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Landkreis Berchtesgadener Land

Landkreis in Bayern
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Berchtesgadener Land Deutschlandkarte, Position des Landkreises Berchtesgadener Land hervorgehobenKoordinaten: 47° 42′ N, 12° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Verwaltungssitz: Bad Reichenhall
Fläche: 839,92 km2
Einwohner: 105.052 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 125 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: BGL, BGD, LF, REI
Kreisschlüssel: 09 1 72
Kreisgliederung: 15 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Salzburger Straße 64
83435 Bad Reichenhall
Website: www.lra-bgl.de
Landrat: Georg Grabner (CSU)
Lage des Landkreises Berchtesgadener Land in Bayern
Weiden in der OberpfalzStraubingWürzburgSchwabachSchweinfurtRegensburgRosenheimNürnbergNürnbergPassauLandshutMemmingenKaufbeurenKempten (Allgäu)IngolstadtFürthHofErlangenCoburgBayreuthBambergAugsburgMünchenAschaffenburgAmbergAnsbachLandkreis WürzburgLandkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Weilheim-SchongauLandkreis UnterallgäuLandkreis TraunsteinLandkreis TirschenreuthLandkreis Straubing-BogenLandkreis StarnbergLandkreis SchweinfurtLandkreis SchwandorfLandkreis Rottal-InnLandkreis RothLandkreis RosenheimLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis RegensburgLandkreis Pfaffenhofen an der IlmLandkreis RegenLandkreis PassauLandkreis OstallgäuLandkreis OberallgäuLandkreis Nürnberger LandLandkreis Neu-UlmLandkreis Neustadt an der WaldnaabLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimLandkreis Neumarkt in der OberpfalzLandkreis Neuburg-SchrobenhausenLandkreis MünchenLandkreis Mühldorf am InnLandkreis MiltenbergLandkreis MiesbachLandkreis Main-SpessartLandkreis Lindau (Bodensee)Landkreis LichtenfelsLandkreis LandshutLandkreis Landsberg am LechLandkreis KulmbachLandkreis KronachLandkreis KitzingenLandkreis KelheimLandkreis HofLandkreis HaßbergeLandkreis GünzburgLandkreis Garmisch-PartenkirchenLandkreis FürthLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis Freyung-GrafenauLandkreis FreisingLandkreis ForchheimLandkreis Erlangen-HöchstadtLandkreis ErdingLandkreis EichstättLandkreis EbersbergLandkreis Donau-RiesLandkreis Dingolfing-LandauLandkreis Dillingen an der DonauLandkreis DeggendorfLandkreis DachauLandkreis CoburgLandkreis ChamLandkreis Berchtesgadener LandLandkreis BayreuthLandkreis BambergLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis Bad KissingenLandkreis AugsburgLandkreis AschaffenburgLandkreis AnsbachLandkreis Amberg-SulzbachLandkreis AltöttingLandkreis Aichach-FriedbergBodenseeSchweizÖsterreichBaden-WürttembergHessenTschechienSachsenThüringenKarte
Über dieses Bild

Der Landkreis Berchtesgadener Land liegt im Südosten Oberbayerns an der Grenze zum österreichischen Salzburg. Kreisstadt des Landkreises ist Bad Reichenhall. Der Landkreis wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern aus dem ehemaligen Landkreis Berchtesgaden, einem Teil des ehemaligen Landkreises Laufen und der vormals kreisfreien Stadt Bad Reichenhall gebildet.

Der Landkreis weist mit dem Watzmann (2713 m ü. NHN) den höchsten Berg Deutschlands auf, dessen Basis sich vollständig auf deutschem Staatsgebiet befindet.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Der Landkreis Berchtesgadener Land bildet die Südostecke Bayerns und Deutschlands. Keilförmig („Schwanzspitze des bayerischen Löwen“ bzw. in einem weiteren Sinn österreichisch: „Kleines Deutsches Eck[2]) ragt er nach Österreich hinein. Im Osten, Süden und Südwesten ist die Landkreisgrenze zugleich Staatsgrenze. Einziger deutscher Nachbarlandkreis ist Traunstein im Nordwesten und Norden. Während der Landkreis im Norden leicht hügelig ist, mit einigen kleinen Seen wie dem Abtsdorfer See und der Salzach als Grenze zu Österreich, ist er im Süden, ab Bad Reichenhall mit einem Ausläufer der Chiemgauer Alpen und den anschließenden Berchtesgadener Alpen alpin bzw. hochalpin.

Höchster Punkt des Landkreises und zugleich zweithöchster Berg Deutschlands: 2713 m (Watzmann-Mittelspitze), tiefster Punkt: 383 m (Einmündung des Schinderbaches in die Salzach in Laufen). Aus der Differenz zwischen höchster Erhebung und tiefstem Punkt im Landkreisgebiet ergibt sich mit 2.325 Höhenmetern die zweithöchste Höhenamplitude eines deutschen Landkreises, die nur im Landkreis Garmisch-Partenkirchen übertroffen wird.

GliederungBearbeiten

Gegliedert ist der Landkreis in drei geographische Regionen:[3] die voralpine mit den Städten Laufen und Freilassing, die alpine um die Große Kreisstadt Bad Reichenhall und die hochalpine um Berchtesgaden. Der Landkreis gehört damit, neben den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen und Oberallgäu, zu den drei einzigen Landkreisen Deutschlands mit hochalpinen Regionen.

FlächeBearbeiten

Mit einer Fläche von 840 km² nimmt der Landkreis Berchtesgadener Land unter den 71 bayerischen Landkreisen die 43. Stelle ein; unter den 20 oberbayerischen Landkreisen steht er an 9. Stelle. Er gehört damit in Bayern zu den mittelgroßen Landkreisen.

