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Kellinghusen

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kellinghusen
Kellinghusen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kellinghusen hervorgehoben
Koordinaten: 53° 57′ N, 9° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Steinburg
Amt: Kellinghusen
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 18,81 km2
Einwohner: 8020 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 426 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25548
Vorwahl: 04822
Kfz-Kennzeichen: IZ
Gemeindeschlüssel: 01 0 61 049
Adresse der Amtsverwaltung: Hauptstr. 14
25548 Kellinghusen
Webpräsenz: www.kellinghusen.de
Bürgermeister: Axel Pietsch (BFK)
Lage der Stadt Kellinghusen im Kreis Steinburg
AasbüttelAasbüttelAebtissinwischAgethorstAltenmoorAuuferBahrenflethBeidenflethBekdorfBekmündeBesdorfBlomesche WildnisBokelrehmBokelrehmBokhorstBorsflethBreitenbergBreitenburgBreitenburgBreitenburgBrokdorfBrokstedtBüttelChristinenthalDägelingDammflethDrageEcklakElskopEngelbrechtsche WildnisFitzbekGlückstadtGrevenkopGribbohmHadenfeldHeiligenstedtenHeiligenstedtenerkampHennstedtHerzhornHingstheideHodorfHohenaspeHohenfeldeHohenlockstedtHolstenniendorfHorst (Holstein)HujeItzehoeKaaksKaisborstelKellinghusenKiebitzreiheKleveKollmarKollmoorKrempdorfKrempeKremperheideKrempermoorKronsmoorKrummendiekKudenseeLägerdorfLandrechtLandscheideLockstedtLohbarbekLooftMehlbekMoordiekMoorhusenMühlenbarbekMünsterdorfNeuenbrookNeuendorf b. ElmshornNeuendorf-SachsenbandeNienbüttelNortorfNuttelnOelixdorfOeschebüttelOldenborstelOldendorfOttenbüttelPeissenPöschendorfPoyenbergPulsQuarnstedtRadeReherRethwischRosdorfSankt MargarethenSarlhusenSchenefeldSchlotfeldSilzenSommerlandStördorfStörkathenSüderauVaaleVaalermoorWackenWarringholzWestermoorWewelsflethWiedenborstelWillenscharenWilsterWinseldorfWittenbergenWristWulfsmoorKarte
Über dieses Bild
Altes Rathaus
St.-Cyriacus-Kirche
Luisenberger Turm
Kellinghusen

Kellinghusen ist eine Stadt im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und VerkehrBearbeiten

GeografieBearbeiten

Die Stadt liegt nordöstlich von Itzehoe. Durch Kellinghusen fließt die Stör, deren Wasserstand bis etwas oberhalb des Ortes durch die Gezeiten beeinflusst wird. In Kellinghusen beträgt der Tidenhub etwa 1,50 m, in Itzehoe ca. 2,50 m [2]. Ein bis zweimal im Jahr tritt die Stör so weit über die Ufer, dass einige Straßen gesperrt werden müssen. Durch den nach ihr benannten Kellinghusener Ortsteil Mühlenbek fließt die in die Stör mündende Mühlenbek.

Bis Kellinghusen darf die Stör noch mit Motorfahrzeugen befahren werden, ab etwas oberhalb des Kellinghusener Hafens ist nur noch das Befahren ohne Motor erlaubt. Der Flusslauf ist jedoch an vielen Stellen durch Versandung nicht einmal tief genug für kleine Motorboote.

Kellinghusen liegt am Naturpark Aukrug. Die leicht hügelige Umgebung dieses Naturparks in klimatisch günstiger Lage, bestehend aus Wäldern, Teichen, Moor- und Heideflächen, ist eine beliebte Ferienregion. Ebenfalls in der Nähe sind das Stör- und Bramautal. Im Ortsteil Rensing liegt der Rensinger See.

Ortsteile sind Feldhusen, Grönhude, Mühlenbek, Overndorf, Rensing und Vorbrügge.

VerkehrBearbeiten

Die Bundesstraße 206 läuft durch das Stadtgebiet, wird heute jedoch über eine Umgehungsstraße am Stadtzentrum vorbeigeführt. Kellinghusen hat über die Ausfahrt Bad Bramstedt Anschluss an die Bundesautobahn 7 und über die Ausfahrten Itzehoe Nord, West und Süd Anschluss an die Bundesautobahn 23. Die A 20 soll nach aktueller Planung südlich an Kellinghusen vorbeiführen, wodurch ein weiterer Anschluss an das deutsche Autobahnnetz zwischen Wrist und Bokel entstehen wird.

Die nächsten Bahnhöfe sind in Wrist, Itzehoe und Bad Bramstedt. Kellinghusen war von 1889 bis 1975 (Güterverkehr bis 1995) mit einem eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke Wrist–Itzehoe an das Schienennetz angebunden. Die Wiederanbindung der Stadt Kellinghusen an den SPNV wird vorbereitet und war zunächst für Dezember 2014 angekündigt, wurde nun jedoch auf Juli 2017 verschoben. Von Wrist wird ein halbstündliches Zugangebot nach Hamburg angeboten.

