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Die Wahlbeteiligung gibt den Anteil der Wahlberechtigten wieder, die bei einer Wahl tatsächlich gewählt haben. Abhängig von der jeweiligen Gebietskörperschaft werden auch jene zu den Wählenden gezählt, die einen leeren Wahlzettel oder einen ungültigen eingelegt haben. In der Öffentlichkeit wird der Begriff meist im Zusammenhang mit politischen Wahlen gebraucht, allerdings kann er auch bezogen auf andere Wahlen benutzt werden. Bei politischen Wahlen ist sie eine Art der politischen Partizipation.

Inhaltsverzeichnis

DefinitionBearbeiten

Die Wahlbeteiligung wird in der Regel als das Verhältnis der teilnehmenden Wähler zu der Gesamtzahl aller Wahlberechtigten definiert:

 

So betrug beispielsweise bei der österreichischen Nationalratswahl 2008 die Anzahl der Wahlberechtigten 6.333.109 Personen, von denen 4.990.952 Personen tatsächlich gewählt haben.[1] Daraus errechnet sich hier eine Wahlbeteiligung von 78,81 %. Es ist in diesem Beispiel auch ersichtlich, dass die Zahl der abgegebenen Stimmzettel (Zahl der Wähler) die Summe aus den gültigen (4.887.309) und den ungültigen (103.643) Stimmzetteln ist. Diese Berechnungsweise gilt auch in Deutschland und in der Schweiz.[2][3] Die Zahl der Wähler ergibt sich somit auch aus der Gesamtzahl der Wahlberechtigten abzüglich der Nichtwähler.

Bei dieser Definition ist zu berücksichtigten, dass in einigen Ländern eine Registrierung erforderlich ist, um ins Wählerverzeichnis aufgenommen zu werden. So betrug 2004 in den USA der Anteil der registrierten Wahlberechtigten 79 % der Personen im Wahlalter. Die Wahlbeteiligung bezogen auf alle Personen im Wahlalter betrug somit nur 55,27 %.[4]

DeutschlandBearbeiten

Bei Bundestagswahlen lag die Wahlbeteiligung (Quote) bis 1983 meist über 85 Prozent, seit 1987 meist unter 80 Prozent. Bei Landtagswahlen liegt sie in der Regel bei mehr als 50 Prozent, bei Kommunalwahlen über 45 Prozent. Bei der Europawahl 2014 betrug sie 48,1 Prozent.

Die bisher höchste Wahlbeteiligung bei freien Wahlen gab es bei der Volkskammerwahl 1990 in der DDR mit 93,4 Prozent und bei der Bundestagswahl 1972 mit 91,1 Prozent, die niedrigste (Stand 2016) bei der Bundestagswahl 2009 mit 70,8 Prozent.

Es gibt in Deutschland keine Mindestwahlbeteiligung, d. h., es gibt keine Mindestzahl an abgegebenen Stimmen, unterhalb derer die Wahl ungültig wäre. Leere Wahlzettel gelten nach dem Bundeswahlgesetz als ungültig (§ 39 BWahlG).

Auf Bundes-, Landes-, Kreis- und Kommunalebene sinkt die Wahlbeteiligung seit ihrem Höhepunkt in den 1970ern. Die Gründe für diesen allgemein als Wahlmüdigkeit bezeichneten Abwärtstrend sind umstritten. Die Normalisierungshypothese verweist auf die historisch und im internationalen Vergleich ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung in den 50er und 60er Jahren in Deutschland und deutet das Sinken als Normalisierung. Manche Politikwissenschaftler und Soziologen führen dies auf das durch gebrochene Wahlversprechen sinkende Vertrauen in die Parteiendemokratie zurück. Außerdem seien die politischen Unterschiede zwischen den Parteien immer schwerer erkennbar („Politikverdrossenheit“). Es gibt auch die Theorie, die sinkende Wahlbeteiligung sei ein Generationeneffekt, d. h., die neu ins Wahlalter eintretenden Jahrgänge würden zu einem geringen Teil wählen gehen.[5][6]