SchutzgebieteBearbeiten

Im Landkreis gibt es drei Naturschutzgebiete, 20 Landschaftsschutzgebiete, 13 FFH-Gebiete und mindestens 72 ausgewiesene Geotope (Stand August 2016). Das größte Naturschutzgebiet ist das 1955 eingerichtete Naturschutzgebiet Östliche Chiemgauer Alpen.[4]

Nachbarlandkreise bzw. -bezirkeBearbeiten

Der Landkreis Berchtesgadener Land grenzt im Norden und Nordwesten an den Landkreis Traunstein. Ansonsten grenzt er an den Salzburger Bezirk Salzburg-Umgebung, die Statutarstadt Salzburg und den Bezirk Hallein im Osten, den Bezirk St. Johann im Pongau im Südosten sowie den Bezirk Zell am See im Südwesten.

BevölkerungBearbeiten

Zum 30. Juni 2004 hatte der Landkreis 101.926 Einwohner (davon etwa 52 Prozent weiblich). Damit gehört er auch der Bevölkerung nach zu den mittelgroßen Landkreisen. In Oberbayern steht er an 13., in Bayern an 46. Stelle. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 121 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt. Im Zuge der kriegsbedingten „Völkerwanderungen“ zwischen 1944 und 1950 stiegen die Einwohnerzahlen bayernweit ungewöhnlich stark an. 1946 waren 35 Prozent der Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Heimatvertriebene, 1972 nur noch 25 Prozent. 2004 waren 82 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch, 14 Prozent evangelisch-lutherischer Konfession, und der Ausländeranteil machte etwa 11 Prozent aus.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Von der Neubildung des Landkreises 1972 bis 1987 stieg die Einwohnerzahl leicht. Eine größere Steigerung ist im Zeitraum 1987 bis 1991 mit 7 % zu verzeichnen. Danach hat sich der Zuwachs wieder abgeschwächt.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1972[5] 1987 1991 1995 2000 2005 2010[6] 2015[6]
Einwohner 27.227 36.160 59.793 84.336 81.340 88.743 90.689 96.527 98.946 99.848 102.587 102.389 103.907

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

 
Kulturlandschaften im Landkreis

Das heutige Landkreisgebiet gehörte ursprünglich vollständig zum baierischen Stammesherzogtum.

Entstehung von TerritorialstaatenBearbeiten

Ab dem 13. Jahrhundert gelangten wechselnd große Teile davon in das politisch eigenständig gewordene Fürsterzbistum Salzburg, während das Klosterstift Berchtesgaden zunehmend höhere Gerichtsbarkeiten und damit auch weltliche Macht auf sich vereinigen und ab 1559 als reichsunmittelbare Fürstpropstei Berchtesgaden Eigenständigkeit erringen konnte.

Historisch ergibt sich daraus eine Gliederung des Landkreises in drei Teile:

Fürstpropstei BerchtesgadenBearbeiten
 
Johann Baptist Homann: „Stift Berchtolsgaden“ und angrenzende Territorien (c. 1715), Kartenauszug,
angrenzende Gebiete von:
rot: Fürsterzbistum Salzburg
gelb: Kurfürstentum Bayern

Die Besiedelung des hochalpinen Gebietes um den heutigen Markt Berchtesgaden setzte mit den ersten Rodungsaktivitäten von Augustiner Chorherren Anfang des 12. Jahrhunderts ein. 1122 wurde in Berchtesgaden ein erster Bauabschnitt oder Notbau der Stiftskirche eingeweiht. Im Laufe der Jahrhunderte konnte sich das Gemeindewesen entwickeln und gelangte auf Grund der reichen Salzvorkommen und des von Kaiser Friedrich Barbarossa übertragenen Salzregals zu erheblichem Wohlstand. Die Salzvorkommen führten allerdings auch immer wieder zu „Salzirrungen“[8] bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum Salzburg. Zudem machten die pröpstlichen Regenten weit mehr Schulden, als sie Einnahmen hatten, so dass Teile des Gebietes verpfändet und von 1393 bis 1404 das komplette Gebiet in das Erzbistum Salzburg inkorporiert wurde. Davor und danach sind dem 1380 als Zepterlehen zur Reichsprälatur aufgestiegenen Klosterstift Berchtesgaden dennoch immer mehr Rechte bis hin zur Blutgerichtsbarkeit übertragen worden, bis es 1559 schließlich zur Fürstpropstei Berchtesgaden erhoben wurde und dadurch völlige Reichsunmittelbarkeit erlangte. Erst 1803 im Rahmen der allgemeinen Säkularisation in Bayern wurde die fürstpröpstliche, d. h. geistliche und weltliche Eigenständigkeit aufgehoben und das Berchtesgadener Land ging vorerst in dem neugegründeten Kurfürstentum Salzburg auf. Nach dem Frieden von Pressburg 1805 fiel es an das Kaiserreich Österreich, 1809 unter Napoleon an Frankreich und 1810 wurde es schließlich dem Königreich Bayern angegliedert.

Heute entspricht das Gebiet des einst fürstpröpstlich regierten und heute noch als eigene Kulturlandschaft Berchtesgadener Land dem Südlichen oder Inneren Landkreis mit den Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau bei Berchtesgaden und Schönau am Königssee sowie den gemeindefreien Gebieten Eck und Schellenberger Forst.

