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Schweinfurt

kreisfreie Stadt in Bayern, Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schweinfurt
Schweinfurt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schweinfurt hervorgehoben
Koordinaten: 50° 3′ N, 10° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Höhe: 226 m ü. NHN
Fläche: 35,7 km2
Einwohner: 53.437 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 1497 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 97421, 97422, 97424
Vorwahl: 09721
Kfz-Kennzeichen: SW
Gemeindeschlüssel: 09 6 62 000
Stadtgliederung: 15 Stadtteile
mit 23 Bezirken
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
97421 Schweinfurt
Website: www.schweinfurt.de
Oberbürgermeister: Sebastian Remelé (CSU)
Lage der Stadt Schweinfurt in Bayern
Weiden in der OberpfalzStraubingWürzburgSchwabachSchweinfurtRegensburgRosenheimNürnbergNürnbergPassauLandshutMemmingenKaufbeurenKempten (Allgäu)IngolstadtFürthHofErlangenCoburgBayreuthBambergAugsburgMünchenAschaffenburgAmbergAnsbachLandkreis WürzburgLandkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Weilheim-SchongauLandkreis UnterallgäuLandkreis TraunsteinLandkreis TirschenreuthLandkreis Straubing-BogenLandkreis StarnbergLandkreis SchweinfurtLandkreis SchwandorfLandkreis Rottal-InnLandkreis RothLandkreis RosenheimLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis RegensburgLandkreis Pfaffenhofen an der IlmLandkreis RegenLandkreis PassauLandkreis OstallgäuLandkreis OberallgäuLandkreis Nürnberger LandLandkreis Neu-UlmLandkreis Neustadt an der WaldnaabLandkreis Neustadt an der Aisch-Bad WindsheimLandkreis Neumarkt in der OberpfalzLandkreis Neuburg-SchrobenhausenLandkreis MünchenLandkreis Mühldorf am InnLandkreis MiltenbergLandkreis MiesbachLandkreis Main-SpessartLandkreis Lindau (Bodensee)Landkreis LichtenfelsLandkreis LandshutLandkreis Landsberg am LechLandkreis KulmbachLandkreis KronachLandkreis KitzingenLandkreis KelheimLandkreis HofLandkreis HaßbergeLandkreis GünzburgLandkreis Garmisch-PartenkirchenLandkreis FürthLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis Freyung-GrafenauLandkreis FreisingLandkreis ForchheimLandkreis Erlangen-HöchstadtLandkreis ErdingLandkreis EichstättLandkreis EbersbergLandkreis Donau-RiesLandkreis Dingolfing-LandauLandkreis Dillingen an der DonauLandkreis DeggendorfLandkreis DachauLandkreis CoburgLandkreis ChamLandkreis Berchtesgadener LandLandkreis BayreuthLandkreis BambergLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis Bad KissingenLandkreis AugsburgLandkreis AschaffenburgLandkreis AnsbachLandkreis Amberg-SulzbachLandkreis AltöttingLandkreis Aichach-FriedbergBodenseeSchweizÖsterreichBaden-WürttembergHessenTschechienSachsenThüringenKarte
Über dieses Bild
Marktplatz mit Rückert-Denkmal
und Renaissance-Rathaus
Stadtmauer am Zürch, dem früheren Burgbezirk
Main mit nächtlicher Skyline

Schweinfurt (schweinfurterisch: Schweifert) ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Unterfranken des Freistaats Bayern. Die Hafenstadt am Main ist Oberzentrum, Mitglied der Regiopolregion Mainfranken, Verwaltungssitz des Landkreises Schweinfurt, Hochschul-, Schul-, Verwaltungs- und Kunststadt (zwei größere Museen) sowie fränkischer Weinort. Bei der bayerischen Gebietsreform wurden aus politischen Gründen keine Vororte eingemeindet, mit ihnen hat Schweinfurt 106.500 Einwohner (2016).[2][3] Das Einzugsgebiet der Stadt, mit Mittelgebirgen und Naturparks als Grenzen, hat ca. 600.000 Einwohner. Zu ihm gehören die Region Main-Rhön, geprägt durch fränkische Tradition, Kurbäder und Landadel (Deutscher Burgenwinklel)[4] und der mittlere Teil Südthüringens.

Schweinfurt ist mindestens 2100 Jahre alt,[5] wurde 791 erstmals urkundlich erwähnt und gehört hierbei zu den ältesten Städten Bayerns. Um 1000 beherrschten die Markgrafen von Schweinfurt eine zentrale Region im Heiligen Römischen Reich. Vom 12. Jahrhundert bis 1802 war Schweinfurt Reichsstadt und im 16. und 17. Jahrhundert ein humanistisches Zentrum. 1777 begann die über 240 Jahre alte Industriegeschichte. Im Zweiten Weltkrieg erlitten die Amerikaner ihre größte Luftniederlage über der Stadt. Durch die Wiedervereinigung gewann Schweinfurt entscheidend an Zentralität und wurde zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte. Die Krise der Großindustrie 1992 wurde überwunden und die Arbeitslosenquote der Region erreichte nahezu oberbayerische Werte.[6] Heute ist die Kernstadt bei einer Bevölkerung mit fast 50 % Migrationshintergrund und 125 Nationalitäten großstädtisch und multikulturell strukturiert.[7]

Schweinfurt wurde nicht deindustrialisiert, ist heute wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns[8] und gilt als Welthauptstadt der Kugellager.[9] Die Stadt hat die höchste Arbeitsplatzdichte (2015)[10] und das vierthöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner Deutschlands (2014)[11] und überholte bei letzt genannten seit der Jahrtausendwende München, Frankfurt a. M., Stuttgart und Düsseldorf.[11] Der größte Wälzlager-Konzern der Welt SKF, der zweitgrößte Schaeffler[12] (vormals in Schweinfurt DAX-Konzern FAG Kugelfischer) und der zweitgrößte Automobilzulieferer der Welt ZF Friedrichshafen[13] (vormals in Schweinfurt Fichtel & Sachs AG) haben ihre größten Werke in Schweinfurt.[14][15]

Weltbedeutende Erfindungen stammen aus der Stadt am Main:[16] das Tretkurbel-Fahrrad von Philipp Moritz Fischer (1853)[17] sowie Fahrradfreilauf (1889) und Rücktrittbremse (1903) von Ernst Sachs. In Schweinfurt wurde 1652 die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet. Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und wurde 2008 Nationale Akademie der Wissenschaften.[18]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

   
Schweinfurt liegt in der Mitte
des Einzugsgebiets des Mains...
...und am Nordostrand des
   Schweinfurter Beckens

Schweinfurt besitzt eine sehr zentrale und gleichzeitig naturnahe Lage (Nationales Naturerbe Brönnhof, Naturpark Haßberge, Naturpark Steigerwald, Biosphärenreservat Rhön) und ist auf der Deutschlandkarte leicht lokalisierbar, am Beginn des Maindreiecks, dem flussabwärts das Mainviereck folgt. Die Stadt liegt an der 3.500 km langen Großschifffahrtsstraße, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet.[19]

Schweinfurt liegt jeweils etwa 40 km von Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen entfernt, nahezu in der Mitte der Europäischen Union,[20] des deutschen Sprachraums und der DACH-Region.[21] Die Stadt liegt in der Mitte Mainfrankens, das von Rhön, Haßbergen, Steigerwald und Spessart umgeben wird. Auf Sichtweite liegen Steigerwald, Gramschatzer Wald und Rhön. Der niedrigste Punkt des Stadtgebietes liegt auf 202 m ü NN,[22] der höchste auf 343 m ü NN.[22][23]

Neue ZentralitätBearbeiten

In Folge des Falls des Eisernen Vorhangs änderte sich die wirtschaftsgeografische Lage Schweinfurts grundlegend. Die Stadt wurde zu einem Autobahnknotenpunkt in der bundesdeutschen Mitte. 2005 wurde die Thüringer-Wald-Autobahn A 71 Erfurt– Schweinfurt als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 16 (VDE 16) fertiggestellt. Mit ungefähr zehn Millionen Euro pro Kilometer ist sie die teuerste Autobahn Deutschlands.[24] Die Autobahnen in der Region sind nahezu staufrei. Auf den 165 Autobahn-Kilometern der Region Schweinfurt gab es 2017 und 2018 jeweils nur halb so viele Unfälle wie auf den nur 144 Autobahn-Kilometern der deutlich stärker belasteten Region Würzburg.[25]

2017 erlangte Schweinfurt durch das 10 Milliarden Euro teure Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) weitere Zentralität. Berlin ist nun mit der Bahn von Schweinfurt unter dreieinhalb Stunden erreichbar, mit Umstieg im benachbarten Bamberg in den ICE der neuen 300 km/h Hochgeschwindigkeitsstrecke.[26] Über die westlich vorbeiführende Hochgeschwindigkeitsstrecke, mit Umstieg im benachbarten Würzburg, sind München ab 2:33 Stunden und Hamburg ab 3:57 Stunden erreichbar. Berlin und München sind nun von Schweinfurt etwa eine dreiviertel Stunde schneller als von Frankfurt a. M. zu erreichen und Paris ab 6:22 Stunden. Im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive erhält Schweinfurt bis spätestens Dezember 2028 einen direkten IC-Anschluss, durch den neuen IC Bamberg–StuttgartTübingen. 2018 wurde der Umbau des Hauptbahnhofs abgeschlossen.

Schweinfurt liegt an der Gütersverkehrsstrecke von Nürnberg über die Werntalbahn ins Rhein-Main-Gebiet, im Gürtel der Neuen Seidenstraße.

Neue Zentralität Schweinfurts durch die Wiedervereinigung und neue Verkehrsprojekte

Dortmund 350 km
 
Kassel 200 km
 
O 10°
Erfurt 160 km
 
Frankfurt/M 160 km
  Main N 50 °
Würzburg 45 km
  Bayreuth 120 km
N 50 ° Main  
Bamberg 55 km
 
Stuttgart 190 km
O 10°
 
Ulm 230 km
 
Nürnberg 120 km

Berlin (City-West) via A 70: 450 km, via A 71: 442 km
Die Kilometerangaben beziehen sich auf Entfernungen zwischen den Stadtzentren bei Fahrten über Autobahnen

Alle Autobahnen mit der ersten Ziffer „7“ führen in Richtung Schweinfurt (bzw. in Gegenrichtung), mit Ausnahme des nördlichen Teils der A 73. Unweit der Stadt kreuzt der 50. Grad nördlicher Breite (siehe oben: N 50 °), der der Mainlinie und A 70 entspricht, den 10. Meridian östlicher Länge (O 10 °), der identisch mit der Nord-Süd-Achse Europas DänemarkNorditalien und der A 7 ist. Am Schnittpunkt der beiden Grade, 5,6 km westlich des Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck, an der B 26a, befindet sich ein Schnittpunkt-Denkmal.

Gewässer und ErhebungenBearbeiten

Der Großteil des Stadtgebiets liegt innerhalb des Schweinfurter Beckens, das sich beiderseits des Mains erstreckt, mit der Innenstadt nördlich des Flusses. Die östlichen und nördlichen Stadtteile Haardt, Hochfeld und Deutschhof liegen auf den Ausläufern der nördlich des Mains gelegenen Landschaft Schweinfurter Rhön. Sie ist identisch mit dem Naturraum Hesselbacher Waldland. Schweinfurter Becken und Schweinfurter Rhön liegen in der Kernzone der Mainfränkischen Platten. Diese gehören zum Südwestdeutschen Stufenland, das sich vom Pariser Becken bis nach Franken hinzieht.

Siehe auch: Maininseln in Schweinfurt

SchutzgebieteBearbeiten

 
Naturschutzgebiet
Saumain in der Stadt Schweinfurt

Im Stadtgebiet befinden sich ein Naturschutzgebiet mit dem Namen Saumain in der Stadt Schweinfurt, zwei Landschaftsschutzgebiete, zwei FFH-Gebiete (Stand März 2016) und ein Geotop.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete in der Stadt Schweinfurt, Liste der Landschaftsschutzgebiete in Schweinfurt, Liste der FFH-Gebiete in der Stadt Schweinfurt und Liste der Geotope in Schweinfurt

WeinbauBearbeiten

Der örtliche Weinbau hat nur noch eine sehr geringe wirtschaftliche, aber nach wie vor kulturelle Bedeutung für die Stadt. Er ist für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart wichtig. Schweinfurt ist heute ein großlagenfreier Weinort im Fränkischen Weinbaugebiet, im Bereich Volkacher Mainschleife,[27] mit 3,54 ha bestockter Rebfläche (2017).[28]

In Schweinfurt wird wahrscheinlich seit weit über 1000 Jahren Weinbau betrieben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Schweinfurt eine bedeutende fränkische Weinbau- und Weinhandelsstadt. Zum Ende der Reichsstadtzeit 1802 waren es etwa 320 ha Rebfläche, was dem größten heutigen fränkischen Weinbauort Nordheim am Main entspricht (2017: 319 ha).[28] Große Teile heutiger Stadtviertel, bis nahe an den Rand der Altstadt, befinden sich auf ehemaligen Weinbergen. Goethe schätzte den Schweinfurter Wein und ließ sich große Mengen liefern. Die Verbindung Goethes zum Schweinfurter Wein geht aus sieben Goethebriefen hervor, die im Goethe-Schiller-Museum in Weimar verwahrt werden.[29]

 
Weinlage Schweinfurter Peterstirn

Die Reblaus tauchte 1902 in Franken auf,[30] sie traf den Schweinfurter Raum besonders hart. Seit den 1980er Jahren wird wieder planmäßig am Ostrand der Stadt, in den historischen Weinlagen Peterstirn und Mainleite Weinbau mit der Leitsorte Silvaner betrieben. Durch die fast vollständige Unterbrechung des Weinbaus blieben die Weinberge von der Zuordnung zu Großweinlagen und der großen Flurbereinigung der 1970er Jahre verschont, bei der meist die historischen Strukturen zerstört wurden. Die kleine Wein-Kulturlandschaft am Schloss Peterstirn blieb dadurch unversehrt erhalten. Auf der Peterstirn befindet sich ein Weingut im Familienbesitz, wo zweimal jährlich ein Weinfest stattfindet (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen).

KlimaBearbeiten

Regionales Klima

Typisches Kennzeichen ist der relativ geringe Niederschlag, mit knapp über 600 mm pro Jahr, durch die Lage der Stadt östlich des Landrückens RhönSpessart. Die Winter sind mitunter sehr kalt, aber durch die für bayerische Verhältnisse niedrige Seehöhe die Übergangszeiten mild und die Sommer warm bis heiß. Während in den höher gelegenen Regionen Süddeutschlands der Frühling spät einzieht und in Folge der Klimaerwärmung heute relativ schnell in den Sommer übergeht, zieht das Frühjahr im Schweinfurter Becken bald ein und ist sehr ausgeprägt. Das führt zur frühen Obstblüte, vielfältiger Flora und guten klimatischen Bedingungen für Spargel- und Weinbauanbau (siehe: Weinbau).

Im Kontinentalitätsgrad liegt das örtliche Klima im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima. Dieses bereits gemäßigte Kontinentalklima, im Dreiklang mit geringem Niederschlag, kalten Wintern und warmen Sommern kommt sonst in Westdeutschland nirgends vor, ist aber in Ostdeutschland weit verbreitet. Die Schweinfurter und Berliner Klima-Eckdaten sind nahezu identisch. Der Spessart bildet die Klimascheide zum maritimen Klima.

Stadtklima

Die Stadt besitzt für Hitzesommer mäßigende topografische Faktoren, i. Ggs. zu den stark belasteten Nachbarstädten Würzburg und Kitzingen.[31] Schweinfurt liegt nicht in einem Talkessel, ist verhältnismäßig locker bebaut und das Maintal führt i. Ggs. zu vorgenannten Städten in der Hauptwindrichtung von Ost nach West. Wodurch die Winde nicht blockiert werden, sondern bei Hochdruckwetterlagen Ostwind und bei Tiefdruck Westwind begünstigt wird. Zudem grenzen Seen, Flussauen, Schweinfurter Rhön und Schwebheimer Wald an die Stadt und die wenigen Weinberge sind naturbelassener, statt der flurbereinigten, hitzeproduzierenden Großweinlagen um Kitzingen und Würzburg.

Ein Großteil des Niederschlags fällt im Hochsommer in kurzen Gewittergüssen, die Winter sind ziemlich trocken. 2015 wurde Schweinfurt Deutschlands Blitzhauptstadt, mit 4,5 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer lag die Stadt vor Cottbus (4,3/km²) und Garmisch-Partenkirchen (4,1/km²).[32]

Kulturelle PrägungBearbeiten

   
Oberdeutsche Mundarten
Fränkische Subdialekte

Trotz Lage an der Mainlinie ist Mainfranken kulturell süddeutsch geprägt und ist insofern dem Alpenraum näher als Frankfurt am Main: Es liegt im Bereich des Oberdeutschen und im Verbreitungsgebiet des Grußes Grüß Gott, man feiert Fasching statt Karneval, und man spielt Schafkopf statt Skat. Schweinfurt war nie preußisch, liegt also südlich der einstigen Hegemonialgrenze Preußen/Bayern-Österreich. Andererseits ist der örtliche Dialekt, im großen Gegensatz zum Bairischen, dem bis in die äußerste Nordostecke Frankreichs reichenden Südfränkischen sehr ähnlich. Dasselbe gilt für Landschafts- und Ortsbilder.

Das Schweinfurter Land gehört zu den Regionen mit den ältesten Dörfern Deutschlands. Es ist ein Zentrum der Fränkischer Tracht und des Brauchtums, mit Kirchweihen (Kerm) und Weinfesten. Hinzu kommt bei den Schweinfurter Vororten die für Franken typische Mischung protestantischer und katholischer Orte. Die protestantischen Vororte waren Reichsritterschaften bzw. Sennfeld und Gochsheim Reichsdörfer, von denen es im Heiligen Römischen Reich insgesamt nur acht gab. So führt die Stadtbuslinie 82 (Sennfeld/Gochsheim) auf nur 5 km durch drei einstige Territorien des Alten Reichs (einschließlich der Reichsstadt Schweinfurt).

Zudem überlappt sich im östlichen Teil der Region Weinfranken mit Bierfranken.

Der örtliche Dialekt gehört innerhalb des Oberdeutschen zum Ostfränkischen Dialekt und hier wiederum zum Subdialekt des Unterostfränkischen.

Siehe: Schweinfurter Dialekt

StadtgliederungBearbeiten

Eine amtliche Stadtgliederung, mit Einteilung in Stadtbezirke und Ortsteile, wie z. B. in Bayreuth, gibt es nicht. In Ermangelung verwenden Immobilienportale die Stadtgliederung aus dem Jugendhilfeplan der Stadt Schweinfurt. Das Stadtgebiet wurde hier in 14 Stadtteile (fette Schrift in Liste) und 23 statistische Bezirke eingeteilt.[33] Der Stadtteil Maintal ist im veralteten Plan noch nicht enthalten und wurde in der Liste hinzugefügt. Bei der Bayerischen Gebietsreform wurden keine Vororte eingemeindet, weshalb das Stadtgebiet nur die Kernstadt und das 1919 eingemeindete Oberndorf umfasst.

Stadtgliederung und Sozialstruktur
Nr. Bezirk Einwohner
31. 12. 2015[34]
Ausländer
(%)[34]
Doppelstaatler[35]
(%)[34]
11 Altstadt (zur Innenstadt) 2.529 17,7 6,9
12 Innenstadt-West 4.291 29,4 15,7
13 Innenstadt-Nord 3.994 23,0 13,1
21 Bergl 9.162 18,8 23,9
22 Musikerviertel 3.103 20,4 20,1
31 Nordwestlicher Stadtteil 3.314 19,1 15,5
32 Gartenstadt 2.787 6,6 9,4
33 Nördlicher Stadtteil 3.024 11,9 16,6
34 Haardt 1.779 7,4 17,4
35 Eselshöhe 2.561 4,3 13,9
41 Hochfeld/Steinberg 5.126 7,6 10,8
42 Nordöstlicher Stadtteil 2.734 7,4 8,2
43 Deutschhof-Süd 1.855 6,1 26,3
44 Deutschhof-Mitte 1.454 9,6 27,4
45 Deutschhof-Ost 962 7,3 25,7
46 Deutschhof-Nord 963 6,0 14,6
47 Deutschhof-Zeilbaum 784 1,9 11,4
51 Hafen-Ost[36] 244 7,8 7,4
52 Hafen-West[37] 22 50,0 4,5
53 Badesee am Schwebheimer Wald[38] 4 0,0 0,0
54 Maintal 2 0,0 0,0
61 Oberndorf-Süd 1.135 11,3 9,7
62 Oberndorf-Mitte 1.326 16,1 13,7
nicht zuzuordnen 47 2,1 25,5
Schweinfurt insgesamt 53.202 14,6 16,2

StadtbildBearbeiten

In nahezu allen überregionalen Veröffentlichungen steht fälschlicherweise, dass Schweinfurt im Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg sehr stark zerstört worden sei, was nicht zutrifft. Die Stadt wurde zu etwa 45 % zerstört und damit genauso stark wie beispielsweise Rothenburg ob der Tauber.[39] Es gab keinen Feuersturm, im Gegensatz zum benachbarten Würzburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war deshalb ein planmäßiger, schneller Wiederaufbau nur an einigen Stellen der Stadt nötig. Dadurch gab es für spätere Zeiten noch Gestaltungsspielraum, da die Lücken sukzessive über viele Stilepochen geschlossen wurden. Im Westen der Stadt ist bis heute der Baustil der 1930er Jahre stadtbildprägend. Insbesondere die Klinkerbauten der Großindustrie im Bauhausstil,[40] in bis heute komplett erhaltenen oder nach Kriegsschäden teilrekonstruierten Straßenfronten.

Die Entwicklung von einer historischen Kleinstadt über die Industrialisierung bis zum Oberzentrum für eine halbe Million Einwohner spiegelt sich auch im gegensätzlichen, spannungsreichen Stadtbild wider. So wird in der Innenstadt das Stadtbild von Osten nach Westen hin allmählich großstädtischer (in obiger Bildfolge von links nach rechts). Altfränkische Gassen in sanierten Quartieren der östlichen Altstadt gehen über in mittelstädtische, zuweilen chaotische Strukturen um den Roßmarkt, bis zu großstädtischem Stadtbild in der westlichen City. Eine Ausnahme im Osten bildet das Rückert-Center im Brutalismus der 1970er Jahre (Spitzname Zementrum: ursprünglich hatte es eine Betonfassade und hieß Centrum).

Siehe auch: Bilder Einzelhandel

GeschichteBearbeiten

Anfänge und FrühmittelalterBearbeiten

Erste Siedlungen

Siedlungsspuren lassen sich auf dem heutigen Stadtgebiet seit 7500 Jahren nahezu lückenlos nachweisen. Die erste bisher (2019) entdeckte Siedlung des historischen Ortes Schweinfurts ist mindestens 2100 Jahre alt.[41] Die natürliche Verbreiterung des Mains bei Schweinfurt, mit Nebenarmen und Inseln, brachte seichtes Wasser. Nördlich einer Furt kreuzten überregionale Nord-Süd-Verbindungen eine wichtige West-Ost-Verbindung von Frankfurt am Main nach Böhmen. Die erste Furt wird am Sennfelder Seenkranz (Altmain) vermutet. Nicht das Schwein, sondern der Swin hat der Stadt ihren Namen gegeben. Das Wort wurde wahrscheinlich von den Franken aus ihren ursprünglichen Gebieten um Maas und Schelde mitgebracht. Swin bedeutet im eigentlichen Sinn abnehmen („schwinden“). Das Wort war auch im Altsächsischen in Gebrauch, worauf mehrere Orte namens Swinford auf den Britischen Inseln hinweisen.[42] Ferner auch Swinemünde an der Swine. Der Siedlungsname ist wie folgt belegt:

  • 720 Suinuurde.[42]
  • 791 Suuinfurtero (erste urkundliche Erwähnung).[42]
  • 804 Suuinfurte.[42]
  •  ? Swinfurt.[43]
  •  ? Swinvordi.[43]
  • 1254 Swinvorde
  •  ? Sweinvort.[43]
  • 1500 Sweynfurt.[44]
  •  ? Schweinfurt

Erstes schriftliches Indiz für die Existenz der Siedlung im 8. Jahrhundert ist die Nennung im Codex Edelini des Klosters Weißenburg.[45] Wahrscheinlich wurde damals in Suinuurde bereits Weinbau betrieben. Die erste sicher datierbare schriftliche Erwähnung einer Siedlung zwischen Marienbach und Höllental (siehe: Thüringer und Franken) erfolgte im Jahr 791.[46] Hiltrih übereignet einen Besitz in Suuinfurtero marcu an das Kloster Fulda.[47][47][48] Jedoch wurde bereits ein halbes Jahrhundert zuvor auf heutigem Stadtgebiet Oberndorf im Jahre 741 erstmals urkundlich erwähnt, nur 37 Jahre später als die erste urkundliche Erwähnung Frankens im Jahre 704 von Würzburg. Im ersten Jahrtausend gab es auf dem Stadtgebiet noch zwei weitere erste urkundliche Erwähnungen, beide im Jahre 951, der Wüstungen Affeltrach und Hilpersdorf.

