Großer Preis von Frankreich 1932

Aufstellung zum Rennstart
Tazio Nuvolari nach seinem Sieg

Der XVIII. Große Preis von Frankreich (XVIII Grand Prix de l’Automobile Club de France)[1] fand am 3. Juli 1932 auf dem 7,826 km langen Circuit de Reims-Gueux bei Reims in Frankreich statt. Als Grande Épreuve war er Wertungslauf zur Grand-Prix-Europameisterschaft 1932 und wurde gemäß den dafür geltenden Bestimmungen ohne vorgegebene Rennformel für die Wagen über eine Renndauer von fünf Stunden ausgetragen.

Sieger wurde Tazio Nuvolari auf einem Alfa Romeo Tipo B/P3.

RennenBearbeiten

Als Austragungsort für seinen Grand Prix wählte der Automobile Club de France in diesem Jahr zum ersten Mal den schnellen Dreieckskurs von Reims-Gueux, der seit 1925 regelmäßig Schauplatz des Grand Prix de la Marne gewesen war. Im Vorfeld des Rennens kam es zu einem peinlichen Vorfall, als eine Nachvermessung kurz vor dem Start statt der jahrelang angegebenen 8 km eine Kurslänge von nur 7,8269 km ergab und die Umrechnungstabelle für die Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeiten nicht mehr rechtzeitig angepasst werden konnte.

Weil Maserati trotz aussichtsreicher Position von Luigi Fagioli in der Europameisterschaftswertung überraschenderweise auf die Teilnahme verzichtete, wurde das Rennen zu einem Zweikampf zwischen Alfa Romeo und Bugatti. Alfa Romeo hatte mittlerweile ein drittes Exemplar des neuen Alfa-Romeo-Tipo-B-Monopostos für Rudolf Caracciola fertiggestellt, der zusammen mit Tazio Nuvolari und Mario Umberto Borzacchini die Farben des Hauses vertrat, während sich Giuseppe Campari mit der Rolle des Reservefahrers begnügen musste. Bei Bugatti überließ Louis Chiron dieses Mal die beiden 5-Liter-Rennwagen vom Typ 54 seinen beiden Teamkollegen Achille Varzi und Albert Divo und entschied sich selbst für das deutlich schwächere, aber wesentlich leichtere und besser liegende Vorjahresmodell Typ 51. Der Rest des Felds setzte sich aus Privatfahrern auf Bugattis beider Typen sowie älteren Alfa Romeo Typ „Monza“ zusammen.

Fünf Runden lang gab es zu Beginn des Rennens einen Kampf zwischen Caracciola und Varzi um die Spitze, danach fiel der Bugatti-Fahrer jedoch Position um Position zurück und schied schließlich mit einem Getriebedefekt aus. Damit konnten die drei Alfa-Romeo-Fahrer das Rennen weitgehend ungestört unter sich ausmachen. Nur während der Boxenstopps etwa zur Hälfte des Rennens fiel der zu dieser Zeit drittplatzierte Nuvolari noch einmal kurz hinter Chiron zurück, bis auch der Bugatti zum Nachtanken und Reifenwechsel anhalten musste. Nachdem jeder der drei Alfa Romeos zwischenzeitlich in Führung gelegen hatte, vereitelte Nuvolari am Ende die von Rennleiter Vittorio Jano geplante Inszenierung einer fotogenen Formation aller drei Wagen für die Zieldurchfahrt, weil er nicht bereit war, das Tempo so weit zu drosseln, dass seine beiden Teamgefährten zu ihm aufschließen konnten. Im Gegensatz dazu beugte sich Caracciola der Stallorder und ließ Borzacchini passieren.

Die Wertung des Rennens erfolgte dabei anhand der Distanzen, die die Teilnehmer nach exakt fünf Stunden erreicht hatten, die Positionen der Wagen in der letzten angebrochenen Runde wurden entsprechend anhand der jeweils vorangegangenen und nachfolgenden Zeitnahme bei den Zieldurchfahrten interpoliert. Die Rechentabellen basierten allerdings auf dem falschen Wert von 8 km für die Länge einer Runde, was die entsprechenden Diskrepanzen im Endklassement erklärt.