Herzoglich bayerisches Reichenhall und UmlandBearbeiten

Bereits 1.800 v. Chr. besiedelt, gehörte die Region seit dessen Entstehung zum bairischen Herzogtum. Der Ort hatte vom Frühmittelalter an bis ins 12. Jahrhundert eine Monopolstellung an Solevorkommen und Salzverarbeitung inne, die ihm Ansehen und den namensgebenden Reichtum verschaffte.[9] 1196 wurde die Stadt auf Veranlassung des Salzburger Erzbischofs in Schutt und Asche gelegt. Ab dem ausgehenden 13. Jahrhundert ein herzoglich bayerisches Land- und Pfleggericht mit Sitz auf Burg Gruttenstein, ging mit Inbetriebnahme der Salinen von Berchtesgaden und Hallein ein Monopolbruch einher, der nach und nach beinahe zum völligen Niedergang der Reichenhaller Salzverarbeitung geführt hätte. Seinen Namen führt Reichenhall seit dem 14. Jahrhundert.[9] Ende des 15. Jahrhunderts kaufte jedoch der Bayernherzog sämtliche Salzsiedeanlagen auf, modernisierte sie und sorgte so für eine staatliche Monopolisierung des bayerischen Salzwesens.[9] Heute entspricht das Gebiet der, anders als das sich von ihr absetzende Salzburg mit dem Rupertiwinkel und die Fürstpropstei Berchtesgaden, dauerhaft herzoglich bayerischen Grenzregion der Stadt Bad Reichenhall und den Gemeinden Bayerisch Gmain und Schneizlreuth.

Südlicher RupertiwinkelBearbeiten

Das Gebiet des Rupertiwinkels unterstand bis zur Säkularisation im Jahre 1803 dem Erzbistum Salzburg. 1810 wurde es zusammen mit Salzburg dem Königreich Bayern angegliedert und verblieb hier nach 1816, als das Salzburger Land an der Saalach-Salzach-Linie geteilt wurde und der östliche Teil (heute: Land Salzburg) in das Kaisertum Österreich überging. Nach 1816 hat sich für die in Bayern verbliebene Kulturlandschaft die Bezeichnung Rupertiwinkel eingebürgert, die sich auf Rupert (690–710), den als Heiligen und „Apostel der Baiern“ verehrten ersten Bischof von Salzburg bezieht. Seit 2011 liegen vom Bayerischen Landesamt für Umwelt Entwürfe einer Neugliederung Bayerischer Kulturlandschaften vor, die den Raum des Rupertiwinkels aber wie bereits zuvor beschrieben belässt, da er sich „anhand der historischen Territorialgrenze gut von seinen Nachbarräumen abtrennen [lässt], auch wenn die landschaftlichen Übergänge fließend sind.“[10]

Heute bildet der südliche Teil des einst von Salzburg beherrschten Rupertiwinkels den Nördlichen Landkreis mit den Gemeinden und Städten Ainring, Anger, Freilassing, Laufen, Piding, Saaldorf-Surheim und Teisendorf.

Wieder vereint im Königreich BayernBearbeiten

Ab 1810 gehörte neben Reichenhall und seinem Umland auch das restliche heutige Kreisgebiet vollständig zum Königreich Bayern und war anfangs in die Landgerichte Reichenhall (1803), Laufen (1810) Berchtesgaden (1811) und Teisendorf (1811) die allesamt bis 1817 dem Salzachkreis angehörten. Das Landgericht Teisendorf wurde nach dem Verlust Salzburgs an Österreich bereits 1818 aufgelöst und der Sprengel auf die Landgerichte Laufen und Reichenhall aufgeteilt. Damit wurden innerhalb des heutigen Landkreises erstmals Verwaltungseinheiten gebildet, die von den früheren Grenzen abwichen. Ebenso wurde in diesem Zuge der Salzachkreis aufgelöst und sämtliche Landgerichte im heutigen Landkreisgebiet kamen zum Isarkreis, der 1837 zum Regierungsbezirk Oberbayern wurde. 1862 entstand aus den Landgerichten Berchtesgaden und Reichenhall das Bezirksamt Berchtesgaden, aus den Landgerichten Laufen und Tittmoning das Bezirksamt Laufen.

Bereits 1828 gab es erste Planungen für eine Bahnstrecke München-Rosenheim-Salzburg die durch den heutigen Landkreis führten. 1851 wurde der Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich zur Errichtung der internationalen Bahnstrecke geschlossen und 1860 wurde der letzte Abschnitt zwischen Traunstein und Salzburg - und damit der erste Bahnverkehr im Landkreis – aufgenommen. Damit einher gingen einschneidende Veränderungen, wie der Niedergang der Salzflößerei auf der Salzach. Dies führte im Rupertiwinkel zu einer Verschiebung der Bedeutung von der Salzflößerstadt Laufen in die heutige Stadt Freilassing als Grenzbahnhof und später Knotenbahnhof der Region, mit Strecken über Bad Reichenhall nach Berchtesgaden, dort zeitweise mit Anschlüssen zum Königssee und über Marktschellenberg ebenfalls nach Salzburg, sowie über Laufen nach Mühldorf.

