Bundesautobahn 143

Bundesautobahn in Deutschland

Die Bundesautobahn 143 (Abkürzung: BAB 143) – Kurzform: Autobahn 143 (Abkürzung: A 143) – ist eine Autobahn in Sachsen-Anhalt und soll künftig der Westumfahrung von Halle dienen. Sie soll, nach Fertigstellung, die Autobahnen 14 und 38 verbinden und ist Teil der sogenannten Mitteldeutschen Schleife.

Vorlage:Infobox hochrangige Straße/Wartung/DE-A
Bundesautobahn 143 in Deutschland
Bundesautobahn 143
Karte
Basisdaten
Betreiber: Deutschland Bundesrepublik Deutschland
Straßenbeginn: Salzatal
(51° 28′ 53″ N, 11° 50′ 40″ O)
Straßenende: Bad Lauchstädt
(51° 24′ 18″ N, 11° 51′ 21″ O)
Gesamtlänge: 21,7 km
  davon in Betrieb: 9 km
  davon in Bau: 12,7 km

Bundesland:

Ausbauzustand: 2/2
Das vorläufige nördliche Ende der A 143 an der B 80
Straßenverlauf
Land Sachsen-Anhalt
Vorlage:AB/Wartung/Leer Neubau bis Dezember 2025:
(1)  Dreieck Halle-Nord A14 E49
(50 m)  Grünbrücke Gimritz
(300 m)  Landschaftstunnel Porphyrkuppen
(958 m)  Saalequerung Salzmünde
(207 m)  Lärmschutztunnel
(2)  Salzmünde
(250 m)  Talbrücke Benkendorfer Bach
(50 m)  Grünbrücke Muschelkalkhänge
(20 m)  Grünbrücke Köllmer Weg
(50 m)  Grünbrücke Zorges
(3)  Halle-Neustadt B80
Vorlage:AB/Wartung/Leer Symbol: Tourist Franckesche Stiftungen
Symbol: LinksRechtsSymbol: LinksRechts Parkplatz Pappelgrund
(4)  Teutschenthal
Vorlage:AB/Wartung/Leer Symbol: Tourist Goethe-Theater Bad Lauchstädt
(5)  Holleben
(6)  Dreieck Halle-Süd A38
  • In Bau
  • In Planung
  • Verkehrsbeeinflussungsanlage
  • Bisher ist der südliche Teil zwischen der A 38 südlich von Halle und der B 80 westlich von Halle bei Bennstedt unter Verkehr. Der nördlich anschließende Abschnitt bis zur A 14 im Norden von Halle ist inzwischen im Bau, nachdem der Trassenbau bei Brachwitz und Salzmünde aufgrund von Verstößen gegen das Naturschutzrecht zunächst untersagt worden war. Nach einem neuen Planfeststellungsbeschluss 2019 erfolgte der Baustart für diesen Abschnitt am 3. Dezember 2019. Die Fertigstellung dieses Abschnitts und der Autobahn 143 ist für 2025 geplant.[1]

    BauvorhabenBearbeiten

    Nach der Wende wurde die A 143 als eines der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit festgelegt. Im Bundesverkehrswegeplan 1992 wurde die Autobahn als vordringlicher Bedarf eingestuft.

    Vorgesehen ist ein vierstreifiger Neubau zuzüglich Standstreifen mit einem Regelquerschnitt von 29,5 Metern auf der gesamten Länge.[2]

    Stand der RealisierungBearbeiten

     
    Beginn der A 143 am Dreieck Halle-Süd

    Der südliche Teil zwischen dem Autobahndreieck Halle-Süd und der Anschlussstelle (AS) Halle-Neustadt ist seit 2003 (Dreieck Halle-Süd bis AS Holleben)[3] bzw. 2004 (AS Holleben-AS Halle Neustadt)[4] freigegeben.

    Gegen den Bau des nördlichen Teilstücks bis zum Autobahndreieck Halle-Nord, welches das Saaletal durchqueren soll, reichte der NABU Halle am 28. Juni 2005 Klage ein. Die betroffene Porphyrkuppenlandschaft ist durch das europäische Naturschutzrecht insbesondere als Fauna-Flora-Habitat geschützt.

    Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 17. Januar 2007 durch ein Urteil den Weiterbau der A 143 in diesem nördlichen Abschnitt untersagt.[5] Der Planfeststellungsbeschluss vom Mai 2005 für die geplante Westumfahrung der Stadt Halle sei rechtswidrig, da er gegen EU-Recht zu Fauna-Flora-Habitat-Gebieten verstoße. Das ergänzende Planfeststellungsverfahren wurde im September 2009 eingeleitet[6] und die zugehörigen Planfeststellungsunterlagen im Oktober 2009 veröffentlicht. Die Einwendungsfrist endete am 27. November 2009. Der NABU Halle hat Einwendungen gegen die Wiederaufnahme der Bauarbeiten eingelegt.

    2008 wurde von der DEGES ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag als Ergänzung zum Planfeststellungsverfahren erstellt.

    Vom 26. bis 29. September 2016 fand in Bennstedt der Erörterungstermin des Landesverwaltungsamtes statt.[7] Nachdem die dort vorgebrachten Einwendungen weitgehend abgewiesen wurden, stand ein neuer Planfeststellungsbeschluss an, der am 16. April 2018 veröffentlicht wurde.[8]

    Die Saalebrücke bei Salzmünde ist mit 1175 m Länge das komplizierteste Bauwerk. Für den fehlenden Streckenabschnitt waren ursprünglich Kosten von 80 Millionen Euro veranschlagt, die sich zwischenzeitlich auf 150 Millionen Euro und im Jahr 2010 weiter auf 240 Millionen Euro erhöhten.[9] Die Bauzeit für den 12 km langen Abschnitt würde etwa 5 bis 6 Jahre betragen. Die Baukosten wurden im Juni 2019 auf 350 Millionen Euro geschätzt.[10]

    Der Naturschutzbund NABU Halle gab am 24. Mai 2018 bekannt, nicht erneut vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Weiterbau zu klagen, obwohl er die Autobahn nach wie vor ablehnt.[11] Die Bürgerinitiative Saaletal und der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder unterstützten kurz darauf die Klage eines Unternehmers gegen den aktuellen Planfeststellungsbeschluss, mit dem Ziel, den Bau vor dem Bundesverwaltungsgericht endgültig zu stoppen, da dieser seine Kaolin-Abbaurecht durch den Autobahnbau gefährdet sieht.[12][13] Das Hauptverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluss wurde am 12. Juni 2019 entschieden.[14] Die Klage wurde abgewiesen, die Autobahn kann damit fertiggestellt werden.[15] Baubeginn war der 3. Dezember 2019.[16]

    Im Januar 2022 wurde die Schätzung der Baukosten für den knapp 13 km langen Abschnitt auf 443 Millionen Euro erhöht.[17] Im Mai 2022 berichtete die Planungsgesellschaft DEGES, dass die Arbeiten im Zeitplan liegen. Es gebe allerdings erste Lieferschwierigkeiten bei Stahlteilen für eine Brücke, zudem würden Engpässe beim Asphalt-Zuschlagstoff Bitumen befürchtet.[18] Der Bau soll frühestens 2025 fertiggestellt werden.[1]

    Kritik von UmweltschützernBearbeiten

    Die Klage von Anwohnerinitiativen und dem NABU Halle vor dem Bundesverwaltungsgericht thematisiert insbesondere die durch die Autobahn stark bedrohte Hallesche Porphyrkuppenlandschaft und die Muschelkalkhänge bei Lieskau, die unter dem besonderen Schutz der Europäischen Union stehen.[19]

    Vom NABU Halle und in einer nicht eingereichten Petition „Wissenschaftler und Künstler für den Erhalt des unteren Saaletals“[20] wurden an Stelle der Realisierung der A 143 zwei Alternativen vorgeschlagen, zum einen die Bundesstraße 180 zwischen Eisleben und Aschersleben und zum anderen der Bau einer Südumfahrung der Bundesstraße 80 für Halle. Eine solche Umgehungsstraße kann jedoch von der Stadt Halle nicht finanziert werden.[21] Mit den Geldern, die für die A 143 bereitstehen, sei laut NABU eine Umgehungsstraße bequem finanzierbar.[20]

    Ein weiteres Argument der Umweltschützer ist, dass innerstädtischer Verkehr nicht auf eine stadtferne Autobahn verlagert und die A 143 keinen großen Beitrag zur Verkehrsentlastung der Stadt Halle leisten könne.[22]

