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Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017/800 m der Frauen

Der 800-Meter-Lauf der Frauen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 fand zwischen dem 10. und 13. August 2017 in London, Großbritannien, statt.

Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017
Leichtathletik
Disziplin 800-Meter-Lauf der Frauen
Stadt Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich London
Ort Olympiastadion London
Teilnehmerinnen 47 Athletinnen aus 30 Ländern
Wettkampfphase 10. August 2017 (Vorläufe)
11. August 2017 (Halbfinale)
13. August 2017 (Finale)
Medaillengewinnerinnen
Gold Gold Caster Semenya (SudafrikaSüdafrika RSA)
Silbermedaillen Silber Francine Niyonsaba (BurundiBurundi BDI)
Bronzemedaillen Bronze Ajeé Wilson (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)
Die 800-Meter-Läuferinnen in ihrem Finalrennen

Der Weltmeistertitel ging an die Südafrikanerin Caster Semenya. Sie siegte vor Francine Niyonsaba aus Burundi. Die US-Amerikanerin Ajeé Wilson gewann die Bronzemedaille.

GeschlechtsstatusfrageBearbeiten

Im Zusammenhang mit dem 800-Meter-Lauf bei diesen Weltmeisterschaften kann die Frage nach dem Geschlechtsstatus nicht ausgeklammert werden. Hier handelt es sich um eine heikle Problematik, die Frage ist, wo sind die Grenzen zu setzen, wie sollen entsprechende Kontrollen gestaltet werden, inwieweit sind Athletinnen in ihrer Persönlichkeit beeinträchtigt oder verletzt und wie ist es um die Chancengleichheit bestellt. Auch in der Vergangenheit war die Frage nach dem Geschlechtsstatus immer wieder aktuell. In den 1930er Jahren ging es um den Deutschen Heinrich Ratjen, der als Hochspringerin bei zahlreichen nationalen und internationalen Veranstaltungen teilweise sehr erfolgreich an den Start ging. Alle seine Resultate wurden allerdings nach 1938 gestrichen.[1]

In den 1960er Jahren wurde das Thema noch einmal auf im Zusammenhang mit den Geschwistern Irina und Tamara Press aus der Sowjetunion aktuell, bei denen die Vermutung auftauchte, dass sie Hermaphroditen seien.[2] Beide verschwanden nach Einführung der sogenannten Sextests, die in der Leichtathletik erstmals bei den Europameisterschaften 1966 realisiert wurden.[3]

Heute sind die Tests zur Feststellung des Geschlechtsstatus in der früheren Form abgeschafft.[4] Allerdings stellt sich auch heute wieder die Frage, wo die Grenzen für die Teilnahme von Athletinnen im Frauensport liegen, und es gibt durchaus kritische Stimmen zu einer Teilnahmeberechtigung für die 800-Meter-Siegerin Caster Semenya und auch anderen weit vorne platzierten Athletinnen mit einem männlich anmutenden Erscheinungsbild.[5][6]

RekordeBearbeiten

Weltrekord Tschechoslowakei  Jarmila Kratochvílová 1:53,28 min BR Deutschland (heute Deutschland) 26. Juli 1983
Meisterschaftsrekord 1:54,68 min WM in Helsinki, Finnland 9. August 1983

VorläufeBearbeiten

 
Winnie Nanyondo – links – schied als Fünfte ihres Vorlaufs aus
 
Die Spanierin Esther Guerrero wurde Fünfte in ihrem Vorlauf und erreichte damit nicht die nächste Runde
 
Die Jamaikanerin Natoya Goule kam nach ihrem fünften Platz im dritten Vorlauf nicht ins Halbfinale
 
Der weißrussischen Titelverteidigerin Maryna Arsamassawa reichte ihr vierter Rang im vierten Vorlauf nicht für ein Weiterkommen
 
Die Isländerin Aníta Hinriksdóttir schied als Vierte ihres Vorlaufs aus

Aus den sechs Vorläufen qualifizierten sich die jeweils drei Ersten jedes Laufes – hellblau unterlegt – und zusätzlich die sechs Zeitschnellsten – hellgrün unterlegt – für das Halbfinale. Die Vorläufe fanden am 10. August 2015 ab 19:25 Uhr Ortszeit (Uhr MESZ) statt.

