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Gorizia

italienische Gemeinde
(Weitergeleitet von Görz)

Gorizia (deutsch Görz, slowenisch Gorica, furlanisch Gurize) ist eine Stadt am Isonzo im Nordosten Italiens in der Region Friaul-Julisch Venetien direkt auf der Grenze zu Slowenien. Gorizia hat 34.411 Einwohner (Stand 31. Dezember 2017) und war bis 2017 Hauptstadt der Provinz Gorizia, die dann aufgelöst wurde. Daneben ist sie Sitz des Erzbistums Görz.

Gorizia / Gurize / Gorica / Görz
Wappen
Gorizia / Gurize / Gorica / Görz (Italien)
Gorizia / Gurize / Gorica / Görz
Staat Italien
Region Friaul-Julisch Venetien
Koordinaten 45° 56′ N, 13° 37′ OKoordinaten: 45° 56′ 0″ N, 13° 37′ 0″ O
Höhe 84 m s.l.m.
Fläche 41 km²
Einwohner 34.411 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 839 Einw./km²
Postleitzahl 34170
Vorwahl 0481
ISTAT-Nummer 031007
Volksbezeichnung Goriziani / Görzer
Schutzpatron Santi Ilario und Taziano
Website Gorizia
Gorizia und die Burg der Grafen von Görz
Gorizia und die Burg der Grafen von Görz

GeschichteBearbeiten

ErsterwähnungBearbeiten

Erstmals erwähnt wurde die Stadt im Jahr 1001, als Kaiser Otto III. die Burg und den zugehörigen Ort dem Patriarchat von Aquileja und dem Grafen Werichen von Friaul schenkte, von dem der Besitz auf die Grafen von Eppenstein überging.

Österreichisches GörzBearbeiten

Die Stadt war seit dem Spätmittelalter Sitz der Grafen von Görz, die sich vom Patriarchat Aquileia unabhängig gemacht hatten. Nach dem Aussterben der Grafenfamilie kam ihr Gebiet um 1500 an die Habsburger. Görz war nun Hauptstadt der Gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca. Von 1809 bis 1814 gehörte Görz zu Frankreichs Illyrischen Provinzen, danach bis 1815 zum Königreich Illyrien.

Von 1815 bis 1918 gehörte das Gebiet wieder zu Österreich, bis 1849 weiterhin im Königreich Illyrien. 1849–1861 war das Österreichische Küstenland Kronland im Kaisertum Österreich. 1861 wurde die Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca wie Triest und Istrien eigenständiges Kronland (und Österreichisch(-illirisch)es Küstenland nur mehr als zusammenfassende Bezeichnung für diese drei ab 1867 cisleithanischen Kronländer Österreich-Ungarns verwendet). Der k.k. Statthalter für Görz residierte in Triest. Bis 1866 gehörte auch das benachbarte Venetien zu Österreich. Im Osten grenzte die Grafschaft an das ebenfalls österreichische Herzogtum Krain. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde Görz Anfang November 1918 wie der Westrand Krains, Triest und Istrien vom siegreichen Königreich Italien besetzt und 1919 annektiert.

Die Stadt war von alters her dreisprachig (italienisch, slowenisch, deutsch). 1900 hatte Görz inklusive Garnison 25.432 Einwohner, davon 16.112 Italiener, 4.754 Slowenen und 2.760 Deutsche.[2] Görz liegt an der Bahnstrecke Udine–Triest, auf die hier seit 1906 die aus den Julischen Alpen kommende Wocheiner Bahn trifft, Teil der damals neuen alpenquerenden Bahnverbindung SalzburgTriest (Neue Alpenbahn bzw. Transalpina).

Görz war Sitz eines Fürsterzbischofs, des Landtages und des Landesausschusses der Gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca, einer Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts. Um 1900 war Görz ein beliebter Winterkurort, denn die durchschnittliche Wintertemperatur betrug + 3,5 Grad.[3]

 
Die Kriegszerstörungen an der Piazza San Rocco

Nach dem Kriegseintritt Italiens gegen Österreich-Ungarn im Mai 1915 war es erklärtes Ziel der italienischen Heeresleitung, am Isonzo vorzustoßen. Im Sommer 1916 gelang Italien die Eroberung von Görz, im Herbst 1917 wurde die Stadt in der Zwölften Isonzoschlacht von Österreich-Ungarn zurückgewonnen.

