien  Mark Webber Jaguar R4 Cosworth 3.0 V10 M
15 Brasilien  Antonio Pizzonia
Vereinigtes Konigreich  Lucky Strike BAR Honda 16 Kanada  Jacques Villeneuve BAR 005 Honda 3.0 V10 B
17 Vereinigtes Konigreich  Jenson Button
Italien  Minardi F1 Team 18 Vereinigtes Konigreich  Justin Wilson Minardi PS03 Cosworth 3.0 V10 B
19 Niederlande  Jos Verstappen
Japan  Panasonic Toyota Racing 20 Frankreich  Olivier Panis Toyota TF103 Toyota 3.0 V10 M
21 Brasilien  Cristiano da Matta

Klassifikationen

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Qualifying

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Pos. Fahrer Konstrukteur Q1 Q2 Start
01 Brasilien  Rubens Barrichello Italien  Ferrari keine Zeit 1:21,209 01
02 Italien  Jarno Trulli Frankreich  Renault 1:19,963 1:21,381 02
03 Finnland  Kimi Räikkönen Vereinigtes Konigreich  McLaren-Mercedes 1:21,065 1:21,695 03
04 Deutschland  Ralf Schumacher Vereinigtes Konigreich  Williams-BMW 1:19,788 1:21,727 04
05 Deutschland  Michael Schumacher Italien  Ferrari 1:19,474 1:21,867 05
06 Brasilien  Cristiano da Matta Japan  Toyota 1:20,765 1:22,081 06
07 Kolumbien  Juan Pablo Montoya Vereinigtes Konigreich  Williams-BMW 1:19,749 1:22,214 07
08 Spanien  Fernando Alonso Frankreich  Renault 1:19,907 1:22,404 08
09 Kanada  Jacques Villeneuve Vereinigtes Konigreich  BAR-Honda 1:21,084 1:22,591 09
10 Brasilien  Antonio Pizzonia Vereinigtes Konigreich  Jaguar-Cosworth 1:20,877 1:22,634 10
11 Australien  Mark Webber Vereinigtes Konigreich  Jaguar-Cosworth 1:20,171 1:22,647 11
12 Vereinigtes Konigreich  David Coulthard Vereinigtes Konigreich  McLaren-Mercedes 1:19,968 1:22,811 12
13 Frankreich  Olivier Panis Japan  Toyota 1:19,959 1:23,042 13
14 Deutschland  Heinz-Harald Frentzen Schweiz  Sauber-Petronas 1:21,363 1:23,187 14
15 Italien  Giancarlo Fisichella Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 1:21,500 1:23,574 15
16 Deutschland  Nick Heidfeld Schweiz  Sauber-Petronas 1:21,211 1:23,844 16
17 Irland  Ralph Firman Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 1:22,335 1:24,385 17
18 Vereinigtes Konigreich  Justin Wilson Italien  Minardi-Cosworth keine Zeit 1:25,468 18
19 Niederlande  Jos Verstappen Italien  Minardi-Cosworth 1:23,418 1:25,759 19
20 Vereinigtes Konigreich  Jenson Button Vereinigtes Konigreich  BAR-Honda 1:20,569 keine Zeit 20
Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde
01 Brasilien  Rubens Barrichello Italien  Ferrari 60 2 1:28:37,554 01 1:22,236 (38.)
02 Kolumbien  Juan Pablo Montoya Vereinigtes Konigreich  Williams-BMW 60 2 + 5,462 07 1:22,938 (33.)
03 Finnland  Kimi Räikkönen Vereinigtes Konigreich  McLaren-Mercedes 60 2 + 10,656 03 1:22,911 (09.)
04 Deutschland  Michael Schumacher Italien  Ferrari 60 2 + 25,648 05 1:23,024 (10.)
05 Vereinigtes Konigreich  David Coulthard Vereinigtes Konigreich  McLaren-Mercedes 60 3 + 36,827 12 1:22,692 (60.)
06 Italien  Jarno Trulli Frankreich  Renault 60 2 + 43,067 02 1:22,797 (09.)
07 Brasilien  Cristiano da Matta Japan  Toyota 60 3 + 45,085 06 1:23,528 (32.)
08 Vereinigtes Konigreich  Jenson Button Vereinigtes Konigreich  BAR-Honda 60 2 + 45,478 20 1:23,912 (53.)
09 Deutschland  Ralf Schumacher Vereinigtes Konigreich  Williams-BMW 60 3 + 58,032 04 1:22,943 (10.)
10 Kanada  Jacques Villeneuve Vereinigtes Konigreich  BAR-Honda 60 2 + 1:03,569 09 1:23,705 (57.)
11 Frankreich  Olivier Panis Japan  Toyota 60 3 + 1:05,207 13 1:23,463 (47.)
12 Deutschland  Heinz-Harald Frentzen Schweiz  Sauber-Petronas 60 2 + 1:05,564 14 1:23,933 (58.)
13 Irland  Ralph Firman Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 59 2 + 1 Runde 17 1:25,087 (33.)
14 Australien  Mark Webber Vereinigtes Konigreich  Jaguar-Cosworth 59 3 + 1 Runde 11 1:23,833 (28.)
15 Niederlande  Jos Verstappen Italien  Minardi-Cosworth 58 2 + 2 Runden 19 1:27,021 (02.)
16 Vereinigtes Konigreich  Justin Wilson Italien  Minardi-Cosworth 58 2 + 2 Runden 18 1:25,859 (09.)
17 Deutschland  Nick Heidfeld Schweiz  Sauber-Petronas 58 3 + 2 Runden 16 1:24,537 (09.)
Spanien  Fernando Alonso Frankreich  Renault 52 2 DNF 08 1:22,819 (37.)
Italien  Giancarlo Fisichella Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 44 2 DNF 15 1:24,823 (40.)
Brasilien  Antonio Pizzonia Vereinigtes Konigreich  Jaguar-Cosworth 32 2 DNF 10 1:23,158 (09.)

