Antonin Guigonnat

französischer Biathlet
Antonin Guigonnat Biathlon
Antonin Guigonnat (2020 in Oberhof)
Verband FrankreichFrankreich Frankreich
Geburtstag 2. Juli 1991 (29 Jahre)
Geburtsort Ambilly, Frankreich
Größe 178[1] cm
Gewicht 70 kg
Karriere
Debüt im Europacup/IBU-Cup 2011
Europacup-/IBU-Cup-Siege 7 (4 Einzelsiege)
Debüt im Weltcup 2014
Weltcupsiege 1 Staffelsieg
Status aktiv
Medaillenspiegel
WM-Medaillen 0 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
EM-Medaillen 0 × Gold 0 × Silber 1 × Bronze
JWM-Medaillen 0 × Gold 1 × Silber 1 × Bronze
IBU Biathlon-Weltmeisterschaften
Silber 2019 Östersund Massenstart
IBU Biathlon-Europameisterschaften
Bronze 2015 Otepää Sprint
Conseil International du Sport Militaire Logo.svg Winter-MilitärweltspieleVorlage:Medaillen_Wintersport/Wartung/unerkannt
Silber 2017 Sotschi 20 km Patrouillen-Rennen
Silber 2017 Sotschi Mixed-Staffel
IBU Biathlon-Juniorenweltmeisterschaften
Silber 2010 Torsby Staffel
Bronze 2012 Kontiolahti Staffel
Weltcupbilanz
Gesamtweltcup 11. (2018/19)
Einzelweltcup 22. (2018/19)
Sprintweltcup 5. (2018/19)
Verfolgungsweltcup 7. (2018/19)
Massenstartweltcup 13. (2017/18)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
Sprint 0 1 2
Verfolgung 0 1 0
Massenstart 0 1 1
Staffel 1 3 2
letzte Änderung: 6. April 2020

Antonin Guigonnat (* 2. Juli 1991 in Ambilly) ist ein französischer Biathlet. Seit 2017 tritt Guigonnat regelmäßig im Weltcup an, wo er 2018 seinen ersten Sieg als Läufer der Single-Mixed-Staffel feierte. Bei den Weltmeisterschaften 2019 gewann er die Silbermedaille im Massenstart.

KarriereBearbeiten

Jugend- und Juniorenbereich und Einsätze im IBU-Cup (bis 2017)Bearbeiten

Guigonnat wuchs im obersavoyischen Morzine-Avoriaz auf, wo er mit dem Skilanglauf begann, ehe er als Jugendlicher zum Biathlon wechselte.[2] Sein internationales Debüt gab er bei den Jugendweltmeisterschaften 2010 in Torsby, bei denen er mit den wenige Monate jüngeren Simon Desthieux und Florent Claude die Silbermedaille im Staffelrennen hinter der russischen Mannschaft gewann. Als beste Einzelergebnisse erzielte er im Sprint den 18. Rang (als bester Athlet seines Landes) und in der Verfolgung Platz 12. 2011 wurde er französischer Juniorenmeister im Massenstart[3], im Jahr darauf belegte er bei der Junioren-WM mit der Staffel – erneut zusammen mit Desthieux und Florent Claude, zudem mit Baptiste Jouty – den vierten Rang, rückte aber durch die sieben Jahre später ausgesprochene Disqualifikation des russischen Teams auf den Bronzerang vor. Im 15-Kilometer-Einzelrennen der Europameisterschaften des gleichen Jahres wurde er Sechster.

