Julia Simon

französische Biathletin
Julia Simon Biathlon
Julia Simon 2020 in Oberhof
Verband FrankreichFrankreich Frankreich
Geburtstag 9. Oktober 1996 (24 Jahre)
Geburtsort Albertville, Frankreich
Größe 170[1] cm
Gewicht 62 kg
Karriere
Beruf Zollbeamtin / Studentin
Verein Club des Sports Les Saisies
Trainer Frédéric Jean,
Franck Badiou
Debüt im Europacup/IBU-Cup 2014
Europacup-/IBU-Cup-Siege 2 (1 Einzelsieg)
Debüt im Weltcup 2017
Weltcupsiege 7 (3 Einzelsieg)
Status aktiv
Medaillenspiegel
WM-Medaillen 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
EM-Medaillen 0 × Gold 1 × Silber 2 × Bronze
JWM-Medaillen 1 × Gold 0 × Silber 2 × Bronze
IBU Biathlon-Weltmeisterschaften
Gold 2021 Pokljuka Single-Mixed-Staffel
IBU Biathlon-Europameisterschaften
Bronze 2015 Otepää Staffel
Bronze 2018 Ridnaun Verfolgung
Silber 2018 Ridnaun Single-Mixed-Staffel
IBU Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften
Gold 2014 Presque Isle Staffel
Bronze 2014 Presque Isle Sprint
Gold 2015 Minsk-Raubitschy Staffel
Weltcupbilanz
Gesamtweltcup 08. (2019/20)
Einzelweltcup 13. (2019/20)
Sprintweltcup 09. (2019/20)
Verfolgungsweltcup 08. (2019/20)
Massenstartweltcup 03. (2020/21)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
Einzel 0 0 1
Sprint 0 0 1
Verfolgung 1 0 1
Massenstart 2 0 0
Staffel 4 3 6
letzte Änderung: 10. April 2021

Julia Simon (* 9. Oktober 1996 in Albertville) ist eine französische Biathletin. Simon debütierte 2017 im Weltcup und gewann dort im März 2020 erstmals in einem Einzelrennen. Bei den Weltmeisterschaften 2021 errang sie den Titel in der Single-Mixed-Staffel. Zuvor hatte sie im Juniorenbereich Erfolge gefeiert und unter anderem 2014 sowie 2015 jeweils den Weltmeistertitel mit der Staffel geholt.

Sportliche LaufbahnBearbeiten

Vom Jugendbereich in den B-Kader (bis 2018)Bearbeiten

Als Kind begann die in der Wintersportregion Savoyen aufgewachsene Simon mit dem alpinen Skisport. Über den Skilanglauf kam sie zum Biathlon, auf den sie sich ab dem Alter von 16 Jahren konzentrierte.[2] 2012 wurde sie in ihrer Altersklasse französische Vizemeisterin hinter der wenige Monate älteren Justine Braisaz, die ebenso wie Simon ihre Laufbahn im Club des Sports Les Saisies begann.[3] Ihr internationales Debüt gab Simon im Rahmen der Juniorinnenrennen der Europameisterschaften 2014 von Nové Město na Moravě, wo sie als bestes Ergebnis zwei 24. Plätze in Einzel und Verfolgung erreichte. Noch im gleichen Winter gewann sie bei den Jugendweltmeisterschaften 2014 in Presque Isle hinter Lisa Vittozzi und Anna Weidel die Bronzemedaille im Sprintrennen und anschließend gemeinsam mit Estelle Mougel und Lena Arnaud den WM-Titel in der Staffel. Diesen Erfolg wiederholte Simon in der nächsthöheren Altersklasse der Junioren 2015, erneut an der Seite von Arnaud und Chloé Chevalier. Spätere Erfolge im Juniorenbereich waren unter anderem Siege bei französischen Meisterschaften,[4] ein Europameistertitel in der Verfolgung 2016 sowie mehrere Top-Ten-Ergebnisse bei den Rennen der Junioren-WM 2017.

