Fabien Claude

französischer Biathlet
Fabien Claude Biathlon
Fabien Claude in Oberhof (2020)
Verband FrankreichFrankreich Frankreich
Geburtstag 22. Dezember 1994 (26 Jahre)
Geburtsort Épinal
Größe 182[1] cm
Gewicht 80 kg
Karriere
Verein Ski Club de Basse Sur Le Rupt
ski nordique
Debüt im Europacup/IBU-Cup 2015
Europacup-/IBU-Cup-Siege 5 (4 Einzelsiege)
Debüt im Weltcup 2016
Weltcupsiege 1 Staffelsieg
Status aktiv
Medaillenspiegel
JOS-Medaillen 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
JWM-Medaillen 2 × Gold 2 × Silber 2 × Bronze
JEM-Medaillen 1 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Jugend-Winterspiele
Bronze 2012 Innsbruck Mixed-Staffel
IBU Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften
Gold 2013 Obertilliach Sprint
Bronze 2013 Obertilliach Staffel
Gold 2014 Presque Isle Verfolgung
Silber 2014 Presque Isle Staffel
Silber 2015 Minsk-Raubitschy Sprint
Bronze 2015 Minsk-Raubitschy Staffel
IBU Biathlon-Junioreneuropameisterschaften
Gold 2015 Otepää Sprint
Silber 2015 Otepää Mixed-Staffel
Weltcupbilanz
Gesamtweltcup 19. (2019/20, 2020/21)
Einzelweltcup 05. (2019/20)
Sprintweltcup 17. (2020/21)
Verfolgungsweltcup 08. (2020/21)
Massenstartweltcup 23. (2020/21)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
Einzel 0 0 1
Sprint 0 0 1
Verfolgung 0 1 0
Staffel 1 0 2
letzte Änderung: 8. April 2021

Fabien Claude (* 22. Dezember 1994 in Épinal) ist ein französischer Biathlet. Claude wurde 2013 und 2014 Juniorenweltmeister und debütierte 2016 im Weltcup. Dort stand er seit dem Winter 2019/20 in mehreren Wettkämpfen auf dem Podest und feierte im Januar 2021 seinen ersten Sieg mit der Staffel.

Sportliche LaufbahnBearbeiten

Aufstieg in den Weltcup (bis 2019)Bearbeiten

Claude wuchs in Basse-sur-le-Rupt im Département Vosges auf. Er trainierte in seiner Jugend sowohl Skilanglauf als auch Biathlon und nahm 2012 in beiden Disziplinen an den erstmals ausgetragenen Olympischen Jugend-Winterspielen in Innsbruck teil. Im Biathlon gewann er dabei zusammen mit Léa Ducordeau, Chloé Chevalier und Aristide Bègue die Bronzemedaille in der Mixed-Staffel, während er in den Einzelwettkämpfen als 16. des Sprints und 11. der Verfolgung Top-Ten-Ergebnisse verfehlte.[2] In den folgenden Jahren zählte er zu den international erfolgreichsten Biathleten seiner Altersklasse: 2013 wurde er mit der besten Laufzeit im Wettbewerb trotz zweier Schießfehler Jugendweltmeister im Sprint. Im darauffolgenden Winter gewann er den Titel des Juniorenweltmeisters in der Verfolgung, 2015 zudem noch den des Junioreneuropameisters im Sprint. Während der drei Jahre nahm er bei Großereignissen stets die Position des Schlussläufers der französischen Staffel ein (mit wechselnden Teamkollegen, aber stets gemeinsam mit dem etwa gleichaltrigen Aristide Bègue) und gewann mit ihr vier WM- und EM-Medaillen, jedoch keine goldene.

Ab der Saison 2014/15 gehörte Claude dem französischen Kader für den IBU-Cup an, der zweithöchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich.[3] Dort erreichte er bei seinem vierten Auftritt erstmals die Top Ten und gewann im Januar 2016 den Sprint in Nové Město na Moravě mit 3,6 Sekunden Vorsprung auf Timofei Lapschin, wobei er schnellster Läufer des Teilnehmerfelds war. In der direkten Folge erhielt Claude in Ruhpolding seinen ersten Weltcup-Einsatz: Im 20-Kilometer-Einzelrennen traf er als einziger Starter weniger als die Hälfte der Scheiben und belegte mit den daraus resultierenden elf Strafminuten trotz einer der schnellsten Laufzeiten[4] den 96. Rang unter 103 gewerteten Teilnehmern. Er schloss die Saison im IBU-Cup ab, dort war er als Siebter der Gesamtwertung bestplatzierter Franzose.