Lauf 1Bearbeiten

10. August 2017, 19:25 Uhr Ortszeit (20:25 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Ajeé Wilson Vereinigte Staaten  USA 2:00,52
2 Noélie Yarigo Benin  Benin 2:00,99 SB
3 Eglė Balčiūnaitė Litauen  Litauen 2:01,21 SB
4 Sanne Verstegen Niederlande  Niederlande 2:01,50
5 Winnie Nanyondo Uganda  Uganda 2:02,65
6 Kore Tola Athiopien  Äthiopien 2:03,01
7 Johana Arrieta Kolumbien  Kolumbien 2:07,36
DNS Lovisa Lindh Schweden  Schweden

Lauf 2Bearbeiten

10. August 2017, 19:34 Uhr Ortszeit (20:34 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Angelika Cichocka Polen  Polen 2:00,86 SB
2 Melissa Bishop Kanada  Kanada 2:01,11
3 Shelayna Oskan-Clarke Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:01,30
4 Brenda Martinez Vereinigte Staaten  USA 2:01,53
5 Esther Guerrero Spanien  Spanien 2:02,22
6 Emily Cherotich Tuei Kenia  Kenia 2:02,70
7 Lora Storey Australien  Australien 2:07,17
8 Nimali Liyanarachchi Sri Lanka  Sri Lanka 2:08,49

Lauf 3Bearbeiten

10. August 2017, 19:43 Uhr Ortszeit (20:43 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Caster Semenya Sudafrika  Südafrika 2:01,33
2 Rose Mary Almanza Kuba  Kuba 2:01,43
3 Joanna Jóźwik Polen  Polen 2:01,51
4 Angie Petty Neuseeland  Neuseeland 2:01,76
5 Natoya Goule Jamaika  Jamaika 2:01,77
6 Brittany McGowan Australien  Australien 2:02,25
7 Annie Leblanc Kanada  Kanada 2:04,06

Lauf 4Bearbeiten

10. August 2017, 19:52 Uhr Ortszeit (20:52 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Margaret Wambui Kenia  Kenia 2:00,75
2 Lynsey Sharp Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:01,04
3 Halimah Nakaayi Uganda  Uganda 2:01,80
4 Maryna Arsamassawa Weissrussland  Weißrussland 2:01,92 SB
5 Mahlet Mulugeta Athiopien  Äthiopien 2:02,04
6 Olha Ljachowa Ukraine  Ukraine 2:02,07
7 Yusneysi Santiusti Italien  Italien 2:02,75
8 Lindsey Butterworth Kanada  Kanada 2:03,19

Lauf 5Bearbeiten

10. August 2017, 20:01 Uhr Ortszeit (21:01 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Charlene Lipsey Vereinigte Staaten  USA 2:02,74
2 Hedda Hynne Norwegen  Norwegen 2:02,
3 Dorcus Ajok Uganda  Uganda 2:02,98
4 Aníta Hinriksdóttir Island  Island 2:03,45
5 Georgia Griffith Australien  Australien 2:03,54
6 Síofra Cléirigh Büttner Irland  Irland 2:06,54
7 Kimarra McDonald Jamaika  Jamaika 2:09,19
DNS Eunice Sum Kenia  Kenia

Lauf 6Bearbeiten

10. August 2017, 20:10 Uhr Ortszeit (21:10 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Francine Niyonsaba Burundi  Burundi 1:59,86
2 Habitam Alemu Athiopien  Äthiopien 2:00,07
3 Selina Büchel Schweiz  Schweiz 2:00,23
4 Adelle Tracey Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:00,28 PB
5 Christina Hering Deutschland  Deutschland 2:01,13
6 Hanna Hermansson Schweden  Schweden 2:01,25
7 Gena Löfstrand Sudafrika  Südafrika 2:01,73
8 Rose Lokonyen Athlete Refugee Team  Athlete Refugee Team 2:20,06 SB

HalbfinaleBearbeiten

 
Für Noélie Yarigo aus Benin reichte es nach Rang drei in ihrem Halbfinallauf nicht zum Finaleinzug
 
Zwölf Hundertstelsekunden fehlten der Schweizerin Selina Büchel als Fünfte ihres Halbfinalrennens zur Finalqualifikation
 
Keine Chance zum Erreichen des Finale hatte die Deutsche Christina Hering mit Rang sieben in ihrem Halbfinallauf

Aus den drei Halbfinalläufen qualifizierten sich die jeweils beiden Ersten jedes Laufes – hellblau unterlegt – und zusätzlich die beiden Zeitschnellsten – hellgrün unterlegt – für das Halbfinale.

Lauf 1Bearbeiten

11. August 2017, 19:35 Uhr Ortszeit (20:35 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Ajeé Wilson Vereinigte Staaten  USA 1:59,21
2 Melissa Bishop Kanada  Kanada 1:59,56
3 Noélie Yarigo Benin  Benin 1:59,74 SB
4 Rose Mary Almanza Kuba  Kuba 1:59,79
5 Hedda Hynne Norwegen  Norwegen 1:59,88
6 Adelle Tracey Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:00,26 PB
7 Hanna Hermansson Schweden  Schweden 2:00,43 PB
8 Habitam Alemu Athiopien  Äthiopien 2:00,69

Lauf 2Bearbeiten

11. August 2017, 19:45 Uhr Ortszeit (20:45 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Caster Semenya Sudafrika  Südafrika 1:58,90
2 Angelika Cichocka Polen  Polen 1:59,32 SB
3 Charlene Lipsey Vereinigte Staaten  USA 1:59,35
4 Lynsey Sharp Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:59,47
5 Selina Büchel Schweiz  Schweiz 1:59,85
6 Eglė Balčiūnaitė Litauen  Litauen 2:00,48 SB
7 Sanne Verstegen Niederlande  Niederlande 2:00,92
8 Dorcus Ajok Uganda  Uganda 2:02,00

