Nationalstadion Peking

Stadion in Peking, China

Das Nationalstadion (chinesisch 國家體育場 / 国家体育场, Pinyin guójiā tǐyùchǎng – „Nationaler Sportstadion“, aufgrund der Architektur umgangssprachlich auch „Vogelnest“ 鳥巢 / 鸟巢, niǎocháo, englisch Bird’s Nest) ist das am 28. Juni 2008 eröffnete Olympiastadion der Olympischen Sommerspiele 2008 und Sommer-Paralympics 2008 in Peking. Es ist Teil des Olympic Green (Olympiapark). Während der Olympischen Spiele fanden in dem Stadion die Leichtathletik-Wettkämpfe, das Finale des Fußballturniers sowie die Eröffnungs- und Schlussfeiern statt. Das Stadion war Austragungsort der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2015. Ferner ist geplant, dass die Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Winterspiele 2022 im Stadion stattfinden. Es wurde von den Baseler Architekten Herzog & de Meuron entworfen.

Nationalstadion Peking
国家体育场
Vogelnest – 鸟巢
Das Nationalstadion Peking
Das Nationalstadion Peking, 2011
Daten
Ort China VolksrepublikVolksrepublik China Peking, Volksrepublik China
Koordinaten 39° 59′ 29,6″ N, 116° 23′ 25,7″ OKoordinaten: 39° 59′ 29,6″ N, 116° 23′ 25,7″ O
Eigentümer Beijing Organizing Committee for the Olympic Games – BOCOG
(während der olympischen Spiele)
CITIC Group (2003–2038)
Stadtregierung Beijing (ab 2039)
Baubeginn 24. Dezember 2003
Eröffnung 28. Juni 2008
Oberfläche Naturrasen
Kosten ca. 3,5 Mrd. Yuan
(etwa 325 Mio. Euro)
Architekt Herzog & de Meuron,
Arup Sport,
China Architectural Design &
Research Group,
Ai Weiwei
Kapazität 80.000 Plätze (aktuell)
91.000 Plätze (2008)
Veranstaltungen
Lage
Nationalstadion Peking (Peking)
Nationalstadion Peking

EntwurfBearbeiten

 
Innenaufnahme des Stadions

Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, die bereits die Münchner Allianz Arena sowie den Basler St. Jakob-Park bauten, entwarfen das Nationalstadion. In Zusammenarbeit mit der China Architecture Design & Research Group, Arupsport und dem Künstler Ai Weiwei gingen sie im Jahr 2002 als Sieger aus einem internationalen Architekturwettbewerb hervor. Das Gebäude ist 330 Meter lang, 220 Meter breit und 69,2 Meter hoch. Die Baukosten betragen rund 3,5 Milliarden Yuan (325 Millionen Euro). Aufgrund seiner Form hat das Stadion den Spitznamen „Vogelnest“. Jacques Herzog hofft, dass „dieses Bauwerk für Peking das wird, was der Eiffelturm für Paris ist“.[1]

BauarbeitenBearbeiten

Das Bauwerk wurde durch das chinesische Unternehmen CITIC Group errichtet.[2] Der erste Spatenstich war im Dezember 2003, die eigentlichen Bauarbeiten begannen im März 2004. Schon im August 2004 wurden die Arbeiten aufgrund massiver Kostenüberschreitungen, auch bedingt durch die gestiegenen Stahlpreise, für ein halbes Jahr unterbrochen. Nach einer Neuplanung wurde auf das durchsichtige Schiebedach, welches das ganze Stadion überspannen sollte, verzichtet. Das Stadion weist jetzt in der Mitte ein ca. 185 mal 122 m großes offenes Oval auf.

