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La Bruguière (okzitanisch: La Bruguièira) ist eine französische Gemeinde mit 330 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2016) im Département Gard in der Region Okzitanien. Sie gehört zum Arrondissement Nîmes und zum Kanton Uzès (bis 2015: Kanton Lussan). Der namensgebende Ortsteil entwickelte sich am Fluss Hers.

La Bruguière
La Bruguièira
Wappen von La Bruguière
La Bruguière (Frankreich)
La Bruguière
Region Okzitanien
Département Gard
Arrondissement Nîmes
Kanton Uzès
Gemeindeverband Pays d’Uzès
Koordinaten 44° 7′ N, 4° 25′ OKoordinaten: 44° 7′ N, 4° 25′ O
Höhe 228–320 m
Fläche 16,43 km2
Einwohner 330 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 20 Einw./km2
Postleitzahl 30580
INSEE-Code

GeografieBearbeiten

La Bruguière liegt etwa 31 Kilometer nordnordöstlich von Nîmes und etwa 26 Kilometer ostsüdöstlich von Alès. Die Nachbargemeinden von La Bruguière sind Lussan im Norden, Fontarèches im Osten, Saint-Quentin-la-Poterie im Süden und Südosten, Montaren-et-Saint-Médiers im Süden und Südwesten, Belvézet im Westen sowie Vallérargues im Nordwesten.

GeschichteBearbeiten

Eine erste Besiedlung erfolgte durch die Volques Arécomiques, ein keltisches Volk. Später zogen die Römer hierher und nannten den Ort Brugetia. Dieser Name bezeichnet das in der Umgebung häufig vorkommende Heidekraut (brugues). Die Kenntnis über die früheren Bewohner stammt aus Ausgrabungen vom 20. Jahrhundert: zwei Merowinger-Sarkophage und 47 Gräber aus dem 12. Jahrhundert mit Resten von Speichern, Keramiken und römischen Amphoren wurden bei Straßenbauarbeiten gefunden.[1]

Im Jahre 1080 wurde das Dorf erstmals in Dokumenten erwähnt: die ersten Bewohner hatten die Kirche St. Martin errichtet, die dem Kloster von Moissac unterstellt war.[1] Nach mehreren hundert Jahren Nutzung verfiel das Gotteshaus.

Die über die folgenden Jahrhunderte verbliebenen Bewohner widmeten sich ab dem Mittelalter der Seidenraupenzucht und pflanzten Maulbeerbäume an. Zur Gewinnung der Seide nutzten sie die Kraft von Wassermühlen, von denen noch Reste erhalten sind.

Im Hundertjährigen Krieg errichteten die Bewohner zusammen mit den Mönchen eine bis zu zehn Meter hohe Schutzmauer. Diese wurde aber Ende des 16. Jahrhunderts beseitigt, nachdem der Herzog von Ventadour die Stadt besetzte.[1] Außerdem wird die Ortsgeschichte mit einer Wallfahrt nach Notre Dame de Grâce verknüpft, die aus dem Fund einer Marienstatue auf einem Feld in Bruguière abgeleitet wird. Das Alter der Statue datieren Experten auf das 14. Jahrhundert. Für die Pilger errichtete man 1602 die kleine Kirche Mariä Himmelfahrt.[2][1][3][4]

1511–1538 erfolgte der Wiederaufbau der Kirche St. Martin auf den Ruinen des früheren Kirchengebäudes. Neben dem Patron des Hl. Martin war es Saint Eutrope gewidmet, dem ersten Bischof von Saintes. Der Bau wurde am 20. Mai 1550 durch Benoit de la Roue (Benedictus von Rota), Bischof von Chartres, geweiht. Bereits 1562 brannten deutsche Protestanten die Kirche nieder.[1]

