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Olympische Sommerspiele 1972/Leichtathletik – 800 m (Männer)

Der 800-Meter-Lauf der Männer bei den Olympischen Spielen 1972 in München wurde am 31. August, 1. und 2. September 1972 im Olympiastadion München ausgetragen. 61 Athleten nahmen teil.

Olympische Ringe
2014 Olympiastadion Munich.jpg
Sportart Leichtathletik
Disziplin 800-Meter-Lauf
Geschlecht Männer
Teilnehmer 61 Athleten aus 46 Ländern
Wettkampfort Olympiastadion München
Wettkampfphase 31. August 1972 (Vorläufe)
1. September 1972 (Halbfinale)
2. September 1972 (Finale)
Medaillengewinner
Goldmedaille Dave Wottle (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA)
Silbermedaille Jewgeni Arschanow (Sowjetunion 1955Sowjetunion URS)
Bronzemedaille Mike Boit (KeniaKenia KEN)

Olympiasieger wurde der US-Amerikaner Dave Wottle. Er gewann vor Jewgeni Arschanow aus der Sowjetunion und dem Kenianer Mike Boit.

Für die BR Deutschland – offiziell Deutschland – starteten Franz-Josef Kemper, Josef Schmid und Walter Adams. Adams konnte seinen Vorlauf nicht beenden. Schmid schied im Halbfinale aus, Kemper wurde im Finale Vierter.
Die DDR – offiziell DDR – wurde durch Dieter Fromm vertreten, der sich für das Finale qualifizieren konnte, in dem er Achter wurde.
Die Schweiz hatte mit Rolf Gysin einen Teilnehmer, der im Halbfinale scheiterte.
Läufer aus Österreich und Liechtenstein nahmen nicht teil.

Bestehende RekordeBearbeiten

Weltrekord 1:44,3 min Peter Snell (Neuseeland  Neuseeland) Christchurch, Neuseeland 3. Februar 1962
Ralph Doubell (Australien  Australien) Mexiko-Stadt, Mexiko 15. Oktober 1968[1]
Olympischer Rekord Ralph Doubell (Australien  Australien) Finale von Mexiko-Stadt, Mexiko 15. Oktober 1968

Durchführung des WettbewerbsBearbeiten

Die Athleten traten am 31. August zu acht Vorläufen an. Die jeweils drei Laufbesten kamen ins Halbfinale am 1. September. Hieraus qualifizierten sich die jeweils ersten Beiden sowie die zwei nachfolgend Zeitschnellsten für das Finale, das am 2. September stattfand.

ZeitplanBearbeiten

31. August, 15.00 Uhr: Vorläufe
1. September, 16.00 Uhr: Halbfinale
2. September, 17.00 Uhr: Finale[2]

Die direkt qualifizierten Athleten sind hellblau, die übrigen hellgrün unterlegt.

VorrundeBearbeiten

Datum: 31. August 1972, ab 15.00 Uhr[3]

Vorlauf 1Bearbeiten

Mohamed Aboker war der erste Sportler, der für Somalia an Olympischen Spielen teilnahm.

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Alain Sans Frankreich  Frankreich 1:49,2 min
2 Mansour Guettaya Tunesien  Tunesien 1:49,4 min
3 Azzedine Azzouzi Algerien  Algerien 1:49,4 min
4 Rick Wohlhuter Vereinigte Staaten  USA 1:49,4 min
5 Reza Entezari Iran 1964  Iran 1:50,5 min
6 Édouard Rasoanaivo Madagaskar  Madagaskar 1:50,8 min
7 Alphonse Mandonda Kongo Volksrepublik   Volksrepublik Kongo 1:51,2 min
DSQ Mohamed Aboker Somalia  Somalia

Vorlauf 2Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Robert Ouko Kenia  Kenia 1:47,4 min
2 Josip Međimurec Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 1:48,1 min
3 Jewgeni Wolkow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:48,6 min
4 Fernando Mamede Portugal  Portugal 1:48,6 min
5 Mohamed Sid Ali Djoudi Algerien  Algerien 1:50,4 min
6 Colin Campbell Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:54,8 min
7 Francisco Menocal Nicaragua  Nicaragua 1:58,6 min
8 Thomas Howe Liberia  Liberia 2:00,7 min

Vorlauf 3Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Franz-Josef Kemper Deutschland BR  BR Deutschland 1:47,3 min
2 Dave Cropper Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:47,5 min
3 Rolf Gysin Schweiz  Schweiz 1:47,5 min
4 Roqui Sanchez Frankreich  Frankreich 1:47,9 min
5 Thomas Saisi Kenia  Kenia 1:48,5 min
6 András Zsinka Ungarn 1957  Ungarn 1:49,0 min
7 Daniel Andrade Senegal  Senegal 1:53,9 min

Vorlauf 4Bearbeiten

Roger Kangni war der erste Leichtathlet Togos bei Olympischen Spielen.