In Reichenhall kam es 1834 zu einem Stadtbrand, ausgehend von der Saline. Die Saline war ebenso wie übrige Stadt weitgehend zerstört. Die Soleleitung nach Traunstein und weiter nach Rosenheim konnte aber bereits nach zwei Tagen wieder in Betrieb genommen werden und die bayerische Salzproduktion weitgehend dahin verlegt werden. Die Reichenhaller Saline wurde zeitgemäß neu errichtet. Im Zuge des Wiederaufbaues der Stadt wandelte sich die Kur in Bad Reichenhall vom Bauernbad zu einem Kurort von Weltrang. 1890 erlangte Reichenhall wegen seines Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichteten Soleheilbads zur Behandlung von Atemwegserkrankungen das Prädikat zur Führung des Namenszusatzes Bad und heißt seither Bad Reichenhall.[9]

Das Salzbergwerk Berchtesgaden wurde nachdem das Gebiet der Fürstpropstei zum Königsreich gekommen war mit der 1817 in Betrieb genommenen Soleleitung an die Saline in Bad Reichenhall angebunden, da im Einzugsgebiet der Saline Berchtesgaden Mangel an Brennholz bestand. Die Saline in Berchtesgaden blieb daneben aber noch ca. 100 Jahre im Betrieb. Namhafte Landschaftsmaler, wie u. a. in der Malerkolonie in Ramsau machten den Berchtesgadener Talkessel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts europaweit bekannt und zum Ziel der Sommerfrische und damit des Tourismus im Berchtesgadener Land.

Weimarer RepublikBearbeiten

Ab 1929 stand Bad Reichenhall als kreisunmittelbare bzw. ab 1939 mit dem Austausch der Bezeichnungen Bezirk und Kreis als kreisfreie Stadt nicht mehr unter der Verwaltung des Bezirksamtes Berchtesgaden.

Zeit des NationalsozialismusBearbeiten

Während des Nationalsozialismus erwarb Hitler sein bisheriges Feriendomizil am Obersalzberg und baute es zum Berghof aus. Weitere NS-Größen siedelten sich an und es entstand das Führersperrgebiet Obersalzberg einschließlich des repräsentativen Kehlsteinhauses. Die Regierungsgeschäfte wurden während der Aufenthalte Hitlers am Obersalzberg in der im nahen Bischofswiesener Ortsteil Stanggaßneu errichteten „Kleinen Reichskanzlei“ als zweitem Regierungssitz des Deutschen Reichs abgewickelt.

Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt.[11] So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Berchtesgaden und Laufen.

Bad Reichenhall wurde 1940 wieder in den Landkreis Berchtesgaden eingegliedert.

NachkriegszeitBearbeiten

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden ab Mai 1945 die Landkreise Berchtesgaden und Laufen von den amerikanischen Besatzungstruppen neu installiert.[12][5] Am 20. April 1946 wurden die Kreistage durch die Bevölkerung gewählt. Von 1948 bis 1972 erhielt Bad Reichenhall erneut den Status einer kreisfreien Stadt.

Gebietsreform mit Bildung des LandkreisesBearbeiten

Bei der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 der Landkreis Berchtesgaden, der südliche Teil des Landkreises Laufen sowie die kreisfreie Stadt Bad Reichenhall zum neuen Landkreis Bad Reichenhall zusammengeschlossen. Am 1. Mai 1973 erhielt der Kreis seinen heutigen Namen „Landkreis Berchtesgadener Land“.

Der Landkreis Laufen hatte zuvor mehrfach erfolglos gegen seine Aufteilung und den Plan, die Kreisverwaltung des neuen Landkreises in Bad Reichenhall zu installieren, Protest eingelegt.[13]

Als Kreisstadt hatte der Kreistag Freilassing gewählt, der Freistaat Bayern bestimmte allerdings davon abweichend die Stadt Bad Reichenhall, die zudem aufgrund des Verlustes der Kreisfreiheit zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. Im Mai 1980 wurde im neu errichteten Landratsamt in Bad Reichenhall die Arbeit aufgenommen und im Gegenzug die Außenstelle des Landratsamtes in Berchtesgaden aufgelöst.[14] In den ehemaligen Kreisstädten Berchtesgaden und Laufen verblieben allerdings verschiedene Einrichtungen des Landkreises sowie Behörden anderer Gebietskörperschaften.

Geografisch-soziokulturelle ZuordnungenBearbeiten

Die geografische Gliederung des Landkreises entspricht im Wesentlichen auch seiner Gliederung in drei historisch, soziokulturelle Kulturlandschaften: die voralpine des einst zum Fürsterzbistum Salzburg gehörenden Rupertiwinkels, die alpine mit der durchgehend bayerischen Stadt Bad Reichenhall und ihrem Umland sowie die hochalpine als bis 1803 eigenständige Fürstpropstei Berchtesgaden.[15]

Gemeinden und Städte des Landkreises gegliedert nach
historisch, soziokulturellen Kulturlandschaften
Durchgehend bei Bayern Fürstpropstei Berchtesgaden Rupertiwinkel
Bad Reichenhall Berchtesgaden Ainring
Bayerisch Gmain Bischofswiesen Anger
Schneizlreuth Marktschellenberg Freilassing
  Ramsau bei Berchtesgaden Laufen
  Schönau a.Königssee Piding
  Eck1 Saaldorf-Surheim
  Schellenberger Forst1 Teisendorf
1) Gemeindefreie Gebiete

PolitikBearbeiten

LandräteBearbeiten

KreisräteBearbeiten

Kreistagswahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
45,4 %
20,4 %
15,5 %
12,3 %
3,2 %
1,8 %
1,4 %

Die 60 Kreisräte verteilen sich in der Wahlperiode 2014–2020 wie folgt:[16]

Partei Sitze
CSU 27
FWG 12
GRÜNE 9
SPD 8
ödp 2
REP 1
FDP 1

unter ihnen: Georg Hackl; Michaela Kaniber (alle CSU) und Bartl Wimmer (GRÜNE).

Zu den ehemaligen Kreisräten zählen: Georg Graßl, Anton Kern, Roland Richter, Franz Xaver Werkstetter (alle CSU), Bärbel Kofler (SPD), Hermann K. Stützer (FDP) und Wolfgang Heitmeier (FWG).