Die äußere Hülle des Stadions bildet ein 42.000 Tonnen schweres verschlungenes Stahlgerüst, das aus tausenden vorgefertigter Einzelteile entstand. Sie wogen jeweils bis zu 350 Tonnen und wurden in Stahlwerken im etwa 1000 Kilometer entfernten Shanghai gefertigt. Zur Verminderung der Spannungen, die durch Temperaturschwankungen entstehen, ist die äußere Hülle des Stadions vom Kern getrennt.[1]

NutzungBearbeiten

 
Innenaufnahme während des olympischen Siebenkampfes 2008

Während der Olympischen Spiele wies das Stadion eine Kapazität von 91.000 Zuschauern auf, die nach Ende der Veranstaltung auf 80.000 reduziert wurde. Damit der Bau nach den Olympischen Spielen wirtschaftlich betrieben werden kann und Besucher weiterhin anzieht, sind laut Planung auch Restaurants, Geschäftsräume und Läden vorgesehen.[1] Im Herbst 2017 fand das Finale der League of Legends World Championship im Vogelnest statt.[3]

DokumentarfilmBearbeiten

  • Bird’s Nest – Herzog & de Meuron in China – Dokumentarfilm, Frankreich, Schweiz, 2008, 86 Min., Regie: Christoph Schaub, Michael Schindhelm, Produktion: T&C Film, arte, SSR, Erstausstrahlung, 11. August 2008. Die Dokumentation begleitete die Arbeit von Herzog & de Meuron seit der Ausschreibung des Wettbewerbs von 2002 an bis zum Herbst 2007. Formal behandelt der Film das „Bauen zwischen zwei Kulturen, zwei architektonischen Traditionen, zwei politischen Systemen“. Konkret geht es um die Probleme, die in jeder Phase vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron beim Bau des Olympiastadions bewältigt werden mussten. Daneben erzählt der Film auch die Bemühungen um die Errichtung eines neuen Stadtteils in Jinhua.

AuszeichnungenBearbeiten

2009 erhielt das Beijing Olympic Stadium den IOC/IAKS Award in Gold, den einzigen internationalen Architekturpreis für bereits im Betrieb bewährte Sport- und Freizeitbauten (Neubauten, Erweiterungen oder Modernisierungen).

Kritik am BauprojektBearbeiten

Der am Projekt beteiligte Künstler Ai Weiwei sieht den ursprünglichen Gedanken, den er mit dem Stadionentwurf verfolgte, von der Regierung missachtet. In seiner Kolumne für den britischen Guardian kritisierte er die Umsetzung des Entwurfs durch die chinesische Regierung und kündigte sein Fernbleiben von der Eröffnungszeremonie an. Auch die Überschreitung des Kostenrahmens wurde von Ai Weiwei kritisiert.[4]

LiteraturBearbeiten

  • Über das Vogelnest . In: Lee Ambrozy (Hrsg.): Macht euch keine Illusionen über mich – AI WEIWEI – Der verbotene Blog. Verlag Galiani, Berlin 2011, ISBN 978-3-86971-049-5, S. 129–130; 318–325

BilderBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Nationalstadion Peking – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Jürgen Mundt: Architektenträume. In: www.welt.de. 7. November 2007, abgerufen am 7. November 2007.
  2. Marian Blasberg, Martin Kotynek: Stahlgeschäft – Die versenkten Milliarden. In: www.zeit.de. 5. Juli 2012, abgerufen am 10. August 2012: „Ein Stahlwerk in Brasilien sollte für ThyssenKrupp der ganz große Coup werden. Stattdessen wurde es das größte Desaster dieser deutschen Traditionsfirma. Eine Geschichte von Größenwahn, Missmanagement und Umweltverschmutzung.“
  3. Louis: The League of Legends World Championship 2017 will be hosted in China. In: pacific.network. 8. Februar 2017, archiviert vom Original am 24. Dezember 2017; abgerufen am 30. April 2021 (englisch).
  4. Ai Weiwei: Why I'll stay away from the opening ceremony of the Olympics. In: www.theguardian.com. 7. August 2008, abgerufen am 7. August 2008 (englisch).