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Der VW ID.3 (Zum Anhören bitte klicken! [faʊveː aɪdiː dʁaɪ̯]) ist das erste rein als Elektroauto konzipierte Auto von Volkswagen.[1] Die offizielle Vorstellung fand am 9. September 2019 auf der IAA in Frankfurt statt.[2] Das Fahrzeug basiert auf der MEB-Plattform als Grundlage einer Vielzahl kommender Elektrofahrzeuge. Bei der MEB-Plattform ist die Batterie flach im Fahrzeugboden verbaut. Der VW ID.3 ist das erste Fahrzeug der VW-ID.-Familie und basiert auf dem Konzeptfahrzeug VW I.D.

Volkswagen
VW ID.3 auf der IAA 2019
VW ID.3 auf der IAA 2019
ID.3
Produktionszeitraum: seit 11/2019
Klasse: Kompaktklasse
Karosserieversionen: Kombilimousine
Motoren: Elektromotor
Länge: 4260 mm
Breite: 1810 (ohne Außenspiegel) mm
Höhe: 1550 mm
Radstand: 2770 mm
Leergewicht:
Heckansicht
Innenansicht
Getarntes Fahrzeug während Präsentation in Oslo im August 2019
Vorstellung des ID.3 auf der IAA 2019 durch Herbert Diess und Klaus Bischoff
Detailansicht der Rückleuchte
Innenraum

NamensgebungBearbeiten

Nach den verkaufstechnisch sehr erfolgreichen Modellen VW Käfer (1. Generation) und VW Golf (2. Generation) soll der ID.3 dieses Erbe als dritte Generation antreten. Zum anderen soll die Ziffer „3“ stellvertretend für das Segment der Kompaktklasse stehen. ID steht für Identität und soll die dritte große Identität bzw. Generation von VW darstellen. Gleichzeitig steht ID für eine neue Baureihe bzw. Fahrzeugfamilie.[3]

VorreservierungBearbeiten

Am 8. Mai 2019 startete VW eine „Pre-Booking“ genannte Reservierungsaktion für das auf weltweit 30.000 Exemplare limitierte Sondermodell ID.3 1ST; dafür wurde eine (rückzahlbare) Anzahlung von 1000 Euro verlangt. Dieses Modell erhält eine erweiterte Ausstattung und wird mit einer 58-kWh-Batterie mit einer Reichweite von bis zu 420 Kilometern geliefert. Anfang September 2019 publizierte VW, dass 30.000 Registrierungen eingegangen waren und damit die ID.3-1ST-Sonderedition „ausverkauft“ sei; bis 9. Oktober konnten registrierte Interessenten eine der angebotenen Sondereditionen reservieren.[4] Das Reservieren des ID.3-Serienmodells, dessen Einstiegspreis 29.900 Euro betragen soll,[5] ist weiterhin möglich. Verbindliche Kaufverträge können in Deutschland erst ab dem 1. April 2020 abgeschlossen werden, wenn bei VW neue Händlerverträge gelten, die auch den Vertrieb der ID.-Fahrzeuge regeln.[6]

ProduktionBearbeiten

Die Produktion lief am 4. November 2019 im Werk Zwickau an.[7] Eine zweite Montagelinie ist für April 2020 vorgesehen. Den Aufbau der ersten 400 Vorserienfahrzeuge bestätigte Volkswagen am 6. September 2019.[8]

TechnikBearbeiten

AntriebBearbeiten

Der Antrieb erfolgt standardmäßig in Form eines Heckantriebs über eine an der Hinterachse angeordnete durch Permanentmagnete erregte Synchronmaschine mit einer Leistung von bis zu 150 kW (204 PS) und einem maximalem Drehmoment von 310 Nm. Im Gespräch ist auch eine sportliche R-Version mit Allradantrieb. Den Standard-ID.3 wird es nicht mit Allradantrieb geben. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs ist elektronisch auf 160 km/h begrenzt.

BremsanlageBearbeiten

Das Fahrzeug hat serienmäßig an der Vorderachse innenbelüftete Bremsscheiben, an der Hinterachse werden Trommelbremsen verwendet.