Die große Zeit der Markgrafen von Schweinfurt

 
Judith von Schweinfurt (Mitte)
(Darstellung aus dem 14. Jh.)

Bedeutung erlangte Schweinfurt im Jahre 941[49] mit der Nennung des Grafen Berthold als erstem Glied des Hauses der Grafen von Schweinfurt.[47] Er nahm eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet, dem Herzogtum Franken, ein. Berthold gab dem König des Ostfrankenreichs Otto I. (936-973), der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, gegen aufständische Stammesherzöge wertvolle Waffenhilfe. Als Dank erhielt Berthold von Otto I. die Grafschaften für den Folkfeld- und den Radenzgau sowie die Markgrafschaft für den Nordgau, in etwa die heutige Oberpfalz.[50] Dadurch war er und ab 980 sein Sohn Heinrich der mächtigste weltliche Adelige auf dem Gebiet des heutigen Nordbayern. Der Machtbereich erstreckte sich bis in den Bayerischen Wald.[51] Später unterstützte Graf Heinrich, von den Geschichtsschreibern zur Unterscheidung mit einem Kinderrufnamen „Hezilo“ genannt, den ostfränkischen König Heinrich II. (1002–1024, ab 1014 römisch-deutscher Kaiser) bei der Königswahl 1002 und bekam dafür die Herzogswürde von Baiern zugesagt. Nach der Wahl löste jedoch Heinrich II. (HRR) das Versprechen nicht ein. Daraufhin kam es 1003[49] zur Schweinfurter Fehde. Graf Heinrich verlor dieses schlecht vorbereitete Unternehmen und verlor seinen gesamten Besitz. Die entzogenen Königsgüter bildeten den Kern des neuen Bistums Bamberg, das unmittelbar darauf von Heinrich II. gegründet und 1007 von Papst Johannes XVIII. bestätigt wurde. Hezilo behielt jedoch unumstritten seinen Besitz um den Burgberg Peterstirn.[46] Hezilos Sohn Otto von Schweinfurt wurde von König Heinrich III. (1039–1056) zum Herzog von Schwaben (Otto III.) ernannt. Eine seiner zahlreichen Töchter, Judith von Schweinfurt, wurde zu einer zentralen Figur der Alt-Schweinfurter Stadtgeschichte, bei der sich historische Überlieferungen und Legenden verbinden. Sie soll schließlich in zweiter Ehe Königin von Ungarn geworden sein und fand ihre letzte Ruhestätte im Veitsdom in Prag. Otto von Schweinfurt heiratete aus reichspolitischen Gründen eine Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin (Manfred von Susa), womit Verbindungen der Reichsteile nördlich und südlich der Alpen gestärkt werden sollten.[52] Nach Otto starb das Geschlecht im Mannesstamm 1057 aus und spätestens dieses Jahr markiert das unumstrittene Ende der bedeutenden Rolle der Markgrafen von Schweinfurt. Das Gut um Schweinfurt erbte Ottos Tochter Beatrix. Ihr letzter männlicher Nachkomme, der Fürstbischof von Eichstätt Eberhard I. von Hildrizhausen, vermachte 1112 seinen Besitz um Schweinfurt dem Hochstift Eichstätt. Dadurch kam die Stadt bis zur späteren Reichsunmittelbarkeit als Freie Reichsstadt unter geistliche Herrschaft.[53]

Gründung der Reichsstadt

Zu den Anfängen der heutigen Altstadt aus dem 12. Jahrhundert,[47] 1 km mainabwärts (westlich) der bisherigen Siedlung zwischen Marienbach und Höllenbach, gibt es unterschiedliche Ansichten. Die von einem allmählichen Aufbau bis zu einer geplanten Civitas Imperii (Reichsstadt), also einer Gründungsstadt, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa, unter Verwendung von vorhandenem Königsgut, reichen.[54] Im Kampf um die Vorherrschaft in Mainfranken zwischen den Hennebergern und dem Bischof von Würzburg wurde die Stadt zwischen 1240 und 1250 zerstört (Erstes Stadtverderben). Es ist jedoch umstritten, ob diese Zerstörung noch in der alten Siedlung zwischen Höllenbach und Marienbach erfolgte und somit ein Grund für den Neuaufbau der Stadt an der weiter westlich gelegenen, heutigen Stelle war oder ob die Zerstörung bereits hier stattfand.[54] In einem Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254[46] heißt es, Schweinfurt sei früher Reichsstadt gewesen (...Swinforde, que olim imperii civitas fuerat). Es bleibt unklar, ob jemals der Stadt Rechte entzogen wurden oder ob nur auf die Stadtzerstörung Bezug genommen wird. Jedoch ist dieser Brief der erste urkundliche Nachweis von Schweinfurt als Reichsstadt und somit auch als Ort mit Stadtrecht.[46]

SpätmittelalterBearbeiten

Territorium der Reichsstadt Schweinfurt von 1620 – 1802
und umgebende Gebiete
  • Reichsstadt Schweinfurt (evang.)
  • Reichsdörfer (evang.)
  • Reichsritterschaften (evang.)
  • Grafen von Schönborn (kath.)
  • Deutscher Orden (Brönnhof)
  • Hochstift Würzburg (kath.)
  • Die erste (innere) Stadtbefestigung der neuen Stadt wurde errichtet, die am Marienbach heute noch weitgehend erhaltenen ist. Diese erste Stadtmauer wird erstmals urkundlich in einem Vergleich vom 17. Februar 1258 zwischen den Grafen von Henneberg und dem Würzburger Bischof Iring von Reinstein-Homburg erwähnt.[54] 1282[49] wurde Schweinfurt von Rudolf von Habsburg (1273–1291) als Reichsstadt bestätigt.[46] Durch Verpfändung kam 1309 Schweinfurt an die Henneberger, die von 1310 bis 1427 eine Reichsburg im Stadtteil Zürch unterhielten. Die Gefahr dem Reich auf Dauer entfremdet zu werden konnte nur durch Selbstauslösung (1361/1385) unter großen finanziellen Opfern gebannt werden. In Folge stärkten zahlreiche königliche Privilegien die Kommune in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht.

    Im 15. Jahrhundert begann der Aufbau eines Territoriums um die Kernstadt, der sich bis 1620 hinzog. 1436 wurde die unmittelbar südwestlich an die Stadtmauer grenzende alte Fischersiedlung Fischerrain, deren Ursprünge im Dunkel der Geschichte liegen, in die Stadt eingegliedert. Auf Grund positiver wirtschaftlicher Entwicklung kann die Stadt von den Brüdern Karl und Heinz von Thüngen am 26. Februar 1436 den südwestlich gelegenen Vorort Oberndorf für 5.900 Gulden erwerben. 1436/37 erhielt der Rat der Stadt vom Deutschen Orden für 18.000 Gulden die Burg auf der Peterstirn sowie das zugehörige Landgebiet mit mehreren Dörfern.[47]

    NeuzeitBearbeiten

    Frühe Neuzeit

    Der Fränkische Reichskreis (ursprüngliche Bezeichnung: Reichskreis Nummer 1) konstituierte sich im Jahr 1517. Der erste Kreistag fand in Schweinfurt statt.

     
    Wiederaufgebaute Stadt 1593

    Am 22. Mai 1553 wurde Schweinfurt im so genannten Zweiten Markgrafenkrieg durch Markgraf Albrecht II. Alcibiades erstmals besetzt. Vom 1. bis 23. Juni 1553 wurde es (auch unter Beteiligung von Reisigern etwa aus Neustadt an der Aisch am 17. Juni[55]) von den Truppen Braunschweigs, Kursachsens und Würzburgs erstmals belagert und beschossen. Der große Angriff auf die Stadt erfolgte im darauffolgenden Jahr ab dem 27. März 1554. Die Bundestruppen schossen die Stadt innerhalb von zehn Wochen sturmreif und hungerten sie aus. Der Markgraf ließ am Abend des 12. Juni 1554 seine Truppen vor der Übermacht seiner Gegner abziehen. Dadurch war die Stadt ohne Schutz. Noch bevor der Rat mit den Bundestruppen Verhandlungen aufnehmen konnte, wurde die Stadt am Morgen des 13. Juni 1554 geplündert und in Brand gesetzt. Die bereits durch Hunger und Seuchen dezimierte Bevölkerung floh in Scharen ins Umland. Die auf Rache bedachte Landbevölkerung, die im Krieg viel zu leiden hatte und Schweinfurt die Schuld gab, drang nach dem Abzug der Bundestruppen am gleichen Tag in die Stadt ein und vollendete das Zerstörungswerk. Dies ging als Zweites Stadtverderben in die Stadtgeschichte ein.

    Der Wiederaufbau zog sich bis 1615[56] hin. In dieser Form blieb die Altstadt, mit Ausnahme später modernisierter Befestigungsanlagen, bis ins frühe 19. Jahrhundert fast unverändert.[57]

       
    Reichsstadt Schweinfurt in Topographia Franconiae 1656
    Reichsstadt Schweinfurt 1648.
    Matthäus Merian, Frankfurt a. M.

    1542[58] schloss sich Schweinfurt der Reformation an und 1609[58] trat die Stadt der Protestantischen Union bei (siehe Evangelisch-lutherisch). „Schweinfurt gerät immer wieder zwischen die Fronten der großen Politik – als Vorreiterin der Reformation seit 1542 mitten im katholischen Kernland hat sich die Stadt den Status des Brennpunkts sozusagen selbst ausgesucht.“[46] Durch die Gegenreformation von 1585 bis 1603 im Bistum Würzburg, Bistum Bamberg und Bistum Fulda wandten sich viele wohlhabende protestantische Familien nach Schweinfurt.[47] Der prominenteste unter ihnen war Balthasar Rüffer, von 1585 bis 1587 Oberbürgermeister von Würzburg.

    Das reichsstädtische Territorium wurde 1620 [58] zudem noch um Madenhausen ergänzt. Durch die Zuerwerbe hatte das Territorium der Reichsstadt nun von Südwesten nach Nordosten eine Ausdehnung von 17 km. Dadurch war von der Stadt Schweinfurt über den Ritterkanton Baunach ein nahezu durchgehender protestantischer Korridor[59] durch die Hochstifte Würzburg und Bamberg ins protestantische Herzogtum Sachsen entstanden.

    Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde Schweinfurt häufig von den Truppen der Kriegsparteien besetzt. 1632 kam der schwedische König Gustav II. Adolf in die Stadt. Der Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel errichtete sein Hauptquartier in Schweinfurt. In den 1640er Jahren wurde die Stadtmauer von Wrangel zu einer modernen Befestigungsanlage ausgebaut (siehe: Stadtmauer). Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt weder zerstört noch nennenswert beschädigt. Die beiden bekanntesten (nebenstehenden) Abbildungen der Reichsstadt stammen aus der Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg.

    Versuch einer Universitätsgründung

    Die Reichsstadt Schweinfurt war eine humanistische und protestantische Insel innerhalb des Hochstifts Würzburg und in Nachbarschaft zum Hochstift Bamberg, auf der ein enormer politischer Druck lag. Knapp hundert Jahre nachdem in Schweinfurt 1652 die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (heute Nationale Akademie der Wissenschaften) gegründet wurde, gab es in Würzburg die letzte Hexenverbrennung. Auf Weisung des schwedischen Königs Gustav II. Adolf wurde 1632 in Schweinfurt das Gymnasium Gustavianum, das heutige Celtis-Gymnasium, gegründet.[60] Zudem wollte Gustav Adolf in der Stadt als protestantischen Gegenpol zum Hochstift Würzburg eine Universität gründen. Er nahm im Dreißigjährigen Krieg dem Hochstift Ländereien weg und schenkte sie der Reichsstadt zur Finanzierung der Eliteschule. Das Vorhaben wurde letztlich durch seinen Tod 1632 in der Schlacht bei Lützen vereitelt.[61][46]

    Späte Neuzeit

       
    Fichtel & Sachs AG Werk 1, Schrammstraße 1913; ab 1929 VKF, östlicher Werksteil
    Luitpoldstraße, Prachtstraße zum Hauptbahnhof

    Das Jahr 1777 markierte den Beginn der Industrialisierung der Stadt, durch die Errichtung einer Bleiweißmühle von J. W. Schmidt. Weitere fabrikähnliche Anlagen dieser Art entstanden an der Bellevue und im benachbarten Vorort Niederwerrn.[62]

    Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern, drei Jahre bevor das Königreich Bayern gegründet wurde.[63] 4000 Menschen demonstrierten am Roßmarkt gegen den Anschluss.[64]

    Nach der zwischenzeitlichen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg (1810–1814) fiel Schweinfurt 1814 an das Königreich Bayern. Die zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer wurden ausgegliedert. Dadurch verlor Schweinfurt etwa zwei Drittel seines Gebietes. 1852[56] erfolgte mit der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn[65] von Bamberg zum Stadtbahnhof der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Der Centralbahnhof (heute Hauptbahnhof) wurde in weit vorausschauender Weise inmitten von Feldern auf Oberndorfer Gemarkung als Personen- und Güterbahnhof angelegt, mit dem Ziel, möglichst viel Raum für die erwartete Industrialisierung um den Bahnhof zu lassen, die bis Ende der 1930er Jahre hier auch erfolgt war. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten waren die 1930er Jahre in Schweinfurt eine der wichtigsten Epochen der Stadtentwicklung. Die Mitarbeiterzahl der metallverarbeitenden Großfirmen stieg bis 1939 auf 20.700 an. Dadurch kam es zu einem Bauboom und die Weichen für die moderne Stadtentwicklung wurden gestellt.

    Zweiter WeltkriegBearbeiten

     
    Amerikanischer Luftangriff auf das Industriegebiet 1943

    Der Luftkrieg über Schweinfurt unterschied sich von den anderen Städten. Nicht die einheimische Bevölkerung, sondern die angreifende Luftwaffe erlebte einen Schicksalstag. Aufgrund der kriegswichtigen Wälzlagerindustrie, einer Schlüsselindustrie, hatte Schweinfurt die beste Luftverteidigung Deutschlands. Die United States Army Air Forces (USAAF) erlitt in Luftkämpfen über der Stadt ihre größten Verluste. Insgesamt wurde in 15 größeren und sieben kleineren Luftangriffen[66] die Stadt zu 40 % und das Industriegebiet zu 80 % zerstört,[67] was als Drittes Stadtverderben bezeichnet wird (siehe auch: Zweites Stadtverderben). Jedoch wurde kein Feuersturm entfacht, im Gegensatz zum benachbarten Würzburg, wo in einem einzigen Angriff die gesamte Stadt zu 80 % zerstört wurde.

    Nach dem verheerenden Versagen der Luftabwehr bei der vorangegangenen Operation Gomorrha in Hamburg hatte die deutsche Luftwaffenführung ihren Widerstand gegen neue Waffen aufgegeben. Erstmals kamen über Schweinfurt in größerer Zahl Luft-Luft-Raketen zum Einsatz.[68] Der erste Luftangriff der Alliierten erfolgte am 17. August 1943, im Rahmen der Operation Double Strike der USAAF mit 376 Bombern. 36 Bomber wurden daraufhin abgeschossen und 122 beschädigt.[68][69] Der zweite Angriff am 14. Oktober 1943 führte die USAAF in die Katastrophe, sie erlitt über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage. Der Tag ging später als Black Thursday (Schwarzer Donnerstag) in die Geschichte der amerikanischen Luftwaffe ein. Von insgesamt 291 Bombern bei diesem Angriff verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber und weitere 121 wurden so schwer getroffen, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnten. Unter den Bomberbesatzungen gab es mit 600 Todesopfern weit mehr als unter der Zivilbevölkerung.[70] Darauf waren bei den Alliierten Bomberbesatzungen Angriffe auf Schweinfurt gefürchtet.

    Moderne: Amerikaner in SchweinfurtBearbeiten

    Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee[71] von Westen und Südwesten[72] in die Stadt ein, nachdem sie vorher zwei Tage lang von Artillerie beschossen wurde.[73] In die 1946 in Ledward Barracks umbenannte Panzerkaserne wurde das Hauptquartier der neu gegründeten U.S. Army Garrison Schweinfurt (USAG Schweinfurt) gelegt. In den 1960er Jahren wurde der Standortübungsplatz am Brönnhof aufgebaut. In den 1950er Jahren wurde das amerikanische Wohnviertel Askren Manor und um 1990 das Offiziers-Wohnviertel Yorktown Village errichtet. Bis in die späten 1990er Jahre wurde sukzessive eine zivile Infrastruktur aufgebaut, die der einer amerikanischen Kleinstadt entsprach. Zeitweise umfasste die US-Militärgemeinde Schweinfurt 12.000 Menschen, darunter rund 5000 Soldaten und über 7.000[71] Familienangehörige und Zivilangestellte. In Folge der Schließung vieler anderer deutschen US-Standorte wurden Bereiche nach Schweinfurt verlagert und dieser Standort wurde zu einem der größten Europas. Ab den 1990er Jahren wurde nochmal rund eine Milliarde US-Dollar in den Standort Schweinfurt investiert.

    Seit den 1990er Jahren veränderte sich das Bild gegenüber der herkömmlichen Vorstellung eines US-Standorts erheblich und die USAG Schweinfurt bekam zivileren Charakter. Die Wehrpflicht war bereits 1973 in den USA abgeschafft worden. Mit den Berufssoldaten kamen viele Familienangehörige, die schließlich in der Mehrheit waren. Zudem bemerkte man den sozialen Wandel in den USA, hin zu einer multikulturelleren Gesellschaft, mit mehr Farbigen, Latinos und Asiaten. Amerikaner brachten eine multikulturelle Bereicherung, mit einer, im Vergleich zu anderen Städten, exotischeren Veranstaltungs- und Diskothekenszene (siehe: Nachtleben). Zudem waren durch Globalisierung und subkulturellen Wandel in Mode und Lebensstil seit den 1990er Jahren Unterschiede zwischen jungen Amerikanern und Deutschen, insbesondere mit Migrationshintergrund, in der Stadt kaum mehr wahrnehmbar.[74]

    Die Umstrukturierung der US-Streitkräfte wurde 2014 mit der Auflösung des großen Standorts Schweinfurt abgeschlossen. Die USAG Schweinfurt umfasste Areale von 29 km².[75] Die Ledward Kaserne wird derzeit (2019) zum neuen Stadtteil Carus-Park umgebaut. Hauptnutzer wird die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS), mit einem Internationalen Hochschulcampus, dem i-Campus Schweinfurt.

    Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt

    Moderne: Deutsche GeschichteBearbeiten

       
    Neues Rathaus (1954–58)
    Ernst-Sachs-Straße im Jahre 1959
    mit Willy-Sachs-Casino

    Ein schneller, planmäßiger Wiederaufbau der Stadt war auf Grund des Zerstörungsgrades von 40 bis 45 % nicht nötig, sondern er zog sich über mehrere Stilepochen hin, sogar heute (2018) werden noch letzte Baulücken geschlossen. So blieb Schweinfurt ein tristes Nachkriegs-Stadtbild erspart (siehe: Stadtbild), i. Ggs. zum benachbarten Würzburg oder beispielsweise Hanau, Heilbronn, Hildesheim oder Pforzheim.

    Wie viele andere westdeutschen Städte erlebte auch Schweinfurt in den 1950er und 1960er Jahren ein beispielloses Wirtschaftswunder und die Großindustrie boomte. Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken wurden ab 1960 Südeuropäer, vorwiegend aus Süditalien und später aus dem östlichen Anatolien als Gastarbeiter angeworben.

     
    Leopoldina-Krankenhaus (1981)

    Die meisten Bauprojekte der Nachkriegszeit wurden unter der Ägide des Oberbürgermeisters Georg Wichtermann (SPD, 1965–1974) verwirklicht, in der von der SPD mit absoluter Mehrheit regierten Stadt. Zahlreiche neue Wohn-Stadtteile entstanden. Durch den Sprung über den Main (ab 1963)[76] entstanden südlich des Mains der Gewerbepark Hafen-Ost und das neue Industriegebiet Hafen-West. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, u. a. mit dem Mainhafen (1963) und der heutigen Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (1971).

    Nach erfolgtem Wiederaufbau und den Boomjahren stand die Zeit des Oberbürgermeisters Kurt Petzold (SPD, 1974–1992) unter den Zeichen von Konsolidierung, aber auch von Ölkrise und Rezessionen, mit Stellenabbau in der örtlichen Großindustrie. In der Stadt gab es nun, trotz weiterhin positiver Wanderungsbilanz, Einwohnerrückgang infolge eines enormen Geburtendefizits, wie überall in Deutschland. 1979 begann die Altstadtsanierung.[77] 1981[77] wurde das große städtische Klinikum Leopoldina-Krankenhaus eröffnet. Ab 1988[77] wurde die Stadtmauer instand gesetzt und das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) errichtet.

    Gesellschaftliche Umbrüche

    Seit den 1970er Jahren verließen viele jüngere Familien und auch alteingesessene Bürger die engen politischen Grenzen der Stadt und zogen in die Vororte, wodurch ein Speckgürtel entstand. Die Entwicklung neuer Wohngebiete verlagerte sich im Zuge der Suburbanisierung aus der Kernstadt in die Vororte. Die Kernstadt wurde nun zunehmend von Segregation bestimmt, im Zusammenspiel mit abnehmender deutscher Bevölkerung in Folge der Demografie. In den innerstädtischen und westlichen Wohngebieten, die nicht mehr den neuen, gehobenen Ansprüchen entsprachen, fand vielfach ein Bevölkerungsaustausch statt. Migranten zogen in freiwerdende, preiswerte Wohnungen und es kam so zu keinen Leerständen. Dadurch entstanden neben den bürgerlichen Vierteln im Norden und Osten der Stadt durch Ethnizität geprägte Viertel, insbesondere im Westen. Es entstanden dadurch Viertel unterschiedlichster Ethnie, wie in sehr großen Städten. Städtische Hinweistafeln waren seit den 1990er Jahren im Stadtgebiet viersprachig: deutsch, englisch, türkisch und russisch. Obwohl die Zahl der Türken innerhalb der engen Stadtgrenzen auf 3000 anstieg, bildeten sie i. Ggs. zu vielen anderen größeren deutschen Städten nur die drittgrößte ethnische Gruppe, nach Amerikanern und Russlanddeutschen. Derzeit liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bei 45 % (Stand 31. 12. 2017).[78]

    Die Ära Grieser 1992–2010

       
    Museum Georg Schäfer (2000)
    links Bay. Landessozialgericht (2000)
    Konferenzzentrum Maininsel (2004)

    In der von der SPD dominierten Stadt gelang es der CSU 1992 erstmals den Oberbürgermeister zu stellen, mit der politisch unverbrauchten Quereinsteigerin Gudrun Grieser, die erst kurz vor ihrer Wahl der CSU beitrat. Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) begleitete diesen historischen Machtwechsel fördernd. Als Gegenmaßnahme zur schweren Krise der Großindustrie um 1992 (siehe: Phönix aus der Asche) stärkte der Freistaat Bayern nun den Dienstleistungssektor. Teile des Bayerischen Landessozialgerichts und des Bayerischen Landesamtes für Statistik wurden von München nach Schweinfurt verlegt.

     
    Kunsthalle Schweinfurt (1933/2009)

    Während der Amtszeit Griesers stabilisierte sich ab Mitte der 1990er Jahre die wirtschaftliche Lage, 4500 neue Industriearbeitsplätze und rund 6000 Jobs im Dienstleistungsbereich entstanden,[10] was schließlich bis zur Weltwirtschaftskrise 2009 in einer Boom-Phase von 2005–2008 mündete. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen auf Rekordhöhe und die Stadt konnte Rücklagen im zweistelligen Millionenbereich ansparen.

    In der Grieser-Ära wurde das neue Motto der Stadt Industrie und Kunst entwickelt. Sehr viele Projekte, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten Jochen Müller (SPD) gaben der Stadt ein neues Gesicht, setzten in der Architektur neue, überregional beachtete Zeichen und wurden mit zahlreichen Architekturpreisen honoriert. Was einen Imagewandel der Stadt zur Folge hatte. Unter den vielen verwirklichten Projekten sind das Museum Georg Schäfer (2000),[77] das Konferenzzentrum Maininsel (2004), die Stadtbücherei im Ebracher Hof (2007), die Kunsthalle Schweinfurt (2009), die Stadtgalerie Schweinfurt (2009) und der Campus 2 der Hochschule für angewandte Wissenschaften besonders zu erwähnen. Die Ära Grieser bleib bis heute stadtbildprägend, wie keine andere Epoche seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg und veränderte das Stadtimage nachhaltig.