     
    Demonstranten im Mai 2011 in Brachwitz

    Im Juni 2011 hat sich im Anschluss an einen ersten Ostermarsch[23] und ein neues Planfeststellungsverfahren die Bürgerinitiative Saaletal gegründet, mit dem expliziten Ziel, die „Natur und Kulturlandschaft vor der Zerschneidung durch die Autobahn zu bewahren“. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 2021 drangen vermummte[24] Mitglieder des linksextremistischen Bündnisses Ende Gelände in die Baustelle der Anschlussstelle der BAB 143 an die L 159 ein und brachten an einem Baukran ein Transparent für eine "klimagerechte Verkehrswende" an.[25]

    Standpunkt der BefürworterBearbeiten

    Die damalige Oberbürgermeisterin von Halle, Dagmar Szabados, übergab der Landesregierung im Februar 2012 rund 5000 Unterschriften für den Weiterbau der Autobahn.[26] Unter anderem fordert auch der Handwerkstag Sachsen-Anhalt die schnelle Fertigstellung der A 143, da ohne sie weiterer wirtschaftlicher und ökologischer Schaden entstehe.[27]

    Verkehrsminister Thomas Webel führt als Argument für den nötigen Weiterbau unter anderem die Sperrung der A 14 im Juni 2012 an, bei der es mehrere Tage zu Staus mit stundenlanger Verzögerung kam. Weitere Punkte seien die Entlastung im überregionalen Verkehr sowie die existentielle Bedeutung für die Wirtschaft der Region. Die derzeitigen Transporte über die B 80 und die Saalequerung seien teilweise mit erheblichen Umwegen, zusätzlicher Zeit und Mehrkosten verbunden.[28]

    Der Saalekreis-Landrat Frank Bannert sieht die Notwendigkeit der Westumfahrung nicht nur für Halle, sondern auch für die Wirtschaft des Saalekreises sowie die beiden Chemiestandorte Schkopau und Leuna. Laut Halles Stadtsprecher Drago Bock leide Halle massiv unter dem Durchgangsverkehr.[29]

    Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt im Frühjahr 2016 plakatierte die CDU A 143 JETZT – GEGEN DIE KLAGEFLUT DER BLOCKIERER. Der NABU Halle sprach von „Parolen“, die gegen ihn gerichtet seien, obwohl er mit der Klage lediglich achtgebe, „dass die bestehenden Gesetze eingehalten werden“.[30]

