Bundesautobahn 643

Bundesautobahn in Deutschland

Die Bundesautobahn 643 (Abkürzung: BAB 643) – Kurzform: Autobahn 643 (Abkürzung: A 643) – ist eine deutsche Bundesautobahn, die in Nord-Süd-Richtung in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz verläuft und dabei zum einen den westlichen Teil eines Autobahnrings um Mainz bildet, zum anderen eine Anbindung der Wiesbadener Innenstadt darstellt. Ein großer Teil der acht Kilometer langen Strecke fällt dabei auf die Querung des Rheins mit der Schiersteiner Brücke.

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Bundesautobahn 643 in Deutschland
Bundesautobahn 643
Karte
Verlauf der A 643
Basisdaten
Betreiber: DeutschlandDeutschland Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Wiesbaden-Dotzheim
(50° 3′ 54″ N, 8° 13′ 11″ O)
Straßenende: Autobahndreieck Mainz
(50° 0′ 0″ N, 8° 10′ 48″ O)
Gesamtlänge: 8 km

Bundesland:

Ausbauzustand: 2 × 2 Fahrstreifen
Karte Mainzer Ring.svg
Mainzer Ring mit BAB 643 als westlichem Teilstück
Straßenverlauf
Land Hessen
Anschlussstelle (1)  Wiesbaden-Dotzheim
Brücke (210 m)  Hochstraße
Knoten (2)  Schiersteiner Kreuz (Straßenbrücke 60 m) A66
Brücke (50 m)  Bahnbrücke
Anschlussstelle (3)  Wiesbaden-Äppelallee
Brücke (100 m)  Straßenbrücke
Brücke (1282 m)  Schiersteiner Brücke
Land Rheinland-Pfalz
Anschlussstelle (4)  Mainz-Mombach
Brücke (949 m)  Hochstraße Lenneberg
Grünbrücke (50 m)  Grünbrücke Mainzer Sand
Anschlussstelle (5)  Mainz-Gonsenheim
Knoten (6)  Dreieck Mainz A60 E42
  • In Bau
  • In Planung
  • Verkehrsbeeinflussungsanlage
  • StreckenverlaufBearbeiten

    Die Autobahn beginnt an der Anschlussstelle Wiesbaden-Dotzheim, ab der sie die zweibahnige Fortsetzung der B 262 bildet, die wiederum ihren Anfang an der Wiesbadener Ringstraße nimmt. Direkt hinter dem Autobahnbeginn folgt ein Gefälle zum Rhein hinunter und das Schiersteiner Kreuz, an dem die BAB 66 (RüdesheimFrankfurt am Main) gekreuzt wird. Ab hier bildet die BAB 643, wie die BAB 66 östlich des Kreuzes, einen Teil des Mainzer Rings. Nach dem Kreuz folgt die Anschlussstelle Wiesbaden-Äppelallee, die neben den Wiesbadener Stadtteilen Schierstein und Biebrich auch ein großes Gewerbegebiet anbindet, ehe auf der knapp 1,3 km langen Schiersteiner Brücke der Rhein gekreuzt wird. Flussabwärts ist dies die letzte feste Rheinquerung bis Koblenz.

    Südlich des Rheins befindet man sich in Rheinland-Pfalz, wo die komplett als Brückenbauwerk ausgeführte Anschlussstelle Mainz-Mombach auf die Rheinallee in die Mainzer Innenstadt führt. Die knapp 1 km lange Hochstraße Lenneberg bildet die nahtlose Fortsetzung der Rheinbrücke und führt die BAB 643 durch den Mainzer Sand zur nächsten Anschlussstelle Mainz-Gonsenheim. Danach endet die Autobahn am Autobahndreieck Mainz, in dem sie in die BAB 60 (BingenRüsselsheimer Dreieck) mündet.[1] Das sich östlich anschließende Teilstück der BAB 60 bildet den südlichen Teil des Mainzer Rings.