    Gegenwart

     
    Neue Hadergasse (2014)
    an der Stadtmauer am Neutor

    Unter dem neuen Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU, seit 2010) stiegen 2013 die Gewerbesteuereinnahmen auf eine neuerliche Rekordmarke von 60,462 Millionen Euro netto.[79] Die Stadt wurde schuldenfrei und konnte höhere Rücklagen ansparen. Diese werden derzeit für das Großprojekt der US-Konversion eingesetzt (siehe: US-Konversion). Daneben wurde 2014 die Neue Hadergasse verwirklicht. Ein Geschäfts- und Wohnquartier an der westlichen Stadtmauer, mit einem Hotel. Zudem wurde das Krönlein-Karree (auch: City-Karree) am Georg-Wichtermann-Platz 2017 fertiggestellt. Derzeit (2018) beginnen die Abrissarbeiten eines Teils des Neuen Rathauses, der sogenannten Stadtkasse. Hier entsteht ein siebengeschossiger Rathaus-Neubau. Weitere Großprojekte sind derzeit in Planung, so die Neuordnung des Areals des Leopoldina-Krankenhauses und die Neuordnung städtischer Museen durch das Kulturforum Martin-Luther-Platz.

    Siehe auch: Schweinfurter Industriegeschichte

    EinwohnerentwicklungBearbeiten

     
    Einwohnerentwicklung von Schweinfurt von 1800 bis 2017

    1939 hatte Schweinfurt 50.000 Einwohner. Während nahezu alle anderen Städte demografisch bedingte Einwohnerabnahmen durch Eingemeindungen ausgleichen konnten, sank in Schweinfurt die Einwohnerzahl bis 1987 auf 52.000. Seitdem stieg sie bis 1996 in Folge der Spätaussiedler wieder auf 56.000 an. 2014 fiel die Einwohnerzahl mit 51.600 auf den tiefsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre. Danach trat entgegen der Prognosen des Bayerischen Landesamt für Statistik eine positive Wende ein. 2017 hatte Schweinfurt in relativen und absoluten Werten ein höheres Wachstum als beispielsweise die größere Nachbarstadt Würzburg, während München Einwohnerabnahme verzeichnete, wo zunehmend hohen Mieten und Einbußen im verfügbaren Einkommen zum Negativfaktor wurden.[80]

    Die Agglomeration ist im Falle Schweinfurts wegen ausgebliebener Eingemeindungen eine bessere Vergleichsgröße der absoluten Einwohnerzahl zu anderen Städten. 1994 hatte sie 105.000 Einwohner,[81] sank auf 96.600 Einwohner (Zensus vom 9. Mai 2011) und stieg danach auf 98.800 Einwohnern (Schätzung für den 31. Dezember 2016).[2]

    ReligionenBearbeiten

    Das alteingesessene Bürgertum ist ausschließlich protestantisch und wohnt vorwiegend in den östlichen Stadtteilen. Während in den westlichen Arbeitervierteln seit über 100 Jahren aus dem Umland zugezogene Katholiken vorherrschen, an deren Stelle in neuerer Zeit in Folge von Demografie und Migration teilweise Moslems traten.

    Evangelisch-lutherischBearbeiten

    Landeskirche

     
    Martin Luther in St. Johannis

    Schweinfurt wurde relativ spät, 1542 evangelisch,[82] da die Stadt zusammen mit benachbarten Reichsdörfern und reichsritterschaftlichen Dörfern (siehe Karte: Aufbau eines Territoriums) vollständig vom katholischen Hochstift Würzburg umgeben war. Bei einem Konfessionswechsel musste mit militärischen Übergriffen gerechnet werden. Der Schutzherr der Stadt Graf Wilhelm von Henneberg bot dafür nicht genügend Rückhalt.

     
    Evangelische Hauptkirche St. Johannis

    In St. Johannis wird mit dem „Gemeinen Kasten“ eine eindeutig lutherische Einrichtung eingeführt. Im April 1525 wurde das erste Kind „auf teutsch“ getauft. 1532 predigte der sächsische Hofprediger Spalatin anlässlich des Fürstentages in der Liebfrauenkirche, die 1729 in St. Salvator umbenannt wurde. Vor der Einführung der Reformation fanden die evangelischen Gottesdienste außerhalb des reichsstädtischen Gebiets auf Schloss Mainberg und in Sennfeld statt. Die Stadt erwarb 1542 das aufgelöste Karmeliterkloster. Die Ratsherren Nikolaus Sprenger und Ludwig Scheffer konnten mit Landgrafen Philipp I. von Hessen den führenden Kopf des Schmalkaldischen Bundes und Vorkämpfer des Protestantismus als Schutz- und Schirmherrn und Reichsvogt gewinnen. Der vom Landgrafen gesandte Prediger Johann Sutel, genannt Sutellius, hielt in Schweinfurt am 19. Juni 1542 den ersten protestantischen Gottesdienst und verfasste in der Folgezeit eine Kirchenordnung. Der Rat, die Pfarrer, und jeder, der das Bürgerrecht erwerben wollte, wurden fortan auf die evangelische Lehre vereidigt. Damit waren bis zum Ende der Reichsstadtzeit Katholiken vom Bürgerrecht ausgeschlossen. Stadtschreiber und Syndikus Adam Alberti († 1583) unterzeichnete 1579 für den Bürgermeister und den Rat der Stadt Schweinfurt die lutherische Konkordienformel von 1577.[83]

    Zur Zeit der Gegenreformation (1587–1631) wanderten an die 700 Glaubensflüchtlinge aus der Stadt und dem Hochstift Würzburg nach Schweinfurt aus.

    Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt und Evangelisch-Lutherisches Dekanat Schweinfurt

    Landeskirchliche Gemeinschaft

    Die Christliche Gemeinschaft Schweinfurt der LKG ist Teil der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und gehört zum Landeskirchlichen Gemeinschaftsverband (LKG) in Bayern, der eine Zwischenstellung zwischen Landeskirche und Freikirchen einnimmt.

    FreikirchenBearbeiten

    Im 19. Jahrhundert stand an Stelle des heutigen Landratsamtes, an der Südseite des Schillerplatzes, als eines der ersten Gebäude des Gründerzeitviertels, eine repräsentative Halle der Freien Christlichen Gemeinde. Das große Gebäude wurde spätestens ab 1868 anderweitig als Concert Halle und Theater genutzt,[84] woher auch der Name Schillerplatz abstammt.

    Bis in die 1970er Jahre gab es in der Stadt nur eine Methodistische und eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) sowie mehrere englischsprachige Gemeinden von Freikirchen für Angehörige der US-amerikanischen Garnison Schweinfurt. Seitdem entstanden weitere Gemeinden, sowohl in pietistisch-evangelikaler als auch pfingstlich-charismatischer Prägung. Zu erstgenannten gehören die Freikirchliche Gemeinde Christen in Aktion in Oberndorf und die Christliche Gemeinde Schweinfurt. Zu zweitgenannten Wort des Glaubens, gegründet von John und Mirjana Angelina vom heutigen Gospel Life Center in München und die Biblische Gemeinde Schweinfurt. Einige Freikirchen sind in der Evangelischen Allianz vertreten.

    Die charismatische Bewegung ist zudem auch seit den 1970er Jahren in Schweinfurt in der Landeskirche vertreten, in der Auferstehungskirche am Bergl. In den 1990er Jahren wurden pfingstlich-charismatische Bücher vom Schweinfurter Druckhaus Weppert herausgegeben.

    Römisch-katholischBearbeiten

     
    Katholische Hauptkirche Heilig-Geist

    Der Katholizismus blieb für die kulturelle Ausprägung Schweinfurts weitgehend bedeutungslos. Mit Einführung der Reformation waren alle Kirchen der Reichsstadt evangelisch geworden. Das bayerische Religionsedikt von 1803 ermöglichte 1806 die Wiedergründung einer katholischen Pfarrei. Die katholische Gemeinde erhielt von der Stadt die Spitalkirche zum Heiligen Geist für ihre Gottesdienste. Sie wurde durch den stetigen Zuzug von Katholiken aus dem Umland mit der Zeit zu klein. 1902 wurde der Nachfolgebau, die Heilig-Geist-Kirche fertiggestellt und ist seitdem Hauptkirche der Schweinfurter Katholiken. Durch die fortschreitende Industrialisierung ist seit dem 20. Jahrhundert der Anteil der katholischen, einstigen Landbevölkerung etwas höher als der Anteil der alteingesessenen Protestanten.

    Siehe auch: Kirchen in Schweinfurt und Dekanat Schweinfurt-Stadt

    Griechisch-orthodoxBearbeiten

    Die Griechisch-orthodoxe Gemeinde hält ihre Gottesdienste im Untergeschoss von St. Anton ab.

    Weitere christliche GemeinschaftenBearbeiten

    Zudem sind in der Stadt Gemeinden der Sieben-Tags-Adventisten, der Neuapostolischen Kirche und der Zeugen Jehovas vertreten.

    JudentumBearbeiten

    Mit dem 1212 genannten zuAbraham von Schweinfurt lässt sich ein jüdischer Bewohner der Stadt nachweisen.[85] Auch für die Folgezeit lassen sich jüdische Familien in der Stadt belegen, die sowohl von den Rindfleisch-Verfolgungen von 1298 als auch vom Pestpogrom von 1348/49 betroffen waren.

     
    Jüdischer Friedhof (2013)

    1368 erhielt die Stadt Schweinfurt vom Kaiser Karl IV. das Privileg, in ihren Mauern erneut Juden aufnehmen zu dürfen. In der Folgezeit konnten die Juden, die sich in Schweinfurt niederließen, gegen Zahlung hoher Steuern relativ frei und sicher leben. Die Familien wohnten in der Judengasse im Alten Gewerbeviertel. Hier befanden sich auch Betstube und Tauchbad. Die mittelalterliche jüdische Gemeinde, die ihren Lebensunterhalt im Geldverleih und im Handel, besonders mit Wein bestritt, fand 1554/55 ihr Ende. Die Schweinfurter Bürger gingen gegen die Juden vor, weil sie bei ihnen stark verschuldet waren.[86] Nach der Zerstörung im Markgrafenkrieg erhielt die Stadt 1555 vom Kaiser das Recht, den Juden, die vorher in ihren Mauern gelebt hatten, den erneuten Zuzug zu verweigern.

    Erst in bayerischer Zeit durften sich nach 1814 jüdische Familien wieder in der Stadt ansiedeln; sie bildeten eine Jüdische Gemeinde und errichteten zwischen Siebenbrückleinsgasse und Roßmarkt eine Synagoge. 1874 wurde der heute noch bestehende Jüdische Friedhof Schweinfurt eröffnet, in dem es 1969 die bisher letzte Bestattung gab. Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern verwüstet, danach anderweitig genutzt und im Zweiten Weltkrieg zerstört.

    IslamBearbeiten

    In Schweinfurt befinden sich vier Moscheen: von den islamischen Gemeinschaften DITIB, Millî Görüş, IBV und der Arabischen Gemeinde. Die größte islamische Gemeinde der Stadt ist die DITIB-Moschee, mit ca. 2.500 Gläubigen.[87]

    PolitikBearbeiten

    Schweinfurt war in den Nachkriegsjahrzehnten neben München und Nürnberg eine der wenigen bayerischen SPD-Hochburgen, in der die SPD ständig den Oberbürgermeister stellte und die Stadtratswahlen gewann. Bis in den 1990er Jahren auf Grund des gesellschaftlichen Wandels auch in Schweinfurt die CSU die Oberhand gewann und die Stadt sogar zu einer CSU-Hochburg wurde. Die FDP war und ist in der Stadtpolitik bedeutungslos und die Grünen spielten in der Hochschulstadt ohne Universität nie eine größere Rolle. Nach wie vor ist die Industriestadt aber ein überregional bedeutendes Zentrum der Gewerkschaft und der Linken, deren Vertreter seit langer Zeit immer wieder Ämter auf Landes- und Bundesebene einnehmen.

    StadtratBearbeiten

    Seit 1990 zogen, wie vielerorts, neben etablierten Parteien auch Wählergruppen in den Stadtrat ein, der aus 44 Sitzen besteht, die sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt aufteilen:

    Stadtratswahl 2014[88]
    Wahlbeteiligung: 42,65 %
     %
    50
    40
    30
    20
    10
    0
    48,04 %
    23,11 %
    7,23 %
    7,15 %
    6,14 %
    4,27 %
    2,54 %
    1,52 %
    Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
    Anmerkungen:
    d Schweinfurter Liste – Freie Wähler
    f proschweinfurt
    Partei Sitze G/V1
    CSU 21 + 3
    SPD 10 + 1
    Linke 03 − 1
    Schweinfurter Liste 03 − 1
    Grüne 03 + 1
    Pro Schweinfurt 02 − 1
    REP/AfD2 01 ± 0
    FDP 01 ± 0
    1 G/V: Gewinn oder Verlust gegenüber der Wahl 2008
    2 Für REP gewählt, zur AfD gewechselt[89]

    Der von den Wahlberechtigten in direkter Wahl gewählte Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ist das 45. Mitglied des Stadtrats. Die vom Stadtrat aus seinen Mitgliedern gewählten Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind Sorya Lippert (CSU), als Zweiter und Karl-Heinz Kauczok (SPD) als Dritter Bürgermeister.

    OberbürgermeisterBearbeiten

     
    Oberbürgermeister Sebastian Remelé

    Lange Amtszeiten kennzeichnen Schweinfurts Oberbürgermeister. Die SPD war viele Jahrzehnte stärkste politische Kraft in der Stadt und stellte von 1920 bis 1933 und von 1946 bis 1992 den Oberbürgermeister. Besonders prägend für Wiederaufbau und Nachkriegszeit war Oberbürgermeister Georg Wichtermann (1956–1974). Sein Nachfolger war Kurt Petzold (1974–1992). Nach der gewonnenen Oberbürgermeisterwahl durch Gudrun Grieser (1992–2010) aus der CSU im Jahr 1992 wechselte erstmals die Mehrheit im Stadtrat zu Gunsten ihrer Partei. Sie prägte die Stadtentwicklung in außergewöhnlicher Weise (siehe: Die Ära Grieser 1992–2010).

    Für die OB-Wahl am 7. März 2010 gab es sechs Kandidaten. Sebastian Remelé (CSU) gewann die Stichwahl mit 63,4 %[90] und wurde am 16. März 2014 mit 66,9 % im Amt bestätigt.[91]

    WappenBearbeiten

     
    Kaiserwappen mit zwei Stadtwappen am Zeughaus
    Blasonierung: „In Blau ein silberner Adler.“[92]
    Wappenbegründung: Das erste bekannte Wappen bestand aus einem einköpfigen schwarzen Adler auf einem gelben oder goldenen Schild, der heraldisch nach rechts, das heißt vom Betrachter gesehen aus nach links, blickte.[93][94] Im 15. Jahrhundert war der Adler auf dem Wappen der Stadt silberfarben auf schwarzem Hintergrund, im Jahre 1608 wurden die Farben Silber auf Violett erwähnt. Später war es wiederum ein schwarzer Adler auf goldenem Hintergrund. Seit 1771 sind die Farben Silber auf Blau.[95]

    Die bekannteste Darstellung des Wappens befand sich bis 1875 im Torbogen des Mühltores. Sie erlangte vor allem wegen ihrer schlichten Form der Spätgotik Berühmtheit, weil der Adler dem Betrachter den Kopf zuwandte. Wegen dieses ungewöhnlichen Anblicks hielten ihn viele Schweinfurter für eine Eule; ihm widmete Friedrich Rückert in seinem Gedicht Der Besuch in der Stadt einige Verse.[93]

    PartnerstädteBearbeiten

    KulturBearbeiten

     
    Carl Gustav Carus,
    13. Präsident der Leopoldina

    Schweinfurt besitzt ab etwa den 1980er Jahren eine vielfältige herkömmliche wie auch alternative Kulturszene. Die Stadt wurde zudem Produktionsstätte für Kulturschaffende und entwickelte sich ab der Jahrtausendwende zu einem überregionalen Zentrum in der Sparte Tanz.

    StiftungenBearbeiten

    Die Erich-und-Erna-Kronauer-Stiftung ist eine unselbstständige Stiftung mit Sitz in Schweinfurt. Sie wurde 1999 von Erich Kronauer und seiner Frau Erna Kronauer gegründet. Die Stiftung ist eng mit dem Historiker Ernst Nolte verbunden.[96] Die Verleihung des Historikerpreises an den mit geschichtsrevisionistischen Thesen hervortretenden Stefan Scheil (2014), der mittlerweile Vorstandsmitglied ist, führte zu einer öffentlichen Kontroverse, spätestens im Zuge dessen Experten der Stiftung insgesamt eine Nähe zur Neuen Rechten attestierten.

    Preise und AuszeichnungenBearbeiten

    TheaterBearbeiten

       
    Theater der Stadt Schweinfurt
    Kleinkunstbühne Schrotturmkeller

    Museen und GalerienBearbeiten

    Das Museum Georg Schäfer präsentiert die bedeutendste Privatsammlung deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts und die weltweit größte Sammlung von Werken von Carl Spitzweg. Ferner werden Werke von Caspar David Friedrich, Max Liebermann, Ferdinand Georg Waldmüller, Max Slevogt, Wilhelm Leibl und anderen gezeigt.
    Mit der Bibliothek Otto Schäfer. Das Museum enthält rund 1000 illustrierte Drucke, vornehmlich des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter die nahezu vollständige Sammlung von Dürer-Stichen in hoher Qualität. Ein zweiter Sammlungsschwerpunkt sind die Erstausgaben deutscher Literatur von der Reformationszeit bis zum Realismus.
    Sie befindet sich im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad und beherbergt die Sammlung Joseph Hierling zum Expressiven Realismus, eine Sammlung für zeitgenössische Kunst der Stadt Schweinfurt und Wechselausstellungen.
    Am Martin-Luther-Platz sollen mehrere historische Gebäude einschließlich der einstigen Galerie Alte Reichsvogtei zum Kulturforum Martin-Luther-Platz vereinigt werden. Hierin sollen neben dem dort bestehenden und wegen Umbaus geschlossenem Stadtgeschichtlichen Museum auch die derzeit andernorts geöffneten Museen Saazer Heimatmuseum und Museum Otto Schäfer ab 2021 eine neue Heimat finden.
    Geschichtsmuseum, Militärmuseum, Kriegsmuseum und Gedenkstätte im Fichtel-und-Sachs-Bunker von 1941, mit Veranstaltungen.
    Mit grafischen Werken Hundertwassers; die Privatsammlung wird durch Leihgaben aus deutschen und internationalen Galerien ergänzt; ferner Ausstellungsobjekte von Udo Lindenberg.[100]
    Sammlung Graf Luxburg, Kulturgeschichtliche Sammlung zur Entwicklung von Feuererzeugung und Beleuchtung seit der Antike und Ikonensammlung von Fritz Glöckle.[101]
    Vogelsammlung der Brüder Schuler im historischen Gebäude Harmonie am Main.
    Zeitgenössische Kunst mit Wechselausstellungen im Hauptgebäude der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, der Schranne.
    Ehemaliges Wohnhaus und Atelier des Künstlers Gustl Kirchner, mit Kirchner-Ausstellung und Kirchner-Archiv, heute Wohnort und Atelier des Bildhauers Norbert Kleinlein und seiner Frau Heike, einer Keramikerin.[102]
    Sachs-Ausstellung der ZF Friedrichshafen AG zur Industriegeschichte der Fichtel & Sachs AG, mit den drei Abteilungen Unternehmensgeschichte, Technische Highlights, Marketing und Motorsport,[103] u. a. mit einem Prototyp für eine Automobilfertigung in Schweinfurt, die von der Firmenleitung verworfen wurde.[104]
    In der historischen Spinnmühle am Main, mit Exponaten der Schweinfurter Industriegeschichte, insbesondere der Wälzlager-Industrie.[105]
    Das Museum in einem von der Stiftung Saazer Heimatmuseum erworbenen Bürgerhaus in der Oberen Straße 8 zeigt eine Ausstellung zum Leben in Saaz (Žatec) bis 1945, der Vertreibung der Sudetendeutschen und der Aufnahme von über 28.000 Vertriebenen und Flüchtlingen in Schweinfurt.[106]

    MusikBearbeiten

    1988 trat die Band Kiss im Rahmen des Monsters of Rock '88 Festivals in Schweinfurt vor 25.000 Besuchern auf den Mainwiesen auf.[107] Nach dem Konzert kam es bis zum nächsten Tag durch 2.000 Besucher zu Ausschreitungen und Legung von Bränden in der Innenstadt.

    Der Stattbahnhof ist ein Zentrum für Konzerte, Comedy und vieles mehr. Der Name wurde vom heute noch betriebenen Stadtbahnhof abgeleitet (...statt eines Bahnhofs), in dessen einstiger, historischer Schalterhalle und den Nebenräumen das Kulturzentrum beheimatet ist. In der Zeitschrift Visions wurde der Stattbahnhof zu den Besten 50 Adressen der deutschen Clubszene gewählt. Bekannte Namen gastierten hier, wie Marla Glen oder Ten Years After.[108]

    Tonquadrat ist eine Plattform für Elektronische Musik.[109]

       
    Stattbahnhof
    Kromlek auf einem Festival

    Seit den 1980er Jahren gibt und gab es mehrere Bands aus Schweinfurt, die Alben in den Musikrichtungen Rock, Metal und Punk auf den Markt brachten. The Ghost Rockets (kurz TGR) ist eine Rock-Band, die die Alben The Ghost Rockets (2009) und Goodbye Utopia (2014) herausbrachten. Hatred (engl.: Der Hass) ist eine Power- und Thrash-Metal-Band, die die Alben Soulless (2004), Madhouse Symphonies (2008), Destruction Manual (2010) und War of Words (2015) herausbrachten und es in die Enzypedia des Rock Hard Magazins schaffte. Vendetta ist eine Thrash-Metal-Band. Sie brachte die Alben Go and Live… Stay and Die (1987), Brain Damage (1988), Hate (2007) und Feed the Extermination (2011) heraus.

    Kromlek war eine 2004 gegründete und 2012 aufgelöste Metal-Band mit antichrislicher Symbolik. 2005 fand ihr erster größerer Auftritt auf dem Newcomer Festival in Schweinfurt statt, das sie gewannen, unter anderem spielten sie auf dem Ragnarök-Festival 2007. Sie brachten zwei Studioalben heraus, Strange Rumours… Distant Tremors (2007) und Finis Terrae (2011). Tagtraum ging aus der Punk-Band Untergang hervor, wurde 1992 gegründet und beschloss 2006 ihre Trennung. Die Bandmitglieder spielen weiterhin in anderen Formationen, Jörg Holdinghausen u. a. bei Wir sind Helden. Tagtraum brachte die Alben Trotz & Träume (1997), Feuer gratis (1998), Seelenpuzzle (1999), Augen auf und durch (2001) und Komm lass es echt sein (2003) heraus. 2019 wurde die Indie-Rockband Sondermarke mit acht Bandmitgliedern gegründet, mit dem einstigen Gitarristen von Tagtraum Bernhard Wegner-Schmidt.[110]

    TanzBearbeiten

       
    DDC mit Breakdance in Lederhosen
    DDC auf Tournee

    Die Schweinfurter Dancefloor Destruction Crew (DDC), die 1999 gegründet wurde und heute überwiegend aus hauptberuflichen Tänzern besteht, gehört zu den besten Breakdance-Gruppen der Welt. 2012 gewann DDC das Triple, den TAF Deutschen Breakdance Meistertitel, den IDO Europameistertitel und zum zweiten Mal den IDO Weltmeistertitel. 2013 verband DDC mit dem Berliner Regisseur und Echo-Preisträger Christoph Hagel klassische Musik mit Breakdance in ihrem Theaterstück Breakin' Mozart, das seitdem über 190 Mal im Berliner Wintergarten Varieté sowie in vielen anderen Städten aufgeführt wurde. Die Firma DDC Entertainment UG & Co. KG wurde gegründet, mit den vier Sparten DDC Breakdance – DDC Produktion – DDC Workshops – DDC Agentur. Mit der Show Breakdance in Lederhosen wurde 2014 der Gedanke des Crossover endgültig als Markenzeichen der DDC etabliert. 2015 folgte der internationale Durchbruch. DDC vertrat Deutschland im 15. Wuqiao International Circus Festival in China und erhielt einen Special Price for Excellent Performance. Ihr Kopfstandbild auf der Chinesischen Mauer ging durch die Medien.

