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GeografieBearbeiten

 
Statue Ludwig IX., des Heiligen, in Aigues-Mortes

Der Name „Aigues-Mortes“ bedeutet tote Wasser. Die Einwohner werden gemeinhin Aiguemortais bzw. Aiguemortaises genannt.

Im 13. Jahrhundert als Hafenstadt konzipiert, lag Aigues-Mortes damals an den Ufern einer großflächigen Lagune und war durch Kanäle mit dem Mittelmeer verbunden. Zum westlichen Delta der Rhône führten Wege durch weitläufige Moore. Anlässlich der Stadtgründung wurde eine Fernstraße auf einem Damm angelegt, die die einzige Verbindung zum Festland bildete und durch den Tour Carbonnière verteidigt wurde.

Nach der Verlandung der Flachwasserzone liegt Aigues-Mortes heute rund sechs Kilometer vom Meer entfernt, ist aber von dort aus noch über einen Kanal erreichbar. Die Stadt liegt außerdem am Canal du Rhône à Sète, einer schiffbaren Verbindung zwischen der Rhone und Sète. Von dort besteht eine Verbindung zum Canal du Midi.

GeschichteBearbeiten

AntikeBearbeiten

Gaius Marius erwähnt eine Siedlung an diesem Ort um 102 v. Chr. Der Name Ayga Mortas („Totes Wasser“) wird erstmals im 10. Jahrhundert verwendet.

Mittelalterliche StadtgründungBearbeiten

 
Stadttor

Bis in das 13. Jahrhundert hinein besaß der französische König kein Land in Süd-Frankreich. Das Gebiet der Provence gehörte zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, während das Languedoc-Roussillon den Königen von Aragón gehörte.

1240 erwarb Ludwig IX., der Heilige, das Gebiet. Er ließ zwischen 1241 und 1250 zunächst die Tour de Constance errichten und begann 1248 mit der Anlage der Stadt als Bastide. Damit gewann er seinen ersten Mittelmeerhafen auf eigenem Gebiet. Von hier brach der König zum Sechsten (1248–1254) und Siebten Kreuzzug (1270) auf. 1270 starb Ludwig während des Kreuzzuges an Typhus. Die Stadt war zu dieser Zeit fast fertiggestellt. Auf dem Hauptplatz der Stadt steht eine Statue des Königs aus dem 19. Jahrhundert.

 
Südwestlicher und südöstlicher Abschnitt der Stadtmauer von Süden

Ab 1268 wurde zur Finanzierung des Baus der Stadtmauer eine Steuer von einem Pfennig pro Pfund einer Ware erhoben. Die Nachfolger Ludwig IX., insbesondere sein Sohn Philipp der Kühne, ließen später ein Festungsviereck mit einem umlaufenden Wehrgang und 10 darin regelmäßig verteilten Stadttoren anlegen. Als Planer gilt der Baumeister Eudes de Montreuil. Das Fundament der von ihm entworfenen Stadtmauer ruht auf einer hölzernen Plattform, die von Eichenpfählen gestützt wird, die bis auf den festen Grund im Boden gerammt sind. Sie ist 1634 m lang.[1] Während des Krieges mit Aragón stockte der Ausbau, wurde aber auf Betreiben Philipp IV. des Schönen wieder aufgenommen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Stadtmauer vollendet. Sie ist heute noch vollständig erhalten.

Frühe NeuzeitBearbeiten

 
Angriff auf die italienischen Salinenarbeiter 1893

Zunächst entwickelte sich Aigues-Mortes als Hafenstadt gut. Durch die Verlandung der Lagune wich das Meer allmählich immer weiter zurück. Die Stadt war bis zum 16. Jahrhundert einer der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte der französischen Mittelmeerküste. 1481 fiel die Provence an Frankreich und Marseille verdrängte die Stadt als führender französischer Mittelmeerhafen. Die wirtschaftliche Aktivität der Bewohner konzentrierte sich nun auf Handel, Weinbau und die Salinen.

Karl V. und Franz I. trafen sich 1538 in Aigues-Mortes, um Verhandlungen zu führen, die zum Friedensvertrag von Nizza führten.

In der Reformation wurde die Stadt hugenottisch. Am 22. August 1622 übergab ihr Kommandant, Gaspard III. de Coligny, später Herzog von Châtillon, die Stadt kampflos an Louis XIII., der mit einer Armee vor Aigues Mortes erschienen war, um die Hugenottenrebellion im Languedoc zu unterdrücken. Das brachte de Coligny eine Belohnung von 5.000 Pfund und den Marschallstab ein.

NeuzeitBearbeiten

1893 kam es in den Salinen zu schnell eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Ortsansässigen und italienischen Wanderarbeitern, die zu einem Massaker an den Italienern führten. Nach einer offiziellen Bilanz gab es 8 Tote und 50 Verletzte, während italienische Berichte von 50 Toten und 150 Schwerverletzten sprachen.[2]

WappenBearbeiten

Das Wappen der Stadt stellt St. Martin dar, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. St. Martin ist der Schutzpatron der Stadt und der französischen Könige. Geistiger Vater des Wappens soll ein Waffenrichter namens d'Hozier gewesen sein, das Wappen stammt vom 26. April 1697.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Tour Carbonnière
 
Tour de Constance

Hauptsehenswürdigkeiten ist die vollständig erhaltene Stadtmauer mit der Tour de Constance. Dieser und andere Türme der Stadtmauer dienten zur Zeit der Hugenottenkriege als Gefängnis für Protestanten. Abraham Mazel, dem Chef der protestantischen Widerstandsbewegung (Kamisarden), gelang 1705 die Flucht aus der Tour de Constance. Die durch ihre lange Gefängnisstrafe bekannt gewordene Marie Durand war hier 38 Jahre, von 1730 bis 1768, lang eingekerkert, da sie ihrem protestantischen Glauben nicht abschwor. Im Mittelalter lag Aigues-Mortes inmitten eines Sumpfgebiets. Der einzige Zugang zur Stadt von der Landseite führte durch die Tour Carbonnière, den Kohleturm, dessen älteste erhaltene Erwähnung von 1346 stammt. Der Turm liegt 3,2 km nordnordöstlich der Bastide auf dem Gebiet der Gemeinde Saint-Laurent-d’Aigouze.

Die Kirche Notre-Dame-des-Sablons war Ausgangspunkt des siebten und achten Kreuzzugs. Sehenswert sind auch die Kapellen der Grauen und der Weißen Büßer (Chapelle des Pénitents gris und Chapelle des Pénitents blancs).

VerkehrBearbeiten

 
Eisenbahndrehbrücke in für den Schiffsverkehr in geöffnetem Zustand

Aigues-Mortes liegt an der Bahnstrecke Nîmes–Le Grau-du-Roi. Unmittelbar südlich des Bahnhofs Aigues-Mortes quert die Bahnstrecke die Einfahrt zum Stadthafen auf einer Drehbrücke.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Der erste Teil von Ernest Hemingways The Garden of Eden (deutsch: Der Garten Eden), einem 1986 postum erschienenen Roman über eine Ménage à trois, spielt unter anderem in Aigues-Mortes und dem benachbarten Le Grau-du-Roi.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Aigues-Mortes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Aigues-Mortes – Reiseführer

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Informationsbroschüre der Touristinformation
  2. Frank Caestecker: Der Migrant. In: Ute Frevert, Heinz-Gerhart Haupt (Hg.): Der Mensch des 19. Jahrhunderts. Campus, Frankfurt a. M. & New York 1999, S. 256.