    GeschichteBearbeiten

    Der Mainzer Ring entstehtBearbeiten

    Im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen 1956 war im Zuge der Erschließung von Wirtschaftsräumen beiderseits des Rheins erstmals der Bau einer ringförmigen Umgehungsstraße um Mainz herum aufgeführt. Im Zuge dieser Ringstraße, neben Köln und Bonn das dritte Projekt dieser Art, sollten drei große Brückenbauwerke errichtet werden, um die Stadtteile beiderseits des Rheins und des Mains, letztere waren als ursprünglich Mainzer Stadtteile nach dem Zweiten Weltkrieg dem Bundesland Hessen zugeteilt worden, zu verbinden. Westlich und südlich der Innenstadt war je eine Rheinquerung, östlich bei Hochheim eine Mainquerung vorgesehen. Die ganze Straße war erstmals 1955 als Kraftfahrstraße geplant, mit getrennten Richtungsfahrbahnen, allerdings im gegenüber Autobahnen schmaleren Querschnitt und ohne Seitenstreifen.[2]

    Der einzige Anschluss an das Autobahnnetz im Raum Mainz/Wiesbaden lag zu dieser Zeit an der Bundesautobahn Köln–Frankfurt am Main bei Wallau, der heutigen BAB 3, die dort in den ersten Nachkriegsjahren ihren südlichen Endpunkt besaß. Die querende Straße, an der die Autobahn endete, wurde landläufig als Wandersmannstraße bezeichnet und Anfang der 1930er Jahre zur Kraftfahrstraße ausgebaut. 1954 wurde sie schließlich als Rhein-Main-Schnellweg autobahnähnlich um eine zweite Richtungsfahrbahn ergänzt und das Kreuzungsbauwerk mit der von Köln her kommenden Autobahn vollendet, da diese über den Main hinweg weiter in Richtung Frankfurt am Main geführt wurde. Auf Wiesbadener Gebiet bot sich daher ein Anschluss der Ringstraße an den Autobahnzubringer in Richtung Frankfurt an. Aus dem Rhein-Main-Schnellweg ging die heutige BAB 66 hervor.

    Brückenbau und FertigstellungBearbeiten

    Am 13. Juli 1959 erging der Planfeststellungsbeschluss für Rheinbrücke bei Schierstein, mit deren Bau dann am 15. September desselben Jahres begonnen wurde. Während für die ab 1961 errichtete Weisenauer Brücke das Bundesland Rheinland-Pfalz zuständig war, übernahm für die Schiersteiner Brücke das Land Hessen die Zuständigkeit – beide Brücken überqueren mit dem Rhein hier den Grenzfluss zwischen den genannten Bundesländern. Am 12. Dezember 1962 wurden sowohl die Schiersteiner als auch die Weisenauer Brücke zeitgleich eröffnet.[2]

    Zum Zeitpunkt der Eröffnung der Schiersteiner Brücke endete die Schnellstraße noch am südlichen Ende an der heutigen Anschlussstelle Mainz-Mombach, da die sich anschließende Hochstraße noch nicht fertiggestellt war. Mit dem Bau der Hochstraße Lenneberg wurde erst 1962 begonnen, diese wurde 1964 fertiggestellt. Die fertigen Teile der Kraftfahrstraße waren zunächst Bestandteil der Bundesstraße 262, ehe die Gesamtstrecke 1966 mit dem Weiterbau bis zum Dreieck Mainz zur Autobahn aufgestuft wurde.

    Das sich nördlich an die Schiersteiner Brücke anschließende Teilstück entstand zusammen mit der Südumgehung Wiesbaden. Letztgenannte Strecke stellte die westliche Verlängerung des seit 1954 autobahnähnlich ausgebauten Rhein-Main-Schnellwegs durch das südliche Wiesbadener Stadtgebiet dar. Zum Zeitpunkt der Eröffnung des ersten Abschnitts zwischen Schierstein und der Mainzer Straße bestand allerdings noch kein Anschluss an die eigentliche Strecke des Schnellwegs weiter nach Frankfurt – die Lücke zwischen Mainzer Straße und Erbenheim wurde erst 1969 geschlossen. Herausragendstes Bauwerk auf diesem Abschnitt ist die Salzbachtalbrücke am östlichen Ende.