    2006 wurde die Dance Academy Schweinfurt gegründet – eine Akademie für Hobbytänzer und für Berufsausbildungen zum Tänzer, Tanzpädagogen und DTHO-Hip-Hop-Tanzlehrer.[111]

    Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

    Der Raum Schweinfurt ist bekannt für seine sehr hohe Dichte an Festen, was auf mehreren Umständen beruht. Die spezielle, örtliche, fränkische Lebensart, in der Freizeit einen hohen Stellenwert besitzt, wird von der Weinregion geprägt, nahe am Überlappungsgebiet von Weinfranken mit Bierfranken. Das Schweinfurter Land ist Zentrum fränkischer Tracht und Brauchtums (siehe: Dialekt und ethnische Prägung). Es gibt unzählige traditionelle Kirchweihen (Kerm) und Weinfeste. Dazu kamen, wie anderswo, zahlreiche neuere Feste, so dass an manchen Wochenenden vom Mai bis Oktober in Stadt und nahem Umland mehrere Kirchweihen und Feste gleichzeitig stattfinden.

    Messe

    Die ufra (Unterfrankenschau), eine Regionalmesse für Verbraucher, findet alle zwei Jahre (in den geraden Jahren) im Oktober auf dem Volksfestplatz am Willy-Sachs-Stadion statt. Mit über 400 Ausstellern und 70.000 Besuchern in 22 Hallen gehört sie zu den größeren Regionalmessen Frankens.

    Festivals

    Das Honky Tonk in Schweinfurt ist die Mutter aller Kneipenfestivals, das hier 1993 erfunden wurde. Zum jährlich wiederkehrenden, eintägigen Honky Tonk Festival kamen schon bis zu 22.000 Besucher in derzeit über 40 Altstadtkneipen und Bühnen, mit Bands und Künstlern verschiedenster Musikrichtungen. Mittlerweile findet das Festival in über 50 Städten in vier Ländern statt und wird in sehr vielen anderen Städten unter anderem Namen kopiert, jedoch nahezu überall in kleinerer Form als in Schweinfurt. Der Name wurde von den Livemusik-Kneipen Honky-Tonk im Süden und Südosten der USA entlehnt. Das Musikfestival Nachsommer Schweinfurt findet alljährlich drei Wochen im September mit internationaler Besetzung statt. Bekannte Namen, wie Malia, gastierten bereits in der SKF Halle 411, mit großer Bühne und Tribüne mit 600 Sitzplätzen.[112] Das Internationale Varietéfestival, Europas größtes Varietéfestival, findet etwa alle drei Jahre am Sennfelder See, knapp hinter der Stadtgrenze statt; das nächste Mal im Mai 2018. Für das Festival wird immer ein großes Zelt aufgebaut.[113]

    Kirchweihen

    Charakteristisch für Schweinfurt sind die zahlreichen Stadtteilkirchweihen, die die Bürgervereine des jeweiligen Stadtteils austragen. Hervorzuheben sind die über 300 Jahre alte Zürcher Kirchweih, älteste Unterfrankens, im Juni, im einstigen Burgenquartier Zürch. Die ebenfalls traditionelle Höllen-Kirchweih des Bürgervereins Altstadt, im Höllental, Mitte Juli.[114] Die Johannis-Kirchweih, der ältesten Kirche der Stadt St Johannis, am Wochenende um den Johannistag (24. Juni) auf dem historischen Martin-Luther-Platz. Die Deutschhof-Kirchweih, Anfang Juli, wurde vor einigen Jahren vom Deutschhöfer Marktplatz in den Wildpark an den Eichen verlegt. Die beiden größeren traditionellen Feste der Schweinfurter liegen außerhalb der engen politischen Stadtgrenzen. Die zeitgleich um den ersten Sonntag im September stattfindenden Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste (Kirchweihen) in den ehemals kaiserlich unmittelbaren und freien Reichsdörfern Sennfeld und Gochsheim. Auch hier in der typisch fränkischen Kombination: die nähere Sennfelder Kirchweih hat Bier- und die Gochsheimer Kirchweih Weinausschank – für eine mögliche erste und zweite Festrunde.

    Weitere Veranstaltungen im Jahreslauf

     
    Schweinfurter Weihnachtsmarkt

    Die drei Schweinfurter Faschingsgesellschaften ESKAGE, Schwarze Elf und Antöner Narrenelf präsentieren Sitzungsabende. Am Faschingsdienstag führt der traditionelle Faschingsumzug der ESKAGE durch die Innenstadt, mit jährlich etwa 25.000 Besuchern. Im April findet das erste Fest im Freien statt, der Vogelschuss, ein kleines Volksfest einer Schützengesellschaft. Im Mai lädt Schweinfurt@night zu einer langen Einkaufs- und Kulturnacht. Das Walpurgisgericht am Fronleichnam ist ein mittelalterliches Fest mit Handwerkermarkt im Friedrich-Pfister-Park in Oberndorf. Am Freitag nach Fronleichnam startet für elf Tage das Schweinfurter Volksfest, eines der größten seiner Art in Franken.[115] Im Mai findet das Frühlings- und im Juli das Sommerweinfest des Weingut Dahms auf der sonst nicht zugänglichen Peterstirn statt. Mit Plätzen im Hof und mitten im Weinberg, mit Blick ins Maintal, gilt es als eines der schönsten Weinfeste Frankens. Ende August präsentiert an zwei Tagen das Schweinfurter Stadtfest auf mehreren Plätzen der Schweinfurter Altstadt Genuss und Lebensqualität der Region. Das Mittelalterfest wurde bisher seit 2007 alle 3 Jahre im September in den Wallanlagen Am Unteren und Oberen Wall an der Stadtmauer abgehalten. Beim eintägigen Straßenmusikfestival Pflasterklang im September treten an rund 20 Orten der Altstadt Musiker aller Stilrichtungen, Jongleure, Zauberer und Straßenmaler auf. Über drei Wochen im September lädt der Nachsommer Schweinfurt in die SKF-Halle 411 (siehe: Festivals). Die Nacht der Kultur lädt im Oktober zu Musik, Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett und Kurzfilmen an viele bekannte und unbekannte Kulturorte rund um den Marktplatz. Der Schweinfurter Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz beschränkt sich auf Kunsthandwerk und Weihnachtsschmuck und gehört deshalb zu den stilvollsten seiner Art. Traditionell kommt alljährlich das Nürnberger Christkind zu seiner ersten Auswärtsvisite auf den Weihnachtsmarkt, mit seinem Prolog vom Rathausbalkon.[115] Zwischen Weihnachten und Dreikönigstag steht das Schweinfurter Winterdorf auf dem Marktplatz.[116]

    Kulinarische SpezialitätenBearbeiten

    Die kulinarischen Spezialitäten Schweinfurts sind eng mit den zahlreichen Festen in der Stadt und in den umgebenden Dörfern verbunden. Diese sind mit ihren fruchtbaren Böden, mit vielfältigen Erzeugnissen, ein Zentrum fränkischen Brauchtums.

    Schweinfurter Schlachtschüssel

     
    Schlachtschüssel-Gedeck mit Kren (Meerrettich), Salz, Pfeffer und Brot

    Die Original Schweinfurter Schlachtschüssel ist ein Gericht, das der Schweinfurter Metzgerwirt Georg Josua Schwanhäusser im Gasthof Goldener Stern in der Oberen Gasse 36 im Jahre 1856 seinen Gästen erstmals servierte. Die Schlachtplatte, fränkisch Schlachtschüssel, findet sich auf keiner Speisekarte und ist kein übliches Essen, sondern eher ein Fest in geselliger Runde, über mehrere Stunden, für einen größeren Personenkreis. Der Ablauf erfolgt nach einem genau überlieferten Zeremoniell, einschließlich traditioneller Belustigungen. Manchmal auch mit Musikbegleitung und Gesang. Die Schlachtschüssel wird ausschließlich in Wirtshäusern in und um Schweinfurt angeboten. Mit der wichtigsten Besonderheit, dass das Kesselfleisch auf bis zu fünf Meter langen Holzbrettern serviert wird, von denen auch gegessen wird, an Stelle von Tellern. Dazu gibt es nur Brot, Kren (fränkisch für Meerrettich) und Sauerkraut. Getrunken wird dazu meist Frankenwein, Weinschorle oder Most.

    Weitere meist saisonale Spezialitäten

     
    Gärtnerdorf Sennfeld, nur 2 km östlich des Schweinfurter Marktplatzes

    Schnickerli (Rinderpansen, der Vormagen des Rinds) ist ein weiteres, typisches Schweinfurter Gericht. Prägend für die örtlichen Spezialitäten sind viele Direktvermarkter vor den Toren der Stadt, die nahezu täglich in die Stadt auf den Markt und auf Wunsch vor die Haustüre liefern und ein Essen am Tag der Ernte ermöglichen.[117] Hervorzuheben sind hier die beiden benachbarten Gärtnerdörfer Gochsheim und das unmittelbar am Stadtrand, auf einer Sandbank am Main liegende Sennfeld, dessen Spargelfelder und weiteren Sonderkulturen bereits einen Kilometer südöstlich vom Schweinfurter Marktplatz beginnen. Saisonaler Höhepunkt ist zudem der Herbst. Mit warmen Zwiebelplootz (Zwiebelkuchen) mit Federweißer, insbesondere zu den Erntedankfesten in Sennfeld und Gochsheim. Plootz ist ein Käsekuchen vom Blech, bevorzugt bei den Kirchweihen im Herbst. Zu dieser Zeit sind auch die Heckenwirtschaften der Winzer und Weingüter geöffnet.[118] Die Meefischli (Mainfische), winzige Weißfischedie dreimal schwimmen, im Main, im Fett und dann im Wein“, werden wie andere Fische traditionell nur in den Monaten mit dem Buchstaben r, also von September bis April verzehrt. Blaue Zipfel sind saure Bratwürste im Zwiebelsud, die vor allem im Winter, auch am Heilig Abend, gegessen werden. Die Slow Food-Region Schweinfurt namens Fränkisches Weinland Nord liegt in die Mitte der Slow Food-Regionalgruppe Mainfranken-Hohenlohe, bis 2012 die mit Abstand größte und heute (2018) mit 850 Mitgliedern nach München zweitgrößte Deutschlands.[119] Eine Art Schweinfurter Alternative zu Salzburger Mozartkugeln ist das Süße Kugellager, hergestellt von Konditoreien aus der Kugellagerstadt. Hochwertige Vollmilch- oder Bitterschokolade aus reiner Kakaobutter wird mit einer abgestimmten Nougatcreme gefüllt. Die süßen Kugellager sind etwa 2,5 cm dick und haben einen Durchmesser von 6 cm.[120]

    Siehe auch: Weinbau

    NachtlebenBearbeiten

    Kneipen

    Die Region Schweinfurt/Main-Rhön, am Überlappungsgebiet Weinfrankens mit Bierfranken, gehört zu den Gegenden mit der höchsten Kneipendichte Deutschlands.[121]

       
    Alte Kneipenmeile Bauerngasse
    während der Sanierung 2018
    Weinstube s' Türmle, Am Unteren Wall

    Die Kneipenszene ist, ähnlich wie der Einzelhandel, einem für die Stadt typischen, häufigeren Wechsel unterworfen. Auch bedingt durch die Struktur der Schweinfurter Altstadt, mit einer Vielzahl von Plätzen und Gassen. Die Entwicklung ist untrennbar mit der Stadtsanierung verknüpft. Weshalb in neuerer Zeit, auch aufgrund der guten örtlichen wirtschaftlichen Situation, um Rathaus und Museum Georg Schäfer eine hohe Kneipendichte entstand, u. a. mit qualitativ höherwertigen Cafés, Restaurants und Bars. Nach der Sanierung des Fichtelsgartens entwickelte sich 2017 ein weiterer Schwerpunkt um das Obertor, am Nordende der Altstadt. Die Kneipenmeile auf der Nordseite des mittleren Bereichs der Niederwerrner Straße verschwand nahezu, was das Nachtleben betrifft, in Folge der Auflösung der US-Garnison Schweinfurt im Jahre 2014.

    In den 1990er Jahren war die Blütezeit der langen Kneipenmeile in der nördlichen Altstadt: Obere Straße–Kornmarkt–Bauerngasse–Zeughaus, mit im Kern über 100 Jahre alten Wirtshäusern. Ab 1989 wurden hier die Schweinfurter Bluestage abgehalten. Daraus ging die örtliche Blues Agency hervor, die hier das Honky Tonk erfand (siehe: Regelmäßige Veranstaltungen). Da dieses Altstadtquartier derzeit (2019) saniert wird, mit der Beseitigung von Leerständen,[122] erwartet man wieder neue Impulse.

    Kinos

    Wie anderswo gab es auch in Schweinfurt seit der Nachkriegszeit zahlreiche Schließungen von Filmtheatern. Die Zahl der Kinosäle erhöhte sich trotzdem durch Konzentration auf wenige Orte. So besitzt die Stadt heute mit 14 Kinosälen eine relativ hohe Zahl an Leinwänden, davon 12 am östlichen Rand der Altstadt, während es beispielsweise im benachbarten Würzburg zeitweise keinen einzigen Kinosaal in der Altstadt gab. Das KuK (Kino und Kneipe) im Musikerviertel ging aus dem alten CC Filmtheater und dem CC Tanzcafé aus den 1950er Jahren hervor. Das Programmkino mit zwei Sälen wurde mehrfach ausgezeichnet.[123] Auf dem alten Dielenparkett des einstigen Tanzcafés wird einmal im Monat beim La Milonga del KuK Tango getanzt. Auch das Cinema am Markt aus den 1970er Jahren verband in der ersten Renaissance der Kinos einst Kino mit Kneipe, ersteres schloss, die Musikkneipe behielt den Namen. Das Weltbio Kino-Center aus den 1950er Jahren, das später zum Schachtelkino umgebaut wurde, besitzt fünf Säle. Unweit davon eröffnete 2009 die Filmwelt Schweinfurt, ein Multiplex-Kino in 3-D, mit Bar, mit sieben Sälen und insgesamt 1010 Sitzplätzen,[124] wo auch Konzerte und Events live übertragen werden

    Diskotheken

       
    Ehemalige amerikanische, danach kürzere Zeit russische Diskothek Megadrom, heute Club 360 Grad...
    ...und die benachbarte Rockfabrik

    Die örtliche Diskothekenszene entspricht nach wie vor in Teilen dem Ruf der Stadt als heißes Pflaster, hat sich jedoch stark verändert. In den letzten beiden Jahrzehnten vor dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte im Jahre 2014 war Schweinfurt sehr multikulturell geprägt, auch bedingt durch den starken Wandel der US-Gemeinde (siehe: Moderne: Amerikaner in Schweinfurt, Sozialer Wandel). Die Diskothekenszene unterschied sich deshalb von den meisten anderen deutschen Städten. Die 90 m lange Großdiskothek Megadrom am Hainig, die 2012 in Folge Brandstiftung abbrannte,[125] zog als selbsternannter Hottest Hip-Hop-Club of Germany samstagabends ein afroamerikanisches und deutsch-amerikanisches Publikum aus halb Deutschland an den zentral gelegenen Ort.[126] In der Diskothek herrschte Endzeit-Atmosphäre und nach Schießereien mit Gaspistolen wurde Waffenkontrolle am Eingang eingeführt. Heute besteht die Diskothek in verkleinerter Form als Club 360 Grad, neben einer neuen Bowlingarena mit 18 Bahnen und Indoor-Minigolf.[126] Im einstigen Mad in Oberndorf, mit damals ähnlichem Publikum, gastierte Ende der 1990er Jahre zweimal VIVA Club Rotation, moderiert von Daisy Dee. Die in Club Diamond umbenannte Großdiskothek mit zwei Floors wurde nach dem Abzug der Amerikaner, wie zuvor schon das Megadrom,[126] zu einer deutsch-russischen Diskothek. Die neben dem Club 360 Grad liegende Rockfabrik, ebenfalls mit zwei Floors, hat sich seit Beginn der Ära von Techno und Großdiskotheken Anfang der 1990er Jahre bis heute unverändert gehalten. Die als Eastside bekannte Diskothek an der Ludwigsbrücke, später für kürzere Zeit W3, eröffnete 2017 neu als Pure Club & Lounge,[127] mit diversen Musikrichtungen und Parties. Der einstige Suzie Club im Hafen-Ost mit kleinem Dancefloor und großer Bar hatte strenge Zutrittskontrolle, verstand sich als Edeldiskothek und wird heute auf andere Art als Tante Suzie geführt.

    Rotlichtszene

    Das Rotlichtmilieu liegt im üblichen Bereich eines Oberzentrums mit entsprechendem Umland. Da die Stadt keinen Sperrbezirk auswies, kam es zu keiner Konzentration von Rotlichtbetrieben und es entstand in Folge kein Rotlichtbezirk. Lediglich an der Mainlände gab es von der Stadt ausgewiesene Öffentliche Prostitution, die wegen der Nähe zur Anlegestelle für Flusskreuzfahrtschiffe 2009 aufgelöst wurde. Als Ersatz war die Franz-Schubert-Straße im Nordwestlichen Stadtteil von der Stadt vorgesehen, was am Widerspruch der örtlichen Bevölkerung scheiterte. Es gibt nur kleinere Nachtclubs und Etablissements, die über das Stadtgebiet verteilt sind, mit Ausnahme von Wohngebieten, wo sie auf Grund der baulichen Nutzung unzulässig sind. Die Sicherheitslage im Rotlichtbereich sei „als gut einzustufen“.[128]

    WirtschaftBearbeiten

    ÜbersichtBearbeiten

    Eckdaten

    Schweinfurt ist heute wichtigster großindustrieller Standort Nordbayerns und besitzt das dritthöchste Bruttoinlandsprodukt (2018) und mit 76,2 % (2017) die zweithöchste Einpendlerquote Deutschlands.[129] Die Stadt hatte 2017 insgesamt 52.898 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon 26.823 im produzierenden Gewerbe, 8.311 im Handel, Verkehr und Gastgewerbe und ca. 17.750 im Dienstleistungssektor.[130] Das verfügbare Einkommen ist aufgrund des moderaten, örtlichen Preisniveaus hoch;[131] deutlich höher als beispielsweise in München[132] und anderen Ballungsräumen, wo sehr hohen Mieten zum Standortnachteil wurden.[133][134]

    Siehe auch: Artikel-Einleitung

    Wirtschaftliche Entwicklung

    Schweinfurt ist seit den 1930er Jahren das europäische Zentrum der Wälzlagerindustrie. Die Krise in dieser Branche traf die Stadt zunächst in den 1970er Jahren und im hohen Maße um 1992, als die innerstädtische Arbeitslosenquote fast 20 % erreichte. Seitdem vollzog sich ein Wandel, weg von billiger Massenproduktion, hin zur Hightechprodukten mit Sensorentechnologie oder Wälzlagern für Bergbau, Schiffbau, Luft- und Raumfahrt, Großlagern für Windkraftanlagen und riesigen Spezialanfertigungen, wie dem Pendelrollenlager fürs London Eye von FAG Kugelfischer.[135] SKF eröffnete 2017 das leistungsfähigste Großlager-Prüfzentrum der Welt.[136] Im Schweinfurter Werk von Schaeffler, dem Sitz der Sparte Industrie und Zentrum der Mechatronik, werden der Prozess Industrie 4.0 und zudem eine digitale Lernfabrik angesiedelt.[137]

    Durch den seit 2017 im Aufbau befindlichen i-Campus Schweinfurt soll die Zusammenarbeit von Industrie und Hochschule intensiviert werden, u. a. mit dem bundesweit ersten Studiengang Roboting. Zudem kamen andere Branchen in die Stadt, wie Lineartechnik und Medizintechnik, mit der weltweit größten Produktion von Dialysegeräten.

    Die Krise in Folge der Globalisierung wurde dadurch erfolgreich überwunden, ohne eine einzige Werksschließung, im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Industriestandorten. Die überregionalen Medien berichteten ausführlich über die große Krise um 1992, aber nicht über den nachfolgenden Wandel zur neuerlichen Industriemetropole, was deshalb in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird, außer in Mainfranken („Phönix aus der Asche“).[129] Gegen Ende der 2010er Jahre wurde Schaeffler in Schweinfurt zum Zugpferd des Konzerns gegen den weltweit aufkommenden Abschwung.[138]

    Siehe auch: Schweinfurter Industriegeschichte

    Prognose

    Schaeffler-Betriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard:

    „Noch werde viel Geld verdient mit dem klassischen Autoteile- und Industriegeschäft. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern liege im Industriesektor (Standort Schweinfurt) bei zehn Prozent. Mit "alten Produkten" für den Verbrennungsmotor werde noch bis etwa 2030 gutes Geld verdient, das sei auch nötig für die Entwicklung von innovativen Produkten der Zukunft. Die wolle Schaeffler nicht über Kredite, sondern aus Erträgen finanzieren [...] Das Wälzlager wird bleiben, es gibt keine technische Lösung, die es überflüssig macht [...] Wer es aber besser mache, langlebiger, etwa auch mit digitaler Verschleißprognose, könne damit weiter Geld verdienen. Lager oder Wankstabilisatoren, ausgestattet mit Sensoren, die ankündigen, dass ein Verschleißteil ausgewechselt werden muss - daraus könnte ein Geschäftsmodell werden. Produkt- und Prozessoptimierung mit digitalen Lösungen.“[139]

    IndustrieBearbeiten

     
    ZF Sachs, Firmenname 2001–2011, vor Verschmelzung beider Konzerne

    InformationstechnologieBearbeiten

    Die GPSoverIP GmbH ging 2003 aus einem 1996 gegründeten Schweinfurter IT-Haus hervor. Sie entwickelte das neue Verfahren GPSoverIP zur Positionsübermittlung von Geokoordinaten. Es wird u. a. in der Logistik-Branche bei LKWs und bei Formel 1-Rennwagen angewendet. Die GPSoverIP GmbH arbeitet im Auftrag von namhaften deutschen Unternehmen, wie Audi und BMW. Zudem besteht seit 2008 eine enge Zusammenarbeit mit dem ADAC.[143]

    Finanzen und DienstleistungenBearbeiten

    Finanzdienstleistungen

    Schweinfurt ist Hauptsitz von drei Finanzdienstleistern. Das Bankhaus Max Flessa (Kurzbezeichnung: Flessabank) ist eine private Universalbank mit Niederlassungen in drei Bundesländern. Die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge ist ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut. Die SKD BKK ist eine offene Betriebskrankenkasse für die zehn westdeutschen Bundesländer und Berlin. Alle drei Finanzdienstleister haben ihren Sitz in der westlichen Innenstadt.

    Weitere Dienstleistungen

    Die Deutsche Telekom und die Unicredit betreiben jeweils ein Callcenter im Gewerbepark Maintal. Die DB FuhrparkService ist mit zwei ihrer insgesamt fünf deutschen DB Autohäusern in Schweinfurt ansässig, aufgrund der zentralen Lage der Stadt. Die Firma dronesecure betreibt die erste und bisher (2019) einzige Drohnenschule Deutschlands. Als Übungsplatz dienen das Freigelände und die einstigen Tennishallen einer ehemaligen Freizeitanlage am Sennfelder See.[144]

    Bau- und ImmobilienwirtschaftBearbeiten

    Schweinfurt ist das Zentrum der Bau- und Immobilienwirtschaft in Mainfranken. Die Firmengruppe Riedel Bau mit einem Umsatz von 191 Mio. Euro (2017)[145] und ca. 430. Mitarbeitern agiert bundesweit, Projektentwicklung und Realisierung von Bauträgerprojekten haben hingegen ihren Schwerpunkt in Mainfranken.[146] Im Gegensatz zu Schweinfurt nimmt Riedel Bau in der Nachbarstadt Würzburg, mangels örtlicher Konkurrenz, eine dominante Stellung ein. Die Unternehmensgruppe Glöckle mit einem Umsatz von ca. 120  Mio. Euro[147] und ca. 420. Mitarbeitern agiert in selber Weise wie Riedel Bau, zudem auch im Tiefbau.[148] Bei größeren Projekten unter Federführung der Stadt Schweinfurt treten nahezu immer beide Firmen wegen Wahrung des Proporzes als Arbeitsgemeinschaft auf, obwohl es aufgrund des beiderseitigen Potenzials nicht nötig wäre.

    Der Immobilienmarkt entdeckte die hohe Standortqualität Schweinfurts, mit der Kombination hoher Wirtschaftskraft, zentraler und naturnaher Lage (siehe: Geographie) und sehr hoher Lebensqualität der Region (siehe: Kulturelle Prägung). Immobilienpreise stiegen und Wohnungsmieten explodierten in der Relation wie nirgendwo anders in Deutschland, ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. 2014 lag die reale Kaltmiete im Stadtdurchschnitt nur 5 Cent über dem Wert des von starker Abwanderung geprägten Suhls im Thüringer Wald.[149] Sie lag in Schweinfurt bei lediglich 5,81 €/m²[150] und stieg bis April 2019 um 57,3 % auf 9,14 €/m².[150] Während sie im gleichen Zeitraum in Würzburg um nur 9,0 % von 9,55 €/m² auf 10,41 €/m²,[151] in Berlin um nur 12,9 % von 10,47 €/m² auf 11,82 €/m²[152] und in München um 23,9 % von 15,69 €/m² auf 19,44 €/m² stieg.[153] In diesem Zeitraum überholte bei der Höhe der realen Kaltmieten Schweinfurt die fränkische Universitätsstadt Bayreuth[154] und die ostdeutschen Boomstädte Jena und Leipzig.[155][156] Die Nachverdichtung Schweinfurts ist deshalb derzeit (2019) im vollen Gange.