EuregioBearbeiten

Der Landkreis Berchtesgadener Land gehört zur 1995 gegründeten EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, deren Kernbereiche das österreichische Bundesland Salzburg und die beiden bayerischen Landkreise Berchtesgadener Land und Traunstein bilden. Sitz der kommunalen Euregio ist Freilassing.

LandkreispartnerschaftBearbeiten

Der Landkreis pflegt zudem eine enge Beziehung zum polnischen Landkreis Bełchatowski. Am 13. September 2007 wurde die Vereinbarung zur Landkreispartnerschaft, im Rahmen einer gemeinsamen Sondersitzung beider Kreistage unterzeichnet.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Über dem Schildfuß mit den bayerischen Rauten sind zwei in Gold und Blau gespaltene Felder. In dem vorderen goldenen Feld ist ein rot bewehrter schwarzer Löwe, auf dem blauen Feld dahinter sind schräg gekreuzt ein goldener und ein silberner Schlüssel.“[17]
Wappenbegründung: Das goldene Feld spiegelt den Anteil des vormaligen Landkreises Laufen, dessen Gebiet lange Zeit unter der Herrschaft der Fürsterzbischöfe von Salzburg stand, worauf der sogenannte „Salzburger Löwe“ hinweist. Die gekreuzten Schlüssel stehen für das Gebiet des früheren Landkreises Berchtesgaden sowie die frühere Fürstpropstei Berchtesgaden als Attribute von deren Patron St. Petrus; die frühere kreisfreie Stadt Bad Reichenhall schließlich wird als Teil der wittelsbachischen Kernlande durch die bayerischen Rauten symbolisiert.

Dieses Wappen führt der Landkreis seit 1973 auf Beschluss des Kreistags und mit Zustimmung der Regierung von Oberbayern.

GemeindenBearbeiten

BerchtesgadenEck (gemeindefreies Gebiet)SchneizlreuthSchellenberger ForstAinringAnger (Berchtesgadener Land)Bad ReichenhallBayerisch GmainBerchtesgadenBischofswiesenFreilassingLaufen (Salzach)MarktschellenbergPidingRamsau bei BerchtesgadenSaaldorf-SurheimSchneizlreuthSchönau am KönigsseeTeisendorfLandkreis TraunsteinÖsterreich 

Städte

  1. Bad Reichenhall, Große Kreisstadt (17.951)
  2. Freilassing (16.787)
  3. Laufen (7169)

Märkte

  1. Berchtesgaden (7791)
  2. Marktschellenberg (1799)
  3. Teisendorf (9339)

Gemeindefreie Gebiete
(29,61 km², alle unbewohnt)

  1. Eck (12,60 km²)
  2. Schellenberger Forst (17,01 km²)

Weitere Gemeinden

  1. Ainring (9758)
  2. Anger (4533)
  3. Bayerisch Gmain (3059)
  4. Bischofswiesen (7376)
  5. Piding (5451)
  6. Ramsau b.Berchtesgaden (1701)
  7. Saaldorf-Surheim (5491)
  8. Schneizlreuth (1313)
  9. Schönau a.Königssee (5534)

Keine Verwaltungsgemeinschaften

Einwohnerzahlen in Klammern, Stand: 31. Dezember 2017[18]

Siehe auch:

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Bildende KunstBearbeiten

Neben Caspar David Friedrich haben sich über die Jahrhunderte hinweg noch einige andere Bildende Künstler als (Landschafts-)Maler, Grafiker und Kupferstecher Berchtesgaden und seine Umgebung als Sujet gewählt. So entstanden nicht nur Ölgemälde, sondern auch Grafiken, die Büchern zur Illustration dienten.

19. Jahrhundert:

20. Jahrhundert:

LiteraturBearbeiten

Ludwig Ganghofer ließ eine ganze Reihe seiner Romane im Berchtesgadener Land spielen, aber auch die norwegischen Schriftsteller Jonas Lie und Henrik Ibsen haben sich hier aufgehalten und möglicherweise von Land und Leuten inspirieren lassen.

MusikBearbeiten

Werke mit Bezug zum LandkreisBearbeiten

Die Kindersinfonie (Originaltitel: Berchtoldsgaden-Musik, d. i. Berchtesgaden-Musik) ist eine Kammerkomposition aus der Zeit vor der Wiener Klassik, und in ihr kommen neben der üblichen Orchesterbesetzung sieben typische Kinderinstrumente der Berchtesgadener War zum Einsatz. Die Urheberschaft für dieses Werk ist unklar – als mögliche Komponisten galten bislang Leopold Mozart, dessen Schüler Johann Rainprechter, Joseph Haydn oder dessen Bruder Michael Haydn, nach neueren Erkenntnissen scheint jedoch Edmund Angerer der tatsächliche Komponist dieses Werkes gewesen zu sein.

Interpreten aus dem LandkreisBearbeiten

Mit der Bad Reichenhaller Philharmonie verfügt der Landkreis über das einzige symphonische Berufsorchester Oberbayerns außerhalb Münchens. Die Ramsauer Sänger gehören zu den bekanntesten volksmusikalischen Gesangsgruppen in Oberbayern. Hans Söllner gehört zu den überregional bekannten Liedermachern.