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Mulugetta Tadesse Athiopien 1941  Äthiopien 1:47,1 min
2 Dave Wottle Vereinigte Staaten  USA 1:47,6 min
3 Josef Schmid Deutschland BR  BR Deutschland 1:47,8 min
4 Graeme Rootham Australien  Australien 1:48,2 min
5 Lennox Stewart Trinidad und Tobago  Trinidad und Tobago 1:48,7 min
6 Thorst Thorsteinsson Island  Island 1:50,8 min
7 Roger Kangni Togo  Togo 1:53,9 min
DNS Mohamed Amakdouf Marokko  Marokko

Vorlauf 5Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Jewgeni Arschanow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:48,3 min
2 Andrzej Kupczyk Polen 1944  Polen 1:48,5 min
3 Angelo Hussein Sudan  Sudan 1:48,9 min
4 Gheorghe Ghipu Rumänien 1965  Rumänien 1:50,1 min
5 Carlos Dalurzo Argentinien  Argentinien 1:50,6 min
6 Héctor López Venezuela 1954  Venezuela 1:50,8 min
DSQ Antonio Fernández Spanien 1945  Spanien
DNF Walter Adams Deutschland BR  BR Deutschland

Vorlauf 6Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Dieter Fromm Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 1:46,9 min
2 Jozef Plachý Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 1:47,1 min
3 Manuel Gayoso Spanien 1945  Spanien 1:47,5 min
4 Sriram Singh Indien  Indien 1:47,7 min
5 Francis Gonzalez Frankreich  Frankreich 1:48,8 min
6 Mehmet Tümkan Turkei  Türkei 1:49,5 min
7 Kassem Hamzé Libanon  Libanon 1:52,5 min
8 Harry Nkopeka Malawi 1964  Malawi 1:57,7 min

Vorlauf 7Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Mike Boit Kenia  Kenia 1:47,3 min
2 Herman Mignon Belgien  Belgien 1:47,5 min
3 Andy Carter Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:47,6 min
4 Byron Dyce Jamaika  Jamaika 1:48,0 min
5 Benson Mulomba Sambia 1964  Sambia 1:53,4 min
6 James Crampton Birma  Birma 1:54,2 min
7 Fritz Pierre Haiti 1964  Haiti 2:01,5 min
DNS Francesco Arese Italien  Italien

Vorlauf 8Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Iwan Iwanow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:51,0 min
2 Ken Swenson Vereinigte Staaten  USA 1:51,1 min
3 Frank Murphy Irland  Irland 1:51,1 min
4 Sjef Hensgens Niederlande  Niederlande 1:51,2 min
5 Donaldo Arza Panama  Panama 1:51,2 min
6 Jaiye Abidoye Nigeria  Nigeria 1:52,0 min
7 Muhammad Siddique Pakistan  Pakistan 1:52,6 min
8 Shibrou Regassa Athiopien 1941  Äthiopien 1:53,3 min

HalbfinaleBearbeiten

Datum: 1. September 1972, ab 16.00 Uhr[3]

Lauf 1Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Robert Ouko Kenia  Kenia 1:47,6 min
2 Dieter Fromm Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 1:48,1 min
3 Dave Cropper Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:48,4 min
4 Josef Schmid Deutschland BR  BR Deutschland 1:48,8 min
5 Frank Murphy Irland  Irland 1:49,2 min
6 Azzedine Azzouzi Algerien  Algerien 1:49,4 min
7 Alain Sans Frankreich  Frankreich 1:49,6 min
8 Jewgeni Wolkow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:50,1 min

Lauf 2Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Dave Wottle Vereinigte Staaten  USA 1:48,7 min
2 Franz-Josef Kemper Deutschland BR  BR Deutschland 1:48,8 min
3 Jozef Plachý Tschechoslowakei  Tschechoslowakei 1:48,9 min
4 Josip Međimurec Jugoslawien Sozialistische Föderative Republik  Jugoslawien 1:49,0 min
5 Iwan Iwanow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:49,6 min
6 Herman Mignon Belgien  Belgien 1:49,7 min
7 Mansour Guettaya Tunesien  Tunesien 1:49,8 min
8 Angelo Hussein Sudan  Sudan 1:51,1 min