Batterie und ReichweiteBearbeiten

Das Serienmodell des ID.3 ist – hinsichtlich der Kapazität der Lithium-Ionen-Antriebsbatterie und der prognostizierten (WLTP-)Reichweite – in drei Varianten angekündigt:[9][10]

Batterie Bezeichnung Kapazität Reichweite berechneter
Verbrauch[11]
brutto netto WLTP praxisnah geschätzt
klein Pure 48 kWh 45 kWh bis zu 330 km 230–330 km 19,6–13,6kWh100 km
mittel Pro 62 kWh 58 kWh bis zu 420 km 300–420 km 19,3–13,8kWh100 km
groß ProS 82 kWh 77 kWh bis zu 550 km 390–550 km 19,7–14,0kWh100 km

Ein Vergleich der Brutto- mit den Netto-Batteriekapazitäten zeigt, dass knapp 94 % der Gesamtkapazität zur Nutzung zur Verfügung stehen, während gut 6 % durch das Batteriemanagementsystem reserviert bleiben.

Die verschiedenen Varianten unterscheiden sich in der Anzahl der Batteriemodule. Die Batterie kann über einen Wasser-Glykol-Kreislauf aktiv gekühlt und beheizt werden.

Volkswagen verspricht eine Garantie auf die Batterie von acht Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern.[12]

LadefähigkeitBearbeiten

Der ID.3 kann über das Onboard-Ladegerät mit bis zu 11 kW (3 × 230 V, 16 A dreiphasig) an einem Drehstromanschluss geladen werden (mittlere und große Batterie), mit der kleinen Batterie sind 7,2 kW (16 A zweiphasig; Nutzung von nur zwei der drei Phasen eines Drehstromanschlusses) möglich. Auch an einer Haushaltssteckdose (Schuko) kann geladen werden.

Die maximale Ladeleistung an CCS-Ladestationen (Gleichstrom) wird bei Erscheinen des ID.3 100 kW betragen. Serienmäßig werden Fahrzeuge mit 45-kWh-Akku nur eine maximale Ladeleistung von 50 kW aufweisen, 100 kW werden aufpreispflichtig erhältlich sein. Später sollen alle Modelle auch mit maximal 125 kW Ladeleistung erhältlichlich sein.[5][13]

SoftwareBearbeiten

Der ID.3 wird das erste Fahrzeug von VW sein, das die Automotive Cloud (basierend auf Microsoft Azure) und das neue Fahrzeugbetriebssystem vw.os nutzt.

Maßnahmen zur Verbesserung der UmweltbilanzBearbeiten

Durch den starken öffentlichen Druck und die Bekennung zum Pariser Klimaabkommen, ist es nötig über den gesamten Lebenszyklus die klimaschädlichen Emissionen so weit es geht zu verhindern. So gibt VW an, dass bei der Herstellung von E-Autos im Schnitt das 1,5-fache an klimaschädlichen Emissionen frei werde, im Gegensatz zu Autos mit Verbrennungsmotor. Die meisten klimaschädlichen Emissionen werden bei der Herstellung der Antriebsbatterien und der Komponenten aus Stahl frei.[14]

LieferketteBearbeiten

Die Herstellung der Antriebsbatterie hat mit 43,3 % den größten Anteil der klimaschädlichen Emissionen. Da VW den Antriebsakku des ID.3 nicht selber herstellt, wurde der für Europa zuständige Zulieferer LG Chem verpflichtet, ausschließlich zertifizierten Ökostrom zu nutzen.[14] Das Werk von LG Chem soll im Südwesten Polens entstehen.[15]

ProduktionBearbeiten

Für die Produktion des ID.3 im Werk Zwickau wird zum Teil Ökostrom der VW Tochtergesellschaft Volkswagen Kraftwerks GmbH und des eigenen Blockheizkraftwerks verwendet. Weitere Einsparungen wurden durch Prozessoptimierungen erreicht, so wurde in der Lackierung der Verbrauch von Erdgas reduziert.

