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Steve Davis, OBE (* 22. August 1957 in Plumstead, London) ist ein ehemaliger englischer Snookerspieler.[3] Er war von 1978 bis 2016 durchgängig Profispieler auf der Snooker Main Tour und galt in den 1980er-Jahren als dominierender Spieler. Davis gewann jeweils sechs mal die Snookerweltmeisterschaft und die UK Championship sowie drei Mal das Masters und ist somit Mitglied der Triple Crown.

Steve Davis
Steve Davis
Geburtstag 22. August 1957 (62 Jahre)
Geburtsort Plumstead
Nationalität EnglandEngland England
Spitzname(n) The Nugget
The Legend
Interesting
Ginger Magician
Romford Robot
Romford Slim
Stumble
Ice-Cool
Profi 1978–2016
Preisgeld 5.613.536 £[1]
Höchstes Break 147 (1×)[2]
Century Breaks 355[3][4]
Main-Tour-Erfolge
Weltmeisterschaften 6
Ranglistenturniersiege 28
Minor-Turniersiege
Weltranglistenplatzierungen
Höchster WRL-Platz 1 (83/8489/90)
Steve Davis bei einem Trickshot während der German Masters 2012.

Inhaltsverzeichnis

KarriereBearbeiten

AnfängeBearbeiten

Davis wurde als Sohn des Busfahrers Henry George „Bill“ Davis und seiner Frau Jean Catherine im Londoner Arbeiterviertel Plumstead geboren.

Seinen ersten Kontakt mit dem Snookersport hatte Davis während eines Besuchs seines Vaters im Lee Green Working Men's Club, wo sein Vater regelmäßig Snooker spielte. Im Alter von sechs Jahren bekam er zu Weihnachten einen Snookertisch, der lediglich ein Viertel der Größe eines normalen Snookertisches hatte. Doch obwohl Davis anfangs darauf übte, spielte er mehrere Jahre Fußball. Regelmäßig besuchte er Spiele von Charlton Athletic und trainierte an der Alexandra McLeod Junior School in Abbey Wood. Seine Fußballkarriere endete auf der Position Rechtsaußen, als er durch eine Grippe seinen ersten Einsatz in einem Spiel verpasste.

Im Sommer 1971 spielte er im Alter von 14 Jahren während eines Urlaubs in einem Feriencamp nahe St. Mary’s Bay zum ersten Mal auf einem richtigen Snookertisch. Beinahe den gesamten Urlaub verbrachte er mit seinem Vater an diesem Tisch und Davis nahm zum ersten Mal an einem Snookerturnier teil. Doch in der ersten Runde verlor er gegen einen älteren Mann, der erst von seinem Vater im Finale besiegt wurde.[5] In Folge dessen las sich Davis das Buch How I play snooker des 15-fachen Weltmeisters Joe Davis durch[6] und er erhielt die Erlaubnis, auf den Tischen des Lee Green Working Men's Club zu spielen.[5]

ProfikarriereBearbeiten

Steve Davis begann seine Profikarriere 1978 und wurde in den 1980er-Jahren sechsmal Weltmeister (1981, 1983, 1984, 1987 bis 1989). Insgesamt konnte er 28 Weltranglistenturniere gewinnen, das letzte 1995. Im Lauf seiner Karriere erspielte er über 5.000.000  Preisgeld und wurde vom späteren Verbandschef der WPBSA Barry Hearn gemanagt.[6]

Am 11. Januar 1982 gelang ihm während der Lada Classics in einer Partie gegen John Spencer das erste im Fernsehen übertragene Maximum Break. Als Prämie erhielt er einen Lada.[7]

Knapp drei Jahre später sorgte er für die höchste Einschaltquote im britischen Fernsehen, als er im Weltmeisterschaftsfinale gegen Dennis Taylor antrat. Davis führte schon 17:15, doch Taylor erzwang den Entscheidungsframe. Beide Spieler duellierten sich, und nachdem Davis Pink gelocht hatte und nur noch die schwarze Kugel – 7 Punkte wert – auf dem Tisch lag, war das Finale immer noch nicht entschieden. Nach einer langen Safety-Rallye verschoss Taylor die Schwarze und Davis hatte die Chance auf den vierten Weltmeistertitel. Doch im entscheidenden Moment zitterte er und verschoss. Um 00:20 Uhr lochte Taylor die schwarze Kugel vor über 18 Millionen Zuschauern im TV.[7]

Trotz seiner Dominanz in den 1980er Jahren, verbunden mit einer großen Medienpräsenz, war er zu der Zeit nicht immer der Liebling des Publikums. Sein während des Spiels völlig ausdrucksloses Gesicht und seine fast maschinenhafte Spielweise brachte ihm damals den sarkastischen Spitznamen Steve „interesting“ Davis ein. Dennoch wurde er 1988 als erster und bislang einziger Snookerspieler zum Sportler des Jahres in Großbritannien gewählt.