    Trotz allem befinden sich die örtlichen Mieten für bayerische Verhältnisse noch auf moderatem Niveau. Sie liegen derzeit (2019) etwas unter den Mieten der wirtschaftlich schwächeren Nachbarstädte Bamberg und Aschaffenburg,[157][158] wobei sich hier auch die größere Entfernung Schweinfurts zu den großen Ballungsräumen preismindernd auswirkt.

    MedienBearbeiten

    Printmedien

    Die beiden Tageszeitungen Schweinfurter Tagblatt und Volkszeitung (Schweinfurt) gehören zur Würzburger Mediengruppe Main-Post, die im Bereich der Printmedien eine Monopolstellung in Mainfranken besitzt. Die einst zu Holtzbrinck gehörende Mediengruppe wurde 2010 von der Mediengruppe Pressedruck in Augsburg übernommen, zu der die Augsburger Allgemeine gehört.[159] Der Lokalteil beider Schweinfurter Zeitungen ist weitgehend identisch, vereinzelt zeigen Kommentare unterschiedliche Positionen auf. Wöchentlich werden kostenlos der Schweinfurter markt und main Sonntag verteilt. Auch diese Zeitungen gehören zur Mediengruppe Main-Post. Mittwochs und sonntags erscheinen zusätzlich die Anzeigenblätter Schweinfurter Anzeiger und Sonntagsanzeiger vom Schweinfurter SAZ-Verlag. Zweimal pro Jahr (Mai und November) erscheint für die Studenten der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt die hochschuleigene Zeitschrift BLICK, die vor allem über Themen aus der Forschung informiert.

    Online-Zeitungen

     
    Blaues Hochhaus mit Sendeantenne von Radio Primaton

    Die Mediengruppe Main-Post, mit dem Schweinfurter Tagblatt, hat eine Online-Ausgabe. Im Jahr 2000 wurde die erste journalistisch produzierte und unabhängige Schweinfurter Onlinezeitung swex.de gegründet und 2014 wieder eingestellt.[160] Aktuelle Online-Zeitungen sind Schweinfurt City/swity.de, deren Artikel das Nachrichtenmagazin Focus in seiner bayerischen Online-Ausgabe ungeprüft übernimmt, SW1.News, vormals in-und-um-schweinfurt.de und inFranken.de mit einer Schweinfurter Ausgabe.

    Rundfunk

    1991 nahm Radio Primaton als privater Hörfunksender sein Programm auf, mit dem Schwerpunkt auf aktueller Chartmusik und Klassikern der internationalen Rock- und Popgeschichte. Der amerikanische Militärsender American Forces Network (AFN) betrieb in der Stadt bis zur Auflösung der U.S. Army Garrison Schweinfurt im Jahr 2014 ein Studio und eine Sendeanlage auf der UKW-Frequenz 87,7 MHz. Nach Freiwerden dieser Frequenz und Dank DAB+ wurde 2017 der private Hörfunksender Radio Hashtag+ gegründet, mit der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen und meist aktuellen Chart-Hits.[161][162] Der Bayerische Rundfunk unterhält ein Korrespondentenbüro in Schweinfurt und produziert für BR-Hörfunkprogramme Beiträge aus der Region Main-Rhön.

    Fernsehen

    Schweinfurt gehörte zu den Vorreitern des Kabelfernsehens. In den 1970er Jahren wurde auf dem 25 geschossigen Blauen Hochhaus (siehe rechts) nahe dem Deutschhof eine Antennenanlage errichtet, zunächst für diesen Stadtteil, dann für weitere Gebiete. Um 1980 wurde die Anlage durch eine modernere, größere Station am Fuße des Hochhauses ersetzt. RTL konnte so bereits in Schweinfurt empfangen werden, als der TV-Sender noch in Luxemburg ansässig war, nur mit deutschsprachigen Programm für Rheinland-Pfalz. Ende der 1980er Jahre startete der Schweinfurter Fernsehpionier Johannes Bloching einen Versuch mit einem lokalen Programm rtu-Teleschau, als Partner der örtlichen Mediengruppe Main-Post, die sich dann zurückzog. 1990 begann Bloching mit TV 1, donnerstags mit einem Programm für Schweinfurt und die Region. 2011 wurde der Betrieb in Folge der lokalen Übermacht von TV touring Schweinfurt eingestellt, nachdem zwei lokale TV-Sender in Stadt und Region 21 Jahre parallel liefen, was in Bayern einmalig war. Aufnahmestudio und TV-Produktion von TV 1 bleiben erhalten.[163] TV touring Schweinfurt sendete seit 1990 für Schweinfurt und die Region Main-Rhön ein tägliches Live-Programm von 17 bis 18 Uhr, das danach alle drei Stunden wiederholt wurde. Seit 2017 heißt der Sender TV Mainfranken, nach wie vor mit getrennten Programmen für Schweinfurt und Würzburg, einschließlich ihrer Regionen.

    Webradio- und Internetfernsehen

    Radio Hashtag+ und TV Mainfranken sind auch über das Internet empfangbar. Zudem gibt es das spezielle Internetfernsehen SW-N.TV, mit Beiträgen ausschließlich aus dem Stadtgebiet.

    Tourismus und KonferenzenBearbeiten

     
    Bad Kissingen bietet Entlastung bei zu geringen Schweinfurter Hotel-kapazitäten bei großen Konferenzen

    Einen starken Zuwachs gab es in der Stadt 2015 bei den Übernachtungen, mit 215.181 (2014: 181.555)[164] und den Gästeankünften mit 119.540 (2014: 103.301).[164] Auch die Zahl der Beherbergungsbetriebe stieg auf 24 (2014: 21). Die Zahl der Übernachtungen erhöhte sich 2016 weiter auf 226.000.[165] Unter den Touristen finden sich insbesondere Geschäftsreisende, Teilnehmer an Konferenzen, Radtouristen auf dem vielbefahrenen Main-Radweg, Museums-Touristen und Urlauber auf dem Weg in den Süden über die Skandinavienautobahn A 7. Auf dieser wird nach der geplanten Fertigstellung des Fehmarnbelttunnels 2024 ein starker Zuwachs von Fernreisenden erwartet. Wegen der vermuteten, nahezu kompletten Verlagerung des Skandinavien-Transitverkehrs, weg von den Ostsee-Fähren und Ostdeutschland auf die A 7.

    Schweinfurt liegt in einer Tourismus-Region. Unweit nördlich vom Landkreis Schweinfurt liegt das bayerische Staatsbad Bad Kissingen, unweit südlich die Volkacher Mainschleife. Zusammen kommt diese Region auf über 2 Millionen jährliche Übernachtungen und über 200 Beherbergungsbetriebe mit etwa 10.000 Gästebetten.[166][167] Bei größeren Konferenzen in Schweinfurt wird deshalb bei Übernachtungen auf das große Ausweichpotenzial im 24 km entfernten Bad Kissingen zurückgegriffen.

     
    Konferenzzentrum Maininsel (KMI) auf der Maininsel Bleichrasen

    2004 wurde das Konferenzzentrum Maininsel (KMI) auf der Maininsel Bleichrasen eröffnet. Es bietet Platz für 960 bzw. ca. 400 Teilnehmer (Stuhlreihen/Parlament) und bildet eine Einheit mit einem Hotel.

    EinzelhandelBearbeiten

    Das Einzelhandels-Gesamteinzugsgebiet Schweinfurts beträgt ca. 787.000 Einwohner,[168] die Stadt ist für die knapp eine Million Einwohner Mainfrankens in maximal einer Stunde gut erreichbar.[169] Schweinfurt besitzt deshalb eine extrem hohe Einzelhandelszentralität von 219,5 Punkten (2018) und liegt damit noch über dem benachbarten Würzburg mit 185,7 Punkten.[170][171] Die Verkaufsfläche Schweinfurts beträgt 237.600 m² (2016). Davon entfallen 70.200 m² auf die Innenstadt, wo sich auch das größte innerstädtische Warenhaus Unterfrankens befindet, eine Filiale der Galeria Kaufhof mit rund 10.000 m² Verkaufsfläche[172] und das 1973 eröffnete Rückert-Centrum, mit 21.000 m².[173] Die Verkaufsflächendichte liegt bei hohen 4.500 m² pro 1.000 Einwohner (2016).[174] Der Umsatz stieg ständig an, von 526 Millionen Euro (2014) und 646 Millionen Euro (2016) auf einen geschätzten Wert von 685 Millionen Euro für 2018.[170][171]

    Die Leerstandsquote der Geschäfte erreichte um und kurz nach 2015 einen Höchststand, möglicherweise bedingt durch den Onlinehandel, der 20 % des Umsatzes in der Region beträgt.[175] Die Leerstandsquote lag 2016/17 unter den rund 800 Geschäften in der Innenstadt bei 9,9 % (78 Geschäfte).[175] Die Leerstände waren seitdem wieder rückläufig,[175] wobei sich steigende Reallöhne positiv auswirkten[171] und außerdem Gastronomie eine wichtigere Rolle spielte.

    2009 eröffnete am Westrand der Innenstadt die Stadtgalerie Schweinfurt, eine 300 m lange Shopping Mall mit 22.500 m² Verkaufsfläche, 100 Geschäften und 1.300 Parkplätzen auf dem Dach.[168] Wegen der befürchteten negativen Auswirkungen für den etablierten Handel in der Innenstadt war 2005 ein Bürgerentscheid durchgeführt worden. Eine knappe Mehrheit entschied sich für das Projekt des Hamburger ECE-Konzerns, das auf dem Gelände des früheren Werks 1 von SKF verwirklicht wurde. Die Stadtgalerie hat eine tägliche, durchschnittliche Frequenz von 16.000 Besuchern.[168]

    Im Hafen-Ost entstand seit den 1980er Jahren eine der größten Fachmarktagglomerationen Deutschlands, in Konkurrenz zur Innenstadt. Die Stadt lässt im Hafen jedoch kein innenstadtrelevantes Warenangebot zu. 2009 eröffnete XXXLutz im Maintal auf einem gemeinsamen Grundstück zwei Möbelhäuser seiner Marken XXXL Neubert und Mömax mit zusammen 34.900 m² Verkaufsfläche.[176]

    WeiteresBearbeiten

    Kunststoffe

    Schweinfurt ist Hauptsitz von Maincor, Hersteller von Kunststoffrohren und Sitz von Mainplastik sowie von Melaplast, das Melamin-Laminate produziert.

    Farben

    Im historischen Zentrum der deutschen Farbenfabriken (siehe: Schweinfurter Industriegeschichte, Farben) gibt es heute nur noch die Farbenfabrik Deifel.

    Mineralöle

       
    Schubverband von Erik Walther
    Walther Tankstelle

    Das Mineralölunternehmen Erik Walther hat seinen Hauptsitz in Schweinfurt, mit einem Tanklager im Hafen. Das Unternehmen betreibt rund 70 eigene Tankstellen in vier Bundesländern und verschifft die Mineralöle mit einer eigenen Tankerflotte von den ARA-Häfen (Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen) zum Hauptsitz und anderen Tanklagern.

    Nahrungs- und Genussmittel

     
    Ireks Malzfabrik im Hafen

    In früheren industriellen Phasen gab es eine breite Palette von Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche, mit Herstellungen von Gelatine, Nudeln, Sago, Essig, Likören, Rum, Zucker, Malzkaffee, Margarine, Bonbons, Lebkuchen, Tabak und Schnupftabak.[177] Firmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche spielen heute im Schweinfurter Süden und insbesondere in den angrenzenden Vororten (siehe Landkreis Schweinfurt, Landwirtschaft) eine wichtige Rolle, in Folge fruchtbarer Böden und Sonderkulturen. In der Stadt befinden sich eine Getreidemühle und zwei Malzfabriken, u. a. von Ireks. Getreidesilos prägen das südliche Stadtbild mit.

    Von insgesamt elf Brauereien existiert heute nur noch die Brauerei Roth. Schweinfurt, unweit des Überlappungsgebietes von Bierfranken mit Weinfranken, war zudem einst eine bedeutende Weinstadt, heute noch mit einem Weingut (siehe: Weinbau).

    Siehe auch: Liste ehemaliger Brauereien in Bayern, Schweinfurt

    Logistik

     
    Links: zwei Hochregallager von ZF

    Schweinfurt ist wichtigster Logistikstandort in Unterfranken. Hochregallager prägen den Südwesten der Stadt. SKF und ZF Friedrichshafen haben ihr europäisches bzw. deutsches Logistikzentrum in Schweinfurt. DB Schenker bietet in und nahe der Stadt an insgesamt drei Standorten alle Bereiche der Logistik an, von See- und Luftfracht über Messelogistik bis hin zur Kunstlogistik. Zudem sind in der Stadt und den südlichen Vororten aufgrund der zentralen Lage weitere Logistikunternehmen ansässig.

    Kiesabbau

    Im südlichen Stadtgebiet und in südlich angrenzenden Bereichen wird Kiestagebau betrieben.

    Land- und Forstwirtschaft

     
    Stadtwald An den Eichen im Winter

    Landwirtschaftlich werden 1033 ha im Stadtgebiet genutzt.[178] Zwei Aussiedlerhöfe liegen am Rande der Gartenstadt und zwei am Münzberg. Der Weinbau umfasst 3,5 ha (2017) an der Peterstirn (siehe: Weinbau). Die Wasserflächen betragen ca. 170 ha (2018), u. a Karpfenteiche westlich des Sennfelder Sees; es gibt noch einige Fischwirte. Die Waldgebiete umfassen 500 ha,[178] die abgesehen von kleineren naturgeschützten und urwaldähnlichen Zonen am südlichen Mainufer der Forstwirtschaft unterliegen.

    Gründerzentren

    Das erste Gründerzentrum wurde bereits 1994 eröffnet, als Gründer- Innovations- und Beratungszentrum Schweinfurt (GRIBS). Es bietet insbesondere Gründern aus den Bereichen Informationstechnik, Software, Technologie und unternehmens­nahen Dienstleistungen angepasste Büroräume am Hainig zur Miete.[179] Das von der Stadt Schweinfurt betriebene Chancen-Center Maintal vermietet Hallen für Start-up-Unternehmen im Gewerbebereich im Industrie- und Gewerbepark Maintal. Seit 2018 bietet ebenfalls die Stadt Coworking-Spaces im Friedrich-Rückert-Bau in der Altstadt an, dazu drei externe Ladenlokale in der Innenstadt,[180] zudem ein Startup-Chancencenter im Gewerbegebiet Heckenweg im Nördlichen Stadtteil.

    Gewerkschaft

    Schweinfurt ist Hauptsitz der DGB-Region Schweinfurt-Würzburg.[181]

    WissenschaftBearbeiten

    Nationale Akademie der WissenschaftenBearbeiten

    In der seinerzeitigen Reichsstadt Schweinfurt wurde 1652 die 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften erhobene Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina von vier Ärzten gegründet (benannt nach Kaiser Leopold I.). Sie hat heute ihren Sitz in Halle (Saale) und ist die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt.[18] Die Gründung erfolgte einige Jahre bevor die entsprechenden Gesellschaften in London (Royal Society) und Paris (Académie des sciences) gegründet wurden. Das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt erinnert an diese Gründung. Der ebenfalls in Halle ansässige Freundeskreis der Leopoldina hält seine Jahresveranstaltungen alle vier Jahre in Schweinfurt ab.

    Hochschule für angewandte WissenschaftenBearbeiten

     
    Hochschule für angewandte Wissenschaften Abteilung Schweinfurt, Auditorium Maximum

    In der Schweinfurter Abteilung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt studieren derzeit (WS 2018/19) 2.915 Studenten. Einen Rekord gab es dabei mit 1.014 Studienanfängern.[182] Die Hochschule entstand 1971 durch den Zusammenschluss des Schweinfurter Balthasar-Neumann-Polytechnikums mit der Würzburger Höheren Wirtschaftsschule und Werkkunstschule.[183] Sie wird auch Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS) genannt und ist mit insgesamt ca. 9000 Studenten viertgrößte Fachhochschule Bayerns. In Schweinfurt wurde 2011 östlich des Campus 1 der Campus 2 am nordwestlichen Rand der Innenstadt eröffnet.

    i-CampusBearbeiten

     
    Baugrube des i-Campus im Januar 2018

    2017 begannen in Schweinfurt die Bauarbeiten für einen dritten Campus im Rahmen der Internationalisierung der Hochschule, die FHWS i-Campus genannt wird.[184] Im Carus-Park entsteht der internationale Hochschulcampus i-Campus Schweinfurt. Erste englischsprachige Vorlesungen für Studenten aus aller Welt begannen bereits im Wintersemester 2014/15 im bestehenden Campus 1. Ein Studentendorf wird angegliedert,[185] ein erstes Gebäude wurde bereits bezogen.

    Die Abteilung Schweinfurt der FHWS hat sich auf die MINT-Fächer spezialisiert, was im i-Campus fortgeführt werden soll.[186] Eine digitale Fabrik i-Factory ist derzeit auf dem Campus in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut im Aufbau.[187] Hier soll auch der bundesweit erste Studiengang Roboting etabliert werden.

    Die i-Factory soll auch Unternehmen direkten Zugang zu innovativen Forschungseinrichtungen der FHWS in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Mechatronik ermöglichen.[186] Die zusätzlichen Projekte i-Company und Industrie on Campus sehen eine weitere Zusammenarbeit mit Unternehmen und deren direkten Zugang zu Forschungseinrichtungen der Hochschule, bis hin zur Verschmelzung von Industrie und Hochschule vor.[186] Der Vorlesungsbetrieb im neuen Campus soll 2019 beginnen[188] und im Endausbau Raum für 2.000 bis 3.000 Studenten aus aller Welt geboten werden.

    Uni-LehrkrankenhausBearbeiten

    Das Klinikum der Stadt Schweinfurt Leopoldina-Krankenhaus ist akademisches Lehrkrankenhaus der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Es verfügt mit seinen rund 2.000 Mitarbeitern über 700 Planbetten und ist ein Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung für die ganze Region. Das Klinikum bildet den Kern eines großen medizinischen Versorgungs-Quartiers, mit Instituten, Ärztehäusern und weiteren Einrichtungen. Die Leo Academie am Leopoldina-Krankenhaus bietet Mitarbeitern und externen Teilnehmern Fort- und Weiterbildungsprogramme in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen an. Mit Dozenten aus den eigenen Kliniken und externen Lehrkräften.[189]

    BibliothekenBearbeiten

    Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

    SchulenBearbeiten

    Schweinfurt ist eine Schulstadt, mit derzeit rund 19.000 Schülern in ca. 50 Schulen.[190] Von den acht staatlichen Grundschulen beherbergen drei eine Mittelschule. Daneben gibt es eine private Grund- und Mittelschule, in der nach der Montessoripädagogik unterrichtet wird, zwei Realschulen und die Private Real- und Wirtschaftsschule O. Pelzl.

     
    Musikschule

    Abitur, die Fachhochschulreife oder das Internationale Abitur kann man in neun Schulen erlangen: in fünf Gymnasien, dem Bayernkolleg Schweinfurt, der Fachoberschule, der Berufsoberschule und der englischsprachigen International School Mainfranken. Das Celtis-Gymnasium wurde 1632 auf Weisung des Schwedischen Königs Gustav II. Adolf als Gymnasium Gustavianum gegründet. Das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium war in den 1970er Jahren mit über 2.000 Schülern größtes Gymnasiums Bayerns. Die englischsprachige International School Mainfranken ist als IB World School von der International Baccalaureate Organization (IBO) zertifiziert und bietet Schülern nach der 10. Jahrgangsstufe den internationalen mittleren Schulabschluss IGCSE und nach der 12. Klasse das International Baccalaureate Diploma (IB-Diploma), vergleichbar mit einem internationalen Abitur, das in über 110 Ländern anerkannt wird.[191] Eine Besonderheit stellt das private Lyzeum der Republik Griechenland dar. Der Schulträger ist das Bildungsministerium Griechenlands und der Schulaufwandsträger die Republik Griechenland.

    Die fünf Förderschulen bieten unterschiedliche Förderschwerpunkte an. Es gibt vier Berufsschulen, davon eine zur sonderpädagogischen Förderung und eine Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Musikschule wurde im Jahr 1872 gegründet und zählt mittlerweile zu den größten Bayerns.[192][193]

    Kurzfristig existierte eine Erste Private Fachoberschule Schweinfurt.

    Gymnasien

    Internationale Schule

    Schulen des Zweiten Bildungsweges

    • Bayernkolleg
    • Friedrich-Fischer-Schule (FOS/BOS)

    Realschulen

    • Walther-Rathenau-Realschule
    • Wilhelm-Sattler-Realschule
    • Private Realschule Pelzl
    • Private Wirtschaftsschule Pelzl

    JugendhilfeeinrichtungBearbeiten

     
    Ludwig von Jan, Initiator des Hauses Marienthal

    Das Haus Marienthal ist eine Jugendhilfeeinrichtung mit nahezu 170-jähriger Tradition. 1849 besuchte Johann Hinrich Wichern, der Gründer der Inneren Mission, auch Schweinfurt. Er hatte in Hamburg das Rauhe Haus zur Rettung verwahrloster Kinder errichtet. 1854 wurde auf Initiative von Ludwig von Jan das Schweinfurter Waisen- und Rettungshaus eingeweiht. Seit 2000 gehören sämtliche Schülerhorte der Stadt Schweinfurt zum Haus Marienthal. Die einstmals protestantische Stiftungsschule wird heute noch von historischen, evangelischen Vororten (Reichsdörfer und Reichsritterschaften) unterstützt.

    GesundheitswesenBearbeiten

    In Schweinfurt gibt es mehrere Kliniken. Das Leopoldina-Krankenhaus (Volksmund: Leo) ist ein städtisches Akutkrankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 700 Betten, 15 bettenführenden Fachabteilungen, 6 Instituten und 12 Dialyseplätzen (siehe auch: Uni-Lehrkrankenhaus). Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) direkt neben dem Klinikum ist ein Ärztehaus, das vier Fachrichtungen vereint und hierbei die Innere Medizin wiederum zehn spezielle Fachbereiche umfasst.

    Das Krankenhaus St. Josef (Volksmund: Josefskrankenhaus) ist ein katholisches Krankenhaus mit 260 Betten und 7 bettenführenden Fachabteilungen. Unweit des Krankenhauses, in der ehemaligen Frauenklinik Dr. Knüpffer, befindet sich die Palliativstation des Josefskrankenhauses, dem ebenfalls ein größeres Ärztehaus mit sieben Fachpraxen angegliedert ist.

    Die Tagesklinik für Psychiatrie Schweinfurt ist eine Außenstelle des Krankenhauses für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck. Der Vorort Werneck ist das Klinikzentrum im Landkreis Schweinfurt, wo sich insgesamt drei weitere Kliniken befinden. Die Außenstelle in Schweinfurt verfügt über 20 Betten (Behandlungsplätze). Die Augenklinik Mainfranken im Rückert Center führt ambulante Operationen und Behandlungen im großen Spektrum der Augenheilkunde durch. Das Ambulante Reha-Centrum am Hainig befasst sich mit Wiederherstellung und Erhalt der Beweglichkeit.

    In Schweinfurt kommen auf einen Arzt, einschließlich Psychotherapeuten, 356 Einwohner. Das ist ein Mittelwert, der zwischen den vergleichbaren Nachbarstädten Bamberg (277, Platz 1 in Deutschland) und Aschaffenburg (392) liegt (jeweils 2018).[194]

    BehördenBearbeiten

     
    Bayerisches Landesamt für Statistik, Dienststelle Schweinfurt
     
    Hauptzollamt Schweinfurt

    Schweinfurt ist ein wichtiger Behördenstandort. Die Zuständigkeitsbereiche mehrerer Behörden erstrecken sich weit über die Region hinaus. In den 1990er Jahren wurde eine bayerische Landesbehörde aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

    GerichteBearbeiten

     
    Justizpalast: Land- und Amtsgericht

    Schweinfurt gehört zum Gerichtsbezirk des Oberlandesgerichts Bamberg. Schweinfurt ist Sitz mehrerer Gerichte unterschiedlicher Instanzen. In den 1990er Jahren wurde ein bayerisches Landesgericht aus München nach Schweinfurt teilverlegt.

