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Olympische Sommerspiele 1988/Fußball

Wettkämpfe im Fußball

Bei den XXIV. Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurde ein Fußballturnier für Männermannschaften ausgetragen. Nachdem bei den drei vergangenen Olympischen Spielen immer eine Gruppe von Ländern einen Boykott verübten, war dies seit 1972 das erste olympische Fußballturnier, an dem alle sportlich qualifizierten Mannschaften teilnahmen.

Fußball bei den
Olympischen Spielen 1988
Logo Olympiade Seoul 1988.svg
Olympic pictogram Football.png
Information
Austragungsort Korea SudSüdkorea Seoul, Busan, Daegu, Daejeon, Gwangju
Wettkampfstätte Olympiastadion, Dongdaemun-Stadion, Busan-Gudeok-Stadion, Daegu-Stadion, Daejeon Hanbat Stadion, Gwangju-Mudeung-Stadion
Mannschaften 16
Nationen 16
Athleten 270 (270 Blue Mars symbol.svg)
Datum 14. September – 1. Oktober 1988
Entscheidungen 2
Los Angeles 1984

Spielstätten waren neben dem Olympiastadion und dem Dongdaemun-Stadion in Seoul, das Stadion in Daegu, das Stadion in Daejeon, das Gwangju-Mudeung-Stadion in Gwangju und das Busan-Gudeok-Stadion in Busan.

Deutschland wurde durch eine Olympia-Auswahl vertreten, zusammengestellt aus erfahrenen Spielern, die in der A-Nationalmannschaft nur sporadisch zum Einsatz gekommen waren sowie jüngeren Spielern wie Jürgen Klinsmann oder Thomas Häßler, die erst in der Folgezeit eine tragende Rolle in der A-Nationalmannschaft innehatten.

Im Endspiel standen sich die UdSSR und Brasilien gegenüber. Beide hatten zum zweiten Mal das olympische Finale erreicht. Die UdSSR konnte nach 1956 auch dieses Finale gewinnen, Brasilien blieb zum zweiten Mal in Folge nur die Silbermedaille. Mit dem Sieg der UdSSR endete die nur 1984 auf Grund des Olympiaboykotts der Ostblockstaaten unterbrochene Dominanz der osteuropäischen Staatsamateure, die seit 1952 alle Titel unter sich ausgemacht hatten.

Inhaltsverzeichnis

QualifikationBearbeiten

In Europa traten die 25 teilnehmenden Mannschaften in fünf Gruppen zu je 5 Mannschaften gegeneinander an. Die bundesdeutsche Mannschaft qualifizierte sich als Gruppenerster der Gruppe 1 vor Polen und Dänemark zum ersten Mal auf sportlichem Wege für die Olympischen Spiele (1972 war man als Gastgeber qualifiziert und 1984 rückte die Mannschaft durch den Boykott der Ostblockmannschaften nach). In Gruppe 2 schied die DDR zum ersten Mal seit 1968 in der Qualifikation aus (1984 war die DDR-Mannschaft qualifiziert, trat aber nicht an), da sie hinter Italien nur den zweiten Gruppenplatz belegen konnte. Die Schweiz scheiterte in Gruppe 4 an der Sowjetunion, Österreich in Gruppe 5 an Jugoslawien. Titelverteidiger Frankreich wurde in der Gruppe 3 mit nur einem Sieg Gruppenletzter, aus dieser Gruppe qualifizierte sich Schweden.

Die südamerikanische Qualifikation wurde im bolivianischen Santa Cruz ausgetragen, die zehn Teilnehmer spielten zunächst in einer ersten Gruppenphase mit zwei Gruppen à fünf Mannschaften gegeneinander, aus jeder Gruppe qualifizieren sich der Gruppensieger und der Gruppenzweiter für die Finalrunde. Diese wurde vom 29. April bis zum 3. Mai 1987 in La Paz ausgespielt. Es qualifizierten sich Brasilien und Argentinien für das Endturnier, Gastgeber Bolivien scheiterte nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber Argentinien.