Um das Ausmaß dieses Phänomens zu verdeutlichen, wird gelegentlich das Bild einer „Partei der Nichtwähler“ herangezogen: Hätten alle Nichtwähler für eine weitere, fiktive Partei gestimmt, wäre diese bei einigen Wahlen stärkste Fraktion im Parlament. Aus der hohen Zahl von Nichtwählern und den steigenden Zahlen von ungültigen Stimmen ergibt sich ein großes Stimmenpotenzial.

BundestagswahlenBearbeiten

Beteiligung an Bundestagswahlen (1949–2017)
in % der Wahlberechtigten
90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
49
53
57
61
65
69
72
76
80
83
87
90
94
98
02
05
09
13
17
Bundestagswahl Wahlbeteiligung in %[7]
1949 78,5
1953 86,0
1957 87,8
1961 87,7
1965 86,8
1969 86,7
1972 91,1
1976 90,7
1980 88,6
1983 89,1
1987 84,3
1990 77,8
1994 79,0
1998 82,2
2002 79,1
2005 77,7
2009 70,8
2013 71,5
2017 76,2

Insgesamt befinden sich die Wahlbeteiligungen in Deutschland auf höherem Niveau im Vergleich zu anderen Ländern (siehe Japan, USA) – trotz des recht großen Absturzes der Beteiligung bei der Bundestagswahl 2009 im Vergleich zur Wahl im Jahr 2005.

JugendlicheBearbeiten

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Insgesamt ist sowohl bei der gesamten Bevölkerung (1980: 88,6 Prozent – 2002: 79,1 Prozent), wie bei den Jugendlichen (bis 25) (1980: 79,65 Prozent – 2002: 69,15 Prozent) eine Abnahme der Wählenden zu beobachten. Da die bis 25-Jährigen nur acht Prozent der Wahlberechtigten ausmachen, können sie nicht als einzige Gruppe für die Abnahme der Wahlbeteiligung verantwortlich sein. Die Differenz zwischen 1980 und 2002, also die Abnahme des Wähleranteils, ist bei den Jugendlichen etwas stärker (10,5 Prozentpunkte) als bei der gesamten Bevölkerung (acht Prozent). Nach Geschlecht aufgeschlüsselt zeigt sich, dass junge wie ältere Frauen stets seltener zur Wahl gehen als gleichaltrige Männer. Wie in der Stadt zeigt sich auf dem Land ein Abstand zur Wahlbeteiligung der Gesamtbevölkerung (6 %) sowie ein geringeres Vertrauen in die repräsentative Parteiendemokratie.

Nationalsozialismus und DDRBearbeiten

Bei den unfreien Wahlen zum Reichstag in der Zeit des Nationalsozialismus und der Volkskammer in der DDR wurden offiziell signifikant höhere Wahlbeteiligungen ausgewiesen, als dies bei freien Wahlen erreichbar gewesen wäre. Die Wahlbeteiligung wurde in der jeweiligen Propaganda als ein Ausdruck der Unterstützung der Bevölkerung für das Regime dargestellt.

Wahlbeteiligungen bei Reichstagswahlen im Nationalsozialismus:

Reichstagswahl Wahlbeteiligung in %
1936 99,0
1938 99,6

Wahlbeteiligungen bei Volkskammerwahlen der DDR (Beispiele, da die Größenordnung sich nicht veränderte):

Volkskammerwahl Wahlbeteiligung in %
1950 99,7
1986 99,74

Aber auch bei den ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März 1990 war die Wahlbeteiligung sehr hoch, fiel dann allerdings zu den ersten Landtagswahlen im Oktober und zur Bundestagswahl im Dezember des Jahres 1990 stark:

Volkskammerwahl Wahlbeteiligung in %[8]
1990 93,38

ÖsterreichBearbeiten

1919 bis 1930Bearbeiten

Wahlbeteiligung bei Nationalratswahlen der ersten Republik ab 1919:

Nationalratswahl Wahlbeteiligung in %[9] Vergleich zur letzten Wahl
(in Prozentpunkten)
(1919) (93,27)
1920 84,4 (−8,87)
1923 87,0 +2,6
1927 89,3 +2,3
1930 90,2 +0,9

Anmerkung: Im Jahr 1919 fand keine Nationalratswahl, sondern eine Wahl der konstituierenden Nationalversammlung statt und steht daher in der Tabelle in Klammer.

