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Ray Reardon MBE (* 8. Oktober 1932 in Tredegar, Monmouthshire, Wales, Großbritannien) ist ein walisischer ehemaliger Snookerspieler, der zwischen 1967 und 1992 Profispieler war und als führender Spieler der 1970er-Jahre gilt. Reardon gewann während seiner Karriere sechs Weltmeisterschaften und ein Mal das Masters, ist aber mangels eines Sieges bei der UK Championship nicht Mitglied der Triple Crown.

Ray Reardon
Geburtstag 8. Oktober 1932 (87 Jahre)
Geburtsort Tredegar
Nationalität WalesFlag of Wales (1959–present).svg Wales
Spitzname(n) Dracula
Profi 1967–1992
Preisgeld 307.207 Pfund Sterling[1]
Höchstes Break 146 (Park Drive 2000 1972 – Autumn)[1]
Century Breaks 53[1]
Main-Tour-Erfolge
Weltmeisterschaften 6
Ranglistenturniersiege 5
Weltranglistenplatzierungen
Höchster WRL-Platz 1 (76/7780/81, 82/83)
Beste Ergebnisse
Amateurturniere Walisischer Meister
Englischer Meister

KarriereBearbeiten

Reardon wurde 1932 in Tredegar in der walisischen Bergbauregion Blaenau Gwent geboren und arbeitete vor seiner Snookerkarriere ab dem Alter von 14 Jahren wie schon sein 1982 verstorbener Vater, der auf Amateurebene ebenfalls Snooker spiele, als Bergbauarbeiter.[2][3][4] Im Alter von acht Jahren hatte er begonnen, English Billiards zu spielen und stieg später auf Snooker um.[5] Trotz der Tätigkeit als Bergbauarbeiter und eines Grubenunglücks, durch das er drei Stunden unter Tage eingeschlossen war, schaffte er es, dass seine Hände unversehrt blieben, sodass dies kein Einfluss auf seine Tätigkeit als Snookerspieler nahm.[6]

1949 gelang ihm als Snookerspieler ein erster Erfolg, als er im Alter von 17 Jahren den Amateurtitel von News of the World gewann.[6] Zu Beginn der 1950er-Jahre konnte Reardon insgesamt sechs Mal die walisische Snooker-Meisterschaft gewinnen, unter anderem zwei Mal mit 5:3 gegen John Ford und Aubrey Kemp.[7] Zudem erreichte er 1952 die sechste Qualifikationsrunde der English Amateur Championship,[8] bevor er 1953 eine Runde vorher ausschied.[9] 1954 und 1955 erreichte er erneut die sechste Runde,[10][11] ehe er 1956 im Endspiel Tommy Gordon unterlag.[12] In seiner Heimat in Tredegar hatte Reardon mittlerweile mit Cliff Wilson eine Trainingspartner gefunden, der selbst später Profispieler wurde und von deren Partien zahlreiche Menschen beiwohnten.[6]

1956 mussten er und seine Familie durch den Rückgang des Bergbaus in seiner Heimatregion und der damit verbundenen Suche nach Arbeit ins englische Staffordshire umziehen und Reardon schloss sich der Polizei von Stoke-on-Trent an.[5][6] Knapp acht Jahre später stand Reardon im Finale der English Amateur Championship und gewann das Turnier mit einem 11:8-Sieg über John Spencer,[13] der im Laufe der nächsten Jahre zu einem seiner größten Konkurrenten wurde.[5] Ein Jahr später unterlag er Pat Houlihan im Endspiel des nördlichen Ausscheidungswettbewerbs.[14]

Durch seine Erfolge als Amateur hatte Reardon die Aufmerksamkeit von Sponsoren erlangt, sodass er zum Ende des Jahres 1967 seinen sicheren Job aufgab und ohne eigenes Heim und lediglich einer ihn unterstützenden Familie Profispieler wurde.[6][5]