In Nordamerika wurden zunächst zwei Runden im K.O.-System ausgetragen, ehe die Zwei Teilnehmer durch eine Gruppenphase ausgespielt wurden. Es qualifizierten sich die USA und Mexiko. Da sich die Mexikaner vom Endturnier zurückgezogen hatten, qualifizierte sich stattdessen Guatemala für das Endturnier.

Die Qualifikation in Afrika wurde ganz im K.O.-System ausgetragen, für die Endrunde qualifizierten sich Tunesien, Sambia und Nigeria.

In Asien wurden die Mannschaften in zwei Gruppenzonen (Westasien war Gruppe 1, Südost- und Ostasien Gruppe 2) aufgeteilt, von denen sich zwei Mannschaften neben Gastgeber Südkorea qualifizierten. Zunächst wurden in beiden Zonen Gruppenspiele ausgetragen, um die vier Mannschaften für die Final-Gruppen zu ermitteln. In Westasien setzte sich der Irak gegen Kuwait, Katar und Saudi-Arabien durch. China gewann die ostasiatische Qualifikation gegen Japan und Thailand.

Ozeanien bekam erstmals nach Melbourne 1956 wieder einen sicheren Endrundenplatz. Zu den beiden ozeanischen Teilnehmern Australien und Neuseeland kamen auch Israel und Taiwan hinzu, die aufgrund politischer Konflikte nicht in Asien antraten. Australien qualifizierte sich in der Endrunde vor Israel für das olympische Turnier.

Olympisches TurnierBearbeiten

Olympisches Fußballturnier 1988
   
Anzahl Nationen 16
Olympiasieger Sowjetunion  UdSSR (2. Titel)
Austragungsort Seoul (Busan, Daegu,
Daejeon und Gwangju)
Eröffnungsspiel 14. September 1988
Endspiel 1. Oktober 1988
Spiele 32
Tore 95 (⌀: 2,97 pro Spiel)
Zuschauer 733.712 (⌀: 22.929 pro Spiel)
Torschützenkönig Brasilianer  Romário (7 Tore)
  Gelbe Karten 84 (⌀: 2,63 pro Spiel)
  Rote Karten (⌀: 0,19 pro Spiel)

GruppenphaseBearbeiten

Gruppe ABearbeiten

17. September 1988 in Busan
BR Deutschland China 3:0 (1:0)
17. September 1988 in Daegu
Schweden Tunesien 2:2 (2:2)
19. September 1988 in Busan
BR Deutschland Tunesien 4:1 (1:1)
19. September 1988 in Daegu
Schweden China 2:0 (1:0)
21. September 1988 in Daegu
BR Deutschland Schweden 1:2 (0:0)
21. September 1988 in Busan
Tunesien China 0:0
Rang Land Tore Punkte
1 Schweden  Schweden 6:3 5:1
2 Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland 8:3 4:2
3 Tunesien  Tunesien 3:6 2:4
4 China Volksrepublik  China 0:5 1:5

Die von Hannes Löhr trainierte Olympiamannschaft gewann ihre beiden ersten Gruppenspiele souverän und qualifizierte sich vorzeitig für das Viertelfinale. Gegen China hatten Wolfram Wuttke und Frank Mill zweimal getroffen. Gegen Tunesien hatten Roland Grahammer, Holger Fach, Frank Mill und Wolfram Wuttke getroffen, Nabil Maaloul hatte den tunesischen Ehrentreffer erzielt. Allerdings verlor man durch eine 1:2-Niederlage gegen Schweden die Tabellenführung. In diesem Spiel war Deutschland durch einen Treffer Fritz Walters in Führung gegangen, aber Leif Engqvist und Peter Lönn hatten das Spiel noch gedreht. Die Schweden traten mit einigen talentierten Spielern wie Martin Dahlin an, konnten aber im ersten Spiel gegen Tunesien nicht überzeugen. Erst die Siege über China und Deutschland sicherten den Einzug ins Viertelfinale. Tunesien und China konnten sich in dieser Gruppe nicht durchsetzen.