Seit 1945Bearbeiten

Wahlbeteiligung bei Nationalratswahlen der zweiten Republik ab 1945:

Nationalratswahl Wahlbeteiligung in % Vergleich zur letzten Wahl
(in Prozentpunkten)
1945 93,27
1949 95,49 +2,22
1953 94,15 −1,34
1956 94,31 +0,16
1959 92,90 −1,41
1962 92,73 −0,17
1966 92,74 +0,01
1970 90,95 −1,79
1971 91,42 +0,47
1975 91,92 +0,50
1979 91,18 −0,74
1983 91,29 +0,11
1986 88,85 −3,07
1990 83,58 −5,27
1994 80,24 −3,34
1995 83,08 +2,84
1999 80,42 −2,66
2002 84,27 +3,85
2006 78,48 −5,79
2008 78,81 +0,33
2013 74,42 −4,39
2017 80,00 +5,58

Anmerkung: Die besonders hohen Wahlbeteiligungen von 1945 bis 1986 lassen sich unter anderem dadurch erklären, dass (in einem Teil der Bundesländer) in Österreich bis Anfang der 1990er Wahlpflicht herrschte.

SchweizBearbeiten

Im «halb-direktdemokratischen» politischen System der Schweiz sind die Stimm- und Wahlberechtigten (der Souverän, das Volk, auf Bundesebene seit 1971 nicht nur Männer →Frauenstimmrecht in der Schweiz) nicht nur berechtigt, ihre Repräsentanten zu wählen (Gemeinde-, Kantons-, National- und Ständeräte, sowie Exekutive), sondern auch über Abstimmungen direkten Einfluss auf die Regierungs- und legislativen Tätigkeiten zu nehmen. Dazu sind vier Abstimmungstermine jährlich vorgesehen.[10] Zu einem dieser «Urnengänge» finden auch Wahlen statt (im üblichen Rhythmus der Legislativen).

In der Schweiz errechnet sich die Stimm- und Wahlbeteiligung, indem man die Anzahl der abgegebenen und eingelegten Stimm- oder Wahlzettel durch die Anzahl der Wahl-/Stimmberechtigten teilt. Leere oder ungültig gemachte Stimmen fliessen in die Stimm-/Wahlbeteiligung ein.

 

Stimm- und WahlbeteiligungBearbeiten

An Abstimmungen und Wahlen nehmen in der Schweiz im langjährigen Durchschnitt rund 45 Prozent der Stimmberechtigten pro Abstimmung teil,[11][12] was im internationalen Vergleich an sich gering wäre. Allerdings berücksichtigen solche Vergleiche nicht, dass in einer Legislaturperiode von (üblicherweise) vier Jahren sechzehn Abstimmungstermine stattfinden, dazu noch zu mehreren Abstimmungsthemen (Vorlagen). So kommt es dazu, dass in solchen Vergleichen die politische Beteiligung in der Schweiz massiv unterschätzt wird.[13][14][15]

Durchschnittliche Stimmbeteiligung pro Abstimmung, seit 1951[11]
10-Jahresdurchschnitte 
1951–1960 
  50.3 %
1961–1970
  44.5 %
1971–1980
  41.2 %
1981–1990
  40.6 %
1991–2000
  43.0 %
2001–2010
  45.2 %
2011–2020
  46.5 %
  100 % (zum Vergleich)

