Spielzeuginstrument

Spielzeuginstrumente sind einfachste Musikinstrumente oder instrumentenähnliche Nachbildungen, die für das Spiel von Kindern gedacht sind. Die Übergänge zwischen Klänge oder Geräusche hervorbringenden Spielzeugen und solchen ohne Tonproduktion sind fließend.[1]

Spielzeugklavier der Firma Goldon

Sie sind also etwas anderes als Kinderinstrumente, die wirklichen Musikinstrumenten entsprechen und nur kleinere Abmessungen haben, damit Kinder sie einfacher spielen können (z. B. kleinere Streichinstrumente, Klaviere mit schmaleren Tasten), oder einfacher ausgestattet sind, um hohe Anschaffungskosten für ein erstes Instrument zu vermeiden.

GeschichteBearbeiten

Die Anfänge der Spielzeuginstrumente reichen wahrscheinlich ebensoweit in die Vergangenheit zurück wie die der Spielzeuge überhaupt. Bereits in einem 2800 Jahre alten bronzezeitlichen Kindergrab wurde eine Tonrassel gefunden.[2]

Im 18. Jahrhundert war das Berchtesgadener Land bekannt für seine klingenden Spielzeuge, als eine Ausprägungsform der Berchtesgadener War. In diesem geographischen Zusammenhang entstand auch um 1770 die Edmund Angerer zugeschriebene Kindersinfonie, mit der Spielzeuginstrumente erstmals Berücksichtigung in der Kunstmusik fanden.

Um 1800 hatte ein Nürnberger Händler Spielzeuginstrumente in seinem Sortiment, wie aus Abbildungen auf Katalogtafeln hervorgeht.[3]

John Cage schrieb 1948 mit seiner Suite for Toy Piano eine weitere bekannte Komposition für ein Spielzeuginstrument. Bernd Wiesemann war ein bekannterer deutscher Komponist, der häufig das Spielzeugklavier einsetzt. Weitere Komponisten wie Peter Gahn, Peter Köszeghy, Karlheinz Essl und Musikerinnen wie Isabel Ettenauer trugen seitdem zur Erweiterung des Repertoires für dieses Instrument bei.[4]

Beispiele von SpielzeuginstrumentenBearbeiten

Die meisten Spielzeuginstrumente lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Instrumentenähnliche Nachbildungen realer Instrumente einerseits und „eigenständige“ Spielzeuginstrumente andererseits. Bei Letzteren ist der Übergang zu herkömmlichen Musikinstrumenten fließend. Insbesondere sind viele Lärminstrumente auch von Kindern sehr einfach zu spielen und finden oft als Spielzeuginstrumente Anwendung.

  • Viele Lärminstrumente eignen sich aufgrund ihrer geringen Größe, der leicht erlernbaren Spielweise und des oft günstigen Preises als Spielzeuginstrumente. Sie sind im Gegensatz zu den Nachbildungen realer Instrumente nicht ausschließlich auf den Einsatz als Spielzeug beschränkt, sondern werden durchaus auch anderweitig eingesetzt, z. B. auf Sportveranstaltungen. Typische Beispiele sind:

Gemeinsames Merkmal der Instrumente dieser Kategorie ist die sehr hohe Lautstärke. Bei längerem Spielen ist daher die Verwendung von Ohrenstöpseln sinnvoll.

Ferner werden im Handel auch zahllose Klangspielzeuge minderwertiger Qualität angeboten und als „Musikinstrumente“ bezeichnet.

 
Kunststoffhammer mit Trillerpfeife
 
Benutzung von Luftrüsseln bei einer Geburtstagsfeier

Weiterhin werden Rhythmusinstrumente, vor allem Rasseln, als Spielzeuginstrumente verwendet. Hier sind Maracas recht beliebt; deren leisere Variante sind Eggshaker.

  • Sonstige:

KritikBearbeiten

Verbraucherschützer und Hörakustiker bemängeln, dass manche Spielzeuginstrumente eine hörschädigende Lautstärke von über 95 Dezibel entfalten.[5] Plastikrasseln oder Handtrommeln für Kinder können nah am Ohr 100 dB(A) erreichen, kleine Trompeten gar 125 dB(A).[6]

Bereits ab 85 Dezibel können Hörverlust und Tinnitus auftreten. Problematisch sei dies insbesondere deswegen, weil Kinder oft über längere Zeit mit diesem Spielzeug spielen und dabei nicht den in der Prüfnorm für Kinderspielzeug DIN EN 71-1 vorgesehenen Abstand von 50 cm vom Ohr einhalten.[7]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Spielzeuginstrumente – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mit Pauken und Trompeten! Spielzeuginstrumente aus Nürnberg und der Welt. Museen der Stadt Nürnberg, Presseinformation, 1. Dezember 2016
  2. Thomas Senne: Antike Tonrasseln und Scheußlichkeiten aus Plastik. Deutschlandfunk, 5. Dezember 2016
  3. Mit Pauken und Trompeten! Spielzeuginstrumente aus Nürnberg und der Welt. Museen der Stadt Nürnberg, Presseinformation, 1. Dezember 2016
  4. Non-Piano / Toy Piano Weekend. Elbphilharmonie, 27. September 2014
  5. Adrienne Bilitza: Quietsch-Ente kann es auf 130 Dezibel bringen. In: Neckar-Chronik, 24. April 2013
  6. Lautes Spielzeug: Krach aus dem Kuscheltier.. Auf: test.de vom 16. Dezember 2004
  7. Lautes Spielzeug: Große Gefahr für kleine Ohren.. Auf: test.de vom 15. Dezember 2005