Gruppe BBearbeiten

17. September 1988 in Daejeon
Sambia Irak 2:2 (1:1)
17. September 1988 in Gwangju
Italien Guatemala 5:2 (4:1)
19. September 1988 in Daejeon
Irak Guatemala 3:0 (0:0)
19. September 1988 in Gwangju
Sambia Italien 4:0 (1:0)
21. September 1988 in Gwangju
Sambia Guatemala 4:0 (0:0)
21. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Italien Irak 2:0 (0:0)
Rang Land Tore Punkte
1 Sambia 1964  Sambia 10:2 5:1
2 Italien  Italien 7:6 4:2
3 Irak 1963  Irak 5:4 3:3
4 Guatemala  Guatemala 2:12 0:6

In der Vorrunde erwiesen sich die Sambier als große Überraschung des Turniers. Italien gewann das letzte Spiel gegen den Irak durch die Tore von Ruggiero Rizzitelli und Massimo Mauro mit 2:0 und qualifizierte sich ebenfalls für das Viertelfinale. Guatemala schied nach drei Niederlagen aus.

Gruppe CBearbeiten

18. September 1988 in Busan
Südkorea UdSSR 0:0
18. September 1988 in Daegu
Argentinien Vereinigte Staaten 1:1 (0:0)
20. September 1988 in Busan
Südkorea Vereinigte Staaten 0:0
20. September 1988 in Daegu
UdSSR Argentinien 2:1 (2:0)
22. September 1988 in Busan
Argentinien Südkorea 2:1 (1:1)
22. September 1988 in Daegu
Vereinigte Staaten UdSSR 2:4 (0:3)
Rang Land Tore Punkte
1 Sowjetunion  UdSSR 6:3 5:1
2 Argentinien  Argentinien 4:4 3:3
3 Korea Sud  Südkorea 1:2 2:4
4 Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 3:5 2:4

Während der Olympischen Spiele kam es zur ersten Begegnung zwischen den USA und der UdSSR. Die sowjetische Auswahl setzte sich in diesem Spiel mit 4:2 durch und wurde Gruppensieger vor Argentinien.

Gruppe DBearbeiten

18. September 1988 in Daejeon
Brasilien Nigeria 4:0 (0:0)
18. September 1988 in Gwangju
Australien Jugoslawien 1:0 (0:0)
20. September 1988 in Daejeon
Jugoslawien Nigeria 3:1 (1:0)
20. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Brasilien Australien 3:0 (1:0)
22. September 1988 in Daejeon
Brasilien Jugoslawien 2:1 (1:0)
22. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Australien Nigeria 1:0 (0:0)
Rang Land Tore Punkte
1 Brasilien 1968  Brasilien 9:1 6:0
2 Australien  Australien 2:3 4:2
3 Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 4:4 2:4
4 Nigeria  Nigeria 1:8 0:6

Die Brasilianer gewannen diese Gruppe mühelos mit drei Siegen, Australien kam als Gruppenzweiter vor Jugoslawien ins Viertelfinale. Großen Anteil an dem Weiterkommen der Australier hatten Frank Farina und John Kosmina, die bei den Siegen über Jugoslawien und Nigeria die Siegtreffer erzielten.

ViertelfinaleBearbeiten

25. September 1988 in Daegu
Schweden  Schweden Italien  Italien 1:2 n. V. (1:1, 0:0)
25. September 1988 in Kwangju
Sambia 1964  Sambia Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland 0:4 (0:3)
25. September 1988 in Busan
Sowjetunion  UdSSR Australien  Australien 3:0 (0:0)
25. September 1988 in Seoul (Tong-Da-Mun-Stadion)
Brasilien 1968  Brasilien Argentinien  Argentinien 1:0 (0:0)

Deutschland fuhr hier einen souveränen 4:0-Sieg gegen Sambia durch ein Tor von Wolfgang Funkel und drei Tore durch Jürgen Klinsmann ein.

HalbfinaleBearbeiten

27. September 1988 in Busan
Sowjetunion  UdSSR Italien  Italien 3:2 n. V. (1:1, 0:0)
27. September 1988 in Seoul (Olympiastadion)
Brasilien 1968  Brasilien Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland 1:1 n. V. (1:1, 0:0), 3:2 i. E.