In seinen letzten aktiven Jahren stieg seine Beliebtheit beim Publikum, da er unter anderem mehr Emotionen beim Spiel zeigte. Durch den Sieg im Halbfinale des UK Championship 2005 erreichte er sein 100. Finale auf der Snooker Main Tour. Dieses verlor er allerdings gegen Ding Junhui mit 6:10. Damit erreichte er vorübergehend Platz drei der provisorischen Weltrangliste, nachdem er einige Jahre zuvor bereits aus den Top 16 verschwunden war und erst 2003 wieder dorthin zurückkehrte.

Anfang 2006 versäumte er es, sein Qualifikationsspiel für die China Open zu bestreiten, sodass Ricky Walden kampflos gewann. Ein derartiger Fehler war Davis in seiner Karriere noch nie passiert, weshalb dies in der Sportpresse auf eine hohe Resonanz stieß. Allerdings erhielt er für dieses Versäumnis keine Strafe von der World Snooker Association.

Sein selbst gestecktes Ziel, sich an seinem 50. Geburtstag noch in den Top 16 der Weltrangliste zu befinden, erreichte er mit Platz 15 zur Ende der Saison 2006/2007. Für die Saison 2008/2009 wurde er als 29. der Weltrangliste geführt. Für die Saison 2009/10 konnte er sich wieder auf Rang 23 verbessern, fiel jedoch in der folgenden Saison auf Platz 44 zurück, um nach der folgenden Saison mit Ranglistenplatz 51 knapp aus den Top 50 zu fallen. Mit seinem Einzug ins Viertelfinale bei der Weltmeisterschaft 2010 war er seit mehr als 20 Jahren der erste Spieler über 50, dem dies gelang.

Zum Ende der Saison 2013/14 schied er aus der Main Tour aus, aber die WPBSA vergab an ihn eine Inventional Tour Card, sodass er zwei weitere Jahre auf der Main Tour spielte. Während der Weltmeisterschaft 2016 gab er seinen Rücktritt vom aktiven Snookersport bekannt.[7]

Noch am Ende seiner Karriere war er bei einem Großteil der Turniere erfolgreich. Am 10. April 2016 verlor er in der Qualifikation für die Snookerweltmeisterschaft gegen Fergal O’Brien. Es sollte sein letztes Match als Profi sein, denn sieben Tage später erklärte er live in einer Sendung von BBC Sport seinen Rücktritt vom aktiven Snookersport.[3] Er begründete dies mit dem Tod seines Vaters Bill, der ihn während seiner Karriere, unter anderem als Trainer, stark unterstützt habe.[4][8][9] In Folge dessen wurde ihm eine Ehrenrunde mit der WM-Trophäe durch das Crucible Theatre gewährt.[3]

Davis wurde während seiner Karriere von Barry Hearn gemanagt, der in den letzten Jahren seiner Karriere auch Vorsitzender der WPBSA war.[3] Er gilt als der erste Snookerspieler, der durch diesen Sport Millionär geworden ist.[10]

Weiteres LebenBearbeiten

Seit Dezember 2009 ist er Mitglied im Vorstand der WPBSA.

Davis ist Moderator einer wöchentlichen Radio-Show auf Phoenix FM und trat als Diskjockey beim Glastonbury Festival auf.[7] Außerdem tritt er regelmäßig in der BBC als Kommentator in der Snookerberichterstattung auf.[10]

2016 wurde er zum 25-jährigen Jubiläum des 1. SC Breakers Rüsselsheim eingeladen, wo er mehrere Partien gegen Amateure bestritt.[11]

Poolbillard und TrickshotsBearbeiten

Trickshot mit verdecktem Ball.

Davis spielt auch erfolgreich Poolbillard. Bei der 9-Ball-WM 2000 erreichte er das Viertelfinale, wo er gegen Corey Deuel ausschied. Außerdem war er insgesamt elf Mal Mitglied des europäischen Teams beim 9-Ball Poolbillard-Turnier Mosconi Cup und gewann zwischen 1994 und 1997 drei Mal die Trickshot-Weltmeisterschaft (1994, 1995 und 1997).

EhrungenBearbeiten

1988 wurde er als bisher einziger Snookerspieler zum britischen Sportler des Jahres gewählt. Im selben Jahr wurde er zum MBE ernannt, 2001 wurde er während der The Queen’s New Year Honours zum OBE ernannt.[7] Im Jahr 2011 wurde er als einer der ersten in die neu gegründete Snooker Hall of Fame aufgenommen.

SonstigesBearbeiten

Steve Davis ist seit frühester Kindheit ein begeisterter Schachspieler und betätigte sich, nicht zuletzt aufgrund seiner Popularität als Snookerspieler, bereits als Co-Autor eines Schachbuches und für eine gewisse Zeit sogar als Präsident der British Chess Federation.[7] Dies ist auch insofern erwähnenswert, als das Snooker-Spiel gerne mit Schach verglichen wird, weil es auch hier für ein erfolgreiches Spiel unabdingbar ist, die Abfolge einzelner Aktionen im Voraus zu planen. Im Jahr 2015 schrieb er seine Autobiographie, die wie einer seiner Spitznamen Interesting heißt.

Davis ist Vater von zwei Söhnen und mittlerweile von seiner Frau Judith geschieden. Sein Sohn Greg nahm an Events der Q School 2012 teil.