    Zur Verknüpfung mit dem westlichen Mainzer Ring, damals noch als B 262 geführt, wurde ein höhenfreier Knotenpunkt gebaut, der beide autobahnähnlichen Schnellstraßen miteinander verband. Allerdings hat dieser, im Gegensatz zu den meisten Autobahnkreuzen, keine Parallelfahrbahnen, zudem werden die nördlichen Rampen im Gegenverkehr betrieben. Der Rhein-Main-Schnellweg (später als A 80 bezeichnet) endete zunächst noch unmittelbar westlich des Kreuzungsbauwerks, ab 1969 war dann die Verlängerung bis Frauenstein für den Verkehr freigegeben.

    Auch die damalige B 262 bzw. heutige BAB 643 hatte zunächst ein provisorisches Streckenende nördlich des Kreuzes, sie mündete in Höhe der damals neu gebauten Siedlung Sauerland die Saarstraße (K 645) ein.[3] Mit dem Bau der Brücke über das Belzbach- bzw. Mosbachtal wurde 1965 begonnen.[4] Nach Fertigstellung Ende der 1960er Jahre bildet sie seitdem einen nahtlosen Übergang zwischen Autobahn und Stadtstraße (Schiersteiner Straße).

    Der Weg zur heutigen AutobahnBearbeiten

    Nach Aufstufung zur Autobahn war die Strecke Schiersteiner Kreuz–Dreieck Mainz Bestandteil einer Planung, die eine Autobahn A 80 zwischen der belgischen Grenze bei Steinebrück und Fulda vorsah.[5] Die Abschnitte Bingen–Mainz (fertiggestellt bis 1973), Mainz–Schierstein und Schierstein–Eschborn waren zu diesem Zeitpunkt bereits als Autobahn bzw. Kraftfahrstraße unter Verkehr, die Weiterführung einerseits nach Westen zur belgischen Grenze und andererseits von Frankfurt nach Fulda befanden sich zu diesem Zeitpunkt größtenteils noch in der Planung.

    Die genannte Aufstufung erfolgte jedoch ohne bauliche Anpassungen entlang der bestehenden Straßen, weshalb das gesamte Brückenbauwerk zwischen Schierstein und Mombach über keine Standstreifen und Beschleunigungs-/Verzögerungsstreifen verfügte. Ebenfalls untypisch für eine Autobahn war die durchgehende Anbringung von Straßenbeleuchtung. Die Nummer A 80 wurde, wie damals üblich, nirgends auf Wegweisern ausgewiesen, sondern nahezu ausschließlich intern zur Verwaltung verwendet.

    Ein neues Nummerierungssystem mit Einteilung in überregionale, regionale und lokale Autobahnen sowie der Ausweisung der Nummern auf den Wegweisern wurde zwei Jahre später im Jahr 1975 eingeführt. Ein zuvor im Bedarfsplan Bundesfernstraßen 1971–1985 beschriebenes System, dass den vom Berliner Ring abzweigenden Strecken die einstelligen Nummern A 1 bis A 6 zuordnete konnte sich, auch im Hinblick auf die damals noch bestehende Deutsche Teilung, nicht durchsetzen. Die Strecke belgische Grenze–Fulda wurde nun auf drei Autobahnen aufgeteilt: Vom Grenzübergang Steinebrück bis zum Rüsselsheimer Dreieck bekam die Autobahn die Nummer BAB 60. Dabei wurde der bislang als B 9 geführte südliche Teil des Mainzer Rings letztlich auch zu einer Autobahn hochgestuft, ebenfalls ohne bauliche Veränderungen.[6] Von Wiesbaden nach Fulda bekam die Autobahn die Nummer BAB 66. Das kurze Verbindungsstück, das den westlichen Teil des Mainzer Rings bildet, bekam gemäß der Vorgaben für kurze, lokal verlaufende Strecken eine dreistellige Nummer, die BAB 643.

    Zeitweise war eine nördliche Verlängerung der Autobahn durch das Wiesbadener Stadtgebiet bis Taunusstein-Neuhof geplant; bis auf einen großzügig trassierten Abschnitt der Bundesstraße 417 zwischen Neuhof und dem Wiesbadener Nordfriedhof wurde dieses Projekt nie realisiert. Denkbar wäre auch eine Verbindung über Taunusstein hinaus mit der BAB 3 bei Idstein gewesen.