    Ein IT-Servicezentrum der bayerischen Justiz ist den Justizbehörden angegliedert (Zentrale in Amberg)

    JustizvollzugsanstaltBearbeiten

    In Schweinfurt befindet eine Justizvollzugsanstalt (JVA) mit 84 Haftplätzen. Hier werden Untersuchungshaft- und Freiheitsstrafen im Erst- und Regelvollzug bis zu sechs Monate für den Landgerichtsbezirk Schweinfurt sowie Freiheitsstrafen im gleichen Umfang für den Amtsgerichtsbezirk Gemünden vollzogen.[195] Auf dem Gelände der JVA in der Altstadt, an der westlichen Stadtmauer, wurde erstmals 1884 ein Gefängnis errichtet, das im letzten Krieg zerstört wurde. Ab 1945 diente der Hochbunker A4 (Goethebunker) im Musikerviertel als Notgefängnis, bis 1957 das heutige Gebäude an einstiger Stelle fertiggestellt war.[196][195]

    FeuerwehrenBearbeiten

    In der Stadt sind mehrere Feuerwehren ansässig. Die Ständige Wache Schweinfurt, die Freiwillige Feuerwehr Schweinfurt und die Werkfeuerwehren von Schaeffler, SKF und ZF Friedrichshafen. Zudem gab es bis zur Auflösung der U.S. Army Garrison Schweinfurt im Jahre 2014 eine amerikanische Feuerwehr.

    BauwerkeBearbeiten

    Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege listet für die Stadt Schweinfurt 170 Baudenkmäler, einschließlich Bauensembles und 36 Bodendenkmäler auf (Stand 20. November 2017).[197]

    StadtmauerBearbeiten

     
    Stadtmauer Am Unteren Wall
    an Stelle der Reichsburg

    Die Schweinfurter Stadtmauer wurde 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Die Südostecke der Stadtmauer im vermutlich ältesten Viertel der Altstadt Zürch war zugleich Umfassungsmauer der Reichsburg, die sich hier von 1310 bis 1427 befand. In den 1640er Jahren wurde im Zuge des Dreißigjährigen Krieges, den die Stadt unbeschadet überstand, die veraltete, mittelalterliche Stadtmauer vom Generalfeldmarschall der schwedischen Armee Karl Gustav Wrangel, der sein Hauptquartier am Roßmarkt hatte, zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausgebaut. In den 1980er Jahren wurden die Befestigungsanlagen Am Oberen Wall wieder instand gesetzt und erst seit den 1990er Jahren wurden in Folge schwerer Zugänglichkeit und Bauarbeiten immer wieder an diversen Orten Entdeckungen gemacht. Teile der Spitaltorbrücke von 1748 wurden bei Bauarbeiten Ende der 1990er Jahre wiederentdeckt und freigelegt. Im nächsten Jahrzehnt wurde die Stadtmauer Am Unteren Wall restauriert und beim Bau der Kunsthalle im Keller ein Abschnitt einer Schanze entdeckt und freigelegt. 2007 wurde ein Schalenturm, der sogenannte Jungfernkuss entdeckt, der in Teilen von einem 1367 gestifteten Karmeliterkloster (bis 1542) stammt. 2016 wurde der im Zweiten Weltkrieg zerstörte, kleine Höpperle Turm an der westlichen Stadtmauer rekonstruiert.

    ProfanbautenBearbeiten

    Renaissance

       
    Rathaus (1572)
    Altes Gymn. (1583)

    Die Renaissance ist in der Altstadt der prägende historische Stil der protestantischen Reichsstadt. Einem Zentrum des Humanismus und der Aufklärung, das im scharfen Gegensatz zu den benachbarten katholisch-barocken Bistümern Würzburg und Bamberg stand. Der Schranne wurde als Kornspeicher 1560 errichtet. Heute sind darin die Sparkasse Schweinfurt und die Sparkassengalerie untergebracht. Das Alte Rathaus (1570–1572) von Nikolaus Hofmann aus Halle (Saale) gilt als Glanzleistung der profanen deutschen Renaissance. Es ist das Hauptwerk Hofmanns, einem Meister und Bauunternehmer, der am Mansfelder Bergbau beteiligt war. In dem Wappen am Erkerturm hängt Kaiser Maximilian II. in den Fängen des Doppeladlers des Schweinfurter Stadtwappens. Am Abend des 20. April 1959 stand der Dachstuhl des Alten Rathauses, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, in Flammen. Der Ostgiebel bog sich nach außen und drohte in die Brückenstraße zu stürzen. Die Feuerwehren brachten jedoch den Brand, der vermutlich durch Schweißarbeiten ausgelöst wurde, unter Kontrolle. In den 1980er Jahren wurde in den sanierten, großen Kellergewölben der Ratskeller eröffnet.

     
    Zeughaus (1591)

    Das Alte Gymnasium (1582–1583) ließ Gustav Adolf II. als Gymnasium Academicum errichten, es ist seit 1934 Heimat des Stadtgeschichtlichen Museums. Das Zeughaus (1589–1591) war Waffenarsenal der Reichsstadt und wurde 2014 umfassend restauriert. Der Schrotturm (1611) ist ein vorgelagerter Treppenturm eines Renaissance-Bürgerhauses, der im 19. Jahrhundert um vier Geschosse zu einem Schrotturm erhöht wurde.[198]

    Weitere Stile

    Der Ebracher Hof wurde 1431 vom Zisterzienser Kloster Ebrach im Steigerwald als Amtssitz und Klosterhof erworben. Er ist im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 bis auf die Außenmauern abgebrannt und erst 1578 wieder aufgebaut worden.[198] Nach Bauarbeiten im Jahre 1698 blieb der Hof bis heute unverändert. Das Stadtschreiberhaus (16.–19. Jh., Klassizismus, beziehungsweise Biedermeier) ist im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert, ansonsten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Vorgarten ist das Johann-Christian-Schmid-Denkmal, ein kleiner Obelisk. Das Schloss Peterstirn (1873–1874, Historismus) ist ein Weinbergshaus mit zinnenbekrönten Karlsturm, Burgtor und Mauer. Es wurde auf Überresten einer alten Burg aus dem 11. Jahrhundert und eines Benediktiner-Klosters errichtet, mit dem lateinischen Namen Stella Petri (zu deutsch: Peterstern).

    Das 20. Jahrhundert mit vielen bekannten Architekten

       
    Friedenschule,
    Paul Bonatz (1908)
    Hauptverwaltung Fichtel & Sachs AG,
    Paul Bonatz (1933)

    Zahlreiche bekannte Architekten des 20. Jahrhunderts standen mit der Stadt in Verbindung und die Verwicklungen, Probleme oder menschlichen Widersprüche mit der Zeit des Nationalsozialismus treten auch hier zu Tage. Der gebürtige Schweinfurter Theodor Fischer war an den Planungen des Berliner Reichstagsgebäudes beteiligt, distanzierte sich schließlich vom Historismus, schuf die Grundlagen für das Bauhaus-Manifest und wollte das Bauhaus im nationalsozialistischen Deutschland erhalten, was ihm nicht gelang. In Schweinfurt baute er die Wirsing Villa (1909) (Bild siehe: Ein Vater des Bauhauses). Den Werdegang des Erbauers des Stuttgarter Hauptbahnhofs Paul Bonatz kann man in Schweinfurt an Bauwerken nachverfolgen, von der noch historisierenden Ludwigschule (1908), hin zur Moderne mit dem Verwaltungsgebäude der Fichtel & Sachs AG (1933) und der Tribüne des Willy-Sachs-Stadions (1936).

     
    Ernst-Sachs-Bad,
    Roderich Fick (1933)

    Roderich Fick, dessen Schwager Oberbaurat der Stadt Schweinfurt war, plante als einer der anfänglichen Lieblingsarchitekten Adolf Hitlers maßgeblich den Obersalzberg und den nur in Ansätzen verwirklichten Ausbau von Linz zur europäischen Kulturmetropole. Zuvor baute er in Schweinfurt ein Wohnhaus am Löhlein 4 (1928) und sein erstes größeres Werk, das Ernst-Sachs-Bad (1933), die heutige Kunsthalle Schweinfurt. Von Ludwig Gies ist der nationalsozialistische Bronzeadler (1936) auf einem Pylon am Eingang des Willy-Sachs-Stadions, der auf einer Erdkugel krallt und der Bundesadler (1953) des Deutschen Bundestages im Bundeshaus in Bonn. Ein Hauptwerk von Olaf Andreas Gulbransson ist die Auferstehungskirche (1959) im Stadtteil Bergl. Egon Eiermanns Kaufhaus-Systemfassade aus Porzellan ist bei Horten (1963), heute Kaufhof, vertreten. Der Enkel von Ludwig Mies van der Rohe Dirk Lohan heiratete in die Schweinfurter Industriellen-Familie Schäfer ein. Mies van der Rohe entwickelte zwischen 1960 und 1963 einen Entwurf für das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, der nicht ausgeführt wurde und danach in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt wurde. Anfang der 1990er Jahre legte Alexander von Branca einen neuen Entwurf für das Schäfer-Museum vor, der ebenfalls nicht ausgeführt wurde.

    Bauwerke des 20. Jahrhunderts

    Beim Ernst-Sachs-Bad (1931–1933) fertigte Roderich Fick Planzeichnungen bis ins letzte Detail, so dass von Türen, Fenstern, Möbeln bis zu Leuchtkörpern und Beschlägen alles aufeinander abgestimmt wurde und seine Handschrift trägt. Die Hauptverwaltung der Fichtel & Sachs AG (1931–1933) von Paul Bonatz steht unter Denkmalschutz, orientiert sich an dem kurz zuvor geplanten Shell-Haus in Berlin von Emil Fahrenkamp und wurde um 1960 um eine Etage aufgestockt. Das Willy-Sachs-Stadion (1934–1936), mit der Sitztribüne im Bauhausstil, von Paul Bonatz, ist eine in einen Volkspark eingebettete Sportanlage unter Denkmalschutz. Das Stadion wurde einen Monat vor den Olympischen Spielen in Berlin eröffnet. Wegen seiner zeitlosen Moderne und dem großen Baumbestand gilt es als einer der schönsten Sportparks Deutschlands.

    Das Hochhaus der Deutschen Hauptverwaltung der SKF (1960–1962) von A. Kubitza ist eine Etage höher als die Hauptverwaltung in Göteborg und sollte die Vormachtstellung der Schweinfurter SKF unter seinem damaligen Generaldirektor und schwedischen Konsul Gunnar Wester repräsentieren. Das Scheibenhochhaus am Main (55 m),[199] wurde nach Vorbild des UNO-Hauptquartiers (155 m) am East River in New York geschaffen. Dort existierte, aber nur bis in die 1960er Jahre, eine durch das Raumlicht hinter den Fenstern geschaltete, farblose Leuchtschrift „UN“ und zur Weihnachtszeit ein Weihnachtsbaum. Auch hier diente das UNO-Gebäude als Vorbild.[200] Das SKF-Logo erschien abendlich durch blaue, heruntergezogene Fensterrollos, von außen mit Neonröhre bestrahlt (so noch auf unterem Bild). 2014 wurde das Hochhaus komplett saniert und die Leuchtschrift auf LED umgestellt.[200]

    Das Theater der Stadt Schweinfurt (1964–1966) von Erich Schelling wurde 2016 unter Denkmalschutz gestellt, als „einer der bedeutendsten Theaterbauten der Nachkriegszeit in Bayern […] in der Nachfolge von Alvar Aaltos Essener Theater.“[201][202]

    Neue Maßstäbe im 21. Jahrhundert

       
    Museum Georg Schäfer (2000)
    Ebracher Hof (1578)
    mit Stadtbücherei (2007)

    Seit Ende des 20. Jahrhunderts wurden in der Architektur in Schweinfurt neue, überregional beachtete Maßstäbe gesetzt, unter der Ägide der damaligen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (CSU) und des langjährigen Baureferenten Jochen Müller (SPD), mit eigenem Gestaltungsvermögen abseits des Mainstreams. Besonderer Wert wurde auf Stadtgestaltung mittels Architektenwettbewerbe gelegt,[203] mit aufeinander abgestimmten Arbeiten in zeitloser Moderne, Platzgestaltung mit minimalistischen Mitteln und Harmonie zwischen Alt und Neu.

     
    Umgestalteter Schillerplatz (2009)
    mit Justizgebäude

    Das Museum Georg Schäfer (MGS) (1998–2000) von Volker Staab erhielt zwei Architekturpreise.[204] Das Erdgeschoss ist als Agora konzipiert, einem öffentlichen Treffpunkt mit großer Treppenhalle, Café und Museumsbuchhandlng zwischen Mainloggia und Rathausloggia. Die dem MGS gegenüberliegende Stadtbücherei (2004–2007) von Bruno-Fioretti-Marquez ist ein Um- und Ausbau des Ebracher Hofs, mit neuem unterirdischen Basisgeschoss. Es bildet mit dem Hauptzollamt (2005–2007), ebenfalls von Bruno-Fioretti-Marquez, ein Bauensemble, das zu einem neuen Wahrzeichen Schweinfurts wurde und vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt 2008 zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt wurde.[203] Es zeigt „wie sich Tradition und Moderne […] auf das Vortrefflichste vereinen.“[205]

    Der Bau 65 (2001–2003, innerhalb eines nicht zugänglichen Werksgeländes) im Bauhausstil, von Baurconsult, steht an Stelle einer im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Produktionshalle der Fichtel & Sachs AG (heute ZF Friedrichshafen) und wurde in Anlehnung an die typischen Schweinfurter Industrie-Klinkerbauten der 1930er Jahre errichtet. Die Halle wird durch eine große vorgehängte Glasfassade mit Tageslicht versorgt,[206] die sich an den Fagus-Werken von Walter Gropius orientiert. Die Stadtgalerie Schweinfurt (2007–2009), mit einem 230 m langen Glasdach, ist eine 300 m lange Shopping Mall im klassischen Sinne, die aus einer einzigen, geraden Ladenpassage (in zwei Ebenen mit Galerie) besteht, deren Name sich vom Ballspiel Paille-Maille ableitet, das auf langen, geraden Bahnen gespielt wurde, auf denen später städtische Straßen entstanden. In den Komplex wurde ein SKF-Jugendstil-Portal integriert. Die Kunsthalle Schweinfurt (2008–2009) ist ein Um- und Ausbau des vormaligen Ernst-Sachs-Bades von Hartwig N. Schneider/Peter Ropertz, mit 500 m² großer Halle. Der Innenhof wurde für einen weiteren Ausstellungsraum unterkellert, wobei Reste der sogenannten Naturheilschanze integriert wurden, die der schwedische Feldmarschall und Staatsmann Carl Gustav Wrangel 1648 anlegen ließ.[207]

    KirchenBearbeiten

       
    St. Johannis (ab 1200)
    Gotisches Querhaus
    St. Johannis,
    Die Mannalese (1480)

    St. Johannis (ab 1200, Romanik, Gotik und weitere Baustile) ist das bedeutendste kunsthistorische Kirchenbauwerk zwischen Bamberg und Würzburg. Es ist die evangelische Hauptkirche und das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. 1237 war der Nordturm mit romanischer Turmkapelle fertiggestellt, auf den Südturm verzichtete man. Mit gotischem Taufstein (1367),[58] mit originaler Malerei, Barocker Kanzel und freigelegten Fresken und Malereien des Mittelalters. Nahezu alle europäischen Baustile über 8 Jahrhunderte, von der Romanik bis zum Klassizismus sind vertreten.[198] St. Salvator (1719, schlichter Barock) ist die Kirche für das Altstadtquartier Zürch und einstige Burgkapelle (um 1315) mit gotischem Ausbau, mit noch erhaltenen Chor. Die Reformation in der Stadt nahm hier durch eine Predigt1532[198] ihren Ausgang. St. Salvator wurde wiederholt zum Teil zerstört und zerfiel. Zum 200. Jahrestag der Reformation 1717 begann die Stadt eine umfassende Erneuerung.

     
    Heilig-Geist-Kirche, Hauptportal

    Die Heilig-Geist-Kirche (1897–1902, Neuromanik),[58] ist die katholische Hauptkirche der Stadt, an Stelle von Vorgängerbauten aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Spitalkirche zum Heiligen Geist). Die Kirche hat die Form einer romanischen Kathedrale, mit Nachbildungen der Kathedrale San Vigilio in Trient (Vierungsturm und Chor). Nach der Annexion der protestantischen Reichsstadt Schweinfurt durch das Königreich Bayern 1802 wies dieses 1803 einer wieder etablierten katholischen Gemeinde die gotische Spitalkirche als Pfarrkirche zu. Durch starken Zuzug aus dem katholischen Umland in Folge der Industrialisierung wurde die Kirche zu klein und an Stelle der abgerissenen gotischen Spitalkirche und einer Zuckerfabrik[208] entstand der große Neubau, mit 56 m hohen Turm (1911). Die Kreuzkirche (13. Jahrhundert/1940) ist die alte evangelische Kirche des schon in historischer Zeit zur Reichsstadt Schweinfurt gehörenden Oberndorfs. Sie steht an der Stelle einer mittelalterlichen Wasserburg. Chor und Turm stammen aus dem 13. Jahrhundert und waren Teile der Burgkapelle. Die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche entstand im Jahr 1929 und wurde vom Schweizer Architekten Hans Hofmann geschaffen. Sie präsentierte sich zunächst ohne Turm und wurde erst in den 1930er Jahren durch eine Stiftung mit einem Chorturm mit Zwiebelhaube ausgestattet. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg stellte man das Gotteshaus bis ins Jahr 1948 notdürftig wieder her. Die Kirche ist heute Pfarrkirche einer evangelisch-lutherischen Gemeinde. St. Kilian (1954) wurde auf den Außenmauern der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neubarocken[198] Kirche aufgebaut. Mit 250 m² großen Farbglasfenster, einem der größten Kirchenfenster Deutschlands,[198] von Georg Meistermann.

       
    St. Kilian (1954)
    Fenster von Georg Meistermann
    Auferstehungskirche (1959)
    von Olaf Gulbransson

    Die Auferstehungskirche (1959) von Olaf Andreas Gulbransson ist die wohl außergewöhnlichste Kirche der Stadt und wurde bereits unter Denkmalschutz gestellt. Es ist das Meisterwerk von Gulbransson, in roten Sichtziegeln mit moderner Ornamentik, im Innern mit blauen Spindelsäulen und Radleuchter, der die zwölf Tore des Himmlischen Jerusalems darstellt.[209] Gulbransson schuf mit dieser Kirche das einzige Beispiel eines neuen Baustils, der Ornamentik, Kunsthandwerk und Moderne vereint und in Folge seines tödlichen Autounfalls bei anderen, postum fertiggestellten Kirchen nicht konsequent fortgesetzt wurde.

    Denkmäler und BrunnenBearbeiten

    Der Ludwigsbrunnen (1830, Klassizistisch) von Johann Nepomuk Pertsch steht am Fuß der historischen Weinberge an der alten Mainleitenstraße. Von 1826 bis 1829 ließ die Stadt Schweinfurt die Straße ausbauen und pflastern. Aus diesem Anlass wurde zu Ehren des bayerischen Königs Ludwig I. dieser Brunnen errichtet.[210]

    Das Rückert-Denkmal (1890) am Marktplatz ist ein Bronzeguss von Wilhelm von Rümann und Friedrich von Thiersch des 1788 in Schweinfurt geborenen Dichters und bahnbrechenden Übersetzers orientalischer Dichtung Friedrich Rückert. Das Walzenwehr-Denkmal (1903/1965) ist eine Kettenaufzugsvorrichtung für das erste Walzenwehr der Welt von MAN (1903). Das Denkmal am Willy-Sachs-Stadion (1936, Neoklassizismus) ist ein Bronzeguss von Ludwig Gies zu Ehren des Stadionstifters Willy Sachs. Auf einem Pylon ruht ein Nationalsozialistischer Reichsadler von Gies, der auch den Bundesadler im Plenarsaal im Bonner Bundeshaus schuf.

     
    Rossbändiger-brunnen

    Der Anker vom Berliner Künstler-Ehepaar Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff ist eine Monomentalskulptur auf dem östlichen Ende der Schleuseninsel. Brigitte Matschinsky-Denninghoff war Assistentin bei Henry Moore. Das Duplikat des Great Beijing Wheel-Lagers (2012) vor dem Theater der Stadt Schweinfurt entstand, nachdem FAG Kugelfischer in Schweinfurt die beiden Pendelrollenlager für das London Eye entwickelt und gebaut hatte. Sie wurden nun beauftragt, die Lager für das größte, 208 m hohe Riesenrad der Welt, das Great Beijing Wheel im Chaoyang-Park, zu entwickeln, das jedoch nicht ausgeführt wurde. Der Innendurchmesser des Lagers entspricht exakt dem Außendurchmesser des Lagers des London Eye.[211] Der Gedenkort für die Opfer der Zwangsarbeit (2011) von Herman de Vries ist ein 3 km langer Lagerweg und Gedenkort mit drei Linden am Main in Oberndorf. Der Weg führt entlang des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers von Kugelfischer,[212] als Gedenkstätte an die über 10.000 Zwangsarbeiter, die auch aus Kriegsgefangenen rekrutiert wurden und in der Schweinfurter Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Bei Bombenangriffen kamen viele Zwangsarbeiter ums Leben, da sie nicht in den Hochbunkern der Stadt Schutz suchen durften. Das Deutsch-amerikanische Luftkriegsdenkmal von 1998 am Hochbunker am Spitalseeplatz gilt als erstes und einziges seiner Art in Deutschland. Es erinnert insbesondere an den Black Thursday, den 14. Oktober 1943, als die Amerikaner über Schweinfurt ihre größte Luftniederlage erlitten. In den 1970er Jahren wurde die Second Schweinfurt Memorial Association (SSMA) gegründet, die schon in ihrem Namen auf den zweiten Angriff auf Schweinfurt vom 14. Oktober 1943 Bezug nimmt und die Idee zum Denkmal hatte.[213]

    StadtmodellBearbeiten

    Seit 2015 befindet sich im Stadtschreiberhaus (siehe Weltliche Bauten, Romanik bis Historismus) ein neu angefertigtes Stadtmodell, das Schweinfurt um das Jahr 1800 zeigt. In den nächsten Jahren soll das Modell bis zum Schloss Peterstirn auf 4,80 Meter Länge erweitert werden, das dann das historische Stadtgebiet (ohne Oberndorf) auf einer Distanz von knapp über zwei Kilometern abbildet.[214]

    InfrastrukturBearbeiten

    MainbrückenBearbeiten

     
    Maxbrücke von 1902–1945

    Schweinfurt hat insgesamt 62 Brücken,[215] davon sieben Mainbrücken, die den Main oder nur einzelne Mainarme oder nur den Altmain queren. Darunter befindet sich eine Eisenbahnbrücke, alle anderen sind Straßenbrücken. Die nachfolgend von Ost nach West (mainabwärts) aufgeführten Brücken queren vollständig den Main. Die Maxbrücke ist eine dreispurige Straßenbrücke, Baujahr 1958.[216] An ihrer Stelle befand sich bereits um 1400 die erste Brücke der Stadt über den Hauptarm des Mains. Die Gerolzhöfer Brücke ist eine eingleisige Eisenbahnbrücke der Bahnstrecke Schweinfurt-Hbf–Kitzingen-Etwashausen, die derzeit, außer Güterverkehr im Raum Schweinfurt, nicht im Betrieb ist. Die erste Eisenbahnbrücke an dieser Stelle wurde 1903 errichtet. Über die Hahnenhügelbrücke, die 1964–1967 erbaut wurde,[217] führt die Bundesstraße 286. Mit über 41.800 (2011)[217] Kraftfahrzeugen am Tag bildet sie die südmainische Hauptzufahrt in die Innenstadt. Sie besitzt vier Fahrspuren und soll in einigen Jahren durch einen fünf- oder sechsspurigen Brückenneubau ersetzt werden. Die Mainbrücke Oberndorf ist eine sechsspurige Straßenbrücke (vier Fahrspuren und zwei Standspuren), Baujahr 1970/1994, der Bundesautobahn 70. Die Brücke überqueren ebenfalls über 40.000 Kraftfahrzeuge (2017) am Tag.

    BundeswasserstraßeBearbeiten

     
    Mainhafen mit Hochtanklager

    Schweinfurt liegt an der derzeit (2019) leistungsfähiger ausgebauten,[218] 3.500 km langen Großschifffahrtsstraße, die über den Rhein-Main-Donau-Kanal die Nordsee mit dem Schwarzen Meer verbindet.[19] Jährlich passieren 1.000 Hotelschiffe (Flusskreuzfahrtschiffe) und 6.000 Frachtschiffe die Stadt.[218]

    Die Häfen Schweinfurts umfassen einen Binnenhafen, eine Lände, Anlegestellen für Personenschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe sowie Bootshäfen. Im Stadtgebiet befindet sich außerdem eine Staustufe, mit einer Schleuse und eine Bootsschleuse für Sportboote. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt ist eines von 39 bundesdeutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämtern (WSA) und ist für die Bundeswasserstraße Main im größten Bereich Unterfrankens auf einer Länge von 202 km zuständig.

    Schweinfurt war 1911/1912 Endpunkt der in Mainz beginnenden Kettenschifffahrt auf dem Main, die 1936 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde.

    Öffentlicher VerkehrBearbeiten

    Schiene

     
    DB Haltepunkt Schweinfurt-Mitte zwischen Haupt- und Stadtbahnhof

    In Folge der deutschen Teilung geriet die Stadt im Bahn-Fernverkehr ins Abseits. Durch die Wiedervereinigung und eine neue Bahn-Initiative erfährt sie nun das Gegenteil (siehe auch: Lage).

    Anschluss an den Fernverkehr:

    Die ICE-Stationen Würzburg Hbf und Bamberg sind mit dem RE von Schweinfurt Hbf in jeweils ca. 25 Minuten erreichbar. Über Bamberg ist Berlin nun von Schweinfurt in 3 h 25 min erreichbar. Bis spätestens Dezember 2028 erhält Schweinfurt einen direkten IC-Anschluss durch den neuen IC Bamberg–Schweinfurt Hbf–StuttgartTübingen im Rahmen der DB-Fernverkehrsoffensive.[219] Dadurch gelangt Schweinfurt wieder seit 1939 an die schnellste Verbindung Stuttgart–Berlin, mittels Umstieg in Bamberg in die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Berlin.

    Weitere Regionalexpress- und Regionalbahnstrecken:

    Die Wiederinbetriebnahme der Steigerwaldbahn für den Personenverkehr im Abschnitt Schweinfurt Hbf–GerolzhofenLülsfeld wird derzeit (2018), insbesondere von der IHK Würzburg-Schweinfurt, gefordert.[220] Das Neubauvorhaben einer direkten Schienenverbindung Schweinfurt–Fulda kommt frühestens in den Bundesverkehrswegeplan 2030.[221]

    Bahnhöfe:

    Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt

    Die Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (VSW) ist eine Verkehrsgemeinschaft des Öffentlichen Personennahverkehrs für das Gebiet der kreisfreien Stadt Schweinfurt und den Landkreis Schweinfurt. 23 Buslinien von örtlichen Busunternehmen und zwei Bahnlinien der Erfurter Bahn, bzw. der Deutschen Bahn, bieten einen Gemeinschaftstarif an.

    Nahverkehr Mainfranken

    2017 wurde die Nahverkehr Mainfranken GmbH (NVM) gegründet. Hauptziel ist die Verbundraumerweiterung des bisherigen Verkehrsverbunds Mainfranken (VVM) durch Angliederung der Region Schweinfurt/Main-Rhön zum 1. August 2022. Es entstünde dann nach Einwohnern der drittgrößte und nach Fläche der zweitgrößte Verkehrsverbund Bayerns.[222]

    Busse

     
    Anzeigetafel der Stadtbusse
    am ZOB Roßmarkt

    Fernbusse halten am außerhalb der Innenstadt gelegenen ZOB Hauptbahnhof, mit Verbindungen in viele Städte Zentraleuropas.

    Regionalbusse des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn Omnibusverkehr Franken (OVF) (auch: DB Frankenbus) und der Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (siehe oben) fahren insbesondere den ZOB Hauptbahnhof an und zudem weitere Haltestellen im Stadtgebiet. Die OVF unterhält in Schweinfurt eines von insgesamt drei Depots.

    Stadtbusse der Stadtwerke Schweinfurt fahren sternförmig den ZOB Roßmarkt in der Innenstadt an. 20 Linien bedienen das Stadtgebiet und die meisten Vororte.[223]

    Personenschifffahrt

    Die Schweinfurter Personenschifffahrt führt von März bis Oktober auf dem Main Rundfahrten durch, auch in Verbindung mit Veranstaltungen mit gastronomischen Angebot an Bord.

    StraßenverkehrBearbeiten

     
    Verkehrsprojekt Dt. Einheit Nr.16:
    Thüringer-Wald-Autobahn A 71
    Erfurt – Schweinfurt, 2002 im Bau

    Schweinfurt besitzt sehr gute Straßenverkehrsanbindungen, als i. d. R. staufreier Autobahnknoten (siehe: Lage), der die Stadt entlastet, die nur noch 5 %  Durchgangsverkehr besitzt.[224] Autobahn 70 (Südtangente) und Autobahn 71 (Westtangente) bilden eine Umfahrung um Schweinfurt, mit sieben Anschlussstellen für Stadt und Vororte. Während die landschaftlich wertvollen Bereiche im Norden und Osten (Schweinfurter Rhön) von Landschaftszerschneidungen verschont blieben.

    Bis zum Zweiten Weltkrieg gingen die Planungen der Reichsautobahnen vollständig am Raum Schweinfurt vorbei. In Folge der deutschen Teilung und der damit verbundenen Umplanungen (siehe: Strecke 46 und Strecke 85) und der Wiedervereinigung wurde die Stadt zu einem Autobahnknoten in der deutschen Mitte.

    Schweinfurt liegt an zwei Europastraßen (Transeuropäische Netze TEN):

    •   TEN Alta (Nordkap)–Gela (Sizilien). Die europäische Nord-Süd-Achse, mit fast 5000 km Länge, verläuft auf der A 7 über das Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck.
    •   TEN Schweinfurt–Prag. Die E 48 beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und war als durchgehende Autobahn von hier bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding geplant, wo sie an die Schnellstraße R 6 über Karlsbad nach Prag anschließen sollte. Im Endausbau wurde die E 48 als durchgehende, vierspurige Schnellstraße von Schweinfurt nach Prag angestrebt. Da die Planung der Fichtelgebirgsautobahn im Januar 2009 aufgegeben wurde, verläuft die E 48 nur von Schweinfurt bis Bad Berneck über Autobahnen und läuft dann zunächst als Bundesstraße weiter.
    •   An die erste Autobahn durch Unterfranken erhielt Schweinfurt Anfang der 1960er Jahre seinen ersten Autobahnanschluss Schweinfurt-Süd/Wiesentheid über einen 34 km langen Autobahnzubringer. Diese Anschlussstelle wurde später für die Stadt durch drei neue, nähere Autobahnen völlig bedeutungslos und wurde deshalb in Wiesentheid umbenannt. Der sechsstreifige Ausbau der A 3 in diesem Abschnitt (Autobahnkreuz BiebelriedAutobahnkreuz Fürth/Erlangen) ist im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP).[225]
    •   Sie verläuft von der dänischen zur österreichischen Grenze. Anschlussstellen Wasserlosen (vormals Schweinfurt/Niederwerrn) und Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck (A 7/A 70). Zwischen den Kreuzen Schweinfurt/Werneck und Biebelried ist der sechsstreifige Ausbau im BVWP 2030 im weiteren Bedarf mit Planungsrecht. Neue sechsstreife Brücken werden derzeit (2018) bereits errichtet und der restliche Ausbau kann bei entsprechenden Haushaltsmitteln deutlich vor 2030 beginnen.[225]
    •   Sie beginnt am Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und läuft über Bamberg bis zum Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach (A 70/A 9).
    •   Sie endet an der Schweinfurter Stadtgrenze am Autobahndreieck Werntal (A 70/A 71) und läuft über das Autobahnkreuz Erfurt (A 71/A 4) zum Autobahndreieck Südharz (A 71/A 38). In der Planung ist eine Verlängerung bis nach Magdeburg vorgesehen (die jedoch nicht in den BVWP 2030 aufgenommen wurde) als Teil einer im Endausbau durchgehenden Autobahnverbindung von Schweinfurt bis nach Wismar an der Ostsee und damit einer weiteren Nord-Süd-Achse zwischen A 7 und A 9.

    Die Bundesstraßen spielen für Schweinfurt im Fern- und Regionalverkehr, der hier größtenteils über Autobahnen verläuft, nur noch eine geringe Rolle, dienen meist nur als Autobahnzubringer oder dem lokalen Verkehr und wurden deshalb zum Teil im Schweinfurter Raum zu Staatsstraßen zurückgestuft. Die Stadt liegt an, bzw. bei folgenden Bundesstraßen:

    •   EisenachKleines Walsertal. Sie verläuft 2 km vor der Stadtgrenze als Westtangente und wurde zwischen der A 70 und Meiningen herabgestuft.
    •   Riedstadt (Rhein)–Bamberg, wurde im Raum Schweinfurt zur Staatsstraße herabgestuft
    •   Autobahnkreuz Schweinfurt/WerneckArnstein. Bundesstraße auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.
    •   im BVWP 2030.[226] Geplante Schnellstraße vom Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck zur A 3 (Anschlussstelle Helmstadt), als Umgehung des Autobahnkreuzes Biebelried. Direkte Verbindung von Schweinfurt nach Frankfurt am Main via A 3 und Stuttgart via A 81. Kreuzungsfrei, dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur geplant.[227] Der erste Bauabschnitt ist im vordringlichen Bedarf des BVWP 2030 und befindet sich derzeit (2019) bereits in fachplanerischer Umsetzung.[225] Er verläuft zunächst auf der Trasse der B 26a bis Arnstein und dann weiter auf neuer Trasse bis Karlstadt am Main, mit fünf Anschlussstellen, zuletzt Karlstadt-Ost.[228]
    •   EnzlarBad Brückenau. Im Abschnitt zwischen A 3, Anschlussstelle Wiesentheid und Schweinfurt-Hafenkreuz kreuzungsfreie Schnellstraße. In diesem Abschnitt von Gerolzhofen bis zur Anschlussstelle Schwebheim dreistreifig, mit abwechselnder Überholspur und ab da bis Hafenkreuz vierstreifig.
    •   A 7, Anschlussstelle WasserlosenSchirnding (Tschechische Grenze bei Eger). Zwischen der A 70 bei Schweinfurt und dem Coburger Land auf neuer Trasse, ohne Ortsdurchfahrten, aber nicht kreuzungsfrei.

    RadwegeBearbeiten

       
    Logo
    Main-Radweg
    Logo Main-Werra-Radweg

    Die Stadt besitzt, besonders im westlichen Bereich, ein dichtes Radwegenetz und liegt an drei Radfernwegen:

    Der 600 Kilometer lange Main-Radweg wurde 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet.[229]

    LuftverkehrBearbeiten

     
    Flugplatz Haßfurt-Schweinfurt

    Schweinfurt liegt zwischen dem Frankfurter Flughafen (118 km westlich) und dem Nürnberger Flughafen (85 km südöstlich). Wegen dieser Nähe gibt es dazwischen keinen Regionalflughafen, obwohl um 1970 unweit westlich des heutigen Autobahnkreuzes Schweinfurt/Werneck ein Regionalflughafen angedacht war.

    Um Schweinfurt liegen drei Flugplätze:

    EnergieversorgungBearbeiten

    Die Stadtwerke Schweinfurt betreiben in der Stadt und einigen Randgemeinden ein Stromnetz, Methangasnetz, Fernwärmenetz und ein Kabelnetz. Der Strom wird an der Börse in Leipzig gekauft und die Stadtwerke sind Miteigentümer des Wasserkraftwerkes an der Schweinfurter Main-Staustufe. Das Gas wird vollständig zugekauft. Die Fernwärme wird von der Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt GmbH bezogen, die am Schweinfurter Hafen das Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt (GKS) betreibt. Neben den Stadtwerken werden damit die größeren Industriebetriebe mit Heißdampf versorgt.

    Kernkraftwerk GrafenrheinfeldBearbeiten

     
    Kernkraftwerk in Betrieb (2009)

    Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG), das sich 3,4 km südwestlich von der Stadtgrenze befindet, wurde 2015 stillgelegt. Die Bauarbeiten, an denen 14.000 Menschen beteiligt waren, begannen 1974 durch die Bayernwerk AG. Es wurden zwei 143 m hohe Kühltürme errichtet, die auf über 50 km Entfernung bis nach Mittelfranken zu sehen sind.[230] Am 9. Dezember 1981 ging das Kraftwerk mit einem Druckwasserreaktor und einer elektrischen Bruttoleistung von 1345 Megawatt in Betrieb. Das KKG arbeitete nahezu störungsfrei und wurde überregional wenig wahrgenommen. Es gab einen Vorfall der INES-Stufe 1 der siebenstelligen Bewertungsskala, alle anderen Vorfälle lagen unterhalb dieser niedrigsten Stufe.[231] Bereits im ersten vollständigen Betriebsjahr 1983 produzierte das KKG mit 9,96 Milliarden Kilowattstunden Bruttostrom mehr als jede andere Anlage weltweit.[232] Das KKG stellte danach zahlreiche weitere Jahres-Weltrekorde auf.

    Zuständig für den Rückbau ist PreussenElektra das 2018 die Genehmigung hierfür erhielt. Bis ca. Ende 2020 ist die Brennelementefreiheit geplant und der anschließende nukleare Rückbau bis Ende 2033. Danach beginnt der konventionelle Abriss der Gebäude und Kühltürme, der um 2035 beendet sein soll. Die schwach- und mittelradioaktiven Stoffe soll der Schacht Konrad bei Salzgitter als Endlager aufnehmen. Da er noch nicht zur Verfügung steht wurde am KKG eine Bereitstellungshalle (BeHa) errichtet. Die hochradioaktiven Abfälle werden im 2006 am KKG erbauten Zwischenlager, dem Brennelementbehälterlager (BELLA), gelagert. Es hat eine Laufzeit von 40 Jahren. Wo danach die radioaktiven Abfälle hinkommen steht noch nicht fest, da es noch kein zentrales Endlager gibt. Die beiden Gebäude BeHa und BELLA werden das Einzige sein, was nach dem Abbruch vom KKG übrigbleibt.[233] Rückbau und Abbruch werden voraussichtlich 1,2  Milliarden Euro kosten. E.ON hat bislang (2019) noch kein Konzept, was danach mit dem Werksgelände geschehen soll.[234][235]

    Einer der wichtigsten deutschen Leitungsknoten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung befindet sich am Kernkraftwerk und am gegenüberliegenden Mainufer bei Bergrheinfeld. Er bleibt bestehen und wird seit Anfang 2015 weiter ausgebaut, als ein Ende der geplanten Stromtrasse Suedlink, als erstes Großprojekt in Erdverkabelung.[236][237]

    SportBearbeiten

     
    Bundespräsident K. Carstens 1982 mit Fahrradsportler aus Schweinfurt

    Schweinfurt galt als Stadt des Sports. Diese Bezeichnung wird auch heute noch manchmal verwendet, insbesondere von der Stadt Schweinfurt, obwohl der Sport hier seit Jahrzehnten keine überregionale Rolle mehr spielt. Die dreimaligen Abstiege des 1. FC Schweinfurt 05 aus der 2. Fußball-Bundesliga zwischen 1976 und 2002 führten auch zu einer Abnahme des allgemeinen Bekanntheitsgrades der Stadt. Durch eine ambitionierte Führung des FC 05, mit wiederholtem Einzug in die Hauptrunde des DFB Pokals, wird der Verein neuerdings wieder überregional wahrgenommen.

    VereineBearbeiten

    Mehrere herkömmliche Sportvereine der Stadt, insbesondere mit Fußballabteilungen, wurden wie vielerorts, durch die Demografie dezimiert und mussten teilweise neu organisiert werden. Viele Tennisanlagen wurden in Folge der Konkurrenz durch den Golfboom rückgebaut oder verwahrlosten.

    Die beiden größten Vereine in Schweinfurt sind die Turngemeinde Schweinfurt 1848 mit ca. 3.000 Mitgliedern[238] und die Sektion Schweinfurt des Deutschen Alpenvereins mit 3.805 Mitgliedern (2018),[239] sie betreibt die Schweinfurter Hütte in den Stubaier Alpen und die Hütte an der Haselstaude in der Schweinfurter Rhön sowie das DAV-Kletterzentrum Schweinfurt.[240] In der Tradition der Fußballstadt steht der 1. FC Schweinfurt 05. Weitere Traditionsvereine sind der Schweinfurter Ruder-Club Franken von 1882 und die 1. Radfahrer-Vereinigung 1892 Schweinfurt. Ferner ist der ERV Schweinfurt zu nennen, mit seiner Eishockey-Mannschaft Mighty Dogs. Die beiden letztgenannten Vereine stehen auch in Verbindung mit der Fahrrad- und Rollschuh-Tradition der Stadt, in der Fahrräder, Skateboards, Inlineskates und dazugehörige Kugellager hergestellt wurden bzw. werden.

    Willy-Sachs-StadionBearbeiten

     
    Willy-Sachs-Stadion vor einem Popkonzert 2013

    Das Willy-Sachs-Stadion wurde 1936 eine Woche vor den Olympischen Spielen in Berlin, als Volkspark eröffnet. Es wurde 2001 umfassend saniert, um die damaligen Auflagen für die 2. Fußball-Bundesliga zu erfüllen.[241] Am Namen des Stadions, das unter Denkmalschutz steht, wird immer wieder bundesweit wegen der Verbindungen des Stadionstifters Willy Sachs zum Nationalsozialismus Kritik geübt. Bei der Einweihung waren die mit Willy Sachs befreundeten Heinrich Himmler und Hermann Göring anwesend. Der Sportpark mit seinem alten Baumbestand wurde nach dem Krieg erweitert und hat zusammen mit den Sportanlagen benachbarter Vereine und den ehemals amerikanischen Sportanlagen (siehe: U.S. Army Garrison Schweinfurt) eine Fläche von etwa einem halben Quadratkilometer. Das eigentliche Fußball- und Leichtathletikstadion nimmt nur einen kleineren Teil des Sportparks ein. Es ist der sogenannte Hauptplatz, mit einem Fassungsvermögen von einst 22.500 und heute 15.060 Zuschauern.[241]

    „Die Stadien unserer Zeit zeichnen sich durch Kurzlebigkeit aus. Nur noch das Willy-Sachs-Stadion in Schweinfurt und das Volkspark-Stadion in Bamberg vermitteln bis heute ein Gefühl von der Bedeutung des Sports in den 20er und 30er Jahren, in denen er in einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel eingebettet war […] Das Willy-Sachs-Stadion entspricht von der Konzeption her der Idee der Freiluftsportanlage, wie sie in den 20er-Jahren häufig in Deutschland realisiert wurde. Die Anlage war als Volkspark und Aufenthaltsort für Familien gedacht.“[242]

    Anfang der 1960er Jahre, als das Willy-Sachs-Stadion noch zu den größten Sportparks in Westdeutschland gehörte, war geplant, das Bundesleistungszentrum für Leichtathletik dort zu errichten. Es wurden bereits Baupläne für eine große Sporthalle nördlich der Hauptkampfbahn veröffentlicht. Das Leistungszentrum wurde dann jedoch in Hannover verwirklicht.

    FußballBearbeiten

    Der 1. FC Schweinfurt 05 stellte mit Andreas Kupfer im Spiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 den ersten Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. In der Rangliste der Vereine mit den meisten Abstellungen zu A-Länderspielen belegt der FC 05 bis heute (2017) den 17. Platz. Am 12. Mai 1937, vier Tage vor der Geburtsstunde der Breslau-Elf, stellte der FC 05 in einem Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Manchester City im Willy-Sachs-Stadion die gesamte Läuferreihe mit Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (beide FC 05) und Robert Bernard (VfR 07 Schweinfurt). Die größten Erfolge des Vereins waren das Erreichen der Endrunden für die deutsche Meisterschaft 1939 und 1942 sowie 1936 das Erreichen des Halbfinales im Tschammerpokal, wie der DFB-Pokal damals hieß. In den 1930er und Anfang der 1940er Jahre war der FC 05 nach dem 1. FC Nürnberg die Nummer 2 im bayerischen Fußball. Seit 1931 spielte der FC 05 ohne Unterbrechung in der höchsten nationalen Spielklasse, bis zur Einführung der 1. Bundesliga im Jahre 1963, als der Verein zweitklassig wurde. Zweimal misslang danach der Versuch in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Ein Jahr nachdem der FC Bayern München Meister der Regionalliga Süd wurde und aufstieg, wurde 1966 der FC 05 Meister dieser Liga und scheiterte in der Aufstiegsrunde. Der Verein wurde 1974 Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga, und gleich in der ersten Saison verpasste der FC 05 mit Lothar Emmerich durch ein Unentschieden zu Hause am letzten Spieltag die beiden Relegationsspiele zur 1. Bundesliga. In der Saison 2001/02 gehörte der Verein zum dritten und bisher letzten Mal der 2. Liga an. Seitdem spielte er in diversen Amateurligen, derzeit (2018/19) in der Fußball-Regionalliga Bayern (4. Liga).

     
    Andreas Kupfer und Albin Kitzinger,
    beide vom FC 05; die einzigen Deutschen in der ersten Weltelf 1938

    Der italienische Doppelweltmeistertrainer Vittorio Pozzo stellte erstmals eine Europäische Fußballauswahl zusammen, die am 26. Oktober 1938 im Arsenal Stadium (Highbury) in London gegen England spielte. In dieser ersten Weltelf der Fußballgeschichte waren zwei Deutsche vertreten, Andreas Kupfer und Albin Kitzinger, beide vom FC 05.[243]

    Der Lokalrivale VfR 07 Schweinfurt (VfR 07) spielte von 1939 bis 1941 ebenfalls in der höchsten Spielklasse, der Gauliga Bayern, im Stadion am Hutrasen. Der größte Erfolg des Vereins war 1940 das Erreichen der zweiten Hauptrunde im Tschammerpokal, in der der VfR 07 gegen Rapid Wien ausschied.

    Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 war Schweinfurt Gastgeber der Tunesischen Nationalmannschaft. Sie wurde Dritter der Gruppe H und erreichte das Achtelfinale nicht.

    Eis- und RollhockeyBearbeiten

    Der Eislauf- und Rollschuhverein ERV Schweinfurt hat die derzeit mit Abstand führende Rollhockey-Abteilung Bayerns. Der ERV ist 14facher Meister der 2. Rollhockey-Bundesliga-Süd, spielte auch in der 1. Rollhockey-Bundesliga und stellte einige Zeit die meisten Rollhockey-Nationalspieler. Die Mannschaft hat sich für die neu gegründete eingleisige 2. Bundesliga ab April 2017 qualifiziert, dominierte die Liga und wurde mit großem Punktabstand Meister. Zudem gewann sie 2017 zum vierten Mal in Folge die bayerische Meisterschaft, wo sie als einziger Verein mit der ersten und zweiten Mannschaft teilnahm.

    Die größten Erfolge der Eishockey-Mannschaft (seit 2003 Mighty Dogs) des ERV Schweinfurt waren zwei Spielzeiten in der 2. Liga Süd von 1994 bis 1996, die Meisterschaft in der Oberliga Süd/Ost 2003 und die dreimalige Bayerische Eishockey-Meisterschaft 1990, 2009 und 2012. Die Spielstätte der Eishockey-Abteilung ist der überdachte Icedome neben dem Willy-Sachs-Stadion, mit einer Kapazität von 3.000 Zuschauern.

    LeichtathletikBearbeiten

     
    Willy-Sachs-Stadion, Paul Bonatz (1936, unter Denkmalschutz)

    Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom fanden für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft zum ersten Mal Ausscheidungswettkämpfe statt. Die Leichtathletik-Vorentscheidungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden im Willy-Sachs-Stadion ermittelt. Zu diesen Olympischen Spielen wurde auch die gesamtdeutsche Olympiaflagge eingeführt (Schwarz-Rot-Gold mit weißen olympischen Ringen im roten Streifen).

    FaustballBearbeiten

    Die zweite Faustball-Weltmeisterschaft der Männer fand 1972 im Willy-Sachs-Stadion statt, in der die Bundesrepublik Deutschland Weltmeister wurde, vor Brasilien und Österreich. Im selben Stadion gewann 2012 die Schweiz die Faustball-Europameisterschaft der Männer, vor Österreich und Deutschland.

