Anger (Berchtesgadener Land)

Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Anger
Anger (Berchtesgadener Land)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Anger hervorgehoben

Koordinaten: 47° 48′ N, 12° 51′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Berchtesgadener Land
Höhe: 558 m ü. NHN
Fläche: 45,91 km2
Einwohner: 4542 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 99 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83454
Vorwahl: 08656
Kfz-Kennzeichen: BGL, BGD, LF, REI
Gemeindeschlüssel: 09 1 72 112
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfplatz 4
83454 Anger
Website: rathaus-anger.de
Erster Bürgermeister: Markus Winkler[2] (CSU)
Lage der Gemeinde Anger im Landkreis Berchtesgadener Land
BerchtesgadenEck (gemeindefreies Gebiet)SchneizlreuthSchellenberger ForstAinringAnger (Berchtesgadener Land)Bad ReichenhallBayerisch GmainBerchtesgadenBischofswiesenFreilassingLaufen (Salzach)MarktschellenbergPidingRamsau bei BerchtesgadenSaaldorf-SurheimSchneizlreuthSchönau am KönigsseeTeisendorfLandkreis TraunsteinÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Anger ist eine Gemeinde und ein Pfarrdorf im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land. Im Gemeindegebiet befindet sich das frühere Kloster Höglwörth.

GeografieBearbeiten

Die Gemeinde liegt zwischen dem Bergrücken des Högl und dem Stoißberg, einem Ausläufer des Hochstaufen-Gebirgsstockes und erstreckt sich von etwa 470 m über NN (Ortsteil Jechling) bis auf eine Höhe von 827 m am Högl sowie 1.333 m am höchsten Punkt des Gemeindegebietes, der „Schneid“ am Teisenberg an der Gemeindegrenze zu Teisendorf. Größtes Fließgewässer im Gemeindegebiet ist die Stoißer Ache, größter See der Höglwörther See. Gemeindeteile von Anger sind: Anger, Aufham, Hadermarkt, Hainham, Högl, Höglwörth, Holzhausen, Irlberg, Jechling, Lebloh, Moosbacherau, Pfingstl, Prasting, Reitberg, Steinhögl, Stockham, Stoißberg, Thal, Unterberg, Vachenlueg, Wolfertsau und Zellberg.[3] Der ehemalige Gemeindeteil Pfaffendorf ist heute mit dem Gemeindeteil Anger verbunden.

Nachbargemeinden sind: Ainring, Inzell, Piding und Teisendorf.

GeschichteBearbeiten

VorgeschichteBearbeiten

Frühgeschichte, Namensgebung und ErsterwähnungBearbeiten

Die Gründung des Ortes reicht bis in die jüngste Steinzeit zurück. Auf dem Bergrücken des Högl, am linken Ufer der Saalach, sind Funde wie Bronzeschwerter, Äxte und Urnen, aber auch Reste römischer Bauten zu verzeichnen.

Die auf die Silben „-ing“ und „-ham“ endenden frühbayerischen Ortsnamen rund um Anger weisen darauf hin, dass der Högl im frühen Mittelalter von den Bayern besiedelt wurde. Für eine Siedlungskontinuität sprechen die bajuwarischen Reihengräber des 6.–8. Jahrhunderts in Anger, Aufham, Piding, Urwies und Mauthausen.

Wechselndes StiftsgutBearbeiten

Anger kam schon um das Jahr 1000 durch Schenkung eines Grafen an das Kloster St. Peter in Salzburg, später als Stiftungsgut an das Augustinerkloster Höglwörth.

SäkularisationBearbeiten

Als Teil des Erzstifts Salzburg (seit 1275) fiel Anger bei der Säkularisation 1803 an Erzherzog Ferdinand von Toskana, 1805 im Frieden von Preßburg an Österreich, welches es dann im Frieden von Schönbrunn 1809/10 als Teil des „Rupertiwinkels“ an Bayern abtreten musste.

Gemeinde im Königreich Bayern ab 1818Bearbeiten

Im Zuge des Zweiten Gemeindeediktes von König Maximilian I. entstand 1818 die heutige politische Gemeinde.