Claude blieb in den folgenden Jahren Teil des französischen B-Kaders, erhielt aber regelmäßig Nominierungen für den Weltcup. 2017 nahm er als Ersatzläufer an den Weltmeisterschaften in Hochfilzen teil und bestritt anstelle des zehn Jahre älteren Simon Fourcade den Einzelwettkampf. Der Trainer der französischen Männermannschaft Stéphane Bouthiaux begründete den Tausch damit, dass er davon ausgehe, Claude in Zukunft häufiger bei Großereignissen einzusetzen und ihm die Möglichkeit geben wolle, sich vor einem großen Publikum zu beweisen.[5] Bei seinem ersten WM-Start im Erwachsenenbereich belegte der zu diesem Zeitpunkt 22-jährige Claude den 25. Rang. Bis 2019 erzielte er im Weltcup mehrere Ergebnisse unter den vorderen 40 Athleten und sammelte somit Weltcuppunkte, er blieb dabei aber ohne Top-Ten-Resultat. Im Gesamtweltcup belegte er die Plätze 55, 85 und 47, wobei er sich stets als überdurchschnittlicher Läufer präsentierte: Im Winter 2018/19 lief er die achtbesten Zeiten des gesamten Feldes. Seine Trefferquote von 73 Prozent lag aber deutlich unter der seiner Teamkollegen.[6] Damit gelang es ihm nicht, dauerhaft in die erste französische Mannschaft aufzusteigen, in der Martin Fourcade, Quentin Fillon Maillet, Simon Desthieux und Antonin Guigonnat jeweils mehrmals auf dem Podium standen. Im IBU-Cup zählte Claude währenddessen zu den führenden Athleten, entschied von 2017 bis 2019 vier weitere Rennen für sich und belegte in der Saison 2017/18 den vierten Platz in der Gesamtwertung.

Etablierung in der internationalen Spitze (seit 2019)Bearbeiten

 
Claude beim Biathlon-Weltcup in Oberhof 2020

Beim Auftakt des Weltcups 2019/20 platzierte sich Claude im 20-Kilometer-Einzelrennen von Östersund als Siebter erstmals in den Top Ten, bei einem von Martin Fourcade angeführten französischen Vierfachsieg. In der Staffel von Hochfilzen, in die er nach Fourcades und Desthieux' Verzicht berufen wurde[7], schoss Claude die einzige Strafrunde seines Teams. Dennoch stand er gemeinsam mit Guigonnat, Émilien Jacquelin und Fillon Maillet als Dritter erstmals auf einem Weltcuppodest. Im Einzel von Pokljuka gelang ihm dies ein weiteres Mal, dabei blieb er als einer von nur fünf Athleten ohne Fehlschuss und hatte am Ende weniger als eine halbe Minute Rückstand auf die erst- beziehungsweise zweitplatzierten Johannes Thingnes Bø und Martin Fourcade. Bei den Weltmeisterschaften 2020 war Claude wie drei Jahre zuvor Ersatzläufer.[8] Sein einziger Einsatz war erneut der 20-Kilometer-Wettkampf, in dem er Rang 19 belegte. Den gleichen Platz nahm er am Saisonende in der Weltcupgesamtwertung ein (und den fünften Platz in der Disziplinenwertung des Einzels). Obwohl er damit klar hinter Fourcade, Fillon Maillet, Jacquelin und Desthieux zurückblieb – die alle vier zu den Top 6 des Gesamtweltcups gehörten –, erreichte er damit das mit Abstand beste Resultat seiner bisherigen Karriere.

In der Saison 2020/21 bestätigte Claude insbesondere in der ersten Saisonhälfte seine Vorjahreserfolge: Anfang Dezember 2020 wurde er in Kontiolahti hinter Sebastian Samuelsson Zweiter der Verfolgung und belegte wenige Tage später Rang drei im Sprint von Hochfilzen. Als dritter Läufer der Männerstaffel (an der Seite von Desthieux, Fillon Maillet und Jacquelin) feierte er am 15. Januar 2021 in Oberhof seinen ersten Weltcupsieg. Anschließend fielen Claudes Leistungen ab, was er selbst auf Fehler in der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften zurückführte.[9] Bei der WM auf der Pokljuka verpasste er Top-Ten-Resultate und verlor seinen Staffelplatz an Antonin Guigonnat.[10] Wie im Vorjahr schloss er den Winter als 19. der Weltcup-Gesamtwertung ab.

PersönlichesBearbeiten

Claudes Mutter Christine ist frühere Skilangläuferin und Biathletin, die unter anderem bei den Weltmeisterschaften 1984 den achten Platz im Einzelrennen belegte. Als Betreuerin des örtlichen Ski Club de Basse Sur Le Rupt ski nordique war sie die erste Trainerin von Fabien, seinem älteren Bruder Florent und seinem jüngeren Bruder Émilien, die alle drei Biathleten wurden.[11] Florent Claude war bis einschließlich 2016 Mitglied des französischen B-Kaders und nahm 2017 die belgische Staatsangehörigkeit an; er wurde einer der führenden Athleten des in der Entwicklung begriffenen belgischen Biathlonteams. Fabien startete teilweise parallel mit seinem älteren Bruder im IBU-Cup sowie im Weltcup und trat bei französischen Meisterschaften gemeinsam mit ihm in Staffeln für das Vogesen-Team an: 2013 gewannen sie dabei zusammen mit Florian Rivot den Titel.[12] Die beiden Brüder lebten zwischenzeitlich in einer Wohngemeinschaft in Prémanon und waren Trainingspartner.[11]