SagenweltBearbeiten

 
Blick auf den Untersberg
 
Blick vom Soleleitungsweg zur Reiteralpe

Nicht zuletzt die Berge des Berchtesgadener Landes bilden den Hintergrund für zahlreiche Sagen:[20]

  • Allen voran ist das zum Wahrzeichen gewordene Watzmann-Massiv sagenumwoben. So werden seine neun Gipfel als Königsfamilie gedeutet, die wegen ihrer Grausamkeit versteinerte. Wobei der aus drei Gipfeln (Hocheck, Mittelspitze, Südspitze) bestehende Hauptberg den König, der gegenüberliegende Gipfel die Königin (Watzmannfrau) und die sieben dazwischen liegenden Gipfel die Kinder symbolisieren.
  • Der Untersberg gegenüber, der sich ins benachbarte Salzburg erstreckt, dient der Sage nach einem Kaiser als Behausung. Je nach Erzählweise harren hier Kaiser Karl der Große oder Friedrich Barbarossa in todesähnlichem Schlaf, um beim Jüngsten Gericht oder wenn Unglauben und Gewalt den höchsten Grad erreichen mit ihrem Heer für das Gute den Sieg zu erringen. In einer anderen Version heißt es, der Kaiser schliefe dort, bis sein Bart siebenmal um den Tischfuß gewachsen sei.
  • Neben diesem schlafenden Heer sollen im Untersberg aber auch Riesen (Riese Abfalter), so genannte Wildfrauen, die ähnlich den Heinzelmännchen gute Dienste leisteten, und natürlich auch Zwerge (Untersberg Manndln) gehaust und gewirkt haben.
  • Nicht zu vergessen der Teufel, der die Wilde Jagd anführt und nicht nur auf einer Teufelskopf genannten Felswand der Reiteralpe seine Spuren hinterlassen hat sowie zahlreiche Geister, die auf Bergen und als ertrunkenen Seelen in den Seen zum Guten mahnen oder auch zum gespenstischen Kegelspiel einladen.
  • Für den Ursprung des Namens Berchtesgaden gibt es gleich mehrere Sagen: Nach einer leitet er sich von der Sagengestalt Berchta bzw. Perchta ab, die auch mit Frau Holle gleichgesetzt wird. Eine andere behauptet, er wäre einem gewissen Berchtold zu verdanken, dem eine Nixe vom Königssee den Weg zum Salz und zur rechtschaffenen Arbeit als Bergmann im noch heute existierenden Salzbergwerk Berchtesgadens gewiesen hätte.

NaturschönheitenBearbeiten

 
Königssee

Die Berchtesgadener Alpen sind für viele Einheimische und Touristen das Ziel mehrstündiger Bergwanderungen, die z. T. aber auch selbst trainierten Bergsteigern höchst anspruchsvolle Klettertouren wie zum Beispiel an der Watzmann-Ostwand abverlangen können. Als Zwischenstation für nahezu jeden Anstieg eines Berggipfels dienen mehrere Berghütten, die vom Deutschen Alpenverein bewirtschaftet werden.

Museen und AusstellungenBearbeiten

TechnikBearbeiten

GeschichteBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Durch das Kreisgebiet führt die zweigleisige Hauptbahnstrecke München-Salzburg mit zwei Bahnhöfen im Landkreis Teisendorf und Freilassing. Von Knotenbahnhof Freilassing zweigt in Richtung Süden die Stich-Bahnstrecke nach Berchtesgaden über Bad Reichenhall, nach Norden die Bahnverbindung nach Laufen und weiter nach Mühldorf ab. Seit 2006 ist die Verbindung Salzburg-Freilassing–Berchtesgaden in das S-Bahnsystem von Salzburg integriert.

Die wichtigste Fernverkehrsanbindung des Landkreises ist die Bundesautobahn 8 von München kommend nach Salzburg mit den Anschlussstellen Piding und Neukirchen, der Behelfsanschlussstelle Anger sowie der Halbanschlussstelle am Walserberg. In Längsrichtung von Berchtesgaden bis Laufen und von hier aus weiter nach Norden zieht sich die B 20 als Verkehrsachse durch den Landkreis. Die Deutsche Alpenstraße B 305 führt von Marktschellenberg über Berchtesgaden, Ramsau und Schneizlreuth bis zur Landkreisgrenze bei Inzell und stellt für den südlichen Landkreisteil die kürzeste Anbindung an den Nachbarlandkreis Traunstein dar. Die Bundesstraße 21 ist die kürzeste Verbindung zwischen dem Osten des österreichischen Bundeslandes Salzburg und dem Pinzgau sowie Tirol. Die Route stellt deshalb eine bedeutende Transitstrecke für das Nachbarland Österreich dar („kleines deutsches Eck“).

Panoramastraßen erschließen die einzigartige Bergwelt, zum Beispiel die Roßfeldhöhenringstraße (mautpflichtig, Scheitelpunkt 1600 m), die Kehlsteinstraße (nur Busbetrieb, bis 1700 m) oder die Hochschwarzeckstraße.

