Inzell

Gemeinde in Deutschland

Inzell ist eine Gemeinde im südlichen Landkreis Traunstein im Regierungsbezirk Oberbayern. Das gleichnamige Pfarrdorf ist Hauptort der Gemeinde sowie anerkannter Luftkurort. Bekannt ist der Ort durch das Bundesleistungszentrum für Roll- und Eisschnelllauf.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Inzell
Inzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Inzell hervorgehoben

Koordinaten: 47° 46′ N, 12° 45′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Traunstein
Höhe: 693 m ü. NHN
Fläche: 45,35 km2
Einwohner: 4826 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner je km2
Postleitzahl: 83334
Vorwahl: 08665
Kfz-Kennzeichen: TS, LF
Gemeindeschlüssel: 09 1 89 124
Gemeindegliederung: 51 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 5
83334 Inzell
Website: gemeindeverwaltung-
inzell.de
Bürgermeister: Hans Egger
Lage der Gemeinde Inzell im Landkreis Traunstein
ChiemseeLandkreis Berchtesgadener LandLandkreis RosenheimLandkreis AltöttingLandkreis Mühldorf am InnWaginger SeeWonnebergWaging am SeeVachendorfUnterwössenÜbersee (Chiemgau)TrostbergTraunsteinTraunreutTittmoningTaching am SeeTachertingSurbergStaudach-EgerndachSiegsdorfSeeon-SeebruckSchnaitseeSchlechingRuhpoldingReit im WinklPittenhartPetting (Gemeinde)PallingObingNußdorf (Chiemgau)MarquartsteinKirchanschöringKienberg (Oberbayern)InzellGrassauGrabenstättFridolfingEngelsbergChiemingBergen (Chiemgau)Altenmarkt an der AlzÖsterreichÖsterreichÖsterreichKarte
Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

 
Inzell aus Ostsüdost, im Hintergrund der Chiemsee

Geographische LageBearbeiten

Der Ort Inzell liegt in einem weiten Talgrund in den Chiemgauer Alpen, der vom Rauschberg, dem Zinnkopf, dem Teisenberg und dem Gebirgsstock des Staufen umrahmt wird. Im Ortsgebiet von Inzell nimmt am Zusammenfluss von Großwaldbach und Falkenseebach (Maderbach) die Rote Traun ihren Anfang. Inzell wird auch als das „Tor zum Landkreis Berchtesgadener Land“ bezeichnet. Der Grund dafür ist die Zwing, eine Bergenge zwischen Inzell und Weißbach, die den Chiemgau vom Landkreis Berchtesgadener Land trennt.

NachbargemeindenBearbeiten

An die Gemeinde grenzen im Westen die Gemeinden Ruhpolding und Siegsdorf (beide Landkreis Traunstein), im Norden und Nordosten der Markt Teisendorf und die Gemeinde Anger, im Osten die Gemeinde Piding, im Südosten am Hochstaufen die Stadt Bad Reichenhall und im Süden die Gemeinde Schneizlreuth (alle Landkreis Berchtesgadener Land).

GemeindegliederungBearbeiten

Es gibt folgende Ortsteile:[2][3]

GeschichteBearbeiten

 
Ortsansicht mit Pfarrkirche St. Michael

Nach Gründung des Klosters Sankt Zeno bei Reichenhall übergab Erzbischof Conrad von Salzburg am 20. September 1177 „dem hl. Zeno und seinen Klosterbrüdern das Gut und den Wald Inzella“. Schon 1195, nach Erbauung der Kirche St. Michael, wird Inzell durch Abtrennung von Vachendorf selbständige Pfarrei und Hofmark. Der Sitz der Hofmark, das Schloss Inzell, fiel der Säkularisation zum Opfer und wurde 1811 abgebrochen. Inzell wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde. Wie schon im Wappen zu sehen ist, war der Bergbau und die Verhüttung der Erze eine wichtige Einnahmequelle der Ortschaft Inzell. Zuerst wurde am Hochstaufen und von 1665 an fast 150 Jahre lang am Inzeller Kienberg, dem Nordabhang des Rauschbergs, Blei und Zink abgebaut. Im jetzigen Ortsteil Schmelz wurde das Erz aufgeschmolzen.

Der Gemeindeteil Ramsen wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 1996 von der westlichen Nachbargemeinde Ruhpolding nach Inzell umgegliedert.[3]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Im Gemeinderat sind die Sitze seit der Kommunalwahl vom 2. März 2008 mit einer Wahlbeteiligung von 66,0 Prozent wie folgt verteilt:

Partei CSU SPD / Unabhängige Bürger für Inzell Forum aktiv OBIC* Gesamt
2008 Sitze 7 3 3 2 1 16
Stimmenanteil 40,9 % 18,1 % 20,4 % 14,7 % 5,9 % 100 %

Die Kommunalwahl vom 16. März 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,2 Prozent zu folgendem Ergebnis:

Partei CSU SPD Bürger für Inzell Junge Liste OBIC* Gesamt
2014 Sitze 6 4 4 1 1 16
Stimmenanteil 36,0 % 24,1 % 26,3 % 8,8 % 4,7 % 100 %

* Offene Bürgerliste Inzell-Chiemgau

Der Erste Bürgermeister gehört ebenfalls dem Gemeinderat an.