Erste Profijahre mit WM-Sieg 1970Bearbeiten

Im Zuge der Snookerweltmeisterschaft 1969, deren Format im Zuge einer Flaute im Snookersport wieder von den sogenannten Challenge Matches auf einen normalen K.-o.-Modus umgestellt wurde,[5] bestritt Reardon gegen Fred Davis, achtfacher Weltmeister und Bruder von Joe Davis, sein erstes Profispiel, das er mit 24:25 im Decider verlor. Kurz darauf besiegte er allerdings Davis sowie John Pulman beim Pot Black Cup und sicherte sich mit einem 88:29-Sieg nach Punkten über John Spencer – der mittlerweile die Weltmeisterschaft gewonnen hatte – seinen ersten Profititel.[15]

Ein Jahr später trafen Reardon und Spencer erneut im Endspiel des Pot Black Cups aufeinander, wobei diesmal Spencer siegreich aus der Partie hervorging. Im Gegensatz dazu konnte Reardon bei der Snookerweltmeisterschaft sowohl Fred Davis als auch Spencer besiegen und mit einem 37:33-Finalsieg über John Pulman zum ersten Mal die Weltmeisterschaft gewinnen.[16]

In der nächsten Saison fand die Snookerweltmeisterschaft in Australien statt und Reardon schied nach überstandener Gruppenphase im Halbfinale gegen John Spencer aus. Kurz trafen trafen die beiden Spieler beim Park Drive 600 im Endspiel erneut aufeinander, wobei Reardon diesmal mit 4:0 das Spiel gewann.[17]

Während der 1971/72 verlor Reardon schon im Viertelfinale der Snookerweltmeisterschaft gegen Rex Williams, gewann dafür aber mit einem 4:3-Sieg über John Spencer den Park Drive 2000 1971 – Autumn-Wettbewerb, unterlag Eddie Charlton im Endspiel des Pot Black Cups, verlor er im Halbfinale des Men of the Midlands-Wettbewerbes gegen Alex und nahm erfolglos am Park Drive 2000 1972 – Spring teil.[18]

WM-Titel zwischen 1973 und 1976Bearbeiten

Während der Saison 1972/73 erreichte Reardon im Vorlauf der Snookerweltmeisterschaft das Halbfinale des Pot Black Cups und das Endspiel des Men of the Midlands und nahm zudem erfolglos an zwei Park-Drive-Turnieren teil. Zum Saisonende allerdings zog er mit Siegen über Jim Meadowcroft, Gary Owen und John Spencer das Endspiel der Weltmeisterschaft und konnte dieses gegen Eddie Charlton mit 38:32 für sich entscheiden.[19] Nach und nach stieg Reardon so zum dominieren Spieler der 1970er-Jahre auf.[2]

In der folgenden Saison schied Reardon in der Gruppenphase des Pot Black Cups aus, zog auf Amateurebene ins Halbfinale der Pontins Spring Open ein und gewann im Anschluss an die Snookerweltmeisterschaft mit einem 10:9-Sieg über John Spencer das Pontins Professional. Bei ebenjener Snookerweltmeisterschaft konnte Reardon erneut das Finale erreichen und seinen Vorjahrestitel mit einem 22:12-Sieg über Graham Miles verteidigen.[20][21]

Im Laufe der Saison 1974/75 schied Reardon zwar bei den Watney Open im Halbfinale und beim Pot Black als Sieger des Spiel um Platz 3 aus, jedoch unterlag er auch bei den Norwich Union Open und beim Masters jeweils John Spencer im Finale. Davon abgesehen gewann Reardon allerdings zum dritten Mal in Folge die Snookerweltmeisterschaft, als er bei dem in Australien ausgetragenen Turnieres mit Siegen über Warren Simpson, John Spencer und Alex Higgins das Finale erreichte und dort Eddie Charlton mit 31:30 niederzwang, und zudem das Pontins Professional sowie auf Amateurebene die Pontins Spring Open.[22][23] Im Anschluss an die Snookerweltmeisterschaft wurde des Weiteren erstmals eine sogenannte Order of Merit veröffentlicht, auf der Reardon den ersten Platz belegte und die in der folgenden Saison von der Snookerweltrangliste abgelöst wurde.[24]