Gründlichere, fundiertere politologische Untersuchungen ergeben ein anderes Bild – drei Viertel aller Stimmberechtigten gehen «mehr oder weniger» regelmässig «an die Urne», wie eine Studie der Uni Zürich und des Zentrums für Demokratie Aarau zeigte, die Daten aus den Kantonen Genf und St. Gallen auswertete. In der Stadt St. Gallen in einem Zeitraum von etwa einer halben Legislaturperiode (sieben Abstimmungstermine). Die Auswertung zeigt, dass in diesem Zeitraum 75 Prozent der Stimmberechtigten an mindestens einem von sieben «Urnengängen» (mit mehreren Vorlagen) teilnehmen, welche die Studie erfasste. Weiter, dass rund 25 Prozent der Stimmberechtigten an allen Wahlen und Abstimmungen teilnehmen, 20 Prozent an keinen, und 55 Prozent unregelmässig.[16][17][18][19]

Im von Uwe Serdült et al. untersuchten Zeitraum 2010 bis Anfang 2012 mit damals drei Abstimmungsterminen jährlich – also je drei Termine 2010 und 2011, einer 2012, insgesamt sieben in etwas über eine halbe Legislaturperiode – beteiligten sich in der Stadt St. Gallen (siehe auch Grafik unten) 47 % bis 55 % an einzelnen Abstimmungen, 58 % bis 63 % an einer von zwei, 66 % bis 67 % an einer von drei, 69 % bis 71 % an einer von vier, 71 % bis 73 % an einer von fünf, 74 % an einer von sechs, 75 % an einer von sieben. Für den ganzen Zeitraum einer Legislatur (plus weitere sechs Abstimmungen, 2.Q 2010 bis 1.Q 2014) war die Beteiligung 81.3 % (an einer von fünfzehn Abstimmungen).[20] Dazu kämen noch die, in der Untersuchung nicht erfassten, Wahlen (auf Bundesebene Nationalrat und Ständerat), womit die gesamte Stimm- und Wahlbeteiligung noch etwas höher ist.[21]

Durchschnittliche Stimmbeteiligung, Stadt St. Gallen[17][18][21]

Beteiligung an
sieben Abstimmungen, 2010 bis Anfang 2012
 
einzelnen Abstimmungen 
  47 % bis 55 %
einer von zwei
  58 % bis 63 %
einer von drei
  66 % bis 67 %
einer von vier
  69 % bis 71 %
einer von fünf
  71 % bis 73 %
einer von sechs
  74 %
einer von sieben
  75 %
 
fünfzehn Abstimmungen, 2.Q 2010 bis 1.Q 2014[20]
einer von fünfzehn
  81 %
  100 % (zum Vergleich)

WahlbeteiligungBearbeiten

Die Wahlbeteiligung in der Schweiz wird – in denjenigen Untersuchungen, die sie per isolierten Stimm-/Wahlgang betrachten[13][14][15] – als die «niedrigste in einem demokratischen Land» betrachtet. Die Gründe dafür werden allgemein in ihrem politischen System gesehen. Durch das Konkordanzprinzip sind abrupte, grössere Machtwechsel – wie sie in Anfängen der Schweizer Demokratie auch üblich waren – ausgeschlossen. Wodurch die Wahlen, im Vergleich zu Ausland – wo Wahlen der Schwerpunkt der politischen Beteiligung sind – an «Brisanz» verlieren.

Die politische Beteiligung in der Schweiz ist aber «massiv höher» – etwa 75 % bis 80 %.[20] Dafür massgeblich ist die hohe «Dichte» der politischen Beteiligung,[16][17][18][19] die in der Schweiz vor allem in Abstimmungen stattfindet (siehe auch oben Stimm- und Wahlbeteiligung). Die Stimmberechtigten werden jeden dritten Monat «aufgerufen», sich an Volksabstimmungen auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene zu beteiligen. Die Wahlen, ebenfalls auf kommunaler, kantonaler und Bundesebene, finden zusätzlich zu einem der Abstimmungstermine statt, in auch anderswo üblichem Rhythmus der jeweiligen Legislaturperiode (i.d.R. vier Jahre).