    Liste der VerkehrsfreigabenBearbeiten

    Abschnitt Jahr km Bemerkungen
    Übergang B 262 – südl. AS Wiesbaden-Dotzheim ca. 1967 0,4 km
    südl. AS Wiesbaden-Dotzheim – AS Wiesbaden-Äppelallee 1963 2,1 km als B 262, 1966 Aufstufung zur Autobahn
    AS Wiesbaden-Äppelallee – AS Mainz-Mombach 1962 1,5 km als B 262, 1966 Aufstufung zur Autobahn
    AS Mainz-Mombach – Dreieck Mainz 1966 4,1 km

    Sechsstreifiger Ausbau und Neubau der Schiersteiner BrückeBearbeiten

    Bereits einige Jahre nach Eröffnung war das Brückenbauwerk dem Verkehr nicht mehr gewachsen – statt der beim Bau prognostizierten 20.000 Fahrzeuge pro Tag waren es bis Mitte der 1990er Jahre schon fast 80.000. Erstmals wurde in den Jahren 1997 bis 1999 eine Instandsetzung des Hauptbrückenbauwerks über den Rhein zusammen mit der Erneuerung des Fahrbahnbelags durchgeführt. Nach einer Begutachtung der sanierten Brücke im Jahr 2006 wurden jedoch weiterhin gravierende Mängel wie Risse in der Konstruktion festgestellt, woraufhin ein Tempolimit von 60 km/h angeordnet wurde, das ab September 2008 mit einer Geschwindigkeitsmessanlage überwacht wurde. Da für das bestehende Brückenbauwerk eine Restnutzungsdauer bis spätestens 2015 prognostiziert wurde, war ein Neubau unumgänglich.

    AusbauplanungBearbeiten

    Im Rahmen der Erneuerung und Erweiterung der Schiersteiner Brücke wurde auch über eine Verbreiterung der Autobahn vom Schiersteiner Kreuz auf hessischer Seite zum Dreieck Mainz auf rheinland-pfälzischer Seite diskutiert. Diese Kosten für den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn, vom Autobahndreieck Mainz bis zum Schiersteiner Kreuz, wurden 2008 auf 200 Millionen Euro geschätzt.

    Von Naturschutzverbänden wurde eine Beibehaltung der vierstreifigen Ausbauvariante unter Einbeziehung der zwei Standstreifen im Bedarfsfall, sowie Landschaftsbrücken über die Autobahn in Höhe der vorhandenen Wege des Naturschutzgebiets Mainzer Sand angeregt. Hierzu wurde ein Bündnis von Naturschutzverbänden und einigen Parteien gegründet.[7] Der Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung von 2011 (Kabinett Beck V) wurde als Ziel des Bündnisses definiert, dieses Modell umzusetzen.[8] Damit wäre nur die Schiersteiner Brücke und ihre nördliche Fortsetzung sechsstreifig ausgebaut worden, die Strecke zwischen Dreieck und Anschlussstelle Mombach jedoch vierstreifig (mit temporärer Standstreifenfreigabe) geblieben, die zulässige Höchstgeschwindigkeit sollte von derzeit 100 auf 80 km/h gesenkt werden. Das Bundesverkehrsministerium wies jedoch bereits im Sommer 2013 diese "4+2"-Lösung zurück und bestand auf einem sechsstreifigen Ausbau südlich der Schiersteiner Brücke.[9] Im Februar 2015 kündigte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) unter Verweis auf die Anordnung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an, den Abschnitt südlich der Schiersteiner Brücke nun doch sechsspurig ausbauen zu wollen.[10] Eine Umfrage der Allgemeinen Zeitung aus Mainz im Juli 2015 ergab, dass rund 74 % der Befragten einen sechsspurigen Ausbau der A643 befürworten.[11] Im Koalitionsvertrag der SPD/FDP/Grüne Koalition von 2016 (Kabinett Dreyer II), wurde der vom Bund bereits angewiesene sechsspurige Vollausbau der A643 durch das Naturschutzgebiet Mainzer Sand bei möglichst flächenschonendem Bau festgeschrieben.[12] Der designierte rheinland-pfälzische Verkehrsminister und FDP Landesvorsitzende Volker Wissing will beim Ausbau der A 643 mehr Druck machen.[13]