GeschichteBearbeiten

Der – mit ziemlicher Sicherheit – schon vor der Zeit Karls des Großen (768–814) entstandene Ort ist um das Jahr 1148 erstmals namentlich als Kellinghusen benannt worden („Thoto von Kerlegehuse“). Der Name hat altnordische Wurzeln und lässt sich als „Mit Häusern bebauter Platz der Leute des Karl“ übersetzen, wobei die Leute des Karl keine Franken Karls des Großen, sondern altnordische Gemeindefreie sind. Kellinghusen war zeitweilig Sitz des Goding bzw. Goting der Holsteiner und daher schon in vorchristlicher Zeit ein wichtiger Ort. Die Einwohner waren später vornehmlich Handwerker, Handel- und Gewerbetreibende. Reichliche Tonvorkommen begünstigten die Gründung von Fayence-Fabriken. In der dänischen Zeit stellte Kellinghusen das Geschirr für Dänemark her. Die Stadt wurde damit im 18. Jahrhundert bekannt. Noch heute trägt sie den Namen Keramikstadt Kellinghusen.

Das Fleckenrecht wurde 1740 verliehen; das Stadtrecht 1877.

Im 19. Jahrhundert erlangte der aus Hamburg stammende Hugenotte Camille Vidal, Gründer und Mitinhaber[3] der „Fernsichter Thonwaaren Fabriken AG“,[4][5] auf der Londoner Weltausstellung 1862 Anerkennung für seine Kachelöfen, von denen sich noch ein Exemplar im Museum Kellinghusen befindet.[6][7] 1870 stellte auch er wie die anderen Produzenten wegen der Konkurrenz durch ausländische Industrieware den Betrieb ein. Fernsicht wurde Landgut des späteren Hamburger Politikers August Jauch.[8]

Nach dem Ersten Weltkrieg und der 1919 eingeführten Einführung der Demokratie in Deutschland galt auch in Kellinghusen, wie in allen Gemeinden des Reiches, die Demokratie vor Ort, die Kommunale Selbstverwaltung. 1933 änderte sich das. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wurde eine zunehmend zentralistische Diktatur der NSDAP eingeführt, in der der Rechtsstaat und die Menschenrechte nichts mehr galten. Das geschah im Kleinen auch in Kellinghusen. Am 5. März 1933 wurde auf offener Straße der 23-jährige Rotsport-Handballer, Otto Fabian, von SA-Leuten aus Kellinghusen ermordet. Staatsanwaltliche Ermittlungen aufgrund dieses Mordes wurden innerhalb weniger Tage eingestellt. Der 1932 mit großer Mehrheit gewählte SPD-Bürgermeister Strobel wurde widerrechtlich abgesetzt. An seine Stelle trat der NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Burmeister, der damit auch Chef der Polizei war. Am 15. Mai ordnete er eine Verfolgung der Kommunisten in Kellinghusen an, wobei 17 Wohnungen gestürmt wurden. 2 Tage später wurde gegen örtliche Gewerkschafter vorgegangen, am 29. Mai gegen den örtlichen „Arbeiter-, Turn- und Sportverein“. Am schlimmsten wüteten SA-Angehörige, als sie am 7. August 1933 ehemalige Sozialdemokraten und Kommunisten systematisch verprügelten und schwer misshandelten.[9]

Zur Zeit des Kalten Krieges beherbergte Kellinghusen eine große Garnison der Bundeswehr; hier waren vor allem Artillerie-Einheiten der 6. Panzergrenadierdivision stationiert. Außerdem gab es das Sondermunitionslager Kellinghusen, ein Atomwaffenlager der US-Streitkräfte. Heute erinnert der Ehrenhain der schleswig-holsteinischen Artillerie an diese Zeit.

PolitikBearbeiten

Amt KellinghusenBearbeiten

Kellinghusen ist Teil und Verwaltungssitz des Amtes Kellinghusen, das am 1. Januar 2008 aus dem alten Amt Kellinghusen-Land, der Stadt Kellinghusen und den Gemeinden Lockstedt und Hohenlockstedt gebildet wurde.

RatsversammlungBearbeiten

Die 23 Sitze in der Ratsversammlung verteilen sich seit der Kommunalwahl von 2013 wie folgt:

Ehrenamtliche BürgermeisterBearbeiten

  • 1945–1946 Emil Staben (SPD)
  • 1946 Hermann Nau (SPD)
  • 1946–1948 Emil Staben (SPD)
  • 1948–1950 Otto Staack (DWB)
  • 2010–2015 Axel Pietsch (BFK)

StadtdirektorenBearbeiten

  • 1945–1947 Albin Strobel
  • 1947–1950 Walter Ellerbrock

Hauptamtliche BürgermeisterBearbeiten

  • 1950–1953 Gerhard Muhs (parteilos)
  • 1953–1971 Paul Jeske (parteilos)
  • 1971–1976 Herbert Hinz (CDU)
  • 1977–1982 Helmut Hagedorn (CDU)
  • 1982–1992 Franz-Joseph Kuß (parteilos)
  • 1992–2003 Siegfried Kalis (SPD)
  • 2004–2010 Helga Maria Nießen (parteilos)
  • seit 2015 Axel Pietsch (BFK)

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Geteilt von Gold und Blau. Oben auf grünem Hügel eine rote Burg mit drei schwarz bedachten Zinnentürmen und offenem Tor, unten auf Wellen ein silberner Einmaster mit silbernem Wimpel am Mast.“[10]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Die St.-Cyriacus-Kirche, das Rathaus sowie der Luisenberger Turm sind markante Wahrzeichen von Kellinghusen, die Besuchern sofort ins Auge fallen.