Ab März 2011 erhielt Guigonnat Einsätze im IBU-Cup, der zweithöchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich nach dem Weltcup. Seine Debütrennen bestritt er dabei in Annecy-Le Grand-Bornand in seinem Heimatdépartement und belegte als bestes Resultat einen 43. Rang im Sprint. Er lag somit deutlich hinter seinen Teamkollegen wie Simon Desthieux, der in der Folge mehrere Top-Ten-Ergebnisse im IBU-Cup erreichte und ab 2012 in die Weltcupmannschaft aufstieg. Guigonnat etablierte sich im B-Kader: In der Gesamtwertung des IBU-Cups belegte er 2012/13 den 16. Rang, in der Folgesaison gewann er als Schlussläufer der Staffel (um Rémi Borgeot, Baptiste Jouty und Florent Claude) sein erstes Rennen und stand im weiteren Verlauf des Winters auch in zwei Einzelrennen als Zweiter auf dem Podium. Als bester Franzose der Gesamtwertung wurde er im März 2014 erstmals für den Weltcup nominiert[4], verpasste aber die Punkteränge der vorderen 40 Athleten. Bis Saisonende 2016/17 stand Guigonnat in insgesamt 17 IBU-Cup-Rennen auf dem Podium (von denen er 4 gewann), war mehrmals unter den besten Zehn der Gesamtwertung – unter anderem Zweiter im Winter 2014/15 –, stieg aber nicht in den französischen A-Kader auf, obwohl er mehrmals für kurze Phasen im Weltcup eingesetzt wurde.[5] Sein bestes Ergebnis war dabei ein 24. Platz im 20-Kilometer-Einzelrennen von Oslo im März 2015.

Aufstieg und Etablierung im A-Kader (seit 2017)Bearbeiten

 
Guigonnat (r.) vor Tarjei Bø, Dmytro Pidrutschnyj und Quentin Fillon Maillet bei der WM-Verfolgung 2019

Von den ersten sechs Wettkämpfen im IBU-Cup 2017/18 entschied Guigonnat drei für sich und wurde im Dezember 2017 als einer von sechs Franzosen für den Heimweltcup in Annecy-Le Grand-Bornand nominiert. Später gab er an, er habe das Rennen als „letzte Chance“ begriffen[6] und sei zu diesem Zeitpunkt – mit 26 Jahren und nach sechs Jahren im B-Kader – bereit gewesen, seine „ein wenig durchschnittliche“ Karriere mit einem letzten Rennen vor seiner Familie zu beenden.[7] Mit der hohen Startnummer 88 (von etwa 100 Teilnehmern) blieb er ohne Fehler und belegte hinter Johannes Thingnes Bø und Martin Fourcade den dritten Rang, womit er sein bis dahin bestes Weltcupergebnis um 21 Plätze übertraf. In der anschließenden Verfolgung wurde er Zwölfter und nahm in der Folge an allen weiteren Weltcups des Winters teil, wobei er beim Massenstart von Ruhpolding erneut hinter Bø und Fourcade auf dem Podium stand. Er wurde für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang nominiert (wo er als bestes Einzelergebnis zwei 19. Plätze in der Verfolgung und im Massenstart erzielte) und erhielt zudem regelmäßige Staffeleinsätze: In Kontiolahti gewann er im März 2018 gemeinsam mit Anaïs Chevalier in der Single-Mixed-Staffel sein erstes Weltcuprennen, mit der Männerstaffel lief er in Ruhpolding als Schlussläufer auf den zweiten Rang. Am Saisonende führte Guigonnat den von ihm selbst so bezeichneten „Durchbruch“ nicht auf körperliche Fortschritte zurück, sondern in erster Linie auf das Training mit einem Mentalcoach, durch das er insgesamt fokussierter habe schießen können.[8] Im Gesamtklassement belegte er am Ende der Weltcupsaison den 20. Rang als viertbester Franzose hinter Martin Fourcade, Simon Desthieux und Quentin Fillon Maillet. Mit einer Trefferquote von 85 Prozent war er dabei der zweitbeste Schütze seiner Mannschaft.[9]