VW gibt vor, dass die klimaschädlichen Emissionen, die während der Produktion nicht vermieden werden können, durch Klimaschutzprojekte kompensiert werden. Dabei handelt es sich bisher um Projekte zum Waldschutz und Wiederaufforstung in den Tropen.[14]

NutzungsphaseBearbeiten

Geringere klimaschädlichen Emissionen gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor ergeben sich bei E-Autos erst während der Nutzung. Dafür ist es erforderlich, einen möglichst großen Anteil Strom aus erneuerbaren Quellen zu nutzen. Das Gemeinschaftsunternehmen Ionity, an dem VW und einige weitere Automobilhersteller beteiligt sind, nutzt für die eigenen Ladepunkte ausschließlich Ökostrom. Des weiteren vertreibt VW mit dem Tochterunternehmen Volkswagen Group Charging GmbH unter der Marke Elli Ökostrom an Privathaushalte.[14]

RecyclingBearbeiten

Das Recycling von Antriebsbatterien stellt noch ein großes Problem bei der Elektromobilität dar. Neben der Errichtung einer Recycling-Pilotanlage am Standort Salzgitter und der Arbeit an Konzepten zur Zweitnutzung der Traktionsbatterie gibt es noch keine konkreten Maßnahmen, die in diesem Bereich zum Produktionsstart des ID.3 von VW ergriffen werden.[14]

LiteraturBearbeiten

  • Frank Kreif: Endlich ID.3 – der neue „Volkswagen“. In: Electric Drive, Nr. 3/2019, S. 26–29
  • Vorstellung VW ID.3. In: Moove, Nr. 1/2020, S. 52–53

WeblinksBearbeiten

  Commons: Volkswagen ID.3 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. VW ID.3 (2019/2020): Preis, bestellen, News, First Edition, Akku. Abgerufen am 8. Mai 2019.
  2. E-VW ID.3: So sieht die Serienversion aus (Bilder & Videos) - ecomento.de. 10. September 2019, abgerufen am 10. September 2019.
  3. Das erste Mitglied der ID. Familie heißt ID.3, abgerufen am 27. Oktober 2019
  4. Andreas Grimm: VW hat 30.000 Reservierungen für die ID 3 First Edition. In: kfz-betrieb. Vogel Communications Group, 4. September 2019, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  5. a b Jochen Wieler: VW ID.3: Elektroauto, Daten, Reichweite, Preis. ADAC, 10. September 2019, abgerufen am 28. September 2019.
  6. Wie VW künftig ID.3 und Golf positioniert. In: ecomento.de. Thomas Langenbucher, 26. September 2019, abgerufen am 9. Oktober 2019.
  7. VW-Elektroauto ID.3 wird ab dem 4. November produziert. 6. September 2019, abgerufen am 7. September 2019.
  8. Produktion des ID.3 im Werk Zwickau startet im November. In: volkswagen-newsroom.com. 6. September 2019, abgerufen am 21. November 2019.
  9. Now you can: der neue ID.3 1ST | Elektroautos | Volkswagen Deutschland. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  10. Auto-Motor-Sport vom 23.2.2019: Preis Marktstart Fotos. Abgerufen am 19. Mai 2019.
  11. Berechnung (gemäß Dreisatz): Energieverbrauch [kWh100 km] = 100 × Netto-Kapazität [kWh]Reichweite [km]. Die tatsächlich erzielbaren Verbrauchswerte und Reichweiten hängen von vielen Einflussfaktoren wie z. B. Fahrstil, Fahrgeschwindigkeiten, Fahrbahnverhältnissen, Reifen (Druck, Profil, Breite), genutzten Nebenverbrauchern, Wetter (Außentemperatur, Wind, Luftdruck), Zuladung und Topografie ab.
  12. Der ID.3 feiert seine Weltpremiere auf der IAA. Volkswagen AG, 30. August 2019, abgerufen am 1. September 2019.
  13. VW ID.3: Erste Fahrt & Innovations-Check – Bloch erklärt #64. auto motor & sport, 12. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.
  14. a b c d e So wird der ID.3 CO2-neutral. In: volkswagen-newsroom.com. 1. November 2019, abgerufen am 21. November 2019.
  15. Cora Werwitzke: LG Chem: Werkspläne für Polen nehmen konkrete Form an. In: electrive.net. 29. Januar 2019, abgerufen am 21. November 2019.