ErgebnisseBearbeiten

MeldelisteBearbeiten

Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen
Dritte Französische Republik  Jean Gaupillat 02 Dritte Französische Republik  Jean Gaupillat Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Marcel Lehoux 04 Dritte Französische Republik  Philippe Étancelin Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor M
36 Dritte Französische Republik  Marcel Lehoux Bugatti T54 Bugatti 5.0L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Max Fourny 06 Dritte Französische Republik  Max Fourny Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Automobiles Ettore Bugatti 08 Italien 1861  Achille Varzi Bugatti T54 Bugatti 5.0L I8 Kompressor M
38 Dritte Französische Republik  Albert Divo
32 Monaco  Louis Chiron Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Raymond Sommer 10 Dritte Französische Republik  Raymond Sommer Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
Italien 1861  S.A. Alfa Romeo 12 Italien 1861  Tazio Nuvolari Alfa Romeo Tipo B/P3 Alfa Romeo 2.6L I8 Kompressor P
18 Deutsches Reich  Rudolf Caracciola
30 Italien 1861  Baconin Borzacchini
34 Italien 1861  Giuseppe Campari
Dritte Französische Republik  Benoît Falchetto 14 Dritte Französische Republik  Benoît Falchetto Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Jean-Pierre Wimille 16 Dritte Französische Republik  Jean-Pierre Wimille Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
Vereinigtes Konigreich  Karl Donajowski 20 Vereinigtes Konigreich  Karl Donajowski Bugatti T54 Bugatti 5.0L I8 Kompressor D
Vereinigtes Konigreich  Tim Birkin 22 Vereinigtes Konigreich  Tim Birkin Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor D
Italien 1861  Goffredo Zehender 24 Italien 1861  Goffredo Zehender Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Jean Pesato 26 Dritte Französische Republik  Jean Pesato Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
Vereinigtes Konigreich  Earl Howe 28 Vereinigtes Konigreich  Earl Howe Bugatti T54 Bugatti 5.0L I8 Kompressor D
Vereinigtes Konigreich  Hugh Caulfield Hamilton
Dritte Französische Republik  Émile Tetaldi 40 Dritte Französische Republik  Émile Tetaldi Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Vereinigtes Konigreich  William Grover-Williams 42 Vereinigtes Konigreich  William Grover-Williams Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  René Dreyfus 44 Dritte Französische Republik  René Dreyfus Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Pierre Félix 46 Dritte Französische Republik  Pierre Félix Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
Dritte Französische Republik  Robert Girod

RennergebnisBearbeiten

Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund
01 Italien 1861  Tazio Nuvolari Italien 1861  Alfa Romeo 92 1 5:06:44,900 5 3:00,000
02 Italien 1861  Baconin Borzacchini Italien 1861  Alfa Romeo 92 1 10
03 Deutsches Reich  Rudolf Caracciola Italien 1861  Alfa Romeo 92 1 7
04 Monaco  Louis Chiron Dritte Französische Republik  Bugatti 91 1 + 1 Runde 11
05 Dritte Französische Republik  René Dreyfus Dritte Französische Republik  Bugatti 90 1 + 2 Runden 15
06 Vereinigtes Konigreich  William Grover-Williams Dritte Französische Republik  Bugatti 90 1 + 2 Runden 14
07 Italien 1861  Goffredo Zehender Italien 1861  Alfa Romeo 84 1 + 8 Runden 8
08 Dritte Französische Republik  Pierre Félix
Dritte Französische Republik  Robert Girod
Italien 1861  Alfa Romeo 82 1 + 10 Runden 16
09 Vereinigtes Konigreich  Earl Howe
Vereinigtes Konigreich  Hugh Caulfield Hamilton
Dritte Französische Republik  Bugatti 77 1 + 15 Runden 9
Dritte Französische Republik  Philippe Étancelin Italien 1861  Alfa Romeo 70 1 DNF 2 Getriebeschaden
Dritte Französische Republik  Max Fourny Dritte Französische Republik  Bugatti 62 DNF 3 Ausfall
Dritte Französische Republik  Jean-Pierre Wimille Italien 1861  Alfa Romeo 54 DNF 6 kein Benzin mehr
Dritte Französische Republik  Albert Divo Dritte Französische Republik  Bugatti 52 DNF 13 Leck im Treibstofftank
Dritte Französische Republik  Marcel Lehoux Dritte Französische Republik  Bugatti 37 DNF 12 Getriebeschaden
Dritte Französische Republik  Jean Gaupillat Dritte Französische Republik  Bugatti 20 DNF 1 Ausfall
Italien 1861  Achille Varzi Dritte Französische Republik  Bugatti 12 DNF 4 Getriebeschaden

WeblinksBearbeiten

Commons: Großer Preis von Frankreich 1932 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. Das erste als Grand Prix de l’ACF organisierte Rennen fand 1906 statt. In den 1920er Jahren wurden jedoch rückwirkend auch den „großen“ Stadt-zu-Stadt-Rennen der Anfangsjahre zwischen 1895 und 1903 dieser Titel verliehen, obwohl das Gründungsdatum des ACF sogar erst nach dem Rennen Paris-Bordeaux-Paris 1895 liegt. Durch diese Zählweise wurde die Veranstaltung von 1906 nachträglich zum offiziell neunten Grand Prix de l’A.C.F ernannt. Diese Nummerierung wurde auch nach der 1968er Umbenennung des Grand Prix de l'ACF zum Grand Prix de France durchgängig weiter fortgeführt.