    Das Gebiet genießt höchsten Schutz auf europäischer Ebene, denn es ist als FFH- und als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Die Autobahn hatte bei ihrem Bau in den 1960er Jahren das intakte Gebiet zweigeteilt. Auch das Naturschutzgebiet Mombacher Rheinufer wird durch die möglichen Baumaßnahmen ebenso betroffen. Die dort liegenden Wiesen dienen u. a. den Weißstörchen in der Region als wichtige Nahrungsbiotope. Dort muss mit größter Rücksicht vorgegangen werden.

    Als Kompensationsmaßnahme für durch den Ausbau notwendige Eingriffe in den wertvollen Weichholzauenbestand der Rettbergsaue wird der verlandete Altrheinarm der Schönborn’schen Aue vor Geisenheim wieder renaturiert werden. Dort soll eine Auenwaldlandschaft mit ihrer typische Auenvegetation entstehen.[14]

    Vollsperrung 2015 und neue VerkehrsführungBearbeiten

    Durch eine Fahrbahnabsenkung im Bereich der Anschlussstelle Mombach, die sich zwischen der Hochstraße Lenneberg und der Schiersteiner Brücke befindet, wurde die BAB 643 am 10. Februar 2015 um etwa 22:00 Uhr zwischen den Anschlussstellen Wiesbaden-Äppelallee und dem Autobahndreieck Mainz in beiden Richtungen komplett gesperrt. Bis zum 16. Februar 2015 war somit fast der gesamte Streckenverlauf nicht befahrbar.

    Bis zum 12. April 2015 wurde die Sperrung dann auf die Schiersteiner Brücke im Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Wiesbaden-Äppelallee und Mainz-Mombach. Nachdem die Brücke wieder erfolgreich in die Ausgangslage gebracht werden konnte, wurden von Süden kommend vor der Anschlussstelle Mainz-Mombach sowie von Norden kommend zwischen dem Schiersteiner Kreuz und der Anschlussstelle Wiesbaden-Äppelallee ein so genanntes Weight-in-Motion-System (WIM) installiert. Dieses misst im drüberfahren das zulässige Gewicht und Breite der Fahrzeuge. Sollte ein Fahrzeug, das entweder schwerer als 3,5 Tonnen oder breiter als 2,2 Meter ist, die Anlage passieren, schaltet sich eine Ampel auf rot und eine Schranke versperrt die Zufahrt zur Brücke. Das Fahrzeug muss dann an der jeweiligen Anschlussstelle von der Autobahn abfahren.

    Hierzu wurde im jeweiligen Vorlauf die beiden Fahrspuren pro Richtung getrennt: Jeweils die linke Fahrspur führt über die Schiersteiner Brücke, die rechte Fahrspur dient zur Abfahrt an den Anschlussstellen Äppelallee oder Mombach. Auf der getrennten linken Fahrspur findet dann die Überprüfung statt. Ein weiteres WIM-System befindet sich an der Auffahrt MZ-Mombach Richtung Wiesbaden. Die Auffahrt WI-Äppelallee Richtung Mainz blieb komplett gesperrt, beziehungsweise dient nur noch für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge als Zufahrt. Die Abfahrt MZ-Mombach von Wiesbaden kommend blieb ohnehin wegen des Brückenneubaus geschlossen, die Umleitung führt über die nächste Anschlussstelle Mainz-Gonsenheim, dort wurde extra dafür ein Kreisverkehr eingerichtet um es den Fahrzeugen zu ermöglichen an der Anschlussstelle drehen zu können.

    Am Wochenende 7./8. November 2015 wurde diese Maßnahme aufgehoben und nun können in beiden Fahrtrichtungen wieder Lastkraftwagen bis 40 Tonnen und einer maximalen Durchfahrtsbreite von 3,75 Metern durchfahren. Nachdem Mitte November 2017 die Verschwenkung des Verkehrs auf die neu gebaute westliche Brückenhälfte erfolgte, gibt es keine Beschränkungen mehr auf Breite und Gewicht.