Parallel zu ihren Einsätzen bei internationalen Juniorenmeisterschaften trat Simon ab dem Winter 2014/15 im IBU-Cup an, der nach dem Weltcup zweithöchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich. Dabei platzierte sich die Französin zwar zumeist unter den vorderen 40 und erhielt somit Punkte für die Gesamtwertung, ohne Top-Ten-Resultate blieb sie aber zunächst hinter den Ergebnissen ihrer Teamkolleginnen zurück. Simon gab später an, dass insbesondere die ständigen Vergleiche mit ihrer Vereinskameradin Justine Braisaz „nicht einfach“ gewesen seien: Während Braisaz bereits 2014 mit 18 Jahren in das französische Weltcupteam aufgestiegen war, wurde sie teilweise nicht für den IBU-Cup berücksichtigt.[5] Im Januar 2017 stand Simon in Martell in zwei IBU-Cup-Sprints auf dem Podest und entschied einen davon mit 17,6 Sekunden Vorsprung auf Darja Wirolainen für sich. Daraufhin erhielt sie in Ruhpolding und später (nach einem weiteren IBU-Cup-Podium) auch beim Saisonfinale in Oslo ihre ersten vier Weltcupeinsätze. Als bestes Ergebnis erzielte sie dabei einen 25. Rang im Sprint am Holmenkollen. Im folgenden Winter fand Simon – als Folge erneuter Top-Ten-Ergebnisse im IBU-Cup – ab Januar 2018 regelmäßig Berücksichtigung im Weltcupteam. Nach einem zwölften Rang im Sprint von Antholz nominierte sie der französische Skiverband für die olympischen Wettkämpfe von Pyeongchang; als einzige Biathletin des sechsköpfigen Aufgebots blieb sie dabei ohne Einsatz.[6] Bei den Europameisterschaften 2018 (die ein Großteil der Olympiateilnehmer ausließ) gewann Simon Bronze in der Verfolgung und zusammen mit Émilien Jacquelin Silber in der Single-Mixed-Staffel. Bereits drei Jahre zuvor hatte sie bei der EM 2015 Staffelbronze gewonnen.

Aufstieg im Weltcup (seit 2018)Bearbeiten

 
Simon (l.) mit ihren Teamkolleginnen Anaïs Bescond, Célia Aymonier und Justine Braisaz nach dem Staffelrennen von Oberhof im Januar 2020

Über die Saison 2018/19 zählte Simon formal weiterhin zum B-Kader des Skiverbands,[7] wurde aber über den gesamten Winter hinweg ausschließlich im Weltcup eingesetzt. Sie stand somit auf einer Ebene mit den drei A-Kader-Athletinnen Anaïs Chevalier, Anaïs Bescond und Justine Braisaz, mit denen sie im Staffelrennen von Ruhpolding im Januar 2019 erstmals in der höchsten Wettkampfserie gewann. Simon übernahm dabei die Position der Startläuferin, blieb im Liegend- wie auch im Stehendschießen fehlerfrei und übergab in Führung liegend an Bescond. Auch in Einzelrennen etablierte sie sich im oberen Mittelfeld, verpasste im Sprint von Pokljuka als Vierte das Podium um lediglich 2,5 Sekunden und belegte am Saisonende den 23. Rang im Gesamtweltcup. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme im Erwachsenenbereich erreichte sie als bestes Einzelergebnis einen 21. Rang im 15-Kilometer-Rennen, in den Staffelwettkämpfen verfehlte sie die Medaillenränge klar.

Simon – die seit Mai 2019 auch offiziell im A-Kader geführt wurde[8] – verbesserte ihre Ergebnisse über den folgenden Winter weiter. Bereits beim Saisonauftakt in Östersund stand sie im 15-Kilometer-Einzel erstmals auf dem Podest. Im Januar 2020 verteidigte sie auf der Pokljuka als Schlussläuferin der französischen Mixed-Staffel den ihr von Quentin Fillon Maillet, Simon Desthieux und Justine Braisaz mitgegebenen Vorsprung von 40 Sekunden auf das norwegische Team und sicherte somit ihren zweiten Staffel-Weltcupsieg. Bei den Weltmeisterschaften von Antholz zeigte sie zunächst ihre schwächsten Saisonleistungen mit Resultaten außerhalb der vorderen 30 Plätze, schloss die WM aber mit einem fünften Rang im Massenstart ab. Im letzten Rennen der Saison (das aufgrund der COVID-19-Pandemie ohne Zuschauer stattfand) entschied sie im Alter von 23 Jahren erstmals einen Einzel-Weltcup für sich: Nach einem 11. Platz im Sprint überholte sie in der Verfolgung von Kontiolahti alle Konkurrentinnen und gewann das Rennen mit 17,3 Sekunden vor Selina Gasparin, nachdem sie anders als die bis dahin führende Tiril Eckhoff beim letzten Schießen ohne Fehler blieb. Am Ende des Winters belegte sie als beste Athletin ihres Teams (vier Punkte vor Justine Braisaz) den achten Platz im Gesamtweltcup.