Lauf 3Bearbeiten

11. August 2017, 19:55 Uhr Ortszeit (20:55 Uhr MESZ)

Platz Name Land Zeit (min)
1 Francine Niyonsaba Burundi  Burundi 2:01,11
2 Margaret Wambui Kenia  Kenia 2:01,19
3 Brenda Martinez Vereinigte Staaten  USA 2:01,31
4 Halimah Nakaayi Uganda  Uganda 2:01,74
5 Joanna Jóźwik Polen  Polen 2:01,91
6 Shelayna Oskan-Clarke Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 2:02,26
7 Christina Hering Deutschland  Deutschland 2:02,69
8 Gena Löfstrand Sudafrika  Südafrika 2:03,67

FinaleBearbeiten

13. August 2017, 20:10 Uhr Ortszeit (21:10 Uhr MESZ)

Eindeutige Favoritin für dieses Rennen war die zweifache Olympiasiegerin – 2012 / 2016 – und Weltmeisterin von 2009 Caster Semenya aus Südafrika. Zu ihren stärksten Gegnerinnen gehörten die beiden weiteren Medaillengewinnerinnen von 2016 Francine Niyonsaba aus Burundi und die Kenianerin Margaret Wambui. Auch die amtierende Weltmeisterin Maryna Arsamassawa aus Weißrussland war hier am Start, hatte jedoch nicht mehr die Form von 2015 und war bereits im Vorlauf ausgeschieden. Mit der Kanadierin Melissa Bishop und der Britin Lynsey Sharp standen zwei weitere Finalistinnen der letztjährigen Olympischen Spiele auch hier wieder im Finale.

Niyonsaba übernahm früh in diesem Rennen die Initiative und legte von Anfang an ein zügiges Tempo vor. Ihr folgten zunächst die US-Amerikanerin Ajeé Wilson und Margaret Wambui. Zum Ende der ersten Runde – Durchgangszeit 57,98 s – verschärfte Wilson das Tempo und löste Niyonsaba an der Spitze ab. Es entstand eine kleine Lücke, die Semenya sofort wieder schloss. Diese drei Läuferinnen setzten sich in der nächsten Kurve ein wenig von ihren Konkurrentinnen ab. Wambui folgte als Vierte. Auf der Gegengeraden lag Niyonsaba wieder vorne vor Wilson und Semenya. Wambui kämpfte um den Anschluss, konnte aber die Lücke aufgrund des jetzt sehr hohen Tempos nicht schließen. Diese Konstellation blieb bis zum Beginn der Zielgerade so bestehen.

Auf den letzten achtzig Metern forcierte Caster Semenya noch einmal und zog fast mühelos an ihren Gegnerinnen vorbei. Im Ziel hatte sie ihren zweiten Weltmeistertitel gewonnen. Francine Niyonsaba wurde wie bei den Olympischen Spielen 2016 Zweite. Ajeé Wilson sicherte sich überraschend die Bronzemedaille vor der Olympiadritten Margaret Wambui. Melissa Bishop belegte Rang fünf in diesem schnellen Rennen vor der Polin Angelika Cichocka. Die US-Amerikanerin Charlene Lipsey und Lynsey Sharp belegten die Plätze sieben und acht in diesem Finale.

Platz Athletin Land Zeit (min)
  Caster Semenya Sudafrika  Südafrika 1:55,16 WL
  Francine Niyonsaba Burundi  Burundi 1:55,92
  Ajeé Wilson Vereinigte Staaten  USA 1:56,65
4 Margaret Wambui Kenia  Kenia 1:57,54
5 Melissa Bishop Kanada  Kanada 1:57,68
6 Angelika Cichocka Polen  Polen 1:58,41 PB
7 Charlene Lipsey Vereinigte Staaten  USA 1:58,73
8 Lynsey Sharp Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:58,98

Weblinks und QuellenBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Das Doppelleben der Dora Ratjen auf ndr.de 18. November 2011, abgerufen am 8. Dezember 2018
  2. Zwischen Ruhm und Argwohn Allgemeine Zeitung, abgerufen am 8. Dezember 2018
  3. Intersexualität als Problem des Hochleistungssports, Jennifer de Antoni, Diplomarbeit, Mai 2011 (PDF), abgerufen am 8. Dezember 2018
  4. Der Sex-Test - Sportler beweisen ihr Geschlecht auf 3sat.de 21. August 2009, abgerufen am 8. Dezember 2018
  5. Stichwort Sex-Test, Frankfurter Allgemeine Zeitung 2. August 2009, abgerufen am 8. Dezember 2018
  6. Olympias »schöne« Töchter von Petra Welzel, der Freitag 15. September 2000, abgerufen am 8. Dezember 2018