Lauf 3Bearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Mike Boit Kenia  Kenia 1:45,9 min
2 Jewgeni Arschanow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:46,3 min
3 Andy Carter Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:46,5 min
4 Andrzej Kupczyk Polen 1944  Polen 1:46,7 min
5 Manuel Gayoso Spanien 1945  Spanien 1:47,7 min
6 Rolf Gysin Schweiz  Schweiz 1:48,2 min
7 Mulugetta Tadesse Athiopien 1941  Äthiopien 1:48,9 min
DSQ Ken Swenson Vereinigte Staaten  USA

FinaleBearbeiten

Platz Name Nation Zeit Anmerkung
1 Dave Wottle Vereinigte Staaten  USA 1:45,9 min
2 Jewgeni Arschanow Sowjetunion 1955  Sowjetunion 1:45,9 min
3 Mike Boit Kenia  Kenia 1:46,0 min
4 Franz-Josef Kemper Deutschland BR  BR Deutschland 1:46,5 min
5 Robert Ouko Kenia  Kenia 1:46,5 min
6 Andy Carter Vereinigtes Konigreich  Großbritannien 1:46,6 min
7 Andrzej Kupczyk Polen 1944  Polen 1:47,1 min
8 Dieter Fromm Deutschland Demokratische Republik 1949  DDR 1:48,0 min

Datum: 2. September 1972, 17.00 Uhr[3]

Als Favoriten galten vor allem Jewgeni Arschanow aus der UdSSR, Europameister von 1971 und David Wottle, USA, der in den Vereinigten Staaten der dominierende Läufer der Olympiasaison war, allerdings im Vorfeld an einer Knieverletzung laborierte. Beide Läufer waren äußerst spurtstark und besaßen die notwendige Tempohärte für solch ein Rennen.

Im Finale gaben zuerst die beiden Kenianer Robert Ouko und Mike Boit den Ton an. Die 400-Meter-Zwischenzeit war mit 52,3 Sekunden gut, lag aber nicht im absoluten Topbereich. Nach der ersten Runde wurde es etwas langsamer, Arschanow übernahm nach 500 Metern die Führung. Bis dahin war das Spitzenfeld mit sechs Läufern dichtgedrängt, nur Franz-Josef Kemper hielt sich auf Rang sieben aus den Positionskämpfen heraus. Und Wottle hatte sich auf der ersten Runde auf dem letzten Platz aufgehalten mit einer kleinen Lücke zu Kemper. Wottle arbeitete sich in der Gegengeraden vorbei an seinen nachlassenden Gegnern weiter nach vorne. In der Kurve hatte er Tuchfühlung zum führenden Quartett und konnte auf der Zielgeraden an den Kenianern und auch an Arschanow vorbeiziehen. David Wottle war der klar schnellste Läufer auf den letzten zweihundert Metern und wurde Olympiasieger. Jewgeni Arschanow gewann die Silbermedaille und Bronze ging an Mike Boit. Robert Ouko – er wurde Fünfter – musste mit den letzten Schritten auch noch Franz-Josef Kemper passieren lassen.[4]

Dave Wottle, zu dessen Markenzeichen eine Golfkappe gehörte, die er auch während der Wettkämpfe trug, sorgte bei der Siegerehrung für einige Irritationen. Er behielt seine Kopfbedeckung auch während des Abspielens der Hymne auf seinem Kopf. Hinterher entschuldigte er sich bei seinen Landsleuten. Er sagte, er habe vergessen, dass er die Kappe trage.[5]

Jewgeni Arschanow gelang der erste sowjetische Medaillengewinn über 800 Meter.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

VideoBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. IAAF Statistics Handbook, Berlin 2009 Seite 548 (engl.) (Memento vom 29. Juni 2011 im Internet Archive), abgerufen am 18. November 2017
  2. Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 43, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 18. November 2017
  3. a b c Offizieller Bericht, Band 3 "The competitions", S. 51, englisch/französisch/deutsch (PDF, 28 MB), abgerufen am 18. November 2017
  4. SportsReference (engl.), abgerufen am 18. November 2017
  5. Artikel im Milwaukee Journal vom 8. September 1972 (engl.), abgerufen am 18. November 2017