Auch in der folgenden Spielzeit gewann Reardon mit den beiden Triple-Crown-Turnieren Masters – mit einem 7:3-Sieg über Graham Miles – und Snookerweltmeisterschaft – mit einem 27:16-Sieg über Alex Higgins – sowie mit dem Pontins Professional mithilfe eines 10:9-Sieges über Fred Davis erneut mehrere Turniere, wobei er zusätzlich beim Canadian Club Masters im Endspiel Alex Higgins unterlag und beim Pro/Am-Turnier Pontins Spring Open sein Auftaktspiel in der Runde der letzten 32 verlor.[25][26] Zum Saisonende wurde im Anschluss an die Snookerweltmeisterschaft schließlich erstmals eine Weltrangliste veröffentlicht, auf der Reardon den ersten Rang belegte und somit der erste Weltranglistenführende war.[27]

Weitere Jahre an der WeltspitzeBearbeiten

Während der Saison 1976/77 konnte Reardon kein einziges Turnier gewinnen. So schied er beim Pot Black Cup und beim Pontins Professional in der Gruppenphase sowie bei den Pontins Spring Open im Viertelfinale aus, ebenso auch bei der Snookerweltmeisterschaft. Bei der World Professional Matchplay Championship und beim Masters erreichte Reardon allerdings das jeweilige Endspiel, unterlag jedoch in beiden Eddie Charlton beziehungsweise Doug Mountjoy.[28][29] Dennoch konnte Reardon seinen ersten Weltranglistenplatz halten.[27]

Im Laufe der nächsten Saison schied Reardon bei zahlreichen Turnieren wie beim Masters oder auf Amateurebene bei den Pontins Spring Open im Halbfinale aus, zudem unterlag er im Achtelfinale der UK Championship Jim Meadowcroft. Allerdings erreichte er ebenfalls mehrfach das Finale: So verlor er beim Golden Masters im Endspiel und gewann die Welsh Professional Championship, das Pontins Professional sowie erneut die Snookerweltmeisterschaft, als er den Südafrikaner Perrie Mans mit 25:18 besiegte.[30][31] Auf der Weltrangliste verteidigte er zudem erneut seinen ersten Weltranglistenplatz.[27] Allerdings verursachten im Folgenden sein im Vergleich zu anderen Spielern hohes Alter und der Verlust seines vertrauten Queues, der ihm zudem während einer Südafrika-Tour gestohlen wurde und vom Dieb erst nach einer Anzeige in der Rand Daily Mail zurückgegeben wurde,[4] große Probleme in seiner Spielweise, sodass er nach und nach schlechter wurde und immerhin zum Anfang der 1980er-Jahre ein kurzes Comeback erlebte.[5]

In der Saison 1978/79 schaffte es Reardon nicht, bei den bedeutenden Triple-Crown-Turnieren UK Championship, Masters und Snookerweltmeisterschaft sowie bei einigen weiteren unbedeutenderen Turnieren das Finale erreichen und schied im Voraus aus. Allerdings erreichte er im Gegensatz dazu beim Iris Masters und beim Tolly Cobbold Classic das Finale und siegte in den Endspielen des Forward Chemicals Tournaments, des Champion of Champions, des Pot Black Cups sowie im Finale des Golden Masters, wodurch er insgesamt vier Turniere gewinnen konnte.[32][33] Zudem verteidigte er erneut den ersten Weltranglistenplatz.[27]