    RegattastreckeBearbeiten

    Der Schweinfurter Ruder-Club Franken unterhält eine 1000 Meter lange Regattastrecke auf dem Main, entlang den Wehranlagen. Sie ist neben der Olympiaanlage in Oberschleißheim eine der beiden bayerischen Regattastrecken. In den geraden Jahren finden die Bayerischen Meisterschaften im Rudern auf der Olympiaanlage statt und in den ungeraden Jahren in Schweinfurt, wo auch schon die deutschen Sprintmeisterschaften, der deutsche Rudertag und das deutsche Ruderwandertreffen ausgetragen wurden.[244]

    FreizeitBearbeiten

    ParksBearbeiten

    Wehranlagen (Stadtpark)

    Die Wehranlagen sind im innenstadtnahen Bereich ein Stadtpark, der nach außen in einen Waldpark und Auwald überläuft, mit urwaldähnlichen Bereichen am Main. Dieser größere, äußere Bereich ist Landschaftsschutzgebiet.[245] Die Parkanlagen ziehen sich entlang der Südseite des Schweinfurter Mainbogens insgesamt 2,5 km nach Osten hin. Sie liegen auf einem leicht erhöhtem Gebiet (siehe: Sennfelder Seenkranz, Einstige nördliche Flussinsel). Auf dem Areal lagen einst der Exerzierplatz des reichsstädtischen Militärs und am Main die Farbenfabrik Gademann.[246] Von 1869 bis 1890 wurde der Park angelegt, auf dem Gademann’schen Hügel (alte Bezeichnung: Auf dem Börklein) gegenüber der Böckleinsinsel, vorwiegend mit Pflanzen aus China, Japan und Korea. Im Park befand sich zudem von 1880 bis 1944 ein Privatzoo, unter anderen mit einem Raubtierhaus.[247] Der Zoo war 1880 umgesiedelt worden, er lag zuvor im heutigen Nordöstlichen Stadtteil auf dem Teilberg, an der heutigen Hofrat-Graetz-Straße.[248] 1891, im Zeitalter der Hochräder, entstand an den Wehranlagen, zum Teil auf Sennfelder Gemarkung, eine 333 Meter lange Radrennbahn.[249]

    Nach Partnerstädten benannte Parks

    Weitere Parks

    • Alter Friedhof, an der südlichen Stadtmauer am Main
    • Fichtelsgarten, Wallanlagen nördlich der Altstadt, an der Fichtelsvilla
    • Grünanlage am Philosophengang, an der östlichen Stadtmauer am Marienbach

    Tierpark

    Nachdem der private Tiergarten im Schweinfurter Stadtpark Wehranlagen den Bombenangriffen 1944 zum Opfer fiel[250] wurde an anderer Stelle, im Stadtwald, im Randgebiet der Schweinfurter Rhön ab 1962 ein 18 Hektar großer städtischer Tierpark aufgebaut. Der Wildpark an den Eichen, mit freien Eintritt. 50 europäische Tierarten mit insgesamt 500 Tieren sind hier beheimatet, zudem ein Streichelzoo, Wasser- und Abenteuerspielplätze, Liegewiese, Minigolfplatz und ein Biergarten.

    Promenaden und SträndeBearbeiten

     
    Badesee am Schwebheimer Wald, im Süden der Stadt
    • Stadtstrand Schweinfurt, in der Mainbastion der Stadtmauer
    • Gutermann-Promenade am Main, mit Grünanlagen, Skulpturen und Industriedenkmälern.[251] (siehe auch: Denkmäler und Brunnen)
    • Georg-Krug-Promenade am Main
    • Baggersee: Badesee am Schwebheimer Wald, mit 1 km langem Badestrand (teilweise Sandstrand), mit einer Gesamtfläche von 60 Hektar, dem 26 Hektar großen Badesee, Hochseilgarten, Beachvolleyball, Bootsvermietung, Kinderspielplätzen und Beachcafe.[252]

    GolfplätzeBearbeiten

    Im Raum Schweinfurt gibt es eine hohe Dichte an Golfplätzen.[253] Die nächstgelegen Anlagen befinden sich nordöstlich der Stadt, in sommerkühleren Höhenlagen, an Waldrändern in der Schweinfurter Rhön:

    • Golf Club Schweinfurt in Löffelsterz (380–400 m ü NN): Golfplatz (18 Loch), öffentlicher Golfplatz (6 Loch), öffentliche Driving Range
    • Golfakademie am Funkturm in Hoppachshof (420 m ü NN): öffentlicher Golfplatz (3 Loch), öffentliche Driving Range

    Weitere FreizeiteinrichtungenBearbeiten

    • Silvana, Hallenfreibad und Freizeitbad, am Wildpark an den Eichen
    • Stadtbücherei im Ebracher Hof
    • Willy-Sachs-Stadion (siehe: Sport)
    • Eisstadion Icedome (3.000 Zuschauer), neben dem Willy-Sachs-Stadion

    Wanderwege und WintersportBearbeiten

     
    Kreuzberg, Rhön (928 m)
    45 km nördlich von Schweinfurt

    Die Schweinfurter Rhön zieht sich bis ins nordöstliche Stadtgebiet, wo ein dichtes Wanderwegenetz[254][255] durch weithin unbesiedeltes Gebiet beginnt. Wege führen zu Bayerns größtem Nationalen Naturerbe am Brönnhof, zum Ellertshäuser See und bis in die Nachbarlandkreise Bad Kissingen und Haßberge.

    In der Stadt beginnen drei Fernwanderwege Richtung Norden und Nordosten, durch dünn besiedelte Naturräume und Naturparks:

    Eine Natureisbahn befindet sich an der Ludwigsbrücke und eine Rodelbahn am Wildpark an den Eichen, die hinunter zum Zellergrundbach führt. Kleinere Wintersportmöglichkeiten in der Schweinfurter Rhön fielen der Klimaerwärmung zum Opfer. Eine Autostunde nördlich der Stadt, in der Rhön, bestehen nach wie vor vielfältige Wintersporteinrichtungen. Unweit des Schweinfurter Hauses liegt das hessische Skilanglaufzentrum mit öffentlichen Loipen auf ca. 800 m ü. NN. Eineinhalb Autostunden nördlich Schweinfurts, an der Autobahn 71, liegt der internationale Wintersportort Oberhof, mit Biathlon-Weltcups und Weltmeisterschaften.

    FerienstraßeBearbeiten

    Schweinfurt liegt am nordöstlichen Ende des größeren, unterfränkischen Teils der Bocksbeutelstraße. Sie führt von der Stadt nach Süden, entlang des Mains, vorbei an den beiden größten Weinorten des Landkreis Schweinfurts Stammheim und Wipfeld, zum nahen Zentrum des Fränkischen Weinlands, der Volkacher Mainschleife[256] (siehe auch: Weinbau).

    WissenswertesBearbeiten

    Theodor Fischer: ein Vater des Bauhauses

     
    Wirsing Villa Schweinfurt,
    Theodor Fischer 1909

    Der am 28. Mai 1862 in Schweinfurt geborene Theodor Fischer, der in Schweinfurt das heutige Celtis-Gymnasium besuchte, wurde „als einflussreichster und bedeutendster Architekt vor dem Ersten Weltkrieg“ bezeichnet.[257] Fischer wandte sich von seiner Mitarbeit (1886 bis 1889) am Berliner Reichstagsgebäude unter Paul Wallot ab, distanzierte sich vom Historismus und galt schließlich als ein Vater der Moderne und des Bauhauses. Seine Gedanken im Manifest für die deutsche Baukunst wurden Grundlage für das Bauhaus-Manifest. 1932 sowie in einer Rede im Oktober 1933 vor versammelter NS-Prominenz appellierte er vergeblich für den Erhalt des Bauhauses.

    Erstes Bodybuilding-Studio Deutschlands

    Der US-Amerikaner Harry Gelbfarb wurde 1951 zur Armee eingezogen und später in Schweinfurt stationiert, wo er seine spätere Frau Elly Böttcher, eine Sportlehrerin und Leichtathletin kennen lernte. Nach seiner Armeezeit traf er in Kalifornien bekannte Bodybuilder und eröffnete danach 1956 in Schweinfurt das erste Bodybuilding-Studio Deutschlands. 1959 gründete er mit Mitgliedern seines Studios den ersten deutschen Bodybuilding-Verband (DKB). 1981 organisierte Gelbfarb in seinem Schweinfurter Studio die ersten deutschen Meisterschaften im Kraftdreikampf der Frauen. Für die ersten Frauenmeisterschaften im Bodybuilding formulierte Gelbfarb die Richtlinien mit. Gelbfarb hat „das moderne Zeitalter dieser Sportart in Deutschland eingeleitet“.[258]Sie waren zu siebt, als Harry Gelbfarb im Jahr 1959 den ersten deutschen Bodybuilding-Verband gründete. Ein halbes Jahrhundert später sind es sieben Millionen Menschen, die in Fitnessstudios ihre Kraft mit Gewichten und Maschinen trainieren“.[259]

    Ludwig Mies van der Rohe und Schweinfurt

     
    Neue Nationalgalerie Berlin, Rückgriff auf einen Entwurf des Museums Georg Schäfer

    40 Jahre vor der Eröffnung des Museum Georg Schäfer (MGS) beauftragte der Schweinfurter Industrielle Dr. Georg Schäfer Ludwig Mies van der Rohe für die Planung eines Museums für seine damals bereits bedeutende Privatsammlung. Der Entwurf von 1960/61 sah einen gläsernen, stützenlosen, eingeschossigen Hallenraum mit einer Stahlkonstruktion vor und sollte im Fichtelsgarten, einem Abschnitt der nördlichen Schweinfurter Wallanlagen, errichtet werden. Der damalige von der SPD dominierte Stadtrat lehnte das Geschenk des Industriellen für seine Heimatstadt wegen der zu übernehmenden Unterhaltskosten ab. Daraufhin verwirklichte Mies van der Rohe die Idee in größeren Abmessungen als Neue Nationalgalerie in Westberlin an der Potsdamer Straße in den Jahren 1965 bis 1968. Es ist das einzige Bauwerk, das Mies van der Rohe in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg umsetzte und gilt als Meisterwerk am Ende seiner langen Laufbahn. Die Bauleitung hatte sein Enkel Dirk Lohan, der mit Heidemarie Schäfer, der Tochter von Georg Schäfer, verheiratet war.[260] Wegen seiner Beziehungen zu Schweinfurt fand neben seiner Geburtsstadt Aachen im MGS von Ende Februar bis Ende Mai 2017 die einzige Ausstellung in Deutschland mit Collagen Van der Rohes als Leihgabe des Museum of Modern Art (MoMA) aus New York statt.[261]

    Gunter Sachs

     
    Schloss Mainberg bei Schweinfurt, Geburtsort von Gunter Sachs

    Gunter Sachs wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt am 14. November 1932 geboren. Er war in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt. Nach seiner Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya 1962 war er von 1966 bis 1969 mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet. Der Fotograf und Kunstsammler führte das Nachkriegsdeutschland aus seiner Provinzialität, machte die Pop Art salonfähig und entdeckte Andy Warhol.[262] Er gehörte bis Mitte der 1980er Jahre dem Aufsichtsrat der Sachs-Gruppe in Schweinfurt an. Um den Jahreswechsel 2013/14 war in der Kunsthalle Schweinfurt die Sammlung Gunter Sachs, u. a. mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Salvador Dalí und Max Ernst zu sehen. Die Ausstellung verstand sich „als eine Hommage der Familie Sachs an ihre Wurzeln“.[263]

    Beinamen und Mottos

    Schweinfurt wird seit langem Kugellagerstadt genannt. Die beiden größten Wälzlagerkonzerne der Welt haben ihr jeweils größtes Werk in der Stadt (siehe: Einleitung). In neuerer Zeit wird Schweinfurt deshalb auch Welthauptstadt der Kugellager genannt.[9]

    Bis in die Nachkriegsjahrzehnte war der Beiname Stadt des Sports gebräuchlich, der seitdem, zumindest bis heute, nicht mehr gerechtfertigt ist (siehe: Sport).

    In der Serie der ZEIT, Unterschätzte Stadt, war 2014 Schweinfurt vertreten.[264]

    Unter der Ägide der einstigen Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser (siehe: Die Ära Grieser 1992–2010) wurde das Stadtmotto Industrie und Kunst kreiert. Seitdem kommt der Beiname Kugellagerstadt in Publikationen der Stadt Schweinfurt nicht mehr vor, weil er die Weiterentwicklung der Stadt nicht beinhaltet.

    Spitzname

    Der mittlerweile bundesweit bekannte Spitzname für den 1. FC Schweinfurt 05 Schnüdel wird in der Stadt als Bezeichnung für den Verein verwendet. Im Umland wird er daneben in einer zweiten Bedeutung auch als Spottname für die Schweinfurter benutzt.

    PersönlichkeitenBearbeiten

    Zu Schweinfurts Ehrenbürgern gehört Otto von Bismarck (1895). Aus der Stadt stammen Judith von Schweinfurt, (Königin von Ungarn (?), beigesetzt im Veitsdom), Friedrich Rückert (Dichter und Orientalist), Theodor Fischer (Architekt und ein Vater des Bauhauses), Andreas Kupfer, Albin Kitzinger (einzige Deutsche in der ersten Weltelf der Fußballgeschichte 1938), Stefan Marquard (Starkoch) und der „gefallene Star“[265] Jürgen Höller (Autor und Motivationstrainer). Gunter Sachs (bekanntester Playboy, Fotograf, Kunstsammler und Ehemann von Brigitte Bardot) wurde im an Schweinfurt angrenzenden Mainberg geboren. Daneben war die Stadt aber auch Anziehungspunkt und Teil des Lebens bekannter Personen, wie Ernst Sachs (Erfinder und Industrieller), Klaus Ernst (Mitbegründer der Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative und Vorsitzender von Die Linke) oder Sarah Kreuz (Sängerin). Familiäre, berufliche oder sonstige Bezüge zu Schweinfurt haben Ludwig Mies van der Rohe und Michael Glos.

    Siehe auchBearbeiten

    LiteraturBearbeiten

    • Andreas Mühlich und G. Hahn: Chronik der Stadt Schweinfurt – Aus Verschiedenen Handschriften Zusammengestellt. Nabu Press, Berlin 2011, ISBN 978-1-247-00419-8.
    • Heinrich Christian Beck: Chronik der Stadt Schweinfurt. British Library, London 2011 ISBN 978-1-241-41569-3.
    • Friedrich Stein: Geschichte der Stadt Schweinfurt nebst Chronik der Stadt Schweinfurt. Verlag Rückert-Buchhandlung, Schweinfurt 1992, ISBN 3-9802305-2-X.
    • Thomas Horling, Uwe Müller, Erich Schneider: Schweinfurt: Kleine Stadtgeschichte. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2609-0.
    • Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt – Als die Stadtmauer noch Begrenzung war. Buch- und Idee-Verlag, Schweinfurt 1980, ISBN 3-9800480-1-2.
    • Hubert Gutermann: Alt Schweinfurt – in Bildern, Sitten und Sagen. Schweinfurter Tagblatt, Schweinfurt 1991, ISBN 978-3-925232-09-1.
    • Friedhelm Golücke: Schweinfurt und der strategische Luftkrieg 1943. Der Angriff der US Air Force vom 14. Oktober 1943 gegen die Schweinfurter Kugellagerindustrie. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1980, ISBN 3-506-77446-8.
    • Edward Jablonski: Doppelschlag gegen Regensburg und Schweinfurt – Schulbeispiel oder Fehlschlag eines grossen Bomberangriffs 1943, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-87943-401-8.
    • Martin Caidin: Black Thursday: The Story of the Schweinfurt Raid (englisch) – Geschichte über die größte Luftniederlage der Amerikaner im 2. Weltkrieg, 1960.
    • Uwe Müller: Schweinfurt – Über 200 Ansichten aus den Anfängen der Fotografie bis in die fünfziger Jahre. Sutton Verlag, München 2017, ISBN 978-3-89702-020-7.
    • Bruno Erhard: Schweinfurt, Gestern und Heute – in 55 Bildpaaren historischer und aktueller Fotografien. Sutton Verlag, München 2019 (ab 22. 05.) ISBN 978-3-89702-020-7.
    • Mehrere Autoren: Schweinfurt – Industrie, Kunst und Kultur. Haus der Bayerischen Geschichte (Edition Bayern 10), Augsburg 2013.
    • Erich Schneider: Schweinfurt und seine Denkmäler – Architektur-Kunst-Technik. Verlagshaus Weppert, Schweinfurt 2015, ISBN 978-3-9803695-9-6.
    • Martin Matl: Architekturführer Schweinfurt – Bauten nach 1945. Verlag AIV, Architekten- und Ingenieurverein, Schweinfurt 2014, ISBN 3-00-045006-8.
    • Claudia Fuchs: Büro- und Betriebsgebäude Schweinfurt – Baukulturführer 101. Koch-Schmidt-Wilhelm, Amberg 2016, ISBN 978-3-943242-63-8.
    • Ulrike Ratay: Reise durch Schweinfurt und das Schweinfurter Land – Ein Bildband mit über 190 Bildern. (deutsch & englisch) Stürtz Verlag, Würzburg 2016, ISBN 978-3-8003-4178-8.
    • Lothar Reichel: Walpurgisnacht (Kriminalroman, Schauplatz Schweinfurt). Verlag Peter Hellmund, Würzburg 2012, ISBN 978-3-939103-40-0.
    • Johannes Wilkes: Der Fall Rückert (Kriminalroman, Schauplatz Franken, u. a. Schweinfurt). ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2016, ISBN 978-3-86913-629-5.
    • Das Kochbuch aus Schweinfurt 1988, ISBN 978-3-88117-459-6.

    WeblinksBearbeiten

    Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

    1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
    2. a b Citypopulation.de. Abgerufen am 23. September 2018.
    3. Die Agglomeration hat 98.800 Einwohner (2016), zu der wegen des zu großen baulichen Abstandes Schonungen mit 7.739 Einwohnern (2017) nicht hinzugezählt wird, das jedoch funktional ein Vorort ist.
    4. Territoriale Verhältnisse in Unterfranken 1792. (PDF) Abgerufen am 14. Februar 2018.
    5. mainpost.de: Die erste Schweinfurter Siedlung war ein Fischerdorf, 10. Mai 2019. Abgerufen am 27. Januar 2019.
    6. Arbeitslosenquote im Juli 2018 nach Angabe der Bundesagentur für Arbeit für die Agenturbezirke: Schweinfurt 2,7 %, Freising 1,8 %, Ingolstadt 1,8 %, München 3,4 %, Rosenheim 2,3 %, Traunstein 2,7 %, Weilheim 2,3 %
    7. mainpost.de: Rassismus gibt es auch in der Multikulti-Stadt Schweinfurt, 21. März 2019. Abgerufen am 3. April 2019.
    8. Schweinfurt wurde nach Zahl der Beschäftigten in der Großindustrie größter Standort Nordbayerns in Folge der Deindustrialisierung Nürnbergs.
      Mitarbeiter in den Großfirmen:
      Schweinfurt ca. 23.000: ZF Friedrichshafen 9.500 (2019) (Main-Post: „Brexit: Mainfrankens Wirtschaft reagiert verhalten“, 16. Januar 2019. Abgerufen am 14. Februar 2019.), Schaeffler 6.500 (2019) (ebd.), SKF 4.100 (2018) (Wirtschaft in Mainfranken: „SKF Standort Schweinfurt mit ca. 4.100 Mitarbeitern größter Standort weltweit“, August 2018, S. 63), Bosch Rexroth ca. 2.000, Fresenius Medical Care 1.200 (2018) (Angabe Fresenius zum Produktions- und Entwicklungsstandort Schweinfurt).
      Erlangen ca. 22.000: alle Siemens (2008), Tendenz seitdem weiterhin fallend. (FAZ.de: Siemens streicht 5.250 Stellen in Deutschland, 8. Juli 2008. Abgerufen am 14. Februar 2019.)
      Nürnberg ca. 18.700: Siemens 9.000 (2008), MAN 3.500 (2010), Diehl 3.000 (2010), Bosch 2.000 (2010), Federal Mogul 1200 (2010), Tendenz seitdem ebenfalls fallend. Alle Angaben zu Nürnberg (außer Siemens: siehe Beleg bei Erlangen): Süddeutsche Zeitung.de: Niedergang eines Industriestandortes. Abgerufen am 14. Februar 2019.
    9. a b presseportal.de. Abgerufen am 15. April 2016.
    10. a b FOCUS: Arme Stadt, reiche Stadt. Ein Besuch im Job-Paradies Schweinfurt und in der Schuldenhochburg Oberhausen. Asg. Nr. 34, 14. August 2015. Abgerufen am 26. Juli 2017.
    11. a b FAZ.de: Deutschlands unwahrscheinliche Aufsteiger-Regionen, 10. April 2018. Abgerufen am 9. August 2018.
    12. a b Durch die Übernahme von FAG Kugelfischer 2001 wurde Schaeffler zum zweitgrößten Wälzlagerhersteller der Welt, in: Wirtschaft in Mainfranken: Mit einer genialen Idee zum Weltkonzern, August 2016, S. 78.
    13. a b automobilwoche.de: ZF Friedrichshafen erstmals zweitgrößter Automobilzulieferer der Welt. Abgerufen am 12. Dezember 2017.
    14. Wirtschaft in Mainfranken, August 2018, S. 63: SKF Standort Schweinfurt mit ca. 4.100 Mitarbeitern größter Standort weltweit
    15. a b ZF Friedrichshafen AG Standort Schweinfurt: mit über 9.500 Mitarbeitern 2017/2018 größter Standort weltweit. Abgerufen am 9. August 2018.
    16. mainpost.de: Wo Sie einem Stück Schweinfurt begegnen – ohne es zu wissen, 27. Januar 2019. Abgerufen am 27. Januar 2019.
    17. Im Ggs. zu Pierre Michaux (1861) brachte P. M. Fischer seine im Schweinfurter Museum für Stadtgeschichte ausgestellte Erfindung nicht an die Öffentlichkeit, weshalb er in vielen Quellen zu Fahrradgeschichte bis heute nicht erwähnt wird. Die angeblichen vorhergehenden Erfindungen von Baader (1825) und Heinrich Mylius (1845) sind strittig und unbelegt: foelss.de: Die Entwicklung des Fahrrads. Abgerufen am 28. März 2018.
    18. a b Bundesministerium für Bildung und Forschung: Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Abgerufen am 12. August 2018.
    19. a b mainpost.de: Der Hafen, der den Main mit Schiene und Straße verbindet, 13. März 2019. Abgerufen am 14. März 2019.
    20. Der geographische Mittelpunkt der EU liegt 70 km westlich Schweinfurts in Oberwestern und nach dem Austritt Großbritanniens 35 km südwestlich Schweinfurts in Veitshöchheim
    21. Der geographische Mittelpunkt (nach der Schwerpunktermittlung) der D-A-CH-Region liegt 45 km östlich Schweinfurts, in Seßlach
    22. a b Informationsbroschüre Stadt Schweinfurt. Weka Info-Verlag, Mering 2002, S. 25.
    23. Topografische Karte des Bayerischen Landesvermessungsamtes 1:25.000, Blatt 5927 Schweinfurt.
    24. Die WELT: Die A 71 ist die teuerste Autobahn Deutschlands, 21. Mai 2014
    25. mainpost.de: So oft hat es 2018 auf den Autobahnen in der Region gekracht. Abgerufen am 13. April 2019.
    26. Bayerischer Rundfunk: Anschluss Schweinfurts an die Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg–Berlin. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
    27. Regierung von Unterfranken: Weinbergslagen in Bayern gegliedert nach Bereichen. Abgerufen am 1. Mai 2019.
    28. a b Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim: Bestockte Rebflächen in der Weinbaukartei am Stichtag 31. Juli 2017
    29. Weingut Dahms: Schweinfurt und der Wein. Abgerufen am 21. Juli 2015.
    30. Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Geschichte des Fränkischen Weinbaus
    31. Im Raum Würzburg maß der Deutsche Wetterdienst (DWD) die bisher höchsten Temperaturen Deutschlands (2015: Kitzingen 40,3°, Bad Mergentheim 40,2°). Spiegel.de: 40,3 Grad in Kitzingen. Abgerufen am 22. August 2018. Die DWD-Station Würzburg liegt auf dem Neuberg, 90 m über der im Talkessel gelegenen Innenstadt, wo bis zu 5,4° höhere Temperaturen gemessen wurden, als auf einer umgebenden Anhöhe. Pressemitteilung der Universität Würzburg. Abgerufen am 23. August 2018.
    32. Süddeutsche Zeitung, Online-Ausgabe vom 26. Juli 2016: Deutschlands Blitzhauptstadt, Angaben des Blitzinformationsdienstes.
    33. Der einzige bekannte Beleg der Stadt Schweinfurt zur Stadtgliederung ist eine veraltete Übersichtskarte im Jugendhilfeplan, in der das Stadtgebiet in 14 Stadtteile aufgeteilt wurde. Die drei Bereiche Altstadt, Innenstadt-West und Innenstadt-Nord wurden zum Stadtteil Innenstadt zusammengefasst. Der neuere Stadtteil Maintal noch nicht enthalten. Die Grenzen der 23 Ortsteile sind nicht eingezeichnet: Übersichtskarte der Stadtteile. Abgerufen am 23. Dezember 2016.
    34. a b c Melderegisterbasierte Bevölkerung (mit Zweitwohnsitzen) und Bevölkerungsstruktur nach Angaben der Stadt Schweinfurt. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
    35. Auch Spätaussiedler.
    36. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als Schweinfurt-Süd bezeichnet.
    37. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als Schweinfurt-Süd-Hafen bezeichnet.
    38. In der Bevölkerungsstatistik der Stadtverwaltung als SW-Baggersee Umgem. bezeichnet.
    39. Verschiedene Autoren: Wie lange müssen wir noch in diesen Ängsten leben?. Verlagshaus Weppert, Schweinfurt 1995, ISBN 3-926879-23-8, S. 61, Karte mit dem Grad der Zerstörung deutscher Städte
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