WM-Stände nach dem Rennen

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Die ersten acht des Rennens bekamen 10, 8, 6, 5, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).

Fahrerwertung

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Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
01 Deutschland  Michael Schumacher Ferrari 69
02 Finnland  Kimi Räikkönen McLaren-Mercedes 62
03 Kolumbien  Juan Pablo Montoya Williams-BMW 55
04 Deutschland  Ralf Schumacher Williams-BMW 53
05 Brasilien  Rubens Barrichello Ferrari 49
06 Spanien  Fernando Alonso Renault 39
07 Vereinigtes Konigreich  David Coulthard McLaren-Mercedes 33
08 Italien  Jarno Trulli Renault 16
09 Australien  Mark Webber Jaguar-Cosworth 12
10 Vereinigtes Konigreich  Jenson Button BAR-Honda 11
Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
11 Italien  Giancarlo Fisichella Jordan-Ford 10
12 Deutschland  Heinz-Harald Frentzen Sauber-Petronas 7
13 Brasilien  Cristiano da Matta Toyota 5
14 Kanada  Jacques Villeneuve BAR-Honda 3
15 Deutschland  Nick Heidfeld Sauber-Petronas 2
16 Irland  Ralph Firman Jordan-Ford 1
17 Frankreich  Olivier Panis Toyota 2
18 Niederlande  Jos Verstappen Minardi-Cosworth 0
19 Brasilien  Antonio Pizzonia Jaguar-Cosworth 0
20 Vereinigtes Konigreich  Justin Wilson Minardi-Cosworth 0

Konstrukteurswertung

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Pos. Konstrukteur Punkte
01 Italien  Ferrari 118
02 Vereinigtes Konigreich  Williams-BMW 108
03 Vereinigtes Konigreich  McLaren-Mercedes 95
04 Frankreich  Renault 55
05 Vereinigtes Konigreich  BAR-Honda 14
Pos. Konstrukteur Punkte
06 Vereinigtes Konigreich  Jaguar-Cosworth 12
07 Vereinigtes Konigreich  Jordan-Ford 11
08 Schweiz  Sauber-Petronas 9
09 Japan  Toyota 7
10 Italien  Minardi-Cosworth 0

Einzelnachweise

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  1. Standings. Abgerufen am 3. März 2023 (englisch).
  2. Standings. Abgerufen am 3. März 2023 (englisch).
  3. Verrücktes Rennen in Silverstone. Abgerufen am 3. März 2023.