Während der Spielzeit 1979/80 gewann Reardon alleine kein einziges Turnier, konnte allerdings zusammen mit Terry Griffiths und Doug Mountjoy den World Challenge Cup gewinnen.[34] In den Einzelwettbewerben schied beim Irish Masters in der Gruppenphase, bei den Pontins Spring Open im Achtelfinale, bei der Snookerweltmeisterschaft im Viertelfinale sowie beim Masters im Halbfinale aus. Zudem erreichte er bei fünf Turnieren das Endspiel, als er beim Kronenbräu 1308 Classic und beim Pot Black dem Australier Eddie Charlton, bei der Welsh Professional Championship seinem Landsmann Doug Mountjoy, beim British Gold Cup dem Nordiren Alex Higgins und beim Saisonabschluss in Prestatyn dem Engländer John Virgo unterlag.[35][36] Dennoch gelang es Reardon, seine Weltranglistenführung zu behalten.[27]

Abschied und kurzzeitige Rückkehr an die WeltspitzeBearbeiten

In der Saison 1980/81 schied Reardon bei jeweils zwei Turnieren in der Gruppenphase und im Viertelfinale aus und erreichte bei der UK Championship, beim Classic und bei der Snookerweltmeisterschaft im Halbfinale gegen Alex Higgins, Dennis Taylor und Doug Mountjoy aus. Zudem unterlag er beim Pot Black im Spiel um Platz drei dem Australier Eddie Charlton und im Endspiel des Irish Masters Terry Griffiths, nachdem er vor letzterem Cliff Wilson im Endspiel der Welsh Professional Championship besiegt hatte.[37] Zudem konnte er mit seinen walisischen Teamkollegen beim World Challenge Cup seinen Titel verteidigen.[34] Dennoch musste er zum Saisonende seinen ersten Weltranglistenplatz an den Kanadier Cliff Thorburn abgeben, wodurch er in der folgenden Saison nur noch den vierten Rang belegte.[27]

Zu Beginn der Saison 1981/82 verlor Reardon insgesamt zwei Auftaktspiele und schied jeweils zwei Mal in der Gruppenphase und im Viertelfinale sowie drei Mal im Viertelfinale aus. Beim Highland Masters erreichte Reardon allerdings mit Siegen über Bert Demarco und Steve Davis das Finale und gewann dieses mit 11:4 gegen John Spencer. Bei der folgenden Snookerweltmeisterschaft besiegte er schließlich Jim Donnelly, John Virgo, Silvino Francisco und Eddie Charlton, bevor er zum siebenten und letzten Mal im Finale einer Weltmeisterschaft stand und dieses mit 15:18 gegen Alex Higgins verlor, der somit seinen zweiten WM-Titel gewann. Zum Saisonende konnte Reardon beim Pontins Professional jedoch Higgins und anschließend Terry Griffiths mit jeweils einem White-wash besiegen, bevor er auch in Prestatyn das Endspiel – diesmal mit 4:9 gegen Steve Davis – verlor.[38] Auch beim am gleichen Ort stattfindenden Amateur-Pendant erreichte er das Finale, doch auch dort verlor er gegen John Parrott.[39] Zudem unterlag er mit dem walisischen Team beim World Team Classic dem englischen Team.[34] Allerdings konnte Reardon dank des Vizeweltmeistertitels sich zum letzten Male auf Rang Eins der Weltrangliste setzen, wodurch er während seiner gesamten Karriere insgesamt 362 Wochen auf ebenjenem Weltranglistenplatz verbrachte.[27]