    Erneuerung im Schiersteiner KreuzBearbeiten

    Das Hauptbrückenbauwerk im Schiersteiner Kreuz und die Brücken der BAB 643 über die Eisenbahnstrecke südlich des Kreuzes wurden von 2015 bis 2018 durch Neubauten ersetzt. Nach ersten bauvorbereitenden Maßnahmen im März 2012 (Rodungen) wurden im April 2014 zwei Behelfsbrücken installiert, um den Verkehr der BAB 643 am Bestandsbauwerk vorbeizuführen. Dieses wurde im Anschluss abgerissen und durch eine Neukonstruktion ersetzt. Selbiges geschah mit den Brücken über die Bahnstrecke, die bereits für einen geplanten zweistreifigen Ausbau der Verbindungsrampen Frankfurt–Mainz (BAB 66 Ost – BAB 643 Süd) dimensioniert wurden. Im Juni 2018 wurden die neuen Brücken schrittweise für den Verkehr freigegeben und die Behelfsbrücken wieder demontiert.[15]

    BaufortschrittBearbeiten

    Der offizielle erste Spatenstich zum Bau der neuen Schiersteiner Brücke erfolgte am 11. September 2013 unter der Teilnahme des damaligen Verkehrsministers Peter Ramsauer. Nach vier Jahren Bauzeit wurde am 20. November 2017 die unterstromige Brücke für den Verkehr freigegeben, auf dem der Verkehr mit je zwei Fahrspuren für beide Fahrtrichtungen verläuft. Anschließend wurde die alte Brücke zurückgebaut und von bis 2021 die oberstromige Brücke gebaut.[16][17]

    Die Brückenbauwerke im Schiersteiner Kreuz sind seit Mitte 2018 fertiggestellt, mit dem Umbau der Verbindungsfahrbahnen im Kreuz sowie dem Neubau der Hochstraße Lenneberg wurde bislang noch nicht begonnen.

    BesonderheitenBearbeiten

    • Obwohl die Autobahn in Wiesbaden beginnt, beginnt die Kilometermarkierung nicht bei Kilometer 0,0, sondern bei 300,0 und steigt dann in Fahrtrichtung Mainz bis ca. 292,0 (Dreieck Mainz) ab.
    • Die Autobahnanschlussstelle Mombach gehört zu einer der wenigen in Deutschland, die auf einer Brücke liegen. Da die Schiersteiner Brücke bereits zwei Jahre vor der Hochstraße fertiggestellt wurde, wurden die entsprechenden Auf- und Abfahrten zweistreifig angelegt. Die Hochstraße Lenneberg wurde erst 1964 fertiggestellt und angeschlossen. Diese Auf- und Abfahrten wurden jedoch nur mit sehr verkürzten Beschleunigungs- und Verzögerungsstreifen ausgestattet, da beide Brücken ursprünglich als Bundesstraße geplant und gebaut wurden. Aus diesem Grund befinden sich in diesem Bereich auch Straßenlaternen und Verkehrsbeeinflussungsanlagen, die aber bereits seit Mitte der 1980er Jahre nicht mehr im Betrieb sind.
    • Im Dezember 2012 veröffentlichte der ADAC eine Statistik, in der die A 643 zu den zehn gefährlichsten Autobahnen bezüglich Falschfahrern gehört.[18] In den Jahren 2010 und 2011 gab es 23 mal Falschfahrermeldungen auf der kurzen Autobahn. In absoluten Zahlen liegt die A 661 (Darmstadt – Bad Homburg) mit 50 und die A 98 (Weil am Rhein – Tiengen) mit 30 Falschfahrermeldungen vor der A 643. Hochgerechnet auf 100 km und pro Jahr ergeben sich statistisch 142,0 Falschfahrermeldungen und damit ebenfalls „Platz 3“. Gefährlicher sind nach dieser Statistik nur noch die A 980 (Waltenhofen AD – Allgäu) mit 156,9 und A 255 (Hamburg-Süd – Neue Elbbrücken) mit 166,7 statistischen Falschfahrermeldungen pro 100 km und Jahr.[19][20][21]