Die St.-Cyriacus-KircheBearbeiten

1154 wurde die St.-Cyriacus-Kirche von Mönchen aus dem von Vizelin gegründeten Kloster in Wippendorf (Neumünster) erbaut.

RathausBearbeiten

Das 1906 bis 1908 errichtete Rathaus wurde durch Spenden Kellinghusener Bürger ermöglicht. An der Fassade finden sich Formen des Historismus sowie Jugendstilelemente. Das Treppenhaus ist mit Buntglasfenstern ausgestattet, die allegorische Motive aus Handel, Industrie, Handwerk und Landwirtschaft zeigen.

An der Fassade des Rathauses sind das Kellinghusener Wappen sowie das Landeswappen von Schleswig-Holstein abgebildet. Beim Landeswappen allerdings stehen im heraldisch rechten Feld (also für den Betrachter links) die beiden blauen übereinander schreitenden Löwen nach außen gewandt, also wie die originalen Schleswigschen Löwen und genauso, wie sie der Anekdote nach Bismarck nicht sehen wollte. Diese falsche Darstellung des Landeswappens findet sich recht selten.

Luisenberger TurmBearbeiten

Der im neugotischen Stil gestaltete Luisenberger Turm wurde 1858 als Ersatz für einen hölzernen Aussichtsturm errichtet. Sein Name stammt von dem nördlich gelegenen Wohnhaus des Grafen Hans Heinrich von Rantzau, der es nach seiner Ehefrau Louise benannt hatte.

Museum KellinghusenBearbeiten

Das Museum Kellinghusen befindet sich im Bürgerhaus und widmet sich der bedeutenden Keramiktradition des Ortes.

VeranstaltungenBearbeiten

Kellinghusen ist sowohl für seinen Geranienmarkt als auch seinen Töpfermarkt, in der Regel am zweiten Augustwochenende, weit über seine Grenzen hinaus bekannt.

Außerdem fand bis vor einigen Jahren über 25 mal der Stör-Pokal, ein internationales Tennisturnier im Rahmen der German Masters Series, statt.

PersönlichkeitenBearbeiten

In Kellinghusen geborenBearbeiten

 
Gutshaus Fernsicht am Ufer der Stör

Mit Kellinghusen verbundenBearbeiten

  • August Jauch (1848–1930), Gutsherr auf Fernsicht und Marienhof bei Kellinghusen, Hamburger Politiker
  • Detlev von Liliencron (1844–1909), Dichter, Kirchspielvogt in Kellinghusen
  • Julius Mannhardt (1834–1893), deutscher Ophthalmologe, Schriftsteller und Diplomat

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Georg Bluhm: Fayencen aus Kellinghusen. Produkte. Werkstätten. Vertriebswege. Husum Verlag, Husum 2006, ISBN 978-3-89876-290-8
  • Jan Schlürmann: Drei Ämter, zwei Könige und ein Wappen. 125 Jahre Stadtrecht für Kellinghusen. In: Schleswig-Holstein 2003, H. 3, S. 13–15
  • Kay Dohnke, Die drei Leben des Detlev von Liliencron: die Kellinghusener Jahre, 1994
  • Detlev Freiherr von Liliencron: Einst Kirchspielvogt in Kellinghusen;[aus seinem Kellinghusener Leben]., 1927

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kellinghusen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2016 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.rish.de/gewaesser/stoer/
  3. Edgar S. Hasse, Wie aus Hugenotten Hanseaten wurden, in Welt vom 8. Mai 2007Online-Textversion
  4. Aus einem ehemaligen Tonabbaugebiet entstand Parkanlage nach englischem Vorbild in: Norddeutsche Rundschau vom 22. Juli 2011
  5. Vgl. Rede auf der Aktionärsversammlung der Fernsichter Thonwaaren Fabriken von Wilhelm Ahlmann Verzeichnis Nachlass (PDF; 1,6 MB)
  6. Erich Maletzke, „Teuflische Maschinen und emaillierte Milchsatten“ – Schleswig-Holstein auf Weltausstellungen, Online-Textversion (PDF; 5,2 MB) S. 224
  7. Museum Kellinghusen
  8. Ministerium der Justiz Schleswig-Holstein, Schleswig-Holsteinische Anzeigen, 1870, S. 456
  9. Uwe Danker, Astrid Schwabe: Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus. Wachholtz, Neumünster 2005, Seite 34, ISBN 3-529-02810-X, S. 34.
  10. Landesarchiv Schleswig-Holstein: Kommunale Wappenrolle