Auch 2020/21 war Simon mit zwei Massenstartsiegen im Januar 2021 eine der erfolgreichsten Französinnen im Weltcup: In Oberhof setzte sie sich auf der Schlussrunde gegen Franziska Preuß durch, in Antholz schlug sie Hanna Öberg im Zielsprint. Bis zum letzten Saisonrennen in Östersund führte sie den Massenstartweltcup an, wurde dort aber mit 15 Fehlschüssen Letzte und fiel auf den dritten Rang der Disziplinenwertung zurück. Mehrere Beobachter bezeichneten Simons Saison als „Achterbahnfahrt“.[9][10] Wegen unbeständiger Schießergebnisse – in erster Linie im liegenden Anschlag – platzierte sie sich zwischen ihren erfolgreichen Wettbewerben teils nicht unter den ersten 50 Athletinnen. Bei den Weltmeisterschaften Mitte Februar 2021 auf der Pokljuka verpasste Simon in den Einzelwettkämpfen vordere Ergebnisse und gab das 15-Kilometer-Rennen nach sieben Schießfehlern in chancenloser Position vor dem Erreichen des Ziels auf. Zwei Tage später gewann sie zusammen mit Antonin Guigonnat die Goldmedaille in der Single-Mixed-Staffel und errang damit ihren ersten Weltmeistertitel, wobei sie auf der letzten Runde schneller als Tiril Eckhoff lief.[9] Im Weltcup hatte Simon zuvor bereits an der Seite von Émilien Jacquelin eine Single-Mixed-Staffel für sich entschieden.

Mit Trefferquoten von jeweils etwa 75 Prozent zählte Simon in den Saisons zwischen 2019 und 2021 zu den durchschnittlichen Schützinnen im Weltcup. Als Vorbild gab sie in einem Interview im Oktober 2019 Dorothea Wierer an, die sie durch ihre schnellen Schießeinlagen inspiriert habe.[11] Auch bei sich selbst sah sie die Schießgeschwindigkeit als größte Stärke, auch wenn „die Präzision nicht immer da“ sei (im Original: „Mon point fort c'est la vitesse de tir mais la précision n'est pas toujours là“).[12] Dafür konnte sie ihre Laufzeiten seit ihrem Weltcupdebüt stetig verbessern, sie waren sowohl 2019/20 als auch in der Folgesaison etwa drei Prozent schneller als der Schnitt des Teilnehmerinnenfeldes.

PersönlichesBearbeiten

Simon wuchs mit ihren in der Landwirtschaft tätigen Eltern, die unter anderem Beaufort-Käse herstellen,[13] in dem Bergdorf Villard-sur-Doron auf und verbrachte die Sommer auf einer Alm.[14] Sie schloss eine Schreinerausbildung ab und bezeichnet Holzarbeiten als „zweite Leidenschaft“.[15] Im Frühjahr 2019 zog sie von ihrer Heimatgemeinde in das ebenfalls savoyische La Féclaz, um die dortigen Schießstände im Training zu nutzen und sich zu professionalisieren. Zudem trat sie dem Ski-Team des französischen Zolls bei.[16]