In die Zuständigkeit des Landkreises fällt darüber hinaus ein Netz von 17 Kreisstraßen. (s. Liste der Kreisstraßen im Landkreis Berchtesgadener Land)

Nächstgelegener internationaler Flughafen ist der Flughafen Salzburg. Er ist von der BAB 8-Auffahrt Bad Reichenhall ca. 8,5 km, von der deutsch-österreichischen Grenze bei Marktschellenberg ca. 13 km entfernt. Die Entfernung von der Auffahrt Bad Reichenhall zum Flughafen München über die Autobahnverbindung via BAB 8, BAB 995, BAB 99, BAB 9 und BAB 92 beträgt ca. 165 km.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Im Landkreis liegt der Anteil des produzierenden Gewerbes inklusive Handwerk an der Wirtschaftskraft des Landkreises bei etwa 30 Prozent. Damit stellen produzierende Unternehmen die stärkste Branche im Landkreis, gefolgt von der Gesundheitswirtschaft und dem Handel beziehungsweise Großhandel.[21] Die Einkommenswertschöpfung aus dem Tourismus inklusive der Sekundäreffekte ergab einen Anteil von 11,4 Prozent an der gesamten Einkommenswertschöpfung des Landkreises.[21] Dass der touristische Anteil mit Beschäftigtenzahlen von etwa sieben bis acht Prozent der Beschäftigten noch niedriger als die prozentuale Einkommenswertschöpfung ist, liegt daran, dass die Einkommen im Tourismus von Kleingewerbe geprägt sind bzw. viele Kleinvermieter keine Angestellten haben und alle Leistungen selbst erbringen.[21] Auch in den südlichen Gemeinden Schönau am Königssee, Ramsau bei Berchtesgaden und Berchtesgaden gibt es bedeutende Unternehmen außerhalb des touristischen Sektors. Die Einkommenswertschöpfungen aus dem Tourismus liegt hier aber mit einem Anteil von 30 bis 50 Prozent über dem Landkreisdurchschnitt.[21]

Produzierendes GewerbeBearbeiten

Unternehmen der Lebensmittelbranche im Landkreis, wie die Milchwerke Berchtesgadener Land in Piding und der Süßwarenproduzent Paul Reber (Mozartkugeln) in Bad Reichenhall, bieten ihre Erzeugnisse deutschland- und weltweit an. Ebenso das Stahlwerk Annahütte im Ortsteil Hammerau von Ainring, das älteste noch bestehende Stahlwerk Europas. Es wurde 1537 gegründet[22] und beschäftigt derzeit (2016) etwa 550 Mitarbeiter.[23]

Das Salzbergwerk Berchtesgaden beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Die dort erzeugte Sole wird zur Bad Reichenhaller Saline gepumpt und dann zu Speisesalz gesiedet.

Die einst im Berchtesgadener Land, dem namensgebenden südlichen Teil des Landkreises, als Berchtesgadener War gefertigten Holzschnitzereien und Spanschachteln waren in vergangenen Jahrhunderten nicht zuletzt als Kinderspielzeug weltweit gefragt. Heute wird die Berchtesgadener War aber nur noch für und in der Region als Souvenir und Christbaumschmuck in weitaus geringeren Stückzahlen gefertigt.

TourismusBearbeiten

Der Landkreis bildet die Tourismusregion Berchtesgadener Land. Seit Januar 2005 hat die neu gegründete Marketinggesellschaft „Berchtesgadener Land Tourismus“ erstmals die landkreisweite Vermarktung des Fremdenverkehrs aufgenommen. Die drei Regional- bzw. Zweckverbände Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, Erlebnisregion Berchtesgadener Land – Rupertiwinkel – e.V. und Kur- und Verkehrsverein Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain bleiben weiterhin bestehen und sind hauptsächlich für die Gästebetreuung vor Ort und die touristischen Einrichtungen zuständig. Die Marketinggesellschaft verantwortet die gemeinsame Vermarktung über Internet, Messen und Printmedien durch eine Bewerbung von Touristen für den Landkreis als Ganzes. Die Gemeinden Ainring und Schneizlreuth gehören nicht mehr der Teilorganisation für die Erlebnisregion Rupertiwinkel an und sind damit nicht in die überörtlichen Organisationen integriert, gehören aber in der Statistik mit zur Tourismusregion Berchtesgadener Land.[24]

Zahlreiche Ausflugsziele bilden die Grundlage für diesen Wirtschaftsfaktor, der jährlich neben Übernachtungsgästen auch über 1,5 Mio. Tagesgäste den Landkreis besuchen lässt. Die als Big Five bezeichneten touristischen Angebotsschwerpunkte in der Teilregion Berchtesgadener-Königssee sind in Schönau am Königssee der Königssee und die Jennerbahn, in Berchtesgaden das Kehlsteinhaus, das Salzbergwerk und die Watzmann Therme.[25] Im Bereich Staatsbad Bad Reichenhall – Bayerisch Gmain sind Alte Saline, Rupertustherme und Predigtstuhlbahn Besuchermagnet im Rupertiwinkel Kloster Höglwörth und Laufen. Für den Wintertourismus sind sechs Skigebiete aufgeboten, das größte liegt am Jenner in Schönau am Königssee.

Überregionale Bekanntheit genießen Hotels wie das Axelmannstein und das Kempinski Hotel Berchtesgaden.

Insgesamt wurden 2013 im Tourismus ein Bruttogesamtumsatz von 505,8 Mio. Euro erzielt, das sind 43 % Steigerung gegenüber dem Gründungsjahr der landkreisweiten Marketinggesellschaft 2005.[26]

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Der Landkreis Berchtesgadener Land ist Eigentümer oder/und Betreiber von:

BeteiligungenBearbeiten

Der Landkreis hat auch größere Beteiligungen an folgenden Einrichtungen:[28]

  • Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land
  • Wohnbauwerk im Berchtesgadener Land GmbH
  • Der Landkreis Berchtesgadener Land und der Landkreis Traunstein sind die alleinigen Aktionäre der Kliniken Südostbayern AG, die innerhalb der beiden Landkreise als gemeinnützige Aktiengesellschaft bzw. kommunale Krankenhausträgergesellschaft sechs Kreiskliniken betreibt – darunter die in Bad Reichenhall, Berchtesgaden und Freilassing.