Claudes Vater Gilles war Schreiner[13] und Motorsportler[11]. Er starb im Januar 2020 bei einer Schneemobilexkursion im Norden Québecs. Während der Tage, in denen er als verschwunden galt, stand Fabien Claude im Einzelrennen von Pokljuka erstmals auf dem Weltcuppodium. Diesen Erfolg widmete er seinem Vater.[14][15] Anschließend verzichtete er auf den Start beim Massenstart und fuhr nach Frankreich[16], wo die Familie die Todesnachricht erhielt. In einem Interview während der Weltmeisterschaften im Folgemonat bezeichnete er seine dortige Teilnahme als Möglichkeit, der Trauer zu entfliehen und sein Leben weiterzuführen (im Original: „C’est un bon moyen de s’évader ici et de continuer sa vie. Ici, c’est grandiose.“).[17]

StatistikBearbeiten

WeltcupsiegeBearbeiten

Nr. Datum Ort Disziplin
1. 15. Jan. 2021 Deutschland  Oberhof Staffel1

WeltcupstatistikBearbeiten

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
  • Staffel: inklusive Mixedstaffeln
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 1 1
2. Platz 1 1
3. Platz 1 1 2 4
Top 10 2 3 4 7 16
Punkteränge 5 16 18 8 7 54
Starts 12 28 22 8 7 77
Stand: Saisonende 2020/21

WeblinksBearbeiten

Commons: Fabien Claude – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fabien Claude. Eurosport, abgerufen am 23. Februar 2020.
  2. Erfolgsübersicht auf fabien.claude3brothers.fr. Abgerufen am 8. April 2020.
  3. Composition Collectifs Nationaux Biathlon 2014/2015 auf ffs.fr. Erschienen am 15. Mai 2014. Abgerufen am 8. April 2020.
  4. BMW IBU WORLD CUP BIATHLON – 2015/2016 RUHPOLDING – MEN 20 KM INDIVIDUAL – Competition Analysis in der IBU-Datenbank. Abgerufen am 8. April 2020.
  5. AFP: Mondiaux Hochfilzen: Fin de compétition pour Simon Fourcade, remplacé par Fabien Claude auf eurosport.fr. Erschienen am 13. Februar 2017. Abgerufen am 8. April 2020. „On pense depuis un moment qu'on va pouvoir compter sur Fabien Claude dans le futur et c'est une bonne opportunité pour lui de se lancer dans le grand bain dans une grande compétition.“ (auf Deutsch etwa: „Wir glauben seit einer Weile, dass wir in Zukunft auf Fabien Claude setzen können und das ist eine gute Möglichkeit für ihn, bei einem Großereignis ins kalte Wasser zu springen.“)
  6. Fabien Claude in der Datenbank der IBU (englisch) und IBU Biathlon Guide 2019/2020, S. 374–377. Verfügbar als PDF.
  7. Coupe du monde : Le relais français sans Martin Fourcade ni Simon Desthieux à Hochfilzen dimanche auf lequipe.fr. Erschienen am 14. Dezember 2019. Abgerufen am 8. April 2020.
  8. Le Vosgien Fabien Claude sera bien au départ de l'individuel des Mondiaux ce mercredi auf vosgesmatin.fr. Erschienen am 17. Februar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.
  9. Valéry Tuaillon: Fabien Claude termine la saison à moitié comblé auf vosgesmatin.fr. 21. März 2021.
  10. Florian Burgaud: Biathlon | Fabien Claude : retour sur une saison contrastée auf nordicmag.info. 8. April 2021.
  11. a b c Les frères Claude ensemble sur le net auf nordicmag.info. Erschienen am 27. November 2015. Abgerufen am 8. April 2020.
  12. Mirko Hominal: Les Vosgiens ont fait tout juste auf ski-nordique.net. Erschienen am 31. März 2013. Abgerufen am 8. April 2020.
  13. Marie Coulon: Accident de motoneige au Québec : le corps retrouvé est celui de Gilles Claude, 58 ans auf francetvinfo.fr. Erschienen am 25. Januar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.
  14. "Wir lieben dich, Papa" auf spiegel.de. Erschienen am 24. Januar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.
  15. Jean-Pierre Bidet (L’Équipe): Coupe du monde : Fabien Claude 3e de l'indivduel de Pokljuka après la tragique disparition de son père auf lequipe.fr. Erschienen am 24. Januar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.
  16. Mass start de Pokljuka : quels Français au départ avec Martin Fourcade ? auf ledauphine.com. Erschienen am 26. Januar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.
  17. Benoit Prato: Fabien Claude : "C’est dommage d’être obligé de vivre ce genre de drame pour grandir d’un coup" auf ledauphine.com. Erschienen am 19. Februar 2020. Abgerufen am 8. April 2020.