Wahlbeteiligung NationalratswahlenBearbeiten

Die Wahlbeteiligung in der Schweiz sank im 20. Jahrhundert. Lag diese bei den ersten Nationalratswahlen nach dem Proporzsystem im Jahr 1919 noch bei 80,4 %, waren es im Jahr 1999 nur noch 43,4 % der Stimmberechtigten, die sich an der Wahl beteiligten. Die grössten Verluste waren in den drei Legislaturperioden von 1967 bis 1979 zu beobachten – die Wahlbeteiligung sank von 65,7 % (1967) um mehr als ein viertel auf 48,0 % (1979).

Von 1959 bis 2003 erfolgte zudem die Zusammensetzung des Bundesrates nach einer festen Formel, der Zauberformel. Die Zauberformel wurde im Jahr 2003 «gesprengt», nachdem die Schweizerische Volkspartei bei den Parlamentswahlen in den Jahren 1999 und 2003 grosse Gewinne verzeichnen konnte und Anspruch auf einen zweiten Bundesratssitz erhob.

Die folgende Tabelle zeigt die Wahlbeteiligung bei Nationalratswahlen seit der Einführung der Proporzwahl:

Nationalratswahl Wahlbeteiligung in %[22] Vergleich zur letzten Wahl
(in Prozentpunkten)
1919 80,4
1922 76,4 −4,0
1925 76,8 +0,4
1928 78,8 +2,0
1931 78,8 0,0
1935 78,3 −0,5
1939 74,3 −4,0
1943 70,0 −4,3
1947 72,4 +2,4
1951 71,2 −1,2
1955 70,1 −1,1
1959 68,5 −1,6
1963 66,1 −2,4
1967 65,7 −0,4
1971 56,9 −8,8
1975 52,4 −4,5
1979 48,0 −4,4
1983 48,9 +0,9
1987 46,5 −2,4
1991 46,0 −0,5
1995 42,2 −3,8
1999 43,4 +1,2
2003 45,2 +1,8
2007 48,3 +3,1
2011 48,5 +0,2
2015 48,4 −0,1

LiechtensteinBearbeiten

Das Fürstentum Liechtenstein ist verfassungsmässig als eine „konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage“ definiert – mit zwei Souveränen. Das Volk einerseits, und der Landesfürst andererseits. Das Volk selbst kann sowohl direkt-, wie auch indirektdemokratisch in das Politgeschehen eingreifen. Die Landtagswahlen, in denen 25 Volksvertreter bestimmt werden, finden in der Regel alle 4 Jahre statt.

Traditionellerweise ist die Wahlbeteiligung im Fürstentum sehr hoch. Während sie bis in die 1980er Jahre jeweils bei über 90 % gelegen hat, sank sie bis zu der Landtagswahl 2009 auf rund 85 %.

Landtagswahlen Wahlbeteiligung in % Vergleich zur letzten Wahl
(in Prozentpunkten)
1945 93,3
1949 91,9 −1,4
1953a 90,7 −1,2
1953b 93,3 +2,6
1957 93,4 +0,1
1958 96,4 +3,0
1962 94,9 −1,9
1966 95,6 +0,7
1970 94,9 −0,7
1974 95,6 +0,7
1978 95,7 +0,1
1982 95,4 −0,3
1986 93,3 −2,1
1989 90,9 −2,1
1993a 87,5 −3,4
1993b 85,3 −2,2
1997 86,9 +1,6
2001 86,8 −0,1
2005 86,5 −0,3
2009 84,6 −1,9
2013 79,8 −4,8
2017 77,8 −2,0

USABearbeiten

Die Wahlbeteiligung bei Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in den USA ist signifikant niedriger als im europäischen Durchschnitt. Bei den Präsidentschaftswahlen schwankt die Wahlbeteiligung nach 1900 zwischen 49 % und 65 %.