Holger Fach hatte Deutschland in der 50. Minute in Führung gebracht. Romario glich 11 Minuten vor Schluss aus. Nur zwei Minuten später erhielt Deutschland einen Elfmeter nach Foul an Klinsmann. Doch Wolfgang Funkel scheiterte mit dem Strafstoß an Brasiliens Torwart Taffarel. Nach 120 Minuten stand es immer noch 1:1 und im Elfmeterschießen unterlag Deutschland Brasilien.

  • Elfmeterschießen:
    • Taffarel hält Olaf Janßens Schuss
    • Joao Paolo trifft zum 1:0
    • Jürgen Klinsmann verschießt
    • Luis Carlos Winck trifft zum 2:0
    • Gerhard Kleppinger trifft zum 2:1
    • Romario trifft zum 3:1
    • Holger Fach trifft zum 3:2
    • Uwe Kamps hält Andre Cruz’ Schuss
    • Taffarel hält Wolfram Wuttkes Schuss[1]

Spiel um BronzeBearbeiten

30. September 1988 in Seoul (Olympiastadion)
Deutschland Bundesrepublik  BR Deutschland Italien  Italien 3:0 (2:0)

Im letzten Spiel besiegte die Deutsche Fußballolympiamannschaft Italien mit 3:0 (Klinsmann, Kleppinger, Schreier) und gewann zum ersten Mal im Fußball eine Olympia-Medaille.

FinaleBearbeiten

Paarung UdSSR  UdSSRBrasilien  Brasilien
Ergebnis 2:1 n. V. (1:1, 0:1)
Datum 1. Oktober 1988
Stadion Olympiastadion, Seoul
Zuschauer 74.000
Schiedsrichter Gérard Biguet (Frankreich  Frankreich)
Tore 0:1 Romário (29.)
1:1 Igor Dobrowolski (60., FE)
2:1 Juri Sawitschew (103.)
UdSSR Dmitri CharinGela Ketaschwili, Jewgeni Jarowenko, Sergei Gorlukowitsch, Wiktor LossewJewgeni Kusnezow, Igor Dobrowolski, Alexei Michailitschenko, Wladimir TatartschukVladimir Liutyi (115. Igor Skljarow), Arminas Narbekovas (46. Juri Sawitschew)
Trainer: Anatoli Byschowez
Brasilien Cláudio TaffarelLuiz Carlos Winck, André Cruz, Aloísio, JorginhoAndrade, Milton, Neto (73. Edmar) – Careca, Bebeto (75. João Paulo), Romário
Trainer: Carlos Alberto Silva
Gelbe Karten   Ketaschwili, Tatartschuk, Gorlukowitsch – Careca, Winck, Aloisio
Platzverweise   Tatartschuk (110.) – Edmar (112.)

MedaillenrängeBearbeiten

Beste TorschützenBearbeiten

Rang Spieler Tore
1 Brasilien 1968  Romário 7
2 Sambia 1964  Kalusha Bwalya 6
Sowjetunion  Igor Dobrowolski 6
4 Sowjetunion  Alexei Michailitschenko 5
5 Deutschland Bundesrepublik  Jürgen Klinsmann 4
6 Deutschland Bundesrepublik  Frank Mill 3
Italien  Pietro Paolo Virdis 3
Argentinien  Carlos Alfaro Moreno 3
Schweden  Jan Hellström 3
10 Deutschland Bundesrepublik  Holger Fach 2
Deutschland Bundesrepublik  Wolfram Wuttke 2
21 Deutschland Bundesrepublik  Gerhard Kleppinger 1
Deutschland Bundesrepublik  Christian Schreier 1
Deutschland Bundesrepublik  Fritz Walter 1
Deutschland Bundesrepublik  Wolfgang Funkel 1
Deutschland Bundesrepublik  Roland Grahammer 1

Den besten Sturm hatte die Olympia-Mannschaft der BR Deutschland, die insgesamt 16 Tore schoss.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. FIFA Datenbank