Während der Saison 1982/83 verlor Reardon insgesamt drei Auftaktspiele und schied bei einem Turnier in der Gruppenphase aus. Er erreichte bei der UK Championship das Halbfinale und unterlag Alex Higgins und verlor zudem in fünf Endspielen, wobei er beim Pot Black und beim Irish Masters Steve Davis, beim Masters Cliff Thorburn, beim Pontins Professional Doug Mountjoy und bei den Pontins Spring Open Terry Griffiths unterlag. Davon abgesehen besiegte er im Finale der Welsh Professional Championship Doug Mountjoy und im Endspiel des International Masters Jimmy White. Hinsichtlich der Ranglistenturniere verlor er bei den International Open und bei der Snookerweltmeisterschaft im Achtelfinale und konnte zudem gegen Jimmy White das Endspiel des Professional Players Tournaments für sich entscheiden.[40][41] Auf der Weltrangliste musste er seine ersten Weltranglistenplatz erneut abgeben, diesmal wurde Steve Davis der neue Weltranglistenführende. Reardon selbst belegte in der folgenden Saison den zweiten Rang.[27]

Im Jahr 1983 veröffentlichte er zudem mit It’s Snooker Again eine Single.[42]

Letzte Jahre in den Top 16Bearbeiten

In der Saison 1983/84 erreichte Reardon zu Beginn sowohl bei den International Open als auch beim Professional Players Tournament das Achtelfinale sowie beim Classic die Runde der letzten 32. Zudem schied er bei zwei unbedeutenderen Turnieren in der Gruppenphase und bei jeweils einem solcher Turniere im Achtelfinale und im Viertelfinale aus. Zudem erreichte er sowohl bei der Welsh Professional Championship als auch beim Pontins Professional das Halbfinale und schied dort gegen Cliff Wilson beziehungsweise gegen John Spencer aus. Bei den drei Turnieren der Triple CrownUK Championship, Masters und Snookerweltmeisterschaft – erreichte er außerdem jeweils das Viertelfinale und unterlag in dieser Runde zwei Mal Jimmy White und ein Mal Kirk Stevens.[43] Auf Teamebene erreichte er zudem mit Terry Griffiths und Doug Mountjoy das Endspiel des World Team Classic, was sie jedoch gegen das englische Team verloren.[34] Auf der Weltrangliste verlor er insgesamt drei Plätze, sodass er im Folgenden auf Rang fünf geführt war.[27]

In der nächsten Saison begann Reardon mit Achtelfinalteilnahmen bei den International Open und beim Grand Prix, bevor er bei der UK Championship, beim Classic sowie beim Masters das Viertelfinale erreichte und gegen Cliff Thorburn sowie bei Zweiterem gegen Steve Davis verlor. Nach einer Niederlage in der Runde der letzten 32 bei den British Open und einer Auftaktniederlage beim Irish Masters erreichte Reardon bei der Snookerweltmeisterschaft das Halbfinale und verlor dieses deutlich mit 5:16 gegen Steve Davis. Zum Saisonende erreichte Reardon zudem bei der Welsh Professional Championship und beim Pontins Professional das Halbfinale und verlor dieses jeweils gegen Terry Griffiths beziehungsweise John Spencer.[44] Auf der Weltrangliste verlor Reardon einen weiteren Rang.[27]

Während der Saison 1985/86 konnte Reardon jedoch nur noch zwei von 16 Partien gewinnen, als er beim Canadian Masters den Engländer Tony Knowles und bei der UK Championship Graham Miles besiegte.[45] Allerdings schaffte er es zusammen mit dem Engländer Tony Jones, das Finale der World Doubles Championship zu erreichen, wo sie jedoch Steve Davis und Tony Meo unterlagen.[46] Auf der Weltrangliste rutschte er infolgedessen auf Rang 15 ab.[27]

Absturz auf Rang 54Bearbeiten

In der Saison 1986/87 konnte Reardon immerhin fünf von 14 Partien gewinnen. So besiegte er beim Pot Black Alex Higgins und erreichte bei den International Open, bei der UK Championship und bei den British Open mit jeweils einem Sieg die Runde der letzten 64. Sein letzter Sieg der Saison spielte sich in der ersten Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft ab, als er Barry West besiegte und anschließend Steve Davis unterlag. Für Reardon bedeuteten diese beiden Spiele zudem seinen allerletzten Auftritt im Crucible Theatre, also in der Hauptrunde der Snookerweltmeisterschaft. Von nun scheiterte Reardon stets in der Qualifikation, an der durch seine niedrige Weltranglistenposition von nun an mitwirken musste.[47] So rutschte er zum Saisonende auf den 38. Platz der Weltrangliste ab.[27]