Jahr Wahlberechtigte
(in Millionen)
Registrierte Wähler
(in Millionen)
Wahlbeteiligung
(in %)[4][23][24]
1824 26,9
1860 81,2
1900 73,2
1944 56,1
1948 51,1
1952 61,6
1956 59,3
1960 109,67 63,85 62,8
1964 114,09 73,71 61,4
1968 120,33 81,66 60,7
1972 140,78 97,28 55,1
1976 152,31 105,02 53,6
1980 164,60 113,04 52,8
1984 174,47 124,18 53,3
1988 182,63 126,38 50,3
1992 189,04 133,82 55,2
1996 196,51 146,21 49,0
2000 205,81 156,42 50,3
2004 197,01 142,07 63,8
2008 206,07 146,31 63,6
2012 215,08 153,16 61,8

Andere LänderBearbeiten

In Frankreich ist es üblich, nicht die Wahlbeteiligung anzugeben, sondern Abstentions, also die relative Anzahl der Stimmenthaltungen oder der Nichtwähler, bezogen auf alle (eingetragenen) Wähler.

In Spanien werden bei Wahlen immer auch die Ungültigen (esp.: nulos) und die Leeren (esp.: votos en blanco), die ebenfalls ungültig sind, aufgeführt. Wie in Deutschland und der Schweiz zählen sie mit den gültigen zu den Wahlteilnehmern.

Es gibt in verschiedenen anderen Ländern, wie Belgien oder Australien anstelle eines Wahlrechts die Wahlpflicht. Bürgern, die nicht zur Wahl gehen, droht dann zumeist eine Geldstrafe, was die Wahlbeteiligung hoch ausfallen lässt.

In der Schweiz betrifft dies den Kanton Schaffhausen. Als Buße werden drei Schweizer Franken erhoben.[25]

LiteraturBearbeiten

  • Armingeon, Klaus: „Gründe und Folgen geringer Wahlbeteiligung.“ Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46.1 (1994): S. 43-64
  • Roth, Dieter: „Sinkende Wahlbeteiligung–eher Normalisierung als Krisensymptom.“ Starzacher, Karl/Schacht, Konrad/Friedrich, Bernd/Leif, Thomas (Hg.): Protestwähler und Wahlverweigerer. Krise der Demokratie (1992): S. 58-68
  • Feist, Ursula: „Niedrige Wahlbeteiligung–Normalisierung oder Krisensymptom der Demokratie in Deutschland.“ Protestwähler und Wahlverweigerer. Krise der Demokratie (1992): S. 40-57
  • Freitag, Markus: „Wahlbeteiligung in westlichen Demokratien. Eine Analyse zur Erkl? rung von Niveauunterschieden.“ Swiss Political Science Review 2.4 (1996): S. 1-35
  • Becker, Rolf: „Wahlbeteiligung im Lebensverlauf.“ KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 54.2 (2002): S. 246-263