2018 nahm der französische Skiverband Guigonnat formal in den A-Kader auf.[10] Im Winter 2018/19 platzierte er sich bei allen Weltcuprennen in den Punkterängen. Nach drei Podiumsergebnissen in den ersten Monaten der Saison (jeweils bei Siegen von Johannes Thingnes Bø) gewann er bei seiner ersten WM-Teilnahme die Silbermedaille im Massenstart hinter Dominik Windisch. Guigonnat kam dabei als Achter zum letzten Schießen und traf bei Wind und Schneefall vier von fünf Scheiben, während etwa der lange führende Bø fünf Fehlschüsse abgab. Im Zielsprint um den zweiten Platz setzte sich Guigonnat gegen Julian Eberhard durch.[11] Am Ende des Winters stand er im Gesamtweltcup auf dem elften Rang. In der Folgesaison knüpfte er nicht an diese Ergebnisse an: Er erreichte in lediglich einem Weltcuprennen die Top Ten, wurde im französischen Team für die Weltmeisterschaften in Antholz nur als Ersatzläufer berücksichtigt[12] und kam zu keinem WM-Einsatz. In der gesamten Saison lief Guigonnat nur in zwei von sechs Staffelrennen (jeweils als Startläufer). Er stand damit hinter Fourcade, Fillon Maillet, Desthieux und auch hinter dem vier Jahre jüngeren Émilien Jacquelin zurück. Diese vier Athleten belegten im Gesamtweltcup die Ränge 2, 3, 5 und 6, während Guigonnat als 27. das schwächste Ergebnis seit seiner regelmäßigen Berufung in den Weltcup erreichte.

PersönlichesBearbeiten

Antonin Guigonnats Mutter ist Hebamme, sein Vater gründete als früherer Waldarbeiter eine eigene Baumfällfirma. Seine jüngere Schwester Gilonne ist ebenfalls Biathletin und tritt seit dem Winter 2019/20 im IBU-Cup an. Guigonnat begann ein duales Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre, das er 2012 abbrach, um sich auf den Sport zu konzentrieren. Bis 2018 arbeitete er jeweils im Frühjahr im Unternehmen seines Vaters, dann wurde er von der Armee in die Militär-Skimannschaft aufgenommen. Seit Anfang der 2010er Jahre ist er mit der Biathletin Enora Latuillière liiert, die zwischenzeitlich Teil des französischen Frauen-Weltcupteams war und 2015 eine WM-Medaille mit der Staffel gewann. Latuillière und Guigonnat leben in einer Wohngemeinschaft mit dem Skilangläufer Baptiste Gros in der Nähe des Biathlonstadions von La Féclaz in Savoyen.[6][13]

StatistikBearbeiten

WeltcupsiegeBearbeiten

Nr. Datum Ort Disziplin
1. 10. März 2018 Finnland  Kontiolahti Single-Mixed-Staffel 1

WeltcupplatzierungenBearbeiten

Die Tabelle zeigt alle Platzierungen (je nach Austragungsjahr einschließlich Olympische Spiele und Weltmeisterschaften).

  • 1.–3. Platz: Anzahl der Podiumsplatzierungen
  • Top 10: Anzahl der Platzierungen unter den ersten zehn (einschließlich Podium)
  • Punkteränge: Anzahl der Platzierungen innerhalb der Punkteränge (einschließlich Podium und Top 10)
  • Starts: Anzahl gelaufener Rennen in der jeweiligen Disziplin
  • Staffel: inklusive Mixedstaffeln
Platzierung Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Gesamt
1. Platz 1 1
2. Platz 1 1 1 3 6
3. Platz 2 1 2 5
Top 10 1 6 5 3 12 27
Punkteränge 5 21 19 12 13 70
Starts 8 30 22 12 13 85
Stand: Saisonende 2019/20

WeltcupwertungenBearbeiten

Ergebnisse bei Biathlon-Weltcups (Disziplinen- und Gesamtweltcup) gemäß Punktesystem

Saison Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Gesamt
Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz Punkte Platz
2014/15 17 45. 16 72. 16 61. 49 62.
2015/16 10 68. 10 89.
2016/17 3 89. 9 69. 12 86.
2017/18 30 25. 98 28. 121 22. 130 13. 379 20.
2018/19 44 22. 271 5. 253 7. 122 15. 686 11.
2019/20 30 33. 126 19. 70 24. 28 31. 254 27.