Im Jahr 1560 erwarb der Besitzer von St. Jory, Michel Dufaur, die Gerichtsbarkeit von Bruguière.[1] Es muss damals auch bereits ein Schloss bzw. eine Burg (Château Bruguière) gegeben haben, denn über der Haupttür des erhaltenen Gebäudes verkündet eine Inschrift, dass der Parlamentarier Georges d'Olive 1657 die Burg wieder errichten ließ.[5] Zwischen 1621 und 1631 wütete die Pest im Lande und zahlreiche Bewohner von Bruguière fielen ihr zum Opfer.[1] In einem Kartenwerk von 1695 (Cartulaire der Abtei St-Sernin) ist Bruguières mit einigen Häusern eingetragen.[6] Im Jahr 1740 begradigten die Bewohner den Lauf des Flusses, der damit kaum noch Überschwemmungen mit sich brachte.[7] Mit einem Dekret von 1789 wurde der Einfluss der Konsuln auf die Ortsentwicklung abgeschafft und Gemeinden gegründet. Erster Gemeindevorsteher von Bruguière wurde Combret.[1]

Nach der französischen Revolution wurde das Eigentum der Grundbesitzer eingezogen, das Kloster verlor seine Bedeutung. Die Wallfahrtskirche wurde 1793 zusammen mit dem Kloster für 100.000 Pfund an den Kaufmann Toulouse Lacan verkauft, der sie zu seinem Wohnsitz machte. Schließlich wurden alle Maulbeerbäume abgeholzt und es begann eine Periode mit Landwirtschaft und Fischfang, die Bewohner wurden zu Bauern, Viehzüchtern und Fischern. Dank häufiger Überschwemmungen des Hers in der südlichen Ortsumgebung gab es dort sehr fruchtbare Schlammablagerungen.[1]

Mit dem Beginn des Eisenbahnbaus sollten Bruguière und Fronton an die Hauptstrecke Bordeaux–Cette (Sète) angeschlossen werden. Wegen der stark zerklüfteten Landschaft um Bouloc und Saint-Sauveur wurde dieser Plan nicht realisiert.[1]

Im späten 19. Jahrhundert wurde die Seidenraupenkultur wiederbelebt und führte zum Wohlstand der Dorfbewohner. Außerdem wurde um 1810 eine Schule errichtet, die den Kindern benachbarter Gemeindeteile ebenfalls diente. Ein Haus für Kranke kam auch hinzu. Im Jahr 1904 wurde eine frühere Holzbrücke über den Fluss durch eine Stahlkonstruktion abgelöst. Im Jahr 1907 eröffnete ein neues Schulgebäude an der Avenue de Toulouse. Beides – die Schule und das Hospital – dienten im späten 20. Jahrhundert als Altersheim, das bis 2007 von den Nonnen (Schwestern) von St. Vincent de Paul betreut wurde. 1923 erhielt der Ort Anschluss an die Elektrizitätsversorgung. Im Jahr 1952 war ein neues Rathaus fertiggestellt.[1]

Im 20./21. Jahrhundert leben die Bewohner ein wenig vom Tourismus, von eigener Landwirtschaft und von der im 19. Jahrhundert angesiedelten Industrie, vor allem zwei Ziegeleien (1862, 1875) und einer Brikettfabrik.[8][9]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2013
Einwohner 169 172 158 188 184 182 268 330
Quelle: Cassini und INSEE

In der gesamten Gemeinde leben seit Fertigstellung der Autobahn A62 Toulouse–Bordeaux im Jahr 2016 rund 5000 Einwohner.[1]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche Mariä Himmelfahrt
 
romanischer Turm
  • Kirche Mariä Himmelfahrt
  • romanischer Turm aus dem 12. Jahrhundert
  • Burg

WeblinksBearbeiten

  Commons: La Bruguière – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l Geschichte von La Bruguière auf www.mairie-bruguieres.fr (französisch)
  2. Zeichnung von Vincent Laudin, 1665: Notre Dame de Grâce in der Kommune Bruguières.
  3. Ansicht der Marienstatue, 1975
  4. Eine Schrift aus dem 17. Jahrhundert erzählt die Geschichte der Wallfahrt ausführlich: Histoire de Nostre Dame des Bruguieres, MDCXLIV.
  5. Ansicht des Schlosses auf einer Postkarte von 1930.
  6. Karten von 1675
  7. Plan der Rektifikation des Hers, 1740.
  8. Kartenausschnitt: auf Bruguière gehen, dort verweist ein Marker auf eine Z.A. de la Briquetterie.
  9. Ansicht der Brikettfabrik, Jahr 1900