    WeblinksBearbeiten

    Commons: Bundesautobahn 643 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    In den Nachrichten:

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. Dreieck Mainz. In: Autobahnkreuze-Online. Archiviert vom Original am 10. März 2016; abgerufen am 7. August 2016.
    2. a b Die neue Rheinbrücke Wiesbaden-Schierstein, Hessen Mobil, abgerufen am 25. September 2019
    3. Luftbild des nördlichen Autobahnendes, 1966
    4. Vordringlich zu untersuchende Brücken
    5. Autobahn-Nummerierung vor 1974, autobahn-online.de
    6. Autobahnkarte 1972, autobahn-online.de
    7. Erfolg am Runden Tisch. (PDF; 43 kB) Pressemitteilung. Bündnis "Nix in den (Mainzer) Sand setzen", archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 6. Mai 2011.
    8. Einzelne Verkehrsinfrastrukturprojekte. In: Den sozial-ökologischen Wandel gestalten. Koalitionsvertrag zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen 2011-2016. S. 64 (online [PDF; 966 kB; abgerufen am 6. Mai 2011]).
    9. Markus Lachmann: Brief von Verkehrsminister Dobrindt vom 6. Februar: Sechs Spuren für die A643 in Rheinland-Pfalz - Lewentz-Aussagen zum Abriss der Vorlandbrücke. In: Allgemeine Zeitung. 3. März 2015, archiviert vom Original am 5. Dezember 2017;.
    10. Monika Nellessen: Uneins über Mainzer "Flaschenhals" - Sechsspuriger Ausbau der A643 stößt auf Skepsis. In: Allgemeine Zeitung. 24. Februar 2015, archiviert vom Original am 5. Dezember 2017;.
    11. Markus Lachmann: Umfrage zur Infrastruktur in Rheinland-Pfalz: Mehrheit fordert neue Rheinbrücke und sechsspurigen Ausbau der A643. In: Allgemeine Zeitung. 7. Juli 2015, archiviert vom Original am 5. Dezember 2017;.
    12. Maßnahmen des Bundesverkehrswegeplans. In: Sozial gerecht – wirtschaftlich stark – ökologisch verantwortlich. Rheinland-Pfalz auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt. Koalitionsvertrag zwischen SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen 2016-2021. S. 49 (online [PDF; 1,1 MB; abgerufen am 29. April 2016]).
    13. Mutig für mehr Gestaltungskraft. In: portal liberal. 2. Mai 2016, abgerufen am 29. April 2016.
    14. Renaturierung eines Altrheinarms. In: A 643 Neubau Schiersteiner Brücke. Hessen Mobil, abgerufen am 16. März 2014.
    15. Höher, mehrspurige Abfahrten, besserer Verkehrsfluss: Das neue Schiersteiner Kreuz in Wiesbaden, echo-online vom 13. Juni 2018
    16. Bauablauf. In: A 643 Neubau Schiersteiner Brücke. Hessen Mobil, abgerufen am 7. Dezember 2017.
    17. Erste Brückenhälfte freigegeben. In: A 643 Neubau Schiersteiner Brücke. Hessen Mobil, 21. November 2017, abgerufen am 6. Dezember 2017.
    18. Die zehn gefährlichsten Autobahnen. (PDF; 23 kB) ADAC, Dezember 2012, archiviert vom Original am 30. März 2016; abgerufen am 25. Dezember 2012.
    19. ADAC-Statistik: A643 zwischen Mainz und Wiesbaden gehört zu gefährlichsten Geisterfahrer-Autobahnen. In: Allgemeine Zeitung. 20. Dezember 2012, archiviert vom Original am 17. Februar 2013; abgerufen am 20. Dezember 2012.
    20. Viele Geisterfahrer auf A643 – ADAC – Strecke zwischen Mainz und Wiesbaden eine der gefährlichsten Routen. In: Allgemeine Zeitung Mainz. 21. Dezember 2012, S. 1.
    21. Ken Chowanetz: Auf der A643 lauert Gefahr – Statistik: ADAC ermittelt Geisterfahrer-Häufigkeit auf deutschen Autobahnen. In: Allgemeine Zeitung. 21. Dezember 2012, Panorama.