Italienisches GoriziaBearbeiten

 
Gorizia

Nach dem Krieg kam im Vertrag von Saint-Germain das gesamte Gebiet zusammen mit Istrien an Italien.

Für im Ersten Weltkrieg gefallene italienische Soldaten wurde in der Zwischenkriegszeit auf einem Hügel im nördlich gelegenen Vorort Oslavia ein auch architektonisch bemerkenswertes Beinhaus (Ossario) errichtet. Auf einer Stele vor dem Eingang wird einiger italienischer Staatsangehöriger Altösterreichs gedacht, die am Krieg auf italienischer Seite teilgenommen haben.

Die Italiener platzierten auf dem Görzer Burghügel eine besonders große Tricolore, die bis weit nach Jugoslawien, heute Slowenien, sichtbar ist.

Slowenisches Nova GoricaBearbeiten

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs, 1945 besetzten jugoslawische Partisanen den Görzer Bahnhof der Wocheiner Bahn (italienisch Ferrovia Transalpina) und erhoben Anspruch auf die Stadt. Als mit dem Frieden von Paris (1946) von den Siegermächten die Staatsgrenze zwischen Italien und Jugoslawien neu gezogen wurde, sanktionierte man auch die Teilung der Stadt. Der kleinere östliche Teil mit dem Bahnhof kam zu Jugoslawien. Nach Auflösung der Republik Jugoslawien ab 1991 ist die Stadt nun Bestandteil von Slowenien und heißt Nova Gorica.

Im Gegenzug zur italienischen Flagge hatten die Jugoslawen ihren damaligen Staatspräsidenten Josip Broz Tito mit einem riesigen steinernen Schriftzug TITO auf einem Hügel bei Nova Gorica geehrt, der in ganz Görz sichtbar ist. Der Schriftzug blieb erhalten.

Überwindung der TeilungBearbeiten

Der EU-Beitritt Sloweniens 2004 und das Inkrafttreten des Schengen-Abkommens für diese Grenze am 21. Dezember 2007 bedeuten, dass nun erstmals seit 1945 die durch die Stadt verlaufende Staatsgrenze – besonders auffällig an der Piazza Transalpina, dem Bahnhofsplatz, über den sie verläuft – an jeder beliebigen Stelle überschritten werden kann.

VerkehrBearbeiten

Gorizia ist über die Autobahn A34 an das italienische Autobahnnetz angebunden, die Staatsstraße SS55 verbindet die Stadt mit Triest. Gorizia hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Udine–Triest und einen Flugplatz für die allgemeine Luftfahrt.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Synagoge, erbaut 1756
  • Burg und Museum zum Ersten Weltkrieg
  • Piazza della Vittoria
  • Dom
  • Villa Coronini mit Garten
  • Piuma-Park am Isonzo
  • Rathaus
  • Corso Italia-Verdi
  • Verdi-Theater
  • Piazza della Transalpina vor dem Bahnhof

SprachenBearbeiten

Die Hauptsprache in Gorizia ist Italienisch, daneben werden Slowenisch und Friulanisch gesprochen.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Partnerstädte von Gorizia sind[5]

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wilhelm Baum: Die Grafen von Görz in der europäischen Politik des Mittelalters, Klagenfurt 2000; italienisch: I Conti di Gorizia, Gorizia 2001
  • Kurt F. Strasser, Harald Waitzbauer: Über die Grenzen nach Triest. Wanderungen zwischen Karnischen Alpen und Adriatischem Meer. Wien-Köln-Weimar 1999
  • Putzger-Bruckmüller: Historischer Weltatlas S. 60/61, 62 und 64

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gorizia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

BelegeBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. K.K. Statistische Central-Commission, Special-Orts-Repertorien der im Oesterreichischen Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Band VII Küstenland (Wien 1883) S. 8.
  3. Meyers Konversations-Lexikon. 5. Aufl., 7. Band. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1895, S. 774.
  4. Kirche Sant' Ignazio (dt.)
  5. Comune di Gorizia – Gemellaggi e collaborazioni, abgerufen am 6. Januar 2019