MitgliedschaftenBearbeiten

Der Landkreis ist Mitglied im:

Kfz-KennzeichenBearbeiten

Analog zu der Erstbezeichnung „Landkreis Bad Reichenhall“ sollte für den 1972 nach der Gebietsreform entstandenen Landkreis das am 1. Juli 1956 für die kreisfreie Stadt Bad Reichenhall eingeführte Kfz-Kennzeichen REI übernommen werden. Insbesondere wegen heftiger Proteste aus dem vormaligen Landkreis Berchtesgaden gegen den Verlust seines BGD[29] blieben dessen Kfz-Kennzeichen sowie das des Landkreises Laufen (LF) noch für einige Jahre gültig. Erst seit dem 1. August 1979 gilt für den ganzen Landkreis das Kfz-Kennzeichen BGL.[14]

Mit der am 1. November 2012 in Kraft getretenen Reform der Fahrzeug-Zulassungsverordnung („Kennzeichenliberalisierung“) ist die Ausgabe von Altkennzeichen wieder zulässig. Nachdem sich 2013 erst noch eine knappe Mehrheit des Kreistages gegen diese Möglichkeit ausgesprochen hat, sprach sich ein Kreistagsbeschluss vom 22. Juli 2016 dafür aus:[30]

Seit dem 15. September 2016 kann man die Unterscheidungszeichen BGD, LF und REI wieder erhalten.


WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Ulrich Ammon, Hans Bickel, Jakob Ebner u. a.: Variantenwörterbuch des Deutschen. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3-1101-6575-9, S. 197.
  3. Geschichte des Landkreises Berchtesgadener Land mit Hinweis auf die drei geographischen Regionen des Landkreises, online auf der Homepage des Landratsamtes des Landkreises Berchtesgadener Land unter lra-bgl.de
  4. Grüne Liste, Naturschutzgebiete, abgerufen am 1. Januar 2015.
  5. a b Hellmut Schöner (Hrsg.): Das Berchtesgadener Land im Wandel der Zeit – Ergänzungsband 1. 1982. S. 331
  6. a b Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  7. Geschichte des Landkreises Berchtesgadener Land – Der südostoberbayerische Landkreis zum Begriff Berchtesgadener Land, online unter berchtesgadener-land.com
  8. Kaiserl. Decret, in salzburgischen und berchtesgadischen Salzirrungen – Prag, den 20. November 1591. In: Johann Georg von Lori: Sammlung des baierischen Bergrechts: mit einer Einleitung in die baierische Bergrechtsgeschichte. Franz Lorenz Richter, München 1764, S. 345 (online über Google Books).
  9. a b c d stadt-bad-reichenhall.de siehe Stadtgeschichte – Chronik. Kurzer Abriss der Bad Reichenhaller Geschichte
  10. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität – 60 Rupertiwinkel (Stand: 2011), online unter lfu.bayern.de
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 97.
  12. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Laufen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  13. Schulen in Salzburg: Heimat mit Geschichte und Zukunft, PDF-Datei, S. 83: Die Gebietsreform in Bayern 1972
  14. a b Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. 1982. S. 327.
  15. bfn.de Zur Definition Berchtesgadener Land als Landschaft
  16. Kommunalwahlen in Bayern am 16. März 2014 Wahl der Stadträte in den kreisfreien Städten – Vorläufige Ergebnisse –
  17. Eintrag zum Wappen des Landkreises Berchtesgadener Land in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 2. September 2017.
  18. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  19. Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit. 1973. s. S. 168,169
  20. Eine Quelle zur Sagenwelt: Sagen und Legenden um das Berchtesgadener Land von Gisela Schinzel-Penth, Ambro Lacus Verlag, Andechs 1982, ISBN 3-921445-27-2
  21. a b c d Jahresbericht 2014 der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land mbH im Abschnitt Tourismusimage prägt nachhaltige Wirtschaft auf S. 9 von 44 Seiten
  22. Stahlwerk Annahütte – ein Unternehmen mit Geschichte, Webseite des Stahlwerk Annahütte, online unter annahuette.com
  23. Ihre Kompetenz – Zukunft von morgen, Webseite des Stahlwerk Annahütte, online unter annahuette.com
  24. oete.de (Memento vom 27. April 2014 im Internet Archive) Zu „Berchtesgadener Land Tourismus GmbH“ siehe PDF-Dokumentation von Ökologischer Tourismus in Europa S. 63 f. von 117 Seiten
  25. oete.de (Memento vom 27. April 2014 im Internet Archive) PDF-Dokumentation von Ökologischer Tourismus in Europa S. 61 f., 64 f., 70 f.
  26. 10 Jahre Berchtesgadener Land Tourismus GmbH – Kennzahlen und Fakten, Festschrift als PDF-Datei, mit dem Abschnitt Wirtschaftsfaktor Tourismus auf S. 20 von 36 Seiten, online unter berchtesgadener-land.com
  27. Über uns, online unter berchtesgadener-handwerkskunst.de
  28. ausgewiesen im Amtsblatt Nr. 51 vom 22. Dezember 2015
  29. Hellmut Schöner (Hrsg.): Berchtesgaden im Wandel der Zeit – Ergänzungsband I. 1982. S. 327. Unter dem Vorzeichen, dass BGD eine Art Markenzeichen und Fremdenverkehrswerbung für Berchtesgaden sei, wurden für die Protestaktionen gegen die Änderung des Kennzeichens zahlreiche Landtags- und Bundestagsabgeordnete sowie die Verkehrsministerien in Bonn und München bemüht.
  30. Michael Hudelist: „BGD“ ist wieder da, im Berchtesgadener Anzeiger vom 23. Juli 2016, online unter berchtesgadener-anzeiger.de