Olympische WinterspieleBearbeiten

Ergebnisse bei Olympischen Winterspielen:

Olympische Winterspiele Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Mixedstaffel
Jahr Ort
2018 Korea Sud  Pyeongchang 23. 27. 19. 19. 5.

WeltmeisterschaftenBearbeiten

Ergebnisse bei den Weltmeisterschaften:

Weltmeisterschaften Einzel Sprint Verfolgung Massenstart Staffel Mixedstaffel Single-Mixedstaffel
Jahr Ort
2019 Schweden  Östersund 20. 7. 2. 6.

JuniorenweltmeisterschaftenBearbeiten

Ergebnisse bei den Juniorenweltmeisterschaften:

Weltmeisterschaften Einzel Sprint Verfolgung Staffel
Jahr Ort
2010 Norwegen  Torsby 39. 18. 12. 2.
2012 Finnland  Kontiolahti 31. 34. 25. 4.

WeblinksBearbeiten

Commons: Antonin Guigonnat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Antonin Guigonnat. Abgerufen am 23. Februar 2020.
  2. Mariya Osolodkina: Vom IBU Cup in die Nationalmannschaft. In: Biathlonworld, Nummer 46/2018. S. 60–65. Als PDF verfügbar.
  3. Mirko Hominal: Gros plan sur Antonin Guigonnat auf ski-nordique.net. Erschienen am 26. Oktober 2011. Abgerufen am 6. April 2020.
  4. Antonin Guigonnat sélectionné en coupe du monde auf ski-nordique.net. Erschienen am 19. März 2014. Abgerufen am 6. April 2020.
  5. Zum Saisonbeginn 2015/16 zählte Guigonnat (obwohl weiterhin dem B-Kader angehörig) zur sechsköpfigen Groupe Coupe du Monde (auf Deutsch: Weltcupgruppe) des französischen Skiverbandes (vgl. Composition des Collectifs Nationaux Biathlon 2015/2016 auf ffs.fr. Erschienen am 6. Mai 2015. Abgerufen am 6. April 2020.) Er verpasste in sieben von acht Einsätzen die Punkteränge und fand ab Februar 2016 bis zum Saisonende keine Berücksichtigung mehr im Weltcup.
  6. a b Ivanna Nikolskaya: Wer verbirgt sich hinter dem Athleten Antonin Guigonnat?. In: Biathlonworld, Nummer 49/2018, S. 84–88.
  7. Antonin Guigonnat : « J'étais prêt à arrêter » ma carrière au Grand Bornand en 2017 auf lequipe.fr. Erschienen am 18. Dezember 2019. Abgerufen am 6. April 2020. „J'arrivais au Grand Bornand pour terminer une carrière un peu moyenne sur une dernière course devant la famille.“
  8. Antonin Guigonnat: ANTONIN GUIGONNAT : L’ASPECT MENTAL EST ESSENTIEL AU BIATHLON auf sans-filtre.fr. Erschienen am 5. April 2018. Abgerufen am 6. April 2020.
  9. IBU Biathlon Guide 2018/2019, S. 338f. Als PDF verfügbar.
  10. Collectifs Nationaux 2018/2019 – BIATHLON auf ffs.fr. Erschienen am 1. Juni 2018. Abgerufen am 6. April 2020.
  11. Mondiaux : Antonin Guigonnat en argent sur la mass start auf lequipe.fr. Erschienen am 17. März 2019. Abgerufen am 6. April 2020.
  12. Elisabeth Pineau (Le Monde): Aux Mondiaux de biathlon, duel à… trois pour une couronne auf lemonde.fr. Erschienen am 13. Februar 2020. Abgerufen am 6. April 2020.
  13. Benoît Prato: Cinq choses à savoir sur Antonin Guigonnat, médaillé d'argent de la mass start auf ledauphine.com. Erschienen am 17. März 2019. Abgerufen am 6. April 2020.