Während der nächsten Spielzeit schaffte es Reardon, bei den International Open, beim Grand Prix, bei der UK Championship und beim Classic die Runde der letzten 64 zu erreichen. Allerdings verlor er sowohl bei der Welsh Professional Championship als auch bei der Snookerweltmeisterschaft sein Auftaktspiel, wobei er im Gegensatz dazu bei den British Open neben Jimmy van Rensberg im Alter von 56 Jahren überraschend den zu diesem Zeitpunkt fünffachen Weltmeister Steve Davis besiegte und erst in der Runde der letzten 32 gegen David Roe verlor.[48][2] Trotz dieser relativ schlechten Ergebnisse verlor Reardon nur zwei Plätze und wurde nun auf Rang 40 geführt.[27]

In der Saison 1988/89 verlor Reardon bei der Welsh Professional Championship und beim Grand Prix jeweils erneut ein Auftaktspiel, allerdings erreichte er sowohl beim Canadian Masters als auch beim Classic die Runde der letzten 32. Zudem zog er bei den International Open, bei der UK Championship, bei den European Open, bei den British Open und bei der Snookerweltmeisterschaft mit jeweils einem Sieg in die Runde der letzten 64 ein.[49] Dennoch verlor er auf der Weltrangliste erneut 14 Plätze und war somit in der folgenden Saison auf dem 54. Weltranglistenrang geführt.[27]

Letzte ProfijahreBearbeiten

In der Saison 1989/90 nahm Reardon nur an fünf Turnieren teil und verlor bei vier davon sein jeweiliges Auftaktspiel. Lediglich bei der Welsh Professional Championship gelang ihm ein Sieg über Mark Bennett, bevor er auch dort Doug Mountjoy unterlag.[50] Auf der Weltrangliste rutschte er auf Platz 73 ab.[27]

In der folgenden Saison nahm Reardon wieder an acht Turnieren teil, konnte jedoch nur bei der Welsh Professional Championship gegen Colin Roscoe und bei den European Open gegen Tony Kearney seine Auftaktspiele für sich entscheiden, um im Anschluss daran auch bei diesen beiden Turnieren auszuscheiden. Zum Ende der Saison verlor er in der Qualifikation für die Snookerweltmeisterschaft mit 5:10 gegen Jason Prince, wobei ebenjene Partie Reardons letzt Profipartie darstellte.[51] Auch wenn er bis 1992 noch auf der Weltrangliste geführt war, bestritt er kein einziges Spiel mehr und rutschte so bis auf Rang 187 ab, bis er 1992 seine Profikarriere beendete.[27][1]

Weiteres LebenBearbeiten

Im Jahre 1997 wurde Reardon neben weiteren vormaligen Spielern der Weltspitze zum Seniors Pot Black eingeladen, wo er Willie Thorne besiegte und im Viertelfinale Terry Griffiths unterlag. Für Griffiths selbst war es das vorletzte Profiturnier, bevor mit ihm ein weiterer, walisischer Ex-Weltmeister seine Karriere beendete.[52] Ein Jahr später wurde er neben Steve Davis, Dennis Taylor und weiteren in den Vorstand der World Professional Billiards & Snooker Association ein und nahm ab diesem Zeitpunkt eine Zeit lang eine aktive Rolle beim Weltverband ein.[53][6]

Im Jahr 2004 trainierte Reardon – auf Bitten von O’Sullivans inhaftiertem Vater – den englischen Spieler Ronnie O’Sullivan und verhalf ihm zum Gewinn der Snookerweltmeisterschaft 2004.[2] Als O’Sullivan die WM-Trophäe entgegennahm, zollte er seinem Trainer mithilfe eines Vampirgebisses seinen Respekt, welches auf Reardons Spitznamen „Dracula“ anspielte, welcher entweder von Reardons Gebiss oder von seinen nach hinten gegelten Haaren herrührte.[54][55] Zudem war Reardon, der schon während seiner Karriere häufig in Talkshows zu sehen war, nach seinem Karriereende mehrfach in der TV-Show Big Break zu sehen.[6]

Mittlerweile lebt in Brixham im englischen Devon und spielt immer noch Snooker und Golf.[2]

SpielweiseBearbeiten

Der nervenstarke Reardon hatte einen außerordentlichen taktischen Verstand und war hervorragend in Sachen Safety- und Loch-Spiel, bis seine abnehmende Sehkraft letztere Eigenschaft verschlechterte.[6][5][4] Reardon, der fernab des Snookers als Gentleman beschrieben wird, gehörte wie viele Spieler seiner Zeit zu den langsamen Spieler, wobei er es schaffte, mehrere Stöße im Voraus zu berechnen.[56][4] Zudem versuchte er stets, über seinen Gegner die Oberhand zu gewinnen.[57] Reardon umgab zudem zum Ende der 1970er-Jahre eine verunsichernde Überlegenheit, wobei er zudem scharfsinnig und zu diesem Zeitpunkt einer der beständigsten Spieler war.[58]

EhrungenBearbeiten

Im Jahr 1985 wurde Reardon zum Member of the Order of the British Empire ernannt.[2] Im Jahre 2011 wurde Ray Reardon in die Snooker Hall of Fame aufgenommen.[59]

ErfolgeBearbeiten

In der folgenden Liste sind sämtliche von Reardons Finalteilnahmen bei Turnieren der Triple Crown aufgeführt. Eine vollständige Liste aller Finalteilnahmen sowie eine Übersicht über sein Abschneiden bei ebenjenen Triple-Crown-Turniere ist unter dem oben angegebenen Link zu finden.

Ausgang Jahr Turnier Finalist Frames
Sieger 1970 Snookerweltmeisterschaft England  John Pulman 37:33
Sieger 1973 Snookerweltmeisterschaft Australien  Eddie Charlton 38:32
Sieger 1974 Snookerweltmeisterschaft England  Graham Miles 22:12
Finalist 1975 Masters England  John Spencer 8:9
Sieger 1975 Snookerweltmeisterschaft Australien  Eddie Charlton 31:30
Sieger 1976 Masters England  Graham Miles 7:3
Sieger 1976 Snookerweltmeisterschaft Nordirland  Alex Higgins 27:16
Finalist 1977 Masters Wales  Doug Mountjoy 6:7
Sieger 1978 Snookerweltmeisterschaft Sudafrika 1961  Perrie Mans 25:18
Finalist 1982 Snookerweltmeisterschaft Nordirland  Alex Higgins 15:18
Finalist 1983 Masters Kanada  Cliff Thorburn 7:9

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Ron Florax: Career Total Statistics For Ray Reardon - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  2. a b c d e f Ray Reardon. World Snooker, 11. Januar 2015, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  3. Ray Reardon. Famous Birthdays, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  4. a b c d Hugo Kastner: Ray Reardon. Hugo Kastner: SNOOKER – Spieler, Regeln & Rekorde, März 2010, abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  5. a b c d e f g Ray Reardon. Pro Snooker Blog, abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  6. a b c d e f g h Chris Turner: Player Profile Ray Reardon MBE. Chris Turner’s Snooker Archive, 2009, archiviert vom Original am 1. November 2011; abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  7. Jamie Watkins: Welsh Amateur Snooker Championship. Global Snooker Centre, 2005, archiviert vom Original am 20. April 2006; abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  8. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1951-1952 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  9. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1952-1953 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  10. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1953-1954 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  11. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1954-1955 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  12. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1955-1956 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  13. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1963-1964 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  14. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1964-1965 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 10. August 2019 (englisch).
  15. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1968-1969 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 11. August 2019 (englisch).
  16. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1969-1970 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 11. August 2019 (englisch).
  17. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1970-1971 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 11. August 2019 (englisch).
  18. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1971-1972 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 11. August 2019 (englisch).
  19. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1972-1973 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  20. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1973-1974 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  21. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1973-1974 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  22. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1974-1975 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  23. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1974-1975 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  24. Chris Turner: Historical World Rankings. Chris Turner’s Snooker Archive, 2011, archiviert vom Original am 8. Juni 2012; abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  25. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1975-1976 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  26. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1975-1976 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  27. a b c d e f g h i j k l m n o p Ron Florax: Ranking History For Ray Reardon. CueTeacker.net, abgerufen am 12. August 2019 (englisch).
  28. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1976-1977 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 13. August 2019 (englisch).
  29. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1976-1977 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 13. August 2019 (englisch).
  30. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1977-1978 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 16. August 2019 (englisch).
  31. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1977-1978 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 16. August 2019 (englisch).
  32. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1978-1979 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 16. August 2019 (englisch).
  33. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1978-1979 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 16. August 2019 (englisch).
  34. a b c d Chris Turner: World Cup / World Team Classic / Nations Cup – Team Events. Chris Turner’s Snooker Archive, 2011, archiviert vom Original am 21. November 2011; abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  35. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1979-1980 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  36. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1979-1980 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 16. August 2019 (englisch).
  37. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1980-1981 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  38. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1981-1982 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  39. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1981-1982 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  40. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1982-1983 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  41. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1982-1983 - Non-professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  42. Ray Reardon (2), Brass Standfast, Dale Mitchell Humphries – It's Snooker Again. Discogs, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  43. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1983-1984 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  44. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1984-1985 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  45. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1985-1986 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  46. Chris Turner: World Doubles Championship – Non Ranking Event. Chris Turner’s Snooker Archive, 2008, archiviert vom Original am 21. November 2011; abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  47. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1986-1987 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  48. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1987-1988 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  49. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1988-1989 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  50. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1989-1990 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  51. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1990-1991 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  52. Ron Florax: Ray Reardon - Season 1996-1997 - Professional Results. CueTracker.net, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  53. Davis leads fight for change. British Broadcasting Corporation, 23. Dezember 1998, abgerufen am 27. August 2019 (englisch).
  54. Christian Eichler: Eine Wanderung zwischen Genie und Wahnsinn. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 2004, abgerufen am 19. August 2019 (englisch).
  55. Steve Davis: Interesting. 1. Auflage. Dragonstars Eventmanagement, Fürth 2016, ISBN 978-3-00-053061-6, S. 82 (englisch: Interesting. Ebury Press, London 2015.).
  56. Ronnie O’Sullivan, Simon Hattenstone: Running. 3. Auflage. Copress Verlag, Grünwald 2017, ISBN 978-3-7679-1167-3, S. 185 ff. (englisch: Running. London 2013. Übersetzt von Johannes Kratzsch).
  57. Steve Davis: Interesting. 1. Auflage. Dragonstars Eventmanagement, Fürth 2016, ISBN 978-3-00-053061-6, S. 84 (englisch: Interesting. Ebury Press, London 2015.).
  58. Steve Davis: Interesting. 1. Auflage. Dragonstars Eventmanagement, Fürth 2016, ISBN 978-3-00-053061-6, S. 88 ff. (englisch: Interesting. Ebury Press, London 2015.).
  59. Chris Turner: Snooker Hall of Fame. Chris Turner’s Snooker Archive, 2011, archiviert vom Original am 11. September 2011; abgerufen am 19. August 2019 (englisch).