    WeblinksBearbeiten

    Commons: Bundesautobahn 143 – Sammlung von Bildern

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. a b jumpradio.de: Autobahn 143: Vorbereitungen für Weiterbau haben begonnen | MDR JUMP. Abgerufen am 13. Juni 2019.
    2. Bundesautobahn A 38 Göttingen - Halle / A 143 Westumfahrung Halle. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Sachsen-Anhalt.de. Archiviert vom Original am 14. September 2012; abgerufen am 20. März 2013.
    3. Neubau von Bundesautobahnen. Zusammenstellung der Verkehrsfreigaben 2003. In: autobahn-online.de. 31. Dezember 2013, abgerufen am 11. Januar 2022.
    4. Neubau von Bundesautobahnen. Zusammenstellung der Verkehrsfreigaben 2004. In: autobahn-online.de. 31. Dezember 2004, abgerufen am 11. Januar 2022.
    5. Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 17. Januar 2007. In: lexetius.com. Abgerufen am 20. März 2013.
    6. DEGES: Report 2010 / 2011 (PDF; 11,3 MB), Dezember 2010.
    7. Stadt fordert Weiterbau der A 143. In: Stadt Halle [Saale], Der Oberbürgermeister (Hrsg.): Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). 24. Jahrgang, Nr. 16. Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung GmbH & Co. KG, Halle (Saale) 28. September 2016, S. 1 (halle.de [PDF; abgerufen am 20. November 2017]).
    8. Neuer Termin für Westumfahrung Halle. In: MDR Sachsen Anhalt. 6. September 2017, abgerufen am 20. November 2017.
    9. Staatssekretär im Landesverkehrsministerium Sachsen-Anhalt Andreas Schröder (CDU) in einer "Mitgliederversammlung der CDU über den Planungsstand der A 143" am 18. November 2010 in Halle/Dölau.
    10. Alexander Schierholz: Autobahn A143 bei Halle (Saale) kann weitergebaut werden: Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht. In: Mitteldeutscher Rundfunk. 12. Juni 2019, abgerufen am 11. Januar 2022.
    11. Silvia Zöller: Lückenschluss rückt näher. Autobahn A143 bei Halle: Nabu will diesmal nicht gegen Weiterbau klagen. In: Mitteldeutsche Zeitung. 24. Mai 2018, abgerufen am 11. Januar 2022 (die Pressemitteilung vom 24. Mai findet sich bei Für den Erhalt des Unteren Saaletals ohne Autobahn. A 143 stoppen!, nabu-halle.de, unter dem Titel Kein Gerichtsverfahren gegen Autobahn A 143).
    12. Autobahn 143 im Porzellanladen: Bürgerinitiative unterstützt Kaolinwerk Salzmünde und übt Medienkritik. In: hallespektrum.de. 15. Juni 2018, abgerufen am 11. Januar 2022.
    13. Umweltverein spricht von Mogelpackung: Arbeitskreis gegen Weiterbau der A143 bei Halle. In: Mitteldeutsche Zeitung. 9. Juli 2018, abgerufen am 11. Januar 2022.
    14. Verhandlungstermine | Bundesverwaltungsgericht. Abgerufen am 12. Juni 2019.
    15. Pressemitteilung Bundesverwaltungsgericht, 12. Juni 2019
    16. Weiterbau von Autobahn 143 bei Halle beginnt. In: morgenpost.de. 3. Dezember 2019. Archiviert vom Original am 4. Dezember 2019. Abgerufen am 3. Dezember 2019.
    17. Enrico Seppelt: 93 Millionen Euro mehr: Kosten für A143 explodieren. In: dubisthalle.de. 11. Januar 2022, abgerufen am 11. Januar 2022.
    18. Stefan Hellem, Luise Kotulla: Bürgerversammlung zur A 143: Bau ist im Zeitplan. In: mdr.de. 15. Mai 2022, abgerufen am 15. Mai 2022.
    19. NABU für den Erhalt des Unteren Saaletals. (Nicht mehr online verfügbar.) NABU Sachsen-Anhalt, 14. Dezember 2006, archiviert vom Original am 22. Juli 2012; abgerufen am 20. November 2017.
    20. a b Petition: Wissenschaftler und Künstler für den Erhalt des Unteren Saaletals. In: Sebastian Voigt, Astrid Grüttner, Götz Meister, Maud von Lampe, Matthias Stöck (Hrsg.): Calendula - Hallesche Umweltblätter: Landschaften von europäischer Bedeutung im Unteren Saaletal. 4. Sonderheft. Halle 2000, S. 64–73 (wordpress.com [PDF; 1,9 MB]).
    21. Planungsansätze Stadt. Bürgerinitiative Hochstrasse Halle an der Saale e.V., abgerufen am 21. November 2017.
    22. Sebastian Voigt: Was nützt die Saaletalautobahn A143 ? In: hallesche störung. 23. Januar 2014, abgerufen am 21. November 2017.
    23. Enrico Seppelt: Neue Initiative will A 143 verhindern. (Nicht mehr online verfügbar.) In: hallelife.de. 29. Juni 2011, archiviert vom Original am 13. April 2014; abgerufen am 24. März 2013.
    24. Bekennervideo 00:00-00:15, 00:41-00:53
    25. Enrico Seppelt: Protestbanner gegen Bau der A143. In: dubisthalle.de. 5. Juni 2021, abgerufen am 11. Januar 2022.
    26. Enrico Seppelt: 5000 Unterschriften für die A143. (Nicht mehr online verfügbar.) In: hallelife.de. 14. Februar 2012, archiviert vom Original am 21. September 2013; abgerufen am 24. März 2013.
    27. Westumfahrung: Handwerkstag fordert schnelle Fertigstellung der A 143. In: Mitteldeutsche Zeitung. 14. Februar 2012, abgerufen am 13. Juli 2021.
    28. Thomas Webel: Freie Fahrt für A143. In: Mitteldeutsche Zeitung. 12. Oktober 2012, abgerufen am 7. Juli 2021.
    29. Dirk Skrzypczak: Verkehr: Halle und Saalekreis votieren für einen zügigen Weiterbau der A143. In: mz-web.de. 14. Januar 2013, abgerufen am 28. Mai 2021.
    30. A143 im Landtagswahlkampf. NABU Halle, 2016, abgerufen am 21. November 2017 (Stellungnahme des NABU).