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Wolfgang Merkel

deutscher Politikwissenschaftler
Wolfgang Merkel, 2010.

Wolfgang Merkel (* 6. Januar 1952 in Hof) ist ein deutscher Politikwissenschaftler.

Er ist seit 2004 Direktor der Abteilung Demokratie und Demokratisierung am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Professor für Vergleichende Politikwissenschaft und Demokratieforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Merkel zählt zu den angesehensten Vertretern der Vergleichenden Politikwissenschaft im deutschsprachigen Raum. Er prägte maßgeblich die Forschung zu Demokratisierungsprozessen, Systemwechseln und Systemzusammenbrüchen.

Leben und WerkBearbeiten

Wolfgang Merkel stammt aus einem fränkisch-protestantischen Elternhaus.[1] Die Mutter ist eine promovierte Germanistin und der Vater Rechtsanwalt. Bereits während seiner Schulzeit galt sein Interesse dem Sport und der Politik. Er wurde bayerischer Juniorenmeister im Fünfkampf. Politisch engagierte er sich im „Sozialistischen Schülerkollektiv Hof“ bzw. im „Roten-Fahne-Kreis-Hof“. Er distanzierte sich jedoch bereits nach kurzer Zeit von diesen linksrevolutionären Gruppen. Am Humanistischen Gymnasium legte er 1973 das Abitur ab. Nach dem Wehrdienst nahm er 1974 das Studium der Politischen Wissenschaft, Geschichte und Sport/Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg auf. Den linken Heidelberger Studierenden und ihren radikalen Positionen stand Merkel ablehnend gegenüber. Er legte 1980 das Staatsexamen in diesen drei Fächern ab. Seine Abschlussarbeit trug den Titel „Inkonsistenz und Ambivalenz der Spätschriften Friedrich Engels“. Bei Klaus von Beyme begann er 1981 seine Doktorarbeit über die Rolle und den Wandlungsprozess der Sozialistischen Partei im politischen System Italiens. 1985 wurde er an der Universität Heidelberg im Fach Politische Wissenschaft promoviert. Von 1985 bis 1989 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Claus Offe an der Universität Bielefeld und von 1988 bis 1989 am Center for European Studies an der Harvard University. Er wurde 1989 wieder Assistent von Beyme am Institut für Politische Wissenschaft Heidelberg. Dort habilitierte er sich mit der Arbeit über das Ende der Sozialdemokratie? Machtressourcen und Regierungspolitik im westeuropäischen Vergleich.

Nach seiner 1992 erfolgten Habilitation im Fach Politikwissenschaft vertrat er zwischen 1993 und 1994 die Professur für Vergleichende Regierungslehre, Wirtschaft und Gesellschaft an der Universität Mainz. Im Oktober 1994 wurde er als ordentlicher Professor auf diesen Lehrstuhl berufen. Zwischen 1997 und 1998 war er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seit 1998 ist Merkel parteiloses Vollmitglied der Grundwertekommission der SPD.[2]

Im Jahr 1999 wechselte Merkel an das Institut für Politikwissenschaft der Universität Heidelberg und übernahm von Manfred G. Schmidt den „Friedrich-Lehrstuhl“. Er war bis 2001 dessen Geschäftsführender Direktor. Ab 2002 war er parteiloses Mitglied im ständigen Berater- und Expertenkreis des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck. Seit April 2004 ist er Direktor der Abteilung „Demokratie: Strukturen, Leistungsprofil und Herausforderungen“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Professor für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Merkel ist außerdem als Gutachter tätig für die Fritz Thyssen Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die VolkswagenStiftung, die Bertelsmann Stiftung, die Studienstiftung des deutschen Volkes, den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und Gutachter bzw. Beirat für verschiedene in- und ausländische Fachzeitschriften.[3]

Merkel beschäftigt sich innerhalb der Vergleichenden Politikwissenschaft thematisch mit Demokratisierungs- und Transformationstheorien. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Demokratieforschung, die sich in Systemtransformation, Sozialdemokratie und Herausforderungen der Demokratie unterteilt. Mit seiner Darstellung Systemtransformation legte er ein Standardwerk vor. Er formulierte mit Hans-Jürgen Puhle und Aurel Croissant den Begriff Defekte Demokratie und arbeitete ihn weiter aus.

Für seine Forschungen wurden Merkel zahlreiche wissenschaftliche Ehrungen und Mitgliedschaften zugesprochen. Im Januar 1996 erhielt Merkel einen 1. Preis der Fritz Thyssen Stiftung für den Artikel: Restriktionen und Chancen demokratischer Konsolidierung in post-kommunistischen Gesellschaften Ostmitteleuropas im Vergleich.[4] Seit 2007 ist er Ordentliches Mitglied der Sozialwissenschaftlichen Klasse der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Er wurde in den Wissenschaftlichen Beirat und in die Universitätskommission der Universität Heidelberg berufen (2006–2012). Merkel war Gastprofessor am Instituto Juan March in Madrid und an der Universität Sydney. Im März 2010 wurde Merkel der „Frank Cass Prize“ für den Beitrag „Democracy through War?“ verliehen, für den besten Artikel in der Zeitschrift „Democratization“ des Jahres 2008. Anlässlich seines 65. Geburtstages wurde ihm eine Festschrift gewidmet.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Systemtransformation. Eine Einführung in die Theorie und Empirie der Transformationsforschung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-14559-4.
  • Die Reformfähigkeit der Sozialdemokratie. Herausforderungen und Bilanz der Regierungspolitik in Westeuropa. Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14750-1.
  • Ende der Sozialdemokratie? Machtressourcen und Regierungspolitik im westeuropäischen Vergleich (= Theorie und Gesellschaft. Bd. 30). Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-593-34975-2.

LiteraturBearbeiten

  • Aurel Croissant, Sascha Kneip, Alexander Petring (Hrsg.): Demokratie, Diktatur, Gerechtigkeit. Festschrift für Wolfgang Merkel. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, 2017, ISBN 978-3-658-16089-0.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Aurel Croissant, Sascha Kneip, Alexander Petring: Einleitung. In: Dies. (Hrsg.): Demokratie, Diktatur, Gerechtigkeit. Festschrift für Wolfgang Merkel. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, 2017, S. 1–37, hier: S. 3.
  2. Grundwertekommission Mitglieder. SPD, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 19. Oktober 2019.
  3. Stipendien, Preise, Forschungsprojekte, Gutachtertätigkeit. Institut für Sozialwissen­schaften Demokratie und Demokratisierung der Humboldt-Universität zu Berlin, 9. September 2011, abgerufen am 19. Oktober 2019.
  4. Wolfgang Merkel: Restriktionen und Chancen demokratischer Konsolidierung in postkommunistischen Gesellschaften: Ostmitteleuropa im Vergleich. In: Berliner Journal für Soziologie 4, 1994, S. 463–484 (online)