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Wahlbeteiligung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. BMI Österreich: Nationalratswahl 2008 - Wahltag, Stichtag, endgültiges Gesamtergebnis
  2. Bundeswahlleiter Deutschland: Ergebnis der Bundestagswahl 2009
  3. Statistik Schweiz: Wahlbeteiligung in % 1971-2007
  4. a b The American Presidency Project, Voter Turnout in Presidential Elections 1824 - 2008
  5. Werner T. Bauer:@1@2Vorlage:Toter Link/www.politikberatung.or.at Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: Wenn die Wähler weniger werden, Wien, August 2004 (PDF).
  6. Deutsche Welle 13. September 2005: Geringe Wahlbeteiligung als Problem
  7. Offizielle Wahlergebnisse des Bundeswahlleiters
  8. Amtliches Endergebnis der Wahlen zur 10. Volkskammer am 18. März 1990
  9. Ergebnisse der österreichischen Nationalratswahlen von 1919–1930 (Memento vom 27. Februar 2012 im Internet Archive) (PDF; 11 kB)
  10. Blanko-Abstimmungstermine, Übersicht vorgesehener Abstimmungstermine für die nächsten Jahre, auf admin.ch
  11. a b Abstimmungen, BFS/Abstimmungsstatistik, auf bfs.admin.ch
  12. Uwe Serdült: Average Annual Turnout for Swiss Referendum Votes, 1879-2013, Auswertung der Daten von C2D und BSF/admin.ch, Oktober 2012 (aktualisier 2013), auf seinem Blog, uweserdult.wordpress.com
  13. a b Martin Senti: Die Schweiz ist «demokratisches Mittelmass» – Die Schweiz ist Demokratie per se, so die landläufige Meinung. Nun aber erklärt ein neues Rating die Schweiz gewissermassen zum demokratischen Entwicklungsland, NZZ, 28. Januar 2011
  14. a b Marc Bühlmann, Wolfgang Merkel, Bernhard Weßels, Lisa Müller: The Quality of Democracy. Democracy Barometer for Established Democracies, Working Paper 10a, NCCR, SNF, Zurich 2008
  15. a b Qualität der Demokratie – Demokratiebarometer für etablierte Demokratien, 2005-..., Projektportal auf WZB-Web (wzb.eu)
  16. a b Erich Aschwanden: Politische Beteiligung wird massiv unterschätzt: Zentrum für Demokratie Aarau untersucht Stimmbeteiligung über längeren Zeitraum, NZZ, 23. Juli 2013
  17. a b c Uwe Serdült (UZH, ZDA):Partizipation als Norm und Artefakt in der schweizerischen Abstimmungsdemokratie: Entmystifizierung der durchschnittlichen Stimmbeteiligung anhand von Stimmregisterdaten aus der Stadt St. Gallen, in: Andrea Good et al.: Direkte Demokratie: Herausforderungen zwischen Politik und Recht: Festschrift für Andreas Auer zum 65. Geburtstag, Stämpfli, Bern 2013, S. 41-50 / auf Englisch: Uwe Serdült: Switzerland, in: Qvortrup, Matt (Ed.): Referendums around the World: The Continued Growth of Direct Democracy. Basingstoke: Palgrave Macmillan, 2013
  18. a b c Uwe Serdült: Wer macht (nicht) mit und warum? – Teilnahme der Bürger an partizipativen Verfahren, Demokratiekonferenz 2013 (Info Kanton AG / Info Land BW), Landesregierung Baden-Württemberg, Regierungsrat des Kantons Aargau in Zusammenarbeit mit Universität Konstanz und Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA), Stuttgart, 20.-21. Juni 2013 (Video, 15 min, auf vimeo.com)
  19. a b Beiträge von Uwe Serdült – Ritsumeikan University & University of Zurich, auf seinem Blog (uweserdult.wordpress.com, siehe dort auch Publications)
  20. a b c Uwe Serdült: How many voters of the St. Gallen electorate got mobilized to turn out at least once in four years? (81.3 % in vier Jahren 2011-20114 mit fünfzehn Abstimmungen), Auswertung von Daten der Statistik Kanton St. Gallen, 6. Mai 2014, auf seinem Blog, uweserdult.wordpress.com
  21. a b Uwe Serdült: Cumulative Turnout in a Swiss City, 3. November 2013. auf seinem Blog, uweserdult.wordpress.com
  22. Statistik Schweiz – Wahlbeteiligung, Tabelle der Wahlbeteiligung der Nationalratswahlen 1971–2011.
  23. U. S. Census Bureau (PDF; 45 kB).
  24. U. S. Census Bureau: Voting and Registration Tables. Zuletzt abgerufen am 12. Februar 2017.
  25. Bussen für Nichtwähler. Video In: 10vor10 vom 3. Oktober 2011; (4:31 Minuten)