NamensänderungBearbeiten

Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde der amtliche Name Stoißberg für die gesamte Gemeinde verwendet, zu der auch Anger gehörte. Erst mit Erlass vom 17. August 1937 wurde die Gemeinde Stoißberg in Anger umbenannt.[4]

Gebietsreform und EingemeindungenBearbeiten

Gemeinsam mit den anderen Gemeinden des Landkreises Berchtesgaden ist Anger am 1. Juli 1972 dem neuen und erweiterten Landkreis Bad Reichenhall angegliedert worden, der wiederum am 1. Mai 1973 in „Landkreis Berchtesgadener Land“ umbenannt wurde.

Am 1. Mai 1978 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Aufham im Süden und Högl (ohne den Gemeindeteil Kleinhögl) im Osten eingegliedert.[5]

Am 1. Juli 1982 wurde das gemeindefreie Gebiet Staufenecker Forst im Westen aufgelöst und seine Fläche von 1394,66 Hektar in die Gemeinde Anger eingegliedert und bildet seitdem die gleichnamige Gemarkung innerhalb der Gemeinde.[6][7]

Bevölkerungsentwicklung der GemeindeBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3.858 auf 4.542 um 684 Einwohner bzw. um 17,7 %.

PolitikBearbeiten

Kommunalwahl 2008[8]
Wahlbeteiligung: 60,0,0 %
 %
50
40
30
20
10
0
40,5 %
38,7 %
20,9 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a Freie Wählergemeinschaft Anger-Högl-Aufham
c Miteinand' für Anger

GemeinderatBearbeiten

Entsprechend dem Ergebnis der Gemeinderatswahl 2020 vom 15. März setzt sich der Gemeinderat von Anger seit 1. Mai 2020 bis Ende April 2026 folgendermaßen zusammen:[9]

Partei / Liste Sitze
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 7
Freie Wählergemeinschaft Anger-Högl-Aufham 5
Miteinand' für Anger 4

Gegenüber der Amtszeit 2014 bis 2020 verlor die Freie Wählergemeinschaft zwei Mandate, wobei CSU und Miteinand' für Anger jeweils einen Sitz hinzu gewinnen konnten.

BürgermeisterBearbeiten

Seit 1. Mai 2020 ist Markus Winkler (CSU) erster Bürgermeister. Er setzte sich mit 71,0 % gegen seinen Mitbewerber durch.[2] Sein Vorgänger Silvester Enzinger (CSU), der von 1. Mai 1996 bis 30. April 2020 im Amt war, bewarb sich nicht mehr für eine weitere Amtszeit.

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Ehem.Wappen bis 1978


Anger
Blasonierung: „In Rot zwei gekreuzte silberne Schlüssel, darüber eine silberne Pilgermuschel, darunter ein silberner Raitelhaken.“[10]
Wappenbegründung: Das Wappen der Gemeinde Anger verweist mit der Zusammensetzung der Figuren auf die 1978 in sie erfolgte Eingemeindung der früher selbstständigen Gemeinden Aufham und Högl. Aus allen drei bis 1978 geführten Gemeindewappen wurden Elemente übernommen. Die Tingierung in Rot und Silber verweist auf die historische Zugehörigkeit des Gemeindegebiets zum Fürsterzbistum Salzburg bis 1803. Die gekreuzten Schlüssel erinnern als Attribute des heiligen Petrus daran, dass Anger (bis 1937 Stoißberg) schon um 1000 als Schenkungsgut an das Kloster St. Peter in Salzburg und später als Stiftungsgut an das Augustinerkloster Höglwörth kam, das wegen des gleichen Stiftspatrons ebenfalls die gekreuzten Schlüssel im Wappen führte. Der Raitelhaken, ein Hebewerkzeug für den Transport von Steinen, stammt als Beizeichen aus dem ehemaligen Gemeindewappen von Högl und verweist auf die besonders vom 16. Jahrhundert bis 1913 in Oberhögl betriebenen Sandsteinbrüche, die für die Herstellung von Fenster- und Türeinfassungen, von Schleif- und Wetzsteinen von überregionaler Bedeutung waren. Die Pilgermuschel wurde als als Beizeichen aus dem Wappen von Aufham übernommen und verweist als Attribut des heiligen Jakob auf das örtliche Kirchenpatrozinium.[10]

