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Kurpfalz-Bayern

historischer Staat
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Kurpfalz-Bayern, auch zeitgenössisch Churpfalz-Baiern oder Pfalz-Baiern (sowie Pfalz und Baierland[1]) entstand 1777, als durch Kurfürst Karl Theodor die Kurpfalz das wittelsbachsche Erbe (Kurfürstentum Bayern) übernahm. Der frühneuzeitliche Staat ging 1806 nach verschiedenen Gebietsverlusten im Königreich Bayern auf.

Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg
Territorium im Heiligen Römischen Reich
Kurpfalz-Bayern
Wappen
Wappen der Kurpfalz
Karte
Kurpfalz-Bayern (grün)
Kurpfalz-Bayern (grün) in den Grenzen von 1800 (mit heutigem Bayern schwarz umrandet)
Alternativnamen Churpfalz-Baiern oder Pfalz-Baiern
Entstanden aus Kurbayern, Kurpfalz, Herzogtum Jülich, Herzogtum Berg
Herrschaftsform Grafschaft, Kurfürstentum
Herrscher/Regierung Kurfürst
Heutige Region/en DE-BY, DE-NW, DE-RP, DE-BW, DE-HE
Reichstag Kurfürstenbank, Kurfürstenrat
Reichskreis Kurrheinisch, Niederrhein-Westfälisch, Bayerisch
Hauptstädte/Residenzen München
Dynastien Wittelsbacher
Konfession/Religionen römisch-katholisch, lutherisch, reformiert geduldet: Juden und Mennoniten
Sprache/n Deutsch


Aufgegangen in 1806 Königreich Bayern, schon 1801/03 starke Gebietsveränderungen, Verluste an Frankreich, Baden, Nassau-Usingen, Fürstentum Leiningen, Großherzogtum Berg u. a.


Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Zusammenschluss der Teilstaaten geschah Ende Dezember 1777. 1778 brach der Bayerische Erbfolgekrieg aus. Kaiser Joseph II. hatte Ansprüche Österreichs auf Niederbayern und die Oberpfalz geltend gemacht. Der Krieg verlief weitgehend unblutig und endete im Frieden von Teschen 1779 mit der Abtretung des Innviertels an Österreich.

Karl Theodors versuchte 1785, Bayern im Austausch mit den Österreichischen Niederlanden an die Habsburger abzugeben, was aber am Widerstand Preußens und des Fürstenbundes scheiterte. Wäre der Tauschversuch erfolgreich gewesen, hätte Bayern seine Eigenstaatlichkeit an das Habsburgerreich verloren, und es wäre ein linksrheinisches Königreich Burgund mit Brüssel als Residenz entstanden. Friedrich II. von Preußen genoss daher in Folge in Altbayern großes Ansehen.

Danach kam es zu einer gewissen Vereinheitlichung der Verwaltung in Kurpfalz-Bayern. Die Residenz wurde von Mannheim nach München verlegt. Des Weiteren wurden die kurpfälzischen und die kurbayerischen Truppen zusammengefasst und mit einheitlichen Stammnummern versehen.[2] Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, gebürtiger Amerikaner, reformierte das Heereswesen und stieß Sozialreformen an (Wärmedämmung, Rumfordsuppe, Rumfordherd, Gründung von Schulen für Soldatenkinder, Armenhäusern und Manufakturen). Auf ihn geht auch der Englischen Gartens in München zurück, der 1792 eröffnet wurde.

Das Territorium Bayerns erfuhr während der Französischen Revolution und der napoleonischen Ära umfassende Gebietsänderungen und -erweiterungen. Zunächst verlor Pfalzbayern durch den Ersten Koalitionskrieg alle linksrheinischen Gebiete, da Frankreich den Rhein als Ostgrenze durchsetzen konnte. Bayern hatte sich an dieser Auseinandersetzung kaum beteiligt und schied 1796 aus der Koalition aus, musste aber nach Österreich die größten Verluste verkraften (Herzogtum Jülich und die westliche Kurpfalz).

1799 verstarb Karl Theodor ohne legitimen Erben. Zum Zug kam daher das Haus Pfalz-Zweibrücken mit Kurfürst Maximilian IV. Joseph, damit waren zugleich alle wittelsbachischen Fürstentümer wieder vereinigt, wenngleich das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken selbst französisch besetzt war. Im Frieden von Lunéville erkannte das Reich 1801 formell die Abtretungen an Frankreich an, allerdings hatte Kaiser Franz II. schon im Frieden von Campo Formio 1797 das Rheinland aufgegeben, die Reichsstände und damit auch Kurpfalz-Bayern standen auf verlorenem Posten.

Als Ausgleich konnte Bayern sein Staatsgebiet durch die im Reichsdeputationshauptschluss 1803 verfügte Mediatisierung und Säkularisation erheblich erweitern (Bamberg, Würzburg, Kempten, Ulm, Nördlingen, Augsburg). Da zum Austausch das verbliebene rechtsrheinische pfälzische Gebiet an Baden abgetreten werden musste (Heidelberg, Mannheim) endete die Geschichte Pfalzbayerns. 1806 ging noch das Herzogtum Berg mit Düsseldorf im Tausch gegen Ansbach verloren.

Den Wiederaufstieg Bayerns sicherte der geheime Bogenhausener Vertrag, ein im Jahr 1805 geschlossener Bündnisvertrag zwischen dem Kurfürstentum Bayern und Frankreich. Er führte zur Entstehung des Königreichs Bayern (Proklamation im Januar 1806).

Landesteile von Kurpfalz-BayernBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 518 ff.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anna Maus: Die Geschichte der Stadt Frankenthal und ihrer Vororte. Frankenthal, 1970, S. 71–80, hier: S. 76.
  2. Vgl. Liste der kurpfalzbayerischen Regimenter der Frühen Neuzeit