StatistikBearbeiten

WeltcupsiegeBearbeiten

Einzelrennen Staffelrennen
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 14. März 2020 Finnland  Kontiolahti Verfolgung
2. 17. Jan. 2021 Deutschland  Oberhof Massenstart
3. 23. Jan. 2021 Italien  Antholz Massenstart
Nr. Datum Ort Disziplin
1. 19. Jan. 2019 Deutschland  Ruhpolding Staffel1
2. 25. Jan. 2020 Slowenien  Pokljuka Mixed-Staffel2
3. 10. Jan. 2021 Deutschland  Oberhof Single-Mixed-Staffel3
4. 18. Feb. 2021 Slowenien  Pokljuka (WM) Single-Mixed-Staffel4
2 mit Quentin Fillon Maillet, Simon Desthieux und Justine Braisaz

Biathlon-Weltcup-PlatzierungenBearbeiten

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
  • Staffel: inklusive Mixedstaffeln
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 1 2 4 7
2. Platz 3 3
3. Platz 1 1 1 6 9
Top 10 1 6 6 5 24 42
Punkteränge 7 22 22 13 25 89
Starts 9 34 23 14 25 105
Stand: Saisonende 2020/21

WeltmeisterschaftenBearbeiten

Weltmeisterschaften Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Mixedstaffel Single-Mixedstaffel
Jahr Ort
2019 Schweden  Östersund 24. 61. 8. 8.
2020 Italien  Antholz 31. 41. 35. 5. 14. 7.
2021 Slowenien  Pokljuka DNF 28. 22. 16. 8. 5. 1.

WeblinksBearbeiten

Commons: Julia Simon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Julia Simon. Eurosport, abgerufen am 23. Februar 2020.
  2. Rencontre avec Julia Simon auf sportbc.net. Abgerufen am 5. April 2020.
  3. Championnats de France cadets 2012 – Autrans auf dauphinordique.com. Erschienen am 4. März 2012. Abgerufen am 5. April 2020.
  4. Biathlon/Ruhpolding : La 6e fille sera Julia Simon auf nordicmag.info. Erschienen am 9. Januar 2017. Abgerufen am 5. April 2020.
  5. Jean-Pierre Bidet: Mondiaux : Julia Simon et Justine Braisaz, deux étoiles contraires au sommet du biathlon français auf lequipe.fr. Erschienen am 14. Februar 2020. Abgerufen am 5. April 2020.
  6. Sélections finales aux Jeux Olympiques de PyeongChang 2018 auf ffs.fr. Erschienen am 29. Januar 2018. Abgerufen am 5. April 2020.
  7. Collectifs Nationaux 2018/2019 – BIATHLON auf ffs.fr. Erschienen am 1. Juni 2018. Abgerufen am 5. April 2020.
  8. ÉQUIPES DE FRANCE 2019–2020 – BIATHLON auf ffs.fr. Erschienen am 17. Mai 2019. Abgerufen am 5. April 2020.
  9. a b Romain LB: Julia Simon : entre exploits et désillusions auf biathlonlive.com. 8. April 2021.
  10. Maxime Ducher: Oberhof - Comment la reine Julia Simon a conquis un succès mémorable sur la mass start auf eurosport.fr. 17. Januar 2021.
  11. Lucie Gary: *Ça farte* avec Julia Simon auf ski-nordique.net. Erschienen am 7. Oktober 2019. Abgerufen am 5. April 2020.
  12. Mirko Hominal: Julia Simon : "J'adore ce que je fais" auf ski-nordique.net. Erschienen am 19. Dezember 2019. Abgerufen am 5. April 2020.
  13. Mirko Hominal: Lancement de la Team Fromage Beaufort auf ski-nordique.net. Erschienen am 4. Dezember 2018. Abgerufen am 5. April 2020.
  14. Julia Simon – Justine Braisaz – Point commun : biathlètes internationales au caractère bien trempé... ...made in Les Saisies ! auf lessaisies.com, S. 6–9. Erschienen zum Winter 2019/20. Abgerufen am 5. April 2020.
  15. Julia Simon : "Je fais de la menuiserie" auf ledauphine.com. Erschienen am 28. März 2020. Abgerufen am 5. April 2020.
  16. Benoît Prato: Championnats du monde à Antholz : la revanche de Julia Simon ? auf ledauphine.com. Erschienen am 14. Februar 2020. Abgerufen am 5. April 2020.