BürgermeisterBearbeiten

Berufsmäßiger erster Bürgermeister ist Hans Egger (Bürger für Inzell).[4] Er ist seit 1. Mai 2014 im Amt. Am 15. März 2020 wurde er im ersten Wahlgang mit einem Stimmanteil von 88,5 % für weitere sechs Jahre gewählt. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2014 wurde er mit einem Stimmenanteil von 62,0 % zum Nachfolger von Martin Hobmaier (CSU) bestimmt.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot gekreuzt ein silberner Schlägel und ein silberner Bergmannshammer, darüber ein liegender silberner Fisch.“[5]
Wappenbegründung: Der silberne Fisch ist vom Wappen der Augustinerprobstei St. Zeno übernommen, die gekreuzten Bergmannswerkzeuge erinnern an den früher betriebenen Bergbau.

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3.722 auf 4.835 um 1.113 Einwohner bzw. um 29,9 %.

Bevölkerungsentwicklung Gemeinde Inzell[6]
Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2005 2010 2015
Einwohner 980 936 1060 1464 1671 2413 2315 3007 3736 4065 4097 4327 4490 4622

ReligionBearbeiten

Die Mehrheit der Bürger gehört der römisch-katholischen Kirche an (etwa 73 %). Dieser Wert liegt über dem des Landkreises Traunstein sowie Oberbayerns. Das Gebiet der Gemeinde wird von der Pfarrei Inzell-Weißbach versorgt. Neben der Pfarrkirche St. Michael im Ortszentrum befinden sich zwei weitere katholische Kirchen (Liebfrauenkirche im Ortsteil Niederachen und die Filialkirche St. Nikolaus in Einsiedl) sowie mehrere Kapellen.

10 % der Bevölkerung sind Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Im Ortsteil Oed befindet sich die moderne Christuskirche. Der ev.-luth. Pfarrsprengel Inzell gehört zur Kirchengemeinde Ruhpolding.

Ohne bzw. anderer Konfession sind ca. 16 % der Bevölkerung.

BaudenkmälerBearbeiten

BodendenkmälerBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Es gab 2009 nach der amtlichen Statistik 872 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Personen, davon im produzierenden Gewerbe 268, im Bereich Handel und Verkehr 308, in sonstigen Wirtschaftsbereichen (mit Landwirtschaft und Dienstleistung) insgesamt 296 Personen. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei, im Bauhauptgewerbe 13 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2007 71 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von jeweils mindestens 2 ha.[6]

VerkehrBearbeiten

Durch Inzell führt die Bundesstraße 306 und als Teil der Deutschen Alpenstraße die Bundesstraße 305. Der nächstgelegene Anschluss an die Bundesautobahn 8 ist AS Siegsdorf (10 km nördlich).

BildungBearbeiten

In Inzell bestehen folgende Bildungseinrichtungen:

  • Katholischer Kindergarten St. Michael
  • Volksschule (Grund- und Hauptschule) mit 186 Schülern in 11 Klassen (Schuljahr 2010/11). Die Schüler der 7. und 9. Hauptschulklasse besuchen die Schule in Ruhpolding.[7]
  • Seit 1969 gibt es zudem die kommunale „Cajetan-Adlgasser Sing- und Musikschule Inzell“.
  • Kritische Akademie, eine Bildungseinrichtung der IG Metall

SportBearbeiten

 
Max Aicher-Arena in Inzell, eine der innovativsten Eisschnelllaufhallen der Welt. Eröffnung zur WM 2011.

Von 1959 bis 1960 wurde am Frillensee ein Eislauf- und Eisschnelllaufplatz errichtet, ehe von 1963 bis 1965 durch den Bau des Natureisstadions mit Eisbahn und Eishockeyfeld der sportliche und touristische Winterbetrieb mit Weltruf eingeleitet wurde. 1965 wurde an Stelle des Natureisstadions als zweite Kunsteisbahn in Deutschland das Eisstadion Inzell errichtet. Dort fanden auch seit den 60er Jahren Qualifikationsläufe zur Eisspeedway-Weltmeisterschaft statt.

Im Juni 2008 gab die Internationale Eislaufunion bekannt, dass Inzell den Zuschlag zur Ausrichtung der Einzelstrecken-Weltmeisterschaften 2011 erhält. Voraussetzung dafür ist aber die Errichtung einer Eisschnelllauf-Halle, die schon seit mehreren Jahren geplant war. Im Herbst 2009 wurde mit dem Bau der neuen Halle begonnen.

Rechtzeitig zur Einzelstrecken Weltmeisterschaft 2011 konnte die neue Eishalle eröffnet werden. Die Eishalle trägt den Namen Max Aicher-Arena. Im März 2014 fand dort der Eisspeedway-WM Grand Prix von Deutschland statt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Inzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Inzell in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 3. Oktober 2018.
  3. a b Landratsamt Traunstein (Hrsg.): Sonderamtsblatt für den Landkreis Traunstein. Nr. 40, 27. November 1995, S. 154–155.
  4. Bürgermeister/Oberbürgermeister in kreisangehörigen Gemeinden (Stand: 01.05.2020). (xlsx) Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen am 20. Juni 2020.
  5. Eintrag zum Wappen von Inzell in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  6. a b Amtliche Gemeinde-Statistik
  7. Volksschule Inzell