2013 nahm Davis an der dreizehnten Staffel der britischen Reality-Show I’m a Celebrity…Get Me Out of Here! teil.[12]

TriviaBearbeiten

Davis ist nicht mit den Brüdern und früheren Snookerweltmeistern Joe und Fred Davis oder mit dem Snookerspieler Mark Davis verwandt.

Im Rahmen der Weltmeisterschaft 2010 spielte er zusammen mit Dennis Taylor aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums ihres legendären WM-Endspieles 1985 den letzten und entscheidenden Frame als Unterhaltungsshow nach.[13]

ErfolgeBearbeiten

Davis gewann 28 Turniere mit Einfluss auf die Weltrangliste und zahlreiche weitere Turniere. Darunter waren sechs Weltmeisterschaften, sechs UK Championships und drei Masters. Folgende Tabelle zeigt seine Finalteilnahmen bei Turnieren der Triple Crown

Ausgang Jahr Turnier Finalist Frames
Sieger 1980 UK Championship Nordirland  Alex Higgins 16:6
Sieger 1981 Snookerweltmeisterschaft Wales  Doug Mountjoy 18:12
Sieger 1981 UK Championship Wales  Terry Griffiths 16:3
Sieger 1982 Masters Wales  Terry Griffiths 9:5
Sieger 1983 Snookerweltmeisterschaft Kanada  Cliff Thorburn 18:6
Finalist 1983 UK Championship Nordirland  Alex Higgins 15:16
Sieger 1984 Snookerweltmeisterschaft England  Jimmy White 18:16
Sieger 1984 UK Championship Nordirland  Alex Higgins 18:6
Finalist 1985 Snookerweltmeisterschaft Nordirland  Dennis Taylor 17:18
Sieger 1985 UK Championship England  Willie Thorne 16:14
Finalist 1986 Snookerweltmeisterschaft England  Joe Johnson 12:18
Sieger 1986 UK Championship England  Neal Foulds 16:7
Sieger 1987 Snookerweltmeisterschaft England  Joe Johnson 18:14
Sieger 1987 UK Championship England  Jimmy White 16:14
Sieger 1988 Masters England  Mike Hallett 9:0
Sieger 1988 Snookerweltmeisterschaft Wales  Terry Griffiths 18:11
Sieger 1989 Snookerweltmeisterschaft England  John Parrott 18:3
Finalist 1989 UK Championship Schottland  Stephen Hendry 12:16
Finalist 1990 UK Championship Schottland  Stephen Hendry 15:16
Sieger 1997 Masters England  Ronnie O’Sullivan 10:8
Finalist 2005 UK Championship China Volksrepublik  Ding Junhui 6:10

WeblinksBearbeiten

  Commons: Steve Davis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Profil von Steve Davis bei CueTracker (Stand: 12. März 2016)
  2. 100 +Centuries. SnookerInfo, 28. Juli 2018, archiviert vom Original am 28. Juli 2018; abgerufen am 28. Juli 2018.
  3. a b c d e Shamoon Hafez: Steve Davis: Snooker great retires after 38-year career. BBC, 17. April 2016, archiviert vom Original am 8. August 2018; abgerufen am 8. September 2018 (englisch).
  4. a b Steve Davis reitres from Snooker. WPBSA, 17. April 2016, archiviert vom Original am 28. Juli 2018; abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  5. a b Steve Davis: Interesting. 1. Auflage. Dragonstars Eventmanagement GmbH, London 2016, ISBN 978-3-00-053061-6, S. 1−366.
  6. a b Desmond Kane: The numbers add up for the golden Nugget. The National, 17. April 2009, archiviert vom Original am 24. Juli 2018; abgerufen am 24. Juli 2018 (englisch).
  7. a b c d e f Steve Davis. World Snooker, 11. Januar 2015, archiviert vom Original am 8. September 2018; abgerufen am 8. September 2019 (englisch).
  8. Bill David passes away. WPBSA, 30. März 2016, archiviert vom Original am 28. Juli 2018; abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  9. Matias Peiroten: Nach 38 Jahren: Snooker-Legende Steve Davis macht Schluss. Eurosport, 17. April 2016, archiviert vom Original am 28. Juli 2018; abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  10. a b Steve Davis, OBE. Champions Speakers, archiviert vom Original am 12. September 2018; abgerufen am 12. September 2018 (englisch).
  11. Anna Bocklet: 1. SC Breakers Rüsselsheim lädt Snooker-Legende Steve Davis zum 25-jährigen Vereinsbestehen ein. Main-Spitze, 2016, archiviert vom Original am 9. September 2018; abgerufen am 9. September 2018 (englisch).
  12. Sarah Bull: An Olympic athlete, Miss Great Britain... and Joey Essex: This year's full I'm A Celebrity... Get Me Out Of Here! line-up is revealed. Daily Mail, 13. November 2013, archiviert vom Original am 28. Juli 2018; abgerufen am 28. Juli 2018 (englisch).
  13. Davis and Taylor rerun 1985 classic. Morning Star, 29. April 2010, archiviert vom Original am 7. November 2010; abgerufen am 6. September 2018 (englisch).