Das Wappen wurde 1980 auf der Rechtsgrundlage eines Beschlusses des Gemeinderats und mit Zustimmung der Regierung von Oberbayern eingeführt. (Das Schreiben der Regierung von Oberbayern datiert vom 30.07.1980.)[10]

Die Gemeindefarben der Fahne sind: Weiß – Rot – Weiß.[10]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Anger (Berchtesgadener Land) und Liste der Bodendenkmäler in Anger (Berchtesgadener Land)

TraditionBearbeiten

In der Gegend um Anger-Aufham-Högl haben sich viele alte Sitten und Gebräuche gut erhalten. Besonders das religiöse Brauchtum ist ausgeprägt. In alter Tradition werden zahlreiche kirchliche Feste begangen, aber auch Bräuche heidnischen Ursprungs gepflegt. Dazu gehören alte Volkstänze, das Aperschnalzen, das Kramperllaufen, die Schuhplattler, die Trachten, die angestammte Bauweise der Häuser, die Mundart und die große Verbundenheit der Bevölkerung zur Musik als Ausdruck traditionellen Brauchtums. Insgesamt drei Musikkapellen (Bergschützenkapelle Anger, Trachtenkapelle Anger-Höglwörth, Musikkapelle Aufham) sorgen bei verschiedensten weltlichen und kirchlichen Anlässen für musikalische Untermalung bzw. Unterhaltung.

Sport und SportvereineBearbeiten

Mit dem SC Anger verfügt die Gemeinde über einen Sportverein, dessen Ringer-Abteilung jahrelang in der Ringer-Bundesliga kämpfte.[11]

WirtschaftBearbeiten

Das Gebiet der Gemeinde Anger war lange stark bäuerlich geprägt.

In den gebirgsnahen Tälern war der Haupterwerb Wald- und Forstwirtschaft die Holz für den Bergbau am Kressenberg (Neukirchen am Teisenberg, Erzbergbau), die Verhüttung in Achtal, die Saline in Hallein und das Eisen-Hammerwerk in Hammerau geliefert hat. Da um Salzburg wenig Wälder vorhanden waren, wurde auch Brennholz in die Landeshauptstadt gebracht.

Im Voralpengebiet wurde vor allen Dingen Ackerbau und Viehzucht betrieben, an Seen auch Fischerei. Es wurde hauptsächlich Weizen, Hirse, Dinkel und Roggen angebaut und Kühe, Pferde, Ziegen, Schweine und Geflügel wie Enten, Gänse und Hühner als Vieh gehalten. In den größeren Orten (Städte und Märkte) lebte die Bevölkerung meistens von Handwerk und Handel. Diese Struktur blieb bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts erhalten und änderte sich erst mit dem Einsetzen des Fremdenverkehrs.

Im Jahr 2011 pendelten 363 Arbeitnehmer in die Gemeinde Anger, 1156 waren Auspendler, die Auspendler überwogen somit um 793 Personen.[12]

InfrastrukturBearbeiten

Söhne und Töchter des Ortes (geboren oder aufgewachsen)Bearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Gemeinderat. Gemeinde Anger, abgerufen am 24. Mai 2020.
  3. Gemeinde Anger in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 23. Dezember 2017.
  4. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 434.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 597.
  6. Reg. v. OB v. 01.03.1982, RABl Nr. 4 v. 19.03.1982, S. 25
  7. Liste der ehemaligen gemeindefreien Gebiete in Bayern
  8. http://www.wahlen.bayern.de/biz/kowa_g2008.php?g=h&schluessel=172&suchbegriff=1
  9. Verkündung des Ergebnisses der Wahl des Gemeinderatsam 15. März 2020. Wahlleiter Gemeinde Anger, abgerufen am 31. Mai 2020.
  10. a b c d Eintrag zum Wappen von Anger (Berchtesgadener Land) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 7. September 2017.
  11. Kein Erstliga-Ringen mehr in Anger. 1. April 2010, online auf www.bgland24.de, abgerufen am 22. April 2017.
  12. Gemeindereport Juni 2013, S. 6 (PDF, 240 kB), abgerufen am 3. November 2